seien. Bryce fragte darauf, ob Tennant nicht wisse, daß der einzige amerikanische Pressevertreter an der Front, d Palmer, voller Widerwillen gegen die neuen Vorschriften nach Amerika zurückgekehrt sei. Lloyd George sagte in Vertretung Asquiths, daß er keinen Tag für eine Debatte über die Darda⸗ nellen versprechen könne. Tennant sagte, er wolle versuchen, moöglichst genaue Zahlen über die an den Dardanellen verwundeten Offiziere und Mannschaften festzustellen. Guthwaite(liberal) fragte, ob Asquith angesichts der Erklärung des britischen Bot⸗ schafters in Petersburg, daß die Operationen an den Dardanellen auf Ersuchen der russischen Regierung unternommen worden seien, um die türkischen Truppen vom Kaukasus wegzuziehen, erklären wolle, ob die russische Regierung den Operationen noch dieselbe Bedeutung beimesse obwohl bis zum 10. Oktober die britischen Verluste 96899 Mann betragen hätten. Lord Robert Cecil erwiderte, er dürfe über die Bedeutung, die einer der Alliierten oder England selbst einem bestimmten Kriegsschauplatz beimesse, keine Erklärung abgeben. Die Operationen an den Dardanellen seien militärische und maritime, und die Erklärung des britischen Botschafters in Petersburg enthalte keine vollständige Erklärung aller einschlägigen Exwägungen. Lloyd George lehnte eine Erklärung darüber ab, ob der Befehlshaber des Expeditionskorps der Alliierten in Serbien ein Engländer oder Franzose sein werde. Bryce fragte, ob bei Luftangriffen künftig alle Lichter der Themsebrücken ausgelöscht würden. Unterstaatssekretär Brace antwortete, die geltenden Vorschriften seien auf Veranlassung der Admiralität erlassen worden. Sie würden abgeändert werden, wenn neue Erfahrungen eine Verbesserung möglich machten. Brace agte ferner, daß die Vorschriften über das Herablassen der * Fenstervorhänge der Eisenbahnwagen verschärft werden sollen Brpyee fragte den Vertreter des Kriegsamts, ob die im Dienst befindlichen Flugzeuge, deren Aufgabe die Beschirmung Londons war, am 13. Oktober, abends 6. Uhr, kurz vor dem Liustangriff außer Dienst gestellt worden sind und ob andere aner den Befehl erhalten haben, ihre Stelle einzunehmen, ner ob bei der Ankunft der Zeppeline die Flugzeuge sich auß der Wacht befanden und wie viele es gewesen sind. Tennant llehnte die Beantwortung ab, da die Frage an die Admiralität 5 richtet werden müsse. Die unter militärischem Befehl stehenden 28 e seien am 13. Oktober abends 6 Uhr nicht vom Dienst g entlassen worden. Als die Zeppeline sich über England befanden, seien fünf Militärflugzeuge aufgestiegen, drei von ihnen gleich⸗ 5 1 Bryce fragte, wie viele über London gewesen, seien. 8 ennant erwiderte: Ich glaube drei. 5 Zu Carsons Rücktritt. 115 London, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des RNeuterschen Bureaus. Carson hat im Unter hause Aufklärungen über die Ursachen seines Rücktrittes ge⸗ geben. Er sagte, daß im Kabinett eben so wenig wie im Hause oder im ganzen Lande jemals Meinungsverschieden⸗ heiten darüber bestanden haben, daß der Krieg um jeden Preis bis zum entscheidenden Ende weitergeführt werden müsse. Auch die Wege, die auf den verschiedenen Kriegs⸗ schauplätzen einzuschlagen seien, um den Krieg zu einem günstigen e zu bringen, seien keineswegs Gegenstand einer Meinungsverschiedenheit. Er sehe wohl ein, welche Schwierigkeiten für England dadurch entstünden, daß die Kriegführung stets in Uebereinstimmung mit den Bundes⸗ enossen bleiben und zuweilen auch den Auffassungen be⸗ freundeter neutraler Länder Rechnung tragen müsse. Die neue Lage auf dem Balkan mache seiner Meinung nach ein wohldurchdachtes, genau vorgezeichnetes und tat⸗ kräftiges Auftreten der englischen Regierung nötig. Da er sich mit den vom Kabinett beschlofsenen Maßregeln in keiner Hinsicht einverstanden erklären könnte, sei er der Ansicht gewesen, daß sein Ver⸗ bleiben im Kabinett in dieser Zeit, da große Kraft und Festigkeit gebraucht würden, das Kabinett nur hätte schwä⸗ chen können.
Die Rekrutierung in England. Amsterdam, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Wie dem „Nieuwe Courant“ aus London gemeldet wird, sind in der City heute gemäß dem Regierungsplan Lord Derbys die unverheirateten Männer aufgerufen wor⸗ den. Sie können erst vierzehn Tage, nachdem sie den Aufruf erhalten haben, zum Militärdienst gepreßt werden. Diejeni⸗ gen, welche in den Listen eingetragen sind, aber noch nicht sofort benötigt werden, erhalten 3 Schilling täglich.
Die englischen Berluste an den Dardanellen. London, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der politische Korrespondent der„Daily Mail“ stellt fest, daß die amt⸗ liche Verlustliste des Dardanellenheeres mit 96 899 die Erkrankten nicht enthält. * 50
bee e eee
Deutsche Flugzeuge über Belfort und Nancy. * Lyon, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Wie der„Progrés“ 55 aus Belfort meldet, wurde am Sonntag vormittag gegen 9 Uhr 5 die Bevölkerung durch den üblichen Alarm benachrichtigt, daß sich deutsche Flugzeuge Belfort näherten. Obwohl die deutschen Flugzeuge von den Befestigungswerken heftig beschossen wurden, nälerten sie sich sehr schuell und überflogen die Stadt, die sie mit Bomben beleglen. Nach Erfüllung ihrer Aufgabe ent⸗ flohen sie. Neue Flugzeuge kamen. So ging es bis 3 Uhr nach⸗ mittags. Viele Bomben fielen auf die Stadt und in Gärten; eine große Zahl platzte nicht. Ein Mechaniker und ein Soldat wurden getötet, mehrere andere Personen verletzt. Lhon, 21. Olt.(WT. Nichtamtlich) Dem„Nouvelliste de Nancy“ zufolge überflogen am Donnerstag nachmittag z wei Tauben Nancy und warfen Bomben ab, ohne Schaden anzurichten. Am Freitag nachmittag wurde die Mitte der Stadt Nancy von deutschen Flugzeugen mit drei Bomben belegt. Ihr Platzen verursachte lebhafte Erregung unter der Be⸗ völkerung. Man gibt bekannt, daß eine Person verwundet wurde. Diese Luftangriffe waren die Ursache des Vergeltungsangriffes der französischen Flieger gegen Trier. Eine Pariser Skandalaffäre. Lyon, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die hiesigen Blätter berichten, daß in Paris eine neue Skandalaffäre auf⸗ N gedeckt worden ist, die großes Aufsehen macht. Zwei Stabsärzte, ein 45 Hilfsstabsarzt, mehrere Sekretäre des Rekruti,erungsbureaus, zwei N Zivilärzte, wovon einer Vorsitzender des Bezirksrates von Sceaux 5 ist, sind verhaftet worden. Die beiden Zivilärzte ließen auf Grund . ihrer Verbindungen durch Vermittelung der Stabsärzte und der Rekrutierungsbeamten militärpflichtige Personen gegen Bezahlung von 2000 bis 10 000 Franken als militäruntauglich erklären. Die Verhafteten, bisher 18, hatten einflußreiche Beziehungen in po⸗ litischen Kreisen. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Italienische Steuern.
Rom, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der „Agenzia Stesaui“. Ein königliches Dekret setzt folgende Steuern für das Kriegsjahr fest: Erstens für keinen — militärischen Dienst Tuende; zweitens auf Einkommen der Verwaltungsratsmitglieder von Aktiengesellschaften oder Kommanditgesellschaften; drittens Umgestaltung der Steuern und Gebühren für Stempel auf Aktien, Quittungen, Wechsel, Schecks, Handels bücher, Ausfertigungen, Hypothekentaxen, Taxen für Bewilligungen für Tragen von Revolvern, Taxen für die von der Regierung erteilten Konzessionen, Taxen auf Kinobilletts; viertens Umgestaltung der Katastergebühren; fünftens Post⸗ und Telegraphentaxen, insbesondere für Tele⸗
jährlich.
neuen finanziellen Maßnahmen auf 60 Millionen Lire
der Seekrieg.
Die Verluste der englischen Handelsflotte. London, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Auf die schriftliche Anfrage eines Parlamentsmitgliedes erklärte Mac Namara, daß bisher 183 englische Handels⸗ schiffe versenkt worden sind, außerdem bis zum 14. Oktober 175 Fischerfahrzeuge.
Aus dem Reiche.
Zum Hohenzollern⸗Jubilu mm
Berlin, 20. Okt. Aus Anlaß des 500jährigen Jubi⸗ läums der Herrschaft der Hohenzollern in der Mark haben Berlins Gemeindebehörden folgendes Tele⸗ gramm an den Kaiser gerichtet: 5 Dem Empfinden Euer Majestät sind wir uns bewußt
zu folgen, indem wir ohne städtische Feier nur in treuer Erinnerung und mit tiefem Dankgefühl den Tag begehen, welcher ein halbes Jahrtausend des segensreichen Waltens der Hohenzollernfürsten in der Mark und der Zugehörig⸗ keit Berlins zum Hohenzollernhause vollendet. Unsere Mauern vereinten am 21. Oktober 1415 zu festlichem Ge⸗ präge die Städte und Stände, die gekommen waren, ihrem Markgrafen zu huldigen. Sie schwuren: Herrn Friedrich und seinen Erben getreu, gewärtig und gehorsam sein, ihr Wohl werben, ihren Schaden wenden zu wollen, rückhaltlos und unverbrüchlich. Das haben sie gehalten und werden sie halten. In Wirrnis und Kampf hat das Haus Hohenzollern die Zügel fest ergriffen. Mit ihm stiegen im Laufe von
Größe empor, ihren reinen Willen zum Edlen und Guten, zu friedlichem Fleiß und freudigem Fortschritt immer von neuem gegen schwere Anfechtung von außen behauptend. Jetzt bestehen wir mit unserem Kaiser die stärkste Probe auf die Unbeugsamkeit dieses Willens. In so ernster, hehrer Zeit gedenkt Berlin des alten Treugelübdes. Die Reichs⸗ hauptstadt wird entschlossen und besonnen auch ferner auf dem Platze stehen, den ihr die Kriegspflicht zuweist, und immerdar in Liebe zu ihrem Kaiser verharren.
Berlin, 21. Okt.(Priv.⸗Tel.) Die„B. 3.“ meldet: Anläßlich des Hohenzollern⸗Tages fanden hier, in den Vororten und den Nachbarstädten in allen Schulen Feiern statt, in welchen patriotische Lieder gesungen und auf die Bedeutung des Tages hingewiesen wurde. Dielöffent⸗ lichen und dienstlichen Gebäude, sowie eine große Anzahl privater Häuser zeigen Flaggenschmuck. Auch die Omni⸗ busse haben Fahnenschmuck angelegt. Im Dom fand ein Festgottesdienst stat..— In Rathenow wurde ein von Kommerzienrat Lehmann der Stadt geschenktes Denk⸗ mal Friedrichs des Großen feierlich enthüllt. München, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Korrespon⸗ denz Hoffmann teilt mit: Aus Anlaß der Fünfhundertjahrfeier des Hauses Hohenzollern hat der König von Bayern an den Kaiser folgendes Telegramm gerichtet:
„Zur Feier des 500 jährigen Bestandes der Hohenzollern⸗ herrschaft in der Mark Brandenburg sende ich Eurer Majestät den Ausdruck treuer Anteilnahme und inniger Wünsche, eingedenk alles dessen, was die Hohenzollern in diesen Jahrhunderten als Markgrafen, Kurfürsten, Könige und Kaiser geleistet haben. Der Wille Eurer Majestät, das übernommene Erbe dauernd— im Frieden— zu wahren und zu entwickeln, ist ander Mißgunst umdrängender Feinde gescheitert. Ich vertraue zu Gott, daß der von den deutschen Fürsten und Stämmen einmütig und entschlossen aufgenommene Kampf unter Eurer Majestät ruhm⸗ reicher Führung zu einem glücklichen Ende gebracht wird, das Deutschland und seinen Bundesgenossen die Entfaltung ihrer rei⸗ chen Kräfte und einen ehrenvollen Frieden verbürgt.“ Ludwig. Der Kaiser antwortete:
„Eurer Majestät freundliches Gedenken der 500 jährigen Herr⸗ schaft meines Hauses in der Mark Brandenburg hat mich besonders erfreut. Ich sage Eurer Majestät für die warmen Glückwünsche von ganzem Herzen Dank. So schmerzlich es mir ist, nach einer langen friedlichen Regierung seit mehr denn Jahresfrist die Frei⸗ heit und die Ehre des Vaterlandes gegen seine Feinde ringsum mit den Waffen verteidigen zu müssen, so zuversichtlich vertraue ich mit Eurer Majestät und allen deutschen Fürsten und Stäm⸗ men, daß Gott der Herr sich auch ferner zu unserer gerechten Sache bekennen und uns und unseren treuen Verbündeten einen siegreichen Ausgang der freventlich vom Zaune gebrochenen Fehde sch en ie
Bundesratsbeschlüsse.
Berlin, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) In der heu⸗ tigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: Der Entwurf einer Bekanntmachung über die Abgaben⸗ vergütung; der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend Aenderung der Bekanntmachung vom 8. Juli 1915 über die Höchstpreise für Petroleum; der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend Aenderung der Verordnung über den Verkehr mit Hülsenfrüchten; der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend die un der Ver⸗ ordnung über den Verkehr mit Gerste aus dem Erntejahr 1915; der Entwurf einer Bekanntmachung zur Erweiterung der Bekanntmachung über Vorratserhebungen vom 2. Februar 1915; der Entwurf einer Bekanntmachung betref⸗ fend die Veräußerung von Hauffahrteischiffen an Nichtreichsangehörige; der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend die Fristen des Wechselscheckrechts für Elsaß⸗Lothringen usw.; der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend die Geltendmachung von Ansprüchen von Per⸗ sonen, die im Ausland ihren Wohnsitz haben.
Die Säuglingsfürsorge.
Braunschweig, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die hie⸗ sigen Abendblätter melden: Herzogin Viktoria Luise hat die An⸗ regung zu einem für die Entwicklung des deutschen Säuglings⸗ und Kleinkinderschutzes hochbedeutsamen Unternehmen gegeben, das am Geburtstage der Kaiserin, der unermüdlichen Schutzherrin von Deutschlands Kinderwelt ins Leben gerufen wird. Die Her⸗ zogin hat sich gleichzeitig durch Uebernahme der Schutzherrschaft an die Spitze der bisher im Deutschen Reiche vorhandenen Be⸗ strebungen gestellt. Die Einrichtungen zum Schutze der Säug⸗ linge und kleinen Kinder müsse weiter ausgebaut werden. In den Bundesstaaten und den preußischen Provinzen, in denen ent⸗ sprechende Einrichtungen noch nicht bestehen, müssen solche ge⸗ schaffen werden. Zur Ausführung dieser für das deutsche Volk eine nationale Notwendigkeit bedeutenden Bestrebungen bedarf es großer Mittel. Wenn auch die heutige Zeit an die Opferwillig⸗ keit des Einzelnen die weitestgehenden Anforderungen stellt, so ist kein Zweifel, daß das deutsche Volk in dieser Zeit auch für seinen Nachwuchs zu sorgen gewillt ist. Ueber die Einzelheiten der Organisation von Deutschlands Spende für Säuglings- und Kleinkinderschutz werden in der nächsten Zeit weitere Mittei⸗ lungen gemacht werden.
Berlin und der Nahrungsmittelverkehr. Berlin, 22. Okt. In der gestrigen tape
gung Ausdruck gegeben, daß wir in Deutschland, wenn
nung aus, daß die fetzt zu ergreifenden Maßnahmen mit der
sünf Jahrhunderten Brandenburg, Preußen, das Reich zur
netenversammlung wurde einstimmig der Ueberzeu⸗ 5
phonabonnements und ostlagernde Sendungen im Innern des Königreichs. Die Blätter schätzen das Ergebnis der
auch auf einigen Gebieten Knappheit besteht, an Nah⸗ rungsmitteln keinen wirklichen Mangel
haben, daß aber Lebensmittelinteressenten den Krieg nach wie vor als Konjunktur ausnutzen. Einstimmig wurde der
Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die 1 dem frevelhaften Spiel ein Ende machen und auch der städti⸗ schen Bevölkerung, die in reichem Maße alle Opfer des Krieges mitträgt, zu ihrem Recht verhelfen wird. Ober⸗ bürgermeister Dr. Wermuth legte die umfangreiche Tätigkeit. dar, welche die städtische Verwaltung bei der Lebensmittelversorgung ausgeübt hat. Er sprach die Hoff⸗ größten Beschleunigung und Energie ergehen und daß sie das ganze Reich ergreifen, sonft könnte eine sehr schädliche Isolierung des Berliner Wirtschaftslebens ein⸗ treten. Die letztere Gefahr könnte noch gesteigert werden, wenn einzelne Gegenden versuchten, sich durch Ausfuhr⸗ verbote ihrer Ueberschüsse an Milch und Butter zu sichern und den 6 namentlich nach Berlin zu verhindern. Die Berliner Abmelkwirtschaften erzeugten täglich 100 000 Liter Milch, und es sei für die Versorgung von Kinder⸗ und Säuglingsmilch von der allergrößten Bedeutung, die ge⸗ nügende Menge Futtermittel zu erhalten. Die Reichs⸗ getreidestelle soll im ganzen 200 000 Tonnen Roggenschrot verteilen. Wir mit unserer Bevölkerung von zwei Millionen Menschen haben davon 120 Tonnen erhalten(lebhaftes Hört! Hört!) Daß wir uns dabei nicht beruhigen können, ist klar. Seit Beginn des Krieges hat sich die Gesamtausgabe für Lebensmittel seitens der städtischen Verwaltung auf min⸗ destens 60 Millionen Mark belaufen. Pflicht für alle sei, in der Bevölkerung das Bewußtsein wach zu halten, daß die Nahrungsmittelversorgung nach den Grundsätzen 1 Gleichmäßigkeit und Gerechtigkeit vor sich gehe. Am Schluß der Sitzung wurde die Vorlage des Magistrats, Mil ch⸗ karten für Kinder und Kranke einzuführen, ohne Erörte⸗ rung angenommen. 0 f 1
Berlin, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nach den Abendblättern beschäftigt man sich an den zuständigen Stel⸗ len mit Maßnahmen zur Regelung der Fleischversor⸗ gung. Bei der geplanten Preisregelung für Schweine⸗ fleisch sei noch unentschieden, ob die Höchstpreise für Lebendgewicht oder für Fleisch im Groß- und Kleinhandel festgesetzt werden. Für die Stre 1 0 der Fettvor⸗ räte erwäge man die Einführung von fleischlosen Tagen in Gastwirtschaften, Einführung von Tagen, an denen nur gekochtes Fleisch abgegeben werden darf und die Einführung von Bestimmungen, wonach neben Wild und Geflügel höch⸗ stens zwei bis drei Fleischspeisen auf der Speisekarte geführt werden dürfen. 8
Berlin, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Preise für Brennspiritus in leihweisen Literflaschen betragen nach neuer Festsetzung der Spirituszentrale im ganzen Reich 45 Pfg. für den Liter 95prozentige und 42 fg. für den Liter 90prozentige Ware, worin eine Ermäßigung von 15 Pfg. für den Liter liegt. Eine höhere Preisforderung ist nur insoweit zulässig, als sie auf einem vorangegangenen. teueren Einkauf beruht und auch in diesem Falle nicht über den 10. November hinaus. Sollten zu späterer Zeit höhere als die vorstehenden Preise im Kleinhandel gefordert wer⸗ den, so erscheint es nicht ausgeschlossen, daß die Regierung gesetzliche Höchstpreise festsetzen wird. 5
Heer und Flotte. Berlin, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Dem General der Infanterie v. Steuben, Führer eines Reservekorps, wurde der Orden„Pour le mérite“ verliehen. 5
Aus Stadt und Land. Gießen, 22. Oktober 1915.
l Der Butterhöchstpreis. Die gestern bereits kurz angekündigte Maßnahme der Festsetzung eines Butter⸗ höchstpreises für den Kreis Gießen und die Stadt ist nunmehr — siehe auch die betreffenden Bekanntmachungen— zur Tat⸗ sache geworden. Kreisamt und Oberbürgermeister setzen für Kreis und Stadt einen einheitlichen Preis von 2,40 Mark für Süßrahm- und von 2,10 Mark für Landbutter im Kleinverkauf fest. Ausländische Butter darf in Gießen unter bestimmten Bedingungen zu höheren Preisen verkauft werden. Eine irgendwie ins Gewicht fallende Zufuhr aus⸗
ländischer Butter dürfte allerdings kaum zu erwarten sein,
da bekanntlich die Preistreibereien in Holland und Nor⸗ wegen wahrhaft phantastische Formen angenommen haben. Die ausländischen Firmen liefern durchweg nur dann, wenn ihnen beim Einkauf freie Hand gelassen, d. h. kein Preis vorgeschrieben wird. Die Nachricht von einem einheit⸗ lichen Butter-Großhandelspreis von 2,40 Mark
für, das ganze Reich, die schon dur einzelne Blätter ging, ift zum mindesten verfrüht. Zur Sicher⸗ heit hat aber u. a. schon der Frankfurter Magi⸗
strat, der vorgestern die gleichen Höchstpreise wie Gießen festsetzte, entschieden Einspruch gegen hun bestehende ähn⸗
widerhandlung gegen die A eee
rden. Sie den Nickelstücken,
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