Nr. 240
Der Gleßener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; 4519 0 wöchentl. Kreis⸗ latt für den Ureis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen 8 Ferusprech-Anschlüsse: 0 für die Schriftleitung112 5 Verlag, Geschäftsstelleß 1 Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. 4 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher.
eferal- Anzeiger für Oberhessen
Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstr. 7.
Freitag, 22. Oftober 1015
Bezugspreis: monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich t Gießen.
—
(WTB.) Großes Hauptquartier, 21. Oktober.
(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.
Nordöstlich von Mitau gewannen wir das Dünaufer von Borkowitz bis Bersemünde. Die bisherige Beute der dortigen Kämpfe beträgt im ganzen 1725 Gefan⸗ gene, sechs Maschinengewehre.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Oestlich von Baranowitschi wurde ein russischer
Angriff durch Gegenanangriff zurückgewiesen. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen.
Am Styr in der Gegend von Czartorysk nahmen die örtlichen Kümpfe einen größeren Umfang an. Vor erheblicher Ueberlegenheit mußte ein Teil einer dort kämpfenden deut⸗ schen Division in eine rückwärtige Stellung zurückgehen, wobei einige bis zum letzten Augenblick in ihrer Stellung ausharrende Geschütze verloren gingen. Ein Gegen- angriff ist im Gange,
0 Balkan⸗Kriegsschauplatz.
Die verbündeten Truppen folgen auf der ganzen Front dem langsam weichenden Feind.
Auf der stark befestigten Stellung südlich und östlich von Ripanj sind die Serben in südlicher Richtung geworfen. 14 Vortruppen erreichten Stepojevac⸗Leskovac⸗
aba. Westlich der Morawa dringen deutsche Truppen über Selevac und Saraorci, östlich des Flusses über Valaskido, Rasanac und auf Ranovad vor.
Bulgarische Truppen kämpften bei Negotin. Weiter südlich erreichten sie die Straße Zajecar— Knja⸗
ze vac. b g. 0 Oberste Heeresleitung.
***
Es fehlt zwar jeden Tag nicht an einer unverbürgten Versicherung, die„Entente“ lande in Saloniki Truppen in großer Zahl, allein der Eindruck einer heillosen Verworren⸗ heit im Lager unserer Feinde überwiegt doch. Ihre Diplo⸗ matie kommt nicht zum Ende, und ihre rasch nach dem griechischen Hafen geschleppten Truppen leiden an Planlosig⸗ keit. Kann man sich etwas Peinlicheres für unsere Gegner denken, als daß im Augenblicke wichtigster Entscheidungen es in den Kabinetten kriselt, daß er aus dem englischen Ministerium ausgetretene bisherige Kronanwalt Carson im Unterhause zwar die Meinung ausspricht, der Krieg müsse mit allen Mitteln zum erfolgreichen Abschluß gebracht wer⸗ den, aber zugleich hinzufügt, er stimme in keinem Punkte mit der von der Regierung gutgeheißenen Politik über⸗ ein und habe daher seinen Rücktritt eingereicht? Noch haben die Neutralitätsbrecher und Schützer Serbiens nichts getan, und schon stehen die Bulgaren im Süden vor Kumanowo! Im Norden haben die deutsch-ungarischen Heere ihren Vormarsch in einheitlicher Front fortgesetzt. Eine Lebensader Serbiens, die Bahn Saloniki—Uesküb— Vranje—Nisch, ist an einem wichtigen Punkte bereits durch— schnitten. Die bulgarische Südarmee zeichnet sich durch die ungewöhnliche Schnelligkeit ihres Vordringens aus. Freilich
aben die Serben dort den spärlichsten Widerstand vor⸗ bereitet. Der Berner„Bund“ gibt folgendes Bild der Lage:
Es ist auf der ganzen Strecke von Caribrot bis Strumitza der Vormarsch gegen den Wardar, die Morawa und den Timok im Gange. Die bulgarische Armee rückt kämpfend in breitester Front durch die Einfallstäler 1 5 wilden Berglandes von Osten nach Westen in altserbisches d serbisch-mazedonisches Gebiet und kann durch die über diese langgestreckte Front verteilten serbischen Truppen unmöglich aufgehalten werden, da es sich nur um einen dünnen Kordon handelt. Ueber das Einschreiten englisch⸗französischer Truppen, von denen höchstens drei Divisionen, 5 Stelle sein können, verlautet noch nichts Bestimmtes. Handeln ie Ententegroßmächte nach dem Worte„Gefahr in Verzug“, so sind Landungen über Landungen an allen günstigen Punkten der mazedonischen Küste von Saloniki bis Enos zu erwarten. Verweigert Rumänien den Russen den Durchmarsch, so müssen diese, wenn immer möglich, eine Armee an der bulgarisch⸗ thrazischen Küste des Schwarzen Meeres zu landen suchen, was 110 vor einem halben Jahre allerdings unter günstigeren Be⸗ ingungen hätten versuchen können. 5 Die Italiener, deren Ministerrat nach einer neue— sten Meldung die Entsendung eines Expeditionskorps nach Mazedonien abgelehnt haben soll, haben bezeichnenderweise an ihrer eigenen Front vom Plateau von Doberdo bis Judicarien, also auf der ganzen Linie, neue Angriffe ein⸗ geleitet und beweisen so ihre eigene starke Bindung und zu— gleich die größerer österreichisch-ungarischer Streitläfte. Es f t sich immer noch um die ersten Linien der großen Defensivstellung hinter dem Isonzo an den Pässen Kärntens und den Einfallspforten in Trentino. Wie es scheint, haben, so urteilt der Berner„Bund“, die Italiener nur westlich vom Gardasee meßbaxe Erfolge erzielt, indem sie die Oesterreicher zwangen, im Tale des Chiese und im Ledro— tal auf ihre Hauptstellungen zurückzugehen. Solange diese Aktionen nicht den Charakter einer allgemeinen Offensive annehmen, fallen sie für die Entwicklung des Balkanfeldzugs kaum ins Gewicht. Der neueste österreichisch-ungarische Tagesbericht stellt fest, daß die italienischen Angriffe neuer⸗ dings auf allen Plätzen abgeschlagen worden sind. a*.*
ö Schnelle Schläge in Serbien.
Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.
Wien, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 21. Oktober 1915.
0 Russischer Kriegsschauplatz.
Westlich und südwestlich von Czartorisk wurde auch gestern den ganzen Tag über heftig gekämpft.
Südöstlich von Kulitowice wehrten österreichisch⸗ ungarische und deutsche Truppen starke russische Augriffe ab. In den gestrigen Kämpfen am Styr wurden 1300 Gefangene und 3 Maschinengewehre eingebracht. Bei Nowo⸗-Aleksiviece wurde heute früh ein Vorstoß des Gegners vereitelt. Sonst nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der ganzen Südwestfront sind Kämpfe großen Stils im Gange. In Tirol brachen gestern zahlreiche starke Angriffe der Italiener an unseren festen Stellungen zusammen. So schlugen unsere Truppen auf der Hochflüche von Vilgereuth in der vergangenen Nacht sechs Angriffe ab und wiesen gestern tagsüber den anstürmenden Feind drei⸗ mal ab. Das gleiche Schicksal hatte dort ein heute nacht mit sehr starken Kräften geführter Angriff des Feindes. Auch in den Dolomiten sind neue italienische Angriffe am Col di Lana, am Monte Siev und bei der Grenzbrücke südöstlich Schluderbach abgewiesen worden. Der Feind, der sich in diesem Gebiete schon tagelang abmüht, konnte nirgends auch nur den geringsten Erfolg erzielen. Am Karnischen Kamm wurde westlich des Wolayer⸗Sees ein Angriff italienischer Alpentruppen zurückgeschlagen. Im Küsten lande hat sich das feindliche Artilleriefeuer zu größter Heftigkeit gesteigert und hielt tagsüber gegen die ganze Isonzofront an. An⸗ näherungsversuche feindlicher Infanterie und technischer Truppen scheiterten in unserem Infanterie- und Maschinen⸗ gewehrfeuer. 5 1
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unsere Truppen rückten in Sabac ein. Die Ebene der Mac va ist vom Feind gesänbert. Die Armee des Generals der Infanterie v. Köveß und die beiderseits der Morawa vor⸗ gehenden deutschen Streitkräfte dringen in engem Zusammen⸗ schluß immer tiefer in das serbische Gebiet vor.
Von den österreichisch-ungarischen Truppen des Gene⸗ rals v. Köveß rückte die westliche Kraftgruppe auf den Höhen der Kolubara bis in das Mündungsgelände der Turija vor, indessen die östliche südlich von Grocka unter Kampf die Ralia⸗Niederung überschritt.
Die Bulgaren gewannen zwischen Zajevar und Knja⸗ zevar das Timoktal und näherten sich östlich von Pirot den Ostwerken auf Geschützertrag. Eine ihrer Armeen erkämpfte sich gestern mit den Vortruppen den Austritt in das Becken von Kumanowo und in das Wardartal.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
83 „Die Lage wird immer ernster“.
Nisch, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Agence Havas meldet amtlich: Die Lage wird immer ernster. Auf der Nordfront halten die Serben die Linie Rasanac-Aleksan⸗ drovac-Golobowi⸗Azarja⸗Kosonaf und das rech⸗ te Kolubaraufer. Auf der Ostfront halten sie die Linie Zajotschawi⸗Knjazevac-Vlassina. Aber die Bulga⸗ ren nahmen die Städte Vranja und Wolossa ein und schnitten so die Eisenbahnlinie an diesen beiden Stellen ab. Der Widerstand der Serben ist äußerst erbittert und heldenmütig. Aber der starke Druck der Oesterreicher und Deutschen im Norden und die bulga⸗ rischen Massen im Osten bedrohen ernstlich die serbische Armee, die augenblicklich von Saloniki abgeschnitten ist. Die Ankunft der verbündeten Truppen wird mit Beklem mung erwartet. ö
Berlin, 22. Okt. Von dem serbischen Kriegsschau⸗ platz heißt es in verschiedenen Morgenblättern, es zeige sich täglich mehr, daß die serbischen Armeen unser Vorwärtsdrängen nur zeitweilig aufhalten, aber nicht zu hindern vermögen. Der Herbststurm habe sich gelegt; das Wetter sei freundlicher und wärmer geworden.
Berlin, 22. Okt. Uebereinstimmenden Nachrichten aus Sofia zufolge haben die Verbündeten bisher/ von Serbien be⸗
a. Der bulgarische Bericht.
Sofia, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht über die gestrigen Operationen:
Unsere im Timoktale Schritt für Schritt vordringenden Truppen stehen schon vor Negotin, wo sie die Serben zurück- geschlagen haben. Diese flohen, von Panik ergriffen, und ließen einen Offizier, 50 Mann als Gefangene und eindn Offizier, 150 Mann tot im Timoktale zurück. Unsere Truppen erreichten die Linie Tscherni Vrh und Wetren⸗(5000 Petruschitza⸗ Grasischkatfcouka(907) Greovaglava(893) ⸗Ta⸗ choinitza(795) Dorf Viber ci, 5 oder 6 Kilometer öst⸗ lich Knjazevce-Jassen(800) und Gabar(875). Bei Pirot nah⸗ men unsere Truppen nach einem erbitterten Kampfe sehr wich⸗ tige strategische Punkte ein. Auf dem Vidlic Pla⸗ nina bei Brangja setzten sich unsere Truppen fest und säu⸗ berten das Tal der bulgarischen Morawa in einer Ausdehnung von 21 Kilometern nach Norden und Nordosten hin. Die Beute von Vranja ist noch nicht gezählt. Man weiß nur, daß sie unter anderem zwei Millionen Patronen des Systems Berdan einbegreift, ferner Tabak für eine Million Francs. Auf dem Bahnhof von Bojanowitz fand man ungefähr eine Million Kilogramm Heu. Unspre über Egri⸗Palanka vordringen⸗ den Truppen griffen eine starke Stellung an und schlugen die
Serben zurück, die sie in Eile auf Rumanowo verfolgen. Im Tal der Bregalnitza schreitet unsere Offensive mit blitzartiger Schnelligkeit vorwärts. Das ganze Tat, ebenso die Ebene von Omwtsche Polje, ist in unseren Händen, auch schon die Städte Kotschana, Radowischte, Tipkilisse und Nikrstowo. Unsere Kavallerie, die die auf dem Rückzuge befindlichen Serben verfolgte, erreichte sie bei Kisseli und zerstreute sie vollständig. Ungefähr 2000 Serben wurden zu Gefangenen gemacht, andere konnten nur dank der Dunkelheit der Nacht entweichen. Die Bevölkerung in dem von dem serbischen Joche befreiten Gebiete nimmt unsere Truppen mit unbeschreib⸗ licher Begeisterung auf. Ueberall bedeckt man unsere als Befreier wiederkehrende und lange ersehnten Soldaten mit Blumen. Sie sind der Gegenstand von begeisterten Kundgebungen.
Sofia, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Bul⸗ garischen Telegraphen-Agentur. König Ferdinand hat sich an die Front begeben. Er wohnte dem Artilleriekampf vor einer starken Stellung von Stracin bei, deren Einnahme den Weg nach Kumanowo öffnet.
Athen, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Aus Nisch wird gemeldet, daß die Bulgaren die Eisen⸗ bahnlinie Vranja— Ristowatz besetzt und sich dort ver⸗ schanzt haben. Auf den Höhen von Vlasona und Kotschan a ist ein großer Kampf eingeleitet. Die Gesandten der Entente⸗ mächte haben Nisch verlassen und sich nach Krajewo begeben.
Die Landungen in Saloniki.
Berlin, 21. Okt. Wie in verschiedenen Blättern aus Lugano gemeldet wird, dauern die Truppenlandun⸗ gen in Saloniki an. Nach einem Wiener Bericht der „Kre zzeitung“ seien bis zum 19. d. M. 50000 Mann eng⸗ lische und französische Truppen gelandet. Die ohnedies schleppende Beförderung nach dem Norden ist durch die bul⸗ garische Besetzung von Vranja noch wesentlich erschwer/ worden.
. Italien und der Balkankrieg. ö
Lyon, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Nouveliste de Lyon“ meldet aus Rom, daß der Ministerrat die Ent⸗ sendung eines Expeditionskorps nach Mazedonien nicht bewilligt hat.
Die Stimmung in England.
London, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der parla⸗
mentarische Korrespondent der„Times“ schreibt: Der Rück⸗ tritt Carsons und die Rückberufung Hamil⸗ tons kamen nicht unerwartet, aber die Ankündigung bei⸗
der Ereignisse an demselben Morgen hat einen stärkeren
Eindruck auf die Parlamentsmitglieder gemacht, als irgend etwas seit der Bildung der Koalition. As qufths Er⸗ krankung verhinderte weitere wichtige Aenderungen. Die
Aussprache im Unterhause brachte die große Besorgnis, die in allen Teilen des Hauses herrscht, nicht zum Ausdruck,
aber die Forderung einer offenen Regierungserklärung und ungehinderter Aussprache wird wiederkehren.
London, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) In einer Bot⸗ schaft an die Flottenliga erklärt der erste Lord der Admiralität, Balfour, Deutschland wolle die Weltherrschaft ge⸗ gen die englische Flotte durchsetzen, die von den Zeiten Elisabeths bis heute der wirksamste Schutz Englands gewesen sei. Churchill hat eine Botschaft gesandt, in der es heißt: Die eng⸗ lische Flotte ist im Besitz der unumschränkten Seeherrschaft. Wir sind stärker als je. Die strategischen Voraussetzungen, auf die sich unser Vorgehen zur See gründet, haben sich als richtig er⸗ miesen. Unsere große Flotte wird schließlich die Geschicke der lriegführenden Nationen endgültig entscheiden und unserer ge⸗ rechten Sache den Sieg zuwenden. Unter dem sicheren Schutz der Flotte kann jeder Irrtum richtig gestellt und jedes Versehen gut gemacht werden.
Englische Versprechungen.
Berlin, 21. Okt.(Priv.⸗Tel.) Die„Vossische Zei⸗ tung“ meldet aus Amsterdam:„Daily Telegraph“ ver⸗ mimmt aus maßgebender Quelle, die englische Regierung habe Griechenland offiziell Cypern angeboten, wenn sich Griechenland sofort an die Seite der Verbündeten stellt.
Kriegsrat in London.
London, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nach der „Times“ hat sich der Ministerrat gestern nachmittag zweimal in Downing Street versammelt, um die Berichte mehrerer Mitglieder der Kriegskommission des Kabinetts entgegenzunehmen. Der franz ö 1 che Kriegsmini⸗ ster Millerand mit einem Sekretär und der Botschaf⸗ ter Cambon nahmen an der Sitzung teil.
. Ein Kreuzfeuer von Fragen im englischen Unterhaus. 5
London, 21. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Unterhaus. Lord Charles Beresford fragte, ob die königliche Verordnung vom 11. März 1915 bezwecke, die Erklärungen von Paris von 1856, von London von 1908 und die 14 von der Haager Kon⸗ ferenz von 1907 beschlossenen Konventionen aufzuheben, und welche dieser Verträge die Regierung noch aufrecht erhalte. Lord Robert Cecil erwiderte, die königliche Verordnung habe die genannten Abkommen nicht außer Kraft gesetzt. Cecil erklärte weiter, er wolle nicht sagen, daß die bestehenden Verpflichtungen gegenüber den Neutralen nicht vorhanden seien. In Beantwortung einer wei⸗ teren Frage sagte Cecil, die Aktenstücke über die Balkanfrage wür⸗ den veröffentlicht werden, sobald dies ohne Schädigung des öffent⸗ lichen Interesses und in Uebereinstimmung mit den Alliierten geschehen könne. Cecil verneinte, daß Lord Reading ermächtigt sei, mit der Regierung der Vereinigten Staaten die Berufung von britischen Prisengerichten und die Freiheit der Meere zu erörtern. Lloyd George sagte auf eine Frage, Haldane habe die Front als Gast Frenchs besucht und habe keinen Sonderauftrag gehabt. Auf eine Frage des Abgeordneten Bryce wegen neuer Vorschriften für die Pressevertreter im Hauptquartier sagte Tennant er wisse nichts daun, daß Journalisten von der Front zurückgekehrt
4 0
ECC
.
55
11
„
6.


