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General⸗Anzeiger für Oberhessen
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Donnerstag, 7. Oltober 1015
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Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und Bulgarien.
Petersburg, 6. Oktober.(WTB.) Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphenagentur aus Sofia vom 5. Oktober ift die Antwort der bulgarischen Regierung auf das russische Ultimatum dem russischen Gesanden um 2.40 nachmittags
übergeben worden.
Da der Inhalt unbefriedigend ist, hat der russische Gesande dem bulgarischen Ministerpräsidenten den
Abbruch der diplomatischen Beziehungen notifiziert und den Schutz der Interessen der russischen Untertanen dem niederländischen
Geschäftsträger anvertraut.
(r) Großes Hauptquartier, 6. Oktober.
(Amtlich.). Westlicher Kriegsschauplatz.
An der Höhe nordöstlich Neuville wurde ein fran⸗ zösischer Handgranatenangriff abgewiesen.
In der Champagne versuchten die Franzosen auch gestern auf der bisherigen Angriffsfront die Offensive wieder aufzunehmen. Mit starkem Artilleriefeuer, das sich nachmittags zu großer Heftigkeit steigerte, glaubte der Feind unsere Stellung für den allgemein beabsichtigten An⸗ griff sturmreif machen zu können, während er auf der ganzen Front seine Sturmtruppen bereit stellte. Unter unserem auf der feindlichen Ausgangsstellung liegenden Artilleriefeuer gelang es den Franzosen nur an einigen Stellen, ihre Trup⸗ ben zum Sturm vorzubringen und, wo sie stürmten, wurden sie wieder unter schweren Verlusten zurückgeworfen. So brachen die an der Straße Somme⸗ Py— Souain mehrfach wiederholten Sturmanläufe gänzlich zusammen. Auch nördlich wie nordöstlich von Beauséjour⸗ Ferme und nordweftlich von Ville sur Tourbe waren die Angriffe völlig erfolglos. 5
In dem englischen Bericht vom 1. Oktober 1915 wird behauptet, daß die Engländer im Luftkampf die Oberhand über unsere Flieger gewonnen hätten. Hierüber gibt folgende Zusammenstellung den besten Aufschluß:
Im Monat September sind an deutschen Flugzeugen verloren gegangen:
eee Eff. 2 durch Abschuß von der Erde aus 2
im ganzen 7 Flugz.
Im gleichen Zeitraum verloren unsere Gegner: * e
eee, durch Abschuß von der Erde 5 . 1 4
durch Landung in und hinter Füfter Linie 3 7 8 22
im ganzen.*. Flugzeuge Oestlicher Kriegsschauplaßtz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.
Der Feind hat gestern zwischen Dryswjaty⸗See und Krewo erneut zu größeren Angriffen angesetzt. Sie sind abgeschlagen oder im Feuer zusammen⸗ gebrochen. Anfangserfolge erzielte der Feind bei Kosjany und hart südlich des Wyszniew⸗Sees. Durch Gegenangriffe wurde die Lage von uns unter schweren Verlusten für den Feind wieder hergeftellt.
Heeresgruppe der Generalfeldmarschälle Prinzen Leopold von Bayern u. v. Mackensen.
Die Lage ist unverändert.
Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. In der Gegend nordwestlich von Czartorysk haben sich
Kämpfe entwickelt. Oberste Heeresleitung.
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Wie vorauszusehen war, hat Bulgarien die russischen Zumutungen abgelehnt, und Rußland hat seine„Drohung“ verwirklicht. Nun müssen die maßgebenden Kreise in Sofia sich damit abfinden, die Gesellschaft des russischen Gesandten und womöglich auch diejenige der Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens zu entbehren, aber das wird ihnen keinen Kummer bringen. Es klingt ja. daß vier Großmächte einem kleineren Staat den Fehdehandschuh hin⸗ werfen, aber— Bulgarien hat mächtige und tatkräftigeHelfer. Und die letzten Ereignisse in Griechenland sind nicht ge⸗ eignet, ihm verstärkte Besorgnisse einzuflößen. Venizelos, der vor der griechischen Kammer noch einmal sein heißes Herz entdeckt hat, geht, und die Franzosen schäumen vor Wut und Enttäuschung. Der Kreter war bekanntlich von lange her ihr Liebling, und es ist sehr glaublich, daß, wie heute in der Presse versichert wird, Delcassé es war, der die Lawine durch die Truppenlandungen in Saloniki in Gang bringen wollte, während das verschämte England zuerst dagegen gewesen sein soll. Heute pfeifen alle Spatzen ein Spottlied von den Dächern über die herrliche Konsequenz der hohen englischen Politik in Bezu auf die Achtung der Neutralität kleinerer Staaten, un obendrein hat der Gewaltakt gegen Griechenland noch keineswegs die erklügelte Wirkung verbürgt. Wer tritt an Venizelos Stelle? König Konstantin hat die Auswa zwischen mehreren bewähgten Staatsmännern. Sowo
Gunaris, der Vorgänger des Kreters im Amte, wie Dra⸗
gumis, Rhallis, Theotokis, sollen, nach einem Bericht der „FIrkf. Ztg.“, in der entscheidenden Kammersitzung nach⸗ drücklich gegen die Politik Venizelos' das Wort ergriffen haben. Es wurde ihm vorgeworfen, daß er Gefühls⸗ politik treibe und das Land in Unglück und nachteilige Ab⸗ hängigkeit 15 Die Abstimmung zeigte, daß Venizelos nur eine sehr kleine Mehrheit in der Kammer fand, und da einige Minister und Abgeordnete sich der Abstimmung enthielten oder bei der Sitzung nicht zugegen waren, so war nichts begreiflicher und verständiger, als daß der König seinem bisherigen Geschäftsführer den Abschied erteilte. Es wird heute bekannt, daß die deutsche Regierung in Athen einen Protest gegen die Truppenlandungen in Saloniki vorgelegt und die griechische Regierung aufgefor⸗ dert hatte, ihre Neutralität aufrechtzuerhalten. Zugleich erfahren wir, daß damit auch eine Gesamtbeleuchtung des englisch⸗französisch⸗russischen Vorgehens verbunden war, wie sie zurzeit für die ganze Welt von höchstem Interesse ist. Denn auch Bulgarien gegenüber schlägt die„Entente“ absonderliche Wege ein. Durch Drohungen sucht man Nei⸗ gungen zu erwecken und Abneigungen zu ersticken, und im Verkehr der Staaten waren bisher solche Schritte wie das russische„Ultimatum“ gänzlich ungewohnt. Auch hier lag eine Verletzung der Neutralität, eine Mißachtung der Rechte eines selbständigen Staates, vor. Es zeigt sich in beiden Fällen, daß solche Mittel der Einwirkung, die nicht wurzeln auf dem festen Grund staatspolitischen Geschehens, sondern der Treibhausluft von Aengstlichkeit und Voreiligkeit ent⸗ sprossen sind, bald absterben. Der fiebernde Geist des er⸗ matteten Frankreich, dess besiegten Rußland und des am Rande des Abgrundes stehenden und darum nicht mehr streng prüfenden und wägenden England weht uns an. Eine halbamtliche deutsche Darlegung, die wir nach⸗ stehend wiedergeben, will dieses Kapitel der„Entente“⸗Diplo⸗ matie mit dem Motto„Die Geschichte der Heuchelei“ ver⸗ sehen. Das ist sehr zutreffend, aber wir sind am Schluß dieses Dramas angelangt, wo die Helden als beschämte 2 10 abgeführte Heuchler noch einmal vor dem Vorhang
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Die Entscheidung in Sosia.
Berlin, 7. Okt. Die Budapester Abendblätter berichten laut„Berl. Lokalanz.“ vom 6. d. M. aus Sofia: Die Mitglieder des Kabinetts hielten in der Wohnung des Ministerpräsidenten einen Ministerrat ab. Die Be⸗ ratungen dauerten von 8 Uhr abends bis 3 Uhr morgens. Sodann erschien dortselbst der Hofmarschall General Sa⸗ wow, der Generalissimus im Balkankriege, und hatte mit dem Ministerpräsidenten eine kurze Besprechung. Darauf fuhren beide im königlichen Automobil nach dem Badeort Franja, wo König Ferdinand zurzeit weilt. Dort angekommen, wurden beide vom König sofort in gemeinsamer Audienz empfangen. Die Beratung bei dem König dauerte von ½5 Uhr bis 8 Uhr. Nachmittags fuhren der Minister⸗ präsident und General Sawow unverzüglich nach Sofia zu⸗ rück. Ministerpräsident Radoslawow lud dar⸗ auf die Gesandten Oesterreich-Ungarns, des Deutschen Reiches undder Türkeizueiner Be⸗ sprechung zu sich. Die Konferenz mit den Diplomaten endete nach vier Stunden. Während dieser letzteren Kon⸗ ferenz erschien der englische Geschäftsträger im Ministerpräsidium, konnte aber von Radoslawow nicht empfangen werden und wurde an den ersten Sekretär verwiesen. Für heute wird die Kriegserklärung und zwar nicht nur von Rußland, sondern auch von den übrigen Ententemächten erwartet.
Petersburg, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Peters⸗ burger Telegraphenagentur verbreitet eine Meldung des„Rjetsch“, wonach England, Frankreich und Italien an die bul⸗ garische Regierung kein Ultimatum richten, jedoch sofort nach der Abreise des russischen Gesandten aus Sofia ihre Vertreter ab⸗ berufen werden. Die Verbandsmächte stehen gleich Rußland auf dem Standpunkte, daß deutsche und österreich⸗ungarische Of⸗ fiziere bereits in den Bestand der bulgarischen Armee, besonders in Stäbe, aufgenommen seien. Falls Bulgarien Rußlands Ul⸗ timatum annimmt, so wird es offen und ohne daß ein Zweifel zurücbleibt, die Beziehungen zu Deutschland, Oesterreich⸗Ungarn und der Türkei abbrechen müssen. Mit Rücksicht auf die volle Un⸗ abhüngigkeit Bulgariens würde die Forderung einer Demobilisie⸗ rung nicht gestellt. Die Schritte der Vierverbandsmüchte legen Griechenland nicht die Pflicht auf, gleiche Maßnahmen zu ergreifen. Aale Griechenland und den vier Mächten bestehen keine dahingehenden vertragsmäßigen Abmachungen. Daher bleibt die diplomatische Vertretung Griechenlands wohl bis zum bul⸗
arischen Ueberfall in Sofia. Bis zu dem Augenblicke, da Griechen⸗ and vertragsmäßig für Serbien eintritt, gilt es als neutral.
Taher fand es die griechische Regierung auch für nötig, gegen die von England und Frankreich begonnene Ausschiffung von Truppen in Salonik Verwahrung einzulegen. Natürlich trägt der Einspruch nur formellen Charakter; die Truppenlandung der Alliierten begegnet keinerlei Schwierigkeiten. 5 Budapest, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nach hier ein⸗ getroffenen Sofioter Berichten veröffentlicht das Organ Ra⸗ doslawows,„Narodni Prava“, einen Artikel, be⸗ titelt„Das Schwerthatdas Wort“, worin an das Manifest des Königs an die Soldaten vor zwei Jahren erinnert wird. Das Wort des Königs, sagt das Blatt, daß wir unsere ruhm⸗ vollen Fahnen eingerollt für bessere Tage bewahren sollen, be⸗ zog sich auf die jetzige Zeit. Wir entfalten nunmehr unsere Fahnen und die Nation schart sich um das Panier, auf das der Ruhm des Vaterlandes und die Freiheit Mazedoniens geschrieben ist. Noch ist das Zeichen zum Aufbruch nicht gegeben, aber die Luft bebt schon von dem Rufe:„Vorwärts, bulgarische Soldaten!“ Die Diplomaten sind mit ihrem Latein zu Ende. Das bulgarisch⸗ Schwert muß nun erweisen, daß es stärker ist als alle Umtriebe der feindlichen Diplomaten. Der feurige Appell des Blattes schließt: Bürger! Eure Sehnsucht wird in Erfüllung gehen. Das Zeichen zum Aufbruch kann nicht mehr lange ausbleiben! London, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Mor⸗ ning Post“ meldet aus Petersburg: Der russische Ge⸗ sandte in Sofia kann infolge einer Blinddarmope⸗ ration unmöglich abreisen und wird wahrscheinlich als Privatmann in Sofia bleiben, bis er hergestellt ist. Offi⸗ ziell verläßt die russische Gesandtschaft heute abend Softa, die andern Gesandtschaften der Alliierten werden folgen. Der Vertreter Grie chenlands würde wahrscheinlich bleiben, bis eine offene kriegerische Handlung gegen sein Land die Ab⸗ reise herbeiführe.
Die Haltung der griechischen Kammer. Paris, 5. Okt.(Zens. Frkft.) Venizelos erklärte in der Kammer, daß Griechenland die durch den serbisch⸗ griechischen Vertrag eingegangenen Verpflichtungen pein⸗ lich respektieren werde, selbst wenn sie dazu führen sollten, daß Griechenland gegen Deutschland Stellung nehmen müßte, was er aufrichtig bedauern würde. Venizelos hat die Ueberzeugung ausgesprochen, daß es im Interesse Grie⸗ chenlands sei, sich auf seiten des Vierverbandes zu stellen. Diese Erklärung wurde mit einer Mehrheit von 50 Stimmen genehmigt. Die muselmanischen Depu⸗ tierten stimmten dagegen.
Ein weiteres Telegramm derselben Agentur von heute besagt: Die gestrige Kammersitzung endete mit einem Ver⸗ trauensvotum. Von 257 Abstimmenden stimmten 142 für die Regierung und 102 dagegen. 13, darunter die Minister, enthielten sich der Abstimmung. 50 Deputierte waren abwesend in den Provinzen, wo Er⸗ gänzungswahlen stattfanden.(Frkf. Ztg.)
Ein deutscher Protest in Athen⸗
Berlin, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Am Montag nach⸗ mittag haben die Vertreter der Entente in Sofia an die bulgarische Regierung die Forderung gerichtet, binnen 24 Stunden die diplo⸗ matischen Beziehungen zu Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn abzubrechen und sämtliche(NB. gar nicht vorhandene) deutschen Offiziere aus der bulgarischen Armee zu entlassen. Es sind wohl⸗ gemerkt 1 0 der drei Mächte, die unter dem Motto: „Für Freiheit und Recht“, für den Schutz und die Unabhängig⸗ keit der kleinen Staaten in den Kampf gezogen sind, die diese in das Selbstbestimmungsrecht Bulgariens so tief einschneidende Forderung gestellt haben. Die bul⸗ garische Regierung wird die gebührende Antwort auf diese Zu⸗ mutung zu finden wissen, die das wahre Gesicht der Entente ent⸗ hüllt, die von hohlen Phrasen über die humanitären und völker⸗ befreienden Ziele des gegenwärtigen Krieges überfließt, alle schönen Grundsätze aber fallen läßt, sobald sie glaubt, daß das ihren Interessen dienlich jst. Gleichzeitig mit dieser diplomatischen De⸗ marche in Sofia notifizierten unsere Gegner der griechischen Re⸗ gierung die beabsichtigte Ausschiffung französischer und englischer Truppen in Salonik, angeblich zur Unterstützung Serbiens. Eng⸗ land riß sich durch diesen Schritt die selbstheuchlerische Maske vom Gesicht, mit der es seit Beginn des Krieges die Verletzung der belgischen Neutralität dazu benutzt hat, um in der ganzen Welt in der würdelosesten Weise gegen Deutschland Stimmung zu machen. Wie verschieden liegen aber die beiden Fälle: Im Falle Belgiens war das Vorgehen Deutschlands durch den drohenden französischen Vormarsch begründet; es handelte sich um Notwehr in einer Lebensfrage für das Deutsche Reich. Die Verletzung der griechischen Neutralität durch Frankreich und England ist ein Völkerrechtsbruch lediglich zur Wahrung egoistischer Interessen. Weder hätte die Existenz Englands und Frankreichs auf dem Spiele gestanden, wenn die Landung unterblieben wäre, noch hatte die Entente Gründe für die Annahme, daß die Verletzung der griechischen Neutralität durch ihre Gegner geplant war. Auch ist die Hilfeleistung an Serbien nur ein Vorwand. Der wahre Grund ist, Serbien in dem Wider⸗ stand gegen Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn zu ermutigen, damit es sich, ebenso wie Belgien auf dem Altar der Interessen der Entente weiter verblutet. Deutschland soll der Weg nach Konstantinopel mit Hilfe Serbiens verlegt werden, nachdem der
ersuch, den Bundesgenossen des Deutsck N reich⸗Ungarns an den Dardanellen niederzuzwingen, dank des
eldenmütigen Widerstandes der ottomanischen Armee kläglich ge⸗ cheitert ist. Dieses militärische Fiasko vor der öffentlichen Mei⸗
nung der eigenen Länder zu verschleiern, ist die Ueberführung der
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n Reiches und Oester⸗
JJC


