eine russische Niederlage in dem Krieg gleichbedeutend mit einer Niederlage im Kampfe für die Freiheit sei und daß die Niederlage in erster Linie das Proletariat treffen werde, Das arbeitende russische Volk will kämpfen gegen die wirt⸗ schaftliche, politische und kulturelle Bedrohung durch Deutsch⸗ and und gegen die Sklaverei, die mit dem Vorwärtsdringen Deutschlands verbunden sei. Der Aufruf verw irft den Gedanken eines Sonderfriedens, der die größte Gefahr für die Demokratie bedeute. Der Leiter der Arbeiter⸗ . gruppen der Duma, Kerensky, hatte eine lange Unter⸗ redung mit dem Kriegsminister.
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* Die Lage des Kabinetts Biviani. 25 Paris, 28. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Petit Journal“ meldet: Am Montag abend, nach der Rückkehr des Präsidenten 5 Poincars nach Paris, wurde beschlossen, daß man keine Krise eentstehen lassen wolle, sondern daß das neue Kabinett das alte 8 gleichsam automatisch ersetzen solle. Poincars hatte gestern eine 18 Besprechung mit Briand. Dieser seinerseits hatte Unter⸗ 5 redungen mit mehreren Ministern und hervorragenden Politikern. Fiolgende Liste, die gestern in der Kammer herumging, wird * von dem„Petit Journal“ als ziemlich richtig bezeichnet: Vorsitz . und Auswärtiges Briand mit Jules Cambon als Gene⸗ rxalunterstaatssekretär; Justiz Viviani: Krieg General Gal⸗ tklieni; Marine Admiral Lacaze; Ackerbau Clementel; Handel Klotz Ferner soll es sechs Minister ohne Portefeuille en, nämlich Freyeinet, Leon Bourgatis Combes, Meline, ules Guesde, Denys Cochin, Ribot, Malvy und Sembat, sowie die vier Kriegsunterstaatssekretäre Thomas, Godart, Thierry und Besnard sollen im Amte bleiben. Das„Journal“ will wissen, daß die Lösung heute erfolgen soll. Das neue Ministerium werde sich der Kammer nicht vorstellen. Das Parlament werde sich auf Frei⸗ tag nächster Woche vertagen, um dann von der ministeriellen Erklärung Kenntnis zu nehmen.
Englische Truppen in Marseille. g Paris, 29. Okt.(WTB Nichtamtlich.)„Matin“ erfährt aus Mar seille: Seit dem 23. Oktober sind in Marseille eng⸗ lische Truppen eingetroffen. In ganz Marseille begegnet man eenglischen Soldaten, Geschützen und Armeematerial. Man könnte sich in die ersten Tage des Krieges zurlickversetzt glauben, als die englischen Truppen aus Indien in Marseille eintrafen.
Das schwankende Kabinett Asquith.
15 London, 28. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Lage des Kabinetts ist noch immer der Mittelpunkt des Intevesses, von einer Krisis kann aber nicht die Rede sein. Es handelt sich allein darum, daß das gegenwärtige Kabinett, das größte in der HGeschichte Englands, zur Erledigung der Kriegsangelegen⸗ heiten etwas ungeschickt ist. So ist die Ueberzeugung ent⸗ standen, daß die Kriegsleitung einer kleineren Zahl von Ministern anvertraut werden musse. Darüber sind alle Parteien einig. Uneinigkeit herrscht nur darüber, wie dieses Ziel zu erreichen ist.
Die Kritik im englischen Oberhause.
London, 28. Okt. erwähnten Sitzung des Ober hauses sagte Lord Cromer unter anderem: Die Beschränkung der parlamentarischen Erörte⸗ . rung hat die Kritik in die Presse verlegt. Die Reibung hätte ver⸗ mieden werden können, wenn die Regierung nicht alle Pläne und 5 lungen mit einem undurchdringlichen Geheimnis umgeben ätte. Es war Pflicht der Regierung, in der Frage der W ehr⸗ pflicht gleich anfangs deutlich zu erklären, wieviel Soldaten sie brauche, und daß die Wehrpflicht kommen müsse, wenn die Anwerbungen nicht genügten. Die Haltung der Regierung hatte denne schädliche und gefährliche Agitation zur Folge, die in einen Klassenkampf hätte ausarten können. Nun hat die Regierung die Aufgabe der Anwerbung Lord Derby übertragen, aber sie hätte dees vor sechs Monaten tun sollen. Wir stehen jetzt wieder vor großen Meinungsverschiedenheiten. Der ganze Cha⸗ rakter des Krieges hat sich in den letzten Wochen geändert; die Deutschen behaupten noch einen Teil von Frankreich und fast ganz Belgien, haben die russische Offensive zum Stillstand gebracht jetzt den Krieg nach dem Orient getragen. Die Regierung möge wenigstens gewisse allgemeine Andeutungen geben, wie sie 8 age zu begegnen gedenke. Cromer fuhr fort: Kitchener hat im Oberhause zu selten gesprochen, und was er sagte, das stand schon vorher in der Presse. Das Oberhaus und das Publikum werden nicht länger mit großer Geduld diese typischen amtlichen Erklärungen anhören. Wir verlangen etwas mehr, was ein wir k⸗ liches Erfassen der Lage l zeigt und die allgemeinen Pläne der Regierung andeutet. In der Oeffentlichkeit herrscht die Mei⸗ nung, daß die getroffenen Maßregeln zusammenhanglose Schritte sind, und daß die Bedeutung der Ereignisse nicht ernstlich gewürdigt wird. Eromer sagte schließlich, er wünsche keinen Regierungswechsel, aber die Meinung sei stark verbreitet, daß es für ein Kabinett von 22 Ministern unmöglich sei, den Krieg wirksam zu führen. Lansdowne führte aus, er sei entschieden der Meinung, daß die Leistungsfähigkeit jeder Körperschaft im umgekehrten Ver⸗ hältnis zu ihrer zahlenmäßigen Stärke stehe. Aber weder im jetzigen im früheren Kabinett war es für die strategischen Dilettanten möglich, ihre Pläne den verantwortlichen fachmänni⸗ schen Beratern aufzudrängen; die Fachleute seien auch bei den 0 politisch⸗militärischen Fragen durchaus zur Geltung gekommen, aber die letzten Entschéidungen stehen dem Kabinett zu. Hierauf machte Lord Lansdowne die bereits früher gemeldeten Ausführun⸗ gen über den Balkankrieg. 5 Lord e de Broke sagte, Lord Lansdowne 155 die ernste Lage Serbiens zu; fast in jeder Ministerrede wurde betont, daß wir in den Krieg eingetreten sind, um die kleinen Nationalitäten zu schützen Wenn das der Fall ist, so wäre es wünschenswert, daß wir künftig mehr Erfolg dabei hätten. Die Oeffentlichkeit wird sich fragen, weshalb zum Schutz von Serbien 1 1 5 die nötigen militärischen Vorbereitungen längst beschlossen wurden. Lord Loreburn sagte, die Antwort Lansdownes auf die An⸗ frage wegen des Balkanseldzuges habe keine genügenden Aufflä⸗ rungen gegeben, er müsse es jedem überlassen, daraus Schlüsse auf die Voraussicht der von der Regierung getroffenen Vorbereitungen zu ziehen. Er wolle der Regierung keine Schwierigkeiten machen, aber die Nation und die Soldaten brauchten beruhigende Ver⸗ sicherungen. Die Rede Lausdownes habe keinen völlig besriedi⸗ genden Zustand enthüllt, sie überzeugte nicht davon, daß die 5 2 7 reiflich erwogen und vorbereitet würden; es schie nen eberra voll, demgegenüber unvorbereitet und entschlußlos zu sein.
Aus dem italienischen Ministerrat. Mailand, 28. Okt.
20 12
„Corriere della Sera“
des die Ansicht Sonninos vorherrschend geblieben sei, nach der vorläufig von der Taktik der Vorschläge und Angebote an die neutralen Staaten 1 werden solle, bis der Vierverband auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen ent⸗ scheidende Ergebnisse erlangt habe Wenn diese Erfolge er⸗ reicht seien, könne man vielleicht Verhandlungen mit Neu⸗
(WTB. Nichtamtlich.) In der bereits
schungen bevorzustehen Es wäre verhängnis⸗ ft
Der Seekrieg. Die Ergebnisse der Torpedowaffe.
Berlin, 28. Okt.(Nichtamtlich) Durch Torpedo versenkte Schiffe: 5
Deutschland. 3 Schiffe: S. M. S. Hela 13. 9. 14 2036 T. S. 116 6. 10. 14 420„ S. M. S. Pr. Adalbert 2 90990 Summa: 11 456 T. Ehalgintensciffe⸗ inienschiffe Formidable. 11 15 240 T. Goliath. 13 160„ Triumph„„ 12180„ Majestic 27. 5. 15 15 140„ 3 Panzerkreuzer: Aboukir 22. J. 14 1210 Hogue 22. 12 10 Cressy 5 92. G 14 11 5 Gesch. Kreuzer: 8 Pathfinder 35 9 299 Hawke 15 10 7 470„ Hermes 31 10. 14 5690„ Wahrscheinlich Amethyst⸗Kl. 10. 8. 15 3000„ 7 Arethusa⸗Klasse 1 8 15 3 560„ Kanonenboot: Niger 5 1 820„ 4 Torpedoboote und Zerstörer: Recruit 14 15 2 N. 10 n 300„5 N. 12. 300„„ Wahrscheinlich M. Kl. 12 8 Dee Summa: 117805 T. Frankreich. Unterseeboot: 5 Mariotte 26. 7 15 530 T. Rußland. Panzerkreuzer Pallada 11. 10. 14 7900 Kleiner Kreuzer Jemtschug 28. 10. 14 3180 Minenschiff: Jenissei 4 6. 15 2970 Summa: 14 580. Japan. Kleiner Kreuzer: Takatschio 17 3200 22 Schiffe, Summa: 138 085 2
Durch Torpedotreffer verletzte Schiffe: Deutschland.
In kurzer Zeit wieder repariert und gefechtsbereit drei 5 Schiffe, darunter S. M. S. Moltke. 5 England.
Panzerkreuzer Roxburgh 20. 6. 15.
Ein englischer Kreuzer aufgelaufen.
London, 28. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reuter⸗ sche Bureau meldet amtlich: Es verlautet, daß der Kreu⸗ zer„Argull“ heute morgen an der Ostküste von Schott⸗ land aufgelaufen ist. Es wird angenommen, daß das Schiff infolge des schlechten Wetters vollständig verloren ist. Alle Offiziere und die Besatzung sind gerettet.
Aus Stadt und Land. Gießen, 28. Oktober 1915.
Das Publikum und der Kampf gegen deu Wucher.
Am 25. September wurde von Reichs wegen die Be⸗ kanntmachung über die Errichtung von Preisprü⸗ fungsstellen erlassen. Dieselben sollen zur„Schaf⸗ fung von Unterlagen für die Preisregelung der Gegenstände des notwendigen Lebensmittelbedarfs und zur Unterstützung der Gee Stellen bei der Ueber⸗ wachung des erkehrs mit diesen Gegenständen“ dienen. In diesem ersten Paragraphen der Bekanntmachung ist ihr Zweck kurz umschrieben. In der Montagsnummer dieser Woche wurde mitgeteilt, daß die Gründung einer solchen Einrichtung für Gießen vollzogen sei. Nach einer Bekanntmachung in der heutigen Nummer nimmt die Preis⸗ prüfungsstelle für die Stadt Gießen ihre Tätigkeit heute auf. Es sei deshalb noch einmal auf die Grundbedingungen hingewiesen, ohne die die Stelle ihren Pflichten nicht nach⸗ kommen kann, nämlich auf die Kenntnis des Publikums von ihren Befugnissen und Aufgaben und auf die rege und vertrauensvolle Mitarbeit der breitesten Oeffent⸗ lichkeit an denselben. Die Zusammensetzung der hiesigen Preisprüfungsstelle ing bereits aus der betreffenden Notiz am vergangenen ontag hervor. Die Stelle hat die Aufgabe, aus ihrer Kenntnis der Marktverhältnisse auf der Grundlage der Erzeugungs⸗, Verarbeitungs⸗ und sonstigen Gestehungs⸗ kosten die den örtlichen Verhältnissen an a enen Preise zu ermitteln; die zuständigen Stellen bei der Ueberwachung des Handels mit e des not⸗ wendigen Lebensbedarfs, sowie bei der Verf olgung von Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften über Höchstpreise und über die Regelung des Verkehrs mit Gegen⸗ ständen des notwendigen Lebensbedarfs zu unter st ü tz e n; Gutachten über die Angemessenheit von Preifen für Ge⸗ richte und Verwaltungsbehörden abzugeben; die zuständigen Stellen bei der Aufklärung der Bevölkerung über die Preisentwickelung und deren Ursachen zu unterstützen. Die Preisprüfungsstelle ist weiterhin berechtigt, von jeder⸗ mann über alle Tatsachen Auskunft zu verlangen, die bei der Preisbildung von Wichtigkeit sind, insbesondere über den Bestand, die Zufuhr und die Preise von Gegen⸗ ständen des notwendigen Lebensbedarfs Erhebungen anzu⸗ tellen; Räume, in denen Gegenstände des notwendigen Lebensbedarfs hergestellt, gelagert oder feilgehalten werden, zu betreten und daselbst B esichtigungen vorzune h⸗ men; mit Zustimmung der zuständigen Behörde die Vorlage von Schlußscheinen, Rechnungen, Fra aan Konnosse⸗ menten, Lagerscheinen, Ladescheinen und sonstigen im Han⸗ delsverkehr üblichen Schriftstücken und Büchern, soweik ie sich auf den Ein⸗ oder Verkauf von Gegenständen des not⸗ wendigen Lebensbedarfs beziehen, zu fordern und darin Einsicht zu nehmen. Der Vorfthende oder sein Stellvertreter kann Zeugen und Sachverständige, die im Bezirke der Preisprüfungsstelle wohnen oder sich aufhalten, eidlich vernehmen und Gerichte und andere Behörden inner⸗ halb ihrer Zuständigkeit um Vernehmungen von Zeugen und Sachverständigen ersuchen. Den nordnungen und Maß⸗ nahmen der Priifun sstellen stehen scharfe Strafbe⸗ stimmungen zur Seite. So wird beispielsweise mit Ge⸗ fängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geld⸗
tralen wieder erfolgreich aufnehmen.
— 1 r d
strafe bis zu ee Mark bestraft, wer die ihm obliegenden Auskünfte wissentlich unvollständig
stunden im S
oder unrichtig erstattet oder den Vorschriften zuwider den Eintritt in die Räume, die Besichtigung, die Vorlage der Ge⸗ schäftsaufzeichnungen oder die Einsicht in sie verweigert; wer die ihm obliegenden Anzeigen nicht innerhalb der gesetzten Frist erstattet oder wer wissentlich Anvollständige oder unrichtige Angaben macht; wer den von den Landes⸗ zentralbehörden erlassenen Ausführungsvorschriften zu⸗ widerhandelt. 5 g
Das ist in kurzen Zügen das, was jeder von der Preis⸗ prüfungsstelle im allgemeinen wissen muß. Es muß aber dringend empfohlen werden, die in Nr. 89 des Kreisblattes enthaltenen Bekanntmachungen des Staatssekretärs des Innern und die Ausführungsbestimmungen des Großherzog⸗ lichen Ministeriums nicht aus den Augen zu verlieren.
Es ist ohne weiteres klar, daß alle diese Befugnisse nicht zu dem gewünschten Ziele führen können, wenn die Prüfungsstellen nicht vom vollen Verständnis des breiten Publikums getragen werden. Die Stellen sollen nicht nur prüfen, sondern auch raten, wie die Verhältnisse zu essern sind. Sie sind also zu einem großen Teile darauf auge⸗ wiesen, daß sich die Oeffentlichkeit als ihre willige Mit⸗ arbeiterin zeigt und ihnen das Material für ihre Tätigkeit besorgt. Es gilt hier, sich von zwei Vorstellungen gründlich zu befreien: Erstens von dem Gedanken, daß es sich bei der Anzeige von Verstößen gegen die geltenden Bestimmungen und Preisfestsetzungen um Denunziantentum handelt und zweitens von der nichtsnutzigen Entschuldigung: Ach, auf meine Mitwirkung ausgerechnet kommt es doch nicht an! Nein: der Kampf gegen den Wucher ist keine Denunziation, sondern eine da erke ch Pflicht jedes Einzelnen, denn der Wucher bedroht unser Durchhalten. Doch Auf die Mitarbeit eines jeden muß gerechnet werden. Viele wenig ergeben ein viel. Man hat monatelang um ein Gesetz gegen den Wucher, um eine Rechtsmacht gegen die Gewinner am Krieg, die Einkassierer und Spekulanten ge⸗ rufen, gegen diejenigen, die darben machen, indem sie sich bereichern. Und ein jeder, lich hier bei uns, hat einen Fall oder Fälle gewußt, wo er sich sagte: Wenn man doch eine Handhabe hätte, dem oder dem das Handwerk zu legen. Es genügt nicht, den Wucher verächtlich zu ma und ihn an den beliebten„Pranger“ zu stellen. Er mu gefaßt, wir müssen vor ihm geschützt werden. Solange nicht Exempel statuiert werden, und die sentimentale Zimperlichkeit vor der unabweisbaren Pflicht, den Wucher namhaft zu machen, nicht beiseite gelassen wird, entbehren alle die bisherigen Bestimmungen des nötigen Nachdrucks. 8 ö
Die Preisprüfungsstelle trägt diesen Gedanken voll und ganz Rechnung, wenn sie regelmäßige Sprech⸗ tadthaus eingerichtet hat, in denen jeder, der Klagen und Beschwerden über ungerechtfertigte Mißstände am hiesigen Lebensmittelmarkt vorbringen will, ein offenes Ohr findet.(Siehe die Bekanntmachung) Man sprach gerade in den letzten Tagen wieder von Dingen, denen wir hier nicht auf den Grund gehen können, die aber die einschlägigen Verordnungen vor den Richter haben wollen: Es soll dem e Käufer zur Umgehung des Höchst⸗ preises inländische Butter als ausländische verkauft worden, es soll von außerhalb des Abends Gerste in die Stadt ge⸗ fahren und heimlich verkauft worden sein und was der⸗ gleichen Wintelzüge mehr sind. Solche Dinge gehören 855 Kenntnis der Preisprüfungsstelle gebracht. Sie wird ö nötige schon veranlassen. Der Sturmbock, der schon so lange gegen den Kriegswucher in Bewegung gesetzt wurde und mit der Schwäche seiner papiernen Drohungen und Verwün⸗ schungen an der eisernen Stirn der Spekulanten immer wieder splitterte, hat durch die Schaffung der Preisprü⸗ fungsstellen die stählerne Spitze erhalten, die das Publitum so lange gefordert hat. An ihm ist es nun, diese Spitze durch eifrige und rücksichtslose Mitarbeit nachdrücklich betätigen zu helfen. 5 9
* Amtliche Personalnachrichten. Aus dem Schul- dienst entlassen wurde vom 12. September 1915 ab der Lehrer Her⸗ mann Reiser zu Offenbach.— Der Großherzog hat am 6. Oktober d. J. dem Eisenbahn-Obersekretär Philipp Giebel zu Darmstadt und dem Bahnmeister Karl Uhrig zu Alsfeld, beide in der Hessisch⸗Preußischen Eisenbahngemeinschast, die unkündbare Anstellung verliehen.— Am 2. Oktober d. J. wurde den Lokomotiv⸗ führern Georg Hoh me her und Gg. Blümler zu Aschaffenburg, Friedrich Höres, Heinrich Völker und Josef Thaler zu Friedberg(Hessen), Karl Orth zu Hanau, Leonhard Sauer und Georg Eisenhauer zu Offenbach und dem Eisenbahn-Unter⸗ assistenten Karl Best zu Bebra, sämtlich in der Hessisch⸗Preußtschen Eisenbahngemeinschaft, die unkündbare Anstellung verliehen. 5
AButterstreckung durch Milch. Bei der an⸗ haltenden Verteuerung der Butter ist eine Beschrän des Bedarfs der einzelnen Haushaltungen angebracht, auf der anderen Seite muß vermieden werden, daß der hohen Preise wegen weiten Schichten der Bevölkerung der Butter⸗ fettgenuß ganz vorenthalten bleibt. Deshalb sei auf ein Streckverfahren hingewiesen, das Pa Engel⸗ hardt(Elberfeld) den bedrängten Hausfrauen empfiehlt: „In Erinnerung an den Genuß der auf Sauerlandwande⸗ rungen oft genossenen frisch gekirnten, schaumigen Butter der Landleute habe ich Versuche gemacht, frische Süß ⸗ rahmbutter mit abgeschöpftem N oder Voll⸗ milch zu mische n. Ich erzielte 1 Pfund Butter zu 280 Pfg. und ½ Liter- 1 Pfund Milch zu 13 Pfg. zwei Pfund Butter, welche zwar in der Farbe etwas weißer ge⸗ worden war, aber w ut dend blieb und nur etwa die Hälfte des Ladenpreises kostete. Die Zubereitung ist sehr einfach. Die frische Milch wird erwärmt, nicht zu heiß ge⸗ macht und in kleinen Teilen nach und nach unter die Butker
erührt, geknetet oder gequirlt, bis Milch und Butter voll⸗ ständig miteinander verbunden sind zu einer weichen Masse, die, kalt gestellt, bald wieder die Härte der Butter hat. Etwas Salzzusatz macht die Butter wohl⸗ schmeckend und haltbarer. Am besten mischt man kleinere Meugen, um stets für wenige Tage möglichst frische Butter zu haben. Beim Mischen in einfachen Geschirren muß man fünf bis fünfzehn Minuten je 1 85 der Menge aufwenden, beim Gebrauch einer kleinen Milch⸗ oder uttermaschine hat man in kurzer Zeit die genußfertige Kriegsbutter. Jede Hausfrau probe das ihr agen Verhältnis aus, ob sie 5 Gewichtsteile Butter mit 2 Teilen Milch oder halb und halb oder sogar nur 2 Teile Butter mit 3 Teilen Milch mischt, denn selbst diese Mischung, von der sich ein Pfund bei einem Einkaufspreise von 300 Pfg. für 1 Pfund Mol⸗ kereibutter auf nur 130 Pfg. stellt, gibt im frischen Zustande einen wohlschmeckenden Brotaufstrich. Obwohl ich Misch⸗ butter nach drei bis vier Tagen noch gleich wohlschmeckend fand, empfehle ich, stets nur wenig für einen oder zwei 95 zu mischen. Natürlich stellt die Mischbutter keine vollwertige Butter dar, denn man kann nicht aus Milch im Werte von 13 P g. 1 Pfund Butter mit den ge⸗ setzlich vorgeschriebenen 400 Gramm Butterfett herstellen. So ist denn auch kein Handel mit dieser Mischbutter mö⸗ lich, aber es ist nach diesem Verfahren jeder Hausfrau m glich und erlaubt, die Butter zu strecken, wie sie dem Gaumen schmeckt und im Haushaltungsetat werden
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