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(05/10/1915) 234. Erstes Blatt
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Auszeichnung der Führer an der Dardanellenfront.

. Konstantinopel, 4. Okt.(WTB. Nichtamtl.) Kaiser Franz Josef hat dem Oberbefehlshaber der Dardanellen⸗ armee, Marschall Liman von Sanders⸗Pascha, das Großkreuz des Leopoldsordens mit der Kriegsdekoration und dem Vizeadmiral Souchon⸗Pascha und dem General Bronsart von Schellendorf das Militärverdienst⸗ kreuz 2. Klasse mit der Kriegsdekoration verliehen. f N

* Das ultimatum Nußlands an Bulgarien. 5. 4. Okt.(Zens. Frkft.) Der russische 5 Gesandte in Sofia hatte den Auftrag erhalten, ohne Verzug dem Ministerpräsidenten Radoslawow folgende Note zu überreichen: 5 5Die Ereignisse, die sich in diesem Augenblicke in Bulgarien abspielen, beweisen den festen Entschluß der Regierung und des Königs Ferdinand, das Schicksal des Landes in die Hände Deutschlands zu legen. Die Anwesenheit deutscher und österreichi⸗ Offiziere im Kriegsministerium und im Generalstabe der Armee, die Konzentration von Truppen an der Grenzzone von Serbien und die ausgedehnte finanzielle Hilfe, die vom bulgari⸗ schen Kabinett von unseren Feinden angenommen wurde, lassen keinen Zweifel über das Ziel bestehen, das mit den gegenwärtigen Vorbereitungen von der bulgarischen Regierung ins Auge gefaßt wird. Die Mächte der Entente, welche die Verwirklichung der Aspirationen des bulgarischen Volkes wohlwollend erwogen haben, haben wiederholt Radoslawow davon in Kenntnis gesetzt, daß jeder Akt der Feindseligkeit gegen Serbien als gegen sie selbst gerichtet betrachtet würde. Die übertriebenen Versicherungen des Chefs des bulgarischen Kabinetts in Beantwortung der Noten der Ententemächte stehen im Widerspruch mit den Tatfachen. Der Vertreter Rußlands, das mit Bulgarien durch das untilgbare Andenken an dessen Befreiung vom türkischen Joch verbunden ist, kann nicht durch seine Anwesenhert die An⸗ griffs vorbereitungen gegen ein flawisches und verbündetes Volk gutheißen. Der Gesandte Ruß⸗ lands hat infolgedessen den Befehl erhalten, Bulgarien mit dem gesamten Personal der Gesandtschaft und der Konsulate innerhalb 24 Stunden zu verlassen, wenn nicht die bulgarische Regierung offen mit den Feinden der flawischen Sache und Rußlands bricht und wenn sie nicht unverzüglich zur Entfer⸗ nung jener Offiziere schreitet, die Staaten angehören, welche mit den Mächten der Entente im Kriege stehen. Berlin, 5. Okt. ImBerliner Lokalanzeig. wird ausgeführt: Je schneller der Angriff auf Serbien zu voller Wirksamkeit kommt, den der Kanonendonner bei Se mendria schon am 20. September eingeleitet hat, desto tiefer wird sich den bedrohten Balkanvölkern das Bewußtsein ein⸗ 5 prägen, daß die verbündeten Zentralmächte sie vor einer großen Gefahr schützen. Darum muß die Antwort auf das russische Ultimatum und auf die Landung französischer Trup⸗ pen in Griechenland durch die deutschen und österreichisch

ungarischen Kanonen an der Donau gegeben werden. Truppenlandungen in Saloniki.

35 Mailand, 4. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der Son⸗ derberichterstatter desCorriere della Sera in Athen drah⸗ tet: General Hamilton, der Höchstkommandierende der englisch⸗französischen Dardanellenstreitkräfte, ist am Don⸗ nerstag unerwartet in Saloniki eingetroffen. Hamilton erklärte, beauftragt zu sein, die Ausschiffung der Truppen vorzubereiten, die die Vierverbands⸗ mächte nach Mazedonien schicken, und die zusammen mit dem griechischen Heer gegen einen bulgarischen Angriff auf 5 bien operieren würden. Die Nachricht von dem unerwar⸗ teten Besuche Hamiltons verursachte in den diplomatischen Kreisen Athens große Bewegung. Die Lage erscheint allen sehr ernst. Die amtlicheParis schreibt dazu, Hamilton 12 keinen Schritt unternommen, der e könne, da er nicht der erste fremde Offizier sei, der Saloniki pas⸗ siere. Der einzige beunruhigende Umstand sei die Zu⸗ sammenkunft Hamiltons mit dem griechischen General Moschopulos, dem kommandierenden Ge⸗ neral des 3. Armeekorps, von dem sich Hamilton verschiedene Auskünfte für den Fall der Ausschiffung von nach Serbien bestimmten Truppen habe geben lassen. Moschopulos habe 2 5 das Ministerium davon in Kenntnis gesetzt, und der Ministerrat prüfe die Frage sorgfältig. Das Blatt führt aus, daß die bloße Gegenwart Hamiltons in Saloniki augenblick⸗ lich noch keine diplomatischen Schritte Griechenlands ver⸗ lange. Es würden einzig Erklärungen über die Unterredung Hamiltons mit Moschopulos eingeholt. Im Falle einer rup. 1 in Saloniki gebe es zwei Möglichkeiten für Wenn die Truppen des Vierverbandes wegen eines bulgarischen Angriffs auf Serbien gelandet würden, so würden die Vierverbandsmächte als Verbündete Grie⸗ chenlands betrachtet werden. Wenn sie ape nach Ser⸗ bien gingen, um Serbien Hilfe gegen deutsche Truppen Zu leisten, so wäre der Durchmarsch ein Neutralitätsbruch ind die griechische Regierung würde die nötigen Schritte tun. Der Berichterstatter desCorriere della Sera fügt hinzu, daß sich Hamilton mit 50 Offizieren, vielen Pferden und einigen Automobilen in Saloniki ausgeschifft habe. Das Volk 1155 ihn freundlich e ngen. Hamilton habe mit einen Offizieren eine Automobilfahrt um Saloniki unter⸗ nommen; man glaube, um einen günstigen Landungsplatz ausfindig zu 1 5 5 1 g Paris, 4. Okt.(WB. Nichtamtlich) DerTemps meldet: Der Vierver band teilte der griechischen Regie⸗ rung mit, daß die Vorschläge zurückgezo 25 seien, die Bulgarien gemacht worden seien, um seine Teilnahme am Kriege gage die Türkei zu erlangen, Die Landung von Franzosen und Engländern in Saloniti sei unmittelbar be⸗ 'orstehend.

Mailand, 4. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Aus Athen wird demSecolo gedrahtet: Die Vertreter Frankreichs und Englands haben über die Bedeutung der Landung von Truppen der Entente in Saloniki Erklärungen abgegeben, in denen es heißt: Obschon die Landung verfrüht erscheinen könne, werde sie in Wirklichkeit durch die Notwendigkeit gegeben, die Verbindungswege mit Serbien, die ein rascher bulgarischer Vormarsch unterbrechen könne, offen

zu halten. Die Alliierten müßten Serbien zu Hilfe eilen und gleich⸗ falls das bedrohte Griechenland sicherstellen. Die Alliierten er⸗ schienen also auf dem Balkan als Freunde, wie sie es immer ge⸗ wesen. Ihr Vorgehen entspreche außerdem einem Wunsche der griechischen Regierung, der schon im vergangenen Früh⸗ jahr angekündigt worden sei, als Gunaris am Ruder war. In⸗ zwischen vollzieht sich die Landung von Truppen der Alliierten Saloniki unter dem Befehl des Generals d' Amade.

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Griechenland:

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Eine Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Norwegen.

Kristiania, 4. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das deutsche

* schaft in Berlin in einer Note mitgeteilt, der deutsche Admiralstab habe über die Wegnahme der Post von dem DampferHa ar kon VII eine Untersuchung eingeleitet, die folgendes ergeben habe: Die über Bord geworfene Paketpost enthielt nach der Mel⸗ dung des Kommandanten des Unterseebbootes Bannwaren, darunter Wollwaren und Lebensmittel, die für feindliche Mächte bestimmt sein konnten. Unter dieser Voraussetzung wurde sie nach Lage der Umstände gemäß Artikel 54 der Londoner Deklaration ohne weiteres vernichtet. Eine Paketsendung, deren Inhalt nicht als Bannware anzuschen war, wurde vom Kommandanten zurück⸗ gegeben. Selbstverständlich unterliegt die Rechtmäßigkeit der Ver⸗ senkung der Prüfung der deutschen Prisengerichte, so daß die Beteiligten Gelegenheit haben, etwaige Einwendungen auf gericht⸗ lichem Wege zu erheben. Von den Briefsendungen wurden, wie in der Note weiter ausgeführt wird, vier Postsäcke mit feind⸗ lichen Bestimmungsorten von dem Kommandanten mit⸗ genommen und an die deutschen Behörden abgeliefert. Die Briefpost wird durch das Haager Abkommen nicht geschützt, da verschiedene Kriegführende, wie Rußland, es nicht anerkannt haben, so daß es nach Artikel 9 in dem jetzigen Kriege keine Anwendung findet. Die Feinde Deutschlands durchsuchen die deutsche Briefpost auf neutralen Schiffen mit großer Rücksichtslosigkeit und haben sie sogar teilweise beschlagnahmt, ohne daß, so weit bekannt, wirk⸗ samer Widerspruch dagegen erhoben worden wäre. Deutschland hat daher Anspruch auf das gleiche Recht, so daß das Vorgehen des Kommandanten nicht als völkerrechtswidrig angesehen werden kann. Der Einspruch der Kgl. norwegischen Regie⸗ rung, heißt es in der Note weiter, kann daher nicht als be⸗ gründet angesehen werden. Dessen ungeachtet hat die Kaiserlich deutsche Regierung, um in möglichst großem Umfange die Interessen der neutralen Länder zu schonen, beschlossen, bis auf wei- teres die Briefpost auf neutralen Schiffen un⸗ berührt zu lassen, selbst wenn sie nach einem feindlichen Lande bestimmt sein sollte. Uebereinstimmend hiermit hat sie die von dem DampferHaakon VII entfernte Briefpost ungeöffnet der deutschen Reichspostverwaltung übergeben, von welcher sie unver⸗ züglich der norwegischen Postverwaltung zugestellt worden ist. Die norwegische Regierung hat nach Empfang dieser Note der deutschen Regierung mitgeteilt, daß sie es nicht für nötig halte, die rechtliche Seite der in Betracht kommenden Frage von neuem zu erwägen, da sie mit Befriedigung von der praktischen Lösung Kenntnis genommen habe, welche die deutsche Regierung in ihrer Mitteilung an die norwegische Regierung gegeben habe.

Spaniens zukünftige Politit. Paris, 4. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)Petit Parisien meldet aus Madrid: In einer Rede über die internationale Lage erklärte Ministerpräsident Dato, Volk und König wünschten, daß die kriegführenden Parteien eine Frie⸗ dens konferenz in Spanien abhielten. Er fügte weiter hinzu: Die Lage und Geschichte Spaniens und seine korrekte Neutralität nötigen uns, beim Abschluß des Frie⸗ dens weitgehende Energie zu entfalten, um unsere Politik in neue Bahnen zu leiten, denn wir kännen nicht weiter isoliert bleiben. Um dies Ziel zu erreichen, müssen wir eingehend prüfen, welche Haltung für uns am vorteilhaftesten sein würde. 5

Der Seekrieg.

Beschießung eines deutschen Dampfers vor der Jusel Rügen. Sassnitz, 4. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der Stettiner DampferSvionia der Reederei Kunstmann ist gestern kurz nach 5 Uhr nachmittags bei Arcona durch ein feind⸗ liches U-Boot mit Geschütz beschossen worden. Das Schiff wurde bei Stubbenkammer auf Strand gesetzt. Zehn Mann der Besatzung wurden in Kolliger Ort gelandet. Der Rest der Besatzung mit dem Kapitän und Steuermann

U-Boot zunächst die deutsche Flagge führte, dann die eng⸗ lische Flagge setzte und auf 400 bis 500 Meter ohne vor⸗ herige Warnung den Dampfer beschoß. Daraufhin sei die Besatzung in die Boote gegangen.

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Maassluis, 4. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Am Mitt⸗ woch wurde ein englischer Hilfskreuzer, der am Versinken war, von zwei Fischdampfern nach Dover ge⸗ schleppt.

Kriegsbriefe aus dem Westen.

(Von unserem Kriegsberichterstatter.) (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Im e Lille. il le, am 29. Septemb. 1915.

In den Schausenstern der Buchhandlungen stehen Bücher über die Geschichte der Stadt, alte und neuere.Die fünf Belagerungen von Lille, oderDie sieben Belagerungen von Lille. Diese alte flämische Stadt ist ein Barometer, wie hoch zu jeder Zeit die Kräfte zwischen dem deutschen Kaiserreich und dem verwelschten Franken⸗ reich des Westens gestanden haben. Das ging hin und her, und die gesegneten Gefilde Flanderns waren immer wieder das Schlacht⸗ feld, das vom Blute troff. 1870 blieb der Krieg hier ein paar Meilen zu früh stille stehen. Aber diesmal wieder ist das Rad der Weltgeschichte mitten hinein gerast in die Wohlhäbigkeit der reichsten und arbeitsamsten, der urfranzösis Provinz. Der Wit⸗ telsbacher Heerführer, dessen altes Geschlecht so viele Beziehungen nach diesen von uns halbvergessenen germanischen Gebieten hatte, hat mit stürmender Hand dasHaupt Flanderns, hat die Meister⸗ werke des Marschalls Vauban erobert. Und seit bald einem Jahre schalten hier die Deutschen als Herren und die Franzosen, deren Geschütze man täglich herüberhört, können nicht Meister werden über die stärkere Hand. 5 i 5 Unter allem, was uns der Krieg an Fragen für Vernünftige und Rätseln für Papierseelen gebracht hat, ist Lille die größte Merkwürdigkeit. Eine der rkichsten, verhältnismäßig vielleicht die reichste Stadt Frankreichs, mit einer Jevölkerung, die, so fremd sie allem fern haften und seelensesten Dentschtum sein mag, Tie ungallischste aller Städte der windiged Advokatenrepußtik gewesen ist. Ein schlankes blondes und rotblondes Volk, dessen Männer schon meist im Schützengraben verblutet sein dürften, dessen Knaben in Potsdam oder Oldenburg nicht als Fremdlinge auffallen würden, so lange sie nicht die Laute der erlernten Sprache verraten. Das ist der Hintergrund, der bleibt. Aber es baut sich mancherlei vor ihm af. Der französische Patriotismus, ein Kunstgebilde von Akademikern, die in Jahrzehnten als die wichtigste Tatsache der französischen Geschichte den blonden Quadratköpfen den Zufall eingeprägt haben, daß 1870 der große Widerstand nach Sedan. von diesem Teile des Landes, von den durch Dragonaden

ur swelschen Sprache bekehrten Flamen ausgegangen ist. Was Jahn

unsere deutschen Geschichtsschulbüchlein dagegen zu setzen? Immer wieder wundert sich der Landwehrmann aus Oberbayern und aus Niedersachsen, daß das Volk hier so deutsch aussieht und auch da, wo es sich feindlich benimmt, so deutschen Eigensinn zeigt. 5

Das empfinden die Unsrigen, und sicherlich merken es viele

Auswärtige Amt hat vor einiger Zeit der norwegischen Gesandt⸗

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der Leute hier, daß der barbarossabärtige Landstürmer, der ihre

ist nach Sassnitz unterwegs. Die Leute erzählen, daß das

Kinder fattert, viel mehr Art von ihrer Art ist. als der Südsranzose

mit den scwarzen Korkzieherlocken, der als Weinreisender zu ihnen kam. er nun hat der Krieg alles A e auf den Kopf gestülpt. Früher, da waren die aus dem ten Frankreichs ale geringes Volk, die bewundernd zu dem rastlosen flandrischen i Man war hier reich, dank seiner Hände Ar⸗ beit. Selbst der Arbeiter war verhältnismäßig reich. Da kam der Krieg und schob Knebel und Knüppel zwischen alle Maschinen. Und es kam der Hunger zu regfamen Leuten, die nie feiern wollten. Er kam von dem Tage an, wo hier die Geschütze dröhnten, die Fehraus machten mit der französischen Armee. Was ist degreis⸗ licher als daß man nach so viel Monaten der Not den Frieden herbeisehnt, der sich im Begriffsvermögen der Bürger nicht anders darstellen kann als in der Rückkehr der gefl französi⸗ schen Armee. *

Man hat geduldig gewartet. Man hat Kriegsbrot gegessen und auf den Sonntagstanz verzichtet, denn man wußte,Me Unseren werden wiederkommen. Man bekam trotz aller deutschen Wachsam⸗ keiten Nachrichten hinten herum. Man wußte, Joffre plant eine en Offensiwe, die nichts Wichtigeres vorhaben kann, als die Befreiung des reichenNordens. Man wartete, und Tag für Tag dröhnten die Kanonen herüber. Die Arrasschlacht begann, und nachts zitterten die Mauern der Häufer von dem Schnauben der Geschütze an der Front. Das kann nicht lange weitergehen,

das ist die Entscheidung! Wochenlang wütete und wetterte der Lärm durch die Nacht. henlang wurden jeden Tag Gefangene eingebracht. So unmöglich es schien: die Deutschen hatten die

Front gegen die Uebermacht gehalten. Man wurde kleinlaut und begann sich wieder an den Gedanken zu gewöhnen, daß die Deut⸗ schen diese altflämische Stadt als ihr altes Erbteil behalten wollten. Und man hatte, wenn man in den von der deutschen Verwaltung so unbekümmert gestatteten belgischen und neutralen Zeitungen las, daß die Engländer den Krieg noch drei Jahre lang fortsetzen wollten, nur den einen Wunsch: Lille mag deutsch oder franzö⸗ sisch bleiben. Aber Frieden wollen wir und friedliche Arbeit! Wir hier an der Ostgrenze, wir waren immer gegen die Revanche und den Krieg. 4

Aus Wochen der Dürftigkeit wurden Monate, da begann das neue Trommelfeuer, das keine Sekunde aussetzte.Diesmal kom⸗ men sie! Ach ja, sie kamen. Zu Hunderten kamen sie, wenn der Abend herniedersank, die gefangenen englischen Bundesgenossen mit ihrem farbigen Menagerievolk und die eigenen Landsleute. Gespensterzüge der Nacht ohne Ende. die nach der von eisernen deutschen Landwehrkolonnen umspannen Zitadellen Vaubans ge⸗ triehen wurden. Wenn sie ankamen, diese Palette von weißen Landsleuten, braunen Indern, wüsten englischen Hafenspelunken⸗ gesichtern und tiesschwarzen Afrikanern, dann sahen sie nicht aus wie Befreier. Die Franzosen sahen sogar aus, als ob sie sich der Waffenbrüderschaft dieses Gesindels schämten. Aber viel⸗ leicht halfen die doch! Ohne Unterlaß und Verschnaufen raste das Trommelfeuer weiter, und immer kamen als Quittung abends die Gefangenenzüge Vielleicht sind die Deutschen doch unbesiog⸗ bar, begannen die Liller zu denken. Sicherlich macht dieser Ge⸗ danke vielen von ihnen Schmerz. Aber es gibt andere, die es sich ganz ruhig schwarz auf weiß berechnen, was das für sie und für die arbeitende Bevölkerung für ein Wurf wäre, wenn die größte Industriestadt des absterbenden Frankreichs sich in die gewaltigste Industriemacht des europäischen Erdteiles, in das unbesiegbare Deutschland einfügen müßte.

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Abends kehre ich mit zwei Kollegen nach unserem Quartier zurück. Plötzlich hält ein dünnes Schreien, wie das 1 5 eines winselnden Tieres meinen Schritt in einer kelen sse an. Ich rufe die anderen, und wir hören aus einem verschlossenen Hause eine zerbrochene Weiberstimme weinen:Paul! Paul! Ma⸗ deleine! Ils ne reviendront plus! Immer wieder dieselben Worte, in allen Schmerzen einer Seele wiederholt. Am Morgen belehren mich die Nachbarn: Das ist eine alte Frau, die jede Na Krämpfe kriegt, weil ihr Sohn zu den Soldaten aus⸗ ezogen und ihre Tochter mit einem Offizier geflüchtet ist. Wenn 15 die kleinen Einkäufe für ihren Haushalt ma und plöplich ein großes Geschütz herüberbrüllt, dann kriegt sie Schreikrämpfe und behauptet, diesmal habe es ihren Jungen getroffen. Und nachts ruft sie nach Paul und Madeleine, die sie, die Greisin, verlassen haben. Unbekümmert stapft der eisenstirnige Kriegsgott über das, was eines Mutterherzens, einer Menschenhoffnung Stolz und frohes Sehnen war, und die Nachbarn sagen ärgerlich:Heute schreit die verrückte Alte wieder wie ein verliebter Kater.

W. Scheuermann, Kriegsberichterstaater.

Aus dem Keiche. 12 Die Inschrift auf dem Reichstagsgebäude.

Berlin, 4. Okt.(WTB. N) DieNordd. Allgem. Ztg. schreibt über die Inschrift auf dem Reichstagsgebäude;: Von unterrichteter Seite geht uns nachstehende Mitteilung zu: Nachdem nunmehr be⸗ schlossen worden ist, daß das 1 die In⸗ schrisDem deutschen Volke! erhalten soll, 8 tigte sich die Oeffentlichkeit mit der Frage, welche Sc fÑ zeichen für die Inschrift gewählt werden sollen. Es ist von einer Seite die Behauptung aufgestellt worden, im Aus⸗ schmückungsausschuß sei zuerst vorgeschlagen worden, latei⸗ nische Buchstaben zuswählen, daß man dann aber auf deutsche Schriftzeichen 7 geeinigt habe. Von anderer Seite wurde behauptet, daß die Anbringung lateinischer Schriftzeichen beschlossen worden sei, und es wurden hieran heftige An⸗ riffe geknüpft. Demgegenüber sei hier festgestellt, daß bei fer Beratung im Ausschmückungsausschuß seitens der Ver⸗ treter der Regierung bei dem Vorschlag auf Anbringung der Inschrift von voruherein darauf hingewiesen worden ist, daß es dem Volksempfinden nicht entsprechen würde, wenn eee gewählt würden. Dieser Auf⸗ fassung trat der Ausschuß bei und beschloß, daß die In⸗ schrift in gothischen Buchstaben ausgeführt werden solle. Die Entwürfe der Inschrift werden dem Aus⸗ schmückungsausschuß zur Beschlußfassung vorgelegt. Hier⸗ nach steht außer Zweifel, daß lateinische Schrift nicht in Betracht gekommen ist.

* a Berlin, 4. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Auf die dritte Kriegsanleihe lin bis zum 2. Dftoger inschließlich fünf Milliarden Mark eingezahlt worden. 7

Berlin, 4. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Generalfeld⸗ marschall v. Hindenburg hat an den Präsidenten des Preußischen Abgeordnetenhauses Grafen von Schwerin⸗ Löwiitz auf das ihm zu seinem Geburtstage übersandt Glückwunschtelegramm folgendes Antworttelegramm ge richtet:Eurer Exzellenz und dem hohen Hause der Ab. geordneten danke ich herzlichst für die mir gütigst aus⸗ gesprochenen Glückwünsche. Gott der Herr wird auch weiter⸗ hin mit unseren Waffen sein. Feldmarschall v. Hindenburg. ..

Heer und Flotte. ö Berlin, 4. Okt.(Priv.⸗Tel.) DieVoss. Ztg. meldek: Die Zahl der Krieger, die das Eiserne Kreuz! Klasse in der deutschen, österreichisch-ungarischen und türkischen Ar⸗ mee tragen, beträgt jetzt über 500 0. 1 München, 4. Okt.(WT. Nichtamtlich.) Wie die Münch. Neuest. Nachr. hören, steht zu erwarten, daß auch die Uniformen der bayerischen Armee in ähn⸗ licher Weise den praktischen n f e angepaßt werden, wie dies in i ist. Einzelheiten hierüber

seien voraussichtlich zu erwarten.