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erhesse
Freitag, 5. November 1015
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Der Sturz des Kabinetts Saimis.
(T.) Großes Hauptauartier, 4. November.
(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
Nördlich von Massiges stürmten unsere Truppen einen nahe vor unserer Front liegenden französischen Graben in einer Ausdehnung von achthundert Metern. Der größte Teil der Besatzung ist gefallen, nur zwei Offiziere(darunter ein Major) uno fünfundzwanzig Mann wurden gefangen genommen.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.
Bor Dünaburg wird weiter gekämpft. An verschic⸗ denen Stellen wiederholten die Russen ihre Angriffe, überall wurden sie zurückgeschlagen. Besonders starke Kräfte setzten sie bei Garbunowka ein; dort waren ihre Verluste auch am schwersten. Das Dorf Mikulischki konnten sie im 12 5 unserer Artitlerie nicht halten, es ist wieder von uns
esetzt.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Keine wesentlichen Ereignisse.
Heeresgruppe des Generals v. Linsingen.
Die Russen versuchten gestern früh einen Ueberfall auf das Dorf Kuchocka⸗Wola. In das Dorf eingedrungene Abteilungen wurden sofort wieder hinausgeworfen.
Ein abermaliger Versuch des Feindes, durch starke Gegenangriffe uns den Erfolg weftlich von Czartorysk streitig zu machen, scheiterte. Aus den vorgestrigen Kämpfen wurden insgesamt fünf Offiziere, eintausendein⸗ hundertundsiebzehn Mann als Gefangene und elf Maschinengewehre eingebracht.
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Bei den Truppen des Generals Grafen Bothmer wurde auch gestern noch in und bei Siemikowee gekämpft, die Zahl der bei dem Dorfkampf gemachten Gefangenen hat sich auf dreitausend erhöht. Russische Angriffe süd⸗ lich des Ortes brachen zusammen.
3 Balkan⸗Kriegsschauplatz.
Gegen zähen feindlichen Widerstand sind unsere Trup⸗ ben beiderseits des Koslenik⸗ Berglandes(wnördlich von Kraljevo) im Vordringen. Oestlich davon ist die all⸗ gemeine Linie Zakuta— Vk. Prelica— Jagodina überschritten. Oestlich der Morava weicht der Gegner, unsere Truppen folgen. Es wurden sechshundertfünfzig Ge⸗ fangene gemacht.
Die Armee des Generals Bojadjieff hat Vala⸗ konje und Boljevac(an der Straße Zajecar—Paracin) genommen und im Vorgehen von Sorljig auf Nisch den Kalafat(zehn Kilometer nordöstlich von Nisch) erstürmt.
Oberste Heeresleitung. * 2
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Wieder kommt aus Griechenland eine Aufsehen er⸗ regende Meldung: Venizelos, der alte Freund Frankreichs und Englands, hat in der Kammer eine neue Krisis herbei⸗
ührt, in deren Verlauf der jetzige Ministerpräsident
almis seinen Rücktritt ankündigte. Es sind gerade vier
Wochen her, daß Venizelos von König Konstantin verab⸗ schiedet worden ist mit der Begründung, er, der König, könne der Politik seines bisherigen Ministers nicht bis zum Ende folgen. Das war am 5. Oktober; die griechische Kam⸗ mer hatte am 4. Oktober Venizelos ein Vertrauensvotum erteilt, wobei ein Stimmverhältnis von 142: 102 sich er⸗ 5 hatte; 50 Abgeordnete waren abwesend, die Minister eteiligten sich nicht an der Abstimmung. Heute hat sich dieses Verhältnis der Parteien kaum geändert; Venizelos erhielt 147, Zaimis 114 Stimmen.
Allzu überraschend kommt der neue Umschwung nicht Die unklaren Verhältnisse in Saloniki drängten nach einer Klärung und wirklichen Entscheidung. Es zeigt sich mit jedem Tage mehr, daß halbe Entschließungen auf dem Balkan auf die Dauer unhaltbar sind. Man hat sich gestern in der griechischen Kammer vermutlich darüber unterhalten, wie weit man gehen solle, um die Uebergriffe des Vier⸗ verbandes bei den Landungen in Saloniki abzuwehren, und es mag sein, daß dabei der Kriegsminister strengere Maß⸗ regeln zur Aufrechterhaltung der Neutralität gefordert hakte. Sicherlich aber hat am Vorabend der letzten, end⸗ gültigen Entscheidung die„Entente“ noch einmal alle Mittel wüster Verhetzung und Bestechung aufgewendet, um Veni⸗
los über den König triumphieren zu lassen. Darum ist es schon als ein Erfolg zu betrachten, daß das Kabinett Zaimis ich eine respektable Stimmenzahl erhalten hat, und es ist nach wie vor klar, daß Griechenland bei so geteilten
Meinungen im Lande sich nicht wird ins Meer des Welt⸗ kriegs stürzen können. Alle Blicke wenden sich wie
der auf König Konstantin. Die Entschlüsse, die er fassen muß, scheinen ihm sicher durch die Tatsachen vor⸗ eschrieben zu sein. Wie haben sich denn die Dinge verändert, seit er am 5. Oktober Venizelos den Abschied erteilte Zeitlich zusammentreffend mit dem griechischen Kabinetts⸗ wechsel war Bulgarien an der Seite der W in den Krieg eingetreten. Die gesamte Presse der Welt, ein⸗ schließlich derjenigen Englands und Frankreichs, hat der „Entente“ den Zusammenbruch ihrer Orientpolitik beschei⸗
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nigt. Es wurde infolge der vorläufigen Neutralität Griechen⸗ lands offenkundig, daß England und Frankreich ganz un⸗ vorbereitet auf eigene Taten auf dem Balkankriegs⸗ schauplatze waren. Noch heute ist es trotz großer Worte der Herren Asquith und Briand klar, daß die Hilfe für Serbien unheilbar und trostlos am Stecken hinkt. Serbien ist zum großen Teile von den Truppen der Zentralmächte und Bul⸗ garien erobert worden, sein Heer weicht geschlagen gegen Sildwesten zurück. Die strategische Lage auf dem Balkan⸗ kriegsschauplatze gestattet dem Vierverbande kaum noch Hoff— nungen. Die Verbindung mit der Türkei ist errungen wor⸗ den und kann schwerlich wieder unterbunden werden. Bald werden wohl an der Seite der Bulgaren die Gefolgschaften Enver Paschas eintreffen, wozu der heute veröffentlichte Tele— grammwechsel zwischen Enver und dem bulgarischen General Schekow vielleicht das Vorspiel ist. Wie kläglich die Aussichten der Engländer und Franzosen an den Dardanellen sind, er⸗ sieht man aus Lord Beresfords Kritik im englischen Unter⸗ hause, die wir in den folgenden Meldungen wiedergeben. Wo wären die Anhaltspunkte zu finden für die Auffassung, König Konstantin müßte infolge veränderter Verhältnisse seine wohlerwogene Politik ändern? Im Gegenteil, alle 1 0 zeige der Lage können ihm seinen Entschluß nur stärken, nichts zur Rettung Serbiens und des Vierverbandes zu unternehmen. In mänten haben zwar einige vermutlich in englischer und französischer Abhängigkeit stehende Hetzer neuerdings wieder den Krieg gegen die Zentralmächte ge⸗ sordert, aber an der Besonnenheit und Unerschütterlichkeit der gegenwärtigen rumänischen Regierung hat sich nichts geã t. Auch das persönliche 1 des Königs Kon⸗ stantin erfordert eine scharfe Zurückwetsung der anmaßenden Machenschasten des kretischen Staatsmannes. Mit Hilfe eines treuen Ofsizierkorps wird es dem König möglich sein, für seine Ziele endlich klare Bahn zu schaffen, denn wenn er auch nicht die Mehrheit des Parlaments gewonnen hat, so dürfte er bei der Auflösung der Kammer und Aus⸗ schreibung von Neuwahlen höchstwahrscheinlich auf die ge⸗ sunden Sinne des Volkes rechnen. Die„Bayerische Staats⸗ zeitung“ hatte gerade eben die Politik König Konstantins mit sehr zutreffenden Worten charakterisiert und ihm den Beinamen des„Erhalters“ zugelegt:
„Sein kluger Sinn traf sich in dem Wunsche, die Balkan⸗ verhältnisse selbständig durch die Balkanstaaten zu ordnen, mit der erprobten Staatsweisheit des Zeren der Bulgaren. So verdankt Griechenland seinem König und ihm vor allem, daß es seine selbständige Stellung gewahrt hat, der Balkan aber, daß er nicht völlig in Abhängigkeit von dem Vierverbande geraten ist, und daß glücklicherweise die Aussicht besteht, die nationalen Hoffnungen der Griechen mie der Bulgaren im Einverständnis mit der Türkei und den Mittelmächten zu regeln. Daß der Weg dabei über die Leiche Serbiens führt, statt daß friedliche Vereinbarungen erzielt wur⸗ den, ist nicht die Schuld des unglücklichen serbischen Volkes, son⸗ dern der serbischen Regierung und des Verrats des Vierverbandes, in erster Linie Englands. Griechenlands Beispiel aber wird, so scheint es, auch Rumänien den Frieden erhalten, und dereinst können die Balkanvölker hoffentlich dem griechischen König ein Denkmal setzen als„Konstantin dem Erhalter“.
Die neueste Wendung der Dinge wird es vielleicht noch mehr unterstreichen, daß der Lenker des griechischen Staates in der Geschichte einst den rühmlichen Namen „Konstantin der Erhalter“ führen könnte.
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Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.
Wien, 4. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 4. November 1915.
Russischer Kriegsschauplatz.
Der Feind setzte seine Angriffe gegen die Strypa⸗ Front fort. Die gegen die Stellung bei Wisniowezyk und Burlanow gerichteten Angriffe brachen vor unseren Hinder⸗ nissen zusammen. Vor den Schützengräben zweier Bataillone würden 500 russische Leichen begraben. Im Dorf Siemi⸗ kowcee nördlich von Bieniawa wird nach wie vor heftig ge⸗ kämpft. Oesterreichisch⸗ungarische und deutsche Truppen ge⸗ wannen den Ort fast ganz zurück. Die Zahl der in diesem Raum eingebrachten Gefangenen beträgt 3000. Auch am un⸗ teren Styr wurden zahlreiche Vorstüße des Gegners ab⸗ geschlagen. Bei den vorgestrigen Kämpfen westlich von Czar⸗ torysk hat ein aus Truppen beider Heere zusammengesetztes Armeekorps insgesamt fünf russische Offiziere und 1117 Ban gefangen genommen und 11 Maschinengewehre er⸗
eutet. Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Angriffe der Italiener auf den Görzer Brückenkobf und die Nachbarabschnitte dauern fort. Gestern waren die heftigsten Stürme gegen Zagora, die Pod⸗ gora⸗Höhen und den Monte San Michele gerichtet. Wieder wurde der Feind überall abgewiesen. Auf den Podgora⸗ Höhen wird um einzelne Gräben noch gekämpft.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Oestlich von Trebinje ist ein Angriff gegen die mon⸗ tenegrinischen Grenzstellungen im Gange. Oestlich von Bileca und südlich von Avtopac wurden in den dort erkämpften Positionen feindliche Vorstöße abgeschlagen. Auf dem Berg Zobija kam es zu Handgranatenkampf. Der serbische Piderstand im Raume von Kragujevac und bei Jago⸗ dina wurde gebrochen. Der Feind ist im Zurückweichen. Von der Armee des Generals v. Köveß rückten österreichisch⸗ ungarische Streitkräfte über Pozega hinaus. Die Verbindung
zwischen Uzice und der östlich von Visegrad kämpfenden Gruppe ist hergestellt. Südwestlich von Cacak warfen wir den Feind von den das Tal beherrschenden Höhen. Andere österreichisch⸗ungarische Kolonnen nahmen die Höhen Stolica und Lipnica Glavica und drängen die Serben auf den Drobnja⸗Rücken zurück. Deutsche Truppen rückten in Jagodina ein.
Von den bulgarischen Kräften drang eine Kolonne bis Bolje vac südwestlich von Zajecar vor. Eine andere nahm den Berg Lipnica nordöstlich von Nisch. Die An⸗ griffe der Bulgaren südwestlich von Pirot gewinnen Raum
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschallcutnant.
Eine neue Ministerkrists in Griechenland.
Athen, 4. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Da es bei Erörterung der militärischen Ge⸗ seßzanträge in der Kammer zu einem Zwischenfall zwi⸗ schen dem Kriegsminister und der venizelistischen Mehrheit kam, stellte Ministerpräsident Zaimis die Vertrauensfrage. Venizelos erklärte, es sei den Libe⸗ ralen unmöglich, die Regierung zu unterstützen, deren Politik den Interessen des Landes unheilvoll sei. Alle Parteiführer griffen sodann in die Debatte ein. Die Regierung kam mit 114 gegen 147 Stimmen in die Minder⸗ heit. Infolge dieses Mißtrauensvotums der Kammer er⸗ klärte Zaimis. 150 eine Ministerkrisis offen zutage liege. Er ersuchte die Kammer, sich bis zur Bildung eines neuen Kabinetts zu vertagen.
Berlin, 5. Nov. Zur Nachricht, daß Venizelos das Kabinett Zaimis gestürzt habe, um sich selbst an dessen Stelle zu setzen, sagt der„Berl. Börsenkourier“: Jetzt heißt es für König Konstantin, entweder wieder einen Versuch mit Venizelos zu machen, oder noch einmal durch Auflösung der Kammer an das Volk zu appellieren. Venizelos hat kürzlich gesagt, daß er, wieder zur Macht gelangt, Bulgarien den Krieg erklären würde.
Im„Berl. Lok.⸗Anz.“ heißt es: Nach den Vorgängen der letzten Wochen ist nicht anzunchmen, daß König Konstantin sich jetzt unter den Willen eines Staatsmannes beugen wird, der schon zweimal gehen mußte, weil er sich in offenem Gegen⸗ satz zu der Ansicht der Krone befand. König Konstantin hat sich in den großen Schwierigkeiten der letzten Monate als ruhiger, entschlossener Politiker erwiesen und er wird weiterhin in Ueber⸗ einstimmung mit dem Willen des Volkes die Interessen Griechen⸗ lands in gleich entschiedener Weise zu wahren wissen.
Das„Berliner Tageblatt“ meint: Venizelos hat das Kabinett Zaimis gestürzt, um sich selbst an dessen Stelle zu setzen. Seit dem Tage vor vier Wochen, da sich König Konstantin von ihm trennte, war es klar, daß Venizelos in der Stille das Ziel, das er jetzt erreicht hat, verfolgen würde. Die Krise ist da, aber un⸗ mittelbare, praktische Folgen, einen sofortigen Umschwung der griechischen Politik von ihr zu erwarten dazu liegt kein Anlaß vor. Die griechische Armee wird, ohne einem anderen Befehl als dem ihres Königs zu gehorchen, Gewehr bei Fuß be⸗ harren. Sie trägt schon bitter genug an dem Groll über die Verletzung griechischen Gebietes durch die in Saloniki einge⸗ drungenen Truppen der Entente, ohne daß sie ihnen entgegen⸗ treten durfte. Sie wird kein Werkzeug einer gefährlichen Aben⸗ teuerpolitik sein, auch wenn der Abenteurer Venizelos heißt und wenn er, seinem hochgesteckten Ziele nachjagend— er strebt nach der Präsidentschaft der hellenischen Republik—, den Mut haben sollte, sein Abenteuer mit ausländischer Hilfe in das innere Le⸗ ben des Landes zu tragen.
Ein Telegrammwechsel zwischen Enver Pascha und dem bulgarischen General Schetow.
Sofia, 4. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Bul⸗ garischen Telegraphen⸗Agentur. Das Armeeblatt veröffentlicht fol⸗ gende, zwischen dem türkischen Vizegeneralissimus Enver Pascha und dem bulgarischen General Sche⸗ kow gewechselte Depeschen: Enver Pascha telegraphierte: Ich bin überaus glücklich, meine aufrichtigsten und herzlichsten Glück⸗ wünsche dem heldenmütigen bulgarischen Oberkommandanten der tapferen bulgarischen Armee zu den großen, un unter⸗ brochenen Erfolgen auszusprechen, die sie von dem ersten Tage an, mit Heldenmut und Geschicklichkeit, die schwierigsten Hindernisse auf ihrem Wege überwindend, errungen hat, und ich wünsche, daß die ummterbrochenen Erfolge ohne Unterlaß ihre Fortsetzung finden, um den endlichen Triumph zu erreichen.
Schekow erwiderte: Mit wahrer Genugtuung habe ich das Telegramm Eurer Exzellenz gelesen. Die bulgarische Armee wird fortfahren, sich durch Siege auf dem Schlachtfelde den Armeen unserer unbesiegbaren Verbündeten Dentschland, Oesterreich⸗Ungarn und Türkei anzuschließen, die unzählige Bei⸗ spiele von Tapferkeit, Selbstverleugnung und militärischer Kunst gegeben haben, und zum endlichen Siege über unsere gemein⸗ samen Feinde beitragen. Ich wage Eurer Exzellenz zu versichern, daß das Bewußtsein des großen geschichtlichen Augenblicks die Seele aller bulgarischen Bürger erfüllt, die heute die Armee bilden, und dieses Bewußtsein wird uns einen vollständigen Sieg bringen und zum Triumph unserer gemeinsamen Bestrebungen führen.


