Gießen, 30. August 1915.
verbraucher⸗Versammlung.
Zu einem größeren Verband zusammengeschlossene Vereine unserer Stadt— 20 an der Jahl n 8 85 zu 1 9 öffent⸗ lichen Versammlung in der Aula der Univers
che neuen eingeladen, um den Mache i istreibereien Paar chenschaften gewissenloser Preistreibereien
Stellung zu nehmen und die Kansumenten über die rsachen der zurzeit eingetretenen Teuerung aufzuklären. Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden des Bürgervereins, Lehrer Valentin Müller, geleitet. Der Vorsitzende des Kriegs⸗ ausschusses für Konsumenteninteressen in Frankfurt a. M., Herr Wemig, sprach über das Thema:„Was können die Kon⸗ sumentengegeneine unberechtigte Lebensmittel- verteuerung tun.“ Seinen Ausführungen stellte der Redner die für den in Frankfurt a. M. gegründeten Konsumentenverein sestgelegten Ziele voran, die darin gipfelten, allen ungerechtfer⸗ tigten Preistreibereien einzelner u jeder ungerechten Herab⸗ setzung von Lohn und Gehalt energisch entgegenzutreten, und gab dann die Mittel an, wie man dieses Ziel zu erreichen gedenkt. führte weiter aus: Millionen kämpfen draußen auf dem Schlachtfeld gegen den Feind. Ruhig und bewunderungswürdig trägt das Volk die durch den Krieg verursachte Not und Last. Alle Kräfte müssen gegen den auswärtigen Feind gerichtet sein und die nötige Autorität muß in dieser kritischen Zeit erhalten werden. Was wir bekämpfen, das sind einzig und allein die un⸗ berechtigten Preistreibereien und der Wucher. Die Lebens⸗ und Gebrauchsmittel dienen der Gesamtheit, und die schwere Zeit darf nicht zur Bereicherung Einzelner ausgenützt werden. Der Redner führt verschiedene Beispiele gewissenloser Wucherer an, die in kurzer Zeit Millionen in ihre Tasche schafften. Entrüstung und Bedauern hilft in dieser Sache nichts. Die Presse tut ihre Schuldigkeit, sie ist sich fast ausnahmslos ihrer Stellung bewußt. Seitens der Regierungsorgane und Stadtverwaltun⸗ gen ist schon vieles geschehen. Verordnungen und Beschließungen ind in gen r Zahl erschienen. Aber trotz aller diefer Maß⸗ nahmen ist der Wucher nicht verschwunden. Die Konsumenten müf⸗ sen sich zusammenschließen, wie dies ja auch die Produzenten getan 1 d in gemeinsamer Arbeit müssen die berechtigten In⸗ teressen beider Gruppen festgelegt werden. Der Vortragende stellt sodann durch Gegenüberstellung der Lebensmittelpreise für die Monate Juli und August 1914 und 1915 die Tatsache fest, daß die Lebensmittel um 100 Prozent gestiegen sind. In der Beant⸗ wortung der Frage: Wie kommt die Preissteigerung, ist sie be⸗ rechtigt? kommt Redner zu der Ansicht: Die Konsumenten sind vielfach schuld daran. Die wirtschaftlich Besserge⸗ stellten bezahlen freiwillig höhere Preise. Kriegspreise sind bis zu einem gewissen Grad berechtigt, es liegt auf der Hand, daß sie höher sein müssen als die Preise in Friedenszeiten, aber man treibe sie doch nicht selbst noch in die Höhe, und zahle die Preise der Marklpreiskommissionen. Auch der Zwischenhandel ist nicht immer unschuldig. Ein großer Teil meint es ehrlich, und leben muß schließlich jeder. Nur einzelne beuten das Volk aus. Gegen sie muß vorgegangen werden. Die Kohlenpreise sind unver⸗ hältnismäßig in die Höhe gegangen. Hoffen wir, daß es den Be⸗ mühungen der Regierung gelingt, hier eine weitere Preiserhöhung zu verhüten. Was die Milchpreise betrifft, so trägt hierbei weniger der Bauersmann, der infolge der verteuerten Lebens⸗ g verhältnisse und der hohen Preise der Futtermittel nicht billiger verkaufen kann, die Schuld als der Zwischenhandel. Unverantwort⸗ lich und durchaus unsozial ist das Zurückhalten der Le⸗ bensmittel. An das Ehrgefühl ist lange genug apelliert wor⸗ den. Es muß mit den schärfsten Strafen vorgegangen werden. Zwangsweise Herabsetzung auf die Normalpreise und Verkaufs⸗ zwang müssen eintreten. Andererseits muß durch Erhöhung der Unterstützungsgelder für Frauen, deren Mäuner im Felde stehen, und durch Errichtung von Speiseanstalten gesorgt werden, und wenn das noch nicht reicht, muß die Kom⸗ mumalbehörde einspringen. Die organisierte Macht der Verbraucher ist groß. Es muß dafür gesorgt werden, daß der Profitjagd und dem Schwindel, wie er nach 1870 in die Erscheinung trat, recht⸗ zeitig Einhalt geboten wird. Unser Ziel muß fein, gesunde, leistungsfähige und arbeitsfreudige Menschen zu haben. Stadtverordneter Löber führte als Vertreter des städtischen Lebensmittelausschusses folgendes aus: n Der Oberbürgermeister und der städtische Lebensmittelausschuß, in dessen Namen ich zu sprechen die Ehre habe, begrüßen es, daß, wie in anderen Städten, nun auch in unserer Stadt ein Aus⸗ schuß für Verbraucherinteressen eingesetzt werden soll.
Die Bekämpfung der Auswüchse auf dem Lebensmittelmarkt und der ungerechtfertigten Preissteigerungen liegt amtlich dem Lebensmittelausschuß der Stadtverwaltung ob Ich will in aller Kürze die Maßnahmen hervorheben, die der Lebensmittelausschuß in die Wege geleitet hat.. 5
In letzter Zeit hat die Stadt freihändig Frühkartoffel in kleinen Mengen, zuletzt in Mengen bis zu 1 Zentner, zu mäßigen Preisen verkauft. Die Preise waren niedriger wie in anderen. Städten, die einen städtischen Kartoffelverkauf eingerichtet haben, und hatten die Wirkung, daß die auf dem Wochenmarkt ver⸗ langten Preise ganz wesentlich sanken. Dieser Erfolg unserer städtischen Maßnahmen ist sogar in der letzten Sitzung der Frank⸗
furter Stadtverordneten⸗Versammlung als Beispiel hervorgehoben worden.— Seit wenigen Wochen verkauft die Stadt ein im
vorigen Jahre erworbenes Lager von Kolonial- und Spe⸗ ereiwaxen zu niedrigsten Preisen an die Bevölkerung der 35 Stenerußtellulg d. h. an Leute mit einem Einkommen unter 2600 Mark. Der ganz außerordentliche Andrang der Käufer spricht für die Güte der Waren und die Richtigkeit der Preisfestsetzung. — Mit der Landesregierung und anderen Stadtverwal⸗ tungen steht die Stadtverwaltung in fortwährender Verbindung, um Maßnahmen des Bundesrats herbeizuführen, die die Ermäßi⸗ . Preise für Kartoffeln und Gemüse bezwecken.— Die hat einen Klippfischverkauf und mehrere Koch⸗ kurse veranstaltet, Maßnahmen, die zwar Erfolg hatten, von der Bevölkerung aber noch lange nicht genug gewürdigt worden sind.— Am 17. haben wir uns an einer Besprechung betei⸗ ligt, die im Magistratssaale der Stadt Frankfurt zwischen den grö⸗ ßeren fränkischen, pfälzischen und hessischen Städten stattgesunden hat zum Zwecke gemeinsamer Maßnahmen gegen die Teuerung. Das Ergebnis dieser Besprechung bestand nicht nur in einer Fülle egenseitiger Belehrungen und Anregungen, sondern auch in seiner Kncabe an den Städtetag wegen seiner Kartoffel versorgung und in einer Vorstellung an die Heurteleinkaufdgenvssenschuf wegen anderweiter Festsetzung des Preises für die aus Galizien ein⸗ 5 en Eier.— Auf Beschluß des Lebensmittelausschusses sind g die eise vom Oberbür zeister so festgesetzt, daß wir seit Kriegsausbruch die billigsten Brotpreise von allen größe⸗ fen hessischen Städten behalten haben.— Der Lebensmittelaus⸗ schuß hat weiter die Durchführung der Verordnung über die Sichtbarmachung der Preise an den Wocheumarktswaren in die Hand genommen und einen Unterausschuß gebildet, der die von ihm als angemessen erkannten Wochen marktpreise auf den Samstags⸗Wochenmärkten öffentlich anschlagen wird.— Durch eine Aenderung der Wo. 0 hir erreicht daß der früher schlecht befahrene Markt jetzt reichlich mit Lebensmitteln versehen ist. Allerdings ist es noch nicht elungen, die Preise wesentlich zu verbilligen mit Ausnahme der Kartoffeln.— Ganz kürzlich 172 die Stadt unter Ausnutzung der Heizungsanlagen des Volksbades eine Anlage zum Dörren von Gemüse und Ob st geschaffen, die zu niedrig⸗ sten Preisen und von weniger Bemittelten völlig kostenlos benutzt werden kann. jetzt haben nur ganz wenige Großstädte der⸗ artige Einrichtungen b— Der. hat bei dem Polizeiamt den Erlaß einer Vorschrift beantragt, wo⸗ nach in Verkaufsstellen, in denen Fleisch und Fleischwaren feil⸗ eboten werden, die Preise durch einen amtlich gestempelten An⸗ fag en Kenntnis des Publikums gebracht werden. ei allen Maßnahmen, die man von einer Stadtverwaltung perlangen kann, ist in erster Linie der Grundsatz zu beachten, daß sich nicht eines für alle schickt. Was in der Groß⸗ abt richtig und am Platze ist, ist es noch lange nicht in der Rittel⸗ und Kleinstadt. Das hat die Frankfurter Besprechung
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enmarktordnung haben wir es 3
mit aller Teutlichteit ergeben, ebenso, daß die Lage der Stadt von ausschlaggebender Bedeutung ist. Bei uns ist es doch so, 8 der Wochenmarkt von den Produzenten der Umgegend, nicht dur die Händler, versorgt wird. Treffen wir nun solche Maßnahmen, die dem Bauer es unmöglich machen, seine Erzeugnisse in der Stadt zu 9 Preisen abzusetzen, so kann es leicht der Fall sein, da er sie nach Nauheim, Frankfurt, Marburg verkauft an Händler, die von dorther kommen und aufkaufen. Würde die Stadt von Holland oder sonstwoher Gemüse in großen Mengen beziehen und die sanze Bevölkerung damit versogen wollen, so könnte dieser Fall leicht eintreten. Es ist aber auch bereits geprüft, ob die Stadt Gemüse auf den Markt bringen und auf diese Weise Einfluß auf die Preisbildung gewinnen soll. Hier aber ist der Punkt, wo eine Konsumentenvereinigung mit kräftiger Wirkung einsetzen kann. Es ist leider eine oft festgestellte Tatsache, daß unsere Hausfrauen auf dem Markt jeden geforderten Preis schließlich doch bezahlen, statt einmal zu ver⸗ zichten und einen Verkäufer mit seinen allzuhohen Preisen einfach sitzen zu lassen. Eine Verbrauchergenossenschaft kann auf ihre Mit⸗ glieder einwirken, daß sie nur zu den Preisen kaufen, die als an⸗ 5 erklärt werden. Das wird auf Verkäufer erzieherisch Weiter erwarten wir Unterstützung von seiten der Ver⸗ emigung dadurch, daß sie uns Klagen über ungerechtfertigt hohe Preise aller Lebensmittel und Konsumartikel so zur Anzeige bringt, daß der Wucherer gerichtlich gefaßt werden kann. End⸗ lich sind wir für Wünsche und Anregungen aller Art dankbar. Wir werden sie gewissenhaft prüfen und das Ausführ⸗ bare und Nützliche gewiß nicht auszuführen unterlassen. Was wir verlangen müssen, ist Vertrauen. Dann wird ein ersprieß⸗ liches e nicht ausbleiben. Betonen aber möchte ich, daß der städtische Lebensmittelausschuß nicht der Feind der Produzenten sein kann und will, sondern er nur bestrebt sein darf, einen Ausgleich der widerstrebenden Interessen von Erzeuger und Verbraucher, Verkäufer und Käufer herbeizuführen. Mit an⸗ deren Worten, er darf nicht den Produzenten und den Händler um den angemessenen Gewinn bringen, muß aber jeder Ueberfor⸗ derung energisch entgegentreten.
Der städtische Lebensmittelausschuß hat als amtliche und ver— antwortliche Stelle eben eine doppelte Aufgabe: er muß erstens dafür Sorge tragen, daß überhaupt Lebensmittel zu Markte gebracht werden, und er muß zweitens darauf hinwirken, daß die zu Markte gebrachten Lebensmittel zu angemessenen Prei⸗ sen verkauft werden. Der Kriegsausschuß für Verbraucherinter⸗ essen wird naturgemäß und mit vollem Recht die zweite Aufgabe in den Vordergrund tellen; der Lebensmittelausschuß darf aber auch die erste Aufgabe nicht vergessen. 0 ist uns das ge⸗ meinsam, nämlich das Wohl unserer Bürgerschaft, und in diesem Bestreben hoffen wir, von dem neuen Verband kräftige Unter⸗ Fuel zu finden, und wünschen ihm seinen vollen ur folg.
Frau Bucksath⸗ Mainz wandte sich in ihren Ausführungen vornehmlich an die Frauen. Der Krieg habe vieles klein und Kleines groß gemacht. Die Tätigkeit der Hausfrau ser vor dem Krieg nicht, so recht geschätzt worden. Das habe sich mit einem Schlag geändert. Als England mit seinem Aushungerungs— plan Ernst machte, rief man die Hausfrauen. Allenthalben setzte die Aufklärung ein, es wurden Kriegskochkurse ge⸗ halten und manches andere. Das Jahr ist herum. Die deut⸗ schen Hausfrauen haben sich glänzend geschlagen, diesen Krieg haben wir gewonnen. Kein feindliches oder neutrales Blatt schreibt mehr von einem Aushungerungsplan. Wir stehen am Anfang des zweiten Jahres. Die Aufgabe für die Frauen ist nicht leichter, die Schwierigkeiten sind vielmehr größer geworden. Wir gehen ohne große Vorräte in das zweite Jahr. Die Zufuhr ist erschwert. Die Vorräte, die die Fantflien hatten, sind vielfach aufgezehrt. Die Preise werden nicht sinken. Ein schwerer Winter steht vor der Tür. 14 Millionen Haushaltungen werden von der Frau geleitet. Da gilt es, aus den gegebenen Rohstoffen be⸗ kömmliche Nahrungsmittel herzustellen. Die Geschicklichkeit, Svar⸗ samkeit und die Vernunft der Frau müssen geweckt werden. Die Frauen müssen sozial denken lernen. Jeder Haushalt ist ein Teil des Gesamthaushalts. Wir konnten bisher nicht alles selbst produzieren,% bezogen wir vom Ausland, das muß eingespart werden. Aufklärung ist wichtig, denn ein großer Teil des Unwillens entsteht aus der Unkenntnis. Der ehernen Notwendig⸗ keit muß sich jeder fügen. Die Anwendung der Ersatzstoffe ist zu fördern kondensierte Milch, getrocknete Eier. Vollmilch und frische Eier lasse man den Kindern und Kranken zukommen. Kochkiste, Kochbeutel, Gasherd müssen allgemeiner in Anwendung kommen. Alles organisiert sich Auch die Frauen müssen sich zusammen⸗ schließen. Belehrung und Aussprache werden ein besseres sozi⸗ ales Verständnis, alsb eine bessere Auffassung ihrer Pflichten gegen die Allgemeinheit, aber auch eine bessere Berücksichtigung ihrer Wünsche bedingen. Unter allen Fragen in dieser Kriegszeit ist die Ernährungsfrage die wichtigste. Mit vereinten Kräften müssen wir uns bemühen, uns den schwierigen Verhältnissen anzupassen, die Auswüchse zu bekämpfen, den Gebrauch und Ver⸗ brauch zu regeln. Dann gewinnen wir den Krieg mit unsern tapfern Kriegern draußen.
Der Vorsitzende dankte den Rednern für ihre sehr beifällig aufgenommenen eindrucksvollen Ausführungen und machte sodann noch einige Mitteilungen über die Entstehung, Einrichtung und Richtlinien des neugegründeten Kriegsausschusses für Konsumen⸗ ten⸗Interessen Gießen(Sitz: Plockstraße 5). In eifriger Zusammen⸗ arbeit mit der Stadtverwaltung und im Hinblick auf die rege Un⸗ terstützung von den Konsumenten selbst und den angeschlossenen Vereinen, denen sich noch andere anschließen möchten, ist man der Ansicht, eine für Erzeuger und Verbraucher gleich wichtige Ein⸗ richtung geschaffen zu haben. In nächster Zeit soll eine Ausschuß⸗ sitzung stattfinden, zu der auch die Konsumenten eingeladen wer⸗ den, Die zum Schlusse eingebrachte Entschließung, wonach die Ziele und die zur Exreichung derselben erfolgten Bemühungen gutgeheißen wurden, fand einstimmige Annahme.
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Gewitter. In der Nacht von Samstag auf Sonn⸗ tag, gegen 3 Uhr, entlud sich ein starkes, aber nur kurze Zeit anhaltendes Gewitter über der Stadt. Schaden wurde nicht angerichtet. ö
* Gestohlen. Am Sonntag, 29. August, vormittag wurde in Gießen. Herren⸗-Remontoir⸗ Uhr mit Sprungdeckel und goldner Panzerkette im Werte von 300 Mk. entwendet. An der Uhr fehlt das Glas und in der Mitte des Sprungdeckels befindet sich eine kleine Beule. An der Kette befand sich ein Medaillon mit zwei Photo⸗ graphien(Mutter und Sohn). Sachdienliche Mitteilung nimmt die Kriminalabteilung des Polizeiamts entgegen.
. Landkreis Gießen.
Staufenberg, 27. Aug. Aus unserem Orte wurden bis jetzt 126 Mann zu den Fahnen einberufen. Von ihnen sind bereits 14 Mann den Heldentod fürs Vaterland gestorben: L. Schön, Karl Grölz, Joh. Becker, L. Fink, Konr. Moos, Heinr. echer XI., H. Kraft I., Herm. Rühl, Louis Deibel, Och. Grölz X., L. Grölz, Och. Geißler II., L. Wagner und Wilh. Meyer.— Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erwarben sich: Hch. Deidt, Wilh. Reuter, Hch. Feyh, Karl Grölz (gefallen), H. Rühl und Hch. Dietz. Mit der Hessischen Tapfer⸗ keitsmedaille wurde ausgezeichnet W. Kraft.— Der Ersatz⸗ reservist Ernst Stephan, von hier, der seit März als vermißt galt und von seinen Angehörigen als tot betrauert wurde, hat jetzt seinen Eltern mitgeteilt, daß er sich in russischer Gesangen⸗ schaft befände.
“ Lindenstruth, 28. Aug. Dem Unteroffizier d. L. Heinr. Menz von hier vom Bad. Fuß⸗-Artillerie-Rgt. Nr. 14 wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. 0
Kreis Büdingen. 9. Wolf, 29. Aug. Von den Kriegsteilnehmern hie⸗ siger Gemeinde sind bis jetzt fünf auf dem Felde der Ehre
jeblieben, fünf erhielten das Eiserne Kreuz resp. die hessi⸗ sche Tapferkeitsmedaille.— Den Heldentod fürs Vaterland
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starb der auf dem benachbarten„Er! rhof“ lange Jahre 5 bedienstete Verwalter Manz, Unteroffizier der Reserve. 5 Mittelgründau, 27. Aug. Den Heldentod starb der Dragoner-Gefreite Karl Meininger Kreis Schotten. 1 ? Betzenrod, 29. Aug. Die Hessische Tapferkeits⸗ 5 medaille erhielt der Unteroffizier Karl Lang im Juß⸗Artillerie⸗ 25 Regiment 203.
R. Bobenhausen II., 29. Aug. Dem Wachtmeister Karl Wenzel, 61. Artillerie-Regiment, wurde die Hessische Tapfer⸗ keitsmedaille verliehen.
r. Sellnrod, 29. Aug. Auch hier hat der Krieg schon sehr viele Opfer gefordert. Im Laufe vergangener Woche starben drei brave Söhne unserer Gemeinde den Heldentod fürs Vaterland
Kreis Friedberg. f
l- Butzbach, 29. Aug. Heute wurde eine Gedenk⸗ feier des Tages von Sedan in der Stadtkirche ab⸗ gehalten unter Mitwirkung der Gesangvereine. An der Feier nahmen teil- Krieger⸗, Militär-, Turnverein, die Jungmannschaft von Friedberg, der Evangelische Arbeiter⸗ verein, die Verwundeten der hiesigen Lazarette und die 5 des Rekrutendepots. Pfarrer Loos hielt die Fest⸗ predigt: 5
F. O. Aus der Wetterau, 29. Aug. Das Malter(100 Kg.) Falläpfel wird zurzeit mit 6 Mk. bezahlt; für gepflückte Früh⸗ äpfel notierte man für 100 Kilo 12 Mk. Speisekartoffeln kosten 3,65 Mk. der Zentner.
Starkenburg und Rheinhessen.
Darmstadt, 22. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Heute vor⸗ mittag 11¼ Uhr fand in Gegenwart des Großherzogs, der 1 Großherzogin, der Offiziere der Garnison, Vertreter der Behörden, der gesamten Jugendwehr und einer nach Tausenden 15 zählenden Menschenmenge auf dem Platze vor dem Landesmuseum eine Dankes seier statt. Nach dem Vortrag einer Militär- kapelle und dem Gesang des niederländischen Dankgebetes durch die Kirchenchöre hielt Oberbürgermeister Dr. Glässing eine An- sprache, in der er der Ruhmestaten unserer Armee gedachte und den Gefühlen unauslöschlicher Dankbarkeit für die Führer unseres Heeres und des deutschen Volkes in Waffen Ausdruck gab. Er führte u. a. aus: Die Feier soll sein eine Feier des Dankes gegen 77 Gott, der uns so weit geführt habe, und zugleich ein Gelöbnis, nicht. müde werden zu wollen im Kampfe und im Ausharren. Redner 9 schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, den Großherzog und unser herrliches Volk in Waffen, unser Heer und unsere Marine. Darauf sang die Festversammlung gemeinsam das Lied„Deutschland, Deutschland über alles“. Der Großherzog schritt die Front der Jugendwehr ab, die darauf eine Nagelung an dem Kreuz in Eisen vornahm. Damit war die erhebende Feier beendet.
Hessen⸗Nassau.
h. Bad Homburg v. d. H., 29. Aug. Bei dem schweren Gewitter, das am Samstag abend über dem Taunus sich entlud, traf ein Blitzstrahl den Turm der katholischen Pfarrkirche im Stadtteil Kirdorf und richtete an dem Mauerwerk ver- schiedenen Schaden an.— Im Kirdorser Steinbruch hatte sich ein siebenjähriges Mädchen beim Blumensuchen auf einem Felsvorsprung derart verstiegen, daß es weder vor- noch rückwärts konnte. Das Mädchen mußte durch ein Seil, das man ihm von oben zu⸗ warf und das es sich um den Leib knoten mußte, auf die Höhe ge⸗ zogen werden. Es erlitt bei dem Emporziehen durch das An- schlagen des Körpers an die Felswand einige Hautabschürfungen.
Vermischtes. Fünffacher Selbstmord. 0 Mannheim, 29. Aug.(Priv.⸗Tel.) Gestern nach⸗ mittag wurden im Neckar in der Nähe eines Bootshauses fünf Leichen geländet. Die sofort eingeleitete Unter- suchung ergab, daß es sich um die 32jährige Witwe Drei⸗ ling und deren vier Kinder, drei Mädchen und einen Knaben im Alter von 8, 6, 4 und 2 Jahren handelt. Sie ging mit den Kindern von zuhause weg mit dem Bemerken, daß sie zu Verwandten fahre. Die Leichen der vier Kinder waren unter sich zusammengebunden und dann mit einem Strick um den Leib der Mutter befestigt. 0 —
Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 31. August 1915; Aufheiternd, trocken, etwas wärmer, nordwestliche Winde.
Letzte Nachrichten.
Ein plumper Schwindel.
Berlin, 29. Aug.(WTB. Amtlich.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt: Der als deutschfeindlich bekanntg Amsterdamer„Telegraaf“ brachte kürzlich einen ihm angeblich aus Berlin zugegangenen Brief über eine bei dem Reichskanz⸗ ler stattgehabte geheime Konferenz mit Reichstagsabgeord⸗ neten. Da der Bericht den Stempel der Erfindung an der Stirn trägt, würde sich alles weitere erübrigen, wenn nicht das Reute-⸗- sche Bureau sich der Sache bemächtigt und den Bericht über die
ganze Welt verbreitet hätte. Nach dem„Telegraaf“ hat in 4
Geheimkonferenz der Reichsschatzsekretär erklärt, daß Deutf l der finanziellen Exschöpfung entgegengehe und daß die gesteigerte Ausgabe von Schatzanweisungen den vollständigen Ban⸗ ferott zur Folge haben werde. Es sei deshalb nötig, Frieden zu schließen. Der Reichskanzler habe die zunehmenden Schwierig⸗ keiten festgestellt und gebeten, im Reichstag und im Lande auf die kriegerischen Neigungen beschwichtigend einzuwirken und Frie⸗ densvorschläge vorzubereiten, die für die Verbündeten annehmbar seien. Dr. Dernburgs Bericht über die Stimmung in den Vereinigten Staaten und anderen neutralen Ländern hätte einen starken Eindruck auf die Konferenz gemacht. General von Moltke habe erklärt, daß nur ungenügend informierte Personen auf die Möglichkeit einer vollständigen Niederlage Rußlands hoffen könn⸗ ten. Trotzdem habe die Reichsregierung es abgelehnt, auf den Reichstag mäßigend einzuwirken, worauf der Reichskanzler erklärt habe, daß, wenn der Reichstag eine unversöhnliche oder chauvi⸗ nistische Haltung einnehme, er gezwungen sei, zurück⸗ zutreten, da er die Verantwortung für Deutschlands Zu⸗ sammenbruch nicht übernehmen könne. 5 3
Für Deutschland genügt es, diesen plumpen Schwindel kriedriger zu hängen. Für die Neutralen und die feindliche Welt sei fest⸗ gestellt, daß eine solche Geheimkonferenz nur in der Phantasie des Gewährsmannes des„Telegraaf“ stattgefunden hat und daß sogar die„Times“ die von Reuter verbreitete Nach⸗ richt des„Telegraaf“ als kindische Erfindung charakte⸗ risieren.
2 Eine rumänische Ente.
Bukarest, 30. Aug. In politischen Kreisen von Bukarest waren in letzter Zeit Gerüchte über ein angebliches Ulti⸗ matum Deutschlands an Rumänien aufgetaucht. Die rumänische Regierung erließ sofort in der halbamtlichen„Inds⸗ pendance Roumaine“ ein Dementi, daß diese Behauptung als vollständig unzutreffend zu betrachten sei. Gleichzeitig ließ der deutsche Botschafter durch die„Agence Roumaine“ ver⸗ breiten: Ein Bukarester Blatt, das wegen seiner falschen Nach⸗ richten bekannt ist, behauptet, ich hätte im Namen der deutschen Ich stelle zu Ende Baron Busschel, Deutscher Ge⸗
Reichsregierung an Rumänien ein Ultimatum gestellt. hiergegen 3 65 daß diese Nachricht von Anfang bis glatt erfunden ist.
sandter.
Eine Zusammenkunft zwischen dem serbischen und griechischen Ministerpräsidenten.
Budapest, 30. Aug.„Az Est“ meldet aus Bukarest: „Pravda“ und„Politika“ bestätigen, daß schon in aller⸗ nächster Zeit in einer Ortschaft zwischen Nisch und Salonitt eine Zusammenkunft zwischen dem serbischen Ministerprasi⸗
denten Pasitsch und dem griechischen Ministerprästdenten Venizelos stattfinden werd s 5
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