dessen Verbundete betampft, ertlart die Italtenische Regie⸗ rung auf Weisung des Königs, daß zwischen Italien und Bulgarien der Kriegszustand herrscht.
Telegrammwechsel zwischen Viviani und Grey.
Haag, 19. Okt.(Zens. Frkft.) Reuter meldet aus London: Der französische Ministerpräsident Viviani tele⸗ graphierte an Grey: In dem Augenblick, in dem eine Aende⸗ rung in der Zusammenstellung des Ministeriums vorgenom⸗ men worden ist, dessen Vorsitzender zu sein ich die Ehre habe, beeile ich mich, während ich Ew. Exzellenz die Versicherung meiner persönlichen Gefühle übermittle, Ihnen zu sagen, daß die Regierung der Republik die Absicht hat, ohne irgend welche Aenderung die Politik fortzusetzen, die sie bis jetzt mit der Politik der Regierung Seiner britischen Majestät verbunden hat.
Grey antwortete darauf mit folgendem Tele 44 „Indem ich Ihnen für den herzlichen Bericht danke, den Sie mir nach der Aenderung Ihres Kabinetts gesandt haben, be⸗ eile ich mich, Ihnen aufs neue die Versicherung unserer fortdauernden und steten Zusammenarbeit zu geben, die durch die Geschehnisse des abgelaufenen Jahres und den Heldenmut der englisch⸗französischen Truppen, die Seite an Seite für dieselbe große Sache kämpfen, nur verstärkt worden ist.“
Englische Scharfmacherei gegen Griechenland.
London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times bezeichnet in einem Leitartikel den griechisch⸗serbi⸗ schen Vertrag, den Zaimis verleugnet habe, als einen Aktipbestand in der Gesamtlage der Alliierten. Falls die griechische Regierung an der Verleugnung festhalte und damit den Aktivbestand der Alliierten zerstöre, seien diese berechtigt, dem mit allen verfügbaren Mitteln entgegen⸗ zutreten. Das Blatt befürwortet einen revolutio nären Appell an dasgriechische Volk. Venizelos sei gegen die nur nominell konstitutionelle Regierung. Das Blatt schließt: Die englische und französische Regierung würden sich den Zorn ihrer Völker zuziehen, wenn sie von diesem Mittel in dem kritischen würden.
London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Tele⸗ graph“ erfährt über Mailand aus Athen, daß Gunaris und Theotokis an Einfluß gewännen. Zaim is drohe mit seiner Demission.
Ein Unfall des Prinzen Alexander von Griechenland.
Mailand, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Cor⸗ riere della Sera“ meldet aus Athen: Prinz Alexan⸗ der von Griechenland stürzte bei Uebungen mit seiner Batterie vom Pferde; er wurde in einem Sanitäts⸗
wagen nach Athen gebracht.
5 Die englische Stimmung.
London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Morning Post“ sagt in einem Leitartikel: Der Sieg, der allgemein als ein Vorrecht der britischen Waffen gegolten hat, wird nicht mehr als selbstyerständlich angesehen. Das Blatt fordert, daß alle Minister, die sich unfähig erwiesen haben, beseitigt würden, vor allem, daß leitet werde.
London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Daily Tele⸗ graph“ schreibt: Lord Milners direkte Erklärung, daß das Expeditionskorps von den Dardanellen zurückgezogen werden
olle, hat eine Frage eröffnet, über die es schwer ist, ruhig zu
ken. Der Beschluß, daß eine so große kühne Unternehmung, auf welche so glänzender Mut und so viele unersetzliche Menschen⸗ leben verwendet wurden, aufgegeben werden solle, wäre ein Beweis grober Unfähigkeit, für welche keine Strafe hart genug sei.
Die englischen Verluste.
5 Berlin, 20. Okt. Laut„Berliner Tageblatt“ gelangen die„Times“ nach Aufzählung der Verlustlisten bis 25. September zu einer Gesamtzahl von 1541 Offi⸗ zieren und 13 486 Mann. Von Offizieren seien 474 ge⸗ fallen, 847 verwundet, 220 vermißt; von Mannschaften 12093 gefallen, 1101 Mann verwundet, 280 vermißt.
5 Berlin, 19. Okt. r Die„B. Z. am Mit⸗ tag“ meldet aus Bern: Schweizer Blätter melden aus London: Die beiden letzten Verlustlisten zählen die Namen von drei Generalen auf; ein anderer wird vermißt. Aus den näheren Angaben ist ersichtlich, daß eine türkische Granate in das britische Hauptquartier auf Gallipoli gefallen ist.
Die Stellung des Ministeriums Salandra Zitrich,
erschüttert.
9 8 Okt.(WB Nichtamtlich.) Nach einer * er„Neuen Zürcher Nachrichten“ aus Mai⸗ land wird die Stellung Salandras als ernstlich er⸗ schüttert angesehen, so daß sein baldiger Rücktritt zu er⸗ warten sei. Es ist anzunehmen, daß das gegenwärtige Kabinett nach seinem Ausscheiden auf die Dauer nicht be⸗ stehen bleibt, sondern durch ein Ministerium abgelöst wird, dessen Vierverbandsgefolgschaft keinesfalls einen so aus⸗ geprägten Charakter tragen wird, wie das Salandras. In politischen Kreisen gewinnt die Gegnerschaft gegen die Teil⸗ nahme Italiens an dem Balkanabenteuer, wofür Salandra und Sonnino eintreten, immer schärfere Formen. Hinter ihr steht die ganze öffentliche Meinung Italiens, soweit sie
sich nicht unter der Diktatur Salandras befindet.
**
77
Die„Times“ über die Offensive im Westen.
Berlin, 20. Okt. Wie mehrere Morgenblätter melden, erklären die„Times“, daß die große Offensive an der Westfront nunmehr offenbar zum Stillstand gekommen sei und wahrscheinlich auch in diesem Jahre nicht mehr aufgenommen werden solle. Die Erfolge seien noch nicht zu übersehen, jedenfalls aber könne man ihn an den deutschen Verlustlisten messen. Auch
haben die Anstrengungen Frankreichs und Englands zweifelsohne
3 Druck gegen Rußland in einem kritischen Augenblick erleichtert.
Es hat sich herausgestellt, daß wir und unsere französischen Kame⸗ raden mit einer genügenden Anzahl von Leuten und Munition die undurchdringlichsten deutschen Linien nehmen können und daß der englische und der französische Soldat dem stärksten Gegner mehr als gewachsen ist. Dagegen ist es klar, daß es den Verbündeten nicht gelungen ist, die deutschen Linien aufzurollen.
Ein Telegramm des Kaisers an den König von Sachsen.
Dresden, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Der Haiser hat folgendes Telegramm an den König gesandt:„Bei meinem heutigen Besuch an der Front sah ich das General⸗ kommando und Teile Deines Reservekorps. Es gereicht mir ur Freude, Dir mitzuteilen, daß alles, was ich von diesem Korps, welches 15 vielen Tagen in den schwersten Kämpfen steht, gehört und gesehen habe, mir den allerbesten Eindruck machte.“— Der König richtete am 16. Oktober an den Kommandierenden General des Reservekorps im Hinblick auf die aus dem Felde gemeldeten Erfolge von Teilen des
l
Moment nicht Gebrauch machen
der Seekrieg durch eine seemännische Autorität ge⸗
„Nach langwierigen, gegen eme Acαluναν,ν c ονννννE&ynt ger führten Kämpfen, haben einige Truppenteile Ihres Korps den Beweis erbracht, daß sie den alten Offenfivgeist sich bewahrt haben. Jich beglückwünsche die Truppen zu, dem schönen Erfolge der Säuberung eines ee bei Auberive und spreche Ihnen meinen wärmsten Dank aus. Gott helfe weiter! S. M. der Kaiser hat heute ein sehr anerkennendes Telegramm über das Korps an mich gesandt.“
Staatssekretär Dr. Solf im Haag.
Hagg, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der deutsche Staats⸗ sekretär Dr. Solf ist hier angekommen. e
Haag, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Niederländische Korrespondenzbureau erfährt, daß der Besuch des deutschen Kolo⸗ nialstaatsselretärs Dr. Solf, der sich auf der Durchreise nach Brüssel im Haag aufhält, rein privater N atur sei. Dr. Solf beabsichtige, dem Minister des Aeußern einen Besuch abzustatten.
Die Flüchtlingsnot in Livland.
Moskau, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Rußkoje Slowo“ schreibt: Die ganze Gegend um Riga, von der Düna bis tief nach Livland hinein, ist jetzt ein großes Flüchtlingslager, geworden. Den wenigsten ist es geglückt, leidlich unterzukommen, der größte Teil hält sich in Wäldern, Erdhöhlen oder in Wald⸗ hütten aus Zweigen auf; sie leiden Mangel an allem. Die Ver⸗ waltungsstelle für Nahrungsmittel müsse demnächst aus Mangel an Lebensmitteln ihre Tätigkeit einstellen. Fleisch ist überhaupt nicht mehr vorhanden. Die Vorräte an Korn gehen zu Ende, Weder in Livland, noch in den angrenzenden Gouvernements ist etwas zu kaufen. Die Zufuhr ist durch die Kriegsverhältnisse gänzlich aufgehoben. In den Dörfern Livlands hat der Ge⸗ brauch von Lichtern, Zucker, Seife, Tabak, Streichhölzern und an⸗ deren Dingen ganz aufgehört. Unter den Flüchtlingen sind viele Verdauungskrankheiten ausgebrochen; die Sterblichkeit wächst zu⸗ sehends.
Polizisten hinter der Front!
Auffällig trat in Joffres Armeebefehl das Bestreben hervor, in jeder erdenklichen Weise den Geist der Truppen im Hinblick auf die Aufgaben der großen Offenstve zu heben. Die politischen Folgen des nahen Sieges wurden auseinander gesetzt; die gewaltigen An⸗ strengungen im Munitionswesen wurden aufgezählt; auf den günstig gewählten Augenblick wurde hingewiesen. Erscheinen schon derartige moralische Reizmittel deutscher Auffassung von soldati⸗ schem Pflichtbewußtsein gegenüber verwerflich, weil unnötig, so hat es die englische Heeresleitung bei moralischen Vorbereitungen keineswegs bewenden lassen. In richtiger Einschätzung des Geistes der neuen Kitchenertruppen hat sie zu Polizeimaßregeln gegriffen. Den Beweis dafür liefert nachstehender Befehl: a 5 Nr. S. C. 459
Uebersetzung. 5 27. Infanterie Brigade, 19. Sept. 1915.
Polizeiliche Maßnahmen.
Die Brigade Hauptquartierwache wird gestellt vom 10. Ba⸗ taillon der Argyll and Sutherland Highlanders; sie wird bis 10 Uhr vormittags am 23. d. M. beim Brigade Haupt⸗ guartier bleiben und alsdann zu ihrem Verbande zurück⸗ treten. 5
Geheim. 5
2. Jedes Bataillon hat 4 Regimentspolizisten, einschließlich eines Unteroffiziers zu stellen, die sich am 23. d. M. um
Uhr vorm im Brigade Hauptquartier zu melden haben. „Diese Polizeigruppe kritt unter den Befehl des Sergeanten Simpson, M. M. P. und wird dazu verwandt, eine Ab⸗ sperrungslinie im Rücken der Brigade zu bilden, um das 8 Ae zu verhindern. 855 erpflegung erhalten sie vom Brigade Hauptquartien Zur Kenntnis. 8 gez.(Unterschrift unleserlich).
5 Major, Stabs⸗Kapitän der 27. Inf. Brigade. ***
Der türkische Bericht. ö Konstantinopel, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Das Hauptquartier meldet von der Dardanellenfront: In der Nacht zum 18. Oktober grifsen unsere Aufklärungsabteilungen feindliche Aufklärungsabteilungen an, warfen sie bis in die Schützengräben ihver Hauptlinie zurück und fügten ihnen schwere Verluste zu. Bei Ari Burnu und Sedd⸗üll⸗Bahr örtlich beschränkter Feuerkampf und Bombenwerfen. An den anderen Fronten nichts von Bedeutung.
Konstantinopel, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Ueber den russischen Angriffsversuch an der Kaukasusfront vom 15. Oktober wird aus Erzerum gemeldet: Unter dem Schutze dich⸗ ten Nebels griffen die Russen das türkische Zentrum nördlich von dem Flusse Arax an; sie wurden aber durch heftiges Maschinen⸗ gewehrfeuer und durch Bomben sosort zurückgeschlagen, wobei sie
ahlreiche Tote und Verwundete, eine Menge Waffen und anderes Material zurrückließen. Ebenso wurden die an einem anderen
1
Punkte der gegen unseren rechten Flügel mit überlegenen Kräften durchgeführten Ueberfallsversuche russischer Kavallerie zu⸗ rückgewiesen. Eine russische Patrouille fiel in einen Hinterhalt
und verlor mehrere Tote, Verwundete und Gefangene. Da die
festigen sie schleunigst ihre Stellungen. Russische Soldaten kommen
ssische Offiziere kamen zu türki Offizieren und ersuchten um l Als ie don e der Bulgaren 115 dem Mißerfolg der englisch⸗französischen O sive erfuhren, waren sie sehr bestitrzt.— An dieser Front hat der Winter bereits begonnen.
Wahlkampfkrawalle in der südafrikanischen union.
London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reutersche Bureau meldet aus Bloemfontein vom 12 Oktober: Es laufen Berichte ein über böse Zwischenfälle beim Wahl⸗ bhampf, Ein ernster Krawall entstand in einer Versammlung der Nationalisten in Bethulie. Stöcke, Eisenstäbe und Tischmesser wurden als Waffen benutzt und eine Anzahl Personen wurde er⸗
heblich verwundet. 1
London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ meldet aus Kapstadt: Die Aufregung des Wahlkampfes, der am Mittwoch endet, ist bis zur Fieberhitze gestiegen, besonders in den ländlichen Wahlbezirken, in denen der Kampf zwischen den Nationalisten und der Südafrikapartei sich zu einer beispiellosen Bitterkeit entwicket. Nur 8 von 130 Sitzen lind unbestritten. Die alte Südafrikapartei ist völlig gespalten. Die nationalistischen Redner und Zeitungen führen die Wahl⸗ kämpfe mit äußerster Bosheit, Giftigkeit und Lügenhaftigkeit gegen die Regierung und waxen leider nur zu erfolgreich, um einen Geist des wütendsten Streites zu entzünden, der kaum minder England⸗ wie Bothafeindlich ist. Das Kennzeichen des Wahl⸗ kampfes ist. daß namentlich in der Kapprovinz arme Buren zur Geltung kommen. Die Engländer rechnen auf die Negerstimmen.
der Seektieg.
aris, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Temps“ meldet aus 9 arseille: Der Postdampfer„Eugene Pareira“ ist am 16. Oktober in Marseille mit den Ueberlebenden des Postdampfers„Admiral Hamelin“ eingetroffen, der kürzlich von einem deut schen Unterseeboot im Mittelmeer ver⸗ senkt worden ist. Fünfzig Menschen sind umgekommen und etwa
genannten Korps bei Auberive nachstehendes Telegramm:
1
dreißig wurden verletzt.
Russen jetzt einen Ueberfall der türkischen Truppen fürchten, be⸗ wese zu den türkischen Vorposten und bitten um Brot und Tabak. Zwei R
ar, 19. Ott. O. Zeichtantllch.“ O dee Ser e kung des französischen Dampfers„Admiral Ha⸗ melin“ erfährt der„Petit Parisien“: Der Dampfer verließ Marseille am 1. Oktober, um nach Saloniki zu fahren, er hatte 312 Soldaten und 360 Pferde an Bord. Am 7. Ol⸗ tober begegnete ihm nördlich Kreta ein deutsches Untersee⸗ boot, welches den Dampfer e Die Kanonade, in deren Ver⸗ lauf das Unterseeboot 40 Kanonen 185 abgab, dauerte über eine Stunde. Durch den Lärm der Schüsse aufmerksam gemacht, eilten französische und englische Torpedoboote herbei. Das Unterseeboot hatte noch 155 sechs Schüsse abzugeben. Der„Admiral Hamelin“, an der Wasserlinie getroffen, begann vollzulaufen. Die Soldaten und die Besatzung wurden von den Torpedobooten gerettet. Die Soldaten wurden nach Saloniki, die Besatzung nach Malta ge⸗ bracht. Bei der Beschießung des Dampfers wurden 21 Soldaten getötet, 48 verletzt; sechs Soldaten werden vermißt.(Vermutlich e der Dampfer zu entfliehen, daher die längere Beschießung.
Stettin, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Stetli⸗ ner Neuesten Nachrichten“ melden: Der Da mpfer„Sco⸗ tia“ von der Reederei Emil R. Retzlaff⸗Stettin, mit Erz von Schweden nach Stettin bestimmt, wurde auf der Höhe von Hasle(Bornholm) von einem englischen Unter⸗ seeboot verfolgt. Der Dampfer wäre⸗ sicherlich dem feindlichen Unterseeboot zum Opfer efallen, wenn nicht Fee ein Zeppelin über der Ostsee erschienen wäre,
em die„Scotia“ signalisterte, daß ihr ein feindliches Unterseeboot auf den Fersen sei! Als das Unterseeboot den Zeppelin sichtete, der sosort die Verfolgung aufnahm, tauchte es unter und verschwand.„ 5
Sur Kriegszeit in London.
Von Karl**
Die Londoner Klubs während des Krieges. f
Meine letzte Zeit in London. In wenigen Tagen wird mir das Glück zuteil, Albion 0 zu können. Ich gehe gerade an mehrere für die ae eineswegs gefahrlose Re se nötigen Einkäufe im Londoner Westend und treffe die letzten Vorbereitun⸗ gen, als ich am Trafalgar Square auf einen mir seit vielen Jahren bekannten Schriftsteller stoße.„Hello!“ ruft er unwilltürlich aus und das Monokel fällt ihm aus dem Auge,„Sie noch hier?“ Ich fürchtete, Sie seien längst schon in einem concen ion camp verschwunden. J am so glad to 25 gou. Was, in wenigen Tagen verlassen Sie uns? Wahrhaftig? Da müssen Sie jetzt noch rasch nrit mir in meinen Klub und eine halbe Stunde plaudern. Sie sollen übrigens zuletzt noch sehen, wie würdevoll wir English folk den Krieg ertragen.“ 5 7 N
Ich nehme die Einladung sofort und mit Vergnügen an. Der Schriftsteller ist zwar konservat v⸗britisch bis in die Fingerspitzen, aber er hat bis jetzt, wenn auch viel Törichtes und Unwissendes, so doch nichts Niederträchtiges wie die meisten seiner Kollegen in den englischen Blättern über die Germans und Germany ver⸗ öffentlicht. Auch interessiert mich der Klub, einer der aristokra⸗ tischsten Londons, dem mein Bekannter nicht etwa aus literarischem oder künstlerischem Bedürfnis, sondern einzig und allein aus angeborenem Snobismus angehört. 8 In wenigen Minuten stehen wix vor der Glastür des stolzen Baues. Ein Diener im tadellosen Frack öffnet sie uns In der prachtvollen„Hall“ leuchtet uns die weiße schimmernde„Statue der Freiheit“ entgegen, die ich schon von einem früheren Besuch her kenne. Es geht hier furchtbar vornehm zu, und ich erinnere mich, daß die Leute anstatt zu sprechen, stets mit einander flüsterten. Daher fällt mir sogleich das laute, fieberhafte Rufen und Rennen einzelner Klubmitglieder auf.„Eine Extraausgabe“, erklärt der Schriftsteller,„eine neue deutsche Niederlage in Flandern— aber noch nichts Entscheidendes. An Ihrer Stelle möchte ich jetzt gar nicht von London fort. Sie sind hier sicherer als irgendwo“ Ich erwiderte ihm, die Reise sei jetzt i lä er das Thema fallen und spricht über seinen Klub, wie wir die
dem lieben Herrgott jeden Tag:. ften, wunderbar bequemen Stühlen hingestreckt, zum Teil in deutlich hörbarem Dämmerzu⸗
Krieg berührt sie wenig. das ganze Jahre Findung K 0 Kamin, und oft nach feinstem Holze duftend, übt natürlich seine trotz der Extra⸗ „old country“ jetzt
Ruhe auf.
Nein, nicht allein die Dardanellen sind es, die liegen doch etwas viel Näherliegendes, Bekannten vergessen läßt, . Aug' zu klemmen— eine vielsagende Tat⸗ sache. Selbst dieser Mann der Ruhe, des Gleichgewichts verfärbt sich, sein Gesicht mit der früher gefunden, lebensfrischen Farbe wird fahl und unwillkürlich ballt sich seine Hand zur Faust, die er erhebt und auf jemand Unsichtbaren niedersausen lassen möchte. Ich fühle, daß es taktlos wäre zu fragen. Taher warte ich. 1 Unverschämtheit,“ dringt es endlich gedämpft, zwischen seinen leise zuckenden Lippen hervar,„schon wieder die Ostküste bombardiert! Schon wieder offene Städte angegriffen und unschuldige Frauen und Kinder gemordet!. Wenn ich nicht zu alt wäre und nur noch Kraft genug hätte Es fällt mrir bei diesen Worten ein, daß der Mann 88 ist und sich blühendster Gesundheit erfreut.) Dann nimmt sein Gesicht wieder jenes starre Lächeln an, das ich an ihm gewöhnt bin, wenn er alle Kraft aufbieten muß, um sich zu beherrschen; er zieht die Uhr hervor und sagt freund⸗ lich:„Ich darf meine Frau nicht warten lassen,“ und wir schreiten beide zur Garderobe. 5 5 Germanh wird dafür zu zahlen haben,“ hören wir einen Gentleman mit schimmerndem Scheitel und blitzenden Zähnen zu einem wohlbeleibten Klubmitglied voll wildem Zorne gaben „sobald wir Belgien befreit und den Rhein überschritten ha en, werden wir kein deutsches Haus, keine deutsche Kirche schonen. Keinen Stein lassen wir auf dem andern. Kein Schiff darf von der deutschen Flotte zurückbleiben. Kein Fim er stammelt und bringt vor Aufregung kein Wort hervor. 1 „So besiegeln Ihre Aristokraten im ub statt im Felde die Geschichte Deutschlands,“ flüsterte ich meinem Schriftsteller⸗ Begleiter zu,„das ist allerdings leichter und einfacher.“ a Kellner!“ ruft der beleibte Herr lebhaft dem vorüber⸗
„ N
eilenden Bedienten zu, rasch zwei Glas Whisky für uns zur
Stärkung!“


