Ausgabe 
(20.10.1915) 247. Erstes Blatt
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Nr. 247

Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Famlillenblätter; wennal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und a a zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Feltfragen Fernsprech⸗ Anschlüsse: für die Schristleitung 112 Verlag, Geschäftsstelleö! Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher.

165. Jahrgang

General⸗Anzeiger für Gberhe sen

Rotafionsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr.?

Mittwoch, 20. Oktober 101d

Bezugövrei): monatl. 85 Pf., viertel⸗ A lährl. Mk. 2.50; durch

Vuohole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel · jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pl., ausw. 20 Pi. Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

Er olge bei Riga. Obrenovac von den Oe terreichern, Vranje von den Bulgaren genommen.

WTB.) Großes Hauptquartier, 19. Oktober.

(Amtlich.)

f Westlicher Kriegsschaublatz.

Keine wesentlichen Ereignisse.

Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.

Südlich von Riga stürmten unsere Truppen mehrere russische Stellungen und erreichten die Düna öftlich Borkowitz, ein Offizier, 240 Mann wurden gefangen, zwei Maschinengewehre erbeutet.

1 10 russischer Angriff nordwestlich Jacobstadt wurde gewiesen.

In Gegend von Smolwy wurde durch eines unserer Kampfflugzeuge ein französischer Doppeldecker, der von einem russischen Stabskapitän geführt wurde und mit einem eng⸗ lischen Maschinengewehr ausgerüstet war, abgeschossen.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Nichts Neues.

Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Die gestern gemeldeten Kämpfe am Styr nehmen einen für uns günstigen Verlauf.

Balkan⸗Kriegsschauplatz.

Bei der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen wurde von der Armee des Generals v. Koeveß durch österreichisch⸗ungarische Truppen die Stadt Obre⸗ novac genommen. Südlich von Belgrad erreichten deutsche und österreichisch⸗ungarische Verbände nach Kampf die Höhen öͤstlich von Vranic, südlich von Ripanj und südlich von Grocka an der Donau.

Die Armee des Generals von Gallwitz erkämpfte mit dem rechten Flügel die Gegend westlich von Seone, sowie die Orte Vodanj und Mala Krsna. Das Höhen⸗ gelände bei Lucica sowie südlich und östlich von Boze⸗ vac bis Misljeno vac wurde dem Feinde entrissen.

Die Armee des Generals Bojadjeff drang gegen . Knjazevac, über Inowo und gegen den

essel von Pirot weiter vor. Andere bulgarische Truppen haben Vranje im oberen Morawatal genommen und weiter südlich die Linie Egri⸗PalankaStiy bereits

überschritten. 5 Oberste Heeresleitung.

a 5.

Nach nahezu 15 Monaten Kampf zeigt es sich, daß der Krieg nicht auf viele Jahre berechnet ist, wie am Anfang einige englische Autoritäten drohten wenn sie nicht vor⸗ zogen, anzukündigen, daß sie und ihre Verbündeten in weni⸗ 255 Wochen in Berlin und Wien ihren Einzug halten wür⸗

Es waren große Worte, um das deutsche Volk, von dem man annahm, es könne wegen seiner abgeschnittenen Lage eine lange Kriegsdauer nicht ertragen, einzuschüchtern. In dem blutgetränkten Garten, wo Mars der Gärtner war, sind bereits mancherlei Früchte herangereift, die jene feindlichen Großsprecher Lügen strafen: Nikolai Nikolajewitsch ist ge⸗ fallen, Delcassé hat sich zurückziehen müssen, und heute spricht man auch vondrohendem Kabinettswechsel in London und Rom. Es sind Zeichen der Zeit, die hohen Eindruck in der Welt machen müssen. Denn wenn auch unsere Verbündeten an der Donau ihr Auswärtiges Amt mit einem neuen Mann dort waren dafür doch

Negotin vorrückende österreichisch⸗ungarische oder deutsche Streit⸗ kriste finden hann Weg zur Vereinigung mit den Bulgaren frei. Die Serben berharren auch gegenüber den Bulgaren in strategischer Defensive und verteidigen jeden Paß und jeden Fluß⸗ abschnitt von Zajecar bis Pirot und weiter südlich in der Richtung auf Prauje verzweifelt, um die Verbindung mit Saloniki und die schwache Möglichkeit einer großen Kooperation mit eng⸗ lisch⸗französischen Streitkräften offen zu halten. Ob die Bahnlinie Saloniki⸗Uesküb⸗Nisch noch ganz unbeschädigt ist, läßt sich mit Sicherheit nicht feststellen. Sie bildet jetzt, da die Donauufer im Besitz der Angreifer sind, die einzige Zu⸗ fahrtslinie der Serben.. 5

Der BernerBund meint, die Entente müsse min⸗ destens ein Heer von etwa 300 000 Mann vollständig opera⸗ tionsfähig in Bewegung setzen, wenn sie nicht mehr auf die griechische Armee rechnen kann. Zur Aufstellung und Vorbringung einer solchen Armee bedürfe sie einer breiten Operationsbasis, die ganz Griechisch⸗Mazedonien umfaßt und einer Frist von Monaten. Die letzten Tagesberichte melden neue Erfolge, die bei der obigen Betrachtung noch nicht herangezogen werden konnten. Obrenowac ist in den Händen der Verbündeten, und weiter östlich stehen die Truppen der Armee des Generals v. Köveß nach dauernden Kämpfen auf den Höhen östlich von Wranitschi und süd⸗ lich von Ripani, einer Station der Bahn, 16 Km. von Belgrad, won das Gebirge durch einen 1600 Meter langen und 1 kleinere Tunnels durchbrochen wird. Hier läuft die Wasserscheide zwischen der nach Osten zur Donau fließen⸗ den Ralja und der Sawe, Der linke Flügel der Armee ist über Grodska hinaus an der Donau, wo am 23. Juli 1739 der österreichische Feldmarschall Graf Wallis von den Türken völlig geschlagen wurde. Die Armee des Generals v. Gall⸗ witz hat ihren rechten Flügel nach Westen geschoben über Seona hinaus und damit die Fühlung mit der Armee Köveß aufgenommen. Die Mitte dringt an der Morawa aufwärts vor, und der linke Flügel hat die Linie Bosche⸗ watz Mischlenowtze überschritten.

Der Vormarsch der ersten bulgarischen Armee vollzieht sich in breiter Front. Eine Flügeldeckung ist über den un⸗ teren Timok gegangen und hat zwischen Negotin und Saitschar den Ort Tamnic genommen. Beiderseits des Passes über die Grenzgebirge bei Sweti Nikola waren nach Meldung des bulgarischen Generalstabs von Norden nach Süden die Orte Gorni, Karito, Aldinci, Repuznica, Rawno Bucwe und Tschrui Wrh am Sonntag exreicht wor⸗ den, so daß der Angriff auf das westlich liegende Knjaschewatz weitergeführt werden konnte. Ebenso gehen die Bulgaren über Injewo, etwas weiter südlich und gegen Pixot vor. General Bojadjeff besehligte im Balkankrieg die vierte Preslawdivision mit Auszeichnung. Er ist, so teilt dieKöln. Ztg. mit, noch nicht 50 Jahre alt, in Italien ausgebildet, wie viele bulgarische Generalstabsoffiziere, ein ernster, ge⸗ diegener Mann, der sich bei Vorgesetzten und Untergebenen gleicher Beliebtheit erfreut. Wie auch unser amtlicher Bericht meldet, haben die Bulgaren Wranja im oberen Morawatal genommen. Damit ist die Bahn von Nisch nach Uesküb unterbrochen, Alt⸗ und Neuserbien voneinander getrennt. Wranja ist eine aufblühende Stadt, die etwa 12 000 Ein⸗ wohner zählt und erst 1878 von den Serben erobert und ein⸗ verleibt wurde. Auch die Offensive von Küstendil über Eg ri Palanka nach Westen gegen Kumanowo und Uesküb macht Fortschritte. Sie ist südlich dieser Straße schon in das Becken von Istip gelangt und hat im Vorgehen über die obere Bregalnitza nach bulgarischen Angaben die Orte Zarewo Selo, Petschewo und Berowo hinter sich. Von den bulgarischen Truppen, die nach Meldungen in Blättern des Vierverbandes aus Nisch gegen die Bahn von Salspniki nach Uesküb in der Richtung auf die Station Strumitz a vorgestoßen sind und bei Walandowo im Kampf, auch mit den Spißen des Landungskorps stehen, sagt unser amt⸗ licher Bericht nichts. 5 ö

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Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht.

Wien, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 19. Oktober.

Russischer Kriegsschauplatz.

Die Russen setzten gestern ihre Angriffe im Sumpf und Waldgebiete des unteren Styr fort. Bei dem nordwestlich von Derazno liegenden Dorf Boguslawka stürmte der Feind dreimal vergebens gegen die Stellung einer Honved⸗ Division an. Er wurde durch Feuer und im Nahkampf in die Flucht geschlagen und ließ drei Offiziere, über 500 Mann und zwei Maschinengewehre in unserer Hand. Auch eine über Kulikowice vordringende russische Dibision wurde wieder auf das Ostufer zurückgetrieben. In der Gegend von Czartorysk gewann der Gegner an einigen Punkten das Westufer des Styrflusses. Dort wird noch gelämpft. Nördlich von Nafaloweka griffen die Russen gleichfalls mit starken Kräften an. Sie wurden abgewiesen, wobei wir 100 Mann gefangen nahmen. Sonst ist die Lage im Nordosten un⸗ verändert.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die Kämpfe an der Jsonzofront nahmen an Aus⸗ dehnung zu. Gestern mittag setzte gegen unsere Stellungen am Ken, am Tolmeiner Brückenkopf, bei Tonale und Plava, gegen den Görzer Brückenkopf und das Plateau von Doberdo starkes feindliches Geschützfeuer ein, das mit großer 2 9 leit bis in die Abendstunden anhielt und in einzelnen Ab⸗ schnitten auch nachts andauerte. Unter dem Schutz dieses

Feuers ging die italienische Infanterie an zahlreichen Stellen zum Angriff vor. Am Krn, am Mrzli Brh und vor den Stellungen des Tolmeiner Brückenlopfes brachen alle feind⸗ ichen Angriffsversuche in unserem Infanterie⸗- und Ma⸗ hinengewehr⸗ und flankierendem Geschützfeuer zusammen. Die gegnerische Infanterie flüchtete, wo sie angegangen war, unter den schwersten Verlusten in ihre Deckungen zurüg. Stellenweise zog sie es vor,Avanti! zu schreien, ohne ihre Deckungen zu verlassen. 5

Ein gegen den Monte Sabotino(westlich von Sal⸗ canv) gerichteter Angriff und mehrere starke Vorstöße gegen die schon seit einigen Tagen heiß umstrittene Stellung bei Peteano wurden gleichfalls zurückgeschlagen. Auch hier erlitt die italienische Infanterie große Verluste. In Kürn⸗ ten und Tirol herrscht weiter rege feindliche Artillerit⸗ tätigkeit.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die Angriffe der verbündeten Heere machten auch gestern überall Fortschritte. Die Mac va ist zum größten Teil in unserem Besitz. Die beiderseits der Kolubara⸗Mündung über⸗ schifften k. und k. Truppen nahmen um Mitternacht die Stadt Obrenovac und die Höhen südöstlich davon. Die von Belgrad vordringenden Streitkräfte gelangten in der Ver⸗ folgung des Feindes über Ripani hinaus. Eine öster⸗ reichisch⸗ungarische Kolonne erstürmte mit dem Bajonett den Zigeunerberg südlich von Grocka und nahm mit den beider⸗ seits der unteren Morawa erfolgreich vorrückenden deutschen Divisionen die Verbindung auf.

In den dreitägigen Kämpfen um den Avala und um die Stellungen nordwestlich von Grocka sind von unseren Truppen 15 serbische Offiziere und 2000 Mann als Gefangene eingebracht worden.

9 Die Bulgaren entrissen dem Feinde die erste be⸗ festigte Linie östlich von Pirot und drangen bis in die

Gegend von Vranji vor.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

*** vom serbischen Kriegsschauplatz.

Berlin, 20. Okt. Ein deutsches Flugzeuggeschwader hat, einer Meldung desBerliner Lokalanzeigers zufolge, Rraku⸗ jevac, wo sich ein serbisches Arsenal befindet, mit Bomben belegt. Verzweifelt kämpfen die Serben im Timokgebiet, um die Verbindung der bulgarischen Armee Bofadjeff mit der Armee Gallwitz zu verhindern. Es kommt hier stets zu Kämpfen Mann gegen Mann. Meldungen aus Sofia besagen, daß dort der Zustrom freiwilliger Mazedonier stark sei. Etwa 50 000 Mann seien bereits eingekleidet; sie bilden eigene Divisionen mit eigener Artillerie und Kavallerie.

Die siegreichen Bulgaren.

Bu dapest, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)Az Est

meldet aus Sofia: Wie der bulgarische amtliche Bericht

vom 16. Oktober meldet, sind die Bulgaren am 15. Oktober

in die Stadt Vranja eingezogen; sie haben außerdem Egri Palanka und Kotschana besetzt.

Berlin, 20. Okt. Die Einnahme von Vranja hat in Sofia, wie demBerliner Tageblatt vom 18. Oktober gemeldet wird, große Freude hervorgerufen. Mit der Besetzung dieses Ortes ist das eigentliche Königreich Serbien von Mazedonien abgeschnitten. Nachrichten aus Budapest zufolge, heißt es weiter, habe die Unterbrechung der Verbindung SalonikiNisch, die die Folge des Verlustes von Vranja ist, im serbischen Hauptquartier große Ver⸗ wirrung hervorgerufen. Die Staatsarchive seien von Nisch nach Nitrowitza gebracht worden. Der Sitz der Regierung ist nach Prischtina verlegt worden, wohin der König und die diplomatischen Vertreter der Entente folgen werden. Der Ruf nach der Hilfe Rußlands werde immer dringender, die Verstimmung, vor allem gegen England, wachse. Die Zahl der Gefangenen, die die bulgarischen Truppen bisher gemacht hätten, betrage ungefähr 3000, darunter zahlreiche Offiziere.

Ein türkisches Schlachtschiff an der bulgarischen Küste.

Berlin, 19. Okt.(Privattelegramm.) DasBerliner Tageblatt meldet aus Lugano: Der SchlachtkreuzerSul⸗ tan Jawus Selim kreuzte eine halbe Stunde vor Konstanza und fuhr mit Volldampf nach Varna weiter.

Aus Saloniti.

London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Preß⸗ bureau teilt mit, General Sir Charles Monro ist zum Oberbefehlshaber des Expeditionsheeres er⸗ nannt worden. General Sir Jan Hamilton kehrt nach

England zurück, um Bericht zu erstatten. Bis zur Ankunft

des Generals Monro wird Generalleutnant Birdwook mit der Führung der Truppen aut.

Athen, 19. Okt.(WT. Nichta ch.) Meldung der Agence Havas. Die gemeldete Unterbrechung der Eisenbahnlinir Nisch Saloniki wird in Abrede gestellt. Ein Eisenbahn⸗ zug mit den ersten, in den Kämpfen mit den Bulgaren verwun⸗ deten Franzosen ist in Saloniki eingetrofsen.

a Monastir als Zufluchtsort?

Paris, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)Information meldet aus Athen: Es wird hier bestätigt, daß der Staats⸗ schatz der serbischen Nationalbank und die serbischen Staats⸗ archive nach Monastir gebracht worden sind

Italiens Kriegserklärung an Bulgarien.

Rom, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der

Agencia Stefani: Da Bulgarien die Feindseligkeiten

gegen Serbien eröffnet hat und mit den Feinden Ibaliens

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