Ausgabe 
(1.10.1915) 231. Erstes Blatt
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starken Stellungen, die von den Eng

g

Neu⸗Aleksienice an, aber jedesmal warfen wir ihn durch

konzentriertes Geschütz⸗ und Gewehrfeuer zurück. In der Gegend

des Dorfes Kuptschina, an der Strypa, westlich Tarnopol, verstärkt sich das Artilleriefeuer. Nach einem erbitterten Kampfe bemäch⸗ tigten sich unsere Truppen feindlicher Schützengräben und eines feindlichen Verteidigungspunktes, westlich Kodatschu. 175 Verfol⸗ gung ihrer Offensive griffen unsere Truppen nach einer sehr starken Artillerievorbereitung an und bemächtigten sich nach Durchdring⸗ ung von Drahtverhauen feindlicher Schützengräben östlich des Dor⸗ ses Kuptschintze.

Ein rufsischer Ministerrat unter dem Vorfitz

des Zaren.

Petersburg, 30. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung der Petersburger Telegraphenagentur. Im Zelt des Zaren fand unter dem Vorsitz des Zaren ein Min ister⸗ rat statt.

Die neue Kriegsanleihe in Oesterreich⸗ ungarn.

Budapest, 30. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) In der Besprechung, welche der Finanzminister mit den Ver⸗ tretern der amtlichen Zeichenstellen abhielt, wurde fest⸗ gestellt, daß der Zeitpunkt für die Ausgabe einer dritten Kriegsanleihe 75 sehr gelegen sei. Es wird dem⸗ nach gegen Mitte Oktober eine sechsprozentige Rente aus⸗

gegeben werden. Die Bezugsbedingungen werden ent⸗ prechend der früheren sechsprozentigen Kriegsanleihe fest⸗

Wien, 30. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) In der heutigen 8 des Staatsschuldenkontrollausschusses wurde die Ausgabe einer dritten Kriegsanleihe in Form von prozen⸗ tigen Schatzscheinen zur Kenntnis genommen. Die Gegenzeichnung wurde einstimmig beschlossen.

Wechsel im italienischen Oberkommando???

Berlin, 1. Okt. Ueber einen Wechsel im italie⸗ nischen Oberkommando berichtet dasBerliner Tageblatt mit dem Zusatz, daß es sich um Gerüchte handele, denen zufolge mit der Uebernahme des italienischen Oberbefehls durch den General Por ro zu rechnen sei.

Ausstandsbewegungen in Italien.

Mailand, 30. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Nach dem Corriere della Sera fanden gestern abend in Busto, Ar⸗ sizio, Gallarate und Legnano bewegte Volksversammlun⸗ gen statt, in der sozialistische Delegierte der Textil⸗ arbeitervereinigung und der Arbeiterkammer zum Ausstand riefen. Die Arbeiter der Webereien willigten ein, so daß seit heute früh die Fabriken feiern.

Mailand, 30. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Wie der Secolo mitteilt, nimmt an dem Streik die gesamte Ar⸗ beiterschaft der Webereien von Legnano, Callarate, Busto Arstzio, sowie mehrere Nachbargemeinden teil. Ungefähr 50 Fa⸗ brilen sind geschlossen. Die Lage ist ziemlich schwierig. Die Ar⸗ beiter fordern eine Erhöhung des Lohnes um 10 Pro⸗ zent, was die Bilanz der bedeutendsten Webereien bis zu 100 000 Lire mehr belasten würde. Wie derCorriere della Sera meldet, wurde der Genueser Großverband der Steinkohlenhändler bei der Regierung wegen herrschenden Wagenmangels vorstellig, da durch die gegenwärtige Lage die Löschungsarbeiten im Hafen von Genua schwer beeinträchtigt werden.

Mailand, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nach demSe⸗ colo hat sich der Weberstreik auf die Fabriken in Rescaldina, San Giorgio und Camegrata ausgedehnt.

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Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 30. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront ist die Lage unverändert. Am 27. September brachten unsere Küsten⸗ batterien ein feindliches Torpedoboot in der Gegend des Kerevisdere zum Sinken und beschossen wirlsam die feind⸗ lichen Stellungen an der Küste von Sedd⸗ül⸗Bahr. In der Nacht vom 27. zum 28. September überraschten unsere nach verschiedenen Richtungen ausgesandten Erkundungsabteilungen eine feindliche Abteilung in einem Hinterhalt, machten sie zum Teil nieder und nahmen den anderen Teil gefangen. Sie schlugen andere Erkun⸗

gestellt.

dungskolonnen, die sie angetroffen hatten, in die Flucht und er⸗

beuteten eine Anzahl Gewehre und Munition. Bei Sedd⸗ül⸗ Bahr erwiderte am 28. September unsere Artillerie kräftig das

Feuer verschiedener feindlicher Batterien, die einen Augenblick

unsere Stellungen beschossen hatten und brachten sie zum Schwei⸗ gen. Von den anderen Stellen ist nichts zu melden. Konstantinopel, 30. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Ein⸗ 4155 Berichte aus amtlicher Quelle über die Einnahme der tadt Lahadschin dem an Aden angrenzenden Ge⸗ biet von Südarabien, schildern die der Eroberung voran⸗ gehenden Kämpfe als besonders erbittert. Die osmanischen Streit⸗ kräfte bestanden aus regulären Truppen aller drei Waffen. Die eingeborenen Krieger griffen am 1 des 4. Juli die sehr ändern vor der Stadt Lahadsch errichtet worden waren, an, worauf sie Artillerie- und Infanteriefeuer eröffneten. Der Kampf, der gegen Abend an Hef⸗ tigkeit zunahm, dauerte bis eine halbe Stunde nach Sonnen⸗ untergang, wobei der Feind aus seinen ersten Schützengräben vertrieben wurde und sich auf seine zweite Linie zurückzog. Er wurde weiter hart bedrängt und wich gegen 10 Uhr abends bis zu den ersten Häusern der Stadt zu den Basteien zurück. Tür⸗ kische Infanterie drang in die Stadt ein; es folgten erbitterte Kämpfe, die vielfach zum Handgemenge führten, es blieb nicht ein⸗ mal Zeit, das Bajonett aufzupflanzen, weshalb mit dem Kolben eingehauen wurde. Der Feind zog sich allmählich gegen Norden zu⸗ rück. Ein Teil der Engländer, der nicht fliehen konnte, setzte den Widerstand in Schanzwerken fort, die von der türkischen Artillerie heftig beschossen und schließlich zerstört wurden. Das Artilleriefeuer verursachte einen Brand. Als sich die Engländer kämpfend in der Richtung auf Aden zurückzogen, konnten die türkischen Truppen die Stadt gänzlich besetzten. Ein Reserveoffizier und fünf indische Soldaten wurden gefangen, vier Schnellfeuergeschütze und fünf Maschinenge⸗ wehre von den Türken erbeutet; außerdem wurden neun Automobile und anderes Kriegsmaterial genommen. Die Verluste des Feindes sind sehr groß Während des Rückzuges litten die Engländer schrecklich unter Durst und Sonnen⸗ stich. Mehr als 200 Leichen wurden auf der Straße auf⸗ gefunden. Nach Meldungen aus Bagdad bestätigen englische Offi⸗ ziere, die in den Kämpfen in Mesopotamien gefangen genommen worden sind, daß unter den indischen Truppen, die in der englischen Armee dienen, ein Aufstand ausgebrochen ist. Die Engländer seien überdies den Angriffen der Stämme in der Ge⸗ gend von Bassorah ausgesetzt, die sie in der ersten Zeit gut aufzunehmen schienen. Die Lage der Engländer im Jrak sei auf diese Weise schwierig geworden. Die Offiziere sind voll des Lobes über die Haltung, die die türkischen Truppen gegen sie beobach⸗ tet haben. 5 g Meutereien in Indien.

Berlin, 1. Okt. Wie dem BerlinerLokalanz. über Konstantinopel aus Bagdad gemeldet wird, meuter⸗ ten das achte indische Murhena⸗ und das zehnte Sikhs⸗ Regiment. Bei dem Einschreiten englischer Truppen entstand ein heftiger Kampf, wobei 1200 Eng⸗ länder fielen, darunter zwei Majore. Das indische achte Regiment hatte 900 und das zehnte Regiment 200 Tote und Verwundete.

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Die Spannung der Balfanstaaten.

Ein Besuch Radoslawows in Berlin?

Berlin, 1. Okt. Wie verschiedenen Morgenblättern aus Wien gemeldet wird, liegt es in der Absicht des bulgarischen Ministerpräsidenten Rados⸗ law ow, in der nächsten Zeit nach Berlin zu fahren. Nach einer von verschiedenen Morgenblättern gebrachten Sofioter Meldung beschloß der Stadtratder bulgari⸗ schen Hauptstadt, je einen der Stadtplätze nach den Städten Berlin, Wien und Budapest zu benennen.

Hoch Bulgarien, hoch Deutschland!

Berlin, 30. September.(WTB Nichtamtlich.) Die auf den Ruf ihres Vaterlandes von hier abgereisten bulgarischen Studenten der hiesigen Hochschule haben aus Wien ein Tele⸗ gramm an den bhiesigen bulgarischen Konsul, Kommerzienrat Mandelbaum gerichtet, in welchem es 2 In dem Augen⸗ blick, wo wir Deutschland verlassen, halten wir es für unsere Pflicht, dem deutschen Volke Dank für seine Sympathien zu unserem Vaterlande auszudrücken. Die lebhaften ndgebungen, die uns von einer großen Anzahl Berliner Bürger beim Abschied am Bahnhof dargebracht worden sind, sind das beste Zeugnis dieser Sympathien. Tief gerührt von den Glückwünschen unseres ge⸗ liebten Professors für die Erkämpfung unserer nationalen Einheit ziehen wir ins Feld mit der festen Zuversicht des endgültigen Sieges. Wir rufen nochmals: Hoch Bulgarien! Hoch Deutschland!

Rumänien.

Berlin, 30. Sept.(Priv.⸗Tel.) DieB. Z. a. M. meldet aus Budapest: Nach einer Meldung aus Saloniki haben die Vertreter der Entente der rumänischen Re⸗ gierung das mündliche Ansuchen unterbreitet, die Neutralität aufzugeben. Ministerpräsident Brä⸗ tianu betonte, daß Gründe militärischer ur es jetzt Rumänien unmöglich machen, eine Aktion zu beginnen.

Ein russisches Klagelied.

Petersburg, 30. Sept.(WTB Nichtamtlich) DieNo⸗ woje Wremja bringt einen Artikel Menschikoffs mit der Ueberschrift:Bulgariens eigenes Grab, in dem gesagt

wird: 2

Der Verrat Bulgariens hat in Rußland tiefe Aufregung hervorgerufen, insbesondere die Tatsache, daß der Vizepräsident der Sobranje Glückwunschtelegramme aus Anlaß der Einnahme der russischen Festungen an Kaiser Wilhelm gesandt hat. Rados⸗ lawow erklärte, Rußland existiere nicht mehr, es sei völlig von Deutschland geschlagen. Bulgarien dürfe sich nicht an einen Toten klammern. ungeachtet des Einspruches der Opposition machte Bulgarien mobil, ohne Zweifel in Erfüllung seiner Abmachungen mit der Türkei. Serbien kaun nicht daran denken, gegen die Bul⸗ garen zu kämpfen, da ihm Deutschlands und Hesterreich⸗Ungarns Heere in den Rücken fallen. Wenn der Vierverband nicht mächtige Hilfe sendet, daun bleibt Serbien nur übrig, entweder seine Armee zu verlieren, oder sich auf Gnade oder Ungnade dem Sieger zu ergeben. Auf diese Weise würde die Eroberung Maze⸗ doniens nicht durch einen Krieg, sondern durch einfache Besetzung erfolgen, in ähnlicher Weise, wie Oesterreich Bosnien und die Herzegowina nach 1879 besetzt hat. Die ulassung des Durchzuges deutscher Truppen nach Konstantinopel könnte dann, wie dies in Luxemburg geschah, mit dem Druck der Uebermacht entschuldigt werden. Auf diese Weise könnte die bulgarische Vergewaltigung verschleiert werden. Es sei unsinnig, Bulgarien irgendwelche Vor⸗ würfe zu machen, daß es sich im allerschwärzesten Augenblick der russischen Geschichte unseren Feinden angeschlossen hat. Mit sitt⸗ lichen Gründen ist hier nichts auszurichten. Das ideale Band war nur solange vorhanden, wie Bulgarien an Rußlands Stärke laubte. Dieser Glaube ist durch den mandschurischen Krieg ge⸗ hwächt und durch den jetzigen Krieg völlig erschüttert worden. Ghenadiew sagte bereits vor Jahresfrist, daß er an den Sieg der Mittelmächte glaube, sonst hätte sich Bulgarien schon damals den Russen angeschlossen. So ist es auch zu erklären, daß es die Türkei wagte, mit vier Großmächten Krieg zu führen, um Rußland den Kaukasus abzunehmen. Es ist nicht zu leugnen. daß die deutsche Diplomatie bei der Lösung dieser Frage viel Talent gezeigt hat, zwar hat auch deutsches Geld mitgewirkt, aber der deutsche Generalstab hat eben⸗ falls im richtigen Augenblick den Schleier gelüftet und den neu⸗ tralen Staaten den Sieg der Mittelmächte gezeigt..

Kopenhagen, 30. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Die ganze russische Presse äußert sich sehr erregt über Bulgarten und ergeht sich in Schmähungen gegen König Ferdinand. Die Nowoje Wremja meint in einem Artikel über die Lage am Bal⸗ kan, daß Bulgariens Beteiligung am Kriege nichts an der Lage andere, fügt aber sofort hinzu, daß die Aufgabe der Engländer und Franzosen auf Gallipoli dadurch sehr viel verwickelter werde. Die Politik König Ferdinands gebe Bulgarien in die Hände der Zentralmächte, denen es nur eine Station auf der Linie Berlin Bagdad sei. Von der Opposition in Bulgarien sei aber nichts zu erwarten, da sie sich bereits im Jahre 1913 im Kriege gegen Serbien schwächlich gezeigt habe. Die einzige Hoff⸗ nung beruhe auf Rumänien und Griechenland, die jetzt zur Anlehnung an den Vierverband gezwungen sein würden. In dem Augenblick, in welchem bulgarische Heere die serbische Grenze überschritten, müsse Rußland Bulgarien den Krieg erklären.

Nach einer Meldung derNowoje Wremja forderte der Pan⸗ slawisten⸗ und Oktobristenführer Gutschko w die bulgarische Opposition telegraphisch auf, dem Rufe ihres Vaterlandes nicht zu folgen und sich gegen die abenteuerliche Politik König Ferdinands und den verbrecherischen Verrat Bulgariens, der in der Weltgeschichte einzig dastehe, aufzulehnen.

Berlin, 30. Sept.(Priv.⸗Tel.) Die BukaresterSeara meldet aus Salonik, daß die Flotte der Alliierten im Aegäischen Meer die Blockade der bulgarischen Küste

vorbereite.

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* Aus dem englischen Unterhaus.

London, 28. Sept.(WTB. Nichtamtlich) Unter haus. Amery(Unionist) fragte, ob es richtig sei, daß 1700 Schiff⸗ bauer, die dringende Schiffbauarbeiten in Southampton verri teten, seit einigen Tagen ausständig seien, als Einspruch dagegen, daß Arbeiter, die ausdrücklich von der Armee beurlaubt, aber nichtorganisierte Arbeiter waren, in die Werft eingestellt wurden. Er fragte ferner, was geschehe, um dem Munitionsgesetze Geltung u verschaffen. Lloyd George bestätigte die Tatsachen Er 2 5 das Verfahren gegen die Ausständigen sei eingeleitet. Bel⸗ laires(Unionist) fragte, ob die Admiralität Mitteilungen über die Tätigkeit britischer Unterseeboote in der Ostsee machen und den Befehlshabern des U-Bootes nennen könnte, der das deutsche SchiffMoltke angegriffen hätte. Mae Namara erwiderte: Die britischen Unterseeboote in der Ostsee stehen unter den Befehlen des russischen Oberbefehlshabers. Die russische Regierung hat die Verantwortung dafür, was, über ihre Tätigkeit bekannt werden darf. Lord Robert Cecil sagte auf eine Frage, er könne über die Lage in Persien nur mit der größten Zurückhaltung sprechen. Die Lage sei der Gegenstand besorgter Beratung zwischen dem indischen Amt und dem Aus⸗ wärtigen Amt. Cecil erwähnte die Angriffe auf britische Offiziere und Konsuln in Abuschir, Ispahan und Schiras, die offenbar durch deutsche und österreichisch-ungarische Ränke angezettelt wurden. Nachdrückliche Vorstellungen seien bei der persischen Regierung erhoben worden. Man dürfe hoffen, daß die Regierung, obwohl sie sich in schwieriger Lage befindet, wünscht, das Gesetz und die Ordnung aufrecht zu erhalten und die Wiederholung von Ver⸗ brechen zu verhindern. Es wäre äußerst schwierig, während des Krieges Truppen zu organisieren. Die Lage würde sich hoffentlich bessern. England habe versprochen, die Finanzlage

5 zu machen. Joynson His fragte Asauitg, ob er cine volle Er⸗ klärung über die Lage und die Aussichten der Expedition nach

den Dardanellen geben wolle. Asquith erwiderte, er könne den letzten Erklärungen, die Kitchener und er selbst im Parla⸗ ment abgegeben haben, gegenwärtig nichts hinzufügen. Die Re⸗ gierung habe alles mitgeteilt, was unter Berücksichtigung der mili⸗ tärischen Erfordernisse erlaubt gewesen sei 5 Rotterdam, 30. Sept.(WTB Nichtamtlich) DerRot⸗ terdamsche Courant meldet aus London: Im Unter hause gab es gestern eine Auseinandersetzungüber den Frei⸗ handel. Ein Abgeordneter nach dem anderen wandte sich gegen die neuen Einfuhrzölle. Die Rede Sir Alfred Mond's machte be⸗ sonderen Eindruck. Der Schatzkanzler verstand sich zu ver⸗ schiedenen Zugeständnissen, so, daß Ambulanzwagen frei eingeführt werden könnten. Bonar Lam leugnete, daß er persönlich auf die Entscheidung des Kabinetts über die Einfuhrzölle einen Ein⸗ fluß ausgeübt habe und sagte, sie wären auch eingeführt worden, wenn kein Konservativer dem Kabinett angehören würde. Die englisch⸗französische Anleihe. London, 30. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) DieMor⸗ ning Post meldet aus New Pork: Die An leihe stellt ein Kompromiß dar. Der Ausschuß erhielt nicht alles, was er wünschte, namentlich was die Größe der Anleihe betrifft. In Amerika war der Eindruck weit verbreitet, daß

das Sinken der Wechselkurse eine finanzielle Schwäche

oder wirtschaftliche Erschöpfung Englands be⸗

deute. Die Bankiers verlangten daher eine genügende Sicherheit in Wertpapieren. Der Aussch ging darauf nicht ein, sondern betonte, daß der Kredit Regierungen

Englands und Frankreichs unanfechtbar und als Sicherheit ausreichend sei Die Folge war, daß der Anleihepreis um die Hälfte herabgesetzt und der Ausgabepreis unter Pari festgesetzt wurde. ö Deutschland und Amerika. New Pork, 30. Sept.(WTB. Nichtamtlich) Eine De⸗ pesche derEvening Mail aus Washington sagt, daß die Staatsbeamten aufhörten, über die Möglichkeit eines Ab⸗ bruches der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutsch⸗ land und den Vereinigten Staaten* spre Wilson und Lansing hätten unbegrenztes Vertrauen zu dem geraden Sinn und der freundschaftlichen Hal⸗ kung des deutschen Botschafters. Es herrscht das Gefühl absoluter Sicherheit und daß er seine Macht zum beiderseitigen Nutzen ausüben werde. Bernstorff werde als loyaler Diener seiner Regierung angesehen, aber auch als ein Mann, der durchaus den amerikanischen Standpunkt verstehe und achte. Seit demLusitania⸗Fall sei die opti⸗ mistische Ansicht von einer schließlichen befriedigenden Bei⸗ legung des Unterseebootstreites. durch die An⸗ zeichen der neuen Politik Deutschlands hinsichtlich der An⸗ griffe auf Handelsschiffe. Diese Politik sei bereits zutage getreten, wie sich aus der loyalen Warnung bei der Ver⸗ senkung des englischen PferdetransportschiffesAnglo Co⸗ lumbian ergebe. Der Bericht des amerikanischen Konsuls in Queenstown bezüglich der näheren Umstä der Torpe⸗ dierung des Dampfers machte in Dashington einen sehr günstigen Eindruck. f f

Der Seelrieg. 8

Eine verlegene Auskunft der englischen Marineverwaltung.

London, 30. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Im Unterhause antwortete Balfour auf die Frage, wieviel deutsche Unterseeboote versenkt worden seien, er verstehe die Neugierde des Fragestellers und sei auch überzeugt, daß die bloße Feststellung über die Zerstörung deutscher Unterseeboote dem Feinde keine wertvollen Aufschlüsse geben würde, aber die Kenntnis von der Versenkung deutscher Unterseeboote habe verschiedene Grade, von der unbedingten Ge⸗ wißheit bis zur Vermutung einer Möglichkeit.(Beifall, Ge⸗ lächter.) Solche Tatsachen seien zu statistischen Feststellungen un⸗ geeignet. Wenn die Admiralität sich auf Fälle unbedingter Gewiß⸗ heit beschränke, würde sie hinter der Wahrheit zurückbleiben(Bei⸗ fall), und wenn sie jede Möglichkeit einschlösse, würde sie über⸗ treiben. 1 f

Berlin, 30. Sept.(Priv⸗Tel.) Die Voss. Ztg. meldet aus Konstantinopel: Wie hierher berichtet wird, ist der fran⸗ zösische Messageri⸗DampferSydney bei Kap Malta tor⸗ pediert worden. Im Mittelmeer würden täglich, wie ein in Athen aus Mudros angelangter Herr versichert, englische und französische Schiffe versenkt. Die ren der Opfer der deutschen Unterseeboote ist enorm, doch werde strengstes Stillschweigen bewahrt.

Aus dem Reiche.

12 101 Millionen Mark Kriegsanleihe! 7

Berlin, 30. Sept.(WTB. Amtlich.) Für die Zeich⸗ nungen auf die dritte Kriegsanleihe ist nunmehr das Ergebnis mit 12101 Millionen Mark festgestellt. Darunter sind 2169 Millionen Mark Schuldbuchzeichnungen. In welcher Weise die Zeichnungen sich auf die verschiedenen Arten von Anmeldungsstellen verteilen, ergibt sich aus der nachstehenden Uebersicht, die zum Vergleich die Ergebnisse der ersten und zweiten Kriegsanleihe heranzieht. Es wur⸗ den gezeichnet auf die dritte, 1 und erste Kriegsanleihe in Millionen Mark: bei der Reichsbank 569 bei der dritten, 565 bei der zweiten und 479 bei der ersten Anleihe; von Banken und Bankiers 7676 resp. 5664 resp. 2895; von

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Sparkassen 2592 resp. 1978 resp. 883; von Lebensversiche⸗ krungsgesellschaften 417 resp. 384

resp. 203; von Kredit⸗

denen e 680 resp. 358 resp. Null; von den Post⸗ anstalten 167 resp. 112 resp. Null. Zusammen bei der dritten Anleihe 12 101, bei der zweiten 9061 und bei der ersten 4460 Millionen. Die Feldzeichnungen sind in der vorstehen⸗ den Uebersicht nicht enthalten.

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Berlin, 30. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Der ständige Ausschuß des deutschen Landwirtschaftsrates beschäftigte sich am 29. ember mit den Beschwerden, die aus landwirtschaftlichen Kreisen über die Preis⸗ politik der Gerstenverwertungsgesellschaft erhoben wurden und die in letzter Zeit zu einer Stockung des Gerstenverkaufs führten. Es wurde beschlossen, zur Be⸗ seitigung der Differenzen folgende Forderungen stellen: Erstens zur Wahl von Landwirten in den Auffichtsrat der G. V. Zuziehung derselben zur Bonitierungskommission der G. V.; zweitens eee für Kontingentgerste ge⸗ ahlten, bisher nach der Güte zwischen 350 und 380 Mark 5 bewegenden Preise bis zur Höchst von 400 Mk.

ie wir erfahren, hat sich die Gerstenverwertungsgesell⸗ schaft bereits mit 8 1 einverstanden erklärt. Sie wird daher künftig für Braugerste nach der Qualität 350 bis 400 Mk. bewilligen, während für die übrige Indu⸗ striegerste(Graupen, Malzkaffee usw.) die

Persiens zu erleichtern. Die Verhandlungen hätten auf dieser

Grundlage stattgefunden. England sei bereit, große Zugeständnisse

bisher gezahlten Preise von 330 bis 350 Mk. unverändert bleiben Wachen

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