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(18/08/1915) 193. Zweites Blatt
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Sweites Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

nr. 103

DieGlezener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit⸗

4 fragen erscheinen monatlich zweimal.

General⸗

105. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Anzeiger für Oberhessen

R

Mittwoch, 18. August 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: e 5l, Schrist

leitung: 12. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Der Rücktritt des griechischen Kabinetts.

Das griechische Kabinett Gunaris ist zu rückgetre⸗ 5 en. Es i kein Ministersturz, sondern ein Peer es Abrollen der en dne Die Venizelisten eben ihren Kammerprä identen durchgesetzt und bei dieser Wahl zeigte sich bereits, daß der kommende Ministerpräsident, mag er nun Venizelos oder Zaimis heißen, nicht, wie er⸗ wartet, über 80, sondern nur über 57 Stimmen Mehrheit verfügen wird. Wird Venizelos mit 57 Stimmen Parla⸗ nientsmehrheit es wagen, die Existenz des griechischen Vol⸗ kes aufs Spiel zu setzen? Als er am 6. März dieses Jahres zurücktrat, erzählte er in einer Denkschrift seinen Lands⸗ leuten, welche Folgen ihre Nichtbeteiligung am Krieg haben werde, falls die Feinde Griechenlands siegreich seien, und malte andererseits aus, welche vosigen Hoffnungen Land und Volk hegen dürften, wenn sie zugunsten der Entente aus der Neutralität herausträten. Venizelos sagte: Abgesehen von der österreichischen Gefahr für Saloniki, abgesehen davon, daß, wenn die Türkei und Deutschland gewinnen, das Griechentum in Konstantinopel und in Kleinasien aus⸗ gerottet würde, und nicht nur die jetzt von dort vertrie⸗ benen 200 000 Griechen nicht mehr heimkehren könnten, son⸗ dern auch die der neuen Emigranten von dort kolossal wachsen und den Bankerott der griechischen Staatskasse herbeiführen würde, besteht kein Zweifel, daß Bul garien, von seinem Freunde Oesterreich ermahnt, vorrücken und nicht nur das serbische, sondern auch das griechische Maze⸗ donien zu okkupieren versuchen würde.Wenn Griechen⸗ land sich jetzt weigert, an dem Kampfe der Entente als Freund und Bundesgenosse teilzunehmen, so wird es später, wenn es die bulgarische Gefahr abwenden möchte, allein da⸗ stehen und von niemand irgendwelche Unterstützung erhal⸗ ten, sei es moralisch, sei es an Kriegsmaterial oder an Geld. An letzterem tut es hier so not, daß dieser Umstand allein ein triftiger Grund zur Aufgabe der Neutralität wäre.

So schrieb Venizelos noch im März. Unterdessen hat sich das Rad des Weltkrieges weiter gedreht und alles ist anders. Herrn Venizelos dürfte es heute fast peinlich sein, an jene seine Denkschrift erinnert zu werden. Er selbst denkt heute anders und vielleicht kommt auch der Tag, an dem er zugibt, daß es nicht Liebe für die Entente, sondern Furcht vor England war, die seine frühere Politik bestimmte. Wer hat heute noch Furcht vor England? Die Griechen nicht. Sie haben es gewagt, den Konteradmiral Mark Kerr, ihren eng⸗ lischen Marinelehrmeister, nebst den ihm unterstellten zwölf britischen Seeoffizieren nach Hause zu schicken. Sie haben sich die aus Flandern zurückkehrenden jammervollen Ueberreste der griechischen Freiwilligenlegion angesehen und erfahren, daß diese, die auszogen, um gegen die Deutschen zu kämpl fen, als Bewunderer der Deutschen und Verächter der eng⸗ lisch⸗französischen Kriegführung nach Hause gekommen sind. Und als vorige Woche derBefehl des Vierverbandes an, Griechenland erging,Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag' ich dir den Schädel ein!, da schlug diese Er⸗ Erpressernote dem Faß der griechisch⸗englischen Freundschaft den Boden aus. Selten noch ist das griechische Volk von so tiefem einmütigem Gefühl der Erbitterung beherrscht ge⸗ wesen, als diesem Schritt des Vierverbands gegenüber. Dieses Gefühl ist auch in Kreise gedrungen, die bisher voll⸗ ständig unter dem Bann der Entente gestanden haben. Man lann wohl sagen, ganz Griechenland lodert in flammender Eutrüstung über das erpresserische Ansinnen und hinter dieser Volksstimmung steht eine Armee von viermalhundert⸗ tausend Mann. Da kann es auch einem Venizelos nie und nimmer einfallen, diese Vierhunderttausend gegen die Bul⸗ garen oder vor die Dardanellen zu schicken. Er kann nur dann die Regierung übernehmen, wenn er jetzt die vom Volke verlangte Politik zu befolgen verspricht.

Gleichwohl, die Verfassungsmaschine ist auch in Grie⸗ chenland ein Uhrwerk, das seinen Gang gehen will. Die Wahl eines Venizelisten zum Kammerpräsidenten bedeutet für die Krone die Aufforderung, sich mit der herrschenden Parlamentsmehrheit auseinanderzusetzen. König Konstantin,

von seiner schweren Erkrankung nahezu wiederhergestellt, fühlt sich der Aufgabe gewachsen. Noch auf seinem Kranken⸗ lager hat er geäußert, er werde, sollte Venizelos wieder ans Ruder kommen, das Vergangene vergangen sein lassen und in einträchtigem Zusammenarbeiten mit ihm für nichts anderes als das Wohl des Staates bedacht sein. Venizelos ist ein viel zu kluger Kopf, um diese goldne Brücke, die ihm da gebaut wird, nicht zu betreten. Aber selbst, wenn eine persönliche Einigung nicht zustande kommen sollte, wird der König mit Zaimis oder einem anderen Platzhalter aus⸗ kommen, ohne durch eine Kammerauflösung dem inneren Streit und den gefährlichen äußeren Einflüssen aufs neue Tor und Tür zu öffnen. König und Volk stehen jetzt in dem kleinen, durch Einigkeit so starken Griechenland zusammen, und gegen eine solche Einheit waren noch immer und überall alle Sprengversuche vergebens.

Athen, 17. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence d'Athsnes: Der König hat die Demission des Kabinetts Gunaris angenommen und Venizelos ersucht, morgen vormittag zu einer Besprechung zu ihm zu kommen.

London, 17. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) DieTimes meldet aus Nisch: Die Aussicht auf eine Beilegung der Differenzen auf dem Balkan hat sich gebessert. Versiche⸗ rungen, die unser Korrespondent durch hochgestellte Persönlich⸗ keiten erhalten hat, gehen dahin, daß ein Weg zu einer schnellen baldigen Regelung gefunden worden ist, die sich nicht auf eine Grenzregulierung an einigen Stellen beschränkt, sondern allge⸗ meineren Charakter besitzen wird.

Uriegsbriefe aus dem Osten.

Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Ueber die Warschau Petersburger Bahn. Goworowo, 12. August.

In Goworowo stehen fünfzehn Häuser etwa. In einem dieser Häuschen schreibe ich und sehe dabei auf die verlassenen russischen Schützengräben, die mitten durch den Ort gehen. Am Abend schimmert aus zwei Häusern der toten Stadt Licht, aus unserem und einemfürstlichen Steinhaus, in dem auch ein paar Offi⸗ ziere wohnen. Die Schornsteine der Häuser am Markt ragen über den Schutt der Häuser und werfen lange blaue Schatten. im Mondlicht über die verbrannten Mauern und über den Wirrwarr von verkohlten Möbelstücken, Eisenteilen, Drahtleitun⸗ gen und unkenntlichem Gerümpel. Die Roggenfelder sind noch nicht abgeerntet, und über dem Zittern und mondhellen Wiegen stehen die kleinen dunklen Kreuze, die Zeichen der Erstürmung des Bahndamms. Gegen das Bild des abendlichen Warschaus, da die Wagen im hellen Bogenlicht über die Straße stappten und so viel Lächeln und Liebenswürdigkeit in den Gesichtern stand, wirkt mir dies Mondbild in der stillen Herbheit der Früh⸗ herbstnacht um so erschütternder. Anders, hatte ich schon am Tage gesehen, liegt der Krieg auf der großen Stadt, anders auf dem Lande Auch aus Warschau kamen Tausende von Flüchtlingen, aber das Elend der Flüchtlingswagen, die mir auf der Straße nach Ostrow heute begegneten, sah ich doch nicht. Die Russen hatten auf dem Lande die Bevölkerung einfach vor sich herge⸗ trieben wie man Vieh treibt, und nun, da den Russen Lust und Gelegenheit sie haben recht sehr mit anderen Dingen jetzt zu tun zum Weitertransport der armen polnischen Bauern fehlte, kamen die Vertriebenen zurück. Ihr bischen Hausrat, ihre paar Schweine, die Kuh, alles war mit auf der Landstraße. Zu Tausenden zogen sie vorbei in den Wagen und zu. Fuß. Da war ein alter Mann, der trieb ein Schweinchen vor sich her und als es nicht weiter ging, setzte er sich mit dem Stock dazu und bewachte das Tier, mit dem er unverständliche Worte sprach. Da war ein kleines fünfjähriges Mädel, das lief mit Tränen hinter dem Fohlen her, weil das junge Tier immer in Gefahr war, zwischen die fortwährend ziehenden Kolonnen zu kommen. Das Mädel schien in seiner Angst keine Furcht vor den schweren Kolonnenpferden und den Rädern, nicht einmal vor den Autos mehr zu haben. Sie aßen die rohen Kartoffeln und eine Mutter, die allein mit ihren Kindern wanderte, gab den Kleinen aus der hohlen Hand das trübe, recht trübe Wasser aus der Broczysko zu trinken. In Warschau, in einem erstklassigen Delikateß⸗ laden, hatte mir ein älterer polnischer Herr, der jedes Jahr nach Nauheim zu gehen pflegt, erklärt, daß es Warschau sehr schwer

gehabt habe unter den Russen, und eine Dame ließ mir sagen, man glaube nicht, wie schreckliche Zeiten sie hinter sich hätten dabei war sie sehr ungnädig, daß der gekochte Schinken zu fett 33 wäre und daß die Butter nicht ungesalzen da war. Ich glaube wohl, daß es Warschau unter den Russen nicht leicht Lan hat, aber anders zeichnet der Krieg die Stadt, anders das La 3 In schweren fortlaufenden Gefechten ist Ostrow erreicht wor! den, alle paar hundert Meter liegen Schützengräben rechts und 15 links des Weges und die braven Divisionen, deren en 1 des Bahndamms Ostrolenka⸗Warschau und deren ersten Stoß 1 55 gesehen hatte, haben Gefechtstag nach Gefechtstag inter sich. 9 Gefallen ist Ostrow dann auf den Druck von Süd⸗Westen, 1 von Wyszkow her. In gradem Stoß Pultusk⸗Wyszlow wurde der Bug erreicht und dann mit Schwenkung gegen Ostrow gedrückt. Schon hier artete die Flucht der Russen an mancher Stelle zur Panik aus. Die Einwohner von Ostrow erzählen, wie sich auf der Hauptstraße des Fleckens, von der alle Wege nach e und Südosten abbiegen, Artillerie und Kolonnen. durcheinander festgefahren hätten, wie die Mannschaften sich ge enseitig mit den schweren Peitschen geschlagen hätten, wie dazwischen schreiende Kavallerie und Infanterie eingekeilt gewesen wäre. Das Ganze das Bild der Panik. 1 55 Verhältnismäßig schnell wurde dann auch von unseren nach drängenden Truppen der Broczysko⸗Abschnitt gestürmt, der die 1 Bahnlinie nach Petersburg noch schützen sollte. Schon in den Tagen vorher hatte man den Feuerschein der angezündeten kleinen Bahnstation längs der Bahn beobachten können. Er ging von Warschau aus ziemlich schnell weiter aufwärts und zeigte deutlich das Tempo des russischen Rückzuges und den Punkt, bis zu 3 er gelangt war. Am 10. August um ½8 Uhr abends wurde noch der Sturm auf den Broczysko⸗Abschnitt angesetzt, und schon um 11 Uhr abends war die Bahnstation Malkin und die Bahn Warschau⸗Petersburg erreicht. Um 9 Uhr 50 Minuten ist der letzte russische Zug in der Richtung Bjalistok abgegangen Malkin hatten die Russen beim Abzug angezündet, aber 15 1 1 keine Zeit, gründlich zu verfahren. Ein paar Häusen chwelten noch, als ich dort war, aber die Bahnhofsanlagen waren ziemlich unversehrt. Die sauberen braunen Stations⸗ häuser mit den roten Dächern, der Wasserturm und die Warte⸗ räume waren kaum beschädigt. Selbst die großen Stapelhallen für Militärzwecke, die eben fertig geworden zu sein schienen, waren unbeschädigt, und es wird der deutschen Heeresverwaltun, recht angenehm sein, an solchem wichtigen Eisenbahnknotenpun auf 15 breit angelegte, saubere und gute Stapelanlagen rechnen zu können. 5 Der ganze Horizont war überweht von den Rauchfahnen brennender Gehöfte. Der russische Rückzug. Es ist alles in so schnellem Vormarsch, daß niemand weiß, wie das Morgen aussehen wird. Das Bild von gestern ist am nächsten Tage schon alt und überholt, die Generalkommandos selbst und das hohe A. O. K., sind zuFliegerstationen geworden. Nowo⸗Georgiewsk liegt 5 völlig eingeschlossen weit hinter der Hauptlinie. Warschan ist nach den ersten drei Tagen, da die Kugeln von Praga die Weichselstraßen entlang pfiffen, schon außerhalb der Operationen, die sich in immer engerem zunächst zusammenpassen, Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

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Die Lügentechnik desTemps.

In Frankreich wird jetzt den Leuten der Prozeß gemacht, die Flugschriften unter dem TitelMan belügt und betrügt uns! verbreiten. Wer aber bemerkt hat, wie die maßgebende Presse, besonders seitdem die Russen aus Galizien zu weichen begannen, ihre Leser über diese Vorgänge unterrichtet, der kann jenen an⸗ geblichen Verrätern nur durchaus recht geben. Je mehr Autorität ein Blatt besitzt, um so unehrlicher ist es, und derTemps z. B

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So gab derTemps a fangs Juni als Erläuterung zum Weichen der Russen aus Prze⸗ myfl nochmals die Zahlen der Gefangenen und der Kriegsmateria⸗ lien an, welche die Oesterreicher am 22. März verloren, als die Festung dem Hunger zum Opfer fiel. Bei dieser Gelegenheit er⸗

schien in dem Blatt auch wieder einmal ein winziges Kärtchen, dasOstgalizien vorstellen sollte Maßstab 1: 6000 000, nord? südliche Ausdehnung etwa von Kielce bis Tokay und von hier nach

Kriegs⸗Fata morgana.

In böhmischen Landstrichen sind in der letzten Zeit verschie⸗ dentlich Luftspiegelungen von aufmarschierenden Heeresmassen wahrgenommen worden. Wie jetzt wieder aus dem Oertchen Hostomitz in Böhmen gemeldet wird, wurde dort die Bevölkerung in den jüngsten Tagen erneut Zeuge einer prächtigen kriege⸗ rischen Fata morgana. Man erblickte hoch in der Luft eine roman⸗ tisch an einem Berge gelegene unbekannte Stadt, durch die ein Reiterregiment hindurch galoppierte, dem auf dem Fuße Infan⸗ terietruppen in großen Mengen folgten. Die seltsame Beobachtung, für die man in unserer kriegsdurchtobten Zeit, da fast auf dem ganzen Erdenrund fortwährend Truppenmassen in Bewegung sind, wohl unschwer wird eine natürliche Erklärung finden können, erinnert lebhaft an eine Luftspiegelung ganz ähnlicher Art, die vor 61 Jahren im Januar 1854 bei Unna in Westfalen sich er⸗ eignete, und die wegen der Großartigkeit ihrer Erscheinung damals bedeutendes Aufsehen erregte, ja sogar in der wissenschaftlichen Welt einen erheblichen Streit der Meinungen entfachte. Das merk⸗ würdige Vorkommnis wird in derNeuen Preußischen Zeitung vom 11. Februar 1854 folgendermaßen beschrieben:

Am 22. Januar wurde bei Büderich, einem Dorfe an der Chaussee zwischen Unna und Werl(Reg.⸗Bez. Arnsberg), ein imposantes Phänomen(Luftspiegelung) beobachtet und mit der Sage von einer bevorstehenden Völkerschlacht am Birnbaum in Verbindung gebracht. Tatsächlich ist durch eine große Anzahl

von Augenzeugen festgestellt, daß am 22. Januar, um die Zeit, wo sich die Sonne zum Untergang neigte, von einer Anhöhe Schlückingens einem isoliert stehenden Hause ein immenser Heereszug nach dem Schafhauser Holze sich fortbewegte. Bückte man sich zur Erde, so konnte man unter dem Bauche der Pferde hinweg bis zum fernen Horizont sehen, die Bewegungen der Pferde deutlich wahrnehmen. Auch Infanterie konnte man in großer Menge und das Blitzen ihrer Musketen genau sehen. Derselben folgte ein unabsehbarer Wagenzug, welchem die Ka⸗ vallerie sich anschloß, die nach dem Torfe Hemerde abschwenkte. Als das Fußvolk im Schafhauser Holze und die Kavallerie sich por demselben befand, verschwammen die Bäume in einem g dichten Rauch. Mit dem Untergange der Sonne verschwand das höchst interessante Schauspiel. DTaß die 1 gerade zwischen Unna und Werl ge⸗ wurde, mußte der bekannten, aber sehr sagenhaft klingenden 5 Prophezeiung, ach sich in der betreffenden Ge⸗

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aller Völkerschlachten abspielen soll, naturgemäß neue Nahrung geben. Abergläubische Gemüter harrten schon 1866 mit Zittern der Erfüllung des prophetischen Wortes, und sie warteten in noch größeren Aengsten 1870/71 auf das Ereignis. Freilich vergebens. Und heute, wo der gewaltigste aller Kriege entbrannt ist, dürfte es wieder nichts werden mit der Riesenschlacht am Birnbaum. Deutsche Kraft und Stärke haben glücklicherweise dafür gesorgt, daß sich die katastrophalen Entscheidungen dieser schweren Epoche weitab vom schönen Westaflenlande auf feindlicher Erde vollziehen.

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James A. H. Murray. James A. H. Murray in Oxford, der Begründer und Herausgeber des berühmten Oxforder Wörterbuchs, ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Er sollte den Abschluß seines großangelegten Werkes nicht er⸗ leben, des Hauptwerkes der englischen Sprachforschung. Das New English Dictionary on historical Prrncip⸗ les ist ein geschichtliches Wörterbuch der englischen Sprache, d. h. es verfolgt die Geschichte der einzelnen Wörter ihrer Form und ihrer Bedeutung, vor alter Zeit bis zur Gegenwart. Es ist ein Seitenstück zumDeutschen Wörterbuch der Brüder Grimm. Im Jahre 18888 erschien der erste Band des Oxforder Wörterbuches. Vom 4. Band an erscheint Bradley als Mitbearbeiter, später noch Craigie als dritter; diese beiden Forscher haben ihre Bände selbständig bearbeitet. Bis zum Buchstaben Re ist das große Werk vollständig, von S und T sind einzelne Teile erschienen. Der englische Grimm ist auf zehn starke Foltobände berechnet(jeder mit 1200 1600 dreispaltigen Seiten); davon sind 8 fertig, von den beiden letzten sind einzelne Lieferungen schon erschienen.

Das Oxforder Wörterbuch bietet zuverlässige und gründliche Nachricht über das Leben englischer Wörter. Freilich so tief⸗ gehende und ausgedehnte Artikel wie in manchen Bänden des Grimm sucht man hier vergebens. Dafür ist das Werk jedoch stetig vorangeschritten und sieht seinem Abschluß entgegen. 5

Der Plan zu dem Wörterbuch geht in die 70 er Jahre zurück. Ein Verleger, der ein Seitenstück zu amerikanischen, rein prakti⸗ schen Wörterbüchern herausbringen wollte, trat an Murray heran, der sich burch eine schottische Dialektsgrammatik als Sprachforscher eingeführt hatte. Murray griff den Gedanken auf und entwarf Pläne, die immer deutlicher auf ein Wörterbuch auf geschichtlicher Diese Pläne waren für den Verleger

Am Birnbaum heißt, einntal dae größte

Dienst der Sache. Der Stoff wuchs allmählich zu einer gewaltigen Zettelmasse heran. Murrays Haus war bald überfüllt mit Päcken von Zetteln für das Wörterbuch. Er ließ sich schließlich im Garten seines Hauses in Oxford ein eigenes Arbeitshaus bauen, aus Eisen wegen der Feuersgefahr. Dort in seinem Scriptor jium ist in regelmäßigen Zwischenräumen eine Lieferung nach der an⸗ deren fertig geworden. 5 H

Eine hübsche Verdeutschung. So löblich die Be⸗ strebungen der Behörden sind, im Verkehr und im Leben der 5 Straße entbehrliche fremländische Ausdrücke nach Möglichkeit durch deutsche zu ersetzen, so muß doch schließlich das Beste hierzu von der Bevölkerung selbst ausgehen, indem jeder einzelne Gewerb⸗ treibende sich bemüht, im Umkreise seiner Tätigkeit gute deutsche Bezeichnungen für das zu finden, was bisher mit fremdem Worte ausgedrückt wurde. Ein sehr hübsches Beispiel davon, wie mans machen soll, hat nach demKonfektionär ein Geschäft im Berliner Westen gegeben. Es ist eines von jenen, die sonst sich nicht anders alsModesalon oderModen⸗Atelier nennen zu können glauben. Die beiden Schwestern aber, die das Geschäft führen, haben sich entschlossen, es ganz schlichtPutzstube der Schwestern k. zu nennen Mit dieser Bezeichnung ist wirklich alles gesagt, was gesagt sein soll, und uns dünkt, daßDie deutsche Putzstube nicht nur anschaulich ist, sondern auch hübsch und gemütlich klingt. Ein leichter biedermeierischer Bei⸗ geschmack wird dieser neuen 1 bei der Beliebtheit, die der sogenannte Biedermeierstil jetzt vielfach genießt, auch nichts 8 schaden; die gescheiten Berliner Schwestern haben ihn sogar noch ausgenutzt, indem sie ihre Putzstube ein wenig im Geschmack von Großmutters Zeiten ausstatteten. 1

Berlin, 17. Aug.(WTB Nichtamtlich.) Wie derReich anzeiger bekanntgibt, hat der König den Professor an der Ber⸗ liner Universität, Geheimen Regierungsrat Planck und D Direktor der Königlichen Sternwarte in München, Königl. Bahr Geheimen Rat Professor Ritter v. Seeliger zu stimm 1 tigten Rittern des Ordens Pour lemérite für Wissenschaften ö und Künste, sowie den Historien⸗ und Porträtmaler Professor 5 Heinrich v Angeli in Wien, den Professor der Histologie an der Universität Madrid, Santiago Ramon ⸗y⸗Cajal unn den Professor der Astronomie an der Universität Groningen, Jacobus Cornelius Kapteyn, zu auswärtigen Rittern des Ordens Pour le msrite für Wissenschaften und Künste ernannt,

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