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Nr. 235
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Montag, 4. Oltober 105
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Ein russisches Ultimatum an Bulgarien.
Petersburg, 3. Oktober.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der russische Gesandte in Sofia hat den Auftrag erhalten, Bulgarien
zu verlassen, wenn die bulgarische Regierung icht binnen 24 Stunden ihre Be abbreche und nicht unverzüglich die Offiziere entferne,
im Kriege befinden.
(TB.) Großes Hauptauartier, 2. Okt.(Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Die Engländer suchten heute nacht das ihnen in den Kämpfen der letzten Tage wieder abgenommene Gelände nördlich von Loos im Gegenangriff zurückzuerobern. De Versuch scheiterte unter schweren, blutigen Verlusten für den Feind. f
Französische Angriffe südwestlich Angres, östlich Souchez, sowie nördlich Neuville wurden abgeschlagen.
Die Anzabl der Gefangenen, die unsere Truppen in diesem englisch⸗französischen Angriffs⸗Abschnitt bisher machten, ist auf 106 Offiziere, 3642 Mann gestiegen. Die Beutt au Maschinengewehren beträgt 26.
In der Champagne griffen die Franzosen mittags östlich Auberive in breiter Front an. Der Augriff mißglückte. Nur an einer Stelle drang der Feind in unsere Stellung ein. Badische Leibgrenadiere gingen zum 8 vor und nahmen einen Offizier, 70 Mann gefangen; der Rest des ein⸗ gedrungenen Feindes siel.
Französische Angriffe nördlich Le Mesnil und nord⸗ westlich Ville⸗sur⸗Tourbe wurden abgewiesen. Bei der Ab⸗ wehr der Augriffe während der letzten Tage zeichnete sich nordöstlich von Le Mesnil besonders das Reserve⸗Regi ment 29 aus.
Die Gesamtzahl der Gefangenen und die Beute aus den Kämpfen nördlich von Arras und in der Champagne er⸗ reichte gestern die 2 5 Gift
5 zieren,
10721 Mann, 35 Maschinengewehren.
Der Bombenabwurf eines von Paris zum Angriff auf Laon anfgestiegenen Fluggeschwaders hatte den Tod einer Frau und eines Kindes und die schwere b eines Bürgers der Stadt als Erfolg. Unsere Abwehrkanonen schossen ein Flugzeug südlich Laon ab, dessen Insassen gefangen
enommen wurden. Ein anderes feindliches Flugzeug stürzte tennend über Soissons ab.. 5 Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls
i von Hindenburg. 85
Nördlich von Postawy find Kavalleriegefechte im Gange. Siüdlich des Narocz⸗Sees bei Spiagla und östlich von Wischnew wurden russische Vorstöße abgewiesen. Von stär⸗ keren Angriffen nahm der Feind nach den verlustreichen Fehl⸗ schlägen des 30. September Abstand.
Unsere Truppen haben gestern bei Smorgon drei Offi⸗ ziere, 1100 Mann zu Gefangenen gemacht und drei Maschinen⸗ gewehre erbeutet.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Vor der Front der Heeresgruppe herrscht im allgemeinen Ruhe. Auch hier verzichtete der Gegner auf dit Fortführung seiner Angriffe. Vor unseren Linien liegen viele Gefallene des Feindes.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls l von Mackensen. Nichts Neues.
Heeresgruppe des Generals b. Linsingen. Die feindlichen Stellungen bei Czeruysz(am Kor⸗ min) wurden von unseren Truppen erstürmt. Der Feind wurde nach Norden geworfen. Er ließ 1300 Gefangene in uuseren Händen. An anderen Stellen der Front wurden weitere 1100 Ge⸗ fangene gemacht.
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Bei der Armee des Generals Grafen Bothmer hatten die Russen in der Nacht vom 29. zum 30. September einen Durchbruchsversuch westlich Tarnopol unternommen. Der Versuch scheiterte völlig unter sehr erheblichen Ver⸗ lusten für den Gegner. Von nur einer unserer Divisionen sind bisher 1168 Russen bestattet, 400 bis 500 liegen noch vor der Front. Zahlreiche Gewehre wurden erbeutet.
5 Oberste Heeresleitung.
(WT B.) Großes Hauptquartier, 3. Oktober. (Amtlich.) 5 g Westlicher Kriegsschauplatz.
Feindliche Monitore richteten nachmittags ein wirkungsloses Feuer auf die Gegend von Westende⸗Bad. Abermalige Bersuche der Engländer, während
der Nacht nördlich von Loos verborenes Gelände wie⸗ derzugewinnen, mißglückten vollständig. Mit schwe⸗ Verlusten nach stellenweise erbitterten Nahkümpfen gab seine Angriffe auf.
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Oestlich von Souchezmißlang ein französi⸗ scher Vorstoß trotz Einsatzes 18 erheblichen Menge von Gasgranaten. Ein feindlicher Angriffsversuch aus Neu⸗ ville heraus gegen die Höhenstellungen östlich wurde mit starken Verlusten für den Feind abgeschlagen. Im nächt⸗ lichen dem Angriff folgenden Handgranatenkampf ging uns ein 40 Meter langes Grabenstück verloren.
Die Franzosen haben gestern die Infanterie ⸗An⸗ griffeinder Champagne nicht wiederholt. Das feind⸗ liche Artilleriefeuer hielt in wechselnder Stärke an. Nörd⸗ lich von Le Mesnil wurde der Feind aus einem gegen unsere Stellungen vorspringenden Graben hinausgeworfen, wobei er erhebliche Einbuße auch an Gefange⸗ nen hatte. Im Handgranatenkampf um die Stellung nord⸗ westlich von Ville⸗sur⸗Tourbe behielten wir die Oberhand. 6
Der Feind wiederholte seine Fliegerang riffe auf Laon und Vouziers; in beiden Orten fielen wieder mehrere Zivilpersonen den Bombenwürfen zum Opfer.
In der Gegend von Rethel wurde das franzoösische Luftschiff Alsace“ zur Landung gezwungen, die Besatzung ist gefangen genommen.
Heute 8 Uhr 30 vormittags wurden auf die neutrale Stadt Luremburg von französischen Fliegern Bom⸗ ben geworfen. Es sind zwei luxemburgische Soldaten, ein Arbeiter und ein Ladenmädchen verletzt.
Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.
In den Kavalleriekämpfen südlich von Kos ja ny 3925 der Gegner über die Miadsjolka zukückge⸗
orfen.
m übrigen nichts von Bedeutung.
Bei den Heeresgruppen der Generalfeldmarschalle Prinz Leopold von Bayern und von Mackensen ist die Lage unverändert.
Heeresgruppe des Generals v. Linsingen.
Nach der Niederlage bei Czernycz und dem Scheitern aller russischen Angriffe gegen die Front nördlich dieses
Ortes haben die Russen das westliche Korminufer bis
1 9 8 Postierungen an einzelnen Uebergängen preis⸗ gegeben.
Die Zahl der von deutschen Truppen gemachten Ge⸗ fangenen hat sich auf 2400 erhöht.
Oberste Heeresleitung.
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Seit einiger Zeit ist der Obersten Heeresleitung folgen⸗ der Befehl des französischen Generals Joffre bekannt:
„Großes Hauptquartier der Westarmee. Generalstab 3. Bureau Nr. 8. 565 14. September 1915. Geheim! An die Kommandierenden Generäle! 8 33
Der Geist der Truppen und ihr Opfermut bilden die wichtigste Bedingung der Angriffe. Der französische Soldat schlägt sich umso tapferer, je besser er die Wichtigkeit der Angriffshandlungen be⸗ greift, an denen er beteiligt ist und je mehr er Vertrauen hat zu den von den Führern getroffenen Maßnahmen. Es ist des⸗ halb notwendig, daß die Offiziere aller Grade von heute an ihre Untergebenen über die günstigen Bedingungen auf⸗ klären, unter denen der nächste Angriff der französischen Streit⸗ kräfte vor sich geht. Folgende Punkte müssen allen bekannt sein:
1. Auf dem französischen Kriegsschauplatz zum Angriff zu schreiten, ist für uns eine Notwendigkeit, um die Deut⸗ schen aus Frankreich zu verjagen. Wir werden sowohl unsere seit 12 Monaten untexjochten Volksgenossen befreien, als auch dem Feind den wertvollen Besitz unserer besetzten Gebiete entreißen. Außerdem wird ein glänzender Sieg über die Deutschen die nme u⸗ tralen Völker bestimmen, sich zu unseren Gunsten zu ent⸗ scheiden und den Feind zwingen, sein Vorgehen gegen die russische Armee zu verlangsamen, um unserem Angrif entgegenzutreten.
2. Alles ist geschehen, daß dieser Angriff mit erheblichen Kräften und gewaltigen materiellen Mitteln unternommen werden kann. Der ohne Unterbrechung gesteigerte Wert der Verteidi⸗ gungseinrichtungen in erster Linie, die immer größere Verwendung von Territorialtruppen an der Front, die Vermehrung der nach Frankreich gesandten englischen Streitkräfte, haben dem Ober⸗ befehlshaber erlaubt, eine große Zahl von Divisionen aus der Front herauszuziehen und für den Angriff bereit zu halten, der in Stärke der mehrerer Armeen gleichlommt. Diese Streit- kräfte ebenso wie die in der Front gehaltenen verfügen über neue und vollständige Kriegsmittel. Die Zahl der Maschin e n⸗ gewehre ist mehr als verdoppelt. Die Feldkanonen, die nach Maßgabe ihrer Abnutzung durch neue Kanonen ersetzt wor⸗ den sind, verfügen über einen bedeutenden Munitionsvor⸗ rat. Die Kraftwagenkolonnen sind vermehrt worden, sowohl zur Verpflegung, als zur Truppenverschiebung. Die schwere Artillerie, das wichtigste Angriffsmittel, war Gegenstand erheblicher Anstrengungen. Eine beträchtliche Menge Batterien schweren Kalibers ist mit Rücksicht auf die nächsten Angriffshandlungen vereinigt und vorbereitet worden. Der für jedes Geschütz vorgesehene Munitionssatz übertrifft den bisher jemals festgestellten größten Verbrauch. 5
.Der gegenwärtige Zeitpunkt ist für einen allge⸗ meinen Angriff besondes günstig. Einerseits haben die Kit⸗ chener⸗Armeen ihre, e Frankreich be⸗ endet, andererseits haben die Deuts noch im letzten Monat
ziehungen zu den Feinden der flawischen Sache die den Armeen der Staaten angehören, die sich mit den Enteute⸗Mächten
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von unferer Front Kräfte Poeggczogen, um sie an der russischen Front zu verwenden. Die Deutschen haben nur sehr dürftige Re⸗ serven hinter der dünnen Linie ihrer Grabenstellung.
4. Der Angriff soll ein allgemeiner sein; er wird aus mehreren großen gleichzeitigen Angriffen bestehen, die auf einer sehr großen Front vor sich gehen sollen. Die englischen Truppen werden mit bedeutenden Kräften daran teilnehmen und auch die belgischen Truppen werden sich an den Angriffs⸗ handlungen beteiligen. Sobald der Feins erschüttert sein wird, erden die Truppen an den bis dahin untätig gehaltenen Teilen der Front ihrerseits angreifen, um die Unordnung zu pervollstän⸗ digen und ihn zur Auflösung zu bringen. Es wird sich für alle Truppen, die angreifen, nicht nur darum handeln, die ersten feind⸗ lichen Gräben wegzunehmen, sondern ohne Ruhe Tag und Nacht durchzustoßen über die zweite und dritte Linie bis ins freie Gelände. Die ganze Kavallerie wird an diesen Angriffen teilnehmen, um den Erfolg mit weitem Abstand vor der Infanterie auszunutzen. Die Gleichseitigteit der Angriffe, ihre Wucht und Ausdehnung, werden den Feind hindern, seine Infanterie⸗ und Artilleriereserven auf einem Punkte zu versammeln, wie er es im Norden von Arras tun konnte. Diese Umstände sichern den Erfolg..
Die Bekanntgabe dieser Mitteilung an die Truppen werd nicht verfehlen, den Geist der Truppen zu der Höhe der Opfer zu erheben,
die Mitteilung mit Klugheit und Ueberzeugung geschieht. 5(gez.) J. Joffre.“
Hierzu gab ein französischer Regimentskom⸗ mandeur folgenden Zusatz:
Diesen Befehl bringt der Oberst zur Kenntnis der Batafllons⸗ kommandeure und N und bittet Sie, während des Dienstes in den Gräben und im Lager jede Gelegenheit zu benutzen, um den Leuten begreiflich zu machen, daß die von ihnen geforderte Anstrengung derartige Folgen haben kann, daß der Frieg binnen kurzem mit einem Schlage zu Ende ist. Alle müssen bei dem beabsichtigten Angriff diejenige Kraft, Energie und Tapferkeit einsetzen, die nötig sind, um ein so großes Ergebnis zu erreichen. Wir müssen die deutschen Linien durchbrechen und dazu vorwärts gehen, trotz allem.
Der Befehl des Generals Joffre wird in interessanter Weise durch nachstehende Aeußerung der Kommandeure der englischen Gardedivision ergänzt, die am 25. September in deutsche Hände fiel:
Divisionsbefehl der Gardedivision.
Am Vorabend der größten Schlacht aller Zeiten wünscht der Kommandeur der Gardedivision seinen Truppen viel Glück. Er hat den anfeuernden Worten des Kommandierenden Generals von heute morgen nichts hinzuzurfügen, es möchte sich aber jeder⸗ mann zwei Dinge vor Augen halten: 1. daß von dem Ausgang dieser Schlacht das Schicksal kommender englischer Diviftonen abhängt, 2. daß von der Gardedivision Großes erwartet wird.
Als Gardist von über 30 Jahren weiß er, daß er niches mehr hinzuzufügen braucht Gez.: Lord Cauen.
Aus diesen beiden Dokumenten geht zunächst hervor, wie schmählich man die Oeffentlichkeit täuscht, wenn ihr nach dem Fehlschlagen der am 25. September unternomme⸗ men Angriffe immer wieder versichert wird, der in der Vor⸗ bewegung eingetretene Stillstand lag von vornherein in der Absicht der verbündeten englischen und französischen Heeresleitungen, aber die Befehle gestatten auch noch andere Feststellungen. Zweck der Angriffe war, die Deutschen aus Frankreich zu vertreiben, das Ergebnis dagegen, daß die deutschen Truppen auf der etwa 840 Kilometer langen Front an einer Stelle in 23 Kilometer, an einer anderen, und an dieser nicht durch die soldatischen Leistungen des englischen Angreifers, sondern durch die gelungene Ueber⸗ 1 mit einem Gegenangriff, in 12 Kilometer Breite auf der vordersten Linie ihres Verteidigungssystems in die weite, die nicht die letzte ist, gedrückt wurde. Nach vor⸗ sichtigster Berechnung betragen die E Ver⸗ luste an Toten, Verwundeken und Gefange⸗ nen mindestens hundertdreißigtausend (130 000), die englischen sechzigtausend(60 000), die deutschen nochmicht ein Fünftel dieser Zahl. Ob die Gegner hiernach noch Aussicht haben, ihr Endziel zu erreichen, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls können solche örtlichen Erfolge, erkämpft durch den Einsatz sechs⸗ bis siebenfacher z. Ueberlegenheit und vorbe⸗ reitet durch vielmonatige Arbeit der Kriegsmaterialfabriken der halben Welt, einschließlich Amerikas, nicht ein„glän⸗ zender Sieg“ genannt werden. Noch weniger ist davon zu reden, daß der Angriff uns gezwungen hätte, irgend etwas zu tun, was nicht in unserem Plane lag, im besonderen unser Vorgehen gegen die russische Armee nach ihm zu richten, abgesehen davon, daß eine zum Abtransport bestimmte Division beim Einsetzen der Offensive auf dem westlichen Kriegsschauplatz angehalten und dafür eine im Antransport hierher befindliche andere Division nach dem Bestimmungsort der ersten gelenkt wurde, hat der An⸗ griff die Oberste Heeresleitung nicht ver⸗ anlaßt, auch nur einen einzigen Mann anders
u verwenden, wie es seit langer Zeit be⸗ im mtwar. Andererseits ist der Angriff weder ohne Ruhe Tag und Nacht fortgeführt worden, noch gelangte er bisher an irgendeiner Stelle über unsere zweite Linie hinaus, noch hat er uns verhindert, unsere Reserven genau so sicher und wirksam zu verschieben, wie wir es bei der Mai⸗-Offensive. nördlich Arras tun konnten.
Oberste Heeres leitung.
monatl. 75 Pi. durch
die von ihr gefordert werden. Es ist daher unbedingt nötig, daß 1
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