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mit der Begebun
ich nicht unterscheiden. Aber auf manchem Gebiet hat er uns noch überschätzt.(Heiterkeit.) 1
Auf die Gesamtkosten verteilen sich die Kriegskosten ungefähr so, daß auf die Koalition unserer Feinde nahezu zwei Drittel, auf uns und unsere Verbündeten etwas mehr als ein Drittel der Kriegskosten entfallen.
5 Von den kriegführenden Ländern hat Deutschland, England und Oesterreich-Ungarn allein bisher einen nennenswerten Teil ihrer Kriegskosten durch langfristige konsolidierte Anleihen gedeckt. England hat mit seinen beiden Kriegsanleihen 18 bis 19 Mil⸗ liarden Mark aufgebracht, wovon etwa 12 bis 13 Milliarden eingezahlt sein dürften. Wir haben jetzt einen eingezahlten Betrag von 13 Milliarden Mark, und mit der bevorstehenden Kriegsanleihe werden wir auch hinsichtlich der Zeichnung allen anderen voranstehen. Oesterreich-Ungarn hat bisher durch lang⸗ fristige Anleihen nahezu 8 Milliarden Kronen aufgebracht. An⸗ gesichts des Standes der Wirtschaft und des Volkswohlstandes in Oesterreich⸗Ungarn verdient das die aller höchste An⸗ erkennung.(Beifall.) Das Gegenstück, Frankreich, bleibt dahinter weit zurück. Seine langfristige Anleihe, die Obligation de la Defence nationale, wie sie stolz genannt wird, erreichte bis heute kaum 2 Milliarden Mark.(Hört! Hört!) Das ist ungefähr der vierte Teil dessen, was Oesterreich⸗Ungarn auf diesem Gebiete geleistet hat. Den ganzen Rest seiner Kriegs⸗ ausgaben hat Frankreich bisher nur im Wege des kurzfristigen Kredits beschaffen können. Es hat rund 8 Milliarden Francs an kurzfristigen Schatzwechseln gegeben und es hat 6 Milliarden bei der Bank von Frankreich entnommen und sich zu recht un⸗ bequemen Bedingungen von England einen Kredit von 172 Mil⸗ liarden Francs geben lassen. 5
Von Rußland, Italien und den kleineren Bundesgenossen will ich nicht reden. Man soll auch gegen den Feind nicht ohne Not grausam sein.(Heiterkeit.).
Nicht nur die Höhe der angebrachten Zeichnungen, sondern auch das Wie der Aufbringung ist wichtig. Hier haben wir die unbedingte Ueberlegenheit. Frankreich hat es überhaupt nicht zu einer regelrechten Anleihe gebracht. Die Obligationen sind nicht in einer einheitlichen ordnungsmäßigen Zeichnung aufgelegt worden, sondern werden wie Schatzscheine nach und nach verkauft. Neuerdings spricht man sogar von der Ausgabe von Scheinen zu 20 und 5 Franken, um der Müdigkeit der Geldgeber zu be— gegnen. Von Zeit zu Zeit spricht man auch von einer großen konsolidierten Anleihe, die kommen soll, aber für solche Opera⸗ tionen hat man in Frankreich die Zeit noch nicht für gekommen gehalten.
England, das Land der 2 prozentigen Konsols, hat es zu⸗ erst mit einer 3 prozentigen Anleihe versucht. Das Zeichnungs⸗ ergebnis war mit 80 7 Milliarden Mark äußerlich gut, bei einem Ausgabekurs von 95 Prozent, die Anleihe sank jedoch am ersten Tag unter den Ausgabekurs und hat sich seitdem darunter gehalten, das ist ein Zeichen dafür, daß die Anleshe schlecht unter⸗ gebracht war. In einer schwachen Stunde hat der Börsenbericht⸗ erstatter der„Times“ kürzlich ausgeplaudert, man habe so viel von einem glänzenden Erfolg der Anleihe gesprochen, daß die Herren Kapitalisten es nicht für nötig gehalten hätten, einen besonderen Eifer an den Tag zu legen. Auf diese Weise sei die Situation entstanden, daß die großen Banken sich zu einer besonderen An⸗ strengung hötten bewegen lassen müssen, um den äußerlichen Erfolg zu retten. Das ist also das Bild der angeblich so starken Uebergeichnung der ersten Kriegsanleihe. Daraus hat sich dann die weitere Entwickelung in England ganz natürlich ergeben. Nach⸗ dem der Markt mit einer unverdauten Anleihe belastet war, konnte an ihn nicht weiter herangegangen werden, und das auch dann nicht, als sich zeigte, daß diese Anleihe, die eigentlich bis Juli reichen sollte, schon im März aufgebraucht war. Man half sich
i von Schatzwechseln nach französischem Vorbild. Die Summe wurde größer, aber der Andrang der Käufer nahm ab, bis man zu der letzten großen Anleihe⸗Emission geschritten ist.
5 Ingwischen hatte Lloyd George doch wohl an der Richtigkeit seiner Zuversichtlichkeit, daß mit dem Metall der silbernen Kugeln etwas erreicht würde, gezweifelt und wie Ihnen bekannt ist, hat er das Schatzamt berlassen und sich der Fabrikation von Munition aus einem etwas härteren Metall gewidmet.(Große Heiterkeit.) Sein Nachfolger hat die neue Anleihe aufgenommen. Der Zins⸗ satz wurde um 2 Prozent auf 4½ Prozent hinaufgesetzt und die Anleihe mit weitgehenden Zinsjouissancen und Konversions rechten ausgestaltet. Die Anleihe, die bis März 1916 ausreichen sollte, hat etwas weniger als 600 Millionen Pfund Sterling gebracht und ist zum größten Teil vorgegessenes Brot, das im Dezember wie der konsumiert sein wird. Das Ergebnis wurde nur erreicht da⸗ durch, daß am Tage des Zeichnungsschlusses nach dem unverfäng⸗ lichen Zeugnis der„Times“ die großen Banken sich entschlossen haben, das Doppelte derjenigen Summe zu zeichnen, wie sie bei der ersten Kriegsanleihe gezeichnet hatten. Von den 600 Millionen Pfund kommen rund 200 Millionen auf Bankzeichnungen, obwohl der Schatzkanzler erklärt hatte, er wolle keine Bankanleihe, son⸗ dern eine Volksanleihe. Außerdem ist in den Verlegenheiten der englischen Regierung kaum eine Atempause eingetreten. Die Zei⸗ tungen sprechen schon offen von der Notwendigkeit einer weiteren großen öprozentigen Anleihe, und die„Times“ erklärt eine große Anleihe in den Vereinigten Staaten für unvermeidlich.
Dem stelle ich eine Tatsache gegenüber. Bei uns sind die beiden Kriegsanleihen keinen Augenblick, an keinem einzigen Tag unter den Ausgabekurs heruntergegangen, ihre Kurse haben sich vielmehr stets darüber gehalten. Wir konnten unsere zweite Kriegsanleihe 1 Prozent höher begeben als die erste; wir werden bei der dritten Kriegsanleihe den Subskriptionskurs gleichfalls wieder etwas höherlegen. Selbst die Voreingenomensten unserer Feinde müßten sehen, wie wir auf dem finanziellen Kriegs⸗ schauplatz stehen.
Die vor dem Kriege maßgebenden Staatspapiere in Eng⸗ land, Frankreich und Deutschland ergeben bei einem Vergleich, daß gegenüber dem Kurs von März 1914 die französische Zproz. Rente um rund 20 Proz. zurückgegangen ist, in Eng⸗ land 51 ja Mindestkurse vorgeschrieben für die 2 prozentigen Konsols, der Mindestkurs ist 65 Proz., im Urteil der englischen Finanzpresse noch um mehrere Prozent zu hoch, gleichwohl hat er einen Rückgang um mehrere Prozent erfahren. Unsere deutschen Staatspapiere verzeichnen einen Rückgang von 8 bis 9 Prozent. Auch hier schneiden wir am besten ab. Allerdings leisten sich auch hier von Zeit zu Zeit unsere Feinde Verleumdun⸗ gen, die beweisen sollen, daß unsere Hilfsmittel versiegen. Die Londoner Börse notiert unsere Z3prozentige deutsche Reichsanleihe, die wir vor dem Kriege auf den Markt gegeben haben, mit 497½ Prozent.(Heiterkeit.) Ich habe mich auf dem Umwege über neutrale Märkte bemüht, zu diesem Kurse die deutsche Staats⸗ anleihe zu kaufen.( Heiterkeit.) Abgesehen von meinen Inter⸗ essen an dem Sachverhalt deshalb, weil sich eine bessere Gelegen⸗ heit zu einer billigen Schuldentilgung für das Reich nicht denken ließ.(Heiterkeit.) Es ist mir nicht gelungen, auch nur ein ein⸗ ziges Stück zu bekommen.(Heiterkeit.) Trotzdem ist der Kurs von 49½ Prozent sofort mit der entsprechenden Begeisterung auf⸗ genommen wocden.(Heiterkeit.) Der Gaulois schrieb: Auf finan⸗ 5 7 Gebiet hat also, wie auf allen übrigen Gebieten, das eutsche Débacle angefangen.(Heiterkeit.
Ein 5 Debacle war in den Augen unserer Feinde die Reichsbank. Zwar ist der Goldbestand der Reichsbank seit Kriegs⸗ gusbruch um mehr als eine Milliarde gestiegen und die Gold⸗ deckung heute um 5,4 Proz. besser als in Frankreich und 8 Proz. besser als in England trotz der großen Einzahlungen auf die letzte Kriegsanleihe, aber auch diese Zahlen nützen nichts. Neuerdings erklärte man sogar, die Erhöhung des Goldbestandes der Reichs⸗ bank komme daher, daß wir uns den Goldbestand der österreichisch⸗ ungarischen Banken angeeignet hätten.( Heiterkeit.) Die Bank von England hat ja die Goldreserven der Kolonien an sich genom⸗ men und auch nach jeder Leistung finanzieller Art an Rußland und Frankreich sich klingendes Gold zuführen lassen. Wir haben unserem Bundesgenossen allerdings auch finanziell zur Seite ge⸗ standen, wie es der guten Waffenbrüderschaft entspricht. Unsere
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deutschen Banken haben in der österreichisch⸗ungarischen Monarchie gewisse finanzielle Transaktionen im Einverständnis mit der Reichsleitung abgeschlossen. Wir haben außerdem gegenüber den Türken, die sich so ausgezeichnet schlagen(Beifall) die Pflichten des finanziell stärkeren Bundesgenossen bisher erfüllt und werden sie weiter erfüllen. Geschachert haben wir mit unseren Bundesge⸗ nossen nicht. Gold haben wir ihnen nicht abgenommen. Unsere treuen Verbündeten, die ihr Blut mit uns vergießen, als Objekte geschäftlicher Ausbeutung zu behandeln, das ist nicht deutsche Art (Beifall), das ist britischer Stil.(Lebhafte Zustimmung.)
Im März bezeichnete ich als den einzigen wunden Punkt unserer Finanzverfassung die Gestaltung unserer auswärtigen Wechselkurse. Damals habe ich mich zu zeigen bemüht, auf wel⸗ chen Zusammenhängen der Rückgang unserer auswärtigen Wechsel⸗ kurse während dieses Krieges beruht, nämlich auf der starken Unterbindung unseres Exports und in der Sperrung unserer Kapitalanlagen im Ausland. Die Dinge haben sich auf diesem Gebiet bei uns nicht erheblich gebessert, aber auch nicht ver⸗ schlechtert. Die Sache ist heute ungefähr auf demselben Stand, auf dem sie im März gewesen ist. Nachdem man ein halbes Kriegsjahr weiter hinter sich hat, ist das schon ein Fortschritt, während sonst Stillstand Rückschritt bedeutet. Dagegen ist den Franzosen und Engländern der Spott darüber inzwischen schon dergangen. Das stolze England, dem die Meere offen stehen, das über fremdes und eigenes Vermögen verfügt, kämpft einen verzweifelten Kampf um die Aufrechterhaltung des Sterlingkurses, dessen Entwertung immer größer wird und der in der letzten Zeit in New Pork bis 5 Prozent unter die Parität heruntergegangen ist(Hört, hört!), ein Fall. der sich seit dem napoleonischen Kriege nicht ereignet hat. Frankreich, dessen Valuta im März noch volle Parität hatte, bezahlt heute ungefähr für 100 Schweizer Franken 110 französische Franken, und in New Vork ist gestern ein Disagio von 16 Prozent auf die französische Valuta gewesen, die dort also schlechter als die deutsche ist.(Hört, hört!) Aber auch hier haben die Franzosen einen Trost leicht bei der Hand. Der Finanz- minister Ribot sagte in der Kammer: Eine Entwertung unseres Kredites liegt in keiner Weise vor, es bestehen einfach nur gewisse Schwierigkeiten in der Bezahlung.(Große Heiterkeit.) Die Kam⸗ mer hat diese Worte allseitig tres bien gefunden.
Das Geheimnis unseres Erfolges auf dem finanziellen Kriegs⸗ schauplatz liegt nicht in dem, was man gemeinhin Reichtum nennt. Darin ist uns das britische Weltreich und auch Frankreich un⸗ bestreitbar überlegen. Der Reichtum, dem wir den Erfolg ver⸗ danken, ist nicht etwa die Summe von geldwerten Ersparnissen, er umfaßt vielmehr unseren gesamten wirtschaftlich-technischen Apparat und steht vor allem in der lebenden Arbeitskraft unseres Volkes, im Krieg für den Krieg zu schaffen. Worauf der finanzielle Krieg basiert, das ist nicht etwa unser Stock von rol⸗ lendem Geld, das ist die Summe von Kriegsmaterial und Unter⸗ haltsmitteln, die unser Volk Gott sei Dank auf eigenem Boden und mit Anspannung aller Energie stets aufs neue erzeugt. Das Geld wird dabei gebraucht, aber nicht verbraucht. Das Geld spielt dabei die Rolle der Eisenbahnen, die unseren Kämpfen die not⸗ wendigen Truppen zuführen. Und wie die Eisenbahnwagen voll⸗ gefüllt nach den Fronten hinausrollen und dann wieder nach den heimatlichen Arbeitsquellen zurückkehren, so rollt das Geld aus der Reichskasse hinaus bei der Bezahlung der Kriegsausgaben und so kehrt es zurück, muß es zurückkehren auf dem Wege der Ein⸗ zahlung auf die Kriegsanleihen.
Ein wohlgeordnetes gut funktionierendes Geldfinanzwesen ist für die Durchführung des Krieges ebenso wichtig, wie ein leistungs⸗ fähiges Eisenbahnsystem. Aber auch das beste Eisenbahnsystem nützt nichts, wenn nichts zu transportieren da ist. Und das beste Geldsystem ist zu richts nutz, wenn die Arbeit des Volkes nicht die Dinge schafft, die zum Wegführen nötig sind. Wo das Geld über die Grenzen rollt, um draußen durch Ankäufe von Kriegsmaterial und Nahrungsmitteln die mangelnde innere Erzeugung zu ergän⸗ zen, da rollt es nicht so leicht zurück, da treten Stockungen ein, wie wir an unsern Gegnern beobachten. Darum mögen unsere Feinde ihre Geldmaschine reparieren und noch so sehr auf unsere Methoden schauen, nützen wird ihnen das erst, wenn sie uns die Leistungsfähigkeit unserer Landwirtschaft und unserer Industrie, wenn sie uns in allen lebenswichtigen Produktionszweigen unsere Unternehmer und unsere Arbeiter nachmachen(Beifall), und wenn sie uns unser Heer nachmachen können.(Beifall.) Denn dazu gehört eben doch etwas mehr als die aus der Not des Augenblicks geborene Einsicht; dazu gehören Generationen langjähriger Schu⸗ lung und Feisammenarbeit, dazu gehört eiserne Erziehung, Pflicht und Disziplin, dazu gehört das in tausendjähriger Geschichte zu Stahl zusammengeschweißte Volkstum.(Lebhafter Beifall.) An diesem stahlharten deutschen Volkstum wird ihre Zahl und Macht, ihr Geld und ihr⸗ Tücke zerschellen.(Lebhafter Beifall.)
Wir tragen den Sieg in uns. Wir fühlen die Verheißung des Sieges doppelt stark in diesen Tagen, wo unter den Donnerschlä⸗ gen unserer festungbezwingenden Geschütze Schwankendes Gestalt gewinnt, wo jeder das Herannahen großer Entscheidungen fühlt, wo der Flügelschlag der Weltgeschichte, des Weltengeschickes in der kleinsten Hütte hörbar wird. Wir wissen in diesen Tagen Heer und Volk durchdrungen von dem Bewußtsein, daß es abermals gilt, alle Kräfte daranzusetzen, wir wissen, daß es in jedem zuckt, mit Hand anzulegen bei der großen Entscheidung draußen, bei der Feldschlacht, im Festungskrieg, daheim im wirkschaftlichen und fi⸗ nanziellen Ringen. Deshalb vertraue ich, der Kredit, den Sie jetzt bewilligen werden, wird vom ganzen Volke gutgeheißen, feiner wird sich ausschließen von der Beteiligung an der neuen Volksan⸗ leihe, Groß und Klein werden ihre Pflicht tun. Die Daheimgeblie⸗ benen werden abermals den Kriegern draußen ihren Dank ab⸗ statten und sich ihrer würdig erweisen(Beifall), die Daheimgeblie⸗ benen werden dazu beitragen, daß neue durchschlagende Erfolge uns näher bringen dem Frieden, einem dauernden Frieden, der uns die Vollendung des Werkes von 1812 und 1870 sein wird, einem Frieden, der uns und unsere Verbündeten dauernd sichert vor Ueberfall und Begehrlichkeit, einem Frieden, der unsere Geg⸗ ner aus dem Abgrund irregeführter Leidenschaften, künstlich ge⸗ züchteter Wahnideen zur Selbstbesinnung zurückleitet, der den blu⸗ tenden Völkern Entwicklungsfreiheit bringt, deren dieser Erdteil bedarf, um in der Welt seinen Platz zu behalten und seine Mission zu erfüllen.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.)
Abg. Dr. David(Soz.):
Deutschland hat auch auf finanziellem Gebiete gezeigt, daß es besser dasteht als seine Gegner, daß seine Kraft nicht gebrochen ist und nicht gebrochen werden kann. Es kommt hinzu, daß die für den Krieg verausgabten Summen zum weitaus größten Teile im eigenen Lande geblieben sind. Wir sind nicht in Schulden ans Ausland geraten, wie Frankreich, England, Rußland. Die Gläu⸗ biger des Reiches wohnen im Reiche selbst. Dieses Ergebnis der englischen Absperrungsstrategie ist für unsere Finanzkraft und für die künftige wirtschaftliche Gestaltung Deutschlands von größ⸗ ter Bedeutung. Es ist aber auch bedeutungsvoll für die Frage, wie schließlich das Reich den steigenden Bedarf zu decken hat. Es ist eine Forderung der sozialen Gerechtigkeit, wenn das Reich sich einen ganz erklecklichen Anteil an den Kriegsgewinnen aus Lieferungen sichert. Die Reichsleitung stimmt diesem Gedanken grundsätzlich bei, und ich füge hinzu: Je rascher sie diese Auf⸗ gabe in Angriff nimmt, umso besser.(Sehr richtig!) Hoffentlich wird es nicht nötig werden, daß die Regierung später noch ein⸗ mal mit einer Kriegskreditvorlage an uns herantritt. Ich gründe diese Hoffnung auf die glänzenden Leistungen der tapferen Trup⸗ pen.(Beifall.) Ihre großen Erfolge im Westen und die gewal⸗ tigen Siege im Osten erfüllen uns mit Stolz und Bewunderung. (Beifall.)
Auch uns ist es ein Herzensbedürfnis, allen denen, die ihre Kraft, ihre Gesundheit, ihr Leben für das Vaterland einge— setzt haben, heißen Dank auszusprechen.(Lebhafter Beifall.) Die Dankesschuld kann natürlich nicht in bloßen Worten bestehen. Die Männer, die draußen für uns ihr Leben aufs Spiel setzen, müssen die Gewißheit haben, daß für die Ihrigen in der Heimat aus⸗ reichend gesorgt ist; und denjenigen, die durch den Krieg in ihrer
Erwerbsfähigkeit beschränkt werden, soll die Furcht genommen werden, daß fie un materiellem Elend preisgegeben sind. In allen Fällen, wo schleunige Hilfe not tut, muß sie ohne falsch angebrachte beben, Sparsamkeit auch schleunig gewährt werden.(Sehr richtig!) Ferner muß alles ver⸗ mieden werden, was die Stimmung der Mannschaften herab drücken kann. Immer wieder kommen Klagen über schlechte Be. handlung, namentlich bei der Ausbildung neuer Truppen in der Heimat.(Hört, hört, b. d. Soz.) Auch in der Ernährung machen sich bei den neu Ausgebildeten Uebelstände bemerkbar. Aelteren Leuten von schwächlicher Konstitution sollte man nicht ohne eine Uebergangszeit dieselbe Kost geben, die sonst für junge Männer von 20 Jahren bestimmt ist. Daraus ergeben sich oft gesundheit⸗ liche Schädigungen. Eine falsch angebrachte Sparsamkeit liegt auch in der Herabsetzung der Verpflegungsgelder für außerhalb der Kaserne wohnende Soldaten. Ebenso könnte in der Gewährung von Heimaturlaub manche unnötige Härte vermieden werden. 5 Es muß mit aller Energie darauf gedrungen werden, daß die Quellen von Verstimmung und Verbitterung zu fließen aufhören. Wir müssen alle unser Bestes tun, um alle Schichten un⸗ seres Volkes in diesem furchtbaren Ringen ge⸗ gen eine Welt von Feinden zu stärken.(Beifall.) Eine offene Kritit, wo sie notwendig ist, kann dabei nicht schaden, sondern nur nützlich sein. Denn nichts wäre verhängnisvoller, als den Kopf in den Sand zu stecken vor bestehenden Mißständen. Das Parlament darf sich seiner Pflicht, hier Abhilfe zu schaffen, um so weniger entziehen in einer Zeit, in der durch den Belagerungs⸗ zustand und die Zensur jede andere Kritik erschwert i Sorgen wir für die Hebung der wirtschaftlichen und seelischen Wider⸗ standskraft unseres Volkes. Die Versorgung der breiten Volks⸗ schichten mit ausreichender Nahrung ist nicht weniger wichtig, als die Versorgung der Armee mit Munition.(Sehr richtig!) Wie es der Heeresverwaltung gelungen ist, unser Heer vor dem Mangel an Munition zu bewahren, so muß es auch der Zwilverwaltung gelingen, die Heimat vor Nahrungssorgen zu schützen.(Sehr richtig!) Wir erkennen an, daß die Reichsleitung sich alle Mühe gegeben hat, dahin zu gelangen, aber eine befriedigende Lösung hat sie nicht gefunden. Vor allem ist eine wesentliche Herabsetzung der Höchstpreise erforderlich, und sie ist durchführbar, denn wir haben eine gute 1 7 Mengen an Lebensmitteln für das kommende Jahr im Lande. 3 5 a Jeder Lebensmittelwucher muß ausgeschaltet werden. Nie⸗ mand hat das Recht, seinen Beutel mit Extragewinnen zu füllen, während Millionen und aber Millionen ihr Gut und Blut für die Gesamtheit opfern. Die stärkste Strafe ist hier am Platze. Mit Recht hat Staatssekcetär Delbrück in der Kommission gesagt: Gewissenlosem Lebensmittelwucher muß das Brandmal des Ver⸗ lustes der bürgerlichen Ehrenrechte aufgedrückt werden.(Sehr rich⸗ tig). Die Unterstützungsgelder müssen unbedingt erhöht werden, sonst treffen Sorge und Entbehrungen Millionen von Famissen. Für Beschaffung der Winterkleidung und zur Beschaffung von Heizmaterial müssen besondere einmalige Unterstützungen bereit gestellt werden. Bleibt die physische und seelische Widerstandskraft unseres Volkes im Felde und daheim erhalten, dann dürfen wir allem, was kommen mag, ruhig ins Auge sehen. So wenig unsere Gegner unsere Wehrmacht 1 önnen, so wenig werden sie mit ihrem Aushungerungs⸗ und Erschöpfungsplan durch Aus⸗ dehnung des Krieges zum Ziele gelangen.(Sehr rar 5 Wie in allen Völkern, so lebt natürlich auch im eutschen Volke die Sehnsucht nach dem Frieden. Auf eine möglichst baldige Beendigung des blutigen Krieges müssen jedes gesittelen Menschen Wünsche gerichtet sein. Was wir früher, ins⸗ besondere am 4. August, gesagt haben, gilt auch heute, noch: Wir fordern, daß dem Kriege, sobald das Ziel der Sicherung des Reiches erreicht und die Gegner zum Frieden geneigt sind, ein Ende gemacht wird, der Friede und Freundschaft mit dem Nachbarvolk ermöglicht. Nicht Eroberungssucht hat das deutsche Volk in den Krieg getrieben. Die gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers haben für dieses Wort des Kaisers neues Beweis⸗ material erbracht. Leider sind aber unsere Feinde noch nicht zum Frieden geneigt. Ihre Staatsmänner wollen den Krieg fortsetzen bis zur vollständigen Niederwerfung Deutschlands und zur Durchsetzung ihrer Eroberungspläne. Sie hoffen, neutrale Staaten für sich zu gewinnen, sie bezeichnen die Zeit als ihren großen Verbündeten, um unsere wirkschaftliche und 1 Kraft zu erschöpfen. So bleibt uns denn, wollen wir unsere Gegner zum Frieden geneigt machen, nichts übrig, als sie. de. der Einsicht zu bringen, daß diese Hoffnung eitel ist.(Sehr richtig!) Der Herr Reichskanzler sagte in seiner gestrigen Rede,
olk fähig sei, gestützt auf die eigene sittliche Kraft. 1 8 Die Nut. bie 1 0 die ee Stärke gab, könnten wir nicht anders als im Sinne der Freiheit gebrauchen. Er sagte, daß mit Bezug auf die Gestaltung der äußeren Verhältnisse beim Friedens⸗ schluß. Ich halte es für meine Pflicht, dem hinzuzufügen, daß wir erwarten, daß dem deutschen Volk auch ein größeres Maß politi⸗ scher Freiheit gewährt wird.(Lebhafte Zustimmung.) Die neuen Bahnen, die beschritten werden sollen, müssen dem Ziele zufüh⸗ ren, das allein die wirtschaftliche und kulturelle Zukunft unseres Volkes sichert: Gewährung gleicher politischer Rechte in Ge⸗ meinde, Staat und Reich. Wer es noch nicht wußte, muß in die⸗ sem Kriege erkannt haben, daß die Massen des deutschen Volkes durch ihre Tüchtigkeit, ihren organisatorischen Geist und ihr so⸗ ziales Pflichtgefühl bewiesen haben, daß ihnen volle politische Eleichberechtigung nicht mehr versagt werden darf. Höhere Rechts⸗ und Kulturzustände innerhalb unseres Volkes und von Volk zu Volk— das muß das unverrückbare Ziel einer Politik sein, die den höchsten Interessen unseres Volkes und der geb gel Menschheit dient, im Dienste und im Kampfe für dieses Ziel werden wir auch diesmal der Kriegsanleihe unsere Zustimmung geben.(!Beifoll.)
Abg. Dr. Spahn(Zentrum). geht zunächst, auf der Tribüne fast unverständlich, auf die gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers über unsere Beziehungen zu England ein. Der Kanzler war durchaus im Recht, als er sich be⸗ müßte, eine Verständigung mit England zu suchen. Ich habe die Zuversicht, daß es dem Vierverband auch fernerhin nicht gelingen wird, Rumänien, Bulgarien und Griechenland aus der Neutralität herauszureißen. Unser Heer und unser Volk hat seine hohe reli⸗ giöse, geistige, körperliche und wirtschaftliche Kraft in diesem Kriege aufs glänzendste bewährt, und es ist sein einmütiger Wille, mit grenzenloser Hingabe an das Vaterland durchzuhalten bis zu einem erfolgreichen Schluß. Wir stimmen dem Vorredner voll darin bei, daß es die Pflicht des Vaterlandes ist, ausreichend für die daheimgebliebenen Familien unserer Krieger zu sorgen. Unter Anstrengung aller Kräfte ist es uns gelungen, in diesem Kampfe von Erfolg zu Erfolg zu schreiten, ihn siegreich zu führen, zu Lande, zu Wasser und in der Luft.(Beifall.) n
Abg. Bassermann(Natl.): 8 Die Ausführungen des Staatssekretärs haben uns ein glän⸗ zendes Bild von der Finanzkraft des deutschen Volkes gegeben Wir alle sind von Genugtuung und Dank erfüllt, für die Finanz⸗ leitung der Reichsgeschäfte und für die Tätigkeit der Reichsbank⸗ verwaltung, die es in dieser schweren Zeit verstanden haben, über ein Heer bon finanziellen Schwierigkeiten Herr zu werden. Der Reichsbankpräsident hat in ausgezeichneter Weise dazu beigetra⸗ gen, daß wir auch den finanziellen Krieg kraftvoll führen konnten. Die Aufgabe war groß und schwierig, da vom Kriegsministerxium und vom Generalstabe immer erneute Ergänzungen unserer Armee durchgeführt wurden und eine Vermehrung unserer For⸗ mationen erfolgte, wie sie die Kriegsgeschichte noch nie gesehen hat. Die Lösung der Verpflegungsfrage, die Deckung der Muni⸗ tion mußte an die finanzielle Anspannung die größten Anforde⸗ rungen stellen. Diese Fragen sind gelöst, und die Hoffnung unse⸗ rer Feinde, daß ein Erfolg unserer Waffen schließlich an der
Finanzkraft des Reiches scheitern müsse, ist zu Wasser geworden.
dieser Krieg habe an den N welcher Größe das deutsche 8 i


