Ausgabe 
(22.9.1915) 223. Erstes Blatt
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von Kiwerch auf Luck, griff ihn gleichfalls an, warf ihn in die Alucht, 4 5 Offiziere und 300 Soldaten zu Gefangenen, nahm emen großen Wagenzug mit Lebensmitteln, 10 Feldküchen, sowie ein Musikkorps. Nachdem unsere Truppen den Wald bei dem Dorfe Jaroslawicze am Styr, südöstlich Luck, genommen hatten, er⸗ beuteten sie 2 Maschinengewehre und machten 2 Offiziere und etwa 100 Soldaten zu Gefangenen. Nach einem Bajonettangriff bei dem Dorfe Iwanie an der Ikwa in der Gegend von Dubno verdrängten unsere Truppen den Feind aus dem dortigen Brücken⸗ kopf. In der Gegend nördlich und westlich der Stadt Krzemieniel bemächtigten sich unsere Truppen nach einem Gefecht der Dörfer Sapanow und Dunajow und machten dort viel Gefangene. Wir wiesen die Angriffe des Feindes auf die Dörfer Bosszezowka und Rostoli, nordwestlich der Stadt Wischnewec, ab.. Anmerkung: Die österreichische Presse versucht die Wahr⸗ haftigkeit des Berichts des Großen Generalstabes vom 14. Sep⸗ tember in Frage zu stellen, besonders den Satz⸗über die ungeheure Zahl von Gefangenen, welche unsere Truppen in dem letzten Feldzu schnitt gemacht haben. Der Große Generalstab, der be⸗ reits Gelegenheit genommen hat, seine Haltung in der Frage der Herstellung der Wahrheit in seiner Mitteilung in das richtige Licht zu setzen, erklärt, daß schon die Zahl der während der Operationen füdlich der Waldregion Westrußlands in den letzten Augusttagen und anfangs September verzeichneten eingebrachten Gefangenen sich auf 70 000 Mann beläuft. Diese Zahl wird sich noch beträcht⸗ lich erhöhen, wenn die kleinen Trupps von Gefangenen aus zahl⸗ reichen rmützeln und Gefechten während des ungeordneten RNückzuges des Feindes eingebracht sein werden. Diese Gefangenen⸗ ttrupps sind derartig entkräftet, daß sie nicht imstande sind, zu marschieren Die letzten Berichte stellen fest, daß der zurückziehende 7 in der Gegend des oberen Styr alles Vieh, welches er 5 det, mit wegtreibt, ohne zu bezahlen oder Empfangsscheine auszustellen. 5 Die Kämpfe bei Dünaburg. 5 London, 21. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Der Korre⸗ fsfondent derTimes an der russischen Front, Wash⸗ burn, meldet unterm 18. September aus Dünaburg, er habe die letzten drei Tage in unmittelbarer Nachbar- schaft der Front verbracht, wo mit kurzen Pausen eine . le liche Schlacht wüte. Der nächstgelegene Punkt der Front sei nur 15 Kilometer von der Stadt ent⸗ ern t. Die verlassenen Straßen hallten von dem schweren Kanonendonner wider. Er sagt: Die Russen legten vor Diünaburg eine dreifache Linie doppelter Schützengräben an. Sie vermochten bisher die wütenden Sturmangriffe, die von schwerem konzentrischem Artilleriefeuer unterstützt wer⸗ den, abzuwehren. Der Feind nahm die erste Linie wieder⸗ holt, wurde aber immer wieder daraus vertrieben. Die Deut⸗ schen sind zwei⸗ bis dreimal stärker als die Russen und ver⸗ 15 5 wie immer über eine ungeheure Uebermacht an Ar⸗ tillerie. Trotzdem konnten sie bisher keine Eutscheidung er⸗ gingen. Die Haltung der Russen ist unerschüttert.

Russisches Dementi.

Petersburg, 21. Sept. Die Petersburger Telegraphen⸗ Agentur dementiert nachdrücklich die in gewissen Berliner Blät⸗ tern erschienene Nachricht, laut welcher der Zar den Armee⸗ Oberbefehl an den General Rußki übergeben haben soll und bezeichnet sie als eine aus der Agentur Björnson stammende Erfindung. Eine Begründung des angeblichen Kommandowech⸗

sels werde übrigens gar nicht mitgeteilt. Weitere, wohl eben⸗ falls aus Stockholm stammende Telegramme von Berliner Zei⸗ tungen melden die Verhaftung von 17 Mitgliedern der Duma und die Internierung von 8 dieser Mitglieder in der Peter⸗ und Paul⸗Festung. Weiteren Informationen aus Berlin nach 12 schließen, soll die Lage in Petersburg die Rück⸗ kehr des Zaren dringend erheischen. Die Petersburger Tele⸗ 5 l ist jedoch in der Lage, ihren Feinden mitzutei⸗ b daß deren Genugtuung über die angeblich bedrohliche Lage durchaus unbegründet sei. Sämtliche Dumamitglieder sind auf freiem Fuß. Die von den Berliner Zeitungen mitgeteilte Zahl würde eher zutreffen auf die nach erfolgter Vertagung der Duma in die Provinz abgereisten Deputierten. Die übrigen Mitglie⸗ der bleiben in der Hauptstadt und wirken mit an der Regelung der Ausrüstungs⸗ und Bewaffnungsfrage.

Deer Uaiser im Often.

Berlin, 21. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: S. M. der Kaiser begab sich vor einigen Tagen an die Ostfront zu ein⸗ gehender Besichtigung der Festung Nowo-Georgiewsk und der Festung Kowno. f 8 g Im Hafen von Nowo⸗Georgiewsk lag, über die Top⸗ pen geflaggt, unsere Weichselflotte. Unter Glockengeläut und dem Gesang der Nationalhymne exfolgte der Einzug in die Stadt, deren Mittelpunkt die im großen Stil angelegte Zitadelle mit ihren für die Unterbringung von 10 000 Mann ausreichenden Kasernements bildet Im Wohngebäude der Kommandantur hat eine deutsche Gra⸗ nate den 1705 in das Arbeitszimmer eines ehemaligen Komman⸗ danten gefunden und dort arge Verwüstungen angerichtet. 5 Nach einer Besichtigung des Parks der über 1600 erbeuteten xussischen Geschge wurde die Fahrt zu den Forts angetreten, wo⸗ bei namentlich Fort 2, pon deutscher Landwehr gestürmt, ein⸗ gehend besichtigt wurde. Auf der Weiterreise fanden Besprechungen mit dem Generalgouverneur von Warschau, General der Infanterie von Beseler, und dem Chef der dortigen Zivilverwaltung, Exzellenz von Kries, statt. . Auf der Fahrt nach Kowno wurden in Nasielsk deutsche Truppen besichtigt. Eine große Anzahl tapferer Kämpfer wurde durch die Hand des obersten Kriegsherrn persönlich mit der wohl⸗ verdienten Auszeichnung des Eisernen Kreuzes 11 5 Am Bahnhof Kowno empfing S. M. den Kaiser General⸗ feldmarschall von Hindenburg und Generaloberst dvon Eichhorn aus deren Mund der Kaiser den Vortrag über die Kriegsereignisse entgegennahm. S. M. der Kaiser bestieg darauf mit dem Feldmarschall von Hindenburg den Kraft⸗ wagen zur Fahrt über die von ee Pionieren im feindlichen Feuer über den Narew geschlagene schwimmende Kriegsbrücke in die mit Fahnen und Blumen geschmückte Stadt durch das Spalier der in begeisterten Jubel ausbrechenden Truppen und Kranken⸗ schwestern. Glockengeläute und Salutschießen aus den eroberten kussischen Batterien begleiteten die Fahrt. Auch die Häuser der einheimischen Bevölkerung waren vielfach ge⸗ schmückt. Kinder streuten Blumen vor dem kaiserlichen Kraft⸗ wagen. Nach einer Parade wurde die russische katholische Kirche 2 vor der unter Glockengeläut und Orgelklängen großer Empfang durch die gesamte katholische Geistlichkeit von Kowno stattfand. Es folgte eine Besichtigung der Festungsanlagen, wo besonders ein Volltreffer in ein Munitionsmagazin der Anschluß⸗ batterie des Forts 4 die verheerende Wirkung unserer 42⸗Ztm. Haubitzen deutlich vor Augen führt. Auf Hunderte von Metern 1 5 die großen Betonblöcke des Munitionsmagazins herum⸗ geschleudert. Zur Abendtafel waren der Generalfeldmarschall v. Hinden⸗

burg, General v. Eichhorn und der deutsche Gouverneur de Festung Kowno geladen. 0 5 5

Das Wirtschaftsleben in Oesterreich⸗ungarn.

Wien, 21. Sept.(WTB. Nichtamtlich) DasFremden⸗ klatt teilt mit: Trotzdem im August für die dritte Einzahlungs⸗ 3 2 auf die österreichische Kriegsanleihe ein Kapitals⸗ erfordernis von über einer halben Milliarde Kronen zu befriedigen war, und dies demnach einen großen Teil der Spareinlagen an sich zog, weisen die Spareinlagen bei den Wiener Geld⸗ instituten im August die weitere ansehnliche Stergerun um 53 Millionen Kronen auf. Seit Beginn des Jahres ergibt si ein Zuwachs von 242 Millionen, gleich vierzehn Prozent. Wenn die Steigerung von pierzehn Prozent für die Gesamtheit der Geld⸗ Keinlagen angenommen würde, betrüge die Steigerung der Geld⸗

R

einlagen in der Monarchie ungefähr 2,8 Milliarden. DasFrem⸗ denblatt⸗ betont, die Ziffern bieten ein erfreuliches Bild der gesunden finanziellen Verfassung unseres Wirtschaftslebens, ines innigen Zusammenhanges mit unseren großen Banken und Spar⸗ lassen. Die Zusammenfassung dieser Kräfte, deren einheitliche und zielbewußte Fabeln verbürgen die großen wirtschaftlichen und jinanztellen Erfolge während des Krieges; sie brachte alle jene großen Fragen bei uns zur glücklichen Lösung, die bei unseren Feinden eine Quelle steter Sorge und Unsicherheit ist. Das türtische Parlament. 5

Konstantinopel, 21. Sept. WTB. Nichtamtlich.] Das Parlament wird entsprechend der Verfassung am 28. Sep⸗ tember zu dem letzten Tagungsabschnitt der gegenwärtigen, am 13. November endigenden Session zusammentreten. Die neue Ses⸗ sion wird am 14. November eröffnet. 0 0 5

Vorträge Björusons in Norwegen und Schweden.

Kristiania, 21. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Von unserem Pripatkorrespondenten: Björn Björnson hielt gestern abend in der Universitäts⸗Aula vor ausverkauftem Hause seinen seit Wochen mit großer Spannung erwarteten Vortrag.Der Krieg, Eindrücke und Stimmungen von drei Fronten. Der Vortrag hatte einen durchschlagenden großen Erfolg, trotz der verschiedenen offenen und versteckten Versuche gewisser deutschfeindlicher Blätter in Kristiania, Björnson als im Dienst der deutschen Stimmungs⸗ mache stehend zu verdächtigen. Der meisterhaft aufgebaute und künstlerisch vollendete, zu mächtiger Wirkung eigerte Vortrag fesselte die nach vielen Hunderten zählende Zuhörerschaft volle zwei Stunden und erweckte schließlich bei alle chörern be geisterten Beifall. Es war das erstemal, daß in Kristiania ein Redner, noch dazu ein Norweger von so angesehenem Namen, zu den Norwegern über Deutschland im Kriege gesprochen hat. Björnson verstand es meisterhaft, seinen norwegischen Zuhörern die menschliche g des mächtigen inneren äußeren Kampfes klar zu machen, Sten das deutsche Volk jetzt um sein Be⸗ stehen gegen eine Welt von starken Feinden siegreich kämpft. Er schilderte vor allem das rein Menschliche in diesem ungeheuren Völkerringen und gab packende heitere und ernste Bilder aus dem Leben und Kampfe des deutschen Volkes, aus seinem Wirken an drei Fronten und vor allem in seiner stillen Arbeit daheim. Björnson will im ganzen 22 Vorträge, zunächst in verschiedenen norwegischen Städten, dann in Stockholm und anderen Städten Schwedens halten. Es ist zu erwarten, daß die Vorträge Björnsons in Norwegen richtiges Verständnis für den Kampf des deutschen Volkes erwecken werden.

Eine Thronrede der Königin von Holland.

Haag, 21. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Bei der heuti⸗ gen Eröffnung der Generalstaaten brachte die Königin in der Thronrede ihre tiefe Genugtuung darüber zum Ausdruck, daß dem Vaterlande die Schrecken des Krieges erspart blieben, der noch immer kein Ende nehme. Der feste Wille der Regierung und Volksvertretung, die Unverletz⸗ lichkeit der Niederlande zu erhalten und die Pflich⸗ ten der Neutralität streng zu wahren, fänden überall Anerkennung. Die Beziehungen der Niederlande zu allen fremden Mächten seien freundschaftlich geblieben, Flotte und Heer ständen bereit, die nationalen Interessen des Landes zu schützen. Obwohl das Wirtschaftsleben durch die all⸗ gemeine europäische Lage noch sehr gedrückt sei, befänden sich die Landwirtschaft und Gartenwirtschaft in einem allgemein günstigen Zustande. Die verschärfte Aufsicht der Regierung bei der Einfuhr von Lebensmitteln und anderen Waren, die bezwecke, Preistreibereien zu verhindern und zu verhüten, daß die Lebensmittel und Rohstoffe, die in den Niederlanden selbst benötigt werden, das Land verlassen, sei noch immer unvermeidlich. Die Regierung versuche, die Einfuhr von Rohstoffen und anderen notwendigen Gütern möglichst zu begünstigen, deren beschränkte Zufuhr häufig die Fabrik⸗ betriebe gefährdet habe. Die Lage in Indien gebe keinen Anlaß zur Beunruhigung. Die zuletzt angekündigten Vor⸗ schläge zur Aenderung der Verfassung würden bald unter⸗ breitet werden. Wegen des erheblichen Fehlbetrages im Jahre 1916 und zur Deckung neuer Ausgaben würden Ge⸗ setzentwürfe zur Ueberprüfung der bestehenden und zur Ein⸗ führung neuer Steuern unterbreitet. Die Vorschläge wegen Regelung der schwebenden Schuld würden, obwohl die Schuld im Steigen begriffen sei, bis zum Frühjahr 1916 hinaus⸗ geschoben. Gesetzentwürfe zur Umgestaltung der Arbeiter⸗ versicherung seien in, Vorbereitung. Bis zur Vorlage des neuen Flottengesetzes würden die veralteten Bestände all⸗ mählich erneuert, wobei in erster Linie die Verteidigung Indiens berücksichtigt würde. Die Thronrede sagt zum Schluß, die Königin sehe im Vertrauen auf den Willen des Volkes, die schweren Bürden mutig zu tragen, die eine un⸗ vermeidliche Folge der gedrückten Lage seien, der Zukunft mit Zuversicht entgegen und sei überzeugt, daß die Niederlande, wenn ihnen der Krieg bis ans Ende erspart bliebe, auch weiterhin einen ehrenvollen Platz unter den

Nationen einnehmen würden. 5 Aus dem englischen Unterhaus.

London, 21. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Im Unter⸗ hause brachte Mac Kenna. das zweite Kriegsbudget für das laufende Finanzj ein. Er kündigte dabei eine Erhöhung der Einkommensteuer um 40 Prozent an. Die Steuern hätten in diesem Jahre bisher 11 274000 Pfund Sterling einge⸗ bracht; man erwarte für das ganze Jahr 37 400 000 Pfund Ster⸗ ling. Auch die Ergänzungssteuer werde bei einem Einkommen von 8000 Pfund Sterling und darüber erhöht werden und zwar um 2/10 bis 3/6 Shilling, woraus man 2 150 000 Pfund Sterling zu erzielen hoffe. Ferner sollten die Kriegsgewinne besteuert

Aus Mailand.

Berlin, 22. Sept. Infolge der Zunahme der Flieger⸗

besuche in Mailand wurden, lautBerliner Tageblatt,

die Kostbarkeiten und Sehenswürdigkeiten der Museen und des Doms in aller Stille weggeführt.

Der Seekrieg.

Lowestoft, 21. Sept.(WTB. Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der DampferHorden(1434 Tonnen) ist versenkt worden, die Besatzung wurde gerettet.

Aus dem Reiche.

5 Die Kriegsanleihe.

Berlin, 21. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Morgen läuft die Zeichnungsfrist auf die dritte deutsche Kriegs⸗ anleihe ab. Die Reichsbank wird indes in den Besitz eines großen Teiles der bei auswärtigen Zeichnungsstellen einge⸗ laufenen Anmeldungen erst am Donnerstag gelangen. In⸗

folgedessen ist die Feststellung und die Bekanntgabe des Er⸗ g

gebnisses der Zeichnung nicht vor Freitag, den 24. September, zu erwarten. Alle Zahlen, die vor Ver⸗ breitung finden, beruhen auf leeren Vermutungen.

Die Bekämpfung der Preistreibereien.

Berlin, 22. Sept. Der Bundesrat wird, verschiedenen Blättern zufolge, sich noch diese Woche mit der Bekämpfung unberechtigter Preistreibereien auf dem Lebens- mittelmarkte beschäftigen.

Die Zulassung eiserner Gewichte. Berlin, 21. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Durch die Be⸗

schlagnahme von Messing, Kupfer und Nickel ist ein empfindlicher! praktischen Seite die Geschichte

len Zuhörern be⸗ d

Mangel an e und kleinen Ge⸗ wichten, die bisher. nur aus diesen Metallen 9 1 werden durften, im Handel hervorgerufen worden. Tem Mangel ist jept, wie die kaiserliche Normal⸗Eichungskommission mitteilt, durch Zu⸗ lassung von eisernen Gewichten abgeholfen worden. a

Ein Hirtenbrief des Erzbischofs von Posen. 2 Posen, 20. Sept. Nichtamtlich.) Erzbischof Edmund Dalbor veröffentlicht anläßlich seiner morgen vormittag im Dome von Posen stattfindenden Einführung und Konsekration ein Hirtenschreiben, in dem es heißt: In einer großen Zeit des geschichtlichen Werdens über⸗ nehme ich die Leitung der Diözesen. Der Schlag der Weltuhr

kündet Stunden von unermeßlicher Bedeutung für das Schicksal der Völker, der Kirche und der Religion, Stunden, die über das künftige Weltbild entscheiden. Noch wissen

wir nicht, was uns die Zukunft bringen wird, aber das fühlen wir bereits, daß in der Welt Gottes Absichten u Ausführung kommen werden. Was 7 noch unmöglich schien, das ist heute schon Wirklichkeit. Gottes Finger ist offenbar geworden in geheimnisvollen Zeichen, deren volles Verständnis uns 1 noch fehlt, die uns aber eine Um⸗ gestaltung der Welt bereits ahnen lassen; verschwinden wird,

was nach dem Willen Gottes zum U ge reif ist. Er⸗ stehen wird zu einem neuen dauernden Leben, was Gott zum Le erwecken und erhalten will. O, möchten wir uns

doch dieser großen Zeit würdig erweisen, möchten wir doch urch Her See rnhelt Lauterkeit der Gesinnung und hei⸗

ligen Willensdrang uns einen Platz errin unter denen, die das Leben und e sollen. Möchten wir doch wert sein, Gottes ewige Gedanken bei der

weiteren Entwicklung der Welt in die Tat umzusetzen. Jeder von Euch, meine Lieben, muß durchdr sein von dem Bewußtsein, welch große Verantwortung auf ihm ruht, jeder muß in dankbarer Erfüllung der Gebote des Heilandes nach Kräften beitragen, den 1 Gottes auf uns herabzurufen. Der Grundsatz der Pflichterfüllung gilt zwar immer und überall; doch wenn unser Haus in Gef ist, wird mit Recht von jedem Hausbewohner doppelte samkeit und Pflichterfüllung verlangt. Nun leben wir gegenwärtig alle in einer Zeit harter Bedrängnis. Lauter als je dringt die Stimme Gottes an unser Ohr. Wachet und betet!

Berlin, 21. Sept.(WTB. Nichta von Gnesen⸗Posen, Dr. Dal bor, dessen feierliche Einführung heute stattfindet, ging vom Reichskanzler folgendes Tele⸗ gramm zu:

Eure Erzbischöfliche Gnaden bitte ich zur Feier des heutigen Tages meine aufrichtigsten Glüdwünsche entgegen zu nehmen. Die ernste, große Zeit macht Ihr hohes Amt, in welchem Sie dem zu früh dahingegangenen Erzbischof Dr. Likowski folgen, doppelt schwer und verantwortungsvoll.

250 es Eurer erz⸗ bischöflichen Gnaden durch Gottes reiche oil beschieden sein,

zum Segen der Ihnen anvertrauten Erzdiözesen dieses Amtes mit dem Erfolg zu walten, den der Kaiser und König, unser aller⸗ gnädigster Herr, für Staat und Kirche von Ihrer

Berlin, 22. Sept. Bei der Feier der 100 jährigen Zugehörigkeit von Neu- Vorpommern und Rügen zu Preußen wurde an den Kaiser ein Huldigungstelegr amm gesandt. Hierauf ist gestern, wie verschiedene Blätter aus Stral⸗ sund melden, an den Regierungspräsidenten ein Antwort⸗ telegramm eingegangen, in welchem der Kaiser seinen wärm⸗ sten Dank für das erneute Gelübde der Treue ausspricht und sagt:

Gott der Herr stärke auch fernerhin die so 83 bewährte Kraft der deutschen Waffen und schenke dem Vaterlande in dem

schweren Kampfe für seine Freiheit und Ehre den zuversichtlich er⸗ hofften glücklichen Ausgang. 5

Aus Stadt und Cand. 2 Gießen, 22. September 1915.

Mobilmachung der Gießener Hausfrauen.

Die Gießener Orts des Allgemeinen deut⸗ schen Frauenvereins hatte gestern abend die Haus⸗ frauen Gießens auf den Plan gerufen. Es 157 die Be⸗ sprechung von Fragen der hausfraulichen ganisation, Fragen, die augenblicklich mehr als je zu den Lebensinter⸗ essen der Allgemeinheit gehören, und die Gießener Hausfrauen vereins. Die Art, wie man gestern abend diese beiden Aufgaben anfaßte, verdient vor⸗ bildlich genannt zu werden. e e man durch eine rührige Propaganda dafi 1 orgt, der große Saal der Neuen Aula bis auf den allerletzten Platz besetzt war. Dann aber zeugten die Dinge, die man zu hören bekam und die schneidige, kurzentschlossene Art, mit der man den Haus⸗ frauenvereinauf die Füße stellte, von einem so 1 Wirklichkeitssinn und einer so ausgezeichneten Vorarbeit, daß man für die 2 Gute von den für Gießen noch einigermaßen neuen Bestrebungen erwarten darf. Nebenbei war die Versammlung in ihrer zwecksicheren Form, die alles überflüssige Beiwerk wie langatmige ee und spitzfindige Untersuchungen vermied, in mancher dei bes wie gesagt vorbildlich auch für Veranstaltungen,

i denen das starke Geschlecht das Wort führt.

Frau Oberstleutnant Naumann als die Vorsitzende des einberufenden Vereins hieß die zahlreiche Versamm⸗ lung mit 9 een 8 Worten willkommen und stellte fest, daß in gro- die Werbekraft des neuen Drhemipatlonig gebn liege. Als Rednerin für den Abend hatte man die Vorsitzende des Eisenacher Hausfrauenvereins gewonnen und damit einen sehr glücklichen Griff getan. Frau v. d. Groeben verfügt nicht nur über einen anscheinend sehr reichen

Usfraulicher Erfahrung und organisatorif ondern auch über die nötige rednerische Gewandtheit, um en Boden für die Gründung eines so ausgesprochenen

Zweckvereins vorzubereiten. Besser als mit allen rein ver⸗ standesmäßigen Darlegungen und wissenschaftlichen Erörte⸗ rungen bewies die Rednerin mit vielen handfesten Bei⸗

spielen, welche Macht von der einheitlich und 3

organisierten Haus frauenschaft einer Stadt 2 f

werde. Da bekamen die Versammlungsteilne n Dinge zu hören, die mancher das hausfrauliche Herz höher schlagen lassen mußten, Berichte von siegreich gewonnenen Schlachten gehen profithungrige Milchbauern, von unbe⸗ dingter Ueberlegenheit weiblicher Tatkrart über Metzgerinnungen, von echtem, treuen Zusammenhalten von ch und niedrig, und auch von höheren, idealen Zielen, die erst die Bedeutung der deutschen Frau hoch über die Um⸗ ebung von Küchenherd und Strickstrumpf hinausheben und ihr Wege weisen, die fern dem Herkömmlichen zu einer neuen, geschichtlichen Stellung der Hausfrauen chaft unseres

Vaterlandes führen können und müssen. Die feinsinnigen,

warmhezigen und vom Selbstbewußtsein der modernen Frau ngen der Rednerin,

im gut

die nicht nur für den Geldbeutel und die praltische

Lebens plädierte, sondern auch

wußte, fanden sammlung.

1 5 reichen 15 die. gen

ör brachte, war unter dem Gesi⸗ f erwäh des kflen 8

en Sinne getragenen Ausführu⸗ Seite des

die gespannte Aufmerksamleit der

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