Ausgabe 
(21.8.1915) 196. Zweites Blatt
Seite
112
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 196

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. 510Elehener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigele 7 Kreisblatt für den Urels 55 92 0 wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

Gieß

Samstag, 21. August 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 8 51, Schrist⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten:

Mb. Deutscher Reichstag.

14. Sitzung Freitag, den 20. August, nachmittags 2 Uhr.

5180 0 des Bundesrats: v. Jagow, Dr. Helfferich,

Der Platz des Abgeordneten B vühne(Soz.) seines 60. Geburtstages mit einem Blumenstrauß geschmückt. Präsident Dr. Kämpf eröffnet die Si 15

die Anfrage des Abgeordneten Liebknecht:

Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) stellt fol

5. ö N gende Anfrage: 7 Regierung bei entsprechender Bereitschaft 0 1

riegführenden bereit, auf der Grundlage des Verzichts auf

e aller Art in sofortige Friedensverhandlungen ein⸗

Staatssekretär v. Jagow: Ich gl. i ändnis r v. 8 glaube, dem Einverständnis der großen Mehrheit dieses Hauses zu begegnen, e auf Anfrage des Abg. Dr. Liebknecht eine Antwort zu erteilen als 15 unzweckmäßig ablehne.(Stürmischer Beifall.) 5Dr. Liebknecht versucht vergeblich etwas zu sagen wird aber durch fortgesetzte Braborufe und schließlich durch dere Lachen des Hauses daran verhindert. 18. d

die neue gtiegsanleihe.

Am Dr. Li

ist aus Anlaß

Ist

berichtet über die Beratung der Kommission: Bei den früher

8 5 0 en Kriegsanleihen war ein Betrag von 200 Millionen für b Munter Wöchnerinnen und der Erwerbslosen abgezweigt wor⸗ den. Dieser Betrag ist bisher nur für den ersten Zweck in An⸗ spruch genommen; jedoch erscheint es nicht ausgeschlossen, daß auch einmal der zweite Zweck in Frage kommen wird. Jedenfalls wird auch von dieser neuen Anleihe ein entsprechender Betrag für diese beiden Zwecke abgezweigt werden. Die Kommission hat einstimmig beschlossen, Ihnen die Bewilligung der Anleihe zu empfehlen. Sie ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß sich bei keinem unserer Feinde bisher die Geneigtheit zu einem Frieden gezeigt hat, der unsern berechtigten Ansprüchen genügt. Weiter ist die Kommission au der Ueberzeugung gekommen, daß die Anleihe in der geforder⸗ ten Höhe notwendig ist und daß endlich unsere Volkswirtschaft durchaus in der Lage ist, die neue Anleihe aufzubringen und daß in weitesten Kreisen unseres Volkes volle Bereitwilligkeit vorhan⸗ den ist, sich an dieser neuen Anleihe zur gegebenen Zeit zu betei. ligen. Unter diesen Umständen ist die Bewilligung dieser Anleihe eine Pflicht gegenüber unseren Soldaten, die Blut und Leben einsetzen, um unsere Fluren vor der Verwüstung, unser ganzes Wirtschaftsleben vor der Vernichtung zu schützen; eine Pflicht gegen unser ganzes deutsches Volk, das jetzt entschlossen ist, jedes weitere Opfer zu bringen und zu einem Frieden zu kommen, der seinen berechtigten Erwartungen entspricht. Namens der Kommission bitte ich, die Anleihe zu bewilligen.(Beifall.)

Staatssekretär Dr. Helfferich:

Nach den Ausführungen des Berichterstatters könnte ich eigentlich auf eine Begründung des Nachtragsetats verzichten, denn die Sache, die ich hier zu vertreten habe, bedarf in diesem Hause keiner Verteidigung mehr. Wenn ich trotzdem um die Er⸗ Iaubnis bitte, den neuen Kriegskredit mit einigen Worten zu er⸗ läutern, so tue ich es, weil ich im Einklange mit Ihnen das Be⸗ dürfnis fühle, an der Schwelle des zmeiten Kriegsjahres vor die⸗ sem Hause, vor dem deutschen Volke, vor unsern Verbündeten, vor der neutralen und auch vor der feindlichen Welt in kurzen Zügen ein Bild zu geben, wie sich im ersten Kriegsjahre die Finanzlage des Reichs gestaltet hat und welche Aussicht wir berechtigter⸗ weise in die Zukunft haben können. Ich rekapituliere kurz: Es sind für den Krieg bewilligt zwei Mal je 5 Milliarden, nämlich im August und Dezember, ferner 10 Milliarden im Herbst. Das sind zusammen 20. Mit dem jetzt vorgelegten Nachtragsetat er⸗ gibt dies den gewaltigen Betrag von 30 Milliarden. Da man unter dem Eindruck der Ausgaben dieses Weltkrieges das Schätzen roßer Zahlen einigermaßen verloren hat,(Sehr richtig!), so möchte ich im Suchen nach einem Maßstabe erwähnen, daß die schon bewillig⸗ ten 20 Milliarden

den Wert des ganzen deutschen Eisenbahnnetzes

mit Einschluß allen rollenden Materials darstellen. Der gewaltige Kreditbedarf, den wir bei unsern bisherigen Anleihen voraussahen, ist gegen die Schätzungen durch die tatsächliche Gestaltung der Kriegsausgaben noch übertroffen worden. Die ungeheure An⸗ spannung des ganzen Volles in diesem unabläßlichen Kampfe für unsere Zukunft bei immer noch sich steigernden Preisen muß notwendigerweise in den Kriegsausgaben ihren Ausdruck finden. Ich erwähne nur die Aufstellung immer neuer Formationen und deren Ausrüstung, die Verpflegung und Bekleidung des Millionen⸗ heeres bei steigenden Preisen fuͤr alle Lebensmittel und Roh⸗ stoffe, den alle Vorstellungen übersteigenden Verbrauch an Ma⸗ terial und Munition, die Instandhaltung, Vermehrung und Ver⸗ besserung unserer Kriegsfahrzeuge zu Lande, zu Wasser und in der Luft, die Organisation der Verkehrsmittel, den Bau von Wegen, Brücken, Eisenbahnen in den besetzten Gebieten. Das alles tritt täglich als Ausgabe an den Leiter der Neichsfinanzen heran und verdichtet sich zu Summen, die heute schon den Be⸗ trag von zwei Milliarden monatlich erreichen.

Dieser Wonatsbetrag ist um ein Drittel höher als die Gesamtkosten des Krieges von 1870/71. Wir wollen diesen Zahlen und wollen der Wahrheit klar und uner⸗ schrockenen Blicks in die Augen sehen. Wir wollen uns über die Größe der Leistung, die noch zu vollbringen ist, und über die Schwere der Opfer, die noch zu fordern sind, keiner Selbsttäuschung 1(Sehr richtig!) Es ist eine 1 15 schwere Zeit für

as deutsche Volk und für unseren Erdteil. Wir werden dieser Zeit nicht Herr werden, wenn wir uns über ihren Ernst hinweg⸗ täuschen.(Sehr richtig!) Wir wollen uns nüchtern und klar vergegenwärtigen, daß im zweiten Kriegsjahre das Durchhalten nicht leichter, sondern vielfach chwerer sein wird als im ersten. Wir wollen uns avon überzeugen, daß neue Aufgaben bevorstehen und alte grö⸗ ßer werden, wir wollen uns namentlich Rechenschaft davon geben, daß neue große Anstrengungen erforderlich sein werden, um auch der Bevölkerung im Innern dos Durchhalten zu erleichtern, daß noch größere Mittel aufg⸗wandt werden müssen, um die gegen wärtige Not zu lindern, vorbeugend zu wirken und Ge⸗ fahren für die Zukunft des Volkes abzuwehren.(Beifall.) Die verbündeten Regierungen werden sich diesen Aufgaben, so schwer sie sind, nicht entziehen. Ich wiederhole insbesondere, daß die Reichsfinanzberwallung den in der Kommission gegebenen An⸗

. 0 dem neuen Kredit 200 Millionen Mark. bereit stellen vill, um zu verstärken den Fonds zur Unterstützung von Gemeinden und Gemeindeverbänden auf dem Gebiete der Kriegswohlfahrtspflege, namentlich der Familienunterstützung und der Erwerbslosigkeit So schwer die materiellen Opfer sind neben den viel schwereren und größeren, die das deutsche Volk auf dem Schlachtfelde bringt, jeder Deutsche wußte von Anfang an, warum diese Opfer gebracht werden, und jeder Deutsche weiß, daß diese Opfer nicht umsonst gebracht werden.(Lebhafter Beifall.)

Ich brauche deshalb nicht viel Worte zu machen, um die Vor⸗ lage zu begründen Ihre durchschlagende Begründung ist der ein. mütige Wille des deutschen Volkes, den uns aufgezwungenen Krieg bis zum siegreichen Ende durchzuhalten, bis zu einem Frieden, den wir vor uns selbst und vor unseren Kindern und Enkeln ver- antworten können.(Lebhafter Beifall.) Aber soweit sind wir heute noch nicht. Noch wollen es unsere Feinde nicht, die sich ver⸗ maßen, uns mit der Ueberzahl der Waffengewalt niederzuzwingen, noch erwarten sie, daß es ihnen gelingen könnte, uns durch Er⸗ müdung, durch Erschöpfung niederzuringen, noch bäumen sie sich, obschon schwer getroffen, gegen den Gedanken, daß ihre Sache ver⸗ spielt ist, daß vernünftige Erwägung sie zwingen müßte, den Fehl⸗ schlag einzusehen, zu retten was noch zu retten ist, und uns Frie⸗ denssicherheit für die Zukunft zu bieten. Solange unsere Feinde sich nicht dazu bequemen, aus unseren Siegen die Folgerungen zu ziehen, sind unsere Waffen die einzigen Mittel, sie zu über⸗ zeugen.(Sehr richtig!) Solange müssen wir kämpfen und jedes Opfer bringen, das der Krieg uns auferlegt.(Sehr richtig!) Faoür die Aufbringung der Mittel, die Sie bewilligen werden, soll auch diesmal wieder der Weg der Anleshe beschritten werden. Ich habe bereits im März die Gründe dargelegt, die uns veran⸗ lassen, von der Einbringung von Kriegssteuern so lange wie angän⸗ gig, abzusehen. Diese Gründe bestehen heute noch fort. Wir wollen während des Krieges die gewaltigen Lasten, die das Volk trägt, nicht noch durch Steuern erhöhen, so lange keine zwingende Not- wendigkeit dazu vorliegt. Eine stärkere Belastung durch Steuern würde sich bei den hohen Preisen besonders fühlbar machen. Außerdem ist zu bedenken, daß auch heute schon unter dem Zwange des Krieges teilweise die Einzelstaaten die direkte Steuer stärker heranziehen. Zu alledem kommt, daß wir im Wege der Be⸗ steuerung auch bei der schärfsten Anspannung gegenüber den ge⸗ waltigen Kriegsausgaben nur die Aussicht hätten, wenige Prozent des Bedarfes zu decken.

Nun werden Sie auf ein Wort warten zu der viel besprochenen

Kriegsgewinnsteuer.

Es ist Ihnen bekannt, daß in dieser Frage bei der Zusammen⸗ kunft der Finanzminister der Einzelstaaken am 10. Juli hier ein grundsätzliches Einverständnis erzielt worden ist. Zu einer Ge⸗ setzesvorlage aber ist die Angelegenheit, die genau durchgearbeitet werden müß, noch nicht reif. Wir sind der Ansicht, daß die Er⸗ hebung einer solchen Steuer erst nach dem Abschluß des Krieges stattfinden kann, denn erst dann wird es den Betreffen⸗ den möglich sein, die finanzielle Wirkung des Krieges für sie zu übersehen. Was die Grundsätze anlangt, so sind die Regierungen überzeugt, daß einerseits die einwandsfreie Feststellung des Kriegsgewinnes im Hinblick auf die Steuerpflicht eine Unmöglich⸗ keit ist, andererseits aber sind die Regierungen der Ansicht, daß alle diejenigen, die in der Kriegszeit im Gegensatz zu der großen Masse der Volksgenossen in der Lage waren, ihr Vermögen wesentlich zu vermehren, auch imstande und verpflichtet sind, im höheren Maße als im Wege der gewöhnlichen Besteuerung zu den Lasten des Krieges beizutragen.(Lebhafter Beifall.) Damit ist die Anlehnung an die Reichsvermögenszuwachssteuer gegeben. Wie weit im einzelnen in der Bemessung der Steuersätze die Verände⸗ rungen des Einkommens herangezogen werden können, unterliegt noch der Prüfung. Uebereinstimmung besteht darüber, daß der Vermögenszuwachs durch Erbgang von der Sondersteuer befreit bleiben soll. Wir sind ferner darüber einig, daß in Rücksicht auf den besonderen Zweck der Steuer sie nicht nur in barem Gelde soll entrichtet werden können, sondern auch in Kriegsanleihen. Durch die zu erwartende Kriegssteuer wird also niemand abgehal⸗ ten, auf die Kriegsanleihe zu zeichnen.(Heiterkeit.) Damit be⸗ gegnen wir solchen Einwänden: Wie sollen wir auf Kriegsanleihe zeichnen, wenn wir nicht wissen, ob wir nicht später einer schwe. ren konfiskatorischen Steuer unterliegen?

Es ist also sehr richtig, daß eine solche Steuer auch durch Kriegsanleihe bezahlt werden kann. Wir stehen damit, daß wir die Kriegsausgaben im Wege der Anleihe decken, nicht allein in der Welt. Sogar England, das zuerst seinen Stolz darein setzte, den Krieg durch Steuern zu finanzieren, hat sich unter dem Zwange 775 Tatsachen zu einer anderen Ansicht bequemen müssen. Die Steuern auf Tee und andere Verbrauchsmittel ergaben nur einen unzureichenden Prozentsatz und ber dem Versuche, die bis⸗ her freien Arbeitslöhne zur Besteuerung heranzuziehen, ist die englische Regierung auf großen Widerstand gestoßen. Wir sehen

regungen entsprechend, aus

daraus, daß vorläufig nur der Weg übrig bleibt, die Mittel im

Wege der Anleihe aufzubringen. Dabei betone ich aber: Wenn Gott uns den Sieg verleiht und damit die Möglichkeit, den Frieden nach unseren Bedürfnissen und Lebensnotwendigkeiten zu gestalten, dann dürfen wir auch die Kostenfrage nicht ver⸗ gessen.(Lebhafter Beifall.) Das sind wir der Zukunft unseres Volkes schuldig, das seine ganze künftige Lebenshaltung, soweit wie es irgend möglich ist, sichergestellt wird.(Beifall.) Die Anstifter des Krieges mögen die dauernde La st der Milliarden tragen, mögen davon durch Jahrzehnte getroffen werden, nicht wir.(Beifall.) Die Lösung dieser Auf⸗ gabe wird besonders schwierig sein. Aber was nach dieser Rich⸗ tung hin geschehen kann, werden wir tun.

Die Bewilligung der Kriegskredite hat ihr Gegenstück in der Unterbringung der Anleihe. Sie wifsen, daß die Ausgabe einer neuen dritten Kriegsanleihe bevorsteht. Unsere Vorbereitungen sind unmittelbar vor Abschluß. Wir müssen durch die neue An⸗ leihe die Beträge decken, die wir bereits jetzt über die 13 Milliar⸗ den der beiden ersten Kriegsanleihen hinaus verausgabt haben. Zum Teil sind ja diese Summen durch den Kriegsschatz und durch die Mittel der Reichshauptkasse gedeckt worden. Diese Deckung hat 9 einen Zuwachs erfahren durch den Ueberschuß der Rech⸗ nung des Etats von 1914/15. Im März habe ich diesen Ueber⸗ schuß auf 38 Millionen veranschlagt, er beträgt aber 219 Millionen. (Hört! Hört!) Das ist immerhin eine ganz erkleckliche Summe, die aus dem ordentlichen Etat zu den Kriegskosten hinüberführt. Wir haben bei der Reichsbank und bei den großen deutschen Ban⸗ len Schatzanweisungen diskontiert, und diese Mittel müssen wir jetzt durch die Anleihe aufbringen. Schließlich muß die neue . uns auch die Mittel für die Fortsetzung des Krieges

eben.

9 Dieselben Kräfte, die unseren beiden ersten Kriegsanleihen einen über alle Erwartungen großen Erfolg' verschafft haben, stehen heute fester als je. Die bisherigen Ausgaben sind der Land⸗ wirtschaft und der Indnustrie, den Arbeitern und den Unterneh⸗

N General⸗Anzeiger für Gberhessen bender ))))))))))))%%%)VVV)VVS TTT!!!

mern zugeflossen. Sie haben als Einzahlung für die letzte Kriegs⸗ anleihe gedient. Sie können den Prozeß an der Entwicklung unse⸗ rer Darlehnskassen verfolgen. Zur Zeit der ersten großen Ein⸗ zahlung auf die zweite Kriegsanleihe haben die Darlehen 1,5 Milliarden überschritten, jetzt sind sie längst wieder unter eine Milliarde heruntergegangen. 586 Millionen waren an Vorschüssen zu Zwecken der Kriegsanleihe gegeben. Dfeser Betrag hat sich in⸗ zwischen auf noch nicht 300 Millionen Mark vermindert. Das sind nicht mehr als 3 Proz. der 9 Milliarden, die heute für die zweite Kriegsanleihe eingezahlt sind.

Unsere Gegner behaupten, unsere Kriegsanleihen seien nur Mache, finanziert durch die Papiere der Darlehnskasse. So habe ich heute noch imDailh Telgraph gelesen, daß bei un durch die Darlehnskassen alles beliehen werde bis z um Zahn⸗ stocher herab.(beiterkeit.) Wir können gewiß darüber lachen, aber wir dürfen nicht unser Augenmerk davor verschließen, daß diese systematische Herabsetzung unserer Finanzkraft uns ganz außerordentlich schadet. Auch dieses Lügengeweb⸗ muß zerrissen werden. 5

Unsere Sparkassen

können der Stolz des deutschen Volkes sein. Sie haben in zugenommen. 1914, trotz der ungünstigen Lage, haben sie eine Zunahme an Einlagen zu verzeichnen gehabt, die sich insgesamt auf 900 Millionen belief, obwohl große Einzahlungen auf die Kriegsanleihe geleistet worden sind. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat sich der Zugang bei den Sparkassen auf nahezu 1,5 Milliarden belaufen.(Hört! Hört!) Dieser Zugang ist allerdings durch die Einzahlungen auf die Kriegsanleihen voll⸗ kommen aufgebraucht worden; aber heute kann man sagen, daß unsere Sparkassen wieder vollkommen intakt sind, daß sie einen Einlagebestand von wesentlich mehr als 20 Milliarden haben, daß sie stärker sind als jemals vor Kriegsausbruch.(Hört! Hört!)

Ebenso günstig liegen die Dinge bei unseren Banken, soweit ich darüber orientiert bin. Die Flüssigkeit des Geldes und das Gefühl der finanziellen Stärke und Gesundheit hat sich stellen⸗ weise sogar in spekulativem Treiben an der Börse geltend emacht, aber, wie Ihnen bekannt ist, hat eine Warnung genügt, hier ein Ende zu bereiten, und es ist gelungen, die Ueberzeugung zu ver⸗ breiten, daß es für flüssiges Geld heute eine bessere Verwendung gibt als Spekulation. Heute gehört alles Geld dem Vaterlande, heute sind die Kriegsanleihen des Anlagepapier.(Sehr richtig!) Es spricht für die Einsicht und Vaterlandsliebe unseres Bankier⸗ standes, daß sich der freie Börsenverkehr in den ihm zugewiesenen Grenzen gehalten hat und daß die erste Warnung sofort auf rich tiges Verständnis gestoßen ist.

Wir wollen in der dritten Kriegsanleihe unsere finanzielle Kraft voll in Bewegung und 1 setzen. Zu diesem Zweck haben wir die Organisation, die sich bei den ersten beiden Anleihen so gut bewährt hat, noch weiter ausgestaltet. ö allem wollen wir dieses Mal sämtliche Postanstalten im ganzen Deutschen Reich zur Zeichnung heranziehen, sodaß jeder günstigste Gelegenheit zum Zeichnen hat. Wir wollen diesmal

bis zu 100 Mark herab gestatten. Wir werden versuchen, dahin zu

kleinen Beträge erleichtern. Für große Zeichner werden ppir Schatzscheine, die noch nicht eingelöst sind, mit einem Abschlag von 5 Proz. zur Zeichnung zulassen.

bei der letzten Anleihe Zwischenscheine ausgeben, damit der Zeich⸗ ner der Anleihe baldmöglichst etwas in die Hand bekommt. Die Unterlassung der Ausgabe von Zwischenscheinen bei der zweiten Anleihe hat zweifellos zu Uebelständen geführt und Mißfallen erregt. 5 Jh möchte Sie und die Oeffentlichkeit bitten, zu bedenken, unter welchen Schwierigkeften die Reichsschatzverwaltung arbeiten muß. Ein großer Teil ihres ausgebildeten Personals ist im Felde. Die Arbeitslast kann trotz angestrengter Tätigkeit bei Tag und bei Nacht kaum bewältigt werden. 5 5 8

Die Werbetätigkeit für die neue Kriegsanleihe muß diesmal größer werden als bisher. Allerdings, auf die sensationelle Aufmachung wie in England glauben wir verzichten zu kön⸗ nen.(Sehr richtig!) Die Zirkusreklame entspricht nicht dem Ernst des Krieges(Erneute Zustimmung) Wir haben auch nicht nötig, nach englischem Vorbild den Zeichner um eine Gnade u bitten. Der Deutsche gibt seinem Vaterlande kein Almosen. Beifall) Die tätige Mitarbeit der weitesten Volkskreise durch Amt und Beruf, Stellung und Ansehen wollen wir nicht missen. Gemeindevorsteher, Geistliche und Lehrer haben uns das letzte Mal schon wacker geholfen. Ich bin überzeugt, sie werden dies⸗ mal ihre Anstrengungen verdoppeln. Vor allem rechne ich dies⸗ mal auch auf die gewählten Mitglieder und Vextrauenspersonen des deutschen Volkes, das sie in der Heimat durch Belehrung und Appell an das vaterländische Gewissen für die neue Anleihe wir⸗ ken. Die Reichsfinanzverwaltung wird dabei mit Material gern zur Verfügung stehen. 5 8

Die Ausstattung der neuen Anleihe ist nach reiflicher und ge⸗ nauer Ueberlegung se geblieben, wie sie uns bei der letzten großen Anleihe den großen Erfolg gebracht hat. Die Sprozentige Kriegs⸗ anleihe ist heute das volkstümlichste Papier, das es i Deutschland jemals gegeben hat. Den Ausgabekurs werden wi

die sich unsicher fühlen.(Beifall.)

Wenn etwas unsere Zubersicht und Selbstsicherheit zu steigern vermag, dann ist es ein Vergleich mit den Finanzverhältnissen und mit den Finanzmaßnahmen unserer Gegner. Die Gesamt⸗ kosten, die dieser ungeheure Krieg verursacht, belaufen sich nach genauen Untersuchungen auf Grund des Materials, das in Deutschland überhaupt zu erreichen ist, jetzt täglich auf nahezu 300 Millionen Mark.(Hört, hört!) Monatlich erreichen sie also 8 Milliarden Mark; für das Jahr kommen wir also auf über 100 Milliarden Mark. Diese 100 Milliarden sind unge⸗ fähr der dritte Teil des ganzen beweglichen und unbeweglichen öffentlichen und privaten Volksvermögens in Deutschland. Das ist die größte Wertverschiebung, die jemals die Weltgeschichte gesehen bret. Bis vor wenigen Monaten hat dabei Deutschland die schwersten Lasten getragen; auch heute ist die Gesamtsumme der bisher aufgelaufenen Kriegskosten in Deutschland größer, als in irgend einem anderen Lande. Aber, wie im März borausgesagt, hat in der Höhe der laufenden Kriegsausgaben England uns jetzt überholt, wo die teiglichen Kriegsausgaben jetzt anscheinend 80 Millionen Mark überschritten haben. Wir wollen den Engländern diesen Vorsprung gönnen (Heiterkeit), zumal sie selbst das Gefühl haben, daß wir mit kleineren Mitteln bedeutend mehr ausrichten als sie. Noch kürzlich hat ein englischer Lord im englischen Oberhause gesagt, Deutsch⸗ land scheine mit einem halben Pfund mehr für den Krieg aus⸗

zurichten als England mit einem Pfund. Ob er recht hat, will

dem Jahre vor dem Kriege in ihren Einlagen rund eine Milliarde a

15

Vor 5

wirken, daß die Arbeitgeber ihren Angestellten die Zeichnung der

Ferner werden wir dieses Mal auf Grund der Erfahrungen

9

etwas höher setzen. Sensationelle Reizmittel überlassen wir denen,

5

5

.

auch für die kleinen Zeichnungen unter 1000 Mk. Teileinzahlungen 5

5

0