Ausgabe 
(1.10.1915) 231. Erstes Blatt
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nunmehr eine Verständigung erzielt und ein Preis verein⸗ bart worden ist, der sich für Braugerste bei einem Mittel⸗ satze von 375 um 25 Prozent, also um die in normalen, Zeiten übliche Spannung, über den Höchstpreis für Futter⸗ gerste hält, wird von beiden Seiten die bedauerliche Diffe⸗ renz als endgültig beseitigt angesehen. Die landwirtschaft⸗ lichen Vertretungen werden gebeten, nunmehr den Berufs⸗ e dringend zu empfehlen, die verfügbare Gerste zu en obigen Preisen an die Kommissionäre der G.⸗V.⸗Ges. abzugeben und keinerlei Zurückhaltung zu üben. Dies ent⸗ spricht auch dem Interesse der Gerstenbauer, die bei Fest⸗ haltung der Vorräte aus der zweiten Erntehälfte vor der Gefahr stehen, sie dem Kommunalverbande zum Höchstpreis von 300 Mark überlassen zu müssen.

München, 30. Sept.(WTB. Nichtamtl.) Das Justiz⸗ ministerium hat der Kammer der Abgeordneten, die heute mit einer vaterländischen Ansprache des Minister⸗ präsidenten Grafen v. Hertling wieder eröffnet wurde, einen Gesetzentwurf über Niederschlagung von Strafver⸗ fahren gegen Kriegsteilnehmer zugehen lassen. Der Begründung ist zu entnehmen, daß noch ein weiterer Gnadenakt in Aussicht genommen ist. Es ist ein weitgehen⸗ der Gnadenbeweis zugunsten von Kriegsteilnehmern be⸗ absichtigt, die bereits rechtskräftig verurteilt sind und dann für das Vaterland die Waffen 1 9 0 haben.

Stuttgart, 30. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Die gestern im Rathaus abgehaltene Sitzung des vorbereitenden Hilfsausschusses für Ostpreußen einigte sich nach ausgiebiger Erörterung dahin, daß man nach wie vor der notleidenden Bevölkerung in der verwüsteten Ostmark nach Kräften helfen solle. Man war einhellig der Ueberzeugung, von der Verwirklichung des vielfach im Reiche bereits zur Ausführung gebrachten Patenschaftsgedankeus aus verschiedenen praktischen Erwägungen heraus jedenfalls hier vorerst Abstand nehmen zu müssen. Man müßte auf dauernde Unterstützung eines einzelnen eng begrenzten Ge⸗ bietes vorläufig sich nicht beschränken, beabsichtigt aber, dem geschädigten Kreise Rag nit eine beträchtliche ein⸗ malige Hilfe zu verschaffen. Es wurde ein Arbeitsausschuß gewählt mit dem Staats minister a. D. Pischek als Vorsitzen⸗ den. Der Ausschuß wird sich demnächst an die Oeffentlich⸗ keit wenden. J

Aus Stadt und Cand. Gießen, 1. Oktober 1915.

Zum Stadtjubiläum.

Namens der Stadtverordnetenversammlung, hat der Oberbürgermeister an den Großherzog auf dessen Glück⸗ wunschtelegramm und die Verleihung einer Ehrenkette an die Stadt das nachstehende Danktelegramm gerichtet:

An Seine Königliche Hoheit den 17 8 5

Nachdem soeben die erwählten Vertreter der Stadt Gießen in besonderer Sitzung das Gelöbnis unwandelbarer Liebe und Treue für Eure Königliche Hoheit und das Großherzogliche Haus bekräftigt haben, gab ich der Versammlung Kenntnis von den huldvollen Worten ehrender Anerkennung, mit denen Eure Kö⸗ nigliche Hoheit am Tage der 650jährigen Zugehörigkeit Gießens zu Hessen unserer Stadt gedachten.

Eure Königliche Hoheit bittet die Stadtverordneten⸗Versamm⸗ lung, hierfür ehrerbietigen Dank entgegennehmen zu wollen. Vor allem aber bringt die Stadtverordneten-Versammlung ihren un⸗ u den Dank zum Ausdruck für die besondere Gnade, die

ure Königliche Hoheit der Stadt Gießen durch Stiftung einer

Oberbürgermeisterkette zu bekunden geruht n diesem Allerhöchsten Gnadenbeweis erfährt die Stadtvertretung neuen Ansporn, durch Förderung aller geistigen und wärtschaftlichen Kräfte in unserer Stadt dem Glück und der Wohlfahrt des Hessenlandes zu dienen.

Keller, Oberbürgermeister.

Der Rektor der Landesuniversität hat zu dem Gedenk⸗ tage folgendes Schreiben an den Oberbürgermeister gerichtet:

Hochgeehrter Herr Oberbürgermeister!

Zu dem bedeutungsvollen geschichtlichen Gedenktag am 29. Sep⸗ tember wollte ich gestern in der feierlichen Sitzung 12 Stadtver⸗ ordneten in meiner Eigenschaft als Rektor die Glückwünsche der Universttät persönlich aussprechen, wurde aber durch eine Schwur⸗ gerichtsverhandlung in Düsseldorf, von der ich erst gestern zurück⸗ kommen konnte, leider verhindert, der Sitzung beizuwohnen. Ich hatte einen Herrn vom Sekretariat der Stadt gebeten, mich im Voraus für diesen Fall zu entschuldigen, da sich die Dauer solcher Verhandlungen nie sicher voraus bestimmen läßt.

So möchte ich Ihnen heute nach meiner Rückkehr schriftlich die her zlichsten Glückwünsche der Universität zu dem Gedenktage aussprechen, der sich auf die wichtigste Voraus⸗ setzung für die ganze Entwicklung der Stadt und Universität Gießen bezieht. Diese beiden sind seitdem untrennbar mit einander verknüpft und haben in Freude und Leid im geschichtlichen Ge⸗ Gießen fest zu einander gestanden. Die Ausbildung der Stadt Gießen und die Gründung der Universität in ihr hängen eng mit der Wirksamkeit der hessischen Fürsten zusammen, so daß die jetzige Feier der Stadt gleichzeitig eine Feier der Universi⸗ tät ist. Durch Jahrhunderte hat die Stadt unsere Universität immer als einen wirklichen Bestandteil ihrer selbst, nicht nur, wie dies in anderen Universitätsstädten manchmal schei⸗ neu kann, als einen Fremdkörper betrachtet und behandelt.

In der Geschichte der Universitätsbauten und anderer Uni⸗ versitäts⸗Einrichtungen zeigt sich neben der Fürsorge des Staates auch in bedeutender Weise die tätige Anteilnahme der Stadt und gerade während meines Rektorates, das ich gleich⸗ 7715 nit dem Amt eines Stadtverordneten führen konnte, hat

ie Universität das freundliche Entgegenkommen der Stadt in reichem Maße erfahren. 8

Ich spreche daher in dankbarer Gesinnung zu dem Gedenk⸗ tage der Stadt die allerherzlichsten Glückwünsche der Universität aus und hoffe, daß die Stadt Gießen mit allen ihren Teilen, zu denen die Universstät gehört, einer weiteren kräftigen Ent⸗ wicklung im Rahmen des hessischen Staats entgegen ge en wird. 5 Der Rektor der Landesuniversität.

gez. Sommer.

Die Antwort lautete:

An

Seine Magnifizenz den Herrn Rektor der e ee

5 5 8. Für die herzlichen Wünsche, mit denen die Landes⸗Univexsität die Erinnerungsfeier der 650 jährigen Zugehörigkeit der Stadt Gießen zu Hessen begleitet hat, bitte ich, den wärmsten Dank der Stadt entgegennehmen zu wollen. Gewiß haben Universität und Stadt im Wandel der Jahrhunderte Freud und Leid mit ein⸗ ander geteilt. Wenn von so mancher bedeutsamen Seite jetzt der glücklichen Entwicklung unserer Stadt ehrend gedacht worden ist, so wissen wir, wel; hervorragenden Anteil an diesem

Gedeihen die Universität besitzt. Die Fülle des geistigen Lebens und in mannigfacher eigung auch die ne⸗irtschaft⸗ liche Blüte unserer Stadt haben ihre lebensstarken Wurzeln in der Landes⸗Universität, deren leuchtender Platz in der deutschen Geisteswelt zugleich 4 unser Stolz ist. So haben wir, wann immer wir uns der Universität tätig erwiesen haben, auch der Förderung unseres Gemeinwesens damit gedient. Die Erfüllung der der Stadt dargebrachten 1 5 Wünsche möge darum auch der Landes⸗Universität reiches Glück verheißen. 8 2 12 845

4 Oberbürgermeister.

» Ein Kriegsehrenzeichen für die Groß⸗ herzogin, Der Großherzog hat zum 17. September der Großherzogin als Präsidentin des Alice⸗Frauen⸗ vereins das gemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift Für Kriegsverdienste verliehen.

Beteiligung der hessischen Beamten an der 3. Kriegsanleihe. Die Großh. 1 hatte den Beamten die Möglichkeit gegeben, sich durch monat⸗ liche Gehaltsabzüge an der 3. Kriegsanleihe zu be⸗ teiligen. Hiervon haben 1525 Beamte mit einem Gesamt⸗ betrag von 892 900 Mk. Gebrauch gemacht.

* Weitere Beschränkung des Feldpost ver⸗ kehrs nach dem Osten. Die durch die ungünstigen Be⸗ sörderungsverhältnisse herbeigeführte Anhäufung von Postsachen auf dem östlichen Kriegsschauplatz konnte lei⸗ der noch nicht behoben werden. Im Einvernehmen mit der Heeresverwaltung wird daher das Verbot der Annahme und Beförderung privater Feldpostbriefe über 50 Gramm und Päckchen an die Truppenangehörigen der Ostarmeen bis einschließlich 5. Oktober verlängert. Hier⸗ nach 5 Sendungen werden den Absendern zurück⸗ gegeben.

* Verbindungsbahn bei Klein⸗Linden. Die Arbeiten an der Herstellung der Verbirdungsstrecke zwi⸗ schen der MainWeser⸗ und der Lahntalbahn haben auch während des Krieges allerdings langsamer, als man an⸗ fänglich geplant hatte ihren Fortgang genommen. Der neue Eisenbahndamm von der Main Weser⸗Bahn bis zur Frankfurter StraßeKlein-Linden ist jetzt fertiggestellt. Die Endstrecke von Dudenhofen bis in die Gemarkung Klein-Lin⸗ den, die zuerst in Angriff genommen war, ist schon vor Be⸗ ginn des Krieges fertig gewesen. u sind die vier Bauwerke Unterführungen durch die Hoch- und Tiefbaugesellschaft Gießen für den mittleren Teil der neuen Verbindungsstrecke in der Gemarkung Klein-Lin⸗ den hergestellt worden, darunter die große Ueberbrückung über die Frankfurter Straße, deren Eisenkonstruktion jetzt in Angriff genommen worden ist. Die Unternehmerfirma Pack- Letmathe hat von der Gemeinde Lützellinden für 30 000 Mark Boden am Bahneinschnitt vor Großen⸗ Linden erworben, den sie jetzt mittels Dampfbagger ge⸗ winnen läßt, um damit die auf eine halbe Million Kubik⸗ meter berechnete hohe Dammaufschüttung bei Klein⸗Linden auszuführen. Die Arbeit soll so gefördert werden, daß mit Beginn des Frühjahrs der Oberbau der ganzen Verbindungs- strecke in Angriff genommen werden kann.

Ersatz für Kupferkessel. Eine recht einleuch⸗ tende Mahnung, sich beim Einkauf von Ersatz für beschlag⸗ nahmte Kupferkessel nicht zu übereilen, übermittelt uns ein Leser: Durch die Beschlagnahme des Kupfers ist unter den Besitzern von Kupferkesseln die Befürchtung aufgetreten, die Kessel würden in aller Kürze entnommen. Dies ist nicht zutreffend. Die Beschlagnahme mußte u. a. erfolgen, um Preistreibereien vorzubeugen. Es ist nun eine Nachfrage nach Ersatz für Kupferkessel eingetreten, die nicht im entferntesten zu befriedigen ist, ein Umstand, der selbstverständlich von Fabrikanten und Händlern ausgenützt. wird. Die Preise sind denn auch heute schon um 100 bis 200 Proz. gestiegen. Trotzdem wird keine Gewähr für die Güte des Materials geboten, und ein großer Teil der zur Verfügung stehenden Ersatzkessel dürfte im Gebrauch ver⸗ sagen, Grund genug, bei ihrer e vorsichtig zu sein und nicht unter dem vermeintlichen Zwang der Ver⸗ hältnisse überstürzte Ankäufe zu machen.

* Ehren⸗Urkunden für unselbständige Per⸗ sonen des Handwerkerstandes. Die Handwerkskammer Darmstadt wird, wie in früheren Jahren, an unselbständige Per⸗ sonen des Handwerkerstandes, Gesellen, Gehilfen usw., die minde⸗ stens 25 Jahre in ein und demselben Betriebe ununterbro⸗ chen 11211 gewesen sind, als Anerkennung für die treue Arbeit Ehren⸗Urkunden verleihen. Bei dem wirtschaftlichen Auf⸗ schwung, den eine große Zahl Berufsgruppen in den zwei letzten Jahrzehnten genommen hat, ist ein öfterer Wechsel in dem Personal wie früher zu verzeichnen. Ein Verbleiben von 25 Jahren bei ein und demselben Meister gehört immerhin schon zu den Seltenheiten und setzt Treue, Fleiß, Ehrlichkeit und asenen Sinn vor⸗ aus. Diesen Personen zun Anerken und anderen zur Aneiferung dienend sollen die vorgenannten künstlerisch gehaltenen Ehren⸗ Urkunden nach folgenden Verleihungs⸗Bestimmungen verliehen werden: 1. Die Verleihung erfolgt an Weihnachten. 2. Die Anträge zur Verleihung sind von der gewerblichen Korporation, der der Arbeitgeber angehört, bei der Handwerkskammer zu Darm⸗ stadt bis spätestens 1. November l. Is. einzureichen. 3. Den Anträgen ist ein ausführlicher Lebenslauf des zur Auszeichnung Vorgeschlagenen, ein von dem Betriebsinhaber ausgestelltes, orts⸗ polizeilich beglaubigtes Arbeitszeugnis, das gleichzeitig den Nach⸗ weis der 25jährigen ununterbrochenen Dienstzeit in ein und dem⸗ selben Betriebe enthalten muß, sowie ein von der Polizeibehörde ausgestelltes Leumundszeugnis beizuschließen.

Patentamtlich geschützt wurden der Hofmöbelfabrik Th. Brück unter D. R. G. M. Nr. 636696Am Fußende des Bettes zu besestigende Aufrichte⸗, Sitz⸗ und Liegegurte für Kranke und Verwundete.

Entdeckter Dieb. Am 29. Sept. d. J., abends zwischen 7 und 9 Uhr, wurden einem hiesigen Landwirt von einem Acker im Schiffenbergertal etwa 12 Zentner Kar⸗ toffeln gestohlen. Der am nächsten Mittag zur Stelle ge⸗ brachte Polizeihund des Schutzmanns Seitz verfolgte die Spur in ein benachbartes Gehöft, wo die Kartoffeln im Keller vorgefunden wurden. Sie wurden dem Eigentümer zurückgegeben. Auch ein vor einiger Zeit hier gestohlenes Fahrrad wurde bei dem Kartoffeldieb entdeckt.

n Preußische Klassen⸗Lotterie. Die Lose zur 4. Klasse müssen unter Vorlegung des Vorklassenloses bis zum 4. Oktober, abends 6 Uhr, eingelöst werden. Auch müssen bis zu diesem Tage die Freilose gegen Rückgabe der Gewinnlose in Empfang genommen sein.

Landkreis Gießen. Allendorf a. d. Lda., 29. Sept. Bei dem tapferen Aus-

halten der hessischen Landwehr in den Kämpfen der vorigen Woche

im Westen erlitt auch Wehrmann Heinrich Kehr von hier den

Heldentod. Kreis Alsfeld. 5

* Aus dem Ohmtal, 29. Sept. Die Kartoffel⸗ ernte ist noch nicht ganz beendigt, und schon sind die Keller efüllt. Oft vermögen sie den reichen Segen nicht alle zu fassen. Vie groß das Kartoffelergebnis diesmal ist, erhellt aus der Tat⸗ sache, daß man von einer Mest, gleich einem Viertel Morgen, über einhundert Körbe voll geerntet hat. Allerdings sind das Ausnahmen, aber bezeichnend. Obwohl alle Sorten geraten sind, lobt man am meisten dieWeltwunder. Ueberall ist man sich einig über den vorzüglichen Geschmack der diesjährigen Kartoffeln. Die diesjährige großartige Kartoffelernte lehrt, daß die Kartoffel

trocken wachsen will. Kreis Schotten.

9. Ober⸗Seibertenrod, 29. Sept. Unser neues Schulhaus geht seiner Vollendung entgegen. Der innere Aus⸗

bau und die Fertigstellung der Innenräume schreitet 1 1 vor⸗ Für

wärts. Man hofft, zu Ende Oktober einziehen zu können. un⸗ ser Dorf stellt sich der Neubau bei aller Einfachheit als eine Zierde dar. Auf vortrefflichem Platze, über der Kirche nach Westen zu gelegen, an der Straße nach Bobenhausen, sticht der Neubaunvor⸗ teilhaft hervor. Das Innere entspricht in allen Räumen den An⸗ forderungen unserer Zeit. Besonders gilt das von dem großen, hel⸗ len Schulsaal, der Parkettboden erhalten wird.

Vom vorderen Vogelsberg, 29. Sept. kelter und der Honigkessel werden zur Jeit sehr fleißig benützt. In den geschützten Tallagen sind die Birnen sehr reich geraten. Sie geben vortrefflichen Obsthonig. Dabei sind die Birnen preis⸗ wert, die Simmer wird mit 1,70 Mk. verkauft. Eigenartig ist das Aussehen der Zwetschen. Sie sind schon an den Bäumen halb gedörrt. Viel Zwetschen gab es nicht, aber trotzdem hat der Zwetschenkuchen nicht gefehlt.

Starkenburg und Rheinhessen.

ch. Aus Rheinhessen, 1. Okt. Der September war der Reife der Trauben günstiger als der August, der in seinem ersten Teile gar zu viel Regen brachte. So stehen denn die Trauben heute gesund und reif da und gewührleisten das, was solange nicht mehr

geerntet wurde, einen schönen und guten Jahrgang. Das

Die Obst⸗

Wetter der letzten Zeit allerdings dürfte die Vornahme der Lese

der weißen Trauben einigermaßen beschleunigen, da es nicht im Interesse der Weinbergbesitzer liegt, die Trauben auch ber nasser Witterung lange hängen zu lassen, außerdem die Ernte auch besser bei schönem, trockenem Wetter vorgenommen wird als bei Regen. Stellenweise hat die Ernte der weißen Trauben auch schon

stattgefunden, so in den Gartenlagen von Oppenheim und Um⸗

gebung.

Vermischtes.

Bern, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich. In (Kanton Solothurn) ereignete sich gestern nachmittag in einer Kammfabrik eine schreckliche Explosion durch Selbst⸗ entzündung von Zelluloid. in Flammen. Bis jetzt sind 12 Tote geborgen; man vermutet, daß mindestens 10 Tote noch unter den Trümmern liegen. 30 Personen sind schwer verletzt worden.

Ziemlich heiter, trocken, in höheren Lagen Nachtfrost. Letzte Nachrichten.

. Kuropatkin lehnt ab? 133

Kopenhagen, 1. Okt. Nach Petersburger Meldungen hal

Kuropatkin das ihm von General Rußki angebotene Kommando

über ein Armeekorps unter General Ewert im russischen Zentrum

abgelehnt. Wahrscheinlich werde nun Kuropatkin der Schutz von

Petersburg anvertraut werden. Vor der Uebernahme des Ober⸗ befehls hatte bekanntlich Rußki selbst diesen Posten inne.

Truppenlandungen der Entente in Saloniki?

Paris, 1. Okt. DerCorriere della Sera berichtet, daß mit Zustimmung der griechischen Regierung Truppen der En⸗ tentemächte in Saloniki gelandet worden seien.

König Konstantin und Venizelos.

Kopenhagen, 1. Okt. Zur politischen Lage Griechenlands gibt der Leitartikel vonHovedstaden einige Angaben. Danach sprechen viele Anzeichen dafür, daß die Beziehungen zwi⸗ schen König Konstantin und Venizelos wieder gespannt seien. Ebenso soll die Politik Venizelos einen immer stärkeren Widerstand bei dem Großen Generalstab finden, so daß ein Streit zwischen diesem und dem Ministerpräsidenten wahr⸗ scheinlich sei.

Die Entwicklung der deutsch⸗türkischen Beziehungen.

Konstantinopel, 1. Okt. Die Frage, wie nach türkischer

Auffassung Deutschland zur Wiedergeburt der Türkei beitragen könnte, bildete den Gegenstand einer längeren Unterhaltung, die der Vertreter derVossischen Zeitung mit dem neuernannten Ber⸗ liner Generalkonsul Lutri Bey und dem Chef des Komitees, Midhat Schukri Bey, hatte. Midhat meinte, daß die deutsche Unterstützung auf allen Gebieten einsetzen müsse, weil sie überall nötig sei. Die Türkei wisse, daß sie sich vertrauensvoll an Deutschland wenden könne, weil sie von der aufrichtigen Freund⸗ schaft Deutschlands überzeugt sei. Die wirtschaftliche Unterstützung Deutschlands denken wir uns etwa so: Wenn wir einen neuen Industriezweig einführen, werden wir uns an deutsche Regierung wenden, von ihr Kapitalien und In⸗ genieure zur Einrichtung der Fabriken erbitten, sowie auch Personen zu deren. und so unserem Volke Arbeit und Verdienst verschaffen. Wir werden auch fortfahren, Straßen und Bahnen zu bauen und dafür Ingenieure aus Deutsch⸗ land verlangen. Ist erst überall das Vertrauen auf die Zukunft vorhanden, so werden auch neue Wege gefunden werden. Nützlich denke ich mir die Einrichtung einer Zentralstelle, die die An⸗ fragen aus den Provinzen in sachgemäßer Weise zu beantworten hätte und die von deutscher Seite zu beraten wäre. Aber damit ist die Aufgabe Deutschlands uns gegenüber nicht erschöpft. Wir müssen Deutsche in allen Verwaltungen haben und

weise Reformen müssen gleichzeitig mit der wirtschaftlichen Be⸗

tätigung durchgeführt werden. Die Munitionsfrage derAlliierten.

i. Köln, 1. Okt. LautKöln. Ztg. erklärte in einer Unter⸗ redung mit dem Pariser Vertreter derTimes der franzö⸗ ische Geschoßminister Thoma, die erfolgreichen Kämpfe in der

gne und im Axrtois bewiesen, daß das einzige Mit⸗ tel, den Feind zu schlagen, die Wasse von Granaten sei, die man auf seine Front werfen könne. Dem Bedarf der Ver⸗ bündeten an Granaten, Geschützen und sonstigem Schießmaterial sei erst dann voll entsprochen, wenn die gesamte Industrie auf ihre höchsten Leistungen gespannt sei. Noch zahlreiche stark befestigte Stellungen der Deutschen müßten unter Geschützfeuer begraben werden, wenn man an die deutsche Grenze und am den Sieg gelangen wolle.

Teilweiser Belagerungszustand in Griechenland.

i. Köln, 1. Okt. Nach derKöln. Ztg. meldet derMatin

aus Athen, daß durch einen Königlichen Erlaß der Belage⸗ rungszustand über Athen und den Piräus verhängt worden sei.

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Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 2. Oktober 1915

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