Ausgabe 
(30.8.1915) 203. Erstes Blatt
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forta am 27. August nach artilleristischer Vorbereitung zu Wasser und zu Lande unseren rechten Flügel bei Kiretsch Tepe und unser Zentrum südlich Asmakdere an. Er wurde an beiden Orten unter schweren Verlusten zu⸗ rückgeschlagen, ohne irgend einen Erfolg erzielt zu haben. Bei Kiretsch Tepe vernichteten wir ein feind⸗ liches Bataillon. Unser Zentrum griff der Feind drei⸗ mal an. Wir wiesen ihn jedesmal mit schweren Ver⸗ lusten zurück. Unsere Artillerie traf wiederholt einen feindlichen Kreuzer und ein Dransportschiff. Bei 2 ri Burnu auf dem rechten Flügel fand in der Nacht vom 28. zum 27. August wiederholt Bombenwerfen statt. Unsere Artillerie beschädigte ein feindliches Transportschiff und einen Schlepper. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr das gewöhnliche Ar⸗ tillerie⸗ und Insanteriefeuer. Von den übrigen Kriegsschau⸗ plätzen nichts Besonderes.

Ein englischer Truppendampfer versenkt.

5 Frankfurt a. M., 28. Aug. DieFrankfurter Zei⸗ tung meldet aus Amsterdam vom 28. August: Das Vaderland berichtet: Reisende des DampfschiffesRyn⸗ am, das dieser Tage aus New Pork zurückkam, teilen mit, am 15. auf der Höhe der Scilly⸗Inseln ein engli⸗ ches Transportschiff mit kanadischen Trup⸗ pen torpediert worden ist. Von den 2000 Mann an Bo d sollen ungefähr 1000 gerettet worden sein.

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5 Der Wirrwarr in Rußland. 5 Zurückgeschraubte Hoffnungen. London, 28. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Peters⸗ urger Korrespondent derTimes veröffentlicht ein Tele⸗ amm, in dem Sason ow die Zumutung, daß die Russen an der Ehrlichkeit ihrer Bundesgenossen zweifeln, entrüstet zurückweist und aufs neue gelobt, daß die russische Regierung nicht Frieden schließen werde, solange ein feind⸗ licher Soldat sich auf russischem Gebiet befindet. Der Korrespondent wechselte auch ein Telegramm mit dem Kriegsminister Poliwanow, wonach die russische Re⸗ gierung jetzt damit beschäftigt sei, zwei Millionen Rekruten einzustellen. Die Russen besetzten allmählich neue Stellun⸗ gen. Die Entscheidung des Feldzuges werde nicht vor dem nächsten Jahre fallen. Man hoffe, Petersburg halten zu können. Die Armeen würden ohne Beschwerden den Winter durchhalten können. Der Jahrgang 1917 sei dafftr bereit. In dem nächsten Jahre würden zwei Millionen bereit sein, ins Feld zu ziehen. f Moskau, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) DemRuß⸗ koje Slowo ging von 155 autoritativer Stelle ein Be⸗ richt über die Kriegslage zu. Danach ist infolge des Falles von Kowno mit der baldigen Einnahme Wil⸗ mas durch die Deutschen zu rechnen. Dadurch ginge die Haupteisenbahn nach Petersburg verloren. s blieben zwei Linien zum Rückzug übrig. Petersburg elbst sei nicht bedroht, da bereits alle Maßregeln getroffen eien. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz trete jetzt eine imgruppierung der Heeresstärken ein. Der Augenblick, an dem dem deutschen Vordringen Einhalt geboten werde, käme bald. Augenblicklich sei Rußland bis zur Regelung der Munitionsfrage zur Defensive gezwungen. Den Westmächten sei kein Vorwurf zu machen, da die westliche Front jetzt ebenso wie Gallipoli von eisenbetonierten Grä⸗ ben, wie bei einer Festung, durchzogen sei Deshalb seien nur meterweise Erfolge möglich. Daher sei aber auch die r der Dardanellen nicht bald zu er⸗ varten.

5 Programmlofigkeit. f Rete hr g. 29. Aug.(WT. Nichtamtlich.) Dem 5 een zufolge bestreiten die rechtsstehende Presse und aßgebende Stellen die Richtigkeit der Gerüchte der Be⸗ reitung der Juden von den einschränkenden Bestim⸗ mungen. Auch die Gouverneure, deren Absetzung verspro⸗ en worden war, wirtschafteten weiter, wie bis⸗ er. Es müsse, schreibt das Blatt, energisch darauf bestan⸗ den werden, daß die Regierung ein festes Pro⸗ gramm erlasse, von dem sie nicht abweiche.

Die Russen bestätigen den neuen Durchbruch.

Petersburg, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Große Generalstab teilt mit: In der Gegend von Riga keine Verände⸗ rung. In, der Richtung auf- Triedrichstadt hielten die hart⸗ näckigen Kämpfe an. Der Feind versuchte die Eisenbahnlinie FreuzburgMitau zu überschreiten. An den Straßen nach Wilna, am rechten Ufer der Wilija und zwischen Wilija und Njemen entwickelte der Feind während des 26. und 27. August eine Angriffstätigkeit, die durch unsere Gegenangriffe aufgehal⸗ ten wurde. Am mittleren Niemen und zwischen Bobr und Pri⸗ pet setzten unsere Truppen am 26. und 27. August ihren Rück⸗ ug fort und wehrten die feindliche Offensive ab. Der Feind

hartnäckig in den Richtungen nördlich von Bjelostock, Westrande des Waldes von Bjelowiesch an den Straßen nach Tobryn vorzudringen. Am rechten Ufer des Bug begann der . nd am 26. August aus der Gegend von Wladimir⸗Wolynski in der Richtung nach Totschin, westlich von Luzk gegen Lekatschi am Fluß Luga und gegen Poritzt vorzugehen. Es entwickelten sich Kämpfe an dieser Front. An der Front vom Bug zur Zlota⸗ Lipa und am Dnjestr versuchte der Feind in der Nacht zum 27. August und am darauffolgenden Tage gleichfalls unsere Front vielen Abschnitten anzugreifen. Seine Offensive wurde beson⸗ ders. in der Gegend nördlich von Brzezany und westlich 7! 71 e geführt, wo es ihm gelang, sich am linken . er der

lota⸗Lipa festzusetzen.

Die Deutschen sind schuld. Sondon, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Bericht⸗ erstatter derTimes in Petersburg klagt in einer Depesche vom 26. 72 77 über heimtückische deutsche Wühlereien in Rußland, die dahin gingen, Gerüchte zu verbreiten, um die Armee zu entmutigen und das Vertrauen der Oeffentlichkeit zu er⸗ 0 ern. Diese Umtriebe seien seit dem Falle Warschaus mit wach⸗ fender Geschicklichkeit und Kraft, sowohl im Heere als auch in allen Petersburger Kreisen ins Werk gesetzt worden. Die Absicht sei, ie Soldaten und das Publikum zu überzeugen, daß der Sieg un⸗ öglich sei und daß die Alliierten Rußland im Stiche ließen. ie andauernde Notwendigkeit des strategischen Rückzuges habe dem Feinde Gelegenheit gegeben, wirksam und gende zu arbeiten, so daß heute gewisse Leute in Rußland die Lage als unheil⸗ bar, verwirrt und düster ansehen. Man verbreite Ge⸗ rüchte, daß der Angriff der Alliierten an der Westfront endgültig aufgegeben sei und daß die höchsten Stellen insgeheim Friedens⸗

pläne erwägen.

Flüchtlingselend. Wien, 29. Aug. Nach kurzem Aufenthalt in Moskau nach Warschau zurückgekehrte Polen berichten über die enorme polnische Einwanderung in Petersburg und Moskau. Die Zahl der dortigen Flüchtlinge aus

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n Lebensmitteln hervorgerufen. Dadurch hat timmung unter der einheimi⸗ schen Bevölkerung überhandgenommen. Das 1 soweit, daß man ihnen keine Wohnungen vermietet u ihnen erst nach 12 Uhr mittags das Einkaufen auf dem Markte ge⸗ stattet.

Rußkoje Slowo gibt ein Bild von dem furchtbaren Elend der Flüchtlinge, die in unendlichen Reihen die Chaussee Brest⸗Litowsk nach Moskau dahinziehen und bereits sieben bis acht Wochen unterwegs sind. Alle Kinder seien krank, Männer und Frauen sehen wie vagabondierende Zigeuner aus, da sie acht Tage und Nächte den Unbilden der Witterung ausgesetzt seien. Sie äußerten sich unwillig(1) über die zwangsweise Verlassung der Heimstätten. Viele, besonders Kinder, stürben unterwegs. Die Flücht⸗ linge sehnten sich nach Transporten mit der Eisenbahn.

ö 35* Der innere Feind in England.

London, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Ein neuer Artikel des neutralen Korrespondenten derTimes behandelt England. Der Verfasser sagt: Es wäre eine absichtliche Unwahrheit, zu be⸗ haupten, daß man die Konzentration der Deutschen auf den Krieg mit Englands Haltung dazu vergleichen könne. Es wäre durchaus unwahr, zu sagen, daß die englische Mittelklasse den Krieg ebenso verstünde wie die deutsche. Die deutschen Schulknaben wüßten mehr davon. Dem Verfasser fiel es besonders auf, daß die Eng⸗ länder die schwierige Lage an den Dardanellen nicht zu be⸗ urteilen wüßten und daß kein Kinotheater in London Kriegs⸗ bilder bringe, um dem Publikum eine Idee zu geben von den Taten der britischen Flotte und des britischen Heeres. Der Korrespondent erhielt einen unerfreulichen Eindruck von der Gleichgültig⸗ keit der Engländer gegenüber dem Kriege. Der Burenkrieg schien größeres Interesse zu erwecken als der jetzige. Die herrschende Stimmung scheine die zu sein, daß der Krieg sich selbst gewinnen, werde, wenn man ihn allein ließe.

London, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Herausgeber derDaily News, Gardiner, bezeichnet die Abstimmung in der französischen Fammer als einen Trompetenstoß an die Alli⸗ ierten in einer Stunde niedergedrückter Stimmung und böser Ahnungen. Die Macht des Feindes sei kaum jemals stärker empfunden worden als jetzt. Niemals in der Welt⸗ geschichte habe es ein Schauspiel materieller Macht gegeben, wie es jetzt die Deutschen bieten, indem sie eine große Armee im Westen unbesiegbar festhalten und im Osten in das Herz Rußlands vor⸗ wärtsdringen. Es wäre Torheit, die Größe dieser kolossalen Macht⸗ entfaltung verkleinern zu wollen. Die Moral davon ist, daß wir leine Uneinigkeit in den eigenen Reihen zeigen dürfen. Wir haben nicht den äußern Feind, sondern den Feind im Innern zu fürchten, nämlich die Prediger der erzweiflung, die Ränke⸗ schmiede, die Urheber der Uneinigkeit. Der Glaube der Gegner, daß das Bündnis der Alliierten nicht auf der Anspannung gleicher Kräfte beruhe, sei nicht unbegründet. Die Interessen der Alli⸗ ierten seien äußerst verwickelt. Die Deutschen rechneten auf Um⸗ sturz in Rußland, heftigen politischen Kampf um die Wehrpflicht in England sowie auf die Wiederkehr der katholischen Vorstöße gegen die französische Republik. Vivianis Rede habe den Streit zwischen Reaktionären und Republikanern über die Beaufsichtigung der Armee beendet. England sollte diesem Beispiel folgen und den drohenden Streit über die Wehrpflicht ruhen lassen und die Re⸗ gierung nicht mit Hilfe der Volksleidenschaft in ein Unternehmen bringen, das die Nation spalten würde. Es gäbe keine schlimmere Verbindung von nationalen Führern als die Lords Milner und Northcliffe. Gardiner sagt, er habe den Mut sinken g ef ühlt, als er von dem Streif der zehntausend Bergleute gehört habe, und erwähnt, daß die Munitionsarbeiter von den Gewerkschaften genötigt werden, langsam zu arbeiten. Der Artikel

schließt: Leute, die Uneinigkeit in unsere Reihen tragen, sind mehr zu fürchten, als die Deutf 17812 0

Englischo Prozentpatrioten.

London, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Asquith hat gegen die Lohnforderungen der Bergleute von Northumberland entschieden, indem er nicht, wie sie forderten, 11 Prozent, sondern 2 Prozent hmzulage bewilligte. Der Ausschuß ist gestern zusammengetreten, um die Lage zu erörtern. Delegierte des Ausführenden Aus⸗ schusses der Bergleute von Südwales sind nach London ab⸗ gereist, um eine Unterredung mit Runciman nachzusuchen, obwohl Runciman in einem Briefe die Besprechung ab⸗ gelehnt hatte.

DieTimes melden aus. Sollten die nach London gesandten Delegierten das Ziel nicht erreichen und die Grubenbesitzer an dem Schiedsspruche Runcimans strikte festhalten, so wird die Lage sehr ernst werden. Die 8 im Rhonddatale sind zweifellos starrköpfig und werden durch jüngere Agitatoren aufgehetzt. Eine Massenversammlung wird am Sonntag in Toypandy abge⸗ halten. Es wird vielleicht schwer sein, die Arbeiter zu ver⸗ hindern, ohne Rücksicht auf ihre Führer die Entscheidung in die eigene Hand zu nehmen. 1 7

London, 29. Aug.(WTB. e DieMor⸗ ning Post meldet aus Cardiff: Der Arbeiterführer Hartshorn riet den Arbeitern in einer Rede in Abertillery, ihr Pulver trocken zuhalten und für die Inter⸗ essen des Gewerkschaftsverbandes zu sorgen, solange sie die Macht in Händen hätten, denn nach der Ein⸗

rung vo die polen feindliche S

führung der Wehrpflicht müßten sie verhungern. Die jetzi⸗ gen Schwierigkeiten seien größer als bei Beginn des Strei⸗ tes; aber selß

t wenn die ganze e gegen sie wäre, hätten doch die Arbeiter Recht, die Regierung dagegen Un⸗ recht. Lloyd George müsse seine Zusagen erfüllen, dann würden die Bergleute die Arbeit sofort wieder aufnehmen. Die Wirkung der Rede waren neue Streiks.

Genf, 30. Aug. Die Ausdehnung des englischen Kohlenstreiks erzeugt in der Pariser Presse tief ge ende Erbitterung. Alle Morgenblätter bringen ellenlange Londoner Berichte, nach denen nächstens die Zahl der Strei⸗ kenden auf 100 000 steigen werde. Das Verhalten der Bergleute wird verschieden beurteilt. Die rohalistischen Blätter gebrauchen Ausdrücke, wieLandesverräter. Die Regierung müßte für die Kriegsdauer die totale Leitung der Kohlenindustrie militarisieren. Die linksstehende Presse beschuldigt die Regierung des Wortbruches gegenüber den Bergarbeitern. Die Grubenbesitzer betrieben ungehindert eine Ausbeutung der Arbeiter. Der zweite Kohlenstreik bedeute eine verlorene Schlacht.

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Der U⸗Boots⸗Krieg.

In England dringt jetzt unwiderstehlich die Erkennt⸗ nis durch, daß Deutschland nicht nur militärisch ein Gegner ist, der mit den bisherigen Mitteln nicht zu überwinden ist, sondern daß auch die wirtschaftliche Ueberwindung des deutschen Volkes ein Unding ist. Lord Haldane, der frühere englische Kriegsminister, hat zweifellos richtig pro⸗ phezeit, wenn er sagte, daß England nach dem Kriege ein anz anderes, weil viel ärmeres Land sein werde Im Ober⸗ aufe hat bei einer Vorlage, die eine Einschränkung der Rindviehschlachtung vorsieht, um die Zuchtviehbestände im

5 beträgt mehr als 500 000. Der Zustrom der Flücht⸗ llinge hat in Mos lau und Pe tersburg eine große Teue⸗ . f

Lande zu schonen, der Ackerbauminister Lord Selborne ge⸗ äußert, daß die Fleischversorgung Englands vom Aus⸗

lande besonders durch die Unterseebo 1 55 werden könne; die deutschen U nähmen ihren ständigen Tribut von der lis 11 ue 55 1 5 sei 5 mit 5 5 rung der Unterseebootsgefahr zu rechnen, wei i lich die gesamten 9 Schüfsewerften zum Bau immer neuer Unterseeboote herangezogen würden; es werde keines⸗ wegs die Schuld der deutschen Regierung sein, wenn es den Unterseebooten nicht gelänge, der englischen Handelsflotte den Todesstoß zu versetzen, besonders dem Teil der Flotte, der das Land mit Nahrung versehe. Damit dürfte die er⸗ heuchelte englische Auffassung von demUnterseebootbluff abgetan sein. Hatte der früher so laute und 1955 recht still gewordene Lord Curchill höhnisch-verächtliche Bemerkungen über die deutschen U⸗Torpedos gemacht, so hat Lord Sel⸗ borne, der früher selbst Admiralslord gewesen ist, erkannt, daß diese Gefahr doch größer ist, als Lord Churchill sich und andern glaubte einreden zu können. 5 5 Auch auf anderen Gebieten der Volkserna lassen einwandfreie Zeugnisse erkennen, wie sehr sich England durch die Anzettelung des Krieges wirtschaftlich selbst in das eigene Fleisch geschnitten hat. Die amerikanischen Weizen⸗ preise sind in letzter Zeit von ihrem hohen Kriegsstand zu⸗ rückgegangen, dagegen kostet britischer Weizen, der im Vor⸗ jahre nur 78 Schilling für das Quarter teurer war als a Wetzen in Amerika, jetzt etwa 23 Schilling das Quarter mehr als dieser. Da ein Quarter gleich 224 Kilogramm ist, so ist eine Differenz von über 100 Mk. für die Tonne 558 dem englischen und amerikanischen Weizenpreise; as bedeutet: England, das Land des Freihandels, muß fast das Doppelte des Betrages, der in Deutschland als Zoll auf dem Weizen liegt, an Nordamerika bezahlen, um von dort Weizen zu erhalten! Wenn sich En 255 einen solchen Aufschlag gefallen lassen muß, so ist auch das jeden⸗ falls die Folge der Unsicherheit in der Verschiffung, die die Angst vor unseren Unterseebooten gebracht hat. 5 Eduard VII. hat seine Einkreisungspolitik gegen Deutsch⸗ land inauguriert, um uns politisch zu isolieren und mit Waffenhilfe anderer Staaten militärisch niederzuringen; dieser Politik hat sich würdig der Aushungerungsplan an⸗ gereiht. Beide Pläne sind durch die Mobilisierung unserer Wehrmacht und unserer Volkswirtschaft, deren Organisa⸗ tionen wundervoll ineinandergreifen, zuschanden gemacht. Das deutsche Volk steht in einem siegreichen Daseins⸗ und Freiheitskampfe Hagen eine Welt von Feinden. Mit dieser unumstößlichen Wahrheit wird sich auch England, unser stärkster und gefährlichster Gegner, wohl oder übel abfinden müssen. Um ein Zitat des Reichskanzlers Fürsten Bülow zu gebrauchen: England beißt auf Granit, und, statt seinerseits Deutschland einzuschnüren, beokmmt es jetzt selbst die Wirkung der wirtschaftlichen Abschließung 1 und mehr zu spüren. Der Pfeil springt auf den Schützen zurück, und das fluchwürdige Verbrechen der englischen Politik seit Eduard VII. findet den verdienten Lohn!

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Deutsche Flieger gegen Paris.

Paris, 29. Aug,(WT Nichtamtlich) Amtli ericht von gestern abend. Starke wirksame Weich ene 1 Schützengräben im Gebiete von Nieu port Het Sas. Nörd⸗ lich von Arras und östlich der. Straße nach Lille Kämpfe mit Bomben und Schützengrabenkampfwerkzeugen, wo unsere Bat⸗ terien Bombardementsversuche des Feindes in La fille morte, Marie Therese, St. Hubert und Four de Paris anhielten. Ka⸗ nonade im Priesterwalde, im Walde von Paroy, in den Vo⸗ gesen(Abschnitten Chaplotte und Launois). Gestern vormittag 10 Uhr flogen sechs deutsche Flugzeuge nach dem Ge⸗ biete von Soissons ab und drei nach dem Gebiete von Compiègne. Sie richtetenihren Flug gegen Paris, konnten ihr Ziel erreichen einige Bomb auf Nogent⸗sur⸗Marne, Mont⸗Moredny, Montfermeil, Ribscourt und Compiegne ab. Nur in der letzten Stadt wurden Opfer 79 gemeldet; zwei Krankenwärterinnen und ein Kind wurden ge⸗ N tötet. Die feindlichen Flugzeuge wurden, sobald sie bemerkt wur⸗ den, an den e Punkten ihres Weges sofort be⸗ schossen und von den unseren verfolgt. Der Kommandeur eines unserer Frontgeschwader verfolgte eines der deutschen Flugzeuge in 3600 Meter Höhe und holte es nördlich von Senlis her⸗ unter. Das deutsche Flugzeug und sein Pilot wurden verkohlt aufgefunden. 0

Joffre verkündet den Winterfeldzug.

Berlin, 29. Aug. Aus dem Haag wird verschiedenen Morgenblättern gemeldet: General Joffre hat einen Ar⸗ meebefehl erlassen, in dem er seinen Truppen die Not⸗ wendigkeit eines neuen Winterfeldzuges ankündigt. Gewissermaßen als Trost ist dieser Ankündigung die Mit⸗ teilung beigefügt, daß dieser Winterfeldzug sich zum größten 5 Teile in der Rheingegend() abspielen werde. i

Gilberts Annahme verweigert. e

Paris, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Meldung der Agence Havas. Auf Befehl der Regierung ist der Flieger Gtlbert am Samstag nach der Schweiz zurückgekehrt.

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Das gebundene Italien.

Stockholm, 30. Aug. Zu der italienischen Kriegs⸗ erklärung an die Türkei wird aus e Kreisen bekannt, kriegerische Taten Italiens gegen die Türkei seien nicht zu erwarten, da Italien ein festes Programm in Europa habe. Italien sei augenblicklich durch den Kampf mit Oesterreich⸗Ungarn derart gebunden, daß seine Betei⸗ ligung an den Dardanellen unmöglich sei.

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Roosevelt, das enfant terrible.. London, 28. Aug.(WTB. Nichtamtlich.)Daily Newss meldet aus New Pork: Die Rede, in der Roo sevelt kürzlich im Militärlager von Plattsburg Deutschland heftig angriff und die Untätigkeit der Vereinigten Stagten kritisierte, macht in amtlichen Kreisen einen sehr peinlichen Eindruck Kriegssekretär Garrison tadelte Roosevelt scharf und sagte, man könne sich für die Politik der Regierung nichts schädlicheres denken. Garrison erteilte auch dem Kommandanten General Wood amt⸗ lich einen scharfen Verweis, weil er erlaubt hat, daß eine solche Rede im Lager gehalten wurde. f g im Osten.

v. Beseler Generalgouverneur

Posen, 28. Aug.(WTB Nichtamtlich. Meldung des Pose⸗ 9 ner Tageblatt: Für das ze, unter deutsch waltung

er Ver stehende besetzte Gebiet im Osten wird ein Generalgouver⸗ ne ur bestellt. Als solcher ist General v. Beseler ernannt mor⸗ den. Zum Chef seines Stabes wurde Generalmajor von der Esch ernannt, der bisher als militärischer Beauftragter des Oberbefehls⸗ habers Ost der Zivilverwaltung von Polen angehörte. Die bis⸗ herige Zivilverwaltung von Polen links der Weichsel in Kalisch wurde nach Warschau verlegt und ihr ganz Russisch⸗Polen u

terstellt. Der bisherige Präsident Dr. v. Kries ist zum Ve waltungschef beim Generalgouverneur mit dem Titel Exzellenz nannt worden. 0 f.