Ausgabe 
(6.10.1915) 235. Erstes Blatt
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Oochflachen von Vligereurh und Lafraun gat der Feind soine Angriffe gestern nicht erneuert.

Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Truppen unternahmen von der Drinagren ze aus Streifungen auf serbisches Gebiet. Es wurden Gefangene eingebracht. Sonst keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

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* Der türtische Bericht. Konstantinopel, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Von der Dardanellenfront ist von Anaforta und Ari Burnu nichts Wesentliches zu melden. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr feuerte die feindliche Artillerie am 3. Oktober gegen unseren linken Flügel an tausend Geschosse ab, ohne irgend ein Ergebnis zu erzielen, wurde dann aber durch kräftige Erwiderung unserer Artillerie zum Schweigen ge⸗ bracht. Eine von uns auf diesem Flügel gesprengte Mine fügte dem Feind schwere Verluste zu. Unsere Geschütze trafen einen auf die Dardanellen feuernden feindlichen Kreuzer zweimal und zerstörtenseinen Panzer. Unsere Batterien auf asiatischem Ufer beschossen am 3. Oktober ein 5 Schleppschiff und die Landungsstelle des Feindes bei Sedd⸗ ül⸗Bahr und verursachten dem Feind schwere Verluste. Das Gegenfeuer des Feindes blieb ohne Wirkung. Von den anderen Fronten ist nichts zu melden.

Berlin, 5. Okt.(zens. Blu.) DieVossische Zeitung berichtet aus Sofia: Sicheren Nachrichten zufolge hat die Entente bereits begonnen, die Truppen von der Halbinsel Galli⸗ poli zurückzuziehen. Es gilt als sicher, daß der Vier⸗

verband die Dardanellenaktion endgültig aufgibt.

Die deutsch⸗türkische Vereinigung.

Konstantinopel, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Unter Veorsitz des Kriegsministers En ver Pascha wurde heute die deutsch⸗türkische Vereinigung gegründet, die der hier anwesende Leiter der deutsch⸗türkischen Vereinigung in Berlin, Dr. Jäckh, vorbereitet hat. Im Ausschuß vertreten sind tür⸗ kische Minister und Staatsmänner, wie Enver Pascha und Talaat Bei, ferner Abgeordnete, Senatoren und der Kammerpräfident Halil Bei, der Generaladjutant des Sultans, wie Vertreter der ftürlkischen Literatur, Wirtschaft und Politik. an der Gründung Fürst Hohenlohe und Vertreter der deut⸗ schen Botschaft, des Generalkonsulats, von Handel und Industrie,

sowie die Chefs verschiedener Missionen teil. Feldmarschall vonder Goltz und Marschall Liman von S anders sandten

aus dem Felde Begrüßungstelegramme. folgenden Festmahle hielten der Fürst zu Hohenlohe, Enver Pascha, der Kammerpräsident Halil Bei, der Minister Talaat Bei und Dr. Jäckh Ansprachen. Dr. Jäckh behandelte dabei die kulturelle Annäherung beider Völker und die Aufgaben der türkisch⸗deutschen Vereinigung. Die Gründung findet in der öffentlichen Meinung allseitig freudige Aufnahme. An den Kaiser und Sultan wurde nachstehendes Telegramm gerichtet: Ich habe die Ehre, Eurer Majestät die Gründung der türkisch⸗deutschen Vereinigung zu melden. Eine solche Vereinigung in dieser Zeit ist ein Beweis der festen und gut begründeten Zuversitht; sie drückt auch den Willen zu einer segens reichen kultürellen Arbeitsgemeinschaft aus. 5 Möge nach einem glücklichen Ausgang des großen Krieges der Friede beide Völker durch Segnungen der Kultur und Organisation in solcher Innigkeit verbinden, wie sie jetzt durch die deutsch⸗ türkische Waffenbrüderschaft auf den siegreichen Schlachtfeldern geweiht und besiegelt ist. Enver Pascha, Kriegsminister und Vize⸗ generalissimus.

Bei dem der Gründung

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* Neue französische Offensive im Westen?

Berlin, 6. Okt. Wie verschiedenen Morgenblättern aus dem Haag gemeldet wird, kündigt die französische Re⸗ gierung eine baldige kräftige Wiederaufnahme der Offen⸗ sive an. 5 . Ein englisches Sittenbild.

London, 5. Okt.(WDB. Nichtamtlich.) DieDaily Mail teilt mit, daß Engländer am Sonntag abend den Gottesdienst der deutschen Kirche am Mont⸗ pellierplace in London gestört haben. Während die

Dtgel das Präludium spielte und der Pastor vor dem Altar stand, erhob sich ein Engländer und fragte, ob der Pastor den Gottesdienst in englischer Sprache führen wolle. Der Pastor erwiderte: Nein, er werde das nicht tun. Der Eng⸗ länder fragte: Wollen Sie Ihr Bedauern über die Zeppelin⸗ angriffe aussprechen? Der Pastor erwiderte: Nein, auch das werde ich nicht tun! Darauf trat der Engländer vor den Altar und sagte: Ich erkläre den Deutf chen Kaiser für einen Schandfleck der Zivilisation und Schimpf für das Christen⸗ tum. Darauf verließ die Gruppe der anwesenden Engländer die Kirche und veranstaltete vor der Kirche eine Protestper⸗ sammlung. Der Gottesdienst wurde in deutscher Sprache

fortgesetzt. Die englischen Munitionsfabriken.

e London, 5. Oktober.(WTB. Nichtamtlich) Weitere 2 64 Munitions fabriken sind unter Kontrolle des Geschoß⸗ ministeriums gekommen. Ihre Gesamtzahl beträgt jetzt 979.

Englische Aumaßungen gegenüber Dänemark.

Kopenhagen, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich)National CTidende schreibt: Mit steigender Ueberraschung ist Dänemarf g e, daß England nicht nur die Zurückschaffung des bereits in Kopenhagen ausgeladenen amerikanischen Fleisches nach Eng⸗ land verlangt, obschon in Dänemark selbst starke Nachfrage nach, billigem Fleisch in den ärmeren Schichten besteht, sondern jetzt auch den dritten DampferFrederick VIII zurückgehalten und von Kirkwall nach einem anderen englischen Hafen mit den Passagieren befördert hat, um dort die Fleischladung aus Amerika zu löschen. Es bedeutet dies die Verschärfung der Kontrolle und Mißtrauen. in das loyale Verhalten Dänemarks bei der Erfüllung der ihm von der englischen Regierung auferlegten Pflichten, es bedeutet ferner einen erheblichen Schaden für die Reedereien und Impor⸗ teure sowie eine starke Belästigung der gleichfalls in England zurückgehaltenen Passagiere. Ueber die Ursache dieser verschärften Order verlautet, daß England trotz klarer gegenteiliger Erklä⸗ rungen der dimischen Negierung behauptet, daß das amerikanische Fleisch das dänische Fleisch ersetzen solle, das Dänemark nach Deutschland lieferte. Die dänische Regierung versuchte durch den englischen Gesandten Vorstellungen über die Rechtswidrigkeit des 5 Verfahrens und die Notwendigkeit des Importes billigen ameri⸗ Kkanischen Fleisches für den dänischen Konsum zu machen, bislang aber erfolglos. Man verhehlt sich nicht, daß die Schwierigkeiten 5 größer sind, als man ursprünglich vermutete. i Rußlands Geldnot. a London, 5. Okt.(WTS. Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Wie dieTimes melden, hatte der Besuch des 5 Finanzministers Bark zur Folge, daß die Vank von England vorbereitende Schritte zur Einräumung eines großen russischen Handelskredits von 20 Milli⸗ onen Pfund getan hat.

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Deutschland und Amerita.

Washington, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung des Reuterschen Bureaus. Nach einer Unterredung des Präsidenten Wilson mit Staatssekretär Lansing über die am Samstag durch Graf Bernstorff in New Pork überreichte Note verlautet, daß Deutschland den Wunsch der Vereinigten Staaten, die Versenkung derAra⸗ bic zu mißbilligen und die Verantwortung dafür zu über⸗ nehmen, nicht erfüllt hat. Lansing weigerte sich, mitzu⸗ teilen, was man nun tun werde. Wie verlautet, wird Graf Bernstorff aufgefordert, nach Washington zu kommen, um die Ansichten der amerikanischen Regierung zu hören. Die endgültige i Deutschlands, den amerikanischen Forderungen enkgegenzukommen, würde, dem Reuterschen Bureau zufolge, zum Abbruch der diplomatischen Beziehun⸗ gen führen können.

zeitiger Meinungsmache wirklich einverstanden ist? Unruhen in Südafrita.

London, 5. Okt(WTB. Nichtamtlich) Das Kolonial⸗ amt gibt bekannt: Die Versammlung der südafrika⸗ nischen Partei am 23. September in Johannisburg ist gewaltsam gestört worden. Die Polizei erfuhr am Morgen, daß ein Angriff auf General Smut s, der sprechen sollte, vor⸗ bereitet war, Eine Menge von 1200 bis 2000 Personen, teil⸗ weise mit Stöcken und anderen Gegenständen bewaffnet, begann, als Smuts die Tribüne betrat, zu johlen, Eier und Steine zu werfen und stürmte schließlich die Tribllne. Die Polizei geleitete Smuts hinaus. Einige Mann seiner Begleitung wurden verletzt. Der Chauffeur wurde, als er den Wagen bestieg, heruntergerissen. Man versuchte, Smuts aus dem Wagen herauszuzerren. Die Stöcke wurden lebhaft benutzt und Steine flogen nach allen Richtungen. Die Lage wurde so ernst, daß ein Polizeibeamter seinen Revolver in die Luft abfeuerte. Aus der Menge wurden einige Schüsse abgegeben. Der Bericht schließt: Der Pöbel hätte Smuts ermordet, wenn nicht seine Begleitung mannhaften Wider⸗ stand geleistet hätte.

London, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) DieDaily News sagt in einem Leitartikel über die Unruhen in Johannes⸗ burg: Der Kampf der fünf Fraktionen, in die sich die alten Parteien zersplitterten, sei offenbar sehr scharf; es bestehe nur zuviel Anlaß zu der Befürchtung, daß das Ergebnis kein günstiges und eine ernste Schwächung der Stellung Bothas sein wird. Die Kundgebung war ausschließlich gegen Smuts gerichtet; sie war verursacht durch dessen schroffes Vorgehen bei den großen Streiks vom Jahre 1914 und veranschaulicht die Erbitterung, die die Anwendung des Kriegsrechtes hervorrief.*

Haag, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich)Nieuve Courant schreibt zu den jüngsten Unruhen in Johannesburg, bei denen Smuths angeblich ermordet wurde: e richt kommt nicht überraschend. Charakteristisch ist, daß die Vor⸗ gänge sich in einer Vorstadt Johannesburgs abspielten. Die Times glauben, daß der Selbstverwaltung Südafrikas kein tödlicherer Schlag versetzt werden konnte, als durch die Ermordung von Smuths und sucht hinter dem Anschlag deutsche Intrigen. Das Blatt vergißt dabei den Widerstand gegen die Art, wie Botha und Smuths Südafrika in den Krieg hineingezogen haben, die Entrüstung über die Behandlung Dewets und seiner Mitschuldigen, garnicht zu sprechen davon, daß der plündernde Mob in Johannes⸗ burg straflos ausging und dadurch eine Stimmung erzeugte, für die der Anschlag auf Smuths ein Symptom ist. Der südafrikanische Bauer ist, wie dieTimes selbst erkannt hat, ebensowenig ein Mörder wie der Johannesburger Arbeiter. Wenn es zu einer Ausschreitung wie dieser gekommen ist, so wirft das ein starkes Licht auf die herrschende Stimmung.

der Seekrieg.

Berlin, 6. Okt. Nach derKöln. Zeitung glaubt der Correo Espanol aus zuverlässiger Quelle zu wissen, daß eines der im Mittelmeer kreuzenden deutschen Tauch boote vor einigen Tagen vor dem Eingang der Meerenge von Gibraltar ein mit Truppen der Kriegsmarine be⸗ ladenes Transportschiff torpediert und ver⸗ senkt habe. Englischerseits werde dies geheim gehalten. Weiter wird gemeldet, daß die Abfahrt von sechs Truppen transportdampfern aus Gibraltar einstweilen aufgeschoben worden sei.

London, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Das Reuter⸗ sche Bureau meldet aus Marseille: Ein Unterseeboot versenkte am 3. Oktober auf der Höhe von Cerigo an der griechischen Küste den französischen D ampferPro⸗ vencia mit einem Gehalt von 3523 Tonnen. Die Befatzung durfte in die Boote gehen. g i

Aus dem Reiche.

Hauptversammlung des Vereins für das Deutschtum

im Auslande. e In München fand am 2. und 3, Oktober die diesjährige Hauptversammlung desV. D. A. statt. Der Verein hat seit Eren als einem Menschenalter in der Stille mit stetig wachsendem Erfolg für die Erhaltung und Stärkung des Deutschtums in außerdeutschen Landen gekämpft; er hat mit seiner sewaltigen Mitgliederzahl in allen deutschen Gauen Wurzel gefaßt und ist insbesondere allen deutschen Gemeinden im Ausland ein wohl⸗ bekannter und vertrauter Freund. Die Hauptversammlung, die sonst um Pfingsten stattzufinden pflegt, war infolge des Krieges auf den Herbst verschoben worden. Mit Rücksicht auf die ernste Zeit war auch von lauten festlichen Veranstaltungen, Ausflügen usw. Abstand genommen worden. Die Verhandlungen am Samstag fanden in dem prächtigen Gemeindevertretersaal des Neuen Rathauses statt. Vormittags tagte der 1 ß in vertrau⸗ licher Sitzung; nachmittags fand der geschäftliche Teil der eigent⸗ lichen Hauptvbersammlung statt. Die eitung der Verhandlungen führte der 2. Vorsitzende des Vereins, Konter⸗Admiral Recke, der durch den Hinweis auf den Ernst der Zeit und die Größe der Aufgabe die Verhandlungen würdig einzuleiken verstand, so daß sie einen einmütigen und erhebenden Verlauf nahmen. Generalsekretär Geiser erstattete einen umfangreichen und gründ⸗ lichen Jahresbericht, in dessen erstem Teil ein beachtenswerte Ueberblick über die durch den Krieg doche ere Lage des gesamten Deutschtums in der Welt gegeben wurde; die im zweiten Teile geschilderte Unterstützungsarbeit vor Ausbruch des Krieges gab

ein Bild von der weltumspannenden Tätigkeit des Vereins. dritte Teil behandelt die vom Vereine geleistete 1 Hier tritt hervor die unter dem Protektorat Ihrer Kaiserl. Hoheit der Frau Kronprinzessin Cecilie veranstaltete große Volkssammlung, die sich als eine Sondersammlung der Auslanddeutschen für unsere Krieger darstellt und der Welt zeigt, daß die Deutschen auf dem ganzen Erdenrund sich in dieser gewaltigen Zeit als ein einig Volk von Brüdern fühlen. Ebenso bemerkenswert ist die Hilfs⸗ arbeit des Vereins an den aus Feindesland vertriebenen Ausland⸗ deutschen. Den vierten Teil des Jahresberichts bildete der eigent⸗ liche Geschäftsbericht. 5 3 Auch im Berichtsjahre ist wieder eine Anzahl größerer Körper⸗ schaften dem V. D. A, als körperschaftliches Mitglied beigetreten. Die zur Förderung des völkischen Zusammenhangs in die Gebiete des Auslanddeutschtums unternommenen Gesellschaftsreisen werden nach dem Kriege in erhöhtem Umfange wieder aufgenommen werden. Um den verschiedenen im Laufe der Kriegszeit auf⸗ tauchenden nationalen Wünschen und Bedürfnissen des deutschen Volkes Ausdruck zu verleihen, ist der Verein mehrfach an die lei⸗

tenden amtlichen Stellen des Reiches mit Anregungen und Ein⸗

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Es ist Reuter, der so spricht; ob Wilson mit so vor⸗ E

Obwohl die Werbearbeit mfolge des Vorstandsmitglieder in manchen Ortsgruppen so ist doch die Gesamtheit der Mitglieder von 56 892 auf 58 326 gestiegen; Neugründungen fanden statt in Berlin

gaben derangerreren. Kriegsdienstes der völlig ruhte,

Jugendortsgruppe und Ortsgruppe Südafrika), Königshütte, Bautzen(Frauengruppe), Altusried, Burghausen, Kaufbeuren, Lin⸗ dau, Memmingen, Ottobeuren, Rosenheim. 7

Der langiährige 1. Vorsitzende des Vereins, Se. E 81 Staqts⸗ minister z. D. Dr. von Hentig, sah sich mit Rückficht auf die Last seiner übrigen Arbeiten genötigt, den seit 10 Jahren mit großer Aufopferung und starkem Erfolg geführten Vorsitz nieder⸗ zulegen; die Hauptversammlung ernannte ihn einstimmig zum Ehrenmitglied. An seiner Stelle wurde einstimmig Se. Exz. der Gesandte a. D. von Reichenau zum 1. Vorsihenden gewählt.

Berlin, 5. Okt.(Privattelegramm.) DerBerliner Lokal⸗ anzeiger schreibt: Auf das an den Reichskanzler gerschtete Gesuch des Neichs verbandes deultscher Städe um rhöhung der Unterstütungen für Familien der Kriegs⸗ teilnehmer ist die Nachricht eingegzugen, daß eine Erhöhung ab I. November in Aussicht genommen sei. 5

Berlin, 4. Okt(WD. Nichtamtlich.) DerReichs⸗ anzeiger veröffentlicht die Bekanntmachung über das Ver⸗ schroten von Brotgetreide zu Fütterzwecken, wonach die Reichsgetreidestelle ihr gehöriges Brotgetreide zu Futterzwecken verschroten lassen kann.

Aus Hessen. ö rb. Darmstadt, 5. Okt. Im Ständehaus am Luisen⸗ platz herrschte heute eine sehr lebhafte Tätigkeit. Zunächst trat der Aeltestenrat der Kammer zu einer Beratung zusammen, deren Mittelpunkt die allgemeine parlamentarische Lage bildete. Er beschloß, das Plenum der zweiten Kammer zur Wie⸗ deraufnahme seiner Verhandlungen auf Dienstag, den 12. Oktober einzuberufen. Im Laufe des Tages hielten auch sämtliche Fraktionen eingehende Besprechungen ab, die sich haupt⸗ sächlich um die beiden wichtigsten Beratungsgegenstände, den Gesetzentwurf über die Abänderung des Wah gesetzes(Ver⸗ längerung der Landtagsmandate bis zum Herbst 1916, Wahrung aller Rechte der Kriegsteilnehmer usw.) und die Beschlußfassung über die Tätigkeit des zu einem Kriegsaus chuß erweiterten Finanz⸗ ausschusses drehte. Dem Vernehmen nach stimmten in der Frage der Wahlgesetzänderung die Fraktionen den Vorschlägen der Regierung, und hinsichtlich des Kriegsausschusses den Vorschlägen des Präsidiums zu. b

Nir ehe und Schule. Der Weltkrieg und der internationale Bibelverbrau ch. Der Bericht der 111. Versammlung derInternationalen Bibelgesellschaft hat, wie dieTi⸗ mes bekanntgibt, gezeigt, daßder Krieg und die durch ihn bedingten Opfer die Menschen zu Gott zurück treiben. Die in dem Bericht veröffentlichte Statistik läßt erkennen, daß der Verbrauch an Bibelausgaben während des Krie⸗ ges gewaltig 5 ist. Im letzten Friedensjahre hatte die Gesellschaft 9000 000 Bibelüberse ungen herausgegeben. Im ersten Kriegsjahr aber ist die Za auf 10 162 413 Exem⸗ plare gestiegen. 1914 wurden mehr als 1 Million der durch die Gesellschaft gedruckten Bibeln in Deutschland und Oester⸗ reich in Verkehr gebracht. Dieselbe Zahl wurde nach Indien und Ceylon gesandt, und 2660 000 nach China. Während des letzten Jahres wurden neue Uebersetzungen hergestellt, so daß das Bibelwerk jetzt in 487 verschiedenen Mundarten erhältlich ist. Der Bericht stellt fest, daß der Verbrauch an Bibeln in England durch den Krieg bisher um 700 000 Exemplare gesteigert wurde.

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Aus Stadt und Cand. Gießen, 6. Oktober 1915.

Sie hat mir Treu' versprochen!

Ein Wort an deutsche Wehrmannsfrauen! Deutsche Frauen, deutsche Treue! Immer wieder klingt dieses beides zusammen von den Tagen unserer Väter her, den alten grauen Zeiten, da der Römer Tacitus die Rein⸗ heit und Tugend der deutschen Frauen pries und bewun⸗ derte, hin durch die Jahrhunderte wir denken an die zarten Weisen der Minnesänger, an unsere Volkslieder, an manch' Dichterwort aus neuerer Zeit! 1 Frauen, deutsche Treue! Dies Zusammenklingen im Liede ist doch nur ein Beweis dafür, wie im Bewußtsein unseres Volkes beides als eine unlösbare Einheit miteinander ver⸗ bunden ist. Und es gibt ein gutes altes deutsches Wort, das heißt: Getraute Treu' die beste Treu'!. Und nun sind seit mehr als Jahresfrist Tausende, nein, Millionen deutscher Männer draußen im Schützengraben oder auf hoher See, und deutsche Frauen leben allein, und haben eine große, verantwortungsvolle Aufgabe, mehr als je zu zeigen, daß getraute Treue ihnen heilig ist, damit neue Blätter hinzugefügt werden können zum Ruhmes⸗ kranz der deutschen Frauen vor aller Welt! Es ist eine so große, heilige Zeit, in der wir leben, und immer wieder kommen Nachrichten von draußen, die da reden von Helden⸗ tum und Opfermut, von Hingabe, die sich selbst vergißt, von Treue bis zum Tode! Wenn dann unsere Herzen höher schlagen im freudigen Stolz, daß wir Deutsche sind so kommt zugleich an unser Gewissen die Frage, ernst und mahnend:Sind wir hier in der Heimat unserer Helden draußen wert? Können wir frei und froh bekennen. Es ist auch bei uns hier daheim alles so, wie es sein müßte? Wir entsetzen uns dann wohl über einzelne traurige Fälle, da deutsche Frauen jetzt in dieser Zeit getrauter Treue vergessen, aber wir wollen alle bedenken, wie jeder einzelne von uns ich rede als deutsche Frau zu deutschen Frauen, auf so vielen Gebieten jetzt Treue bewähren und beweisen muß. Die Kindererziehung liegt gerade jetzt, wo so mancher Vater nimmer wiederkehrt aus dem männermordenden Kriege, so sehr in der Hand der Mutter! Nur eine ganz reine Hand kann da Segen stiften! Ihr Frauen, eure Kinder sind euer heiliges Erbkeil von dem, der draußen ist, erzieht sie seiner würdig, gebt ihnen euer Bestes, tut an ihnen euer Bestes, und ihr werdet wieder und wieder erfahren, welcher Segen auf solchem Tun ruht. Aber auch wenn der Vater wiederkehrt sollte er dann eine zuchtlose, verwilderte Kinderhorde vorfinden, sollte er seiner Frau vorwurfsvoll sagen müssen: Was hast du aus unsern Kindern werden lassen? Wir wollen danach streben, daß solche düstere Bilder, wie ich sie hier zur Warnung und Abschreckung zeichnete, niem⸗ls Wirk⸗ lichkeit werden mögen unter unserm Volk! Jede Frau, die rein und treu bleibt, still ihre Pflicht erfüllt, ihre Last trägt und ihre Tränen weint, hilft mit zu einem Siege hier drinnen, einem Siege in der Seele unseres Volkes! Ist es nicht im Grunde ein Ehrendenkmal für die deutsche Frau, für die Frau überhaupt, wenn sittliche Verfehlungen des Weibes als etwas ganz besonders Entsetzliches empfunden werden? Liegt nicht hierin eine Werts zung der Frau, daß gerade, weil sie uns so 2 50 steht, wir es um sa schmerzlicher empfinden, wenn sie sich selbst erniedrigt? Deutsche Frauen, deutsche Treue! Um eurer selbst willen, um eurer Kinder willen, um der Zukunft unseres Volkes

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