Ausgabe 
(4.10.1915) 233. Erstes Blatt
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Das neue Ultimatum Rußlands.

Aus dem seit langer Zeit stark bewölkten Balkan durch⸗

zittert ein neuer Donnerschlag das vom Krieg erschütterte

Noch

klangen Drohun

den richtigen Schlüssel suchte, oder

Europa; neue Völker werden am Kriege teilnehmen, Bul⸗ garien sicherlich an der Seite der Zentralmächte. Denn es ist natürlich ausgeschlossen, daß auf der Grundlage des russi⸗ schen Ultimatums noch eine Einigung unserer Feinde mit Bulgarien zustandekommt. Der neue Entschluß des Zaren, der sich noch einmal im alten Prunkgewand des Schutzherrn über das Slawentum gezeigt hat, ist ihm nicht aus eigener Kraft und eigenem Willen gekommen. Das Ultimatum ist ein Verlegenheitsprodukt, der dem König Ferdinand wütend hingeworfene Handschuh ist, unbrauchbar und zerschlissen, kein Wahrzeichen starken Heldentums. Wir lesen die letzten französischen Presseäußerungen über die Politik Sofias und wissen, daß das russische Ultimatum im Auftrage der Herren Grey und Delcassée vom Stapel gelassen worden ist. 5 Soeben wollte Rados lawow, der zielbewußteste aller Balkanpolitiker, sich anschicken, die letzte Note des Vier⸗ verbandes zu beantworten, in der noch einmal die hier schon erwähnte Greysche Drohung ausgesprochen war, die Verbün⸗ deten würden Serbien nicht im Stiche lassen. Bekanntlich hatte der bulgarische Ministerpräsident in den letzten Tagen mehrfach ausdrücklich amtlich erklären lassen, Bulgarien be⸗ absichtige mit seiner Mobilisierung keinerlei Angriff, selbst nicht gegen Serbien. Auch die jetzt in dem russischen Ulti⸗ matum gestellte Forderung, Bulgarien möge die dem Vier⸗ verband feindlichen Offiziere zurückweisen, hat Radoslawow im voraus erfüllt; wir haben am Samstag seine Erklärung mitgeteilt, wonach kein deutscher Offizier sich in Bulgarien aufhält als lediglich der deutsche Militärattachs. Es ist also auch hier wieder erwiesen, daß der Bruch des Friedens von England, Frankreich und Rußland ausgeht. Haben sie es gewollt, haben sie es damit so eilig gehabt? 5 Es war in den letzten Tagen öfters darauf verwiesen worden, daß ein Volk wie Bulgarien nicht auf lange Dauer einen so ungewöhnlichen, kostspieligen Zustand werde ertra⸗ en können, wie es eine Mobilisierung ist. Dennoch hat Konig Ferdinand, obgleich die Saat zur vollen Reife gedie⸗ hen war, nicht zuerst zu den Waffen gegriffen. Warum aber wollte Rußland keine Zeit mehr verlieren? Wa⸗ rum vor allem hat es nicht gewartet, bis die englisch⸗ französische Offensive, über deren Vorgeschichte

und heutiges Ergebnis die deutsche Heeresleitung neuerdings so ungemein interessante Aufschlüsse gibt, noch mehr Eindruck in der Welt gemacht hatte?

immer ja wurde das Buhlen um die Gunst Griechenlands und Rumäniens fortgesetzt. Hatten Rados⸗ lawows Argumente in Bularest und Athen einen Vor⸗ sprung, so war er doch durch Wendungen in den Kriegs⸗ ereignissen, die für die Feinde der Zentralmächte spra⸗ chen, wieder einzuholen? Es herrschte aber offensichtlich Hoffnungslosigkeit in den Ratschlüssen der das Zarenreich beratenden Mächte. Griechenlands vielgewandter Minister Venizelos hatte bereits kundgetan, daß auch seine Politik

dahingehe, vorläufig nur, wie Bulgarien, bewaffnete

Neutralität zu üben. Offenbar hatten die Di⸗ plomaten in Sofia mehr Aussicht, mit Rumä⸗ nien und Griechenland ins Reine zu kommen als

Grey und Sasonow. Die militärische Lage und die schlechten

Aussichten derEntente vertragen ein längeres Zuwarten

nicht mehr. Der griechische Generalstab sah den kommen⸗ den Sieg der Zentralmächte voraus, der König, dem unsere

Feinde schmeichelnd den Oberbefehl der gegen Bulgarien geplanten Balkanaktion aufschwatzen wollten, blieb an⸗ scheinend fest auf seinem früheren Standpunkte. Schon en gegen Griechenland durch das Ver⸗

ten der Vierverbandsmächte. Truppenlandungen in Sa⸗ oniki sind vorbereitet worden, ohne daß man die griechische Entscheidung 1 hätte. General Lord Hamilton soll mit seinem Stabe, nach einer Privatmeldung derFrkf.

Ztg., bereits in Saloniki weilen, ebenso Teile des fran⸗ ß5ösischen Dardanellenstabes. Es ist uns völlig unbekannt,

in welcher den 9 5

Bahn die Verhandlungen Bulgariens mit anderen Balkanmächten sich bewegten. Der rumänische Ministerpräsident hat sich noch schweigsamer als Venizelos gezeigt und jene Opposition, die den alsbaldigen Anschluß an die Heere des Vierverbandes forderte, mit einem bezeichnenden Wink auf die deutsch⸗österreichischen

Truppen von sich abgewiesen. Auch der rumänische König soll keineswegs gesonnen sein, durch einen Krieg mit den Zentralmächten die Existenz seines Reiches aufs Spiel zu

etzen. Man wird es bald gewahr werden, wer die klügere Politik befolgt hat. Radoslawow, der für die Balkanuhr noch Zar Nikolaus, der das stehen gebliebene Werk gewaltsam und ungeduldig schüt⸗ telte. Uns dünkt, die neueste Kraftgebärde derEntente wird Bulgarien nicht einschüchtern und auch keine schnellere

Entschließung der beiden anderen Balkanstaaten herbei⸗ 2 3 Diese werden vielmehr vermutlich warten wollen, bis as 1

Würfelspiel des Kriegsglücks weiter fortgeschritten ist.

Wie auch die Zukunft sich gestalten mag: wir sind eines neuen, tapferen Bundesgenossen, nämlich Bulgariens, sicher.

Wir vertrauen weiterhin der Diplomatie Hindenburgs und entnehmen aus den neuesten Beweisen unserer Heeres⸗

leitung über die Mißerfolge und Enttäuschungen unserer daß

Feinde im Westen die besten Hoffnungen.

4***

Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte.

Wien, 2. Okt.(WB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 2. Oktober 1915.

Russischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe am Korminbach nehmen ihren Fortg ang.

Deutsche und österreichisch⸗ungarische Truppen warfen den

Feind aus dem in den letzten Tagen heißumstrittenen Dorf Czerny sz. Die Zahl der gestern mitgeteilten Gefangenen erhöhte sich auf 5400. Unsere Reiterei hatte, in gewohnter

Weise zu Fuß fechtend, an den hier errungenen Erfolgen

ruhmreichen Anteil. 5 Sonst verlief der gestrige Tag im Nordosten ohne be⸗ sondere Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Tiroler Front fanden gestern im allgemeinen

nur Geschützkämpfe statt In der Gegend östlich der Sopra Cor nella(nördlich Roncegno) war in der Nacht auf den

1. Oktober lebhaftes Gewehrfeuer hörbar. Von unserer Seite nahmen keine Truppen an diesem Gefecht teil. Im Erhstallo⸗ ebiet wurde abends ein Angriff einer Alpini⸗Abteilung auf 5 107 5 zwischen Nauchkofel und Schönleitenwand kurz abgewiesen. Ein gleiches Schicksal fanden an der Kärntner Front wiederholte Angriffe gegen unsere Stellungen auf dem Ma⸗ lurch und westlich des Bombasch⸗Grabens(nördlich

Pontafel). Im Küstenlande hat die Kampftätigkeit im Raume nördlich Tolmein nachgelassen. Ein gestern abend angesetzter Angriff der Italiener gegen den Tolmeiner Brückenkopf brach in unserem Feuer zusammen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

An der Save⸗Front nächst der Kolubora⸗ Mündung beschossen unsere Batterien, feindliches Artilleriefeuer er⸗ widernd, mit Erfolg die serbischen Uferstellungen. Bei Go⸗ razde jagten wir eine etwa 300 Mann starke montenegrinische Abteilung in die Flucht.

Oestlich von Trebinje unternahmen unsere Truppen, vom Feuer der Grenzsperren unterstützt, eine Streifung auf montenegrinisches Gebiet. Sie überfielen die feindlichen Posten und vernichteten einige Magazine.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Wien, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 3. Oktober 1915.

Russischer Kriegsschauplatz.

erfolglosen und verlustreichen Angriffe, die er tags vorher unternommen hatte, das Westufer des unteren Kormin⸗ baches. Sonst im Nordosten bei unveränderter Lage keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Gestern vor Tagesanbruch gruppierten sich die Italiener zu einem größeren Angriff auf den Nordwestabschnitt der Hochfläche von Doberdo. Unsere Artillerie überfiel die Angriffstruppen mit Feuer und zersprengte sie größtenteils. So endete die feindliche Unternehmung mit einem Vorstoß eines Bataillons läugs der Straße Sdraussina San Martino. Dieser Vorstoß und ein ähnlicher gegen mittag angesetzter Angriff wurden abgewiesen. Ebenso scheiterten Versuche des Gegners, östlich von Redipuglia vorzu⸗ gehen. Gewisse Bewegungen hinter der feindlichen Front und der lebhafte Verkehr auf den venezianischen Eisenbahnen sind unserer Beobachtung nicht entgangen. An dem übrigen Teil der Südwestfront hat sich nichts von Belang ereignet.

Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

***

Aus dem russischen Ministerrat.

Kopenhagen, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)Ber⸗ lingske Tidende meldet aus Petersburg: Ueber die Verhandlungen des Ministerrates im Hauptquar⸗ tier verlautet, daß zuerst eine Reihe wichtiger Fragen von aktuellem Interesse verhandelt wurden. Besonders wurden Maßregeln für die Zusammenarbeit der Zivil- und Militär⸗ behörden mitgeteilt, die Räumung bedrohter Gebiete be sprochen und endlich Mitteilung von den Beschlüssen des Kongresses in Warschau gemacht, infolge deren der Zar den Empfang einer Deputation dieses Kongresses ablehnte. For⸗ derungen von Veränderungen im Ministerium und über die Einberufung der Duma vor einem bestimmten Zeitpunkt wurden nicht verhandelt, um nicht den Eindruck zu erwecken, als ob Spaltungen innerhalb des Ministeriums beständen. Im übrigen erstattete Sasonow Bericht über die aus⸗ wärtige Lage, besonders über Bulgarien. Die Mehrheit des Ministeriums war sich darüber einig, daß energische Maßregeln gegen Bulgarien not⸗ wendig seien, und daß man nicht davor zurück- schrecken solle, Bulgarien ein Ultimatum zu stellen. Nach ihrer Rückkehr hatten die Minister eine lange Konferenz bei Kriwoschein.

Die Rüstungen derEntentd.

Berlin, 4. Okt. Nach demBerliner Tageblatt sei, italie⸗ nischen Blättern zufolge, die Aus schiffung der Entente⸗ truppen in Zusammenhang mit der Balkanaktton bereits im Gange. Die hierzu nötigen Truppen werden dem Darda⸗ nellenheere entnommen. Nach derTribung hätte die Ausschiffung in einem griechischen Hafen begonnen; auch ständen russische Landtruppen in Varna und Buras bevor, während in Sebastopol und Odessa ausgedehnte militärische Vorbereitungen getroffen würden.

Genf, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Sprache der fran⸗ zösischen Presse gegenüber Bulgarien ist äußerst scharf. Die Presse erklärt, Bulgarien könnte sich nur durch einen Angriff gegen die Türkei mit dem Vierverbande einigen. Da dieser Angriff unmöglich sei, so müsse Bulgarien logischerweise als Feind betrachtet werden. Man könne es mit Befriedigung, feststellen, daß sich die Vierverbandsmächte über ein Vorgehen auf dem Balkan verständigt hätten, Maßnahmen bereits in Ausfüh⸗ rung begriffen seien und die Möglichkeit der Entsendung eines Erpeditionskorps greifbare Form annehme. Man dürfe erwarten, Griechenland keine Einwendung erheben werde. Die Presse schmeichelt besonders König Konstantin, hebt dessen militärische Eigenschaften hervor und erklärt, die letzten Ereignisse in, Bulgarien müßten ihn über die Absichten Deutschlands aufge⸗ klärt haben, denn es bestehe kein Zweifel, daß Bulgarien auch An⸗ e e. gegen Griechenland habe. Die Presse versucht, diese

ehauptung nicht zu begründen. Es genügt ihr, auf die Ereignisse des Jahres 1913 hinzuweisen. Die Blätter betonen, daß selbst, wenn Bulgarien einen Angriff nicht ausführt, Truppen der Alliierten in Mazedonien gelandet werden müßten, um die Ordnung aufrecht zu erhalten.

Paris, 3. Okt.(WBB Nichtamtlich.) DerTemps meldet, das Erscheinen französischer Truppen in Mazedo⸗ nien stehe unmittelbar bevor. Die Nachricht ihrer Landung in Salonik werde binnen kurzer Zeit erwartet.

Sofia, 2. Okt.(WI. Nichtamtlich.) Der hiesige vus⸗ sische Gesandte Sawinski ist an Blinddarmentzündung 255 erkrankt.

Paris, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) DemTemps zufolge haben die Erklärungen der Vertreter der Vierverbandsmächte in Sofia folgenden Wort⸗ laut: Wenn die bulgarische Mobilmachung Bulgarien Anlaß 955 sollte, eine aggressive Haltung an der Seite unserer Feinde einzunehmen, dann sind wir entschlossen, unseren Freunden auf dem Balkan jede Hilfe zu gewähren, über die wir verfügen sowie es ihnen am besten paßt, in Ueberein⸗ stimmung mit den Verbündeten und zwar ohne jede Ein⸗ schränkung und ohne jeden Vorbehalt.

Aus Bulgarien. Wien, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Südslavische

Korrespondenz meldet aus Sofia: Nach Berichten dortiger Blätter fanden vor dem österreichisch-ungarischen und dem beutfen Kon⸗

Der Feind räumte gestern, erschöpft durch die vielen So

sulat Sympathiekundgebungen statt. Gruppen von Stu⸗ denten zogen mit Fahnen in den Pausch österreichischen, un⸗ rischen und bulgarischen Farben unter Absingung patriotischer 9 durch die Ba der Stadt. Vor den Gebäuden des deutschen und österreichisch⸗ungarischen Konsulats hielten die Grup⸗ pen und brachen in vielhundertstimmige Hochrufe auf Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn aus. Vor dem serbischen Konsulat sangen sie das populäre MarschliedDer verbündete Räuber. Der Zug junger Leute wurde auf den Straßen vom Publikum lebhaft be⸗ grüßt. Die ganze Kundgebung verlief ruhig und würdevoll. Paris, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Wie derTemps aus Sofia meldet, versucht die bulgarische Regierung angeblich mit Hilfe der Mittelmäche eine Einigung mit Rumänien und Griechenland zu erzielen. Regierungskreise versicherten, daß die Unterhandlungen demnächst zu einem pf führen würden. Aber die Opposition vertrete die Ansicht, da die Unter⸗ handlungen ergebnislos bleiben müßten, da sich Rumänien und Griechenland offensichtlich auf die Seite des Vierverbandes ge⸗

stellt hätten. f

Sofia, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) 5000 Maze⸗ donier, die zum Eintritt in das ferbische Heer gepreß! worden wären, überschritten in den letzten Tagen an verschiedenen Stellen die Grenze, um in die bulgarische Armee einzutreten. Auch aus dem griechischen Heer ist eine Anzahl von Mazedoniern nach Bulgarien entwichen. Etwa hundert serbische

daten mit zwei Offizieren sind nach Bulgarien geflüchtet, wo sie entwaffnet worden sind. Nach ihren Schilderungen herrscht im serbischen Heere große Entmutigung.

Sofia, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Den Blättern zu⸗ folge mehren sich in der letzten Zeit die Verfolgungen der serbischen Behörden gegen die bulgarische Be⸗ völkerung Mazedoniens. Die Nachrichten erregen hier eine wach⸗ sende Erbitterung gegen Serbien.

Sofia, 3. Okt.(WTB Nichtamtlich.) Meldung der Agence Bulgare. Wie gemeldet wird, wird die Regierung unverzüglich eine Antwort auf die letzte Note des Vier⸗ verbandes erteilen. i

Aus Rumänien.

Bukarest, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Zu der unter Lei⸗ tung von Filipescu gebildeten neuen politischen Ver⸗ einigung zur Verwirklichung des nationalen Ideals eines Groß⸗ Rumäniens nimmt der offiziöseVittoru l lung, indem er in scharfer Weise dem Versuche entgegentritt, die Geister zu verwirren und eine Atmosphäre zu schaffen, die für Unternehmungen jeder Art günstig sei. Das Blatt erklärt, das ru⸗ mänische Volk sei viel zu reif und die Bande zwischen ihm und der Dynastie seien derart unlösbar, daß alle Versuche, sie zu lockern, nur das Ergebnis hätten, die Beziehungen zwischen Thron und Land nur noch fester zu gestalten. Die Ankündigung desAde⸗ verul von der Gründung einer neuen großen Partei der natio⸗ nalen Einigung, die den König in seiner Stellung bedrohe, wenn er nicht eines Sinnes mit den Aktionisten sein sollte, lege den unaussprechlich possenhaften Charakter der neuen Vereinigung bloß, deren eigentliches Ziel mit der aus⸗ wärtigen Politik nichts zu tun habe, sondern die lediglich den Sturz der gegenwärtigen Regierung wolle und deren Ersetzung durch eine nationale Regierung im Sinne der parlamen arischen Liga.

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Die ergebnislose Offensive der Feinde im Westen.

Berlin, 4. Okt. Zu der ergebnislosen Offen⸗ sive im Westen gibt Karl Rosner aus dem Kriegspresse⸗ quartier imBerliner Lokalanzeiger das folgende Bild: Die Offensive der Engländer, die gleichzeitig mit jener der Fran⸗ zosen mit gewaltiger Feuervorbereitung eingesetzt hatte, ist am 25. September zum Stillstand gekommen. Obwohl die Engländer sich in großer Uebermacht befanden, haben sie einen größeren Angriff seit diefem Tage nicht mehr gewagt. Int Osten von Ypern sind die Deutschen zur Offensive geschritten. Es gelang ihnen, den Engländern furchtbare Verluste beizubringen. Der Vorteil, den die Engländer bei Loos erzielt hatten, wird ihnen in täglichen Kämpfen schrittweise wieder entrissen. Die Verluste der Engländer waren bei den Kämpfen der vergan⸗ genen Woche derart ungeheuer, daß neue Angriffe von ihrer Seite in der nächsten Zeit kaum zu erwarten sein dürften. Auf der Front zwischen Reims und den Argonnen blieb der Haupt⸗ plan des Feindes, unsere Stellung hier zu durchbrechen, er⸗ folglos und der Ansturm wurde durch die wunderbare Tapferkeit unserer Truppen, durch das rechtzeitige Einsetzen unserer Re⸗ serven und das Zusammenarbeiten der ganzen Kriegsmaschine abgeschlagen. Es wurden jetzt mehrfach starke Schanzarbeiten der Franzosen bemerkt. Es bleibt fraglich, ob und wann der Feind einen neuen Vorstoß in breiter Front versuchen wird.

Mar Us born berichtet in den von ihm bedienten Blättern vom 3. Oktober: Heute, eine runde Woche nach Beginn der großen Champagneschlacht, kann man sagen, daß der völlige Mißerfolg des feindlichen Hauptplanes besiegelt ist. Gleich⸗ wohl dauern die französischen Teilangriffe fort. Sie werden stets durch schwere Artillerie und Wurfminen eingeleitet und in gewohnter Weise durch mächtige Vorstöße von Infanteriemassen in mehreren Wellen hintereinander ausgeführt. Sie sind ver⸗ hältnismäßig auf kleine Strecken beschränkt, waren bisher aber er⸗ folglos und haben das Bild der Lage in keinem Punkte ver⸗ schoben. Unsere Verluste sind gewiß groß und schmerzlich bei Offizieren und Mannschaften. Die heldenhafte Entschlossenheit unserer Truppen ist aber in diesen Tagen gewachsen. Was auch kommt, wir sind gerüstet!

Die englischen Verluste.

London, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Verlust⸗ liste vom 30. September weist 26 Offiziere und 1885 Mann auf, die vom 1. Oktober 28 Offiziere und 1197 Mann, die vom 2. Oktober 41 Offiziere und 1706 Mann. DieTimes vom 30. September bis 2. Oktober teilt außerdem noch den Tod von 115 Offizieren mit. 5

Der russische Finanzminister in Paris.

Paris, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung det Ag. Havas. Der russische Finanzminister Bark ist gestern abend aus London in Paris eingetroffen.

Der Kampf um die Wehrpflicht in England.

London, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Das Bureau Reuter meldet aus Sidney: Eine Arbeiterorgani⸗ sation, die 100 000 Gewer kschaftler vertritt, hat beschlossen, jede Form der Dienstpflicht zu bekämpfen, die nicht zuerst auf das Kapital Anwendung findet.

Aus dem englischen Unterhaus.

London, 3. Okt(WTS. Nichtamtlich.) Im Unter⸗ hause erklärte Asquith gestern, daß das Kabinett einstrmmig der Ueberzeugung gewesen sei, daß Einfuhrzölle nötig seien. Die Vermutung, daß die konservativen Mitglieder des Kabinetts die Einführung von Einfuhrzöllen vorgeschlagen hätten, ser grund⸗ los. Nach dieser Erklä wurde die. gegen die Zölle aufgegeben. Die Abstimmung über die Einfuhrzölle auf Automobile ergab 174 Stimmen dafür und 8 dagegen.

London, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Verspätet eingetrof⸗ fen. Das Unterhaus ist bis zum 20. Oktober vertagt we den, um Me Kenna Zeit zu geben, die Finanzbill fertigzuste