Aus Stadt und Cand. f Gießen, 20. Oktober 1915. Kreiskomitee für Rotes Kreuz und Kriegshilse.
Nach längerer Pause fand vorigen Donnerstag im hiesigen Regierungsgebäude eine Sitzung des Kreiskomitees für
[Rotes Kreuz und Kriegsfürsorge statt. 5 1 7 licher Weise verbreitete sich der Vorsitzende, Herr Geheimer Rat Dr. Usinger, über das, was der Kreis— abgesehen von der Stadt Gießen— in den 14 Monaten geleistet hat auf den ver⸗ schiedenen Gebieten. 3 f An Geld für allgemeine Zwecke wurden nahezu 50 000 Mk. aufgebracht, die an die Zentrale in Darmstadt 0 für die Zwecke des Kreiskomitees selbst gingen über 20 000 Mk. bar ein, wovon etwa 6000 Mk. für die Weihnachtssendungen verbraucht wurden, so daß noch über 14000 Mk. zur Verfügung stehen. Auch für einige besondere Zwecke wurde noch Geld aufgebracht, so daß durch die hiesige Kasse insgesamt über 83 400 Mk. liefen. Da⸗ neben gingen besonders im vorigen 19115 noch viele Lebensmittel ein, deren Wert sich auf 25 737 k. beziffert, und für etwa 77000 Mk. Kleidungsstücke aller Art. Alle Gaben zusammen 77 7 einen Wert von 218157 Mark dar, wobei aber nicht ie heutigen, erheblich, 22 67 Preise zugrunde gelegt sind. Es ist dabei auch noch zu bedenken, daß durchaus nicht alle Gaben aus den Landgemeinden an das Kreiskomitee gekommen sind, vor allem, natürlich nicht aus den Orten, die selbst Lazarette haben, und deren Umgebung, so daß das Ergebnis in Geld ausgedrückt noch erheb⸗ lich höher zu bewerten ist. Und daneben geht auch noch die direkte Fürsorge für die eigenen, beim Heere stehenden Angehörigen. Der ank, i allen aussprach, die geschenkt und gearbeitet haben, damit ab ane Ergebnis erreicht wurde, ist wohlverdient. Die sich anschließende Besprechung war nur kurz. Herr Pfarrer Hepding aus Hausen übertrug den Dank auch auf den Vorsitzenden Darauf verbreitete sich Ministerialrat Kratz aus Darmstadt über die Zwecke und Ziele des Alicefrauenvereins. War dieser ursprünglich— im Jahre 1868— gegründet zur Ausbil⸗ dung von schwestern, so haben sich im jetzigen Kriege seine Aufgaben erheblich erweitert; er will jetzt im wesent⸗ lichen das, was das hiesige Kreiskomitee während des Krieges auch tut. Ter Referent sprach daher den Wunsch aus, es möge nach dem Kriege 0. die Organisation des Kreiskomitees in eine solche des icefrauenvereins überzuführen. Die Fürstin zu Solms⸗Lich— die anwesend war— hat sich bereit er⸗ klärt, den Vorsitz inr Kreise zu übernehmen. Die Zahl der Mitglie⸗ der des Vereins ist von 7 200 auf 22 300 gestiegen: auch die man⸗ cherorts bestehenden kirchlichen Frauen⸗Vereine können sich als außerordentliche Mitglieder anschließen. Von den Einnahmen der Zweigvereine braucht nur Weniges an die Zentrale in Darmstadt abgeliefert zu werden, den bei weitem größten Teil können sie behalten. An der Besprechung beteiligten sich vor allem Herr Pfarrer Barth aus Großen⸗Buseck, der auf die Erfahrungen seines 355 Mitglieder aller Parteien umfassenden Vereins hin⸗ 7 0 15 Herr Dekan Gußmann und Frau Geh. Justizrat debhardt. b e 5 Es wurde dann gesprochen über die weitere Tätigkeit. Frau Geh. Kommerzienrat Dr. Gail teilte mit, daß es der Mili⸗ tärverwaltung jetzt vor allem ankomme auf Strümpfe, während für die übrigen Kleidungsstücke die Militärverwaltung jetzt selbst sorge. Frau Geh. Justizrat Gebhardt ergänzte das, indem sie wünschte, daß vor allem Füßlinge zu stricken wären, die Beinlinge kann man wiederholt verwenden. Die Wolle soll die Leitung des Komitees in Berlin kaufen. Ferner ist erwünscht, wenn wieder Ge⸗
mise, Obst und Sauerkraut geschenkt wird. f 8 5
Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.)
Musk. 70 Rössel, Inf. Regt. 118, aus Butzbach.— Wehrmann Karl Diehl, Inf.⸗Regt. 118, aus Hochweisel.— Gefr. Karl Droß, Inf.⸗Regt. 88, aus Ahausen.— Wehrmann Heinr. Hagner V., Landwehr⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Oberbiel.— Res. Reinhard Zimmer, Res.⸗Inf.⸗Regt. 81, aus Wetzlar.— Grena⸗ dier Fritz Rottmann, 2. Garde⸗Regt. z. 55 aus Wetzlar.— Musk Wilh. Kunz, Inf.⸗Regt. 221, aus Werdorf.— Musk. Au⸗ ton Dörr, Res.⸗Inf.⸗Regt. 223, aus Niederlemp.— Wehrmann Wilh. Haus, Res.⸗Inf.⸗Regt. 81, aus Hohensolms.— Landsturm⸗ mann Friedr. Zör b. 45. Armierungsbataillon, aus Groß⸗Rech⸗
— We iedrich Becker, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Wetzlar. f 5 Musk. Heinrich Schaub, Inf.⸗Regt. 88, aus Wetzlar.— Land⸗ sturmmann Ludwig Weimer, Res.⸗Inf.⸗Regt. 40, aus Naun⸗ heim.— Musk. Georg Hock, Inf.⸗Regt. 118, aus Ober⸗Rosbach. — Wehrmann Heinr. Feyh, Inf.⸗Regt. 116, aus Gonters⸗ hausen.— Ersatz⸗Res. Karl Häuser, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 118, aus Harbach.— Grenadier Kurt Krömmelbein, Kaiser⸗Franz⸗ Garde⸗Gren.⸗Regt. 2, aus Lauterbach.— Pionier Karl Mah, Pionier⸗Regt. 25, aus Friedberg.— Musk. Friedrich Gla⸗ den, 0 136, aus Ehringshausen.— Ersatz⸗Res. Lorenz Hederich, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Wetzlar⸗Niedergirmes. — Wehrmann Hermann Berchter, Inf.⸗Regt. 116, aus Bü⸗ dingen.— Wehrmann Max Stern aus Düdelsheim.
f*
Auszeichnung. Husar Heinrich Fersch, Sohn des Pedellen Johannes Fersch, Husaren⸗Regiment Nr. 14, erhielt das Eiserne Kreuz. 5
Die Epangelische Konferenz für das Groß⸗ herzogtum Hessen(Friedberger Konferenz) hält am Diens⸗ tag, 26. Oktober, nachmittags 2¼ Uhr, in Frankfurt a. M. Kellnerheim Kronenhof, Scharnhorststraße 20) ihre diesjährige
ee ee ab. Die Tagesordnung enthält außer nun
Jahresbericht, ablage und Wahlen einen Vortrag (mit Aussprache) des Prof. lic. Matthes, Darmstadt, über die Frage:„Was kann unsre Kirche aus den Erfahrungen
dieser Kriegszeit für ihr Wirken lernen?“ Der Konzert⸗Verein wird am Sonntag, den 24. Oktober, mit seinen winterlichen musikalischen Veran⸗ staltungen beginnen. Die Erfolge des vergangenen Vereins⸗ jahres ließen es rätlich erscheinen, auch im Musikleben durchzuhalten und, wenn auch in bescheidenerem Rah⸗ men als sonst, doch eine kleine Anzahl auserlesener Konzerte zu bieten. Statt der üblichen zehn werden im bevorstehenden Winter nur se Konzerte veranstaltet, davon drei vor Weihnachten und die anderen drei im neuen Jahre. Auf Orchesterkonzerte muß aus finanziellen Rücksichten diesmal Verzicht geleistet werden. Dafür bietet der Verein in Ver⸗ bindung mit dem Akademischen Gesangverein und dem Evangelischen Kirchengesangverein am uns 10. Dezember, unter Professor Trautmanns tung ein Chorkonzert in der Stadtkirche mit Orgelbegleitung und unter Mitwirkung eines kleinen Or⸗ chesters. Die übrigen Aufführungen sind im wesentlichen Solistenkonzerte, für die allererste Kräfte bereits . onnen sind. Mit Backhaus, der 179 im vergangenen ahre eine große Anzahl neuer Freunde erworben hat, werden die Solistenabende eröffnet. Kein geringerer als Generalmusikdirektor Dr. Max Reger hat fir das zweite Konzert am 14. November sein Erscheinen zugesagt. Reger ist als Komponist, Virtuos und Dirigent der Meininger hier zur Genüge bekannt. Er wird diesmal zwei neue Kompositionen bringen, die erst in den letzten zwei Jahren entstanden sind; eine Violin⸗Sonate in Moll mit Klavierbegleitung und ein Klavierquartett. Reger wird mit dem Leipziger Gewandhaus Quartett mustzieren, das bei dieser Gelegenheit zum erstenmal hier in Gießen zu hören ist. Im weiteren on⸗ zert vom 16, Januar wird Hermine Bosetti, die ge⸗ o rsängerin der Münchener Hofoper, auf⸗
— Gardist Aug. Thielmann aus Wetzlar.—
treten. Bot sich im vergangenen Jahr Gelegenheit, sie als hervorragende Liede 2 kennen zu lernen, so wird sie dieses Mal ihre Meisterschaft als Koloratursängerin zeigen. Sie beabsichtigt, mit dem hier so beliebten jugend⸗ lichen Geiger Joseph Szigeti mehrere Koloratur⸗Arien vorzutragen, die im Original für Violinbegleitung ge⸗ schrieben sind; ein ganz eigenartiges Programm, mit dem beide in Augsburg, München und an anderen Orten großes Aufsehen erregten. Für dieses Konzert hat Professor Trautmann die Begleitung übernommen. Das vorletzte, der herrlichen intimen Kunstgattung der Kammermusik ge⸗ widmete Konzert vom 6. Februar vermittelt die inter⸗ essante Bekanntschaft des Ross⸗Quartetts aus Wien, das zum erstenmal nach Gießen kommt. Das gilt auch von dem gefeierten Mitgliede des Kgl. Opernhauses Cläre Dux in Berlin, die die Konzertzeit mit einem Liederabend am 20. Februar schließt.
* Ober hessischer Kunstverein. Die Gemälde⸗ Ausstellung, welche am nächsten Sonntag eröffnet wird, verspricht, so viel bis jetzt zu übersehen ist, künstlerisch wertvoll und interessant zu werden. Außer den Gemälden der Dr. Hans⸗Bock⸗Gedächtnis⸗Stiftung wird die Ausstel⸗ lung u. a. auch Werke von Prof. v. Bartels f⸗München, Prof. Firle⸗ München, Prof. Kröh⸗Darmstadt, Prof. Liesegang⸗Düsseldorf, Prof. Morgenstern⸗Frank⸗ furt, Prof. Pape⸗Berlin und Otto Ubbelohde⸗Goß⸗ felden aufzuweisen haben. f
** Wehrpflichtige Offiziere, die noch nicht im Heeresdienst Verwendung gefunden haben, seien auf die im Anzeigenteil befindliche Bekanntmachung des Bezirks⸗ kommandos aufmerksam gemacht.
** Die letzte freiwillige Metallabliefserune hat noch 540 Personen veranlaßt, von der Einrichtung Gebrauch zu machen. Bis Ende September sind an Metallgegenständen im ganzen 240 Zentner freiwillig abgeliefert worden. Im ganzen wurden bisher von der Stadtkasse schon Mk. 46 800 an 2140 Ab⸗ lieferer ausgezahlt. Kenner unserer Verhältnisse behaupten, daß der Wert der nicht abgelieferten Waschkessel, Geschirre und Geräte in Kupfer, Messing und Reinnickel, die nunmehr beschlagnahmt sind, in unserer Stadt mehr als Mk. 50 000 beträgt.
* Der Kartoffelpreis in unserer Stadt hat sich jetzt auf 8 Mark pro Doppelzentner frei Keller gebildet. Täglich kann man jetzt in den Straßen beobachten, wie unsere Bevölkerung sich für den Winterbedarf eindeckt. hat wohl so lange mit dem Einkauf des notwendigen Nahrungsmittels gewartet, weil man auf einen billigeren Einkauf bei dem heurigen Kartoffelsegen rech⸗ nete. Die städtischen Beamten haben ihren Kartoffelbedarf, im ganzen ca. 240 Zentner, durch die Stadt bezogen und zahlen dafür 7,50 Mark pro Malter. Auch die Militärbehörden als Groß⸗ abnehmer legen diesen Preis an. Alle diese Momente sprechen dafür, daß der Kartoffelpreis vorläufig nicht mehr abschlagen wird, obgleich in Anbetracht der reichen Kartoffelernte 8 Mark ein sehr hoher Preis ist. f 5 f
* Vieh⸗ und Geflügelhaltung. Durch Vermittlung des Großherzoglichen Kreisamts werden den Bürgermeistereien des Kreises Gießen größere Mengen von rumänischem Mars und rumänischer Gerste überwiesen, womit einer dringenden Nach⸗ frage nach Vieh⸗ und Geflügelfutter entgegengekommen wird.“
n Reife Himbeeren. Ein Strauß großfrüchtiger]?
reifer Himbeeren wurde uns heute vorgezeigt, die im Walde bei Klein⸗Linden gepflückt wurden.
Landkreis Gießen.
2 Klein⸗Linden, 19. Okt. Bei den Angehörigen des Wehrmannes Ludwia Mandler traf eine Karte ein, daß sich Mandler seit dem 2. Oktober in russischer Gefangenschaft be⸗ finde.— Die Sammlung für deutsche Gesangene in Rußland ergab hier 380 Mark.— Die Gemeinde hat für Kriegsfürsorge an Ortsangehörige 1000 Mik. bewilligt.
s Großen⸗Buseck, 18. Okt. Die Sammlung in hie⸗ iger Gemeinde für deutsche Kriegsgefangene in Rußland ergab
en Betrag von 620,40 Mark, die Sammlung für Minde Krieger den Betrag von 612,90 Mark, zusammen 1233,30 Mk.
s. Allendorf a. d. Lahn, 20. Okt. Die Sammlung für die deutschen Kriegsgefangenen in Rußland ergab die Summe von 190 Mark.. 5 5
m. Allendorf a. d. da., 18. Okt. Die Haussammlung für die Gefangenen in Rußland ergab hier den erfreulichen Betrag von 519 Mark.— Musketier Ludwig Dörr, der bei Kriegsausbruch im 168. Infanterie-Regitment diente und schon im vorigen Jahre in französische Gefangenschast geriet, ist nach einer durch Ver- mittelung des Roten Kreuzes aus Genf heute hier eingetroffenen Benachrichtigung am 21. v. Mts. in Algier an Nierenentzündung gestorben. 5
» Utphe, 19. Okt. Als zweiter in unserer Gemeinde erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse der Gardist Otto Beltzer.
Kreis Lauterbach. 5
M. Landenhausen, 19. Okt. Nach langer Ungewißheit über das Schicksal ihres Sohnes haben die Angehörigen des seit Anfang September 1914 als vermißt gemeldeten Dragoners Falk von hier die erste Nachricht von diesem erhalten. In einem vor kurzer Zeit eingetroffenen Briese teilt er mit, daß er sich auf der Insel St. Martini in französischer Gefangenschaft be⸗ fdet. Wie in einer früheren Nummer bereits berichtet wurde, sollte Falk wegen einer bei ihm gefundenen Damenuhr von einem französischen Kriegsgericht zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden sein. Da er von einer solchen Verurteilung in seinen Briefen nichts erwähnt, scheint das aus Amerika stammende Gerücht keine seste Grundlage zu haben; es müßte denn der Fall sein, daß die französische Zensur eine derartige Mitteilung nicht durchläßt. Das Merkwürdige an der Sache ist nur, warunt erst nach Jahressrist der erste Brief in die Heimat gelangte, der unter gewöhnlichen Um- ständen doch sicher schon früher befördert worden wäre, wenn keine Hindernisse der Beförderung im Wege gestanden hätten.
Aus dem vorderen Vogelsberg, 19. Okt. Ge⸗ genwärtig ist man mit dem Einernten der Hackpflanzen: Dickwurz und Kohlrabi, Kraut und Wirsing beschäftigt. Wie die Kartoffeln, so liefern auch alle übrigen Gemüsepflanzen vortreffliche Erträge. Dickwurz und Kohlrabi sind vollendet ausgewachsen. In diesem Jahre werden die Keller bis zum letzten Plätzchen gefüllt. Sie dürften stellenweise nicht reichen, um alle Früchte zu bergen. Da die männlichen Arbeitskräfte mangeln, so müssen die Schulkinder kräftig mitarbeiten. Deshalb bewilligen die Behörden Notstands⸗
ferien.. Kreis Schotten.
n. Schotten, 20. Okt. Wegen Ausbruchs der Maul⸗ und Klauenseuche wurde der für heute festgesetzte Markt nicht abgehalten.
n Einartshausen, 19. Okt. Der Wehrmann Heinrich Bünzel, vom Inf.⸗Regt. 116, starb im 30. Lebensjahre den Tod fürs Vaterland. 5
n Sellnrod, 19. Okt. Im Alter von 28 Jahren fiel im Kampfe fürs Vaterland der Gefreite August Merz vom Inf.⸗
Regt. 116. Hessen⸗Nassau.
sm. Rodheim a. d. Bieber, 20. Okt. Karl Rösser, Sohn des Wagnermeisters Karl Rösser von hier, der zusammen mit seinem Bruder Georg in einer Pionierkompagnie im Westen stand, star b den Heldentod am 9. Oktober. Tags darauf wurde sein Bruder durch einen Granatsplitter verwundet. „ 2. a, M., 20. Okt. Im Mittelpunkt der Bera⸗ tungen der gestrigen Stadtverordneten versammlung stand die Lebensmittelteuerung. Die Antwort des Staatssekretärs des Innern auf eine Eingabe der Stadt in Sachen der Lebensmittelversorgung wurde von den Sprechern aller Par⸗ teien als unbefriedigend erklärt. Unter dem Beifall des Hauses er⸗ klärte Oberbürgermeister Voigt, daß die Politik der Eingaben vorüber sei, die deutschen Städte harrten der Taten und seien be⸗
reit zu Taten. Die Stadt habe sich mit den im gleichen Wirt⸗ schaftsgebiet liegenden Städten bereits telegraphisch in Verbindung gesetzt, um ihre sveben erfolgten Preis⸗ festsetzungen nicht wirkungslos werden zu las⸗ se n. Von bem Unterwesterwaldkreise hat die Stadt 40000 Zentner Kartoffeln gekauft, die sie zum Selbstkostenpreis von 3,55 Mk. den Zentner abgibt. Auch für Butter setzte der Magistrat Höch st⸗ preise fest, und zwar 2,40 Mk. für beste Butter und 2,10 Mk. für Londbutter, alles pro Pfund. Diese Preise hat der Vorsitzende der Wiesbadener Landwirtschaftskammer, Bartmann⸗Lü⸗ dicke, als für die Landwirtschaft durchaus ausreichend bezeichnet, Außerdem soll die in⸗ und ausländische Butter sichtbar gekenn⸗ zeichnet werden.— Dem Kriegshilfsverein für den Kreis Lötzen, über den die Stadt Patenschaft übernahm, bewilligte die Versamm⸗ lung 100 000 Mk. Ferner erhält seit dem ersten Oktober jeder Urlauber aus der städtischen Arbeiterschaft für die Dauer seines Ur⸗ laubs täglich 1 Mark Urlaubsgeld. Ein Antrag auf Ein⸗ richtung eines städtischen Stellennachweises für kaufmännische An⸗ gestellte zeitigte zwar einen ausgedehnten Meinungsaustausch, kam 5 nicht zur Abstimmung, da das Haus beschlußunfähig gewor⸗ en war.
Märkte. le. Frankfurt a. M. Schweinemarktberkcht vom 20. Okt. Ausgetrieben waren 08 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 137.00— 145.00 Mk., Schlachtgewicht 170.00— 180.00 Pk., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 133.00— 136.00 Pik, Schlachtgewicht 170.00— 178.00 Mk, vollfleischige Schweine von 100— 120 kg. Lebendgewicht 137.00 145.00 Mk., Schlachtgewicht 170.00— 180 Mk. vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 137.00 145.00 Mk., Schlachtgewicht 170.00 180.00 Mk. Geschäft ziemlich rege.
10. Frankfurt a. M., 20. Oltt. Frucht- und Futtermittel⸗ markt. In Getreide kein Handel. Futtermittel sest bei geringem Angebot. Kokoskuchen 64 bis 65 Mk., Rapskuchen 50,50 52 Mk. Alles zu 100 Kg.
1e. Frankfurt a. M., 20. Okt. Kartoffelmarkt. Kar⸗ toffeln(Industrie und Up to date) 7,10 7,0 Mk. Andere Sorten etwas billiger, frachtfrei Franksurt a. M.
le. Frankfurt a. M., 19. Okt. Auf dem heutigen Heu und Strohmarkt war nichts angefahren.
Briefkasten der Redaktion. (Anonyme Aufragen bleiben unberücsichtigt.)
E. L. B. Nach§ 70 des Handelsgesetzbuchs kann das Dienst⸗ verhältnis von jedem Teile ohne Einhaltung einer Kündigungssrist aufgelöst werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Die hier in Betracht kommenden Verhältnisse dürften als wichtiger Grund im Sinne des Gesetzes wohl kaum in Frage kommen.
Meteorologische Beobachtungen der Stalson Pfeßen.
35 5 Okt. 38 8 8 5 2 30 3 S S2 % SSS ö d e 1 8 S N I 14.% 936 78—— 2 19.%— 82 87—— 10 20.%— 86 80— 8 10 ö 0 ö ö ö ö ö 5 Höchste Temperatur am 18. bis 19. Okt. 1915 10% Niedrigste JJV 6,„
Niederschlag: 0, mm. —.—— K—
Amtlicher Wetterbericht. Deffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 21. Okt. 19158: Fortdauer der bestehenden Witterung. 2
Letzte Nachrichten.
Der Zar des Oberbefehls müde? 8
Wien, 20. Okt. Aus Petersburg wird gemeldet, der
Zar wolle den Oberbefehl über das Feldheer wieder ab⸗
geben. Furopatkin ist zu einem höheren Führerposten ausersehen.
Rußland für die Aufgabe des Dardanellenunternehmens.
Wien, 19. Okt. Die maßgebenden russischen Kreise, insbesondere auch die Militärs, treten mit zunehmendem Nachdruck für die Einstellung des Dardänellen⸗ unternehmens ein. In der„Birshewija Wjedemosti“ erklärt Oberst S chumski, er habe das Dardanellen⸗ unternehmen stets für überflüssig gehalten, da es selbst im Falle des Gelingens niemals praktischen Wert gehabt hätte.
Truppenlandungen bei Enos?
Berlin, 20. Okt. Nach einer Meldung verschiedener Morgenblätter sind laut„Messagero“ Truppen der Entente bei Enos an der bulgarischen Südküste gelandet. Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant“ erfährt jedoch aus Lon⸗ don, daß dort die Meldung von einer Landung bei Enos als unwahrscheinlich angesehen werde.
Die Note Griechenlands an den Vierverband. Wien, 20. Okt. Das Blatt„A Vilag“ meldet aus Athen: In der Note Griechenlands an den Vierverband wird in ent⸗ schiedener Form der sofortige Rücktransport der auf Saloniki gelandeten Truppen gefordert. Falls dieser Forderung nicht nachgekommen werde, werde Griechenland die Landungstrup⸗ pen internieren(7).
Der Krieg in Deutsch⸗Südwestafrika.
Köln, 20. Okt. Die„Kölnische Volkszeitung“ erhält von einem Mitarbeiter einen Brief eines Offiziers, der den Krieg in Deutsch⸗Südwestafrika mitgemacht hat. Danach haben die Engländer schwere Schlappen erlitten. Englische Offiziere bezif⸗ ferten ihre eigenen Ver luste auf 9000 Mann, das Doppelte der ganzen deutschen Schutztruppen überhaupt. Streitigkeiten zwi⸗ schen den zwangsweise unter die englischen Uniontruppen gesteckten Buren und den Engländern waren an der Tagesordnung. Die Buren waren meistens wegen irgendwelcher Insubordination stand⸗ rechtlich erschossen. Die Engländer bemühen sich jetzt hartnäckig, die deutschen Untertanen zu naturalisieren, was aber bisher von allen Seiten zurückgewiesen wurde., Man glaubt fest an den end⸗
gültigen deutschen Sieg. Ein aufrichtiger Kolonial⸗Engländer ver⸗
licherte, daß die deutsche Sache in Europa ausgezeichnet stehe.
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