Ausgabe 
(4.10.1915) 233. Erstes Blatt
Seite
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London in Duutelheit.

f London, 3. Okt.(WSB. Nichtamtlich) Gestern abend sind neue Bestimmungen über die Beleuchtung von London in Kraft getreten. Die Straßen waren belebt wie gewöhnlich. Aber die Blätter betonen, daß den Fußgängern ernste Gefahr von Kraftwagen und Autobussen drohe.Daily News schreiben, die Londoner müßten sich jetzt mehr auf ihr Gehör als auf ihr Gesicht ver⸗ lassen, um die Entfernung herankommender Wagen abzu⸗ schätzen. London zeige ein neues Bild voller geisterhafter lachthüber Dunkelheit brüte auf allen Straßen, Plätzen und Gassen. Die Kraftomnibusse müßten auf bestimmten Straßen alle Lichter löschen. In den Eisenbahnwagen. müßten die Vorhänge herabgelassen werden.Daily Mail meint, daß man seinen Weg durch die Straßen ebenso schwer 1 wie in einer Nebelnacht im Dezember. Man erkennt ie Gebäude nicht und konnte sich in den gewohntesten Straßen nicht zurechtfinden. DieTimes meint, die Zeppe⸗ line würden jetzt keine dunklen Stellen mehr sehen, nach denen sie sich richten könnten.

Holländische Butter. Haag, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Vom 3. Oktober bis 10. Oktober dürfen 60 Prozent der Buttererzeu⸗ gung ausgeführt werden. 5

J Von der schweizerischen Grenze.

Genf, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die schweizerische Grenze ist für den Personen⸗ und den Postverkehr wieder geöffnet.

Der Krieg in Südwestafrika.

London, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) DerDaily Telegraph meldet aus Johannesburg, daß die auf⸗ ständischen Eingeborenen im Süden von Angola völlig unterworfen seien.

Das Reutersche Bureau meldet: Die britischen und die portugiesischen Behörden unternahmen gemeinsame Schritte, um die Ordnung an den Grenzen von Angola herzu⸗ stellen. Die zwischen den Grenzlinien liegende Zone, die Deutschland und Portugal beanspruchen, wird als neutral betrachtet und gemeinsam von der portugiesischen und der südafrikanischen Regierung verwaltet werden.

Der Seekrieg.

Zwei englische Monitore durch Bombenwürfe

beschädigt.

Berlin, 3. Oktober.(WTB. Amtlich.) Am 2. Oktober sind zwei englische Monitore vor La Panne durch Bomben- wür fe unserer Wasserflugzeuge beschädigt worden.

5 Der Chef des Admiralstabes der Marine.

Die heimtückische Kampfesart Englands.

New Pork, 3. Okt.(WTB Nichtamtlich.) Der aus Eng⸗ land zurückgekehrte amerikanische Tierarzt Banke berichtet, daß ein britisches Wachtschiff unter amerikanischer Flagge sich einem deutschen U⸗Boot genähert habe, und als es herangekommen gewesen sei, das Sternenbanner nieder⸗

eholt und die brittische Flagge gehißt und das U⸗Boot be⸗ scho en und 55 Sinken gebracht habe. Banke, der den Angriff von Bord des von dem U-Boot angegriffenen und beschossenen ViehdampfersNicosan mit ansah, sagt ferner, den Offizieren und Mannschaften des Wachtschiffes, auf das die Be⸗ satzung desNicosan übergegangen war, sei strengstes Stillschwei⸗ 5 anbefohlenIn einem Privatbriefe, der in ameri⸗

ischen Blättern veröffentlicht worden ist, teilt Banke mit, daß die Briten rücksichtslos auf die im Waßser schwimmenden und auf dieNicosan gekletterten 1 Matrosengeschossen hätten.(Anmerkung: Die Nachricht bezieht sich auf denselben Vorfall, über den die deutsche Presse am 8. September auf Grund von Mitteilungen aus London eingetroffener Amerikaner berichtete. Das deutsche Unterseeboot, um das es sich handelt, kann nur das am 6. September amtlich als verloren gegangen gemeldete U-BootU 27 sein. 1

Christiansand, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der LeichterFlorida, der mit Grubenholz von Christianig nach Hul! 7 0 und von einem Dampfer begleitet war, ist süd⸗ westlich vom Kap Lindesnäs von einem deutschen Untersee⸗ boot in Brand gesteckt worden. Die Besatzung wurde von 5 8 in W e N 15

e aus wurden noch zwei e nen rzeuge gesehen.

e 3. Oktober.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer amtlichen Meldung sind in der Woche, die mit dem 29. September endigte, 1387 Dampfer in den britischen Häfen ein⸗ und aus⸗ gelaufen, sechs Dampfer von zusammen 20 727 Tonnen wurden in dieser Zeit versenkt.

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Die neuen Uniformen des heeres.

Die große Entscheidung über die künftigen Friedens⸗ umiformen des Heeres ist gefallen und bekannt gegeben. Die soeben erschienene Nummer des Armee⸗Verordnungsblattes veröf⸗ fentlicht die allerhöchsten Bestimmungen überAenderungen an den Uniformen der Offiziere und Mannschaften nebst den Aus⸗ führungsbestimmungen des Kriegsministeriums. Auf Grund der außerordentlich günstigen Erfahrungen, die in dem gegenwärtigen Kriege mit der feldgrauen Uniform gemacht worden sind, ist die Einführung des Feldgrau auch für die Friedensuni⸗ formen beschlossen worden, wohl die durchgreifendste Aende⸗ rung in der Ausstattung unseres Heeres, die seine Geschichte auf⸗

weist, die aber außerordentlich erleichtert wird durch den Umstand, daß die große Anzahl neugebildeter Truppenteile wenigstens bei der Infanterie die Kammern völlig geleert hat und auch Bestände an Tuchen so gut wie nicht mehr vorhanden waren. Neben der Einführung der feldgrauen Friedensuniform geht eine beträcht⸗ liche Vereinfachung und Verbilligung einher. Das Grundtuch des Waffen rockes(Attila, Ulanka) und der Schirmmütze ist demnach. nd eldgrau, nur für Jäger und Schützen, Jäger zu Pferde as Reitende Feldjiägerkorps graugrün. Bei den Schirmmützen der Kürassiere, Dragoner und Husaren bleibt das bisherige Grundtuch. Es wird künftighin unterschieden zwischen dem Friedensrock, in dem der Soldat auf der Straße und im Verkehr sich zeigt, und der auch künftighin tadel⸗ los sitzen und schmuck sein soll und dem Feldrock, der Bluse, die ugleich als Arbeitsrock dient und die weit und bequem genug em muß, um das Unterziehen wollener Unterkleidung usw, zu ge⸗ 8 Der künftige Ausgehrock unseres Soldaten, der bisherige

affenrock, 17 55 zu dem feldgrauen Grundtuch die altbekannten . Besätze. Die 1 28 sein: Weiß Friedensrock: nfanterie: U

An der Bluse: Feldgrau mit weißem Vorstoß.

175 die Jäger; hellgrün.

ür die Kavallerie: e Wie bisher im Frie⸗ den, also weiß mit Vene in der Regimentsfarbe; b) Dragoner: Kornblumblau mit Vorstoß in der Regimentsfarbe; c) Husaren: Schnüre in den Regimentsfarben(bisheriger roter 3. Hufar z. B. rotweiß); d) Ulanen! Rot mit Vorstoß in der Neglmentgfer be (weißer Ulan z. B. rot mit weißem Vorstoß); e) Jäger zu Pferde: Wie bisher im Frieden, also hellgrün mit Vorstoß in der Regi⸗ mentsfarbe. b 5

ür die Feldartillerie: Rot.

Für die Fußartillerie: Goldgelb mit zwei gekreuzten

Granaten.. 5 ür die 7 5 Schwarz mit rotem Vorstoß. Für die Berkehrstruppen: Hellgrau.

ür den Train: Kaliblau(statt hellblau).

völlige Vereinheitlichung ist bei den Hosen eingetreten; ue für die ganze Armee nur noch Hosen von einem

Llterklappe wird Für die gesamte

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Der neue Mantel der Fußtruppen ist ein Mittelding wischen dem bisherigen ungefütterten, der sich als zu leicht 5 t und dem zu langen und zu schweren der berittenen Waffen. Auch der Mantel ist künftighin feldgrau, die Spiegel am Kragen sind weggefallen, die Schulterklappen sind dieselben wie an der Bluse. Mantel und Bluse haben einen vom Grundtuch abweichen⸗

den Kragen. 5 5 An 55 1 15 5 Mützen tragen künftighin auch die berittenen Waffen einen rm.

An die Stelle des Halstuches und der schwarzen Hals⸗ binde tritt eine graue Halsbinde von verbessertem Schnitt.

Das Schuhzeug der Fußtruppen bleibt, als glänzend be⸗ währt, völlig unverändert; für die berittenen Waffen wird ein schwarzer Einheits⸗Kavalleriestiefel eingeführt. Auch das Leder⸗ zeug ist künftighin einheitlich schwarz. Ferner ist für die gesamte Armee ein einheitlicher Leibriemen mit dem bisherigen Toppel⸗ schloß der Fußtruppen eingeführt. Bandelier und Kartusche für Unteroffiziere und Mannschaften sowie die Leibbinde der Ulanen sind abgeschafft. Auch die Ulanen schnallen das Koppel fortan über, nur die Husaren werden zur Schonung des Schnurbesatzes auch künftig unterschnallen. 5 1 Bei der Feldbekleidung sind die Unteroffiziertressen einheitlich für die ganze Armee durch graue Borden ersetzt. Die Nummer auf dem Helmüberzug wird künftig von allen Truppen getragen und zwar in grüner Farbe. Sämtliche Helme haben eine abnefraßere Sbitze der Tschayka einen abnehmbaren Deckel. Auch dabei haben die Erfahrungen des Krieges mitgewirkt. Wie für De.trahn und Brotocutel so wird auch fur den Tornister die graue Farbe eingeführt. 1

Die Offizierausstattung wird sich im Waffenrock, Bluse, Mantel und Hosen ganz eng der der Mannschaften anpassen und zwar muß Blusen⸗ und Manteltuch dem der Mannschaften völlig gleichen, während für die Friedensröcke ein feineres Tuch gestaktet, auch die Stickerei beibehalten ist. An der Bluse ist die Stickerei ähnlich wie bisher am Feldrock ersetzt. Für die Achselstücke sind dieselben Grundsätze wie bei den Schulterklappen durchge⸗ führt. Anstelle des nicht feldbrauchbaren blanken silbernen Achsel⸗ stücks wird im Kriege ein besonderes mattes Feldachselstück getragen. Dagegen sind die Epauletten gänzlich abgeschafft. Der zwer⸗ reihige Paletot ist durch einen einreihigen feldgrauen Mantel ersetzt, der Ueberrock und die Interimsattila werden durch die bisherige Litewka unter dem Namen Kleiner Rock ersetzt. Die Vor⸗ stöße des Kleinen Rocks und die Aufschläge sind für alle Offi⸗ ziere Ponceaurot, für alle Beamten kornblumenblau. Offiziere des Beurlaubtenstandes brauchen diesen Friedensrock nicht zu be⸗ sitzen. An die Stelle der silbernen Feldbinde tritt ein ledernes Feld⸗ koppel, die Mjutantenschärpe wird zum Feldanzug nicht mehr an⸗ 1 85 Schnürschuhe und Gamaschen der Offiziere sind fortan chwarz und dürfen auch zum Paradeanzug getragen werden. Zur Feldausstattung der Offiziere der Fußtruppen kreten Brot⸗ beutel, Feldflasche und Trinkbecher hinzu. 5

Die Ausführungsbestimmungen des Kriegsministeriums betref⸗ fen insbesondere das Auftragen der noch vorhandenen Bestände und das Zusammentragen von Stücken alter und neuer Art. Außerdem wird bestimmt, daß Offiziere Mäntel, Blusen, Reit⸗ und Stiefelhosen, sowie Brotbeutel, Feldflaschen und Trinkbecher gegen Erstattung der Selbstkosten aus Trubpenbeständen entnehmen können. Auch Tuch zu den obengenannten Bekleidungsstücken dürfen sie von den Belleidungs ämtern beziehen. f

Am Schlusse der Allerhöchsten Kabinettsorder heißt es:Ich erwarte, daß, nachdem nunmehr die Bekleidung und Ausrüstung des Heeres unter Berücksichtigung der Kriegserfahrungen neu ge⸗ regelt ist, alle von einzelnen Dienststellen erlassenen Sonder⸗ bestimmungen, erteilten Erlaubnisse und Zugeständnisse aufgehoben werden. Abweichungen von den Bestimmungen und die Einfüh⸗ rung besonderer Abzeichen bedürfen auch während des Krieges Meiner ausdrücklichen Genehmigung. a 8

Das Kriegsministerium weist dazu noch besonders auf ein⸗ zelne Stücke als vorschriftswidrig hin, so Offizierfeld⸗ mützen für Unteroffiziere und Mannschaften, Wickelgamaschen, Schnürschuhe mit Gamaschen für Unteroffiziere und Mannschaften, braune Handschuhe für Unteroffiziere und Mannschaften, Unter⸗ offiziereabzeichen in Form von Winkeln und dergleichen.

Aus Stadt und Land. Gießen, 4. Oktober 1915.

* Geh. Forstrat Wimmenauer. Der Groß⸗ herzog hat am 22. September d. J. den ordentlichen Professor der Forstwissenschaft bei der Philosophischen Fakultät der Landesuniversität, Geheimen Forstrat Dr. Karl Friedrich Wimmenauer auf sein Nachsuchen, unter An⸗ erkennung seiner langjährigen, mit Treue und Eifer ge⸗ leisteten, sehr ersprießlichen Dienste, mit Wirkung vom 1. Oktober 1915 in den Ruhest and versetzt. g

u Hriegskinderspende deutscher Frauen. Aus Anlaß des Aufrufes Ihrer Kaiserlichen und König⸗ lichen Hoheit der Frau Kronprinzessin zurKriegs⸗ kinderspende deutscher Frauen sind bei der Privatkanzlei, Potsdam, bereits viele tausend Unter⸗ stützungsgesuche eingegangen, so daß die Erledigung derselben geraume Zeit erfordern wird. Um eine möglichst schnelle Abwickelung der Geschäfte zu erzielen, haben sich sowohl der Vaterländische Frauen⸗Verein wie die weiteren sieben Landesfrauenvereine in dankenswertester Weise be⸗ reit erklärt, bei der Prüfung der Gesuche mitzuwirken. Er⸗ freulicherweise sind schon eine große Anzahl von Spenden eingegangen. Bei der beträchtlichen Zahl wirk⸗ lich Bedürftiger sind weitere erhebliche Mittel erforderlich. Jede, auch die kleinste Spende ist darum will⸗ kommen für dieses große patriotische Werk. Helft, ihr deutschen Mütter, unserer geliebten Kronprinzessin. Es handelt sich um die Zukunft unseres teueren Vaterlandes! Beiträge nimmt entgegen die Diskonto⸗Gesellschaft, Pots⸗ dam, ener Straße 34 a, für das Konto:Kriegskinder⸗ spende deutscher Frauen.

e Zuckerhaltige Futtermittel. Zuckerhaltige Futtermittel, d. h. Melasse, Futterzucker und Nachprodukte, Melassefutter, Trockenschnitzel, Melassetrockenschnitzel, Zucker⸗ schnitzel Verfahren Steffens), getrocknete Rüben(ganz oder zerschnitten) sind, worauf wiederholt hingewiesen sei, von jedem, der sie in Gewahrsam hat getrennt nach Arten und Eigentümern unter Nennung des letzteren, bis späte⸗ stens zum 5. Oktober 1915 der Bezugsvereinigung der deut⸗ schen Landwirte, Abteilung: Zuckerhaltige Futter⸗ mittel, Berlin W. 35, Potsdamer Straße 30, anzuzeigen. Anzeigepflichtig sind auch sämtliche zuckerhaltige Futtermit⸗ tel, die aus besetztem Gebiet stammen oder vor dem 26. Sep⸗ tember 1915 aus dem Auslande eingeführt sind. Ausgenom⸗ men sind lediglich diejenigen zuckerhaltigen Futtermittel, die nach dem 25. September 1915 aus dem Auslande eingeführt

oder die infolge Zuweisung der Bezugsvereinigung durch

Vermittelung der Kommunalverbände an die Verbraucher gelangt sind. 5 i * Teure Obstpreise und Faulen des Obstes auf den Straßen. Aus einem Orte in der nächsten Umgebung wird uns geschrieben:Wie überall hat es auch in unserer Gemarkung einen großen Obstsegen gegeben, der jetzt bis auf wenige Bäume bereits eingeerntet worden ist. Dadurch aber, daß manchen Leuten die nötigen Arbeitskräfte fehlen, wird vielfach das Obst als neben⸗ sächlich angesehen. So findet man, trotzdem das Obst ab⸗ erntet ist, noch recht vieles an den Bäumen vor, auch iegt noch unter manchen Obstbäumen eine sehr große Menge. So habe ich festgestellt, daß unter einem Baume ca. 40 bis 50 P feine Tafeläpfel lagen, die

rung micht aufgelesen werden darf. Nun bitte ich die

Redaktion, in ihrem Blatte folgenden. zu machen:

Man soll in den Dörfern durch Ortsschelle bekanntmachen, daß sämtliches Obst bis zu einem durch Gemeindebeschluß u bestimmenden Tage abgeerntet sein soll, widrigenfalls as Obst auf Kosten des Besitzers eingeerntet werden soll. Das noch hängen gebliebene und abgefallene Obst soll man doch durch Schulkinder sammeln und vielleicht von der Ge⸗ meinde selbst in den Gemeindebacköfen zu Dörrobst her⸗ stellen lassen oder zu sonstigen Zwecken verwenden(Honig und dergleichen) und der ärmeren Bevölkerung oder dem Roten Kreuz zur Verfügung stellen. Dadurch würde noch eine große Obstmenge zur. gewonnen werden. Die Wahrnehmung des Briefschreibers, daß durch Mangel an Arbeitskräften oder, wohl öfter noch durch Sorglosig⸗ keit, ein großer Teil der Obsternte verdirbt, wird in der einen oder anderen Form wohl schon jeder gemacht haben. Um einen Fall aus unserer eigenen Kenntnis an⸗ zuführen: An einer benachbarten nicht hessischen Landstraße sahen wir gestern zahlreiche Aepfelbäume, die anscheinend bei der Versteigerung keinen Liebhaber ge⸗ funden hatten. Während die anderen Bäume ziemlich rein abgeerntet waren, lagen unter den 55 die Aepfel so dicht, daß man buchstäblich den Boden nicht sehen konnte. Meistens waren sie schon angefault, viele zertreten und vom Fuhrwerk zermalmt. Es handelte sich um viele, viele Zentner, die verfaulten, während auf dem Markte die Obstpreise sehr wenig zum Einkauf ermutigen.

* EintatendurstigerLiebes gabenonkel. Aus Alsfeld wird uns auf Umwegen folgendes niedliche seldgraue Geschichtchen berichtet, für dessen abenteuerliche Einzelheiten wir jedoch nicht einstehen: Ein alter, ver⸗ dienter hessischer Offizier, der seines Alters wegen den jetzigen Krieg nicht mehr aktiv mitmachen kann, wollte doch wenigstens einmal sehen, wie es seinen Söhnen und Kameraden draußen im Osten erging. AlsLiebes⸗ gaben⸗Kutscher verkleidet kam er mit einer riesigen Ladung längst ersehnter Leckereien in Gestalt hessischer Wurst,leichtem Rheingauwein undbrennbarem Korn bis in die vorderste Front. Aber was war denn das? Wie sahen seine so schmucken Reiter aus? Wie die Maikäfer eingebuddelt lagen sie mit den Nasen tief im Erdboden; statt des schweren Pallasches hatten sie Infanterieflinten in den Händen und während sie abwechselnd. die Schießlöcher lugten, machten sie in ganz eigenartiger Weise Jagd aufgrimme Feinde, die auf ihnen herumkrabbelten. Das entlockte dem alten Haudegen doch ein mächtiges Pfui Deibel, Kreuzdonnerwetter! denn er war etwas anderes gewöhnt und daher mit Recht enttäuscht. Im deutsch⸗französischen Kriege, den er als flotter Reiteroffi⸗ zier mitgemacht hat, da gab es derartigeRuhépausen nicht; man kam einfach nicht aus dem Sattel und flotte Reiterlieder stiegen zum Himmel. Doch sollte der enttäuschte Alte doch noch seine Freude haben: In der Nacht gab es einen wütenden Angriff der Russen, der glänzend ab⸗ geschlagen wurde, und am nächsten Morgen war die Freude des alten Offiziers groß, er sah seine schmucken Dragoner wieder im Sattel. Das begeisterte ihn so, daß er sich ein Pferd aufgabelte und, allen Bestimmungen zuwider, in der 55 een ee mitrstt. 8 Ziviltracht sah er jedoch verdächtig genug aus, und als die tapferen Husaren ihre Verfolgung beendet hatten, fiel ihnen ein, den alten Herrn vjon ungefähr als Kosakenhetman einzufangen und als Beute einzubringen. Es gab eine hübsche Szene, als man den Liebesgabenonkel als verdäch⸗ tigen Gefangenen den Vorgesetzten vorführte. Obwohl man ihn inzwischen erkannt hatte, unterzog man ihn eines Verhörs und verdonnerte ihn alsdann sehr milde zur Her⸗ gabe der letzten Flaschen seines mitgeführten Weines. Der Tatendurst des alten Herrn ließ jedoch in den nächsten Tagen, da man größere Kämpfe erwartete, größere Schwie⸗ rigkeiten voraussehen, deshalb mußte man ihn an die un⸗ erbittlichen Bestimmungen erinnern, wonach Zivilisten nicht in die Front gehören. 1 5

Kreis Friedberg. f

s. Butzbach, 4. Okt. Der Zweigverein Butzbach der Gustav-Adolf⸗ Stiftung hielt gestern sein Jahresfest ab. In dem um 3 Uhr beginnenden Gottesdienst sangen die ver⸗ einigten Chöre Hymnen von Gluck und Mendelssohn, Pfarrer Eckhard von Groß-Steinheim hielt die Festpredigt, Pfarrer Möbus Ostheim erstattete den Jahresbericht. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Butzbach, Pfarrer Loos, sprach das Schluß wort. An die Feier schloß sich eine Kollekte zum Besten des Gustav Adolf⸗Vereins. 5

Starkenburg und Rheinhessen.

n. Offenbach, 3. Okt. Der in Gestalt des Ritters Götz von Berlichingen auf dem Aliceplatz vor dem Kriegerdenkmal er⸗ richtete Eiserne ann wurde heute vormittag feierlich ent⸗ hüllt. Vor dem Denkmal hatten Verwundete, Offiziere, Gesang⸗ und Kriegervereine, Pfadfinder und Jugendwehr Aufstellung ge⸗ nommen, die Fahnen der Vereine bildeten an beiden Flanken einen Fahnenwald, als e um 11 ¼ Uhr die Großher⸗ zogliche Familie nebst Gefolge in zwei Automobilen an⸗ kam, von den zahlreichen Anwesenden mit freudigem Hurra be⸗ grüßt. Nachdem die Kapelle und die verbündeten Gesangvereine mit Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre die Feier stimmungsvoll eröffnete, hielt Oberbürgermeister Dr. Dul lo die Fest⸗ und Weihe⸗ rede. Unter Führung von Prof. Hugo Eberhardt besichtigten der Großherzog, die Großherzogin und die beiden Prinzen den Mann aus Eisen und schlugen eigenhändig goldene Nägel ein.

Indes sangen die verbündeten Gesangvereine das br 8

Dankgebet, während die Spitzen der Behörden, der Stadt, Bataillons die ersten Nagelungen vornahmen. Um 12 Uhr fuhren die Gäste unter den Hochrufen der Festpersammlung wieder nach Darmstadt zurück. Die Stadt hatte reichen Flaggenschmuck an⸗ elegt; in den Straßen wurden durch junge Damen Nagelkarten, ostkarten, Andenken verkauft. Auch die Nagelung nahm einen sehr erfreulichen Anfang, für Schilde à 100 Mk, sind allein be⸗ reits nahezu 10 000 Mk. gelöst. Das künstleris Modell des Meter hohen Götz ist von dem Ersatzreservisten Ernst Unger von Offenbach geschaffen, und alle Arbeiten sind von Kriegs beschädigten des hiesigen hessischen Zentrallazaretts für Be⸗ rufsübungen hergestellt.

um kommen, da das Obst von der ärmeren Landbevölke⸗

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