Ausgabe 
(2.10.1915) 232. Erstes Blatt
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Duma ermächtigt worden war, dem Zaren mündlich die

Witz sche der Duma vorzutragen, hat nach einer Unterredung mit den Führern des liberalen Blocks sich entschlossen, die Eissabe schriftlich an den Zaren zu senden. Er selbstz ist auf sein Landgut abgereist.

Französische Gäste beim Zaren. Petersburg, 1. Okt.(WTB Nichtamtlich.) Gestern ist im kaiserlichen Hauptquartier eine militärische Sonderkommission mit dem Divisionsgeneral d Amade an der Spitze aus Frankreich eingetroffen. d Amade wurde am gleichen Tage vom Kaiser empfangen und zur kaiserlichen Tafel gezogen. 8

N Kuropatkin. a Petevsburg, 1. Okt.(WB. Nichtamtlich.) General Kuropatkin ist zum Chef des Grenadierkorps ernannt worden. Brotmangel in Moskau.

Moskau, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Die Mos⸗ kauer Bäcker haben eine Eingabe an den Stadthaupt⸗ mann gerichtet, wonach, wenn nicht in den allernächsten Tagen für genügende Mehlvorräte, Feuerung und Hefe Vor⸗ sorge getragen werde, die Stadt ohne Brot bleiben würde.

Die Nachmusterung der Untauglichen in Oesterreich⸗ungarn.

Budapest, 1. Oktober.(WTB. Nichtamtlich) Eine Kund⸗ machung des Landesverteidigungsministers fordert die Stel⸗ lungspflichtigen, welche in den Jahren 1873 bis 1896 geboren sind und bei früheren Musterungen für untauglich be⸗ funden wurden, zur Ersatzmusterung neuerdings auf, sich zu melden. Gleichzeitig wurde die Konskribierung der vom effek⸗ tiven Landsturmdienst befreiten Stellungspflichtigen der Jahrgänge 1873 bis 1896 angeordnet. ö

Oesterreich⸗ungarns dritte Kriegsanleihe.

Berlin, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt unter der UeberschriftDester⸗ reich⸗Ungarns dritte Kriegsanleihe. Wenige Tage

nach der Bekanntgabe des Ergebnisses der dritten deutschen Kriegs⸗ anleihe rüsten nun auch wieder die verbündeten Donaumonarchien zu einem neuen Appell an den Geldmarkt. Mit der gleichen Zu⸗ persicht, in welcher das deutsche Volk den draußen Kämpfenden die finanziellen Mittel für weiteres tatkräftiges Fortschreiten dar⸗ gebracht hat, werden auch die Daheimgebliebenen in der Nachbar⸗ monarchie dem Rufe des Vaterlandes um Bereitstellung neuer Summen folgen. Die Ergebnisse der beiden bisherigen inneren Anleihen Oesterreich⸗Ungarns haben bereits den Beweis erbracht, daß die wirtschaftliche und finanzielle Kraft der Monarchie den gewaltigen Anforderungen des Krieges gewachsen ist. Die erste Anleihe erbrachte 3306. Mill. Kronen, die zweite 3770 Millionen, so 125 insgesamt bisher über 7 Milliarden Kronen im Wege langfristiger Staatsanleihen aufgebracht worden sind, ein Er⸗ folg, wie ihn das reiche Frankreich bisher nicht zu erzielen vermochte. Alle Vorzeichen für die neue Kriegsanleihe unseres Bundesgenossen sind günstig. Die, Eisen⸗ und Kohlenindustrie die wichtigsten Gradmesser für die wirtschaftliche Kraft, erreichten die Friedensbeschäftigung zu völlig. Die großen galizischen In⸗ dustrien haben trotz monatelanger feindlicher Besetzung des Landes ihre Tätigkeit in erfreulicher Weise wieder aufgenommen. Der Einlagenbestand der Sparkassen hat sich trotz der starken Betei⸗ ligung an den beiden ersten Kriegsanleihen in überraschendem Maße erhöht. Weit in Feindesland stehen fast überall nach gewaltigen Schlachten und glänzenden Siegen die kampferprobten Truppen aller Stämme der Monarchie und sichern den ruhigen Fortgang des Handels und Wandels und damit den weiteren Sieg auch auf dem Felde der Wirtschaft und Finanzen. *

* 4 Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier berichtet: An der Front von Irak über⸗ raschten unsere vorgeschobenen fliegenden Abteilungen in der Nacht zum 26. September feindliche Streitkräfte, die unter dem Schutz von Kanonenbooten nördlich von Korna an den Ufern des Ti⸗ gris gelandet worden waren. Sie brachten ihnen schwere Ver⸗ luste bei. Am nächsten Tage machte unsere Artillerie abends einen Ueberfall. Der Feind antwortete. Die Größe der feindlichen Verluste ist unbekannt. Nichtsdestoweniger beobachteten wir, wie die Engländer eine beträchtliche Menge toter Soldaten und Pferde in . den Fluß warfen. Am 27. September ging der Feind am Morgen mit frischen, von hinten auf Kanonenbooten herbeigeführten Trup⸗ pen zur Offensive über, die die erste Abteilung verstärken sollten.

Der Kampf war heftig und dauerte bis zum Abend an. Aber diese feindliche Offensive scheiterte vollkommen dank der Ausdauer unserer vorgeschobenen Abteilungen, die drei⸗ bis viermal so starken Streitkräften gegenüber erbitterten Widerstand leisteten. Ein feindliches Flugzeug wurde durch unser Feuer beschädigt und heruntergeschossen. Außerdem setzten ö wir 25 feindliche Segelschiffe, die mit Munition und Proviant be⸗ laden waren, in Brand und nahmen eine größere Abteilung ge⸗ fangen, die sich auf einem Schiffe befand. Die Engländer benützten auch auf dieser Front Dumdumgeschosse und betäu⸗ bende Gase. 0 i Auf der kaukasischen Front wurde bei einem Zusam⸗ menstoß auf dem rechten Flügel zwischen unseren aufklärenden Kolonnen und einer feindlichen Artillerieabteilung diese gezwungen, zu fliehen. Sie ließ einen Unteroffizier und mehrere Soldaten als Gefangene in unseren Ländern zurück.

An den Dardanellen beschoß der Feind am 29. Sep⸗ tember bei Anaforta vormittags vergeblich unsere Stellungen mit Artillerie vom Lande und vom Meere aus. Unsere Ar⸗ tillerie antwortete und brachte einen feindlichen Mörser zum 5 Schweigen und zerstörte eine Maschinengewehrstellung. Bei Ari Burnu Artilleriegefecht mit Unterbrechungen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr brachte der Feind bei unserem rechten Flügel eine Mine zur Ent⸗

zündung, ohne eine Wirkung zu erzielen. **

Die Spannung der Balkanstaaten.

Bulgarien.

Sofia, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) DieAgence Bulgare meldet: Angesichts der in der, ausländischen Presse verbreiteten irrigen oder geradezu tendenziösen Be⸗ richte betr. die Lage in Bulgarien sind wir ermächtigt, alle Gerüchte betr. die Ankunft deutscher Offiziere, die die Eisenbahnverwaltung oder die Heeresleitung in die Hand nehmen sollen, betr. die angeblichen Aeußerungen des Mi⸗ nisterpräsidenten Radoslawow, nach welchen Bulgarien, so lange der Krieg dauere, von Deutschland regelmäßig fünfzig Millionen Franken jährlich erhalten werde, ferner betr. zahl⸗ reiche Verhaftungen, die angeblich vorgenommen wurden, und Unru gen, die ausgebrochen sein sollen, und dergleichen mehr, au[ das formellstezudementleren. In Sofia

befindet sich nur ein deutscher Offizier, nämlich der deutsche

Militärattache. Was die Behauptung gewisser Blätter

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Mehrheit besitze, müssen wir bemerken, daß in einem perrla⸗ mentarisch regierten Lande, wie es Bulgarien zweifellos ist, eine Regierung, die nicht von einer genügenden Mehrheit in der Sobranje unterstützt wäre, nicht im Amte verbleiben könnte. Nun hat das Kabinett Radoslawow seit mehr als zwei Jahren die Leitung der Angelegenheiten inne; seine a war niemals erschüttert. Außerdem hat die Politik, die es befolgt, für niemanden etwas Her⸗ ausforderndes. Bulgarien hat sich bisher von seiner be⸗ waffneten Neutralität nicht entfernt und man ist erstaunt, zu sehen, daß die Haltung der bulgarischen Regierung in einem Teil der ausländischen Presse angegriffen wird.

New Pork, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Der Sonder⸗ berichterstatter der Assoziated Preß drahtet aus Sofia v. 29. Sept.: Der Führer der Demokraten, Malin ow, besuchte gestern, bevor er seinen Entschluß über den Vorschlag, einen Sitz im Kabinett Radoslawow anzunehmen, saßte, den russi⸗ schen und englischen Gesandten, um sich über die wahren Absichten der Alliierten gegenüber Bulgarien zu überzeugen. Am Nach⸗ mittag des 28. September hatte Malinow eine vierstündige Audienz beim König Ferdinand. Bis jetzt ist Malinows Entschluß noch unbekannt. 5

Die Hoffnungen, daß die Balkanlage eine friedliche Lösung erhalten werde, schwinden mehr und mehr infolge der Haltung der serbischen Regierung, wie sie die serbische Presse wiederspiegelt. Der Eindruck gewinnt Raum, daß ein Zurückgehen Bulgariens für dieses Land eine Lage schaffen würde, die nach dem Kriege gefährlich werden könnte, da Serbien eine feindliche Haltung einnimmt und sich nicht gewillt zeigt, Bulgariens Forderungen auf Mazedonien anzuerkennen. Als das einzige Mittel, einem Balkankrieg vor⸗ zubeugen, erscheint die sofortige und bedingungslose Abtretung der unbestrittenen Zone Mazedoniens durch Serbien und die so⸗ fortige Besetzung dieser Zone durch Bulgarien. Gut informierte Kreise heben hervor, daß der Schlüssel der Lage nicht in Sofia, sondern in Nisch liege und daß die Vierverbandsregierungen, um die Angelegenheit zu regeln, ihre Tätigkeit dort einsetzen müssen. Gestern erklärte Radoslawow bei dem Empfang der Führer der agrarischen Parteien, daß Bulgariens Hände durch keine Verpflichtungen gegenüber irgend einer krieg⸗ führenden Partei gebunden seien und die Verhand⸗ lungen betreffend Bulgariens Forderungen auf Mazedonien fort⸗ schreiten. Der Vertreter der Associated Preß erfährt indessen, daß die Zeit, die noch für Unterhandlungen übrig bleibt, sehr kurz ist, da die bulgarische Regierung darüber im klaren ist, daß ein weiterer Aufschub ohne jede positive Aktion Bulgariens Interessen wahrscheinlich schädigen würde.

Erklärung Venizelos' in der Kammer.

Von der Schweizer Grenze, 1. Okt.(Zens. Frkft.) Aus Mailand melden die Schweizer Blätter: Die Zeitungen berichten aus Athen: In der Kammer gab Venizelos heute (am 30. Sept.) eine kurze Erklärung ab und wies auf das Ende der Ministerkrisis hin. Er erklärte, daß er mit neutralen Ab⸗ sichten die Regierung übernommen habe. Nun sei aber durch die bulgarische Mobilmachung die Lage vollständig getrübt worden. Es sei notwendig gewesen, daß der bulgarischen die griechische Mobilisation folgte. Er schloß:Radoslawow hat erklärt, daß die bulgarische Mobilmachung keinen aggressiven Zweck ver⸗ folge, weder gegen Griechenland noch gegen Serbien, sondern nur den Zweck habe, die bewaffnete Neutralität zu bewahren. Wenn dies die Absichten Bulgariens sind, so muß auch die grie⸗ chische Mobilmachung in diesem, jede aggressive Absicht aus⸗ schließenden Sinne ausgelegt werden. Das griechische Volk wird auch bei dieser Gelegenheit seine Pflicht zu erfüllen wissen. Die Regierung werde sich glücklich fühlen, wenn die Lage sich so

stalte, daß die Mobilisation wieder rückgängig gemacht werden önne. Gunaris, der Vorgänger Venizelos, schloß sich im Namen der Opposition den Erklärungen des Ministerpräsidenten an. Der Finanzminister forderte einen Kredit von 150 Millionen.

Serbien und der Vierverband.

London, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der römische Vertreter desDaily Telegraph meldet, der Vierver⸗ band habe sich verpflichtet, Serbien die in dem Bündnisvertrag mit Griechenland festgesetzte Zahl von Streitkräften zu liefern und sie in Saloniki oder 3 zu landen.

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Die englisch⸗amerikanische Anleihe.

Haag, 1. Okt.(WTB Nichtamtlich.) DerNieuwe Cou⸗ rant meldet aus London: Die Morgenblätter befassen sich aus⸗ führlich mit der amerika ni schen Anleihe. Der allgemeine Eindruck ist, daß die Amerikaner ein gutes Geschäft machen und um Prozent höhere Zinsen erhalten als die Engländer, die die Kriegsanleihe zeichneten. DieMorning Post schreibt, Eng⸗ land mußte nicht unbedingt eine Anleihe im Ausland aufnehmen und konnte, wenn es sich nur darum handelte, die Mittel für die Fortsetzung des Krieges aufzubringen, das Geld im Inlande billiger bekommen. Es handele sich mur darum, die Schwierigkeiten des Wechselkurses zu beseitigen. Es sei billiger, fünfzig Millionen Dollars in Amerika aufzunehmen, als zehn Millionen Pfund Sterling im eigenen Lande und dieses ber dem jetzigen Kurse nach Amerika zu senden. DieTimes erklärt, der Beweis der amerikanischen Sympathie sei bedeutungsvoller, als die finanzielle Transaktion. Englands Feinde würden zurzeit um keinen Preis einen derartigen Betrag in den Vereinigten Staaten erhalten.

Ne w 2 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Durch Funkspruch von dem Sonderberichterstatter des W. T. B. Entgegen anders⸗ lautenden Meldungen kann festgestellt werden, daß deut sch⸗ uli am Bankkreise öffentlich keinen Teil der englisch-französischen Anleihe übernommen haben, da bisher über⸗ 5 f nicht zur Teilnahme aufgefordert worden ist. Es gilt auch ür sehr unwahrscheinlich, daß einige leitende deutsch⸗amerikanische Häuser sich an der Anleihe beteiligen werden. Die Stimmung be⸗ züglich der Anleihe ist namentlich im Westen nicht sehr begeistert. Der Umstand, daß die Zeitungen jetzt nicht mehr von einer Tau⸗ send⸗sondern nur noch von einer Fünfhundert⸗Millionen⸗Dollar⸗ Anleihe sprechen, macht einen schlechten Eindruck. Bei der Erwä⸗ gung der Aussichten für die Anleihe ist zu bedenken, daß der Amerikaner selbst in normalen Zeiten Geld nur ungern in frem⸗ den Anleihen anlegt, daß aber die e der Alliierten hier eine Milliarde bereits übersteigt. Die Hearstschen Blät⸗ ter bekämpfen die Anleihe in seitenlangen Leit⸗ artikeln. Eine unter Mitwirkung der American-Truth⸗Society veranstaltete Versammlung von 3000 Depositengläubigern der Ban⸗ ken erhob Einspruch gegen die Anleihe, bezeichnete sie als un⸗ klug und gefährlich vom geschäftlichen und nationalen Standpunkt aus und sprach Hearst ihren Dank für seine Haltung aus. Von der Versammlung wurde ein Aus schuß eingesetzt, der die Hal⸗ tung der hiesigen Banken im Sinne der angenommenen Ent⸗ schließung beeinflussen will.

Eine italienische Finanzoperation. ö

Rom, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß, durch den der Schatzminister er⸗ mächtigt wird, Bonds mit fünfjähriger Laufzeit bis zu dem Höchstbetrag von 100 Millionen Lire auszugeben. Die Aus⸗ gabe der Bonds hat den Zweck, in der Staatskasse die für Eisenbahnbauten und Eisenbahnrückkauf vorgestreckten Summen wieder zu ergänzen..

Der Seekrieg. 0

sterium des Auswärtigen Mitteilung erhalten, in Bedauern aussprach über die Versenkung des Dampfers

anlangt, daß das Kabinett Radoslawow nicht berufen sei, die Geschicke Bulgariens zu leiten, weil es nicht die

Malmland und sich bereit erklärte, Schadenersatz für den Verlust zu leisben. b

Stockholm, 1. Oktober.(WTB Nichtamtlich) Das Mini⸗⸗ t von der Gesandtschaft in Berlin eine 10 die deutsche Regierung das]

Aus Stadt und Cand. N Gießen, 2. Oktober 1915.

Von Drinnen und Draußen. 17 Der Nebel klebte zäh und dicht in den Straßen, und zum Ueberfluß regnete es in feinem vom Himmel. Matt und unlustig mühten sich die paar Laternen, die man durch den Schleier sah, die nasse Luft zu durchdringen. Wie eine große, milchige Kugel schwamm das Licht unsicher um ihre Flamme, ohne die Straße hell machen zu können. So wars einer jener fröstelnden, verdrossenen Abende, wie sie der Herbstregen liebt. Wenig Menschen auf der Straße, alle in dem Gedanken, möglichst bald unter Dach zu kommen. Da hörte man weit hinter der Nebelwand, gerad als obs aus einer anderen Welt käme, verschwommen den Marschrhyth⸗ mus von Trommeln herübermurren. Einmal leiser, einmal lauter, und wieder lauter dann klangen die Pfeifen da⸗ zwischen und durch Nebel und des Herbst⸗ abends lams aus dem ungewissen Geriesel die Straße her⸗ auf. Bum die Pauke fiel ein, die Pfeifen hörten auf zu schrillen, Hörner und Trompeten übernahmen die Führung. Herbstabend und Soldaten zogen ins Feld. Hundertmal hat mans gesehen, wie die treuen Musikanten, die Freunde, die Mädel und wer weiß sonst dem Ersatz das Geleit zum Bahnhof geben. Aber ein ander Ding ists doch im lichten Sonnenschein, unterm sieghaften Blauhimmel als im halten Abend, wenn aus erloschenen Augen der Himmel dem ent⸗ schwundenen Sommer nachweint; wenn die W ihre

Luft den Instrumenten das Klingen verschlägt, 5 Weise trüb und gedämpft ertönt, als schluchze einer ins naß⸗ geweinte Taschentuch. Und doch winken sie und und rufen nach re und nach links, die Ausziehenden. Nun, so will ich wacker streiten... Drum Mädel weine nicht Sie wissen, was sie wollen und müssen. Blumen ni am Helm und im Lauf, der Marsch klingt vorüber, die Zu⸗ schauer drängen sich sie sind vorbei und der Nebel schlu Menschen und Töne wieder ein. So ziehn sie dahin. Na⸗ dem Osten? Nach dem Westen? In den Krieg! und schwächer wird der Trommelklang. An der horcht ein altes Mütterchen hinter dem Zuge her, dem laufen die hellen Tränen die runzeligen Wangen hinunter. habe zweitenmal ists Herbst geworden, seit wir Krieg nn i 33

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Da hat uns aus einem Schützengraben im Westen einer einen Brief geschrieben, der für oder vielmehr gegen die M-undhelden gedacht war, die fern vom die Lehr⸗ meister der Heeresleitung und die Propheten spielen. Er sei im Urlaub daheim gewesen, aber die genannten Helden und ähnliches Gelichter hätten ihm den Geschmack am Urlaub dermaßen verdorben, daß er sich jetzt im ü e 5 erst wieder als ganzer Mensch fühle. Das war, ehe im Westen die Franzosen und Engländer losschlugen, wohlgemerkt; und darum wollen wir den Brief, der von den Vorgängen inzwischen überholt ist, nicht im Wortlaut wiedergeben. Um was es sich gehandelt hat, sei aber kurz gesagt, denn es kann dem einen oder andern vielleicht nicht sch⸗ wenn er drüber nachdenkt. Unser Urlauber ist also in ein Varietee ge⸗ kommen. Da hat ein dickbäuchiger Komiker mit einem un⸗ kontrollierbaren Bändchen im Knopfloch es kann nicht schaden, wenn's einer für eine Tapferkeitsmedaille hält auf dem Podium gestanden und ein Lied gesungen, das den Kehrreim hatte: Im Osten ind das tapfre Heer Im Westen liegt die Feuerwehr. Und das Publikum hat gelacht wie über den besten Jahrmarktswitz. Unserm Urlauber aber war die Sache zu dumm;(mehr will er in seinem Brief nicht sagen) er hat gezahlt und ist gegangen. Nun, daß im Westen keine. liegt, ist inzwischen auch wohl dem lautesten Lacher von damals klar geworden. Aber es fragt sich, ob ihm und dem bändchengeschmückten Sänger auch aufgegangen ist, daß sie nicht nur eine Dummheit, sondern auch eine Frechheit begangen haben? Der Briefschreiber er⸗ zählte noch mehr Beispiele davon, wie gewisse Leute daheim noch vor ein, zwei Wochen mitleidig über den Maulwurfs⸗ krieg im Westen die Achseln gezuckt haben. Mit derJeuer⸗ wehr sei es genug. Die Nutzanwendung ist ja hinreichend klar. Sie paßt nicht nur aufs Singen, sondern auch aufs Schwätzen.

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Sie sind zu früh, sagte der kleine, dicke Herr, der eben atemlos in die Elektrische einstieg, zu dem Fahrer. Mindestens eine halbe Minute zu früh. Da rennt man f erst, um' noch mitzukommen, und jetzt steht man da, und muß auf den Gegenwagen warten. Auf den bescheidenen Einwand des Fahrers, daß es dann ja eigentlich gar keine Eile gehabt habe, wurde der Kleine noch hitziger.Was? Vorschriften wollen Sie machen? Für mein gutes Gelb kann ich eine geregelte Beförderung erwarten. Fuß tee bekommt man nicht, Auto darf man nicht fahren, nächstens ziehen sie einem noch die Schuhe aus, da kann man doch ver⸗ langen, daß wenigstens die Elektrische ordentlich funktio⸗ niert. Ohnehin schon kein Vergnügen, in dem dumpfen Kasten zu sitzen Der Fahrer dachte sich jedenfalls sein Teil, trat auf die Glocke und fuhr los. An den kleinen, dicken Herrn erinnerte mich, was ich zufällig am Nach⸗ mittag des gleichen Tages draußen vor der Stadt auf einem Feldweg sah. Da kamen langsam und still zwei Feldgraue aus irgendeinem Lazarett heran. Der eine saß in einem kleinen Selbstfahrer, wie sie die Gelähmten benutzen. Eine Decke verhüllte mitleidig, was von seinen Beinen übrig sein mochte. Der zweite ging auf Krücken. Das rechte Hosenbein leer, umgeschlagen und mit einer Nadel fest⸗ gehalten. Als wir aneinander vorüber kamen und den Tagesgruß austauschten, meinte der eine:Prachtvolles Wetter, um sich die Gegend mal anzusehen, was? Und dann sprachen sie von dem reichen Obstsegen, den sie unter wegs gesehen, von der guten Kartoffelernte, dem schönen Nachmittag aber von einem schlechten Fortkommen oder vom Autofahren kein Wort. Hätten sie nicht mehr Ur⸗ sache dazu gehabt, als der Herr von der Elektrischen 2

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