Ausgabe 
(6.9.1915) 209. Zweites Blatt
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8.

nr. 200 Zwettes Blatt Gescher tage wut Ausnahme des Sonntags.

DieSleßener Famllienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimel wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Gberhessen

N FE 2 13

Montag, 6. September 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.

Aus dem belgischen Graubuch.

Die belgische Regierung hat vor einiger Zeit unter der Muffen 1 Relative à la ein Graub

Telegramm äußert Baron Beyens seine Vermutung, Deutsch⸗ land habe i

österreichi Staatsmänner zu einem solchen ritt der oesahrlgsten Entschließung, die ihre Diplomatie bislang gegenü i treffen hatte, ohne Be⸗

ber einem Balklanstaat 2 egen

5 entwickeln, während es in.

berufen sein dürften. innere Unruhen und die irische Frage geteilt. Der Gesandte wiederholt dann seine Vermutung, daß Deutschland um das Ultimatum wußte. Es sei einfach undenkbar, daß die Note, die bestimmt war, unvermeidlich zum Kriege zu. ohne Mitwissen der deutschen Regierung aufgesetzt worden sei Eine Bestätigung dafür findet er in der gleichzeitigen Weigerung der deutschen und der Perreichischungartf * Zeit zur Ueberlegung zu lassen.

Die Vaterschaft dieses Planes und die befolgte Methode werden in der diplomatischen Welt len der Geschick⸗ lichkeit, die Bismarck würdig ist, eher dem Gehirn eines chen als eines österreichis Staatsmannes zu⸗ 21 Das Geheimnis ist wohl gewahrt worden. Die

us führung geschah mit außerordentlicher Geschicklichkeit. Andern Tags hatte Baron Beyens eine Unterredung mit dem Unterstaatssekretür Zimmermann, der ihm erklärte, Deutschland habe seinem Verbündeten Unterstützung

E falls ein anderer Staat ihm in den Weg treten] stät die Kaiserin unsere Arbeit. So erhält auch diese Feier ihre oll

te, und Deutschland würde sein Wenn Rußland sein Heer mobil machte, so erklärte Dr. Zimmermann nach Beyens,so werden wir das unsere mobil machen, und in diesem Falle wird ein allgemeiner Krieg entstehen, ein Krieg, der ganz Mitteleuropa und die Balkanhalbinsel umfassen wird, denn die Rumänen, Bul⸗ garen, Griechen und Türken werden der Versuchung nicht 1 L e vermögen und daran teilnehmen, einer gegen

andern.

Am 29. Juli hob Baron Beyens die Mitteilung Sir Edward Greys an den Fürsten Lichnowsky hervor, daß, falls ein europäischer Krieg ausbräche, keine der sechs Großmächte 99 bleiben könne. Diese Mitteilung zerstörte nach Beyens endgültig die in deutschen Regierungskreisen sowie in der Presse gehegte falsche Hoffnung, daß England seine Neutralität bewahren werde. In der Folge entwickelten sich die Ereignisse rasch. Es erfolgte auch das Ultimatum an Belgien. Baron Beyens erhielt Meldung von seiner Regie⸗ rung darüber und begab sich nach der Wilhelmstraße, um vom Staatssekretär v. Jagow Aufklärung zu verlangen. Der Staatssekretär erwiderte:Eine absolute Notwendig⸗ keit hat uns gezwungen, diese Forderung an Sie zu richten. Es ist die schwerste Entscheidung, die ich in meinem Leben treffen mußte. Aber der Durchmarsch durch Belgien ist eine Frage von Leben und Tod für Deutschland. Wir sind dar⸗ über informiert, daß die französische Armee sich vorbereitet, durch Belgien zu marschieren und uns an unserer Flanke anzugreifen. Baron Beyens erwiderte:Im Gegensatz zu dem, was Sie denken, hat Frankreich formell versprochen, unsere Neutralität zu achten, vorausgesetzt, daß sie von Ihnen geachtet wird.

Das Graubuch enthält ferner Telegramme des belgischen Gesandten in Wien, der ebenfalls Deutschland hinter dem serbischen Ultimatum suchte. Auch in Wien wähnte man, daß England neutral bleiben würde. Der belgische Gesandte in Petersburg teilte mit, was der dortige französische Bot⸗ schafter über den Verlauf der Unterhandlungen zwischen Deutschland, Rußland und Oesterreich unmittelbar vor dem Kriege vernommen hat. Sasonow soll den deutschen Bot⸗ schafter wiederholt ersucht haben, ein einziges versöhnen⸗ des Wort zu reden, mit dem Rußland bei Gesterreich in der 9 des. Ultimatums an Serbien vermittelnd auftr önnte. Aber der deutsche Botsch gelehnt.

eten after habe dies stets ab⸗

der Reichskanzler bei der Einweihung des Eisernen Hindenburg in Berlin.

Berlin, 4. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Heute vor⸗ mittag um 11¼ Uhr wurde bei sehr schönem Wetter der Eiserne Hindenburg von Berlin auf dem Königs⸗ platz eingeweiht. In Vertretung der Kaiserin war Prin⸗

ssin 8 Wilhelm erschtenen Der Reichskanzler hielt die Festansprache und Oberbür eister Wermuth übernahm das Bildwerk in den utz der Stadt Berlin. Bei der Nagelung hielt der Reichskanzler folgende Ansprache:

Vor unserem alten Siegermale haben wir ein Bildnis auf⸗ 28 bestimmt, die Dankbarkeit des Volkes zu werktätiger diebe zu sammeln. Die Hilfe der Heimat ser für alle bereit, die in Leid sind um der Heimat willen! Der Krieger im Felde sei gewiß, daß auch am verwaisten Herde der Not gewehrt wird! Dies Werk der Hilfe stellen wir unter das Wahrzeichen Hindenburgs. Er, dem die Liebe des Soldaten gehört, steht fest gewachsen im Herzen des ganzen Volkes. In ihm zuerst verkörpert sich uns das Heldentum unserer Heere, die gewaltige Leistung ihrer Führer. Schwertschlag und Hammerschlag, Verteidiger und Zertrümmerer, das ist uns Hindenburg. Was wir ihm schuldig sind, hat der Kaiser in herrlichen Worten ausge- sprochen: Nie erlöschenden Tank. Die Gnade Seiner Majestät hat uns vergönnt, unser Hilfswerk auf einen Platz zu stellen, auf dem das Auge Bismarcks ruht. Mit der huldvollen Teil nahme, die sich keinem Liebeswerk versagt, begleitet Ihre Maje⸗

Versprechen halten.] Weihe durch den Ruf: Unser oberster Kriegsherr, den der Herr der

Heerscharen von Sieg zu Sieg führen wolle, Seine Majestät der Kaiser, Hurra! 5

Ueber die Gestaltung der aus Holz gemeißelten Kolossal⸗ statue des Feldmarschalls Hindenburg, die am 4. September in Berlin feierlich enthüllt wurde, macht der Schöpfer und künstlerische Leiter des Denkmalbaues Kunstmaler Georg Marschall in derHolzwelt interessante Mitteilungen, denen wir die folgenden Einzelheiten entnehmen:Nachdem das von mir entworfene Modell des Generalfeldmarschalls von Hindenburg fertiggestellt und einstimmig genehmigt war, galt es, an die Ausführung des großen Werkes zu gehen. In vier Wochen wollte und sollte ich das Kolossal⸗ werk schaffen! Wo das Holz, wo die Leute hernehmen? Frischen Mutes schritt ich an die Arbeit und nahm mit einem Studienkollegen, der reiche Erfahrungen in der Bildhauerei hatte, das Werk in Angriff. Kein Augenblick durfte verloren werden! Wer macht sich auch nur annähernd einen Begriff von dem Umfang dieses gigantischen Holzbildwerkes? Seit der Schaffung des Trojanischen Pferdes ist ganz gewiß eine ähnliche Statue nicht aus Holz geformt worden. Einige Zahlen geben ein Bild der Arbeit. 26 000 Kilogramm vom besten 5 Jahre alten Erlenholz waren zur Herstellung der gewaltigen drei quadratischen Blöcke, aus denen der Kopf, der Oberkörper und der Rumpf unseres großen Marschalls modelliert wurden, nötig. Die Beschaffung dieser großen Mengen zum Meißeln geeigneten Holzes war keineswegs leicht. Denn gerade das zur Verwendung gelangte Erlenholz bedarf sachkundiger und langwieriger Lagerung.Der Wetterbeständigkeit und Erhaltung des Erlenholzes wegen war es notwendig, auf verschiedenen großen Holzlagerplätzen nach gehörig ausgetrocknetem Material zu fahnden. Etwa 100 Kubikmeter 80 Millimeter starke Bohlen verwendeten wir und stellten aus je drei aufeinander geleimten Stücken gewaltige Einzelbohlen von etwa 20 Zentimeter Stärke her. Sie wurden mit Käseleim zusammengeschweißt und dann durch schwere, eiserne Bolzen zu den bereits erwähnten rechteckigen Blöcken aufeinandergepreßt. Aus diesen Riesen⸗ würfeln mußte unter Leitung des Holzbildhauers Oswald Schimmelpfennig die Statue des Generalfeldmarschalls nach dem Modell herausgearbeitet werden. Es handelte sich um keine Kleinigkeit; denn jeder einzelne Holzblock wog 200 Zentner, und diese ganze Holzmasse durfte nur mit Meißel, Hammer und Bohrer behandelt werden. Ueber den großen Arbeitsaufwand, der erforderlich war, um dem umfang⸗ reichen und oft spröden Material Gestalt und Gliederung abzuringen, erklärt Marschall:87 Holzbildhauer ware Tag und Nacht an der Arbeit. Die zur Ausführung de Werkes und zur Abmessung der Holzdimensionen nötigen Riesentaster der Punkteure hatten eine Spannweite von 6 Meter. Besonders schwierig wurde die Bearbeitung da⸗

durch, daß es sich bei den meisten Flächen um Hirnhol;

handelte, an dem die Stahlmeißel dutzendweise zerschellten. Den N Holzmassen dient eine Eisenkonstruktion zum Halt, die ein Gewicht von 6000 Kilogramm hat. Auch die statistischen Berechnungen boten erhebliche Schwierig⸗ keiten.Das größte Holzbildwerk, das je die Welt gesehen hat, mußte auf einen Winddruck von 3000 Kilogramm berechnet werden. Dabei hatten wir auch noch auf die Last der einzuschlagenden Nägel, deren Gewicht wir mit etwa 30000 Kilogramm nicht zu niedrig einschätzen, Rücksicht zu nehmen!

Aus dem Reiche.

Die dritte Kriegsanleihe.

Die Landwirtschaftliche Zentral⸗Dar⸗ lehnskasse für Deutschland, die Zentral-Geldausgleich⸗ stelle der Raiffeisen⸗Organisation, hat für sich und die ihr angeschlossenen Genossenschaften auf die dritte Kriegsanleihe vorläufig 25 Millionen Mark gezeichnet. An den bei⸗

Kunst und wissenschakt.

Vom europäischen Kunstmarkte. Wie in dem großen Kriege so vieles ganz, ganz anders gekommen ist, als ie Klügsten unter den Klugen voraussagen zu dürfen glaubten, so ist es auch mit dem europäischen Kunstmarkte gegangen. Im

Temps ist kürzlich anerkannt worden, daß sich der deutsche Kunstmarkt in 3 ruhiger und gediegener Verfassung erhält, und daß weder Schleuderverkäuse staktfinden noch die Preise für Kunstwerke auf den Versteigerungen irgendwie die Neigung zur Verringerung zeigen, ja eher ein Steigen der Preise wahrzu⸗ nehmen ist. Es muß aber festgestellt werden, daß auch in

Paris die Verhaltnisse ähnlich liegen. Im August hat dort zum ersten Male seit Ausbruch des Krieges wieder eine größere offentliche Versteigerung von alten Gemälden und Kunstgegen

änden im Hotel Drouot stattgefunden. Es handelte sich nach

* emKunstniarkt dabei um eine Sammlung aus herzoglichem Besitze. Die Preise hielten sich nicht nur fast auf der gleichen

öhe, wie vor dem Kriege, sondern es wurden sogar für einzelne Kuriositäten höhere Summen angelegt, als seit Jahr und Tag 1 waren. Spricht das schon für die günstige Lage ariser Kunstmarktes, so wird diese Wahrnehmung noch durch

atsache bestärkt, daß gegenwärtig die Verkäufer sehr selten

Alle Kunsthändler von Paris sind sich darin einig,

daß es e jetzt im Kriege schwer fällt, Seltenheiten zu

Enslaz ieselbe Beobachtung wie in Paris har man auch in

England gemacht; auch in London verharren die Preise für

Gemälde und andere Kunstgegenstände in

unverändert fester Haltung, während das Kaufangebot bemerkenswerte Zurückhaltung zeigt. um schließlich. auch noch ein neutrales Land zur Beleuchtung der Verhältnisse des curopäischen Kunstmarktes heranzuziehen, so hat im Monat Juli auch in Amsterdam wieder eine größere Kunstversteigerung n nachdem seit Ausbruch des Krieges der Kunstmarkt in Holland völlig zum Stillstande gekommen war. Es waren bei dieser Versteigerung leine Werke erster Klasse am Platze, doch wurden recht hübsche Preise bezahlt. Zwei kleine Fluß- landschaften von van Goyen vom Jahre 1642 brachten zusammen

9700 Mk., eine alte Dame bei der Morgenandacht von dem feinen modernen Hollander Batter Korff wurde mit 5600 Me. bezahlt und ein aus dem Jahre 1861 stammendes Bild der Rosa Bonheur,

das zwei Esel darstellt, konnte es auch auf 3570 Ml. bringen.

Ein Heimatsmuscum in Emmerich am Rhern. ie Kette der deutschen Heimatsmuseen ist durch ein weiteres Glied wordenwie wir derKunstenit entnehmen,

Jüngst das von Rektor Goebel trefflich eum eröffnet worden ist. Es beherbergt

die

im wesentlichen die bisher in unzulänglichen Räumen aufbewahrte städtische Altertumssammlung. Die erste Gruppe umfaßt vorge⸗ schichtliche Grabfunde aus Emmerich und Umgebung sowie die wich⸗ tigen fränkischen Grabfunde vom Speelberg. Der Raum für kirch⸗ liche Altertümer enthält u. a. die Holzstatuen der Hl. Petrus und Paulus aus der Aldegundiskirche. Für die Entwickelung des Kunstgeschmacks bezeichnend ist die Tatsache, daß in dem Emmericher Heimatsmuseum dem Uebergange vom Rokoko zum Biedermeier eine eigene Gruppe gewidmet ist, worin dieser Vorgang durch Möbel, Oefen und Gemälde veranschaulicht wird; noch vor wenigen Jahrzehnten hätte man dieser Zeit der deutschen Kunstentwickelung gar keine Aufmerksamkeit geschenkt. Als eine besondere Sehenswürdigkeit schließlich erscheint die in einem eigenen Raume untergebrachte alte Emmericher Küche, von deren Decke noch der alte lederne Brandeimer baumelt.

Ein französisches Kriegsbilderarchiv. Im Juni ist auf Anregung des Generals Joffre und mit Unterstützung des französischen Generalstabs, des Auswärtigen Amtes und des Unterrichtsministerimms eine eingestandenermaßen auf deutsche Vor bildung zurückgehendephotographische Heeresabteilung ins Le- ben getreten, die sich zur Aufgabe macht, den in Deutschland längst verwirklichten Gedanken, den europäischen Krieg in einer Reihe vorbildlicher Aufnahmen für kommende Geschlechter festzuhalten, auch für Frankreich durchzuführen. Die Arbeiten der Abteilung verfolgen hauptsächlich drei Ziele; sie sollen zunächst für das Kriegsministerium graphisches Material sammeln, für das Mir sterium des Aeußeren sollen Aufnahmen hergestellt werden, die zur Propaganda hauptsächlich in neutralen Ländern dienen kön- nen; das Unterrichtsministerium endlich wünscht die durch den Krieg zerstörten Baudenkmäler in der augenblicklichen Gestalt im Bilde festzuhalten und anschauliche Bilder aus der Feuerzone zu gewinnen, die bezeichnend genug zum Gebrauch im Schul- unterricht herangezogen werden sollen. Der Verwirklichung dieser drei Aufgaben widmen sich vier besondere Dienstzweige. Der erste umfaßt eine Schar Photographen, die sich zum Heere begeben und so weit wie möglich in die Gefechtslinie vorzudringen haben; sie haben bisher den Kämpfen um Neuville, St. Vaast und Metzeral beigewohnt. Einer davon ist im Elsaß verwundet worden, zwei andere sind eine Woche lang in Arras gewesen und haben während der Beschießung eine Fülle von Photographien angefer⸗ tigt, die als wertvoll bezeichnet werden. Das zweite Bureau umfaßt die Laboratorien, die kürzlich so weit entwickelt worden sind, daß sie 1700 Aufnahmen, die von der Front kamen, in drei Tagen entwickeln konnten. Tas dritte Bureau ist das Archiv. Es nimmt die für das Kriegsministerium und für das Kultusministerium be⸗ stimmten Sammlungen auf, ordnet sie nach geographischen und stofflichen Gesichtspuntten und vervollständigt sie durch Photo ·

graphien, die von privater Seite beigesteuert werden. Die Arbeit, die hier zu bewältigen ist, ist recht bedeutend, da die Zahl der Bil⸗ der täglich wächst. Als viertes Bureau zählt eine Verkaufsstelle, die nach dem Vorbilde der deutschenVerkehrsbureaus, die von der Zensur zur Verbreitung freigegebenen Photographien ins Publikum bringt. In allen vier Buregus ist man eifrig bei der Sache, freilich wird es kaum möglich sein, den Vorsprung, den die bösen Boches haben, einzuholen.

Ein Friedensdenkmal in Chikago. An der Midway⸗Plaisance⸗Allee, einer anderthalb Kilometer langen und etwa 300 Meter breiten Gartenstraße, welche die beiden im Süden von Chikago belegenen Volksparks, den Washington⸗ und den. Jackson⸗Park, verbindet, soll demnächst zur Feier des nunmehr 100 Jahre währenden Friedens zwischen den englisch sprechenden Völkern eine große Denkmalsanlage enthüllt werden, deren Schöp⸗ fer, Lorado Taft, sich als einer der zukunftsreichsten amerikanischen Bildhauer einen Namen gemacht hat. Als erster Teil der Gesamt⸗ anlage ist soeben das lebensgroße Modell derWelle der Zeit fertig geworden, einem Marmorwerke, für das Dobsons Verse: Ihr sagt, die Zeit geht? Ach nein, die Zeit bleibt stehen, wir gehen! das Leitmotiv abgegeben hat. Das Denkmal stellt von ferne eine schaumgekrönte Meereswoge dar, in der ein Reiter hält: nähert man sich, so zeichnen sich einzelne Köpfe, einzelne Gestalten und endlich ein ganzer Zug von Menschen ab, die sich links aus dem Wasser herauslösen und rechts von ihm überflutet werden. Links steigt die Jugend empor, die mit der Welle der Zeit zu ringen beginnt, um sie in der Mitte mit kräftiger Faust zu

meistern, allmählich aber werden die Gestalten schwächer, die Woge spritzt höher und höher und über Greisen und alten Mütterchen

schlägt die Flut zusammen. Fest bleibt nur ins Unbegrenzte hinausblickende Reiter: Anlage sind aus einer am Chikagoer Stiftung, dem Ferguson-Fund, pestritten worden. Als Gegenstuck derWelle der Zeit ist eineWelle der Schöpfung in Aussicht genommen, die ebenfalls von Taft ausgeführt werden soll. Zum Abschluß der Anlage sollen die beiden Seen sein, die sich im Washington- und im Jackson-Park befinden, durch einen Kanal ver⸗ bunden und dieser durch dreisymbolische Brücken, die Brücke der. die der Künste und die der Wissenschaft, überspannz werden.

Lübeck, 4. Sept.(Priv.⸗Tel.) DieVoss. Atg. meldet; Hier ist im Alter von 84 Jahren der Volksdichter und Rozitator Kindermann gestorben. Der Lübecker Senat hatte dem Dichter einen jährlichen Ehrensold ausgesetzt.

ur der geharnischte, fest die Jeit. Die Kosten der Kunstinstitut bestehenden