Ausgabe 
(31.8.1915) 204. Erstes Blatt
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Der Sießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; zweimal wöchentl. Kreis: blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); blelscas ice Zelhragen wirtscha e agen Jernsprech⸗ Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelleb! ldresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger leßen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

1(WTB.) Großes Hauptquartier, 30. August. Amtlich.) 5 Westlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Destlicher Kriegsschauplaz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls g v. Hindenburg. i Truppen des Generals v. Below stehen im Kampf um den Brückenkopf südlich von Frie drichstadt.

In den Kämpfen östlich des Njemen hät die Armee des Generalobersten v. Eichhorn die Gegend nordöstlich von Olita erreicht. Es wurden weitere 1600 Gefan⸗ gene gemacht und 7 Geschütze erobert.

In der Richtung auf Grodno wurde Lips!(am Bobr) erstürmt, der Feind zum Aufgeben des Sidra⸗Abschnittes ge⸗ zwungen und Sokolka von uns durchschritten. Der Ost⸗ rand der Forsten nordöstlich und östlich von Bialystok ist an mehreren Stellen erreicht.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Im Bialowieska⸗Forst wird um den Uebergang über den oberen Narew gekämpft. 5 Die deutschen und österrei isch⸗ungarischen Truppen des Generalobersten v. Woyrsch warfen den Feind aus seinen Stellungen bei Suchopol(am Ostrande des Forstes) und Szereszowo. Sie sind in scharfer Verfolgung begriffen.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Um den Rückzug ihrer rückwärtigen Staffeln durch das Sumpfgebiet östlich von Bruzana zu ermöglichen, stellten sich die Russen gestern in der Linie Poddubno in der Gegend südlich von Kobryn noch einmal zum Kampfe. Sie wurden geschlagen, trotzdem sie bereits abmarschierende Teile wieder in den Kampf warfen. Auch die Fortführung des in der Kriegsgeschichte aller Zeiten unerhörten Vekfahrens, zum Schutze der flüchtenden Armeen die auf dem Rückzuge mit⸗ geschleppte Bevölkerung des eigenen Landes zu vielen Tausenden, darunter hauptsä lich Frauen und Kinder, in unseren Angriff hineinzutreiben, utzte ihnen nichts. Oberste Heeresleitung. e e ee ee N 5 Aus der nachstehend wiedergegebenen amtlichen Zu⸗ sammenstellung über das Gesamtergebnis der großen Offen⸗ siwe gegen Rußland seit Anfang Mai sind die erfreu⸗ lichsten Rückschlüsse auf die heutige Lage zu ziehen. Wenn in den letzten Tagen aus Petersburg vielfach angekündigt worden war, daß der Großfürst Nikolai seine Heere in einer günstigen Linie weiter im Innern des Zarenreiches aufstellen werde, um zu gegebener Zeit, nach Erledigung der Munitionsfrage, wiederum zum Angriff vorzugehen, so wissen wir jetzt, was davon zu halten ist. Wo nichts ist, hat der Zar sein Recht verloren. Seine Armeen, andert⸗ halb Millionen Soldaten, sind in den letzten Monaten aus dem Kampfe ausgeschieden. Jetzt begreifen wir auch besser das Ziel unserer so stürmisch und ohne Zeitverlust vorrückenden Heerführer: es gilt nicht etwa, russische Land⸗ stücke zu besetzen(dies ist ein selbstverständlicher Erfolg, der erst in zweiter Linie in Frage kommt), sondern die Strategie Hindenburgs gilt, und dabei erinnern wir uns seines bekannten kernigen Ausspruches an seine Soldaten, demletzten Russen, der besiegt zu Boden liegen soll. Dieses Vorhaben schien damals kühn und schwer erreich⸗ bar heute aber ist das Wort beinahe erfüllt und ein⸗ 8 löst, denn der Zar hat nur noch klägliche Trümmer seiner eere und derletzte Russe wird von Ort zu Ort gehetzt. Von ganz besonderer Bedeutung für diese Wandlung der Lage ist es, daß auch im Südosten, an der Grenze Galiziens, der Stein wieder ins Rollen gekommen ist, der den Feind auch in der dortigen Gegend zerschmettert und aus ihm eine gänzlich zusammenhangslose Masse macht. Den Keil zwi⸗ schen die beiden getrennten Feindeshaufen treibt augenblick⸗ lich der General v. Puhallo weiter vor, indem er von Kowel

aus sich nach Süden gewandt hat und die nördliche Spitze des podolischen Festungsdreieckes, Luzk, bedroht. An der ge⸗ samten Riesenfront, von der Düna bis zur bessarabischen 2 1 55 Siu sich der geschlagene und zerbröckelte Feind auf der Flucht.

Und nun sind, wie es scheint, auch die letzten Hoff⸗ nungen unserer Feinde gescheitert, an den Dardanellen Revanche für alle Unbill zu nehmen und den Russen dort die nötige Luft zum Atmen zu schaffen. Seit dem 6. August

1 neue Verstärkungen gelandet, die jetzt

atten die Engländer an nörd! Flügel, an der Suplabucht, die volle

ö lichen Wucht der türkischen Kampfeslust erfahren haben. Nach der amtlichen türkischen Meldung verlor der Feind in den letzten beiden Tagen etma 10000 Mann, die getötet wurden; die übrigen Verluste sind darin nicht mitgerechnet, es heißt aber, e Zahl der feindlichen Verwundeten sei ebenso groß. Wenn den folgenden Nachrichten angeführte Verlustziffer des

es(40000 an einem Tag), von dem Gewährsmann

General⸗ Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.- Buch⸗ und Steindruckerei k. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7.

Die bernichtung der russischen Heere. Ein großer türkischer Sieg an den Dardanellen.

derVoss. Ztg. mitgeteilt, vielleicht auch etwas übertrieben ist, so darf dagegengehalten werden, daß auch der Konstan⸗ tinopeler Berichterstatter derFrankf. Ztg. feststellt, die Verluste der Engländer betrügen seit dem 6. August an Toten und Verwundeten mehr als 50000 Mann.

In Konstantinopel herrscht ob diefes Erfolges große Begeisterung, und auch wir an Siege und Triumphe gewöhn⸗ ten Deutschen dürfen den Leistungen unserer osmanischen Verbündeten und der Bedeutung ihrer neuesten Siege herz⸗ liche Bewunderung und Anerkennung zollen. Vielleicht wird der russische Generalstab auch diese Ereignisse zum Anlaß nehmen, gegendeutsche Umtriebe im Innern Ruß⸗ lands zu zetern? Uns dünkt, die ganz natürliche Folge so entscheidender Schläge muß sich auch in der Stimmung des russischen Volkes geltend machen. Und wehe, wenn dieses das schmähliche Verhalten seiner obersten Füh⸗ rer in vollem Umfange erfährt! Selbst wenn nur die letzten Tagesberichte der deutschen Heeresleitung bekannt werden, muß es im russischen Volke tagen, denn die Tat⸗ sache, daß unschuldige Wehrlose von den flüchtenden Sol⸗ datenhorden dem Verfolgungsfeuer des Feindes entgegen⸗ geworfen worden sind, wird in Rußland noch unwilliger aufgenommen werden als anderswo. 185

1 . a R.

Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.

Wien, 30. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 30. August 1915.

Russischer Kriegsschauplatz.

Die Armeen der Generale Pflanzer⸗Baltin und Bothmer drangen gestern bis an die Strypa vor. Der Gegner ver⸗ suchte an verschiedenen Geländeabschnitten unsere Verfolgung einzudämmen, wurde aber überall zurückgetrieben. Besonders hartnäckiger Widerstand mußte am unteren Ko ro pied⸗ Bach gebrochen werden. Die Truppen des Generals h m⸗ Ermolli stießen östlich Zloczow und in einer von Bialykamien über Toporow gegen Rade z iech ow ver⸗ laufenden Linie auf stark besetzte Stellungen. Der Feind wurde angegriffen und an zahlreichen Punkten der Front geworfen. 8

In Wolhynien haben unfere gegen Luck drängenden Streitkräfte abermals Raum gewonnen. Swimincki und andere zäh verteidigte Oertlichkeiten wurden dem Feinde entrissen. Die in der Bialowieskaja Puszeza kämpfenden K. und K. Truppen schlugen die Russen bei Szere szo wo und verfolgten sie gegen Pruszany.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Gestern unterhielten die Italiener an der ganzen küstenländischen Front ein Artilleriefeuer von wech⸗ selnder Stärke. An mehreren Stellen unternahm ihre In⸗ fanterie Annäherungsbersuche und kleinere Angriffe, wurde aber immer abgewiesen. 5

Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet ist die Lage unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Eine amtliche Uuebersicht über die deutschen Erfolge im Osten.

Berlin, 30. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Aus dem Großen Hau ptquartier wird uns geschrieben:

In dem gegenwärtigen Zeitpunkte, in dem durch den Fall der inneren russischen Verteidigungslinie ein gewisser Ahsch nik in den fortlaufenden Operationen erreicht worden ist, ist es lehr⸗ reich, sich kurz das bisherige Ergebnis der Offen⸗ sive zu vergegenwärtigen, die am 2. Mai mit dem Durchbruch bei Gorlice begonnen hat. Die Stärke der russischen Verbände, auf die der eigentliche Stoß nach und nach traf, wird gering mit 1400000 Mann beziffert werden ßönnen. In den Kämpfen sind rund 1 100000 Mann gefangen und mindestens 300,090 Mann gefallen oder verwundet worden, wenn man die Zahl der so Ausgeschiedenen(ohne Kranke) sehr niedrig auf nur 30 Prozent der Gefangenen veranschlagt. Sie ist aber sicher höher, denn seitdem der Feind, um den Rest seiner Artillerie zu retten, den eiligen Rückzug ohne jede Rücksicht auf Menschenleben in der Hauptsache durch Infanterie zu sichern versucht, hat er natürlich ungeheuerliche blutige Verluste erlitten. Man kann also sagen, daß die Heere, auf die unsere Offensive gestoßen ist, ein für allemal vernichtet sind. Wenn

dies dadurch zu erklären, daß er die für die Offensive gegen die Türkei in Südrußland bereitgestellten Divisonen herangezogen hat, daß sehr viele halbausgebildete Ersatzmannschaften aus dem Innern Rußlands schleunigst herangeführt wurden und daß er endlich aus jenen Fronten, an denen unser Druck weniger fühl⸗ bar war, zahlreiche Mannschaften einzeln und in kleinen Ver⸗ bänden nach Norden verschoben hat. Alle diese Maßnahmen haben das Verhängnis nicht aufhalten können. Aus Galizien, Polen, Kurland und Litauen ist der Feind vertrieben. Seine geschlossene Front ist zerrissen, seine Heere fluten in Zwei voll⸗ ständig getrennten Gruppen zurück. Nicht weniger als 12 Festungen, darunter vier große und ganz modern ausgebaute, fielen in die Hände unserer tapferen und treuen Streiter und damit die äußere sowie die innere Sicherungslinie des russischen Reiches.

Die Verfolgung der Russen über Brest⸗Litowsk hinaus. 5 Berlin, 31. Aug. Zur Verfolgung der Russen über

der Gegner trotzdem noch Truppen im Felde stehen hat, so ist f

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die Heeresgruppe des Prinzen Leopold von Bahern parallel der Bahnstrecke nach Wollowisk weiter Raum gewinnt. Die Heeres⸗ gruppe Mackensen rückte bis 50 Kilometer über Brest⸗Litows! hinaus. Berlin, 31. Aug. ImBerliner Lokalanzeiger heißt s zur kritischen Lage der Russen bei Kobryn aus Budapest: Die in der Gegend von Kobryn zusammengedrängten russischen Armeen befinden sich in einer kritischen Lage, weil durch das Vordringen der deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen die meisten Rück⸗ zugslinien scharf bedroht sind. Nur der Weg nach Nord⸗ osten bleibt offen, aber das rasche Vordringen der Ver⸗ bündeten bedroht auch diese Linie bon Stunde zu Stunde wirk⸗ samer. Besonders jene russischen Armeen können in eine gefährliche 0 Lage geraten, die sich, auf sumpfigem und waldigem Gebiet zu⸗ sammengepreßt, eiligst zurückziehen. 8 Der Kampf um Wilna. 5 Berlin, 31. Aug. In verschiedenen Morgenblättern liegen Nachrichten aus Kopenhagen vor, denen zufolge die Bedrohung Wilnas durch die Deutschen immer ernstlicher wird. Verschie⸗ dentlich wird eine große Schlacht bei Wilna angekündigt. g

(WTB. Nichtamtlich.)

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sich unsere Truppen nach heftigen Kämpfen in den letzten Tagen mehr westlich dieser Stadt zurückgezogen. In den Richtung Jako! st Westen keine Veränderungen. und zwischen diesem Flusse und 27. und 28. August auf der Front von f i on Wilna bis Nowy ja Troki Daubi und weiter bis zum Njemen die heftigen Kämpfe an Auf der Front zwischen den Quellen des Bob r und Pripjet keine wesentlichen Veränderungen. Im Laufe der Nacht zu 28. August und am Tage darauf wurden in dieser d mu Nachhutgefechte geliefert. Infolge der Versuche des Feindes, d starke Kräfte südlich von Wladimir⸗Wolynskif zusammen. zog und eine Offensive in der Richtung auf Luzk, Starde und Roshischtsche begann, um die rechte Flanke unserer Stellung in Galizien zu umfassen, ergriffen wir Maßnahmen z wendigen Umgru pp i und 28. August unter dem ausgeführt wurde.

Die Dämmerung in Rußland. 1 Petersburg, 30. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Mitteilun⸗ t unmaln

nördlich von

Unter den

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den Dardanellen..

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Die Kämpfe an

Nichtamtlich.) danellen⸗ am 28. August seine An⸗

Konstantinopel, 30. Aug.(WTS. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront unternahm der Feind gestern in der Gegend von Ana⸗ forta nichts. Unsere Artillerie schoß das Heckeines feindlichen Toryedobgotes in Brand, welches abgeschlevpt wurde. Bei Ari⸗Bur nu nichts von Bedeu⸗

Brest⸗Litowsk hinaus meldet dasBerliner Tageblatt, daß

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tung. Bei Sedd⸗ül-⸗Bahr zerstörte die Artillerie un

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