Issue 
(05/10/1915) 234. Erstes Blatt
Page
25
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Aus Stadt und Cand. g 1 Gießen, 5. Oktober 1915. e Auszeichnung. Dem Unteroffizier Adam Reich aus öteßen, im Res.-Ins.-Rgt. 116, wurden das Elserne Kreuz und e Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen.

*Die Einzahlungen auf die 3. Kriegs⸗ unleihe bei der Gießener Reichsbankstelle haben am Oktober schon 17¼ Millionen Mark betragen. Es ist ein llänzendes Zeugnis für die finanzielle Leistungsfähigkeit unseres Bezirks, daß auf den ersten Anhieb beinahe 75 Proz. ber geleisteten Zeichnungen in Gießen eingezahlt sind.

*Die Wormser Jungmannschaft wird heute nachmittag hier eintreffen und in Privatquartieren untergebracht werden. Die jungen Leute sind auf einem mehrtägigen e begriffen. Die Gießener Jungmannschaft und die Jugendwehr werden die Kame⸗ raden um 5 Uhr am Schiffenberg abholen.

* Der 7 Uhr⸗Ladenschluß. In der vorigen Woche hat bekanntlich eine Versammlung Gießener Ge⸗ schästsinhaber beschlossen, für den 7 Uhr⸗Ladenschluß an den Werktagen und den 2 Uhr⸗Schluß an Sonntagen für die Dauer der Kriegszeit einzutreten. Gegen diese Be⸗ e sprach sich am vorigen Freitag eine andere Ver⸗ sammlung von Geschäftsleuten aus. Einem uns zugehenden Bericht über diese zweite Versammlung entnehmen wir ene n 10 f 5

Die Gründe, welche gegen eine Herabsetzung der Ge⸗ schäftszeit angegeben er, waren die folgenden: Die Geschäftswelt einer so lebhaften Geschäftsstadt stelle sich einsach ein Armutszeugnis aus, wenn an den Wochen⸗ tagen die Läden in den Hauptstraßen der Stadt um Uhr ihre Pforten schlößen, nur um das Licht in den Auslagen u sparen. Ein so früher Ladenschluß sei wohl für einzelne sranchen, aber nicht für alle Geschäfte möglich. Die Nah⸗ rungsmittelgeschäfte, die Zigarrenhändler usw. könnten sich auf einen früheren luß allgemein nicht einlassen. Die Geschäftsinhaber, die stark mit Landkundschaft arbeiten, fühlten sich durch eine Abkürzung der Verkaufszeit am Sonntag geschädigt. Es sei dieser Kundschast wegen der Zug⸗ verbindungen unmöglich, vor 12½1 Uhr zur Stadt zu kommen. Würde man durch einen behördlichen Zwang diese Geschäfte früher als 3 Uhr schließen, so würde ein größerer Teil der Landkundschaft seine Einkäufe beispielsweise in der Kreisstadt Wetzlar machen, in der man nicht daran denke, die Geschäfte Sonntags vor 3 Uhr zu schließen. Aber auch der dem stehenden Gewerbe in der Stadt Abtrag tuende Hausterhandel würde von einem früheren Schluß der Ge⸗ schäfte in Gießen an Sonntagen den Vorteil haben. Man wies in der Versammlung darauf hin, daß die Steuern und Abgaben gerade jetzt für das Gewerbe erheblich gestiegen sind und daß auch der Krieg Geldopfer für jeden Geschäf= mann nach sich ziehe. Es sei ein Unrecht, wenn die Behörde sich darauf einlassen würde, die jetzt bestehende Erwerbs⸗ 1 für die Geschäftswelt auch nur um eine Stunde 7 ürzen. Die Versammlung nahm eine Kundgebung in diesem Sinne an und wählte einen Ausschuß, der die nötigen Schritte unternehmen wird. 5 Zu diesen Ausführungen, deren teilweiser Berechtigung sich niemand verschließen wird, ist zu bemerken, daß sich die Anhänger des Sieben⸗Uhr⸗Ladenschlusses nicht nur der Lichtersparnis wegen zu ihrem Vorgehen entschlossen, sondern in erster Linie aus einem Gedanken von sozialer Bedeutung heraus: Es soll sich darum handeln, vielen durch Personalmangel überbeschäftigten Arbeitskräften mehr Ruhezeit zu gewähren und den Geschäftsfrauen, deren Männer im Felde stehen, eine Erleichterung ihrer schweren Aufgabe zu ermöglichen. Vom Generalkommando ist übri⸗ gens der Ladenschluß an den Sonntagen schon für 1 Uhr angeregt worden. Gegen diese Maßnahme wandten sich auch die Geschäftsinhaber, die mit einer Kürzung der Geschäftszeit um eine Stunde einverstanden sind. Die Zahl der letzteren beträgt nach dem Stande der im Umlauf be⸗ indlichen Einzeichnungsliste augenblicklich 115, die Zahl er Teilnehmer der Gegenversammlung 35.

* Der Konsumverein Gießen und Um⸗ gegend hielt am Sonntag, den 3. Oktober, seine diesjährige Generalversammlung ab. Geleitet wurde dieselbe von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Herrn Vetters. Die vom Vorstand erstatteten Berichte waren recht günstig. Trotz des Krieges hat der Konsumverein Gießen und Um⸗ gegend erfreuliche Fortschritte gemacht; im ver⸗ vergangenen Geschäftsjahr sind 482 neue Mitglieder bei⸗

getreten. Der Mitgliederbestand betrug am 0 d

3115. Vom 1. Juli bis 30. September d. J. sind bereits wieder 193 neue Anmeldungen zu en Geschäfts⸗ führer Keßler verwies in seinem mündlichen Bericht noch⸗ mals auf die Schwierigkeiten des Warenbezuges und betonte, daß im Konsumverein Gießen und Umgegend die Versorgung von über 3000 Familien in Frage komme. Der Ver⸗ ein sei trotzdem bis heute in der Lage gewesen, seine Mit⸗ glieder in zufriedenstellender Weise bedienen zu können. Kas⸗ sierer Koppe erstattete einen ausführlichen Kassen⸗ bericht; er entwickelte ein äußerst günstiges Bild der Solidität des Unternehmens und erläuterte die Bilanzauf⸗ stellung. Der Umsatz im vergangenen, Jahre betrug 764 408,76 Mk., erzielt wurde nach reichlichen Abschreibun⸗ gen ein Reingewinn von 8740,67 Mk., der in der Hauptsache zur Stärkung der Reserven verwandt, wurde; doch sollen hiervon auch 500 Mk. für die Familien der eingezogenen Mitglieder und 150 Mk. für die Kriegsfürsorge Verwendung finden. An Rückvergütung kommer dieses Jahr 34 491 Mark zur Auszahlung; seit Bestehen des Vereins sind ins⸗ gesamt 199 875,20 Mk. an die Mitglieder zurückgezahlt

worden. Der Bericht der umsichtigen Geschäftsleitung wurde

ohne Aussprache mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Lebhafter wurden die Verhandlungen, als es sich darum drehte, den Vorstand von drei auf fünf Personen zu erhöhen. Hiergegen nahmen besonders die jetzigen Vorstandsmitglie⸗ der Stellung. Trotzdem gelangte der Antrag auf Verstärkung des Vorstandes mit großer Mehrheit zur Annahme. Nach den vorgenommenen Neuwahlen fand die anregend verlaufene Versammlung ihr Ende.

n Herrenlose Schuhe. Vor kurzem wurde, wie schon berichtet, hier ein Mann aufgegriffen, der im Besitze eines Paar neuer Militärschnürschuhe war, über deren Erwerb er sich nicht ausweisen konnte. Neuerdings

hat er behauptet, die Schuhe geschenkt bekommen zu haben.

in der Neuen Bäue festgenommen hat, ist anzu⸗ der Mann die Schuhe in diesem Stadtteil Vielleicht meldet sich auf diese Zeilen hin bei der Kriminalpolizei. i

Landkreis Gießen.

m. Allendorf a. d. Lda., 3. Okt. Auf dem östlichen Kriegs⸗ schauplatz wurde der 21jährige Christian Stoos im ersten Ge⸗ cht, an dem er teilnahm, durch einen Brustschuß schwer verwundet und starb beim Verbringen nach dem Verbandsplatze. Beim Oeffnen eines Kartoffelsackes mit dem Messer wurde hier ein

Da man ihn nehmen, daß entwendet hat. der Eigentümer

hnjähriger Knabe derart an einem Auge verletzt, daß er

1

.

bet nt, pte Abend nach Gießen in die Rlimik verbracht wer⸗

TbLollar, 4. Okt. Leutnant Gilbert, der als Kompagnie⸗ führer bei den Eroberungen von Grodno und Wilna mitgekämpft hat, ist bei Wilna durch Schrapnellschuß schwer verwundet worden und liegt z. Zt. im Lazarett in Mainz. Die Kart offel⸗ und Obsternte war auch hier überreich. Die Gemeinde hatte einen Erlös von 1200 Mark, 500 Mk. mehr, als die Vorschätzung betrug.

B. Lang⸗Göns, 4. Okt. Der Gefreite Emil Hock im Res.⸗Inf-⸗Regk. 116, 6. Komp. erhielt die hess. Tay ferkerts⸗ medaille. Professor Schaum, Res.⸗Inf.⸗Regt 116 erhielt die hess. Tapferkeitsmedaille und wurde zum Leut⸗ nant befördert. Wehrmann Bergk, Sohn des Kaspar Bergk von hier, erhielt das Tiserne Kreuz.

. Geilshausen, 4. Okt. Die Familie Georg Fabel erhielt Nachricht von ihrem Sohne aus russischer Gefangene schaft. Derselbe war Ende August in den Kämpfen in Galizien mit einem Teil der Kompagnie abgeschnitten worden. Sein Be⸗ finden ist den Umständen entsprechend gut.

Kreis Büdingen. S Bisses, 3

Okt. Gestern wurde in dem zu unserer Gemarkung gehörigen Teil des Berstädter Markwaldes die Leiche eines Handwerksburschen aufgefunden. Die vorgenommene gerichtliche Leichenschau stellte fest, daß der Verstorbene der 58 Jahre alte Theodor Held aus Offen⸗ bach a. M. war. Er war alsDer schöne Theodor weit und breit bekannt und trieb sich schon mehr als 20 Jahre auf der Landstraße herum. Dauernheim, 3. Okt. Auf dem hiesigen Fried⸗ hofe wurden die Leichen zweier Kinder polnischer Arbeite⸗ rinnen von Hof Schleifeld wieder ausgegraben und seziert. Es besteht der Verdacht, daß die Kinder keines natürlichen Todes gestorben sind. 5 Kreis Schotten. Laubach, 3. Okt. Der älteste Kammerjägers Becker von hier gilt schon seit August vorigen Jahres als vermißt! Nunmehr ist auch der jüngste Sohn Karl Becker in Gesangenschaft geraten. E Laubach, 3. Okt. Wiederum hat der Krieg ein Opfer, das 17., aus unserer Stadt gefordert. Richard Steller, Kauf⸗ mann, Sohn des Kaumanns Steller von hier, der schon seit

Sohn des gräflichen

Regiment im gelde gefallen oder an den Folgen seiner Verwundung im Lazarett, unbestimmt wo, gestorben. Kreis Wetzlar.

W. Wetzlar, 3. Okt. Die städtische Obstversteigerung ergab den schönen Betrag von 2900 Mart, obwohl von der Stadt an gemeinnützi e Anstalten der Stadt eine große Anzahl Früchte (142. Körbe Aepfel und. 23 Körbe Birnen) abgegeben worden sind.

w. Wetzlar, 4. Okt. Die Stadtväter haben in jüngster Sitzung einCEisernes Denkmal, einen Brunnen⸗ auf dem Eisenmarkt und sür Zwecke der Kriegsfürsorge gleichzeitig die Nagelung beschlossen. Die Koslen, die schon gedeckt sind werden sich auf 3000 Mk. belaufen. Für die Nagelung ist der Brunnen- schaft vorgesehen, der auch zu diesem Zwecke vorerst allein auf- gestellt werden soll, da die Errichtung des Brunnens selbst längere Zeit beanspruchen wird.

A Kinzenbach, 4. Okt. Ueber alles Erwarten gut fällt die Karloffelernte auf dem hiesigen Bahnhofsgelände aus. Da es sich um eine Anbaufläche von 80 Ar handelt, so können viele Eisenbahnerfamilien mit guten Speisekartofseln versorgt werden. Zugleich wurde eine zweite Oedefläche für diese Zwecke urbar

gemacht. Hessen⸗Nassau.

m. Kirchhain, 4. Okt. In unserer Stadt ist unter dem Rindviehbessand die Klauenseuche sestgestellt worden. Durch den Weidebetrieb ist die Seuche gleichzeitig in mehreren Stallungen ausgebrochen. Der Weidebetrieb ist eingestellt worden und Sperr maßregeln sind angeordnet. Der nächste Viehmarkt ist ver · boten,

m. Momberg Gr. Kirchhain), 4. Okt. Gestern starb hier in dem selten hohen Alter von nahezu 94½ Jahren der Landwirt Joh. Schmitt. Noch bis vor einigen Mongten konnte der körperlich rüstige Gres weitere Spaziergänge machen; auch war er bis an sein Ende geistig frisch. Er unterhielt sich gern über geschichtliche Ereiquisse älterer und neuerer Zeit. Sein Wunsch, das Ende des Krieges zu erleben, sollte sich nicht erfüllen.

Juli b. J. als vermißt gemeldet war, ist lt. Nachricht von seinem

**

7 die Vernehmung der beiden Angeklagten aus Paliga suchte sein früheres unumwundenes Geständnis wesentlich ein⸗ zuschränken und Drabik als den Anstifter und Verführer hinzu stellen, was im Wesentlichen zutreffend zu sein scheint. ährend

Paliga den Eindruck des Reumütigen macht und sich teilweise selber schwer belastet, stellte Drabik offensichtlich alles zu seinen Gunsten dar, wobei er vielfach bei der Unwahrheit

ertappt wurde. Er leugnete auch den Vorfall mit dem Agenten: es kann als erwiesen gelten, daß Drabik in der Küche in polnischer Sprache dem Paliga rurief:Ersteche sie, ersteche sie, sonst werden wir erwischt. Dieser wollte sich anscheinend nicht für feige schelten lassen und stach darnach so wuchtig zu, daß das Dolchmesser 10 Zentimeter tief durch das Herz drang und sofort den Tod der Frau herbeifüthrte. Als charakteristisch für Paligas Stimmung ist die Feststellung, daß dieser unmittelbar nach der Tat das blutige Messer abwischte und beim Fliehen aus der Küche renommierte:Jetzt habe ich mein Meisterstück gemacht, es ist reingegangen, wie Butter. Nach seiner Bekundung hatten auch beide gemeinsam auf Drabiks Anstiften in der Kaserne die Schränke erbrochen und je einen Revolver und das Dolchmesser entwendet. Bei der am Nachmittag erfolgten Vernehmung der Sachver⸗ ständigen bekundete der Kreisassistenzarzt, daß beide Angeklagte geistig normal und nicht minderwertig seien. Der Frankfurter Che⸗ miker Dr. Popp hatte sofort am Tatort eine Anzahl Photographien aufgenommen und bekundete, daß er auch ohne das Geständnis

Angeklagten deren Schuld durch stumme Zeugen nachweisen könne, so besonders durch die Fingerabdrücke der beiden an der Kaffee⸗ kanne, aus der sie sich mehrere Tassen Kaffee eingeschenkt. Im Einzelnen vermochte der Sachverständige in verschiedenen, Pun

den Nachweis der Unwahrheit der Darstellungen Drabiks zu er⸗ bringen. Nach den genauen Eingeständnissen des Paliga gestal⸗ tete sich die Zeugenvernehmung, ziemlich einfach; auf kinen Teil derselben wurde überhaupt verzichtet. Von Interesse war bei der Vernehmung des vereideten Dolmetschers, Dipl. Ingenieur Herz⸗ berger, wie sich die beiden Angeklagten gegenseitig in polnischer Sprache herumstritten; auch hierbei Ichnitt Drabik sehr ungün⸗ ssig ab. Die Verhandlung wurde gegen 9 Uhr abends abgebrochen. Morgen früh beginnen die Plaidoyers.

Amtlicher Wetterbericht. Deffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Mittwoch, den 6. Oktober 1915: Unbeftändig, meist trocken, keine Temperaturänderung.

Letzte Nachrichten.

Schlechte Führung der Engländer bei der westlichen Offensive.

Großes Hauptquartier, 5. Okt. Unter den eng⸗ lischen Gefangenen hört man sehr viele Klagen darüber, daß ihre Führung in einem Maße versagt habe, daß alle persönliche Tapferkeit der Mannschaften zu einer nutzlosen Aufopferung ge⸗ macht worden sei. Wie es mit der englischen Führung bestellt war, dafür gibt die Gefangennahme des englischen Generals B. ein bezeichnendes Bild. Er war mit seinem Stabe vollkommen außer Fühlung mit seinen Truppen geraten und hatte, in der Meinung, völlig geschlagene Deutsche vor sich zu haben, sich mit seinem Stabe in den Unterstand eines deutschen Hauptmanns zur Rast niedergelassen. Davon, daß die vorübergehend einge⸗ drungenen Engländer schon jetzt teilweise aufgerieben, teils in ihre alten Stellungen zurückgedrängt waren, hatte dieser Divisions⸗ stab keine Ahnung bis zu dem Augenblick, wo einige deutsche Krie⸗ ger vor dem Unterstand erschienen und den General schla⸗ b die Generalstabsoffiziere kartensprelend antrafen, und sie gefangen nahmen. Die französischen Ge⸗ fangenen, unter denen viele bei dem Angriff angetrunken waren, erklärten auf die Frage, warum sie entgegen allen Regeln und Vor⸗ sicht in dichten Massen, ungedeckt und in langsamem Schritt vor⸗ gegangen seien, daß man ihnen gesagt habe, der Sieg ser bereits errungen und sie könnten unbekümmert vorgehen. 5 Die dem Abschluß zugehende Spannung auf dem Balkan.

Genf, 5. Okt. Der Sonderberichterstatter desParis Journal meldet aus Nisch: Die Ereignisse überstürzen sich. Der e Polizeikommissar, der Ne jeden Zug an der serbisch⸗bulgarischen Grenze in Bulgarien begleitet, wurde in Bulgarien zurückgehalten, ebenso der

Gießener Strafkammer.

th. Gießen, 5. Okt. Die Strafkammer hatte sich mit einer Diebstahlsanklage gegen den Hausdiener eines Nauheimer Hotels zu befassen. Derselbe sollte dem Oberkellner, als dieser eines Nachts schwer bezecht von ihm eingelassen wurde, einen Hundert⸗ mar'schein aus der Tasche herauspraktiziert und mit einem Fünf⸗ markschein verwechselt haben. Em Nauheimer Schutzmann hatte den Hausdiener, den der Kellner angezeigt hatte, zu einem Ge⸗ ständnis bewogen, mit der Versicherung, er werde auf freiem Fuß bleiben und später höchstens eine kurze Gefängnisstrase erhalten. Vor der Strafkammer erklärte der Angeklagte, aus diesen Gründen und um seiner damaligen sehr guten Stelle nicht verlustig zu gehen, habe er sich zu dem Geständnisbreitschlagen lassen; in Wirklich- keit habe er den Oberkellner nicht angesaßt. Aus dem Zeugen- verhͤr konnte die Straftammer nicht die Ueberzeugung von einer Schuld des Angeklagten gewinnen und sprach ihn frei.

Gerichtsfaal. 75

Der Lampertheimer Mordprozeß. g rb. Darmstadt, 4. Okt.

Vor dem Schwurgericht der Provinz Starkenburg be⸗ ann heute als letzter Fall die Verhandlung in der Lampertheimer orbsache. Die Anklage führte Oberstagtsanwalt D Schwarz, Die Verteidigung haben die Rechtsanwälte Justizrat Dr. Bender und Brücher übernommen. Zwei kaum 20 jährige Metzger⸗ gesellen, der Albert Paliga und der Richard Drabik, beide aus Königshütte in Schlesien gebürtig, die im Frühjahr mit einem Trupp von mehreren hundert jungen Leuten von der Ost⸗ grenze hierhergebracht worden waren, sind des Mordes und Mord⸗ versuchs, der räuberischen Erpressung und des mehrfachen Dieb⸗ stahls angeklagt. Der Drabik hat bereits vom hiesigen Kriegs⸗ ericht wegen schweren Diebstahls und Fahnenflucht eine Gesamt⸗ trafe von 505 Jahren Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes erhalten. Die beiden Angeklagten führten hier kurze Zeit ein ganz unglaubliches Vagabundenleben in der Umgebung. Drabik war Anfangs Mai als unsicherer Heerespflichtiger eingezogen worden, vertauschte aber die Uniform nach wenig Tagen wieder mit dem Zivilrock und dann wanderten beide Angeklagte durch die Bergstraße. Als sie völlig mittellos zwischen Laudenbach und Hemsbach den Makler J. begegneten, hielt ihm Paliga den geladenen Revolver vor die Stirn, worauf der Bedrohte seine geringe Barschaft auslieferte. Trotzdem aber lief ihm der Paliga nach und brachte ihm mit, einem in der Kaserne gestohlenen Messer mehrere zum Glück nicht schwere Stiche in den Rücken bei Beide verabredeten dann gemeinsame Raubfahrten mit dem Vorsatz, jeden niederzustechen, der sich ihnen widersetze. So kamen sie am 22. Mai nach Lampertheim, wo sie in dem Stall der Witwe Frödert nächtigten und am anderen Morgen auf ihr Betteln Speise und Trank erhielten. Nun beschlossen sie, in der folgenden Nacht hier einen Einbruch auszuführen. Sie drangen in die Küche durch ein Fenster ein und als die durch den Lärm erwachte Frau herbeilief wurde sie sofort von Paliga auf Drabiks Zuruf mit einem Messerstich in's Herz empfangen, der sie tödlich getroffen zu Boden streckte. Dann eilten beide Verbrecher davon. Sie stahlen am nächsten Vormittag in Auerbach ein Fahrrad, und aus dessen Erlös und dem Geld für ihre in Darsmstadt verkauften Mäntel erhielten sie soviel, daß sie Fahrkarten nach Königshütte lösen konnten. Dort angelangt, verübten sie noch mehrere Einbrüche, worauf sie auf Grund des inzwischen erlassenen Ausschreibens der Staats⸗

anwaltschaft verhaftet wurden. Die 0 erhandlung, in der auch die in Schlesien begangenen Straftaten mit übernommen wurden, füllte haupt⸗

aus 30 Wagen bestehende Zug samt Maschine..

Heute abend verschied unsere Mutter

Frau Oberamtsrichter Allwohn, geb. Hensler.

Anna Berck, geb. Allwohn Hermann Allwohn, Amtsrichter Auguste Allwohn

Ludwig Berck, Pfarrer

Emilie Allwohn, geb. Krailing.

Gießen, den 4. Oktober 4915.

Die Beerdigung findet Mittwoch, den 6. Oktober, nachm. 4 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt.

fg

Aud Es zieht! Wle lescht holt el e 3 Heere oder doch wenig ·

10355

TABLETTEN

schützen davor, denn sie erhöhen den 075 und beugen

fe

so, auf natürliche Weise ee serend, den Folgen einer Erkältung vor. Sie ensholten keine Ninera⸗ llen und wirken baher nicht slör end, sondern eher günsiig auf die Verdauung. Schachtel mit 400 Tabletten in allen Apotheken und Orogerlen Mf. 1.. 2 vor Nachahmungen! 7 Verlangen Sie stetsWybert.