Wen hier der bildliche Hinweis noch nicht belehrt hatte, daß es
reichern und Deutschen beigebracht wurden, dem konnte nur noch das Zeugnis des Feindes selbst helfen. Der Major Moraht, dessen Ausführungen der„Temps“ neuerdings des öfteren miß⸗ braucht hat, wird aus dem„Berliner Tageblatt“ zitiert. Dieser
Stadt Przemhsl für die Deutschen mur eine einfache Haltestelle set, daß die wichtigen Kämpfe ohne Zweifel zwischen Bag und Weichsel stattfinden würden, und daß— dem deutschen Militär⸗ schriftsteller wird buchstäblich dieser Blödsinn unterstellt—„Prze⸗ mysl. weder an den Ort noch an die Zeit geknüpft sei“. Was mögen sich die Leser des„Temps“ dabei gedacht haben? Nun — vielleicht dürfen wir ihnen mitteilen, was der bekannte Mit⸗ arbeiter des Berliner Blattes— am 28. Mai, also vor der Er⸗ stitrmung Przemysls— im langen Zusammenhang eines Artikels unter der Ueberschrift„Die russische Flucht und der italienische Vormarsch“ tatfächlich gesagt hat. Es lautete:„Die gewaltsame Eroberung des San⸗Laufes schließt die Möglichkeit aus, uns ernst⸗ lich aufzuhalten. Jetzt ist noch Przemyslfür Teile der Verfolger ein kurzer Aufenthalt. Aber beobachtet man, wie es tagtäglich mehr eingeengt, immer mehr umklammert wird, während der große Strom der Verfolger nördlich und südlich der Festung vorbeiflutet, so erkennt man schon, daß es in den
Operationsplänen und Aussichten keine entscheidende Rolle“— auch dieses Wort Morahts versieht der„Temps“ mit Anführungszeichen—„spielt. Und wo liegt die Entscheidung?
Se ist nicht an Zeit und Raum gebunden. Möglich, daß 1 sich um n möglich auch, daß sie zwischen Bug und eichsel eintritt..“ Das nennt man zitieren. Freilich mag es ja der„Temps“ in bekanntem 2— 7— noch für eine patriotische Tat halten, mit der Dar⸗ tellung eines„Boche“ so Umzuspringen. . Aber wie er einen Neutralen als Kriegsberichterstatter, da es diese Einrichtung— der Himmel weiß warum— in Frank- reich nun einmal nicht gibt, noch viel unverfrorener ausschlachtet, mag folgende Gegenüberstellung zeigen, bei der wir garnichts weglassen nur das unterstreichen, was der„Temps“ ver⸗ schweigt oder hinzusetzt.
„Temps“ von Montag, den„Neue Züricher Ztg.“ Nr. 686. 7. Juni 1915. ö 1. Morgenblatt, Freitag, Tie Räumung von Przemysl. den 4. Juni 1915. Der Sonderberichterstatter der Zum Fall der Festung Przemyfl. „Neuen Züricher Zeitung“ im Oesterreichisches Kriegspresse⸗ österreichischen Hauptquartier quartier, 3. Juni. schildert die Einnahme von Prze⸗ In der großen Schlacht am mysl folgendermaßen: Von 23 San ist das entscheidende orts waren 5 im Besitze der Ereignis eingetreten: der esterreicher und Deutschen, als Fall der Festung Przemyfl. Von ich die Bayern letzten Montag den 23 Forts waren wohl erst er wichtigsten Nordforts be- fünf in den Händen der Be⸗ mächtigten. Die Russen wurden lagerer, Allein der Platz war damit in die Mitte der Be⸗ für die Russen unhaltbar festigungen edrängt. In der geworden, wenn sie nicht die Nacht von Mittwoch auf Ton⸗ gesamte Befatzung verlieren nerstag rückten die bayrischen wollten. Nachdem am letzten Truppen noch weiter vor und Montag sich baprische Truppen um 3½ Uhr morgens zogen sie der wichtigsten Nordforts be⸗ in die Stadt ein, wobei ihnen mächtigt und die Russen bis zum 12 Fate österreichisch-ungarische Festungskern zurückgeworfen hat⸗ 4 ruppen folgten. Am inneren ten, war das Schicksal von B angelangt, fanden die Przemysl eigentlich bereits esterreicher, daß diese Forts ge⸗ entschieden. In der Nacht von
*
Osten hinüber bis Czernowitz Die Hauptsache dabei aber war bei Kaschau ein Pfeil mit der Angabe:„Nach Budapest 100 Km.“
„Erfolge“ waren, die den Russen von den verbündeten Oester⸗
Sachverständige stellte fest, sagt der„Temps“ wörtlich, daß die
Russen war während der Nacht
erfolgt, obwohl die Straße da⸗ hin unter dem Feuer der feind⸗
mysl verblieben statt 50000 nur noch 20 000 Zivilisten. Die übri⸗ gen waren nach Lemberg ge⸗ zogen. Vor ihrem Abzug hatten die Russen die Lebensmittel⸗ magazine in Brand gesteckt.
Während des Rückzuges grif⸗ fen ansehnliche russische Streit⸗ kräfte die Armee des Generals v. Mackensen an, wahrschein⸗ lich in der Absicht, jene Be⸗ wegung zu decken.
Der Korrespondent der Zür. Zeitung hebt hervor, daß der russische Rückzug sehr schnell und wohlgeordnet vor sich ging; erfolgte er doch, ohne daß die Oesterreicher etwas da⸗ von gewahr wurden.
räumt waren. Der Rückzug der Mittwo
in der Richtung auf Mosziska
lichen Artillerie lag. In Prze⸗
auf Donnerstag dran⸗ gen die Bayern noch weiter vor⸗ wärts, und um ½'4 Uhr mor⸗ gens rückten ihre ersten Vor⸗ patrouillen in die Scadt ein. Nicht viel später traten auch die österreichisch⸗ungarischen Trup⸗ pen von Westen und Szüdwesten den Vormarsch an. Sie sanden aber, als sie die äußeren Gürtel⸗
linien der Befestigungen erreich⸗
ten, diese bereits leer. Die Rus⸗ sen hatten alle Forts geräumt und hatten die Festung schon während der Nachtstunden ver⸗ lassen. Der Abzug war in aller Eile erfolgt und bewegte sich auf der Straße nach Mosziska. Ein Verzweiflungsakt der Russen, da diese Straße von dem Feuer unserer schweren Ar⸗ tillerie beherrscht und nur unter Nichtachtung größe⸗ rer, unvermeidlicher Ver⸗ luste gangbar war. In Prze⸗ mysl selbst befand sich nur ein verhältnismäßig geringer Bruchteil der normalen Ein⸗
wohnerschaft. 20000 Leute waren von den gewöhnlichen 56000 zurückgeblieben, und
auch von diesen hatten die Russen viele zwangsweise entfernt; die meisten von ihnen hatten sie nach Lemberg abge⸗ schoben. Der an der Spitze der Civilverwaltung ste⸗ hende Advokat Dr. Blasz⸗ kowski war, da er sich gewei⸗ gert hatte, den Zar zu be⸗ rüßen, nach Sibirien ver⸗ schickt worden. In den 10 Wochen ihrer Anwesenheit hatten sich die Russen völ⸗ lig häuslich eingerichtet. Ihre großen Lebensmittelmagazine steckten sie vor dem Abzug in Brand. Zu gleicher Zeit, als die Russen aus Przemysl ab⸗ marschierten, erfolgten heftige Angriffe mit neuen Reserven gegen die Armee Mackensen. Auch diese russische Kraftan⸗ strengung war vergeblich, desgleichen der Widerstand der russischen Nachhut am Dujestr.
Nach dieser Probe erscheint es vollkommen begreiflich, wenn das durch solche„Berichterstattung“ in die Irre geführte fran⸗ zösische Publikum auch alle weiteren Rückwärtsbewegungen der Russen als etwas durchaus Unwesentliches betrachtet.
Vermischtes. Die Preußisch⸗Hessischen Eisenbahnbeamten haben bis jetzt über zwei Millionen Mark zu Zwecken der Kriegs-
fürsorge gesammelt. Bisher sind 30 Preußisch-Hessische Eisenbahnet.
mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse und 2860 mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse dekoriert worden. Dazu kommen noch 99 Reichs- eisenbahner mit dem Eisernen Kreuz. Gefallen sind bisher 3707 Preußisch⸗Hessische und 182 Reichseisendahner, zusammen 3839 Krieger.
Berlin, 17. Aug. Die„B. Z.“ meldet aus Schanghai: Ein ungeheurer Tarfun, der große Ueberschwemm⸗ ungen und Feuersbrünste im Gefolge hatte, wütete an der chinesischen Küste. Nach einer amtlichen Depesche des ameri⸗ kanischen Admirals an das Marinedepartement werden die Verluste an Menschenleben allein in Kanton und Umgebung auf 10 000 an⸗ gegeben. Auf dem Wufungfluß sind 50 große Dschunken unter⸗ gegangen. Die Notlage der Bevölkerung ist sehr groß.
Zürich, 18. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Schnell⸗ zug Zürich— Biel— Genf ist in der Station Dietikon auf eine im Durchfahrtsgleis stehende Lokomotive gestoßen. Die Lokomotive wurde zertrümmert, sowie mehrere Wagen. Es soll vier bis fünf Tote und einige Verwundete gegeben haben. Die Gleise sind vollständig gesperrt. f
Die„Rad⸗Rollschuhe“. Ueber eine neue und eigen artige Erfindung auf dem Gebiete des Straßensports weiß die „Gazette de Lausanne“ aus Amerika zu berichten. Die Erfindung, die die bisher gebräuchlichen Rollschuhe verdrängen soll, besteht aus zwei Rädern, ähnlich denen des Fahrrades, die einen Durch⸗ messer von 26 Zentimeter haben. Diese Räder werden durch eine um die Querachse drehbare vertikale Schiene fest an die Außenseite der Beine geschnallt. Die Schiene besitzt an ihrem unteren Ende eine flache Platte, auf der der Fuß angegurtet wird. Das neue Jortbewegungsmittel bietet der Erhaltung des Gleichgewichts kein⸗ großen Schwierigkeiten, ist jedoch nur auf sehr ebenem Boder brauchbar. Die„Rad⸗Rollschuhe“ wurden in amerikanischen Sport⸗ lreisen mit großer Begeisterung aufgenommen.
———— Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.
e 3 2 Aug. 2 8 8 5 8 28 2 22 25 „„„„ Wet 2615 1 5. 55 2 5 8 3 6885 Id e 8 17 2 46,6 17,199 68 WNW. 2 9 Bew. Himmel 17.9% 747,5 14,3 9,9 82 WNW 2 10 Bed. Himmel 18.]% 47,7] 13,2 10,6 94„ 8 Bew. Himmel U zöchste Temperatur am 18. bis 17. Aug. 1918 18. liedrigste IB.„ Ir„ 10,
Miederschlag. 1.0 men. Amtlicher Teil. 5
Betr.: Den Monatsbedarf der Landgemeinden an Mehl. An die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden Pet alert began, daß bie He den lee ir erinnern daran, daß die Zah 1„sowie die Zusatzbrotkarten⸗Empfünger für den kommenden Monat bis zum 20. l. M. dem Kommunalverband ehlverteilungsstelle) angegeben sein muß. Gießen, den 17. August 1915. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Usinger.
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