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seines Vorge zweifeln aber nicht daran, daß die verantwortlichen Staats⸗
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Erstes Blatt
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Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchenklich Gleßener Familienblätter; weimal wöchentl. Kreis- latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schristleitung112 Verlag, Geschäftsstelled1 Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher.
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105. Jahrgang
Seseral Arzeiger für Oberhessn
Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei B. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7.
Samstag, 9. Oktober 1015
Bezugspreis: monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt⸗ schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.
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Die ersten Erfolge in Serbien. Eine bulgarische Warnung an Griechenland.
(WB.) Großes Hauptquartier, 8. Oktober.
Amtlich.) 5. Westlicher Kriegsschauplatz.
Nach den vergeblichen Durchbruchsversuchen der Fran⸗ zosen vom 5. und 6. Oktober war der gestrige Tag in der Champagne verhältnismäßig ruhig. 5
Das Grabenstück östlich des Navarin⸗Gehöftes, das die Franzosen noch besetzt hielten, wurde vormittags durch Gegenangriffe gesäubert, wobei einige Gefangene und zwei Maschinengewehre in unsere Hand fielen.
Gegen abend nahm das feindliche Artilleriefeuer wieder zu. Nachts kam es an einzelnen Stellen zu Infanterie-An⸗ griffen, die sämtlich abgewiesen wurden.
Bei einem erfolgreichen Vorstoß auf eine vorgeschobene feindliche Stellung südlich von Ste. Marie à Py nahmen wir dem Feinde sechs Offiziere und 250 Mann Gefangene ab.
Oestlich der Argonnen bei Malancourt wurden mehrere feindliche Minenstollen durch Sprengung zerstört.
Oestlicher Kriegsschguplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.
Russische Angriffe nördlich von Kos jany und südlich des Wiszniew⸗Sees sind abgeschlagen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Die Lage ist unverändert.
Heeresgruppe des Generals v. Linsingen.
Bei Newel und Omyt(südwestlich von Pins sind russi⸗ sche Postierungen von uns vertrieben.
Unser Angriff in der Gegend nordwestlich von Czar⸗ jorysk macht Fortschritte.
Die deutschen Truppen der Armee des Generals Grafen Bothmer wiesen mehrere russische Angriffe ab.
Balkan⸗Kriegsschauplatz.
Der Uebergang über die Drina, Save und Donau nimmt einen günstigen Verlauf. Südwestlich von Belgrad sind vier Offiziere, 296 Mann zu Gefangenen gemacht und zwei Maschinengewehre erbeutet. Gegenüber von Ram fielen nach Kampf drei Geschütze in unsere Hand.
Oberste Heeresleitung.
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Heute sind keine neuen Entscheidungen zu melden. Aus der Flut von Vermutungen und Stimmungsbildern über die Politik Griechenlands und Rumäniens ist nur eine Nachricht von positivem Charakter herauszugreifen: Rados⸗ lawow, der mannhafte Lenker der Geschicke Bulgariens, hat in Athen wegen der Vorgänge in Saloniki nachdrück⸗ lich Warnung und Widerspruch aussprechen lassen. Das neue griechische Kabinett steckt noch in: Verhandlungen mit der jetzigen Opposition; es heißt, Venizelos werde be⸗ dingungsweise nichts tun, um die Politik des Königs zu durchkreuzen. Wie berechtigt Bulgariens nach Athen ge⸗ richtete Warnung ist, geht aus den Aeußerungen englischer Blätter hervor, die sich bemühen, nachzuweisen, daß es mit dem Bruch der griechischen Neutralität ganz anders stehe als mit dem Schicksal Belgiens. So wendet sich die „Times“ in einem Leitartikel dagegen, daß die franzö⸗ sische Note an Griechenland ein ähnlicher Fall sei wie der deutsche Durchmarsch durch Belgien. Natürlich sei es augen⸗ blicklich unmöglich, vertrauliche Mitteilungen zwischen den Verbündeten und Griechenland zu veröffentlichen, es dürfe aber als sicher gelten, daß die Alliierten niemals eine Handlung auf griechischem Gebiete beabsich⸗ tigten, die Griechenland unwillkommen sei. Also mit anderen Worten: Griechenland will es. Die „Westminster Gazette“ sagt, es bestehe gar keine Parallele zwischen der Landung in Saloniki und dem bel⸗ gischen Fall. Das belgische Volk glaubte, seine Ehre und Unabhängigkeit seien durch den deutschen Einbruch bedroht, es protestierte nicht nur, sondern kämpfte auf Tod und. Leben. Die Regierung und das Parlament Griechenlands verzichteten auf das Recht eines Protestes mit Waffen⸗ gewalt. Venizelos sagt, daß eine Landung die
griechischen Interessen nicht gefährde. Weder
in der Sache noch in der Form besteht die geringste Aehn⸗ lichkeit zwischen der Landung in Saloniki zur Unkerstützung Serbiens, dem Verbündeten Griechenlands, und dem ge⸗ waltsamen Einfall in Belgien als Mittel, Frankreich über“ raschend anzugreifen. Auch der„Daily Telegraph“ be⸗ hauptet in einem Leitartikel, daß die Lage Griechenlands sich offenbar von der Lage Belgiens völlig unterscheide. Man dürfe diese Frage nicht nach oberflächlichen Anzeichen beurteilen.
Dreist, aber doch wohl in halber Verlegenheit, wird ab⸗ geleugnet. Wir aber und die unparteiischen Zuschauer in der Welt werden uns an den Protest Venizelos' halten, der den Entente-Mächten den Bruch der Neutralität bestätigt, indem er eben dagegen Einspruch erhebt. Man könnte an Griechenland die Frage richten, ob es sich nicht nur den Bruch der Neutralität gefallen lassen will, sondern auch die in den 1 Aeußerungen liegende Brandmarkung
hens als heuchlerisch und heimtückisch. Wir
männer in Sofia in letzter Stunde noch mehr der Gewalt der Tatsachen und Aussichten sich beugen werden, als irgend welchen anderen Skrupeln. Die deutschen und österreichisch— ungarischen Heere haben in Serbien bereits die ersten Kriegserfolge voraus, und das englische Kabinett ist in äußerste Beunruhigung geraten, was aus einem Kriegsrat und einigen wichtigtuerischen Ernennungen sich schließen läßt. Mittlerweile stellt„Daily Mail“ fest, durch die Ent⸗ lassung Venizelos', die zu weiteren Besorgnissen Anlaß gebe, habe Deutschland einen neuen Erfolg errungen, und die Lage sei ernster als je
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Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.
Wien, 8. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 8. Oktober 1915..
Russischer Kriegsschauplatz.
Der Feind griff gestern an der ganzen ostgalizischen und wolhynischen Front an. Seine unter großen Kräften und Munitionsaufwand geführten Angriffe blieben ohne Erfolg. An der bessarabischen Grenze auf den Höhen nördlich des Dnjestr und an der Strypa brachen die russi⸗ schen Sturmkolonnen zusammen, ehe sie an unsere Hinder— nisse herankamen.
Nordwestlich von Tarnopol drangen die Russen an zwei Stellen in unsere Schützengräben ein, wurden aber durch herbeieilende deutsche und österreichisch⸗ungarische Unter⸗ stützungen heute morgen wieder zurückgeschlagen. Ein ähn⸗ liches Geschick hatte der feindliche Angriff auf das nord⸗ westlich von Kremienec liegende Dorf Sakanow, das gestern als Mittelpunkt erbitterter Kämpfe mehrmals den Besitzer wechselte, nun aber wieder fest in unserer Hand ist.
Ebenso warfen wir südwestlich von Olyka überlegene russische Kräfte im Nahkampf zurück, wobei sich das In⸗ fanterie⸗Regiment Nr. 89 und das Landwehrinfanterie⸗Regi⸗ ment Teschen Nr. 31 besonders hervortat. Sehr heftig wurde auch südlich von Olyka gekämpft.
Nördlich und nordöstlich von Kolki gewannen unsere Gegenangriffe neuerlich Raum. Wir entrissen dem Feinde die Dörfer Lisowo und Galuzia.
Insgesamt wurden in den gestrigen und vorgestrigen Kämpfen auf wolhynischem Boden etwa 4000 Russen 8 5 95 1 5 genommen. Der Gegner erlitt sehr große
erluste.
Italienischer Kriegsschauplaßz.
Gegen die Hochfläche von Vilgereuth setzten die Italiener gestern nachmittag an der ganzen Front mit star⸗ ken Kräften zu einem neuen Angriff an, der gleich allen früheren blutig abgewiesen wurde. Besonders heftig tobte der Kampf' um einen unserer Stützpunkte nordöstlich des Maroniaberges. Hier stürmten drei feindliche Bataillone dichtgedrängt vor, drangen durch das zerstörte Hindernis ein, wurden aber durch Abteilungen des österreichischen Landwehrregiments Nr. 14 mit dem Bajonett hinausgewor⸗ fen. Der ganze Angriff endete mit der Flucht der Italiener in ihre Ausgangsstellungen.
Im Nordteil des Doberdo ⸗Abschnittes griff der Feind wieder vergeblich an. Bei Selz verjagten die Abtei⸗ lungen des Infanterie⸗Regiments Nr. 87 die Italiener aus einem in ihrer Kampflinie gelegenen Steinbruch, schlugen einen Gegenangriff ab und sprengten die feindlichen Stellungen. 5
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Der Uebergang der österreichisch⸗ungarischen und deut⸗ schen Streitkräfte über die untere Drina, die Save und die Don au wurde fortgesetzt. Die Versuche der Serben, unsere Unternehmungen zu stören oder zu vereiteln, scheiter— ten auf allen Punkten. 5
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
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Die Spannung der Balkanstaaten.
Die Truppenlandungen in Saloniki.
Berlin, 9. Okt. Nach Rotterdamer Meldungen in verschiedenen Morgenblättern wurden die Truppenlandun⸗ gen in Saloniki am Mittwoch den ganzen Tag fort⸗ gesetzt.— Der Pariser Sonderberichterstatter eines Genfer Blattes will aus guter Quelle erfahren haben, daß Serbien ein Hilfsheer von 120000 Franzosen und 30000 Engländern versprochen worden sei.— Der König von Montenegro soll seinem Schwiegersohn telegra⸗ phiert haben, daß eine 60000 Mann starke monte⸗ negrinische Armee die Offensive ergreifen werde.
Die Lage in Griechenland.
London, 8. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Bureau, Reuter meldet aus Athen: Die neuen Minister haben den Eid geleistet. Es verlautet, daß die Venizelos-Partei die neue Regierung unterstützen wird, um weitere Verwickelungen zu vermeiden, da eine Kammerauflösung in der Mobilmachungszeit einen chaotischen Zustand herbei⸗ führen würde. i g
Paris, 8. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das„Petit Journal“ meldet aus Athen: Nach Auskünften aus offi⸗ ziöser Quelle soll das neue Kabinett gemäß dem Willen des Königs entschlossen sein, die strengste Neutralität zu beobachten. Der König erklärte, er wolle mit keiner der Kriegsparteien, weder mit Deutschland und Oesterreich⸗ Ungarn, noch mit Frankreich und seinen Verbündeten in einen Konflikt geraten. 0
Bulgarien und Griechenland.
Budapest, 8. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Aus Sofia meldet das Blatt„Vilag“: Radoslawow hat dem grie⸗ chischen Gesandten Naum erklärt, die Vorgänge in Saloniki schienen nicht im Einklang mit den Erklärungen zu stehen, welche die griechische Regierung durch ihren Gesandten in Sofia abgegeben habe. Falls die griechische Regierung ihre Haltung nicht ändere, würde das bulgarische Kabinett die griechenfreundliche Haltung der bulgarischen öffentlichen Meinung nicht für berechtigt halten und keine Ver⸗ antwortung für den Stimmungswechsel über⸗ nehmen können. Der bulgarische Gesandte in Athen, Pasa⸗ row, ist von Radoslawow angewiesen worden, ähnliche Erklärungen abzugeben.
Die Abreise der Gesandten der feindlichen Länder u aus Sofia.
Sofia, 7. Okt. abends.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der bulgarischen Telegraphen⸗Agentur. Die Vertreter der Vierverbandsmächte reisten abends in einem Sonderzug mit dem Personal der Gesandtschaften, die Russen über Rustschuk, alle anderen über Dedeagatsch, ab. Am Bahnhof wurden sie im Namen der Regierung von dem Generalsekretär des Auswärtigen Amtes und im Na⸗ men des Königs von dem Chef des politischen Kabinettis, Dobrowitsch und dem Adjutanten des Königs, General Sowow, begrüßt. Zwei Beamte des Ministeriums des Aeußeren werden sie bis zu den Grenzstationen Rustschuk und Dedeagatsch begleiten.
Der bulgarische Oberbefehlshaber.
Sofia, 8. Okt. 1 Uhr nachm.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Bulgarischen Telegraphenagentur. Der König hat an den Ministerrat ein Schreiben gerichtet, in dem er ihn benachrichtigt, daß er in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber sämtlicher Streitkräfte des Reiches den Kriegsminister General Jekow mit dem Oberbefehl der Feldarmee beauftrage.
Ein serbischer Bericht.
Nisch, 8. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das amtliche Preß⸗ bureau teilt mit: Am 3. Oktober brachte an der Sa vefront unsere Artillerie eine feindliche Batterie auf den Höhen von Be⸗ jana zum Schweigen und traf eine Artilleriekolonne und eine Trainkolonne in der Richtung auf Fenel und Jakow. An der
Donaufront warfen Feldgeschütze und Haubitzen am 4. Okto⸗
ber 60 Granaten auf unsere Stellungen bei Ram, jedoch ohne je⸗ den Erfolg. 20 feindliche Flugzeuge überflogen das Gebiet der unteren Morawa und Save; sie warfen 30 Bomben auf Pozare⸗ watz und drei auf Goritza, ohne jedoch Menschen zu treffen. Ein feindliches Flugzeug von der Art der Tauben überflog, aus der Richtung Zajetzschar Krajujewac kommend, Nisch. Sodann schlug es eine andere Richtung ein und verschwand schließlich in der Richtung auf Bulgarien. An der Savefront beschoß unsere Artillerie ein feindliches Lager nordwestlich Jakow. An der Do- naufront schoß in der Nacht zum 5. Oktober ein feindliches Kanonenboot und ein feindliches Maschinengewehr auf der Insel Kozares auf die Festung Belgrad, aber ohne Ergebnis. Wir verhin⸗ derten einen Versuch des Feindes, die Save gegenüber Bawowo Brod in Booten zu überschreiten.
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a Der Kampf im Westen.
Berlin, 9. Okt. Nach verschiedenen Morgenblättern schreibt die„Times“: Die Franzosen verbrachten zwei Tage mit der Verstärkung ihrer Stellung auf dem Tahure— Hügel. Der Umstand aber, daß die Deutschen so schnell im— stande waren, dort zum Gegenangriff zu schreiten, bestätigt, wie stark der noch von den Alliierten zu überwindende Wider— stand der Deutschen ist. Sie haben an den bedrohten Punkten starke Reserven zusammengezogen.— Der Berichterstatter eines englischen Blattes berichtet über die Kämpfe um den den Hügel von Mesnil: Von dem Gipfel aus konnten die Maschinengewehre der Deutschen die vorstoßenden Franzosen bestreichen. Als sie so weit vorgedrungen waren, als es ihnen ohne weitere Artillerievorbereitung möglich war, gruben sie sich ein, indem sie die vorhandenen Granattrichter durch Schützengräben miteinander verbanden. Erst dann gingen sie zum Einzelangriff auf die deutschen Stützpunkte über. Die betonierten und gepanzerten Stellungen der deutschen Ma⸗
schinengewehre waren aber derart durch Gras und Strauch-
werk unsichtbar gemacht, daß die Franzosen nicht eher wuß⸗ ten, woher der ihre Reihen lichtende Bleistrom kam, als bis
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