Ausgabe 
(22.10.1915) 249. Erstes Blatt
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sinnung. Darum wäre der Wunsch zu verstehn, daß der gestrige Abend in einen größeren Rahmen gefaßt werden müßte; doch der Schwierigkeiten, die sich in dieser Beziehung einer älteren Dame entgegenstellen, mögen zu viele sein. Was die Vortragende gab, war kurz gesagt, das Bild davon, wie sich das Erleben des Weltgeschehens in einem warmen und verstehen⸗ Herzen spiegelt, dessen Aufschwung Gedanken und Lasten persönlicher Art die Schwingen nicht lähmen. Die vulkanische Be⸗ geisterung der Mobilmachungstage, die hellseherisch in der Zukunft alles Heil erwartende Zuversicht, der felsenharte Wille, das gläu⸗ bige Vertrauen, die prachtvolle Gewalt der heroischen Geste eines großen. Volkes diese hinreißenden Gesamterscheinungen kamen ebenso in den Worten der Rednerin zu ihrem wahren Ausdruck wie das Erleben des Einzelwesens, das von der Liebe zum Vater⸗ land geadelte Verzichtleisten auf die Liebe zu Sohn und Gatten, die Opferwilligkeit, der heilige Todesmut, das Verständnis selbst der Kleinsten, um was es geht, die gehaltene Klage um die Toten, die Bewunderung des Heldentums. Selbst der Humor fehlte nicht.

5 manchen eine Arznei, eine Stunde der Einkehr und Selbstbe⸗

Für all das hatte die Vortragende die reiche Quelle der Dicht-

kunst zur Hand: In einer mit liebevollem Verständnis zusammen⸗ gestellten Blütenlese fanden all diese Empfindungen ihren köst⸗ lichen Beleg. Ueber Geibel und Kleist führte der Weg zu dem Reichtum unserer Kriegslyrik, und angesichts der gebotenen Aus⸗ wahl kam das Empfinden, daß gar manches davon unserer Zeit doch kongenial ist, so zünftig das gern und oft bestritten wird. Die durchaus persönliche Eigenart des Vortrags, die unbedingte Echtheit der Ueberzeugung und die Feinheit des Empfindens, mit der die mannigfachen Gaben gereicht wurden, schufen, den Abend 17 0 als Ganzes betrachtet, eine rechte, patriotische Weihe⸗ unde.

Konzert⸗Verein. Wilhelm Backhaus, unser berühmter Künstler und Mitbürger in feldgrauem Ehrengewande, eröffnet am Sonntag, den 24. Oktober die Reihe dies winterlicher musikalischer Neranstalhungen mit seinem selbstentworfenen Programme. Es umfaßt im wesent⸗ lichen Kompositionen der Großmeister des Klaviers: Beet⸗ hoven, Mendelssohn, Schubert, Weber, Cho⸗ pin, Ernstes und Liebliches, Schwieriges und Einfaches in reicher Abwechslung. Besonders hervorgehoben sei das me⸗ lodisch so hübsche Beethovensche G⸗Dur⸗Rondo aus Op. 51(1801, in der Zeit der ersten Sinfonie geschrieben), seine herrliche, unter dem NamenMondscheinsonate jedem Musikfreund vertraute Cis⸗Moll-Sonate, sowie die große, leidenschaftlich düstere(1839 komponierte) B⸗Moll⸗ Sonate von Chopin, Op. 35, mit dem bekannten

Trauermarsch. Erfreulich für viele Musikfreunde wird

es sein, daß Backhaus die Klavierwerke Mendelssohns wieder zu Ehren bringt, nachdem sie in den letzten Jahren mit Unrecht von den Programmen verdrängt worden sind, so z. B. das originelle Rondo capricio, Op. 14. Eine inter⸗ essante Nummer bildet auch die selten gespielte Barcarole in Fis⸗Dur, Op. 60, von Chopin. Damit auch der Virtugs zu seinem Rechte komme, wird der Künstler das von Brahms für die linke Hand bearbeitete WeberschePer- petuum mobile spielen. Alles in allem ein vielseitiges Programm, ein Abriß guter, klassischer, dabei leicht ver⸗ ständlicher Klavierliteratur, die jedem etwas gern Gehörtes bringt. Backhaus' künstlerischer Ruf ist überall anerkannt und in Gießen so bekannt, daß darüber nicht gesprochen zu werden braucht. Erst kürzlich hat er sich bei ausverkauften Häusern in Frankfurt, Karlsruhe und Mainz neue Lorbeeren errungen und wie die Frankfurter Kritik sagt, aufs neue die eminente Höhe erwiesen, zu welcher seine Fertigkeiten emporgediehen sind, Fertigkeiten, die ihm gottlob nicht etwa als Selbstzweck dienen, sondern als Mittel, ein nicht minder hohes künstlerisches Empfinden zu betätigen.

** Gemeindesteuer⸗Rückstände. Unter den heutigen amtlichen Bekanntmachungen der Stadt Gießen befindet sich auch die Mahnung des 3. Zieles Gemeindesteuern und Kanal⸗ gebühren. Die Zahlung kann noch bis einschließlich 13. No⸗ vember bei der Stadtkasse ohne Kosten erfolgen. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt die Beitreibung, wobei die Pfändungskosten erhoben werden.

Sen en her diener und Hospitalverwalter Heinrich Hebe Johannette geb. Schmitt.

Landkreis Gießen..

Klein⸗Linden, 21. Okt. Heute wurde einem jugend⸗ lichen Arbeiter aus Gießen, am Bau der Umgehungsbahn durch Ueberfahren das eine Bein zweimal gebrochen.

Hungen, 20. Okt. Otto Winn im Dragoner-Regiment Nr. 23 starb infolge einer Verwundung im Feldlazarett. Mit ihm hat der Krieg das 9. Opfer aus unserer Stadt gefordert.

Kreis Büdingen.

. Büdingen, 21. Okt. Das Eiserne Kreuz erhielt der Sergeant Becker, die Hessische Tapferkeitsmedaille Leutnant Schwarz im Infanterie⸗Regiment 111. Den Heldentod starb der Wehrmann Berchter im Infanterie-Regiment 116.

. Düdelsheim, 21. Okt. Auf dem Felde der Ehre fiel der Wehrmann Stern im Landwehr⸗Infanterie⸗-Regi⸗

ment 116. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 21. Okt. Am Mittwoch wurde das neuerbaute Empfangsgebäude des Bahnhofes dem Betriebe über-

geben. i Kreis Schotten.

R. Bobenhausen, 21. Okt. Die Familie des hlesigen Polizeidieners ist hart durch den Krieg mitgenommen worden. Der zweite Sohn starb im Mai d. Is. den Tod fürs Vaterland. Gestern wurde den Eltern der Tod des ältesten Sohnes mitgeteilt. Der dritte liegt verwundet in Gießen in einem Lazarett.

Ruppertsburg, 21. Okt. Die Hessische Tapfer⸗ keitsmedaille erhielten der Wehrmann Diehl, Wehrmann Horst, Dragoner Müller, der Gefreite Lein und Musketier Marx, sämtlich von hier.

. Einartshausen, 21. Okt. Den Heldentod fürs Vater⸗ land starb in dem heißen Kampfe Ende vorigen Monats im Westen der Landwehrmann Bünzel.

Kreis Friedberg.

. Södel, 21. Okt. Das Eiserne Kreuz erhielt der Reservist Hinkel.

Ii Nieder⸗Wöllstadt, 21. Okt. Die Hessische Tapfer⸗ keitsmedaille erhielt der Unteroffizier Ambron. Stärkenburg und Rheinhessen.

rb. Darmstadt, 21. Okt. Der langjährige Direktor der Großh. Geologischen Landesanstalt, Geh. Oberbergrat Prof. Dr. Richard Lepsius, ist gestern hier, wie schon kurz gemeldet, verstorben. Als Sohn des berühmten Aegyptologen und Sprachforschers Richard Lepsius in Ber⸗ lin geboren, hat der Verewigte ein Alter von 64 Jahren erreicht. Schon bald nach Vollendung seiner akademischen Studien in Berlin, Göttingen, Straßburg und Genf wurde er im Jahre 1876 zum ordentlichen Prosessor für Minera⸗ logie und Geologie an die Darmstädter Technische Hoch schule berusen, dessen Lehrkörper er auch bis zu seinem Tode treugeblieben ist. Neben seiner Stellung als Leiter der Geologischen Landesanstalt war er auch Inspektor der entsprechenden Abteilungen am Großh. Landesmuseum. Er galt nicht nur als einer der eifrigsten und beredtesten Hochschullehrer, der seine Hörer mit Begeisterung fort⸗ zureißen wußte, sondern war vor allem hoch geschätzt wegen seiner zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten zur Boden⸗ erforschung unseres Großherzogtums. Na⸗

ochzeit feiern heute F au

mentlich seine umfangreichen Arbeiten über dasMainzer

Becken undDer Rheinstrom und seine Ueberschwemmun⸗ gen, dieGeologie von Deutschland u. a. m. haben ihm eine hervorragende Stellung in der Gelehrtenwelt gesichert.

Hessen⸗Nassau. l J Marburg, 21. Okt. Der hier eingerichtete amtliche Preisüberwachungsausschuß hat den Preis von 5,50 Mark für den Zentner Kartoffeln einschließlich der Lieferung in den Keller als einen den örtlichen Verhältnissen angemessenen be⸗ zeichnet. Um die Fischkost immer mehr einzubürgern, haben auf Betreiben der Stadt eine Anzahl Kaufleute einen Fischein⸗ kaufs⸗Verband ins Leben gerufen, der die Fische gemeinsam ein⸗ kauft und zu von ihm und der Stadt festgesetzten Preisen verkauft. Um die Butterpreise, die auf den letzten Märkten bis auf 2,30 Mk. stiegen, wieder in normale Bahnen zu lenken, mahnt der Preisüberwachungsausschuß besonders die bessergestellten Kreise, den Verbrauch einzuschrünken. Auch bei Milch dürfte diese Mah⸗ nung am Platze sein. Auch der Petroleumverkauf soll demnächst, wie es im Nachbarkreise Kirchhain bereits geschehen, durch eine Verordnung geregelt werden. Es ist die Ausgabe von Karten vorgesehen, die zur Entnahme von Petroleum bei den Kaufleuten berechtigen. Ob eine Herabsetzung des Brotprei ses, der sich, wie der Konsumentenausschuß in einer Eingabe sagt, im Kreis Kirchhain um 6 Pfg. niedriger stellt, einführen läßt, bleibt abzuwarten. 3 Frankfurt a. M., 21. Okt. Nach mehr als einjährigem Warten erhielt Frankfurt heute, am Hohenzollern-Gedenktage, nun auch seine eroberten Geschütz e. Die Siegestrophäen fanden am Bismarck-Denkmal Ausstellung. 5 b 5 ul. Weilburg, 21. Okt. Der Höchstpreis f A Butter ist im Oberlahnkreis auf 2,40 Mk. für Süßrahm⸗ butter und 1,80 Mk. für Landbutter festgesetzt worden. Gleich⸗ zeitig ist die Ausfuhr von Butter aus dem Kreis ohne Ge⸗ nehmigung des Landratsamtes verboten worden.

Amtlicher Wetterbericht. Deffentlicher Wetterdienst, Gießen.

Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 23. Oktober 1915:

Wolkig bis heiter, Morgennebel, sonst trocken, nachts kälter.

Letzte Nachrichten. Die Truppenlandungen in Saloniki inhibiert?

Konstantinopel, 22. Okt. Nach den jüngsten zuver⸗ lässigen Meldungen scheinen die Verbündeten von einer weiteren Landung von Truppen in Saloniki Abstand zu nehmen, da ihre Hoffnungen, durch die Landung Griechen⸗ land und Rumänien zu einer Aenderung ihrer Haltung zu ver⸗ anlassen, unerfüllt geblieben sind und das Schicksal Aegyptens England sehr beunruhige. Auch die Teilnahme Italiens an dem Balkanunternehmen der Entente wird für unwahrscheinlich gehal⸗ ten, da es Italien wegen der unermüdlichen, überaus erfolg⸗ reichen Tätigkeit der deutschen Unterseeboote und der Unwegsamkeit der Straßen in Albanien weder zu Lande noch zu Wasser möglich ist, Truppen heranzubringen. Die al⸗ banesischen Banden sollen an mehreren Punkten die ser⸗ bische Grenze überschritten haben. Die Meldungen von einem angeblichen Verzicht auf die Fort- setzung, der Operationen an den Dardanellen werden hier zweifelnd aufgenommen. Der Feind hat sich in der letzten Zeit allerdings fast ausschließlich auf das ganz sinnlose Bewerfen des Geländes von Tscharak Kale mit Fliegerbomben und die gelegentliche Beschießung mit, Monitoren beschränkt. Die großen Kriegsschiffe haben schon längst ihre Tätigkeit eingestellt.

Das Dardanellenunternehmen der Entente vollständig aufgegeben? a

Wien, 22. Okt. Wie sich dieZeit aus Lugano drahten läßt, sei das Dardanellenunternehmen nunmehr endgültig aufgegeben worden.

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Freitag, den 3. Dezember 1915, vorm. 10 Uhr, soll auf biesigem Amtsgericht, Zimmer 14, das auf den Na⸗ men des Konrad Karl Loth und dessen verstorbener Ebe⸗ frau Margarete, geb. Kauß, eingeschriebene Grundstück: Flur I Nr. 380 112 ꝗm Hof⸗

reite, Brandgasse 5, zwangsweise versteigert werden..

Die amtsgerichtliche Ver⸗ fügung ist im Ortsgerichts⸗ zimmer öffentlich ausgehängt Gießen, den 19. August 1915.

1 Ortsgericht. imon.

Vorschule des Paedagogiums.

Anmeldungen von Kindern, die Ostern 1916 schulpflichtig werden, werden vom 23. Oktober bis 1. November täglich zwischen 3 und 4 Uhr ent⸗ gegengenommen. Der Geburtsschein ist mitzu⸗ bringen. Die Kinder können nach dreijährigem Besuche der Vorschule in die Sexta öffentlicher, höherer Schulen eintreten. Schulgeld 140. M. jährlich. Ludwigstr. 70, Fernruf 633. 8303 D Brackemann, Direktor.

Bekanntmachung.

Betr.: Verbot der Verwendung von Metalldraht⸗ lampen unter 10 Kerzen.

Die Großh. Provinzial-Direktion Oberhessen, Gießen, hat unter dem 19. April d. Is. eine Be⸗ kanntmachung bezügl. des Verbotes der Verwendung von Metallfaden⸗ oder Metalldrahtlampen unter 10 Normalkerzen(also unter 10 Watt Stromver⸗ brauch) erlassen, welche allen unseren Stromab⸗ nehmern durch unsere Zählerableser zugestellt worden ist. Der größte Teil unserer Stromabnehmer hat dieser Anordnung Folge geleistet.

Da aber noch solche Lampen(Serienlampen an Beleuchtungskörpern, von denen mehrere gleich⸗ zeitig brennen, fallen nicht unter dieses Verbot) in Benutzung geblieben sind, machen wir darauf aufmerksam, daß wir alle Anlagen, in welchen solche verbotenen Lampen festgestellt werden, ab schalten lassen. Die Wiedereinschaltung bedingt die

Zahlung der in den Stromlieferungsbedingungen für das Wiedereinschalten des Zählers bezw. der

Anlage vorgesehenen Gebühr von 5 Mark.

Wird in einer schon einmal wegen Benutzung verbotener Lampen abgeschaltenen Anlage neuer⸗ dings die Verwendung solcher Lampen festgestellt, so erfolgt dauernder Ansschluß von der Strom⸗

lieferung. 831⁵ D riedberg, den 22. Oktober 1915.

F 5 Elektr. Ueberland⸗Aulage der Provinz Oberhessen

Die Bau⸗ und Betriebsleitung: v. Stadler. r.rr...

Antliche Bekanntmachungen der Stadt Gießen.

Mahnung des 3. Zieles Gemeindesteuern und

Kanalgebühren für das Rechnungsjahr 1915.

Das im Monat September ds. Js. fällig gewesene 3. Ziel Gemeindesteuer und Kanalgebühren kann noch bis zum 13. November ds. Is. einschließlich ohne Kosten be⸗ zahlt werden.

Diejenigen, die mit der Zahlung dieses Zieles noch im Rückstande sind, werden hiermit gemahnt, die Abgabe bis zum 13. November an die Stadtkasse zu entrichten. Vom 15. November an gelangt das 3. Ziel zur Beitreibung, wodurch Pfändungskosten entstehen. Ueberweisungen im Bankverkehr müssen am 13. November ds. Js. ebenfalls bei der Stadtkasse gutgeschrieben sein, andernfalls die vor⸗ geschriebenen Beitreibungskosten erhoben werden.(8306

ee

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