Ausgabe 
(11.10.1915) 239. Erstes Blatt
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auf der Zitadelle gingen die österreichisch-ungarische und die deutsche Fahne hoch. Der Eindruck in Sosia.

Berlin, 11. Okt. Telegramme aus Sofia berichten, daß dort das Ereignis der Einnahme von Belgrad nachts bekannt wurde und stürmische Kundgebungen für die Mittelmächte auslöste.

Die Truppenlan dungen in Saloniki eingestellt? . Berlin, 11. Okt. DerKreuzzeitung zufolge ver⸗ lautet in Wien aus zuverlässiger Quelle, daß die englisch⸗ ffranzösischen Truppenlandungen in Saloniki eingestellt worden seien. Bezüglich der Besetzung der von Saloniki nach Norden führenden Bahn kann festgestellt werden, daß diese Besetzung bezweckt, die Bahn gegen alle fremden Elemente, also auch gegen die Ententetruppen, zu sichern. Die neue Regierung in Athen hofft, Mon⸗ tag in der Kammer eine Mehrheit zu bekommen.

Eine serbische Militärmission in Rom.

Lyon, 9. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)Progres meldet aus Rom: Eine aus acht Offizieren bestehende serbische Militärmission ist in Rom eingetroffen. Die Offi⸗ ziere, die eine lange Unterredung mit dem Kriegsminister und dem Minister des Aeußern hatten, reisten in das Haupt⸗ quartier ab, wo sie mit dem König und mit Cadorna Bera⸗ tungen haben werden. f ö

Die Haltung Griechenlands. Paris, 10. Okt.(WD. Nichtamtlich.) Meldung der

hat von seiner Regierung den Auftrag erhalten, der fran⸗ zösischen Regierung mitzuteilen, daß die griechische Neu⸗ tralität 1 fernerhin den Verbandsmächten gegenüber den Charakter des aufrichtigsten Wohlwollens, bei⸗ behalten wird. 5. . Berlin, 11. Okt. Aus Athen wird demBerliner Lokalanzeiger vom 10. Oktober berichtet: Als der König heute im offenen Automobil von der Trauerfeier für den verstorbenen General Damianos zum Schloß fuhr, brachte ihm eine Volksmenge jubelnde Sympathiekund⸗ gebungen dar. Es herrscht hier in allen Volkskreisen die Ansicht vor, daß zum zweiten Male das griechische Volk vor einem blutigen Kriege gerettet worden ist. 8 Paris, 10. Okt. 992 Frft.) Aus Athen wird der Agence Hapas berichtet: Der Hofmarschall stattete Venizelos einen Besuch ab und überreichte ihm im Auftrage des Königs dessen Photographie mit der WidmungZum Andenken an un⸗ sere gemeinsamen Anstrengungen.

Aus Bulgarien. . Sofia, 9. Okt.(WT. Nichtamtlich.) Meldung der bul⸗ garischen Telegraphenagentur aus Dedeagatsch: Die Gesandten ö de Italiens und Großbritanniens ha⸗ 0 an den Ministerpräsidenten Radoslawow das folgende Telegramm gerichtet: Indem wir Bulgarien verlassen, bitten wir Eure Exzellenz, den lebhaften Dank für die uns bei der Ab⸗ fahrt und während der Reise bewiesene aufmerksame Höf⸗ lichkeit entgegenzunehmen. Aehnliche Depeschen wurden von englischen Staatsangehörigen, die Bulgarien verlassen, abgesandt. a Sofia, 11. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der bulgarischen Telegraphen⸗Agentur. Das Kabinett wird in seiner Zusammensetzung eine leichte Aenderung erfahren. Ministerpräsident Radoslawow übernimmt endgültig das Portefeuille des Ministers des Aeußern und überläßt das des Innern dem früheren Bürgermeister Christo Po⸗ pow. General Najdenow wurde anstelle des Generals Joe kow, der mit dem Ob. der Truppen betraut wurde, zum Kriegsminister ernannt. 5 Englische Anklagen gegen Grey.

1 London, 10. Okt.(WTB. Nichtamtlich)Globe erklärt im Leitartikel: Es ist für ein Blatt mit Selbstachtung nicht länger möglich, über das Versagen der englischen Diplo⸗ matie zu schweigen. Die Leitung der auswärtigen Beziehungen fann nicht mehr mit Sicherheit in den Händen des Foreign 4 wie es A ildet ist, bleiben. Der diploma⸗ tische 1 0 dem Balkan ist zu entsetzlich. Es gibt kein anderes Wort dafür. In einem solchen Konflikt, wie demjenigen, in dem wir uns befinden, wäre ein im Foreign Office ein Armeekorps und ein Geschwader von Schlachtschiffen wert gewesen. Aber nichts wurde vorausgesehen, gegen nichts wurden 1 getroffen. Grey s mehr an die Zu⸗ kunft als an die 5 zu denken. Er teilte liebenswürdig seine Geneigtheit mit, die Freiheit der Meere, d. h. die Aus⸗ schaltung der britischen Seemacht, zu erörtern, sobald die gegen⸗ wärtigen Unruhen beseitigt sind. Wir verfolgten mit bösen Ah⸗ nungen das Schauspiel, wie unsere Diplomatie von einem Staats⸗ sekretär, der keine fremde Sprache spricht, und Sir Eyre Crewe n geleitet wird, der eine deutsche Mutter und eine deutsche Gemahlin hat. Nur Fehlschläge ergeben sich aus dieser ver⸗ hängnisvollen Gemeinschaft. Diese müßten beendet werden, wenn den Fee nicht Unheil folgen soll. f 5 on don, 9. Okt.(WTB Nichtamtlich.) DerManchester Guardian schreibt: Venizelos hat gegen die Landung un Salonilk protestiert, obwohl sein Protest nicht sehr ernst gemeint sein kann. Tas neue Kabinett wird vermutlich den Protest wieder⸗ holen, aber mit dem Unterschied, daß er ernst gemeint ist. In dem kritischen Augenblick, wo die Streitkräfte der Alliierten guf der Linie über Salonik operieren, kann ihre Basis durch Griechenland bedroht werden. Das Blatt betont die Wichtigkeit der Linie und fährt fort: Die englisch⸗französische Armee auf Ga⸗ lipoli wird, wenn sie nicht, bevor der Winter einsetzt, Fort⸗ schritte macht, in einer sehr unbequemen Lage, und, wenn die Deutschen nach der Türkei vorstoßen, in einer äußerst gefährlichen Lage sein. Hinter dieser Armee haben wir Aegypten und den Suezkanal zu verteidigen. Wir haben allen Grund, zu wün⸗ schen, daß die Entscheidung dieser gewaltigen militärischen Pro⸗ bleme in Europa und nicht in Asien, lieber auf der Salonik⸗Linie als in der Nähe Konstantinopels falle. Die Alliierten glaubten, daß Griechenland die Salonik⸗Linie gegen Bulgarien verteidigen b würde. Diese Berechnung schlug fehl. Es besteht die Gefahr, daß Griechenland uns Salonik und unsere Basis unter den Füßen wegzieht und uns zum Sturze bringt. Das Blatt hofft, daß eine Verständigung mit Griechenland noch möglich ist. London, 10. Okt.(WTB. Nichtamtlich.); 7 fordert in einem Leitartikel den Rücktritt Greys. 8 Blatt schreibt:Das Versagen des Auswärtigen Amtes ist vollständig und schimpflich. Das Amt hat Fehler gehäuft, die bei einem Kirchspielrate erstaunlich wären. Wenn im Auswärtigen Amt und in der Gesandtschaft in Sofia niemand die Lage ver⸗ standen hat, so hätte man wohl schließlich jemanden finden kön⸗ nen, der sie verstanden hätte und hätte seinen Rat annehmen müssen, denn solche Leute gibt es. Aber das Auswärtige Amt ist ebenso taub gegen Mahnungen, wie ängstlich vor der Oeffentlich keit. Oft setzte es seinen Weg der hoheitsvollen Geheimnistuerei fort, bis es an allen Punkten geschlagen war. Das Blatt wirft Grey vor, daß er vor Kriegsausbruch geschwankt habe, um weder ja noch nein zu sagen, kritisiert feine schwächliche Seerechtspolitik und seine neuerliche Erklärung, daß er nach dem Kriege bereit wäre, die Frage der Freiheit der Meere zu erörtern, sowie den neuen Plan, ein internationales Schieds⸗ gericht als Berufungsstelle gegen die Urteile der Prisengerichte vor⸗ zuschlagen. Das Blatt fährt fort:Sollte das wahr sein, so

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Agende Havas. Der griechische Gesandte in Paris B

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sagen wir offen, daß im Namen der nationalen Ehce und Sicher⸗ heit der Rücktritt Greys und die gründliche Umgestaltung des Auswärtigen Amtes gefordert werden muß. Der Artikel schließt: Die Leitung des Auswärtigen Amtes ist zweideutig genug. Viel⸗ leicht ist die Reihe beispielloser Fehler nur der Unfähigkeit zu⸗ zuschreiben. Wenn es nicht Unfähigkeit ist, was ist es denn sonst?

London, 10. Okt.(WTB. Nichtamilich. DieWestmin⸗ ster Gazette schreibt in einem Leitartikel: Wenn die Deut⸗ schen eine neue Türkenarmee ins Feld stellen und sie unter deutscher Führung gegen Aegypten werfen, dann könnten und würden sie eine große Truppenmacht der Alliierten dorthin ziehen, welche sie sonst an der Westfront bedrohte. Dies bedeutet eine erheb⸗ liche Ausdehnung und eine Verlängerung des Krieges; wir müssen die Bewegung aufhalten, wenn wir können. Diese neue Notwendig⸗ keit, welche die Aktion Bulgariens uns aufzwang in dem Augenblick, wo die Lage im Westen und im Osten sich besserte, ist natürlich eine ernste Enttäuschung. Das Blatt verteidigt das Foreign Office; man könnte ebensogut die Kriegsämter der Alliierten an⸗ klagen. Das Ergebnis wäre ein anderes, wenn die Offensive der Russen in Galizien geglückt und wenn die Alliierten die Dardanellen bezwungen und Konstantinopel erreicht hätten. 1.

DieTimes,Daily Mail undMorning Post fahren mit scharsen Angrissen auf das Auswärtige Amt fort, das, wie sie sagen, die Lage am Balkan verpfuscht hätte.

Einführung der allgemeinen Dienstpflicht in England?

Berlin, 10. Okt.(zens. Blu.) Verschiedene Morgenblätter melden aus Rotterdam, daß dort Nachrichten aus London ein⸗ getroffen sind, wonach die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in England im Ministerrat beschlossen worden sei. Sir Edward Grey habe Mitteilungen der russischen und fran⸗ zösischen Regierung verlesen, wonach diese eine ausgiebigere eteiligung Englands an den neuen Aktionen fordern. Kitchener habe erklärt, daß ohne die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht dies nicht möglich sei. Darauf sei der Beschluß ge⸗ faßt worden, alle Männer zwischen dem 17. und 50. Lebensjahre der allgemeinen Wehrpflicht zu unterwerfen.

Clemenceau gegen Delcasseé.

Paris, 9. Okt. WTB Nichtamtlich.) Anläßlich der grie⸗ chischen Krisis greift Clemenceau imHomme enchalne die Politik Delcassés auf das Schärfste an: Es fehle ihr von Anbeginn am Zusammenhang und nötigen Ueberblick. Man leitete Unterhandlungen und Unternehmungen ein, ohne die Haltung der⸗ jenigen Mächte in Erwägung zu ziehen, mit denen man monate⸗ lang umsonst verhandelte, und stand plötzlich vor der vollendeten Tatsache. Wenn man später einmal Geschichte schreibt, werde man sich fragen müssen, ob der große Minister des Aeußern Frank⸗ reichs von Sofia, karest oder Athen am meisten hinters Licht geführt worden ist. Um in diesen diplomatischen Unterhandlungen als Genie dazustehen, hätte es nur eines mittelmäßigen Kopfes bedurft. Aber Poincarés Fürsorge habe Frankreich diesen Vorteil verweigert. Jetzt segelten die Verbündeten nach Saloniki, ohne daß man wisse, was sich in Griechenland vorbereite. Man müsse nach Serbien, weil unklare strategische Erwägungen es er⸗ forderten. Die Alliierten, so schließt Clemenceau ironisch, hätten ja nur die Offensive der Deutschen, Oesterreicher und Ungarn und jener mit guten Messern ausgestatteten Freunde, welche Ferdinand, Bratianu und Konstantin hießen, vor sich. Solche Er⸗ fahrungen mache man, wenn man während allzu langer Monate sich einbilde, mit Leuten Hand in Hand zu gehen, deren Absichten doch nur darauf ausgegangen seien, daß die Alliierten die Zeit zum Handeln verpassen möchten. Eine würdige Krönung der zahl⸗ und maßlosen Fehler! ruft Clemenceau aus.

Englisch⸗französische Meinungsverschiedenheiten.

Von der Schweizer Grenze, 10. Okt.(Zens. Frkft DieAgence Havas hat heute nacht mitgeteilt, daß der Minister des Aeußern Delcassé leidend ist und an dem gestern abgehaltenen Ministerrat nicht hat teil⸗ nehmen können. Der Ministerrat hat den Ministerpräsi⸗ denten Viviani ermächtigt, die Leitung des Auswärtigen Amtes interimistisch zu übernehmen. Infolge der Erkran⸗ kung Delcasses wird auch Viviani morgen vor den ver⸗ einigten Kammerkommissionen des Krieges, der Marine und der auswärtigen Angelegenheiten Rede stehen über die diplomatische Lage Frankreichs. Zu dieser Infor⸗ mation derAgence Havas kann man nur die Vermutung hinzufügen, daß es sich offenbar um einen Konflikt inner⸗ halb des französischen Ministerrats handelt, hervorgerufen durch eine Differenz zwischen der englischen und französt⸗ schen Regierung in bezug auf die Behandlung der Balkan⸗ angelegenheiten.(Frkf. 8099.

London, 10. Okt.(WTB Nichtamtlich) Amtlich wird 1 Der französische Ministerpräsident Viviani und

französische Marineminister Augagneur sind in London angekommen, um mit Pvemierminister Asquith und den anderen Kabinettsmitgliedern zu verhandeln.

Pessimismus in Italien.

Turin, 10. Okt.(WWB. Nichtamtlich.) Ueber Bern. DieStampa bezweifelt, daß die Entente mit ihren Truppenlandungen in Saloniki die Deutschen an dem Marsch nach Konstantinopel verhindern kann. Das Unternehmen der Verbandsmächte erscheint dem Blatte als ein Zugeständnis an die öffentliche Meinung der Länder der Entente, die über die Vorgänge auf dem Balkan enttäuscht und besorgt sei. Auch die neue französische Offen⸗ sive könne bereits als gescheitert angesehen werden und werde außerdem die Deutschen von ihren Balkanplämen nicht abbringen. ö

5[Die innere Anleihe Frankreichs.

London, 9. Okt.(WD Nichtamtlich) Nach dem Daily Chronicle hat man an der Börse erfahren, daß die 5 erwähnte) fünfprozentige innere An⸗ eihe in Frankreich zu einem Kurse von 96 Prozent ausgegeben werde; der Anleihebetrag sei unbegrenzt.

Die Angriffe der Franzosen.

Berlin, 11. Okt. Ueber die Champagneschlacht be⸗ richten alle Kriegskorrespondenten aus dem Großen Hauptquartier, daß sie mit vorübergehenden Unterbrechungen mit größter Heftig⸗ keit weiter tobt. Bernhard Kellermann schreibt imBer⸗ liner Tageblatt vom 10. Oktober: Gestern abend steigerte sich das Feuer unserer schweren Artillerie zu ganzen Salven von Ex⸗ plosionen. Wie im Mai und Juli bei der Lorettohöhe und bei Souchez warf Joffre ohne jede Rücksicht auf Verluste Regimenter um Regimenter ins Feuer. Am 6. und 7. Oktober begann eine neue Reihe von Angriffen. Sie wurden durch ein Trommelfeuer vorbereitet, das zeitweise die Heftigkeit der Septembertage über⸗ traf. Man berechnet die Zahl der seit dem 20. September ge⸗ schleuderten Granaten auf mehrere Millionen. Die Verluste auf beiden Seiten sind bei der Heftigkeit der Kämpfe schwer, indessen ist die Zuversicht unserer Truppen unerschüttert.

Karl Rosner telegraphiert aus der Champagne an den Berliner Lokalanzeiger: Ich hatte Gelegenheit, eine große Zahl von Verwundeten zu sprechen, die an den Kämpfen der letzten Tage teilgenommen haben. Sie alle berichten mit Stolz, daß die wie⸗ derholten, mit rücksichtsloser Einsetzung des Menschenmaterials durchgeführten Angriffe der Franzosen restlos abgewiesen wer⸗

den konnten. Auch die Schwerverletzten sind gegenüber dem Neu⸗ aufflackern der Offensive voll von unerschütterlicher Zuversicht.

Ein Wann, den eine franzosische Meine besonders übel zuge chtet hatte, sagte: Kein einziger Franzose kommt jemals durch un⸗ sere Linien. Es ist ganz ausgeschlossen, daß sie unsere Front durch⸗ brechen könnten. Die Verwundeten erzählen, daß die Angriffskraft der Franzosen durch die Kriegsmüdigleit wesentlicher Teile der f Truppen stark beeinträchtigt sei. Die lebhafte Fliegertätigkeit in Frankreich wird durch unsere Kampfflugzeuge gedämpft.

Ein Bericht Freuchs.

London, 10, Okt.(WD., Feldmarschall French meldet: Seit dem 4. Oktober bes der Feind an⸗ dauernd unsere neuen Schützengräben südlich des Kanals von La Bassse. Der Feind unternahm wiederholt Angriffe mit Bom⸗ ben auf einen Teil der Hohenzollernschanze, die von uns besetzt ist; alle diese Angriffe wurden abgeschlagen. Troß des feind⸗ lichen Artilleriefeuers kamen wir nordwestlich Loos zwischen dem Hügel 70 und Hulluch stetig vorwärts. Wir gewannen Gelände in einer Tiefe von 500 bis 1000 Yards. Gestern beschoß der Feind heftig das ganze Gebiet, das wir kürzlich eroberten; er ging hierauf zum Angriff auf der ganzen Front südlich Loos bis zur Hohen⸗ zollernschanze über, Tie Angriffe wurden überall mit schweren Verlusten für den Feind abgeschlagen. Durch einen weennangeng gelangten wir in den Besitz eines feindlichen Schützengrabens westlich St. Elie Eine große Zahl toter Feinde lag vor unseren Linien. Unsere Verluste sind unbedeutend.

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Der russische Landsturm.

Petersburg, 10. Okt.(WTB. Nichtamtl.)Rjetsch meldet: Ein Ukas des Zaren beruft den gesamten Landsturm 1. Klasse, sowie die fünf ersten Jahrgänge der zweiten Klasse zum 29. Oktober(alten Stils) ein.

Die rufsischen Flüchtlinge.:

Moskau, 10. Okt.(WT. Nichtamtlich.)Rußkoj Slowo berichtet: Nach Moskau wurden bereits 1000 Kin⸗ der von Flüchtlingen gebracht. Jeden Tag werden 200 weitere e racht, so daß sie in Moskau keinen Platz mehr finden können. Die Kinder werden regelmäßig von den Vertretern der Semstwos mitgenommen. Ueberall auf den Straßen und in den Konzentrationsplätzen gehen buchstäblich unzählige Kinder zugrunde. 1

Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 9. Okt. WTB. Nichtamtl.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront beschoß unsere Artillerie bei Anaforta ein feindliches Lager in der Gegend von Bujuk und Gemikli und verursachte dort viel Unordnung und Schaden. Bei Ari Bur nu Feuergefecht der Infanterie und Artillerie mit Unterbrechun⸗ gen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr richteten eine vom Feinde ge⸗ sprengte Mine und das gewohnte Geschützfeuer gegen unsern linken Flügel keinen Schaden an. Ein feindlicher Monitor versuchte Gallipoli mit indirektem Feuer zu beschießen. Als er von unserer Artillerie, die das Feuer erwiderte, getroffen wurde, entfernte er sich. Sonst nichts Neues.

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Ein Amerikaner über seine Erfahrungen mit der englischen und russischen Kriegszensur.

Berlin, 10. Okt.(WTB. Der amerikanische Kriegskorrespondent Oberst Edwin Emerson sprach gestern abend im Choralion⸗Saal über seine Erfahrungen mit der lischen und russischen Kriegszensur. Der Einladu des America⸗Instituts und des Deutsch⸗amerikanischen Wirtschafts⸗ verbandes waren zahlreiche Zuhörer gefolgt, die den lebhaften und anschaulichen Gedankengängen des Vortragenden verdienten W zollten. Der erer 11 cart ee 5 eine eigene ahrung als ieg i war, von 788 meiner Kriegsdepeschen von Deutschland nach Amerika überhaupt nur vier in Amerika ankamen. Von diesen vier Depeschen, die vom englischen Zensor durchgelassen wurden, war die eine vollständig gefälscht, so daß sie einen rich⸗ tigen Bericht über einen deutschen Sieg in einen falschen über eine angebliche deutsche Niederlage verwandelte. Ich halte es für angemessen, zu bemerken, daß ich ähnliche Sachen nie von einem deutschen Zensor zu erleiden hatte, obgleich meine Berichte durchaus nicht nur von deutschen Siegen handelten. Viele Mil⸗ lionen meiner Landsleute in Amerika wissen von diesem gro Weltkriege nur das, was ihnen die englische Zensur zu wissen erlaubt. Eine gediegene Kriegsberichterstattung ist aber nicht mehr oder weniger, als die Geschichtsschreibung der Gegenwart. So kommt es, daß eine falsche Geschichtsschreibung zustande kommt. Wenn ich mir die Kriegszensur unter den verschiedenen Völ⸗ kern ansehe, so gelange ich zu dem Schlusse, daß die Deutschen jetzt am allermeisten von den gegenwärtigen großen Kriegsereig⸗ nissen unterrichtet sind. Der Grund dafür liegt in der großen Wahrheitsliebe und den militärrschen Fachkennt⸗ nissen der deutschen Berichterstattung, sowie in der mehr auf⸗ geklärten und prompten Erledigung ihrer amtlichen Pflichten durch die deutschen Militärzensoren. Nach deutscher militärischer Auffassung ist der eigentliche Zweck der Kriegszensur, einfach zu verhindern, daß eine der deutschen Sache wirklich gefährliche Kenntnis von deutschen militärischen Unternehmungen zum Feinde gelangen soll. In anderen Ländern aber hat man die unglaublich⸗ sten Vorstellungen von dem, was Kriegszensur überhaupt zu be⸗ deuten hat. Daher kommen auch alle jenen weißen Lücken in den Spalten der seindlichen Zeitungen. Die ganze englische Zeitungs⸗ presse ist darauf angewiesen, ihre Berichte über die Begebenheiten an Dardanellen von einem einzigen Berichterstatter zu be⸗ ziehen, nämlich von Ashmead Bartlett. So kommt es, daß die französischen, russischen und italienischen Zeitungen, denen eine eigene Berichterstatnung offenbar nicht gestattet worden ist, darauf angewiesen sind, ihre sogenannten Sonderberichte von der Front einfach von den großen englischen Zeitungen abzuschreiben. Diese Art der Handhabung der englischen und französischen Kriegszensur ist demnach schuld an der Unwissenheit des Auslandes. Vom rein milttärischen Standpunkt aus mag es ganz gut sein, daß der Feind und diejenigen, die dem Feinde helfen, so dumm und un⸗ wissend wie möglich bleiben. Je schärfer, je beschränkter und dümmer, desto besser für die deutsche Sache.

Aus Stadt und Cand. Gießen, 11. Oktober 1915. Die Militärhinterbliebenenversorgung.

Ueber die Gebührnisse und Renten, die den Hinter⸗ bliebenen verstorbener und gefallener Militärpersonen zustehen, besteht im Publikum, wie Anfragen aller Art er⸗ kennen lassen, noch mancherlei Unklarheit. Wir geben des⸗ halb im folgenden eine kurze Uebersicht über die einschlägi⸗

gen Bestimmungen: Nach dem Militärhinterbliebenengesetz vom 17. Mai 19070 ist zu unterscheiden zwischen der allgemeinen Versorgung und der Kriegsversor gung.

Nach der e Versorgung haben Witwen und eheliche oder legitimierte Kinder von Militärpersonen An⸗ spruch auf Witwen⸗ und Waisengeld, wenn der Tod des Er⸗ nähvers nach 10jähriger Dienstzeit oder infolge einer Dienst⸗ beschädigung eingetreten ist. Das Gleiche trifft für Witwen und Waisen ehemaliger Militärpersonen zu, sofern die letzteren nach 18jähriger Dienstzeit eine Rente zu bezie hatten, oder infolge einer Dienstbeschädigung vor Ablauf von 6 Jahren nach der Ent⸗ lassung gestorben sind. Das Witwengeld beträgt für die Hinterbliebenen von Militärpersonen der Unterklassen(vom Feld⸗ 7 5 0 88 1010 4 e 1 1 5 als 0 ee noch gewisse Zuschläge en. zaisengeld beträgt ein Fihiftel des Wee(also 60 Mk. kh es erhöht sich

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