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englischen und franzosischen Truppen auf griechisches Gebiet gleich⸗ falls bestimmt. Die griechische Regierung hat gegen die Verletzung ihrer Territorialhoheit durch England und Frankreich Protest er⸗ hoben. Die Kaiserliche Regierung hat in Athen ge⸗ gen die Zulassung der Landung protestiert, die mit der von Griechenland beim Beginne des Krieges verkündeten Neutralität in Widerspruch stehen würde. Eine Antwort aufdie deutschen Vorstellungen liegt noch nicht por. Eröffnet sich jetzt ein neues Kapitel in der militärischen Geschichte dieses Krieges, so bilden die jüngsten Demarchen der Entente in Sofia und Athen das Schlußwort zu einem Kapitel in der diplomatischen Geschichte der Entente, das die Nachwelt einmal mit dem Motto versehen wird: Die Geschichte der Heuchelei!
niki schreibt der„Berliner Lokalanzeiger“: Mag die Kabi⸗ nettskrise ausgehen wie sie will, der deutsche Protest behält seine Gültigkeit. Die„Deutsche Tageszeitung“ sagt zu dem Protest: In dieser Note hat die deutsche Regierung Gelegenheit genommen, nicht nur den Schritt der Vierver— bandsmächte Griechenland gegenüber in ein scharfes und rich⸗
großbritannischen Balkanpolitik klar hervorzuheben. Die Landung und die sich anschließende Expedition nach Maze⸗ donien ist offenbar berufen, wie eine Lawine zu wirken. Man glaubt, das Erscheinen der englischen und französischen Truppen werde dasselbe Ergebnis haben, wie dereinst das Erscheinen Napoleons, als er von Elba kommend auf französischem Boden landete.
Delcassé als Treiber.
Berlin, 7. Okt. Ueber Genf wird dem Berliner „Dokalanz.“ gemeldet: Auf die Unerschütterlichkeit der Stellung Venizelos' stützte der durch die Athener Be⸗ richte des französischen Gesandten irregeleitete Minister Delcassé seinen Plan von der Landung in Saloniki und wußte dafür auch den vor übertriebenen Hoffnungen war⸗ nenden englischen Minister Sir Edward Grey zu gewinnen.
Die Truppenlandung in Saloniki.
Paris, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Eine von der Agence Havas verbreitete Note meldet, daß die Landung von Trup⸗ pen in Saloniki gestern begonnen hat. Seit mehreren Tagen hätten die verbündeten Regierungen die Beschlüsse festgelegt und die notwendigen Befehle erteilt. Die Note sagt ferner, sie hätten zuerst mit der griechischen Regierung verhandelt, die als noch neu⸗ trale Regierung Protest erhoben habe. Gleichzeitig bereiteten die französischen Offiziere in aller Freiheit die Truppenlandung vor. Die französischen und englischen Offiziere fanden sowohl bei den Zivilbehörden, wie bei den Militärbehörden in Saloniki den herz⸗ lichsten Empfang und konnten sofort nach der Ankunft die Arbeiten in aller Freiheit beginnen, denn die öffentliche Meinung begriff die Notwendigkeit der Unterstützung, welche die Vierverbands⸗ mächte in diesen schwierigen Verhältnissen den serbischen Freunden bringen, mit welchen Griechenland übrigens durch den Bündnis⸗ vertrag verbündet sei.
Aeußerungen holländischer Blätter.
1 Amsterdam, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Mit be⸗ sonderem Interesse verfolgen die Zeitungen die Entwicklung der Balkan⸗Ereignisse.„Nieuws van den Dag“ chreibt: Der Vierverband will ein Ende machen. Dabei verdient festgestellt zu werden, daß die Alliierten durch ihr Vorgehen eingestehen, das Spiel am Balkan so
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ziemlich verloren zu haben. Ihre Absicht war nicht, einen Balkanstaat gegen den anderen auszuspielen und durch Truppenlandungen den europäischen Krieg nach der Balkan⸗
albinsel verpflanzen, sondern einen neuen, dem Vier⸗ 5 en Balkanbund gegen die Türkei, Deutsch⸗ land und Oesterreich⸗Ungarn zustande zu bringen. Die bul⸗ 8 und griechische Armee sollten mithelsen, die Dar⸗ 55 en 1 1 nicht, wie es jetzt im günstigsten alle geschehen wird, einander zu bekämpfen. Nur so hätte die Teilnahme der Balkanstaaten am Kriege eine Entschei⸗ dung zugunsten der Alliierten herbeiführen können. Der Plan ist gescheitert. Selbst der für die Alliierten günstigste Fall, daß Bulgarien neutral bleibt, erscheint wegen der Landung der Alliierten in Saloniki ausge⸗ schlossen.— Der„Rotterdamsche Courant“ hält es für nicht unwahrscheinlich, daß die Alliierten einfach ihre Operationsbasis von Gallipoli Saloniki verlegen, weil die Herbststürme ohnehin die Verbindung mit den Truppen auf Gallipoli unsicher machen. Essad Pascha. . Genf, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des„Progres de Lyon“ aus Durazzo hat Essad Pascha 30 dor⸗ tige Einwohner hinrichten lassen, die beschuldigt und angeblich überführt waren, als Agenten Oesterreich⸗Ungarns einen Versuch zur Anstiftung von Unruhen gemacht zu haben.
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Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht.
Wien, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 6. Oktober 1915.
. Russischer Kriegsschauplatz. Keine Aenderung. Italienischer Kriegsschauplatz.
Auf der Hochfläche von Vilgereuth wurde um Mit⸗ ter nacht ein starker italienischer Angriff, der stellenweise nahe an unsere Hindernisse herankam, restlos abgewiesen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs 5 v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
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Die dritte österreichisch⸗ungarische Kriegsauleihe.
Wien, 6. Okt.(WT. Nichtamtlich.) Nach dem heute veröffentlichten Prospekt für die dritte österreichische Kriegsanleihe beträgt der Zeichnungspreis 93,60 Proz. und die Verzinsung 5½ Proz. Die Kriegsanleihe ist steuer⸗ frei. Die Stücke lauten über 100, 200, 1000, 2000 und 10 000 Kronen, sowie die Mehrfachen von 10000. Für die Zeich⸗ nungen bis 200 Kronen ist der Gegenwert bei der Anmel⸗ dung sogleich voll zu entrichten. Für die Zeichnungen über 200 Kronen sind bei der Anmeldung 10 Proz., am 6. De⸗ ö. und am 5. Januar je 20 Proz., am 5. Februar 72 oz. und am 6. März der Rest von 25 Proz. einzu⸗ Jahlen. Die österreichisch⸗ungarische Vank und die Kriegs⸗ Harlehenskasse gewähren auf die Stücke bezw. auf die Zwischenscheine Darlehen zu einem um ein halbes Prozent ermäßigten Zinsfuß, nämlich zu dem jeweiligen amtlechen
Berlin, 7. Okt. Zu dem vom W. T. B. gemeldeten deutschen Protest in Athen gegen die Landung in Salo⸗
tiges Licht zu setzen, sondern auch die treibenden Motive der“
Kampfe an der bessarabischen Grenze.
Czernowitz, 6. Okt. 9157 Nichtamtlich.) An der bessarabischen Grenze nordöstlich Czernowitz fand in der Nähe des Pruthufers nachts ein äußerst heftiger Angriff der Russen statt. Der Angriff dauerte von 9 Uhr abends bis Mitternacht. Die Russen stürmten fünfmal. Sämtliche Angriffe wurden gut abgewiesen. Die Russen erzielten nirgends irgendwelche Erfolge. An einer Stelle beabsich⸗ tigten sie den Pruth zu durchschwimmen und unsere in der Nähe der russischen Grenze befindlichen Positionen anzu⸗ greifen. Viele russische Soldaten ertranken dabei.
Aus Rußland.
Petersburg, 7. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Hier fand eine Versammlung von Sozialdemokraten und Ver⸗ tretern der Arbeiter schaft statt, die den Zweck hatte, der Lohndrückerei der Flüchtlinge ent. wirken. Die Arbeiter versuchten, in allen Or; 9100 ionen für Flüchtlinge Zutritt zu erhalten, um diese Organisa⸗ tionen in ihrem Interesse leiten zu können.
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Der französische Bericht.
Paris, 5. Okt.(Zens. Frkft.) Die amtlichen Kriegsberichte vom 5. Oktober lauten:
3 Uhr nachmittags: Im Artois ziemlich heftiges gegen⸗ seitiges Bombardement auf der ganzen 1 nördlich der Scarpe; Bomben und Minenkampf in den Abschnitten von Quennedieres, Vic⸗sur⸗Aisne und auf dem Plateau von Nouvron. In der Champagne die übliche gegenseitige Kanonade, besonders in der Gegend von l'Epine de Vedegrange, bei der Ferme Navarin und auf der Anhöhe von Souain. In den Argonnen Kämpfe von Schützengraben zu Schützengraben mit Handgranaten und Petarden in aur und bei Fille Morte. Im Norden von Verdun in der Gegend von Ornes hat unsere Artillerie einen deutschen Eisenbahnzug getroffen und eine heftige Explosion verursacht. Auf dem Reste der Front ist nichts zu melden. Eines unserer Luftgeschwader warf 50 Granaten auf den Bahnhof von Biaches bei Péronne. N Abends 11 Uhr: Gegenfeitiges ziemlich heftiges Bombardement im Norden der Scarpe und im Osten von Arras, Schützen⸗ grabenkämpfe mit Granaten und Bomben in den Abschnitten von Lihons und Andechy. In der e ne setzte der Feind mit Hilfe von Granaten und erstickenden Gasen die Beschießung der Gegenden, die hinter unserer Front im Süden der Ferme von Navaxin und in der Gegend von Souain gelegen sind, fort. Unsere Artillerie antwortete sehr energisch auf die deutschen Schützengräben und Werke. Der nämliche Artilleriekampf dauert fast ununterbrochen fort in den Argonnen, in dem Abschnitte von La Houyette, bei Les Eparges, in Walde von Apremont und in Lothringen in der Nähe von Moncel, von Aracourt und von Auberviller. Am Abend des 4. Oktober versuchte der Feind einen Handstreich auf unsere Posten im Osten von Orbey in den Vogesen. Er wurde vollständig zurückgeschlagen.
Ein Zeppelin über Chalon.
Paris, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Havas meldet: Ein Zeppelin überflog in der Nacht vom 8. zum 4. Oktober Cha⸗ lon und warf mehrere Bomben ab, die einigen Sachschaden an⸗
richteten. 2 Ans Frankreich.
Paris, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Temps“ meldet, daß der Vorsitzende des Finanzausschusses des Senats, Pe 1 15 192 eine neue Organisation der französischen Mini⸗ sterien für die Dauer des Krieges vorzuschlagen beabsichtige. Augenblicklich bestehen in Frankreich 14 Ministerien, davon zwei ohne Portefeuille, sowie acht Unterstaatssekretariate. Peyptral schlägt vor, für die Dauer des Krieges die Zahl der Ministerien auf acht und die der Unterstaatssekretariate auf fünf herabzusetzen. Nach ber neuen Organisation sollen folgende Ministerien bestehen: 1. Vorsitz ohne Portefeuille, 2. Auswärtige Angelegenheiten, 3, Krieg, 4 Marine und Kolonien, 5. Finanzen, 6. Oeffentliche Arbeiten, Handel, Post und Telegraphen, 7. Inneres, Justiz und Arbeit, 8. QOeffentlicher Unterricht, schöne Künste und Ackerbau. Das zweite Ministerium ohne Portefeuille soll e werden, ebenso die Unterstaatssekretarigte der Auswärtigen Angelegenheiten, der schönen Künste und des Innern, so daß nur vier Unterstaats⸗ sekretariate des Krieges und das Unterstaatssekretariat der Han⸗ delsmarine bestehen bleiben. Der Vorschlag Peytral wird augen⸗ blicklich geprüft und wird erst in parlamentarischer Form nieder⸗ elegt werden, wenn Peytral über den Umfang der Ersparnisse g chenschafk abzulegen vermag, die sein Vorschlag zur Folge haben önnte.
Die Kartoffelernte in den Niederlanden. Haag, 7. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die diesjährige Kartoffelernte in den Niederlanden steht um acht Millionen Hektoliter gegen derjenigen im Jahre 1914 zurück. Die Wiedereröffnung der Grenzen für die Kartoffel⸗ ausfuhr dürfte Schwierigkeiten begegnen.
Die Rekrutierung in England.
London, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Rote Formulare mit den Namen aller Männer im militärischen Alter, die diese Woche für Rekrutierungszwecke 91 wurden, bilden das allgemeine Gesprächsthema. Lord Derby, der die Leitung der Rekrutierung übernahm, sagte in einer ammlung, er habe es aus persönlicher Freundschaft für Kitchener getan. Er komme sich wie ein Mann vor, der eine Konkursmasse liquidieren müsse. Er werde danach trachten, die Angelegen⸗ heit in Ordnung zu bringen. Wenn die Sache nicht so gehe, wie sie solle, werde er die Leitung niederlegen. Der Ar⸗ beiterparteiler Thomas sagte, Lord Derby spreche mit Unrecht von einem Bankerott. Er hege volles Vertrauen zum Volke. Man müsse auf die Opferwilligkeit der Nation stolz sein und nicht pessimistisch urteilen. Seiner Meinung nach sei nur nötig, daß die Regierung deutlich sage, was sie brauche. Die Männer und Frauen Englands würden antworten wie nie zuvor.
Deutschland und Amerika.
Washington, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Frage der zu zahlenden Schaden vergütung in der Angelegenheit der„Arabic“ wird durch direkte Verhandlungen mit Bernstorff erledigt werden. In einem Briefe an Lansing teilt Bernst ff mit, der Kommandant des Unterseebootes, das die „Arabic“ versenkt hat, sei nach seinen und der Besatzung dienst⸗ lichen eidlichen Aussagen fest davon überzeugt gewesen, daß die „Arabic“ das Unterseeboot angreifen wollte. Die Kaiserliche Regierung habe andererseits den eidlichen Aussagen der englischen Offiziere der„Arabic“, die das Unterseeboot nicht gesehen haben wollen, den Glauben nicht versagen wollen und gebe danach 6 daß ein Rammversuch tatsächlich nicht vorgelegen habe. Der An⸗ griff des Unterseebogtes habe somit zu ihrem Bedauern den er⸗ teilten e icht entsprochen, was dem Kommandanten mitgeteilt wurde.
Washington, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nachdem Graf Bernstorff das Staatsdepartement besucht hatte, keilte Lansing mit, Deutschland gehe zu, daf der Angriff des Unterseeboots auf die„Arabic“ den erteilten Instrukttonen nicht entsprochen habe. Deutschland sei bereit, jedoch ohne An⸗ erkennung einer Verpflichtung, eine Entschädigung für den
Wechseldiskontsatz. Die Zeichnungsdauer erstreckt sich vom 67. Oktober bis zum 6. November.
Verlust der amerikanischen Menft chenleben zu zahlen. 525 einem Schreiben, das Bernstorff Lansing überreichte, werde gesagt, die Befehle des Kaisers an die UÜL⸗Boot⸗Kommandan⸗
und naß ist. Dagegen währt die Kälte nicht
ren fetten b. e st i in nt 1, daß eine Wlieberholung bes Vorfalles ausgeschlossen sei. 5
Der Seekrieg.
London, 6. Okt.(WTB Nichtamtlich.)„Lloyds“ meldet: Die britischen Dampfer„Sailor Prince“ und„Haynd“ wurden versenkt. Tie Besatzung des„Haynd“ ist in Sicherheit; 1 192 dem Dampfer„Sailor Prince“ wurden einige Leute
London, 6. Okt. WI Nichtamtlich.) Meldung des Reu⸗ terschen Bureaus. Eine Mitteilung der Admiralität macht darauf aufmerksam, daß die Fahrt durch den Pentland⸗Firth mit den größten Gefahren verbunden sei. 1
London, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der britische Dampfer„Nova Castrian“(1060 Bruttotonnen) ist ge⸗ sunken. Die Besatzung, von der zwei Mann verwundet waren, wurde gelandet.
Aus dem Reiche.
5 Vom Feldmarschall v. Hindenburg. auptguartier⸗Ost, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nen Hindenburg bittet um die Veröffent⸗ lichung fo gender Zeilen: Zu meinem Geburtstage sind mir zahlreiche Glückwünsche zugegangen; insbesondere wurde ich durch verschiedene Spenden für die mir anver⸗ trauten Truppen hoch erfreut Allen, die meiner freundlich sedacht haben, bitte ich, auf diesem Wege meinen herz⸗ ichsten Dank aussprechen zu dürfen. Feldmarschall von Hindenburg.
Brotgetreide und Fütterung.
Berlin, 6. Okt.(WTB. Amtlich.) Der Bundesrat hat der Reichsgetreidestelle auf ihr Betreiben durch Verordnung vom 2. Oktober 1915 die Ermächtigung erteilt, Brotgetreide, das ihr gehört, zu Futterzwecken verschroten zu lassen. Die Reichsgetreidestelle hat ferner das Recht er⸗ halten, nicht mahlfähiges Brotgetreide zu Fut en verwenden oder verarbeiten zu lassen. Am 4. Oktober 1915 hat nun der Aufsichtsrat der Reichsgetreidestelle darauf⸗ hin beschlossen, zunächst bis zu drei Millionen Doppel⸗ zentner Brotgetreide verschroten zu lassen und zum Preise von 30 Mk. ohne Sack frachtfrei Empfangsstation für den Doppelzentner abzugeben. Da zurzeit in erster Linie für reichlichere e und eee nament⸗ lich für die Säuglinge in den dichtbevölkerten ebieten, zu sorgen ist, 5 nach übereinstimmender Absicht der Reichs⸗ e e und der Reichsfuttermittelstelle in erster Linie Rilchvieh und mästungsreife Schweine bedacht werden. Die Reichsfuttermittelstelle wird ihrem Beirat die näheren Be⸗ stimmungen über die Verteilung an die Kommunalverbände nach diesen Grundsätzen vorschlagen. Die Verschrotung wird schon jetzt in die Wege geleitet, so daß die Versendung an die Kommunalverbände in Kürze beginnen kann. Dies FJutterschrot wird mit Eosin gesärbt, um dadurch Um⸗ gehungen zu verhüten. Die Bundesratsverordnung vom 2. Oktober 1915 ordnet an, daß nur die Reichsgetreidestelle,
ber kein Kommunalverband und kein Selbstwirtschaften ohne Genehmigung der Reichsgetreidestelle Brotgetreide zu Futterzwecken berschrdten lassen f. Die sparsame und einheitliche Bewirtschaftung des Brotgetreides, wie sie durch die Reichsgetreidestelle für die Ernährung des Volkes er⸗ reicht wird, hat es ermöglicht, daß in diesem Jahre Getreide⸗ bestände, die unmittelbar für die menschliche oternährung entbehrlich sind, mittelbar für die Volksernährung mit Fett, Fleisch und Milch verwendet werden.
Aus Stadt und Cand. Gießen, 7. Oktober 1915.
Der Herbst als Winterprophet.
Das Landvolk, das in unmittelbarer Verbindung mit der Natur steht, bewahrt die Wettererfahrungen seiner Vor⸗ väter aus alter Zeit als einen sichern Weisheitsschatz. Nach ihm beurteilt es die Blüte des frühen, die Früchte des späteren Jahres im voraus, und auch von der Zeit der toten Natur macht es sich schon im Herbst ein bestimmtes Bild. Und so denkt das Volk über den Herbst: Ist der Anfang des Herbstes klar, so folgt ein„windiger“ Winter.„Hart“ wird dieser sein, wenn das Laub„ungern“ von den Bäu⸗ men fällt, und„gemeiniglich lang“, wenn der Herbst warm
U ange wenn 5
das Laub„bald“ rasch ee Gibt es um e (29. September) viel Eicheln, so fällt viel Schnee um Weih⸗ nachten. Sind um diese Zeit die Eichäpfel inwendig schön a und frisch, so bedeutet es, daß künftigen Sommer die Früchte wohl geraten werden; sind sie naß und faul, so verkünden sie einen nassen, sind sie mager und dürr, einen heißen und schlechten Sommer. Findet sich darin eine Mücke, so bedeutet es ein mittelmäßiges Jahr. Mitte Oktober kom⸗ men noch in der Regel 5 warme Tage, die man den „Gallen⸗Sommer“ nennt. F. 1 5 die Kraniche und Wild⸗ gäuse weg, so bleibt auch der Winter noch lange„außen“ Bedeutungsvoll ist der Tag, an dem es im Oktober zum erstenmal schneit. Es wird im nachfolgenden Winter gerade so viel mal schneien, als Oktobertage vor dem n Schneefall vergangen sind. Schneit es z. B. am 30. Oktober, so ist demgemäß ein dreißigmaliger Schneefall zu erwarten. Nach der Art des ersten Oktoberschnees läßt sich aber auch f auf den Winter oder seine Dauer schließen. Bleibt jener lange liegen, so wird dieser lange anhalten. Dagegen wird es soviel mal Tauwetter geben, als man vom ersten e⸗ fall im Oktober bis zum„nächst⸗künftigen“ Neumond Tage zählt. Wenn es donnert, während Sonne und Mond im Zeichen des Skorpion stehen,„so soll ein großer Hunger entstehen“. Für den November ist es ahnlich Allerheiligen (1. November) bringt„gemeiniglich“ noch einen kleinen Nachsommer. An diesem Abend pfle die Landleute einen Span von einer Birke zu hauen und danach das Wetter zu beurteilen; ein trockner Span zeigt an, daß der Saft schon in die Wurzel gewichen und ein kalter Winter folgen werde; ist jener aber feucht so soll keine große Kälte zu befürchten sein. Bringt der Martinstag(11. November) einen bewölk⸗ ten Himmel, dann soll ein beständiger, jedoch„leidentlicher Winter folgen. Regnets, so bedeutet es einen unbeständigen Winter. Klarer Himmel mit Sonnenschein zeigt einen harten Winter und große Kälte an. Drei Tage vor Martini geht, nach Meinung der Landbewohner, der„Wolfsmonat“ an. Er endigt am 7. Dezember. Fällt im November der erste Schnee in den Kot, so soll es eine Teuerung bedeuten; fällt er aber auf trocknes Erdreich, dann wird ein fruchtbares Jahr vermutet. Wie das Wetter im Wolfsmonat ist, so soll es auch„wittern“ im künftigen März. Nach dem Bauern⸗ kalender sind dann noch der Andreastag(9. November) und der Kathrinentag(25. November) nicht unwichtig. Wenn sich der Kathrinentag bei einem Gewitter zeigt,„also soll sich der Christmonat im Januar verspüren“ lassen. Und wie der 26. November ist, so soll auch der Horn
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