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Militärische Ausbildung der Jugend. Am n der vorletzten Woche fand eine Nacht⸗ übung, am Mittwoch abend fanden turnerische und Bajonet⸗ tierübungen, am Sonntag nachmittag en e auf
den Wiesen vor Annerod statt. Am nächsten Sonntag werden die Jungmannschaften einen Uebungsmarsch mit Ab⸗ kochen durch das Ohmtal unternehmen.
» Die Wormser Jungmannschaft in Gie⸗ ßen. Am Dienstag rückten um 2 Uhr die hiesigen Jung⸗ mannschaften und die Jugendwehr nach dem Schiffenberg aus, um gegen die Wormser Jungmann⸗ . zu üben. Da die Zeit zu kurz war, konnte die
ebung leider nicht beendet werden. Nur auf dem westlichen Flügel kamen beide Parteien zum Gefecht. Nachdem alle Jungmannschaften in den Hof des Schiffenbergs ein⸗ marschiert waren, entbot der Führer der Gießener Jung⸗ wehren den Wormser Freunden herzlichen Willkommens⸗ gruß, der in einem begeisterten dreifachen„Hurra“ auf die Gäste ausklang. Und nun ging es singend der Vaterstadt zu. Unter den bataillons, die Herr Major Stephan zur Verfügung gestellt hatte, wurde einmarschiert. Auf Oswaldsgarten. nkte der Führer der Wormser Jungmannen, Oberlehrer Prof. Schmidt, für den herzlichen Empfang, wies auf den Zweck der achttägigen Uebungsreise der Wormser, Land und Leute in Oberhessen kennen zu lernen, hin und brachte. auf Kaiser, Großherzog und das tapfere Heer in Ost und West ein begeistertes dreifaches„Hurra“ aus. Nach Empfang der Quartierzettel und Brotmarken eilten die Wormser Gäste, geführk von den Gießener Jungmannen und Mit⸗ gliedern der Jugendwehr, ihren Quartieren zu, herzlich empfangen von ihren Quartierwirten. Am Mittwoch morgen fuhren die Wormser Jungmannschaften nach Bad⸗Nauheim, um gegen die Nauheimer und Friedberger Jungwehren zu üben. Mit der Bahn ging es abends der Heimat zu.
Der Obstverkauf des Kreises Gießen hat vor zwei Tagen im Keller des Regierungsgebäudes auf dem Landgraf⸗Philipp⸗Platz seinen Anfang genommen. Es ist die alte, schon jahrelang bestehende Stammkundschaft, die die Aepfel und Birnen abnimmt, welche weniger darauf sieht, billiges Obst zu erstehen, aber Wert darauf legt, gut sortier⸗ tes Tafelobst zu erhalten. Wer von den guten Sorten, welche der Kreis auf seinen Straßen selbst brechen läßt, Obst haben will, muß seine Bestellung schon vor der Ernte machen, wenn er sicher fein will, seinen Bedarf vom Kreise geliefert zu erhalten. Das aussortierte Obst wird als Misch⸗ ubst in zwei Sorten ebenfalls auf die schon früher gemachten Bestellungen abgegeben.
Stadttheater. Wiederholt sei darauf hinge⸗ wiesen, daß Anmeldungen auf neue Theaterabonne⸗ ments, die sehr erwünscht sind, jederzeit in der Musi⸗ kalienhandlung von E. Challier angenommen werden.— Wenn auch die Verhältnisse dieses Jahr größeren Wechsel im Personal bedingt haben, so blieb doch eine größere An⸗ zahl bewährter Kräfte 5 Bühne erhalten, und gewiß werden die Damen Schild, Frenzel und Jüngling, sowie die Herren Goll, Dworkowski und Stein⸗ hofer gerne wieder begrüßt werden. Ueber die neuen 1 8 wird die nächsten Tage weiteres mitgeteilt werden.
n Ein berechtigter Wunsch. Aus Kreisen des Schnei⸗ dergewerbes geht uns ein Schreiben zu, in dem bitter Klage über die Lässigkeit eines großen Teiles des Publikums im Be⸗ zahlen geführt wird. Es heißt da:„Schneider und hauptsächlich Schneiderinnen stehen in dieser Zeit wirtschaftlich ganz besonders ungünstig. Fabrikanten und Grossisten pumpen nicht. Nur gegen vorherige Zahlung oder höchstens gegen Nachnahme werden seit Kriegsbeginn Stoffe geliefert. Zutaten und Nähgarne sind im Preise um das Doppelte gestiegen. Das einzige Verdienst, den sauer erworbenen Arbeitslohn, müssen manche Schneider und Schneiderinnen monatelang stehen lassen, manchmal sogar noch ganz verlieren Bittet man bescheiden um Zahlung, fühlt sich ein Teil der Kundschaft auch noch unangenehm berührt und ent⸗ zieht einem die Aufträge. Bei den meisten und gerade beim besseren Publikum handelt es sich dabei nur um Saumseligkeit und Nach⸗ lässigkeit.“— Den Wunsch nach möglichst baldiger Bezahlung der Aufträge wird man namentlich in der jetzigen Zeit, wo die Kredit⸗ verhältnisse naturgemäß viel gespannter sind, wohl verstehen kön⸗ nen. ich die Handwerksvertretungen mahnen das Publikum ja eindringlich, nicht nur den Schneidern, sondern allen Handwerkern das Du nicht durch un vernünftige Ausnutzung des Kredits zu erschweren.
* Kriegsgefangene flüchtig. Aus dem Gieße⸗ ner Gefangenenlager sind entwichen: 1. Der fran⸗ zösische Krie s reiwilli e Ferd. Stotzer, von Geburt Schweizer, 24 Jahre alt, 1,68 Meter groß schlank, blond, kleines Schnurr⸗ bärtchen, schmales Gesicht, bekleidet vermutlich mit grauer russi⸗ scher Mütze, franz. kurzem, blauem Uniformrock, dunkelblauer fran⸗ zösischer Militärhose oder grauer Manchesterhose mit gelber Biese und rotem Oelfarbenstreifen sowie Schnürschuhen oder mit Drillich⸗ Arbeitsanzug. Stogtzer spricht französisch, aber auch fließend deutsch mit rant e Anklang. 2. Eugen Ganne, Belgier, war vor dem 3 in New Nork wohnhaft, ist 26jährig, blond, bartlos, hat rundes Gesicht und 15 1,65 Meter groß, hat Brandnarben an bei⸗ den Händen und infolge Verwundung steifes rechtes Handgelenk. Die Bekleidung des Mannes besteht wahrscheinlich aus blauer lei⸗ nener Hose, grauem Mantel, beides mit roten Oelfarbenstrichen versehen, und aus runder belgischer Mütze.— Ferner sind aus dem Arbeitskommando Ober⸗ Roßbach zwei kanadische Sol⸗ daten in der Nacht vom 3. zum 4. dieses Monats flüchtig ge⸗
angen. Die Personalbeschreibung der Leute ist folgende: M. C.
Simmons, Sprache englisch, 1,78 Meter groß, blaue Augen,
gewöhnliche Kopfform, bartloses Gesicht, kräftige Statur, blonde List
Haare, ein Backenzahn fehlt, trägt englische Uniform, ist 28 Jahre
alt. S. hat auf der rechten Schulter eine Narbe.— Thomas
Brombay, 33 Jahre alt, Sprache englisch, 1,78 Meter groß,
kräftige Statur, blaue Augen, gewöhnliche Kopfform, lange Nase, 75 schwarz melierte Hagre und trägt englische Uniform. Dem B. ehlt ein Vorderzahn. Es wird gebeten, auf die Flüchtlinge zu fahnden und dieselben festzunehmen sowie der Lagerkommandantur Gießen telegraphisch Nachricht zu geben.
u Veräußerung dere Flachsvorräte. Man schreibt uns: In den Gegenden Deutschlands, in denen früher Flachsbau getrieben wurde und zum Teil heute no betrieben wird— Schlesien, Westfalen, Württemberg und Hessen— befinden sich noch größere Mengen ausgearbei⸗ teten Flachses im Besitze der Landwirte. Dieser Flachs ist vielsach schon vor Jahrzehnten geerntet und aufbewahrt worden in der Absicht, ihn selbst zu verarbeiten oder in der Hoffnung, ihn bei besseren Preisen gelegentlich zu verkaufen. le diese Flachsvorräte müssen, soweil das bisher noch nicht geschah, jetzt heraus aus den Kästen und Schränken, damit sie zum besten des Vaterlandes Verwertung finden. Jeder Landwirt hat dafür Sorge zu tragen, daß seine Bestände mittelbar oder unmittelbar an die deutschen. zur Verarbeitung gelangen. Mit der Erflllung dieser vaterländischen Pflicht verbindet sich für ihn der Vorteil, daß er für seinen Flachs einen Preis
a 1 wie er in der Vergangenheit niemals gezahlt wor⸗ 75 75
ängen der Musikkapelle des Landsturm⸗
j!
Wo die deutsche des en nicht klingt Einem Pfarrer unseres Kreises ging von einem seiner Gemeindeglieder, das sich an der serbischen Grenze befindet, ein Feldpostbrief zu, der u. a folgenden Beweis dafür ent⸗ hält, daß auch dort der Eierhandel seine Schwierigkeit hat: Ein Soldat sollte im Dorfe, dessen Bewohner die Truppen freundlichst aufnahmen, aber kein deutsches Wort verstan⸗ den, sondern nur Rumänisch redeten, Eier kaufen. Alle Zeichensprache, selbst das Deuten auf die Hühner, verstand die gute Frau nicht, die verlaufen sollte. In der Not kam der Feldwebel dazu. Er wußte schließlich keinen anderen Rat, als daß er in hockender Stellung das Freudengeschrei der biederen Henne nach vollbrachter Tat nachahmte. Nun hatte die Frau verstanden. Sie zeigte dem Feldwebel eine stille Ecke hinter dem Stalle, da man dort— keine Aborte kennt. Es ist zu verstehen, daß der Soldat schreibt:„Wir haben trotz der schweren Zeiten von Herzen lachen müssen.“
» Pferdeversteigerung. Samstag, den 9. Oktober, vormittags 10 Uhr, findet auf dem Pferdemarktplatz Darmstabt eine Versteigerung von 15 Stück ausrangierten Militär⸗ pferden statt. An der Versteigerung können nur hessische Landwirte teilnehmen. Die Steigerer müssen sich verpflichten, die Pferde in ihrem Betriebe zu verwenden und sie während des Krieges nicht zu verkaufen. Die Versteigerung erfolgt gegen
Barzahlung. a. Landkreis Gießen.
ü. Lollar, 6. Okt. Mit dem Eisernen Kreuze wurde neuerdings ausgezeichnet: Lehrer Ludwig Frank ohn von Eisenbahnassistent Frank, z. Zt. Unteroffizier im Inf.⸗Regt. 117; mit dem Eisernen Kreuz und der Hessischen Tapferkerts⸗ medaille Unteroffizier Karl Hofmann, Sohn von Landwirt Ludwig Hofmann, in der 8. Komp. Inf.⸗Regt. 116, Turnwart unseres hiesigen Turnvereins. Es wurden bis jetzt 283 Mann aus unserem Orte zur Fahne einberufen, hiervon sind 25 auf dem Felde der Ehre vor dem Feinde gefallen bezw. an ihren er⸗ littenen Wunden erben, 2 werden vermißt und 2 befinden sich in russischer Kriegsgefangenschaft. Kriegsauszeichnungen er⸗ hielten 14 Krieger und zwar wurden ausgezeichnet mit dem Eiser⸗ nen Kreuze 12, mit dem Eisernen Kreuze und der Großh. hessischen Tapferkeitsmedaille 2 und mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ebenfalls 2 Mann. 1
— Lich, 6. Okt. Die Sammlung der National; stiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen er⸗ gab in unserer Stadt den ansehnlichen Betrag von 1330,90 Mk.
Kreis Büdingen.
A Büdingen, 6. Okt. An das hiesige Kreisamt wurde . Henrich aus Darmstadt zur Dienstleistung erufen.
i Hainchen, 6. Okt. Den Heldentod fürs Vaterland starben die Wehrmänner Friedrich Reichard II. und Karl
Reichard. 5 . ee 7. Okt. Bei der Pferdeaushebung im vorigen Jahre verlor der hiesige Gutspächter sein schönes Reit⸗ pferd. Dieser Tage kam ein Frankfurter Geschäftsmann mit einem Doppelgespann hierher, um Obst zu kaufen. Gutspächter K. exkannte in dem einen Pferd sein ehemaliges Reitpferd. Der jetzige Besitzer hatte es als dienstunbrauchbar von der Armeeverwaltung gekauft. Das auf so seltene Art wiedergefundene Tier wurde daxauf von seinem alten Herrn wieder erworben. Da es durch den Krieg ge⸗ litten hat, sind ihm vorerst einige Erholungswochen auf der Foh—
lenweide gegönnt. 5 f Kreis Schotten.
a Michelbach, 6. Okt. In Rußland starb der Gardist Otto Alt.— Das Eiserne Krenz erhielt Musketier Bischof im Reserve⸗Infanterie-Regiment 254. g
§Hartmannshain, 5. Okt. Kriegsfreiwilliger Fritz Luft, Fahrer beim Feld⸗Artillerie-Regiment Nr. 63, erhielt vor kurzem die Hessische Tapferkeitsmedaille.
Kreis Friedberg.
Friedberg, 6. Okt. Der in weiteren Kreisen bekannte Gastwirt Heinrich Rausch, Inhaber der Apfelweinwirtschaft„zur Schillerlinde“, erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille.— Das Eiserne Kreuz erhielt der hiesige Geometer Staubach, Feldwebel der 241. Pionierkompagnie.
Vermischtes.
— Namens ⸗ Aberglaube. Daß das Luftschiff„Al⸗ sace“ in die Hände der Deutschen geraten ist, wird von vielen Franzosen als ein für sie böses Zeichen gedeutet werden. Die Nei⸗ gung, in dem Namen einer Person oder Sache gewissermaßen eine Prophezeiung zu sehen, ist allgemein. Als 1799 ein Schiff mit Na⸗ men„Italie“ auf dem Nil scheiterte, gab Lord Napier der Mei⸗ nung Ausdruck, das bedeute Unglück für die Sache Italiens. Die Neigung ist auch sehr alt; schon Ajax(griechisch Aias) bezeichnet sich nach dem Wehelaut ai als„Wehemann“. Gewöhnlich entdeckt man, daß der Name proyhetisch ist, erst, wenn das Ereignis, auf das er sich deuten läßt, schon eingetreten ist. Der erste römische König hieß Romulus, der erste Kaiser Augustus: daß der letzte römische, von Odoaker abgesetzte Kaiser Romulus Augustulus, das „Augustchen“ hieß, fand man hinterher bedeutsam. Die Franzosen, die 1870/71 geschlagen wurden,'sagten, sie wunderten sich nicht darüber, da Leboeuf und Lesourd, ein Ochse und ein Tauber, ihre Sache geführt hätten, wie etwa die Deutschen darauf kamen, daß Wilhelmshöhe, wo Napoleon saß, Napoleons Erniedrigung sei. Oft sucht man die im Namen liegende Prophetie selbst zu schaffen oder abzuändern. Forschungsreisende geben Orten, die sie entdeck⸗ ten,„glückverheißende“ Namen, und die Römer scheuten sich nicht, den Ort Mal ventum, was sie fälschlich von male ventum, das ist„schlecht gelungen“, ableiteten, in Beneventum umzuändern. So wurde auch der Ort Epidamnos, weil er an damnum, Scha⸗ den, anklang, in Dyrrhachium gewandelt. Wellington nahm gegen Ausgang des Krieges in Spanien noch eine Schlacht an, weil sie bei dem Orte Vittoria stattfand der Erfolg gab ihm recht, diese letzte Schlacht auf spanischem Boden war für ihn siegreich. Mitunter bezieht sich der Namens⸗Aberglaube nur auf bestimmte Gebiete, so werden deutsche Schiffe ungern nach deutschen Dich⸗ tern genannt, weil die, welche solche Namen führten, alle Un⸗ glück hatten.„Goethe“ ging im La Plata unter,„Schiller“ schei⸗ terte,„Lessing“ hatte Feuer an Bord,„Wieland“ brach die Schraube und„Herder“ hatte als Passagier den Massenmörder Thomas, und längsseit von ihm explodierte die verhängnisvolle
Kiste. —
Büchertisch.
— Auskunst über die staatliche Unterstützung von Kriegsbeschädigten durch einen Beamten des Kriegsministeriums erhält jeder Kriegsteilnebmer wie auch seine Angehörigen durch ein kleines neues Schriftchen; Wie werde ich bei einer aus Anlaß des Krieges erlittenen Beschädigung ver-
sorgt? Ein Merkbuch für jeden Krieger von Rechnungsrat Demmig, Geheimer exvedierender Sekretär der Pensions⸗
Abteilung des Königl. Preuß. Kriegsministeriums.(Verlag des Deutschen Offizierblattes, Gerhard Stalling in Oldenburg i. Gr. Preis 35 Pf.).
—————.———— Märkte. FC. Wiesbaden. Viehhof⸗ Marktbericht vom 6. Okt. Austrieb: 192 Rinder(darunter 18 Ochsen, 19 Bullen, 155 Kühe), 226 Kälber, 14 Schase, 138 Schweine. Geschäft lebhaft, Es bleibt nur geringer Ueberstand. Die Preise waren die gleichen wie am 4. Oktober.
TLeirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst.
Sabbatfeier am 9. Oktober 1915: Freitag abend 5.15 Uhr. Samstag vormittag 8.30 Uhr. Predigt. Samstag nachmittag 3.30 Uhr. Sabbatausgang 6.30 Uhr Wochengottesdienst: morgens 6.30, abends 5.00 Uhr.
e
Israelitische Keligionsgemeinoe. Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Samstag, den 9. Oktober 1915: Vorabend: 5.30 Uhr. Morgeus: 9.00 Uhr. Nachmittags: 3.30 Uhr. Sabbatausgang: 6.30 Uhr.
———— b—11ö——ñ—k Amtlicher Wetterbericht. Deffentlicher Wetterdienst, Gießen.. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 9. Oktober 1913 Meist bedeckt, zeitweise Niederschläge, keine wesentliche Temperatur⸗
Letzte Nachrichten.
Abbruch der Beziehungen zwischen Bulgarien und England und Italien.
Rom, 7. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agenzia Stefani. Die Gesandten Englands und Ita⸗ liens haben der bulgarischen Regierung eine Note über⸗ reicht, in der sie sich dem von den Gesandten Rußlands und Frankreichs überreichten Ultimatum anschließen, und forderten ihre Pässe. 5
* Zum Rücktritt Venizelos!
Lugano, 7. Okt. Der„Corriere della Sera“ schreibt zur Demission Venizelos“': Es wäre verfehlt, sich über die Schwere der Lage Illusionen hingeben zu wollen. Nie⸗ mand ist imstande, zu sagen, was nun folgen wird. Wird der König die Kammer noch einmal auflösen und sich mit dem Lande in Widerspruch setzen? 5 8
Genf, 7. Okt. Sveben eingelaufene Pariser Depeschen halten die Verabschiedung Venizelos' für äußerst bedeu⸗ tungsvoll und schwerwiegend. Sie bringe den Zentral⸗ mächten in einer Lage, die fitr sie beunruhigend wurde(7), unverhofft Hilfe. 5
Der Oberbefehlshaber des bulgarischen Heeres.
Haag, 7. Okt. Der„Temps“ meldet, daß General Jostof zum Oberbefehlshaber des bulgarischen Heeres er⸗ nannt worden ist.— König Konstantin wird in den nächsten Tagen nach Saloniki gehen.
Ein italienischer Zug nach dem Balkan? Lugano, 7. Okt. Umfangreiche Einberufun⸗ gen lassen auf einen wahrscheinlichen Zug Italiens nach Albanien schließen.
Die uneinigen Kabinette der Entente.
Genf, 7. Okt. Die einander widersprechenden Aufträge, die die Kabinette von Paris, London und Petersburg ihren Gesandten in Sofia in den letzten Tagen zugehen ließen, geben einzelnen Pariser Blättern Anlaß zu Bemängelungen. Das brüske Vor⸗ gehen Petersburg habe die Regierungen in Paris und London gezwungen, ihre Instruktionen zu widerrufen und sich der Petersburger Pression, die man als Ultimatum nicht mehr gelten lassen will, anzuschließen. Man befürchtet, daß die Meinungs⸗ verschiedenheiten, die sich ber dem diplomatischen Vorgehen gegen⸗ über Bulgarien gezeigt haben, auf den Gang der weiteren Ereig⸗ nissen von bedeutendem Einfluß sein werden.
Kabelsperre.
Kristiania, 7. Okt. Die Zeitung„Sjöforts Tidende“ meldet aus London: Am Freitag erließ der britische General⸗ postmeister die Weisung, Telegramme nach allen neutralen Staaten Europas, nach Rußland und nach Serbien 48 Stunden zurückzubehalten. Die Kabelverbindung zwischen Frankreich und dem übrigen Europa mit Amerika ist ebenfalls unterbrochen. Es ist dies das erstemal seit Erfindung des Telegraphen, daß eine derartige allgemeine Unterbrechung des Depeschenverkehrs statt⸗ fand. Die Telegramme, die Frankreich mit der Bestimmung nach Albanien, Bulgarien, Dänemark, Spanien, Holland, Portugal, Rumänien, Serbien, Schweden sowie das gesamte Amerila passie⸗ ren, wurden gleichfalls 48 Stunden aufgehalten. Ausgenommen waren Preßtelegramme und öffentliche Telegramme. Der Zweck war, Mitteilungen wichtiger militärische Dinge zu verhindern, die geheim gehalten werden sollen⸗ Vermutlich wird man bald nähere
gen bevor.
Ablösung der englischen Truppen in Aegypten durch Italiener. ö
Kopenhagen, 7. Okt. Der italienische Publizist Gan⸗ dolfi schreibt in der„Idea Nazionale“: Die Anwesenheit des Generals Hunter⸗-Pascha, des Oberstkomman⸗ dierenden der englischen Streitkräfte in Aegypten, in Rom, soll die italienisch⸗englischen Vor⸗ besprechungen über eine Ablösung der englischen Truppen in Aegypten durch italienische beschleunigen. Die italienische Regierung stellt sich sehr wohlwollend gegen diesen eng⸗ lischen Plan, da Italien von Aegypten aus seine eigenen nordafrikanischen Kolonien scharf bewachen könne.
Englisch⸗französischer Munitionsmangel.
Köln, 7. Okt. Laut„Kölnischer Zeitung“ bezeichnet der Zürcher Anzeiger als Grund des Abflauens der englisch⸗franzo⸗ sischen Offensivstöße neben dem unerwarteten d Wider⸗ stand die Erschöpfung des Munitionsbestandes. Die großen Mu⸗ nitionsmengen seien nach verläßlichen Berichten so zusammen⸗ geschmolzen, daß für die nächsten Tage auf kräftigere Angriffe nicht zu rechnen sei und der Hauptangriff auf vielleicht einen Monat lang hinausgeschoben werden müßte, worauf die fran⸗ zösische Presse schon jetzt vorbereitet.
Graf Königsmarck lebt. 1
Hannover, 7. Okt. Es ist dem Regiment der Königs⸗ ulanen, bei dem Graf Königsmarck bei Kriegsausbrüch wieder aktiv wurde, ebensowenig etwas von seinem an⸗ geblichen Tode bekannt, wie den Verwandten des Grafen.
Die Eröffnung des Panamakanals. London, 7. Okt. Die„Times“ erfährt, daß die Er⸗ öffnung des Panamakanals jetzt für den 10. Ok⸗
tober 1 worden ist.
üchte Sodener Mineral⸗
Pastillen
Nachahmungen weise man zurück.
Erklärungen darüber erhalten; vielleicht stehen große Ueberraschun⸗ N


