Ausgabe 
(26.8.1915) 200. Zweites Blatt
Seite
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England, daß es versu

europlische Presse mitgeteslt worden 5 im

1 Arabic.

ver Fall der versenkten Am 3590 ist der gentten tArabic

von New Vork nach Liverpool abgefah Schiffsmanifest hervorgeht die Deutsch⸗amerikanische Fanden kenmer in New Vork hat es veröffentlicht, war ieArabic bis an den Hals vollgestopft mit Bann⸗ waren, als da sind Geschosse, Zünder, Patronen, Kraft⸗ wagen, Flugmaschinen, gelte, Kupferstangen, Stahlstangen, Gummiradreifen, Schmieröl, Blei, Nickel, Messing und alle Da Zutaten zur Höllenküche des Krieges. Nicht nur ie Laderäume waren vollgepfropft, sondern Flu maschinen und Autos starrten hochaufgetürnt und festgelascht über die Decks, auch über das Promenadendeck. Zehn Kraft⸗ wagen hatten zurückbleiben müssen, weil beim besten Willen kein Platz mehr zu schaffen war. Das Heck des Schiffes war mit Sandsäcken von oben bis unten verbarrikadiert . auf der vorhergehenden Reise von Liverpool nach 1 5 2 5 0 e Die 99 1 war r an 0 ie ein Kriegsschiff un tte zwöl amerikanische Schutzengel an 2 1 505 5. DieArabic ist versenkt worden, wir sagen nicht wann, wie und wo. Von den zwölf Schutzengeln sind einige umgekommen, wir sagen nicht wieviel. Denn das alles ist noch nicht festgestellt. Der deutsche Botschafter in Washing⸗ ton, Graf Bernstorff, 1 55 die Wilsonsche Regierung mit Recht dringend gebeten, keine Entscheidung zu treffen, bevor nicht alle Tatsachen über die Torpedierung vorgelegt sind. Wilsons neue Hilfskraft, Staatssekretär Lansing, fragte bei dem amerikanischen Botschafter in Berlin, Gerard, auf dem von der amerikanischen Regierung beschlagnahmten Funker⸗ wege Sayville Nauen an, ob die deutsche Regierung einen amtlichen Bericht über den 1 7 habe, da die amtlichen amerikanischen se die vorliegenden Informationen für sehr lückenhaft erachten. Gerard ging ins Auswärtige Amt, und dieses erklärte, daß im Reichsmarineamt ein Bericht über die angebliche Torpedierung derArabic nicht vor⸗ liege und daß wegen der Unklarheit der Angaben über die Stelle, wo die angebliche Torpedierung stattgefunden haben soll, es auch nicht möglich ist, zu sagen, ob dabei ein 0. überhaupt in Frage kommen kann oder ni i Soweit ist man in Berlin, drüben in Amerika ist man unter englischem Geist und Drug viel weiter. Dort weiß man schon, daß dieArabic nicht gewarnt worden sei, daß sie keine Konterbande mitgeführt habe und daß die Lage sich furchtbar zuspitze. Die englischen Blätter schwelgen in neuer Konfliktsstimmung und Reuter bläst durch seine Lügentrompete in alle Welt hinaus, es gäbe jetzt nur noch eins: Abberufung der Gesandten in Washington und Berlin, Einberufung des amerikanischen Kongresses zur Erwägung der Mobilisierung von Heer und Flotte. Man sage nicht, daß das nur englische Mache sei. Gewisse Leute in Washing⸗ ton sind von England bereits so eingepeitscht, daß sie den Ton angeben, der dann auf den englischen Drähten gespielt wird. Hat doch Wilsons Sekretär, ein Herr Tumulty lein überaus bezeichnender Name) mit Bezug auf dieArabic, auf diekleine Lusitania, in einer Ansprache erklärt, die geeinigte Nation unterstütze den Präsidenten in dieser roßen internationalen Krise und werde, wenn nötig, für ie unveräußerlichen Rechte der Amerikaner zu Lande und zur See auch das Leben einsetzen. Ein etwas vorlauter Herr, dieser Mister Tumulty. Denn im Namen der Nation zu sprechen, ist immer noch dem Chef, nicht dem Kanzlisten vorbehalten. Wilson aber hat noch nicht gesprochen und, oviel man auch bisher an seiner Politik auszusetzen hatte, n Vorwurf kann man ihm nicht machen, daß er voreilig und unüberlegt zu Werke 1 25 Der Washingtoner Korre⸗ spondent der LondonerMorning Post weiß denn auch zu melden, Präsident Wilson sei wenig dazu geneigt, Gerard abzuberufen, da dies sicherlich zu einer ernsteren Aktion. führen und Verwirrung und Unsicherheit verursachen würde, weil dann die Interessen der Vereinigten Staaten und der Alliierten in Deutschland einer anderen neutralen Macht an⸗ vertraut werden müßten. Derartige Erwägungen zwängen den Präsidenten zu großer Vorsicht. Vorsicht ist auch das einzige, was man für die Behandlung des FallesArabic bei uns anraten und anwenden kann. Mehr als drei Monate sind seit der Versenkung derLusitania vergangen und die Lage ist hüben wie drüben verändert. Hüben die gewaltigen Krie. der Verbündeten und drüben ein Erstarken der Friedenspartei und eine Besinnung über das bisherige Neutralitätsverhalten, die durch alle englischen Schaum⸗ schlägereien nicht mehr zu verdecken ist. Ja, wenn nicht alle Zeichen trügen, wird der Fall der kleinenLusitania zu

ie aus dem

ganz anderen politischen Ergebnissen führen, wie der der

ßen. Im amerikanischen Volke ist die Vernunft und Einsicht auf dem Marsche. a Nichts wird so heiß gegessen.. London, 25. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) DerDaily Telegraph meldet aus New Pork: Meldungen aus Washington besagen, daß dem deutschen Botschafter Graf Bernstorff die Pässe zugestellt, der Bot⸗ schaster Gerard in Berlin zurückgerufen und der 005 zur Erwägung der Mobilisierung von Heer und Flotte einberufen wird, falls die deuts 1 anlassung nimmt, die Torpedierung derArabic als zu Unrecht erfolgt zu erklären. 5 3 5 3 ist vielleicht der Wunsch der Vater nkens. 5 London, 25. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Der Senator Lewis aus 5 ois, 15 dessen e Lend Lee reiche Fleischexpporteure ansässig sind, beschuldig re 2 die e 1 in einen Krieg hineinzuziehen, indem es dieArabic in ein N Arsenal verwandelte. Auch Her⸗ er und seine Anhänger 3 die briti⸗ chen Methoden und ihre Beweggründe. Der rrespondent erTimes fügt hinzu, dies stelle ebensowenig die öffentliche Meinung dar, wie die Befürwortung Roose⸗ velts zu einer sofortigen Aktion. Eine Erklärung des deutschen Botschafters in Washington. 38 London, 25. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reuter⸗ sche Bureau meldet aus Washington: Der deutsche B'otschafter hat nach Instruktionen aus Berlin folgendes Telegramm an das Staatsdepartement ge⸗

richtet: 5. 1

Ac die Versen derArabic ist noch keine offizielle Mitteilung eingetroffen. Die kaiserliche Regierung vertraut darauf, daß die Regierung der Vereinigten Staaten auf Grund der Be⸗ richte, die mur von einer Seite eingelangt sind, und nach der Mei der kaiserlichen ierung nicht mit den Tatsachen sbereinslünmen können, noch keinen definitiven Standpunkt ein⸗ nehmen wird, sondern daß auch Deutschland Gelegenheit ge⸗

J 0 guten Glauben der

sehört zu werden. Obwohl die kaiserliche Regierung eugen, deren Erklärungen durch die

1155 nicht bezweifelt, muß Auge behalten, daß die Erklärungen unter dem Ein⸗

r

Regierung nicht Ver⸗ S

, der Aufregung abgegeben wurden, in der man leicht einen escer Eindruck bekommen kann. Sollten wirklich Amerikaner das Leben verloren haben, so wäre das natürlich im Widerstreit mit dem, was wir bezweckten. Die kaiserliche Regierung wür dies außerordentlich bedauern und drückt Amerika ihre warme Sympathie aus.

Ne w t 25. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Vertreter des W. T. B. teilt durch Funkspruch mit: Man hofft hier, daß sich für, Deutschland die Möglichkeit ergibt, zu erklären, daß dieAra⸗ bic begleitet wurde oder versuchte, das Unterseeboot zu rammen oder auch trotz des Anrufes zu entkommen oder, daß sie Manöver ausführte, welche das Unterseeboot vermuten ließ, sie versuche zu entkommen. Nach Washingtoner Meldungen hat die Regierung er⸗ klärt, daß sie entschlossen sei, einen Bruch zu vermeiden falls dies ehrenvoll geschehen könne. Man nimmt an, daß die Regierung nicht beabsichtigt, irgend welche Erklärungen von deut⸗ scher Seite zu ignorieren, wie beispielsweise die Erklärung, daß Deutschland durch die Versenkung derArabic keine Mißach⸗ tung amerikanischer Rechte beabsichtigt habe. Amtlich wird ange⸗ 1 15 Botschafter Gerard in Berlin werde wahrscheinlich an⸗ gewiesen werden, das Auswärtige Amt um Bekanntgabe des Tat⸗ bestandes zu ersuchen.

Offiziere desCymrio dementieren die Meldung, wonach dieser Dampfer nach der Abfahrt von Liverpool 26 Stunden von Kriegsschiffen begleitet gewesen sei. Sie erklären, die Passa⸗ giere, die dies mitgeteilt hätten, hätten wohl die seit Kriegs⸗ ausbruch an den englischen Küsten kreuzenden Patrouillenschiffe für Begleitschifse gehalten. Nach Aussagen von Passagieren des Cymrio scheinen die Patrouillenschiffe neuerdings staffelweise in den bedrohten Gewässern postiert zu sein.

Washingtoner Meldungen deuten an, daß gewisse wider⸗ sprechende Angaben über den FallArabic vorliegen. Desto wünschenswerter sei es, daß die deutsche Erklärung Licht schaffe. Nach Mitteilungen aus hiesigen Quellen sollen alle Amerikaner an Bord derArabic ihre Ueberfahrt nicht bezahlt haben.

Im feld

erwarten unsert Angehörigen den regelmäßigen eingang des beimat⸗ blattes. Um einc Unterbrechung in der Zustellung zu vermeiden, wolle man

len feldpost/ Bezug

dl. Glehener Anzeigers für monat Sept.

schon jetzt erneuern

Alle Ppostamter nehmen die Bestellung entgegen. der monatliche Bezug be⸗ trägt Mk. 1.07 einschließlich der Um⸗ schlag⸗ Gebühr. Außerdem vermittelt die Bestellungen wie bisher auch die

Ceschäftsstelle des Gießener Anzeigers

PKA

Kriegsbriefe aus dem Gsten.

Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) In dem eroberten Nowo⸗Georgiewsk. 5. Fort Zegrze, 20. August.

Nach ber Einnahme des Innenfortsgürtels im Nordosten am Nachmittag drangen unsere Infanteriespitzen gestern gegen Abend um 6 Uhr stürmend in die Zitadelle ein. Der Kommandant der Festung, General Bobyr der sich in dem um Mittag abge⸗ flogenen Freiballon doch nicht b hatte begab sich zu dem Kommandierenden der deutschen Belagerungsarmee Exzellenz Beseler. Nowo⸗Georgiewsk war gefallen.

Nach der Einnahme von Fort II und III war die Zitadelle auch kaum noch zu halten, zumal der größere Teil der Besatzungs⸗ truppen durch die Beschießung so erschüttert war, daß er sich nicht mehr in der Hand der Führer befand. Die Besatzung des noch völlig intakten Forts IV, in dem spitzen Winkel zwischen Narew und Weichsel ergab sich in den ersten Nachtstunden gegen den Willen des energischen Kommandanten. Ein weißes Tuch wurde mit elektrischen Laternen von hinten ll beleuchtet und dann machte sich eine Deputation mit diesem Instrument auf der Straße Nowi⸗DworJablonng in Richtung der deutschen Posten auf. Eine deutsche Patrouille wurde vorgetrieben, die Russen boten die Ergebung an, und der vorgeschickte deutsche Offizier fand eine

trecke rückwärts auf der Straße die gesamte Besatzung in Reih und Glied in Marschkolonnen mit fast allen Offizieren mit Aus⸗ nahme des Generals und des Obersten vor. Gleichzeitig steigerten sich die Detonationen. Das letzte intakte Werk war gesprengt.

Heute in den ersten Morgenstunden fuhr ich die Straße von Jablonna in die Festung hinein, da ich nicht wußte, ob im Nord⸗ osten die Stadtbrücke über die Wkra schon passierbar war. Nach dem Waldstück, das auch hier unglaublicherweise stehen geblieben war, kamen die russischen Schützengräben, die sich guer über den Weg zogen. Ein Trupp eben von vorwärts eingetroffener russischer Pioniere mußte sie zuschütten, die Brücken in den Drahthindernissen wurden verbreitert und es ging weiter nach dem Flecken Nowi⸗ Dwor zu. In einzelnen Trupps kamen die russischen Gefangenen entgegen, aus den Gruppen wurden bald endlose bunte Züge, in denen jede russische Waffengattung vertreten zu sein schien. Pio⸗ niere, Artilleristen, Luftschisßer mit den blauen Kappen, die ähnlich wie die schottischen Hochländermützen aussahen, Kavalleristen, Ar⸗ mieru ataillone, Sanitäter... Aus der Richtung der Zita⸗ delle schien ein unerschöpflicher Menschenstrom zu fließen. Alle, aber alle waren sichtlich außerordentlich zufrieden, daß die letzten Tage vorüber waren. Viel polnische Truppen waren unter den langsam Vorbeimarschierenden und zahlreiche Warschauer, die nach

dem Aussehen ihrer Vaterstadt fragten. In Nowi⸗Dwor wurde] ha

noch aus den Häusern neuer Zuwachs für die Massen gefunden, die den ganzen Marktplatz ausfüllten. Deutsche marschierende Ba⸗ taillone zogen vorwärts an dem Strom vorbei, russische Schwestern und Aerzte standen vor den Lazarettüren und leichter verwundete russische Soldaten saßen in sehr sauberer Krankentracht vor den Türen. Eine verwirrende Menge von kriegerischem Leben und von Bewegung war auf dem schmußigen Platz zusammengepreßt, und die schwarze Rauchwand von der Zitadelle her, in der es zuweilen rot und hoch aufflammte, wölbte sich als kolossaler Abschluß dahinter.

Die großen Eisenbrücken über Weichsel und Narew waren gesprengt. Jenseits der Weichsel klang es wie prasselndes Infan⸗ teriefeuer, aber es waren nur die bei den aufflackernden Kasernen⸗ bränden explodierenden Patronen. Ein alter Mann sprach mich

de haben. Nicht einmal der Kirchhof mit den deutschen Grabinschrif⸗

fees e e eitigen Ufergebüf e. Es war ein 1 3 schen Weichseldörfer, die die Russen in der brutalsten Weise zerstört

ten war vor ihrer Zerstörungswut sicher gewesen. Der Mann sprach reines, fehlerfreies Deutsch, er war 1 hier geboren: Es waren schlimme Zeiten für die Russen, schlechtere für die Polen, die schlech⸗ testen für uns. Eine sehr böse Zeit ist das. Was hat unser Dorf den Russen getan? Muß unser Unglück so groß sein? Seine blauen, lindlichen Augen fragten noch immer, als er langsam und schwer⸗ fällig voranging und mir den Weg zur Pontonbrücke über die Weichsel zeigte. i l

Denn das ist das Erstaunliche, alle Brücken haben die Russen esprengt, aber die auf eisernen Röhren ruhende, ziemlich feste 5 die für Wagenverkehr benutzbar ist, haben sie ver⸗ gessen. 5

Im Narew lagen eine ganze Anzahl von kleinen und größe⸗ ren Dampfern und ebensoviele schienen versenkt worden zu sein, denn man sah Maste und Schiffsteile aus dem Wasser ragen. Der Flußspiegel schillerte in rötlichen und blauen Farben, man hatte wohl Petroleumfässer entleert. Drüben am anderen Ufer war der Eingang in tiefe Gewölbe. Das Ufer fällt nach der Weich⸗ sel und nach dem Naxew ziemlich steil ab und man hat in den bis 30 Meter hohen Abhang mächtige Stapel⸗ und auch Wohn⸗ anlagen hineingebaut, die eigentlichen Bauwerke der Zitadelle be⸗ finden sich denn auf der Höhe, die Außenmauer der äußersten Gebäudereihen setzt sich in dem ausgemauerten Abhang fort.

Auch in die Uferstraße am Narew hatten Granaten geschla⸗ en. Ein kleiner Wagen stand da vollgepackt mit allerlei Habselig⸗ eiten. Eine russische Schwester legte eben noch ein Bündelchen dazu. Sie fragte, ob man das würde fortführen dürfen, es seien die Sachen der Schwestern, die hier ohnt hättenEs war eine schreckliche Nacht. Wir sind von hier fort, aber oben war es ja auch nicht besser, man dachte, die ganze Festung fliegt in die Luft, als die Sprengungen anfingen. f a 5 5

Daß trotzdem sehr viele Beute geblieben war, zeigte ein Blick in die breiten Wölbungen, in denen Kiste neben Kiste voll Stearin⸗ lichtern lagerten.. l g

Wie kommt man in die Zitadelle?Ich werde Sie führen. Sie nahm eines von den Lichten und ging in die Dunkelheit hein. Das Licht drohte vom Windzug der Luft zu erlöschen, als wir ein paar Schritte gegangen waren. Das Gewölbe wurde schmäler. Man war in dunkelroter Finsternis, nur da Licht meiner Führerm gab einen hellen Schein um ihren Kopf. Treppen kamen. Dann sprang das Tageslicht durch eine geöffnete Tür, man war auf dem Hof der Zitadelle. Hier war die Spur des Krieges auf jedes Fleckchen Erde gebrannt. Der Teil der Kasernenbauten, vor dem wir standen, war vom Feuer verschont. In den wahrscheinlich ehe⸗ maligen Offiziersstuben hatten die Mannschaften geschlafen. Alles zeigte den eiligsten Aufbruch, die Mäntel lagen dort, die Eßge⸗ schirre, die Brotbeutel, die bunten Ziehharmonikas und die kleinen dreieckigen russischen Lauten, die Balalaikas. Die deutschen Gra⸗ vaten hatten mächtige Löcher dicht vor dem Gebäude gerissen und Fleischfetzen und unkenntliche Lumpen lagen umher. Etwas weiter durch tiefe Torwege an brennenden Kasernen vorbei, kam man auf einen größeren Hof, der war bedeckt mit toten Pferden und Rindern und Tausenden von ausgetrunkenen Schnaps⸗ und Wein⸗ flaschen. Es muß an diesem letzten Tag unter dem Donner der deutschen Geschütze, während schon die Stürmenden über die Außer⸗ mauern kamen, eine wilde Orgie in Nowo⸗Georgiewsk geferert worden sein. In den Gebüschen neben den herumliegenden Säbeln, Gewehren, Musikinstrumenten, Sätteln, den aufgedunsenen ver⸗ gifteten Kühen lagen noch völlig betrunkene Russen, die von dem Fall der Festung nichts wußten. 3 i

Darüber hatte man die Gründlichkeit der Zerstörungen ver⸗ gessen. Wohl brannten Kasernen und Vorratsräume, Schuppen und Lagerplätze, aber dazwischen hatte man ganze. vergessen und die Betonierungen vorn fast überall nicht gesprengt. Bei den leichten Geschützen hier auf dem Hofe hatte man teilweise Sprengversuche gemacht, aber bei den mächtigen Rohren im Nord⸗ osten war dazu keine Zeit mehr gewesen, und in einem der öst⸗ lichen Vorwerke standen ein paar schwere Rohre, wie ich 5 5 1 00 gesehen hatte, noch völlig unversehrt mit den

appen.

Die Pferde hatte man zu dieren an Bäume gebunden und dann erschossenh ein Fohlen und ein paar Kälber liefen noch suchend unter den Kadavern herum. Auf einem anderen Hofe war die Tötung der Pferde wieder vergessen worden und fie standen rudelweise umher. 85

Eine merkwürdige Uebung war das Verbrennen riesiger Hau⸗ fen von tatsächlich leeren Konservenbüchsen, vielleicht war es ein Rechnungsausgleich der Jun cet der da geschaffen wurde

Ueberall stieß man auf Geschütze jeglichen Kalibers, Ma⸗ schinengewehre, Ballonabwehrkanonen. Die Beute von allein übe 700 Geschützen stand da verstreut. 1 5

Die Flugzeuge hatten die Festung am Mittwoch verlassen, und aus dem gelben, festen Stoff der Fesselballons hatten sich die Mannschaften Zeltbahnen und Tücher zum Tragen ihrer Habselig⸗ keiten geschnitten. 1

In dem Lazarettviertel sah es weniger grauenvoll aus, weil hier die Beschießung nicht angesetzt war. Aber alle Lazarette, auch schon die von Nowi⸗Dwor, waren überfüllt. Die Russen haben sehr starke Verluste gehabt. Erst der Blick in diese vollen roßen Säle erklärt es völlig, wieso die so starke russische Festung 5 rasch fiel. Denn die Besatzung, vier Divisionen und 20 00 5 Mann Festungsartillerie, war über Erwarten groß, und Munition und Vorrat reichlich vorhanden. Jedenfalls wurden die russischen Konserven überall kistenweise gefunden.

In einem der völlig unbeschädigten Häufer des mittleren Festungsraumes ging ich in eine Offtzierswohnung. Da war alles auf den Abtransport vorbereitet, die Möbel verpackt und schon mit der neuen Adresse versehen. Das bestätigte mir von neuem die Ansicht, daß man aus der Not eine Tugend gemacht hatte. Man hatte nichts mehr fortbekommen über Praga und hatte die Festung gehalten, weil man sie nicht mehr aufgeben konnte. 2

In dem Speisezimmer der einmal hübschen Wohnung standen noch die Reste der Abendmahlzeit von gestern, und in der Küche kochte noch das Teewasser auf dem Petroleumkocher. Der Dampf stieg singend auf. Niemand hatte mehr an Tee gedacht, als sich draußen in rasender Schnelligkeit die Endkatastrophe vollzog. Es war eines der merkwürdigsten Bilder, daß da die Teemaschine in der brennenden Festung summte..

Die Brandwolken machten das Verweilen ar manchem Platz unerträglich. Die Flammen stiegen höher, man hörte das Fressen und Beißen. Eine einzige große fla chwarze Rauchfahne schwang sich weithin über das eroberte Nowo⸗Georgiewsk. 5

*

Am Nachmittag fuhr der Kaiser unter dem Jubel der auf⸗ J Truppen am Fort III vorbei in die Festung. Der kaiser⸗ iche Wagenzug fuhr von Szerok die Straße über Dembe vorbei an Fort XVI und III den schweren Siegesweg der Belagerungs⸗ armee Beseler. Der Wegrand war besetzt mit Truppen. Stille Hurra! Das feste kaiserliche Auge auf den glücklichen Soldaten⸗ gesichtern, Regimentsmusik.. 4

Ein großer Tag, da der Kaiser an den zehntausend russischen Gefangenen vorbei inmitten seiner strahl. Truppen in die genommene 2 1 5 fuhr. Zwischen Modlin und Fort II auf dem Schlachtfeld war Parade. In dem großen kaiserlichen Gefolge befanden sich Hindenburg und der Chef des Generalstabs Falken⸗

yn. Nach dem Vorbeimarsch bildeten die Truppen eine Karree, und

in festen kurzen Worten dankte der Kaiser seinen Soldaten, daß dies feste Bollwerk Rußlands so rasch von ihnen mit stürmender Qand genommen wäre, der Kaiser erwähnte dabei besonders die Sachsen. Ihr kämpft, und die zu Hause beten zu dem Herrn den Heerscharen. Feste und freudige Siegesgewißheit sprach aus den laiserlichen Worten, die hell weit über das Feld klangen. Auch bei XVI dankte der Kaiser den versammelten Truppen. Ein großer

ag für die heldenmütige Armee, die es in diesen zehn 5 wahrlich nicht leicht gehabt hatte, ein Tag, der manche Zeit über⸗ glänzen wird. 1

VVV

Rührend war es auf dem Rückweg, wie die N die am Wege aufmarschiert waren, wren Südende 5 15

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