Ausgabe 
(14.8.1915) 190. Erstes Blatt
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auf der Halbinsel. Die Alliierten brauchen noch weile wer⸗ tere Verstärkungen, um sie uns zu nehmen. Wir sind fest überzeugt, daß wir jeder Lage gewachsen sind, die sich aus den Maß⸗ nahmen der Alliierten ergeben könnte. Wir bedauern natürlich, das SchlachtschiffBarbarossa Haireddin verloren zu haben, trösten uns aber damit, daß fast zwei Drittel der Mann⸗ schaft gerettet worden sind. Ich schätze den Verlust nicht gering ein, kann aber sagen, daß wir auch ohne dieses Schiff auskommen können, das infolge seines veralteten Baues, seiner schwachen Bestückung und seiner geringen Geschwindigkeit keinen großen Wert besaß. Enver Pascha sagte: an der Ostfront der Alliierten verloren diese die Unterstützung derjenigen Armee, die i helfen sollte, die Zentralmächte niederzuwerfen. Ich bin dari klar, daß noch vieles getan werden muß, doch haben die Türkei und ihre Verbündeten, da die russische Armee keme Offensivkraft mehr besitzt, nichts zu fürchten. Ich bin der Meinung, daß die Reorganisation der russischen Armee nur ein Gerede ist, etwa ebensoviel wert, wie die Rede des russr⸗ schen Kriegsministers vor der Tuma, der sich offenbar nicht bewußt war, daß Napoleons Rückzug aus Moskau von den deutschen und österreichisch⸗ungarischen Truppen wohl nicht wieder⸗ holt werden wird. Wer sich einbildet, daß heute mit den mo⸗ dernen Transport⸗ und Verkehrsmitteln solches möglich wäre, sagt damit nur, daß er ein Jahrhundert hinter der Zeit zurück ist. Niemand weiß, was das Kriegsglück bringt. Aber alle Anzeichen deuten darauf hin, daß unsere Partei sicher ist, in nicht zu langer Zeit den Sieg davonzutragen. Die russische Armee wird für einen genügenden Zeitraum erledigt werden. In der Zwischen⸗ zeit werden wir der Lage hier immer besser gewachsen sein, weil wir unsere Organisation ständig vervollkommnen und unsere Truppen vermehren. Der Vierverbaud und die Balkanstaaten.

Athen, 13. Aug(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence d'Athenes. Der Kabinettschef des Ministeriums des Aeußern 1275 gestern nachmittag die Antwort Griechenlands auf

Schritt der vier Ententemächte den Gesandtschaften dieser Mächte überreicht. Die Antwort Griechenlands ist in Form eines Protestes gegen die Abtretung griechischen Gebietes gehalten.

Berlin, 14. Aug. Unter der UeberschriftEin grie⸗ chischer e 1 in 5. In Athen haben die Vogelsteller eine sage erhalten und zwar in der denkbar schärfsten Form. Griechenland hat gezeigt, daß es sich nicht durch Stockprügel auf den Magen hindern läßt, kräftige Antwort zu geben. Das Beispiel, das Griechenland mit seiner Antwort an den Vierverband gegeben hat, wird bei den anderen Balkanstaaten Nachahmung finden. Die Partie unserer Feinde ist

. t, militärisch und diplomatisch. Die Autwort, die sie von b bekommen haben, zeigt es ihnen ebenso deutlich, die sie bisher von uns auf den Schlachtfeldern erhalten haben.

. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung derAgence Bulgare: Die Führer der oppositionellen Partei haben jeder für sich den Ministerpräsidenten Radoslawow um eine Unter⸗ redung ersucht, um sich über die durch die jüngst erfolgten Schritte der Vierverbandsmächte auf dem Balkan geschaffene Lage zu unterrichten. Der Ministerpräsident willfahre dem Ansuchen.

Berlin, 14. Aug. Wie demBerliner Tageblatt aus Athen von gestern nachmittag gemeldet wird, darf es als sicher gelten, daß der König nach der Wiedereröffnung der Kammer und der Demission der jetzigen Regierung Venizelos berufen und ihm befehlen wird, auf der Basis striktester Neutrali⸗ tät die Regierung zu übernehmen.

Paris, 13. Aug(WTB. Nichtamtlich.) DasEcho de Paris meldet aus Rom: In der Consulta macht sich eine verstärkte Tätigkeit bemerkbar. Sonnino hatte zahl⸗ reiche Besprechungen mit den Vertretern der ver⸗ schiedenen Balkanstaaten. Die allgemeine Ansicht ist, daß

man am Vorabende bedeutender Ereignisse

Aufhebung von Ausfuhrverboten in Rumänien. Bukarest, 13. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Vom 14. Aug. ab tritt die Aufhebung des Ausfuhr verbotes für fol⸗ Faser Waren ein: Weizen, Roggen, Graupen, Gries, Gerste, afer, sowie für deren Mehle; ferner Leinsamen, Rapssamen, Fare nasse Hülsenfrüchte, Leinöl, Rapsöl und als Futtermittel de Bodenprodukte. Die Ausfuhrtaxe ist auch weiter in Gold

Ein Dementi.

Mailand, 13. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Eine vatika⸗ nische Korrespondenz desCorriere della Sera dementiert die Nachricht von einer Friedensversammlung ka⸗ tholischer neutraler Bischö fe.

Die Haltung Tapans.

London, 13. Aug,(WTB. Nichtamtlich.) DieMorning Post meldet aus Tokio vom 14. Juli: Die wichtigste Frage für die Japaner ist, wieviel sie aus dem Kriege heraus⸗ schlagen können. Die Frage wird brennender, je mehr sich das Ende des Krieges hinauszieht Man hat den dringenden Wunsch, zu wissen, welches die wirkliche Haltung der Alliier⸗ ten zu den Ostasi e ist, um ein sicheres Einvernehmen

er zu erreichen. Die Kriegsergebnisse scheinen eine Lage zu erzeugen, der das gegenwärtige Abkommen mit den Westmächten nicht pöllig genüge. Japan glaubt, daß es die Sicherung der vom Kriege erhofften Vorteile besser jetzt, als nach dem Kriege err könne. Es wünscht genau zu wissen, wie weit die Mächte es in China vorgehen lassen wollen. Es will zunächst mit Rußland verhandeln. Die japanische Presse befürwortet ein Bündnis mit Rußland. Die Versammlung der älteren Staats⸗ männer, die nur bei großen nationalen Fragen abgehalten wird, erregte Aufsehen Man glaubt, ihr Zweck sei die Erörterung eines russischen Bündnisses gewesen und daß die älteren Staats⸗ männer das Bündnis sofort wünschen. Die Presse sagt, dieses sei nötig, um ein Bündnis mit Deutschland ver⸗ meiden zu können. Die älteren Staatsmänner scheinen das gegenwärtige Kabinett abfällig zu beurteilen und seinen Sturz planen, weil seine chinesische Politik wenig erfolgreich ist und Baban den Boykott der Chinesen nicht hindern konnte.

Der amerikanische Munitionsbedarf.

Washington, 13. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung des Reuterschen Bureaus. Das Kriegsdeparte⸗ ment hat an die NMunitionsfabriken eine Anfrage gerichtet, was sie im Kriegsfalle zu liefern imstande wären, wenn die Arsenale den Bedarf der Regierung nicht decken könnten. Das Departement fügte hinzu, die Regierung habe ets, in Friedens⸗ und Kriegszeiten, von den Fabriken be⸗ seutende Mengen an Kriegsbedarf gekauft, weshalb es von 155 I 1 sei, Angaben zu verlangen. Augen⸗ licklich bestünde nicht die Absicht, Bestellungen zu machen.

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Der Seekrieg. Amsterdam, 13. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das lsblad meldet aus Hoek van 48. i eilung eines Schiffers der englischen SchmackHum⸗ fries aus Grimsby fischte das Schiff gestern früh bei dem itschiff Leeman, als ein deutsches Flugzeug der befahl, von Bord zu gehen; dann wurden zwei Bomben geworfen, die das Schiff zer⸗ störten. Nachdem die Besatzung fünf Stunden im Boot umher getrieben war, wurde sie von dem SchiffSch. 321 aufgenommen und in Vlaardingen gelandet. London, 13. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der englische Dampfer Summer⸗ field ist versenkt worden. Der erste Offizier, seine

Mit⸗ die anderen sie halten, und die Herzen werden sich öffnen. Man

Frau und der erste Ingenieur sind ertrunken. Sieben Mann wurden gerettet, darunter zwei Schwerverwundete.

London, 13. 3(W TB. Nichtamtlich.) Nach einer Lloydmeldung ist der britische DampferJacona, 2969 Bruttotonnen groß, versenkt worden. Der Kapitän und die Besatzung von neun Mann wurden gelandet.

London, 13. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die Admi⸗ ralität bestätigt die Torpedierung des Hilfskreuzers 581 dia. 22 Offiziere und 119 Mann solle gerettet wor⸗

en sein.

Die Admiralität meldet: Ein britisches Unterseeboot versenkte am 8. August früh an der Einfahrt ins Marmara⸗ Meer ein türkisches Schlachtschiff. Das türkische KanonenbootBerc⸗i⸗Satwet und ein leeres Transportschiff wurden ebenfalls von einem briti⸗ schen Unterseeboot in den Dardanellen torpediert.

5 Die Rede des Fürsten Bülow.

Seit Dienstag weilt das fürstliche Paar wieder im Geburtshause des Fürsten Bülow zu Klein⸗Flottbek bei Ham⸗ burg. Eine große Menschenmenge begrüßte seine Ankunft, während im Garten der Villa eine fröhliche Kinderschar mit Damen der Flottbeker Kriegshilfe versammelt war. Kinder, mit Kränzen geschmückt, streuten Blumen auf den Weg, die beiden Töchter des Landrats Dr. Scheiff fer fe dem Fürstenpaar herrliche Blumensträuße. Dieser selbst richtete an den Fürsten und die Fürstin herzliche Willkommengrüße, die mit einem n aufgenommenen Hoch endeten. In

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tiefer Bewegung gab Fürst Bülow seinen Dank und den seiner Gemahlin mit folgender Ansprache kund, von der das Wolff⸗Bureau bekanntlich schon einen kurzen Auszug veröffentlicht hat:

Ich danke Ihnen, mein verehrter Herr Geheimrat, für die freundlichen und beredten Worte, die Sie im Namen meines Hei⸗ matskreises Pinneberg an mich gerichtet haben. Ich danke euch, liebe Kinder, daß ihr so schön gesungen habt. Ich danke beson⸗ ders den Kindern, deren Väter im Felde stehen; ich danke Ihnen allen für die freundliche Gesinnung, die Sie hierher geführt hat. Ich danke Ihnen auch im Namen meiner Frau, die wohl im fernen Süden unter Palmen und Orangenbäumen geboren ist, die aber, wie Sie wissen, das Land der Eichen und Buchen gerade so liebt wie ich, und ebenso deutsch denkt und fühlt wie ich. Ich möchte Ihnen vor allem sagen, wie glücklich wir sind, uns hier niederzulassen, oder richtiger gesagt, hierher zurückzukehren. Hier bin ich ja geboren, habe hier einen großen Teil meiner Jugend verbracht. Ich kann wohl sagen, daß ich hier jeden Baum und jeden Stein kenne. Wie oft bin ich von hier aus auf der Straße, die an diesem Hause vorbeiführt, am Sonntag morgen mit meinen seligen Eltern zur Kirche gegangen, elbauf⸗ wärts nach Ottensen oder elbabwärts nach Nienstedten. Man muß im Auslande gelebt haben, um zu wissen, wie schön Deutschland ist und daß ewig wahr bleibt, was schon in. der Stauferzeit, vor siebenhundert Jahren, unser Walther von der Vogelweide zum Lobe und Preis unserer lieben Heimat gesungen hat, daß kein Land über Deutschland geht. In diesem schönem Deutschland kenne ich nun kaum eine end, die mir besser ge⸗ fällt als die Niederelbe und ganz besonders dieser Fleck Erde. Der Dichter Detlev v. Liliencron, auch ein Holsteiner Kind, sagte mir einmal:Die schönste Straße der Welt ist die Flottbeker Chaussee. Das ist ganz meine Meinung Als guter Preuße, der ich bin und bis zu meinem Lebensende bleiben werde, freue ich mich, hier auf preußischem Boden zu stehen. Ich freue mich aber auch der Nähe von Hamburg. In einer kleinen Stunde trägt mich das Schiff nach dem Hamburger Hafen, und ich sehe das Bismarckdenkmal vor mir, das gewaltigste Standbild, das dem gewaltigsten Sohn des deutschen Volkes errichtet worden ist; ich erblicke die spitzen, hochragenden Türme der großen Stadt 15 7 5 burg, an die mich 1111 knüpfen, verwandtschaftliche Beziehungen und warme Sympathien, wo mir treue Freunde leben, wo ich und meine Frau immer gerne weilen. Als ich vor einigen Tagen mit der Eisenbahn von Hamburg nach Flottbek fuhr, sah an der Flottbeker Station eine Ehrentafel mit den Namen derjenigen Flottbeker, die in diesem Krieg gefallen sind und mit ihrem Blute die holsteinische Treue für König und Vater⸗ land, für Kaiser und Reich bezeugt haben. Unser aller Augen sind auf unser Heer und unsere Flotte gerichtet, unsere treuesten Gedan⸗ ken und heißen Wünsche begleiten und umgeben unsere kämpfen⸗ den Brüder, in 1 für ihre heldenmütigen, unver⸗ gleichlichen Leistungen, mit felsenfestem Vertrauen und in voller Zuversicht auf den Endausgang. Niemals in seiner tausendjähri⸗ gen Geschichte hat sich das deutsche Volk so Fiscerossen und ent⸗ schlossen, so tüchtig, so groß gezeigt wie in diesem Kriege. Wir neigen in Ehrfurcht das Haupt vor dieser Größe, überzeugt, daß solchen Eigenschaften, so echter und schlichter Größe der Sieg nicht fehlen wird, und nach dem Siege ein sicherer und stolzer Friede, würdig heroischer Anstrengungen und ungeheurer Opfer. Und so fordere ich Sie auf, mit mir in den Ruf einzustimmen, mit dem sich beim Beginn des Krieges unser Volk einmütig um unsern Kaiser geschart hat, den Ruf, der jetzt auf so vielen Schlachtfeldern erklungen ist, in den Ruf: Seine Majestät der Kaiser und König lebe hoch, hoch, hoch!

Begeistert stimmte die Menge in das Hoch ein und sang entblößten Hauptes die Nationalhymne. So war der Einzu des Fürstenpaares für die Bevölkerung zu einem vaterländi⸗ schen Gedenktag geworden.

Der Reichskanzler und die Nationalliberalen.

Berlin, 13. Aug.(WWB.. DieNord⸗ deutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Gegenüber den immer wiederkehrenden Andeutungen, als habe der Reichs kanz⸗ ler bei der Einladung zu einer Besprechung mit natio⸗ nalliberalen Herren, die vor einigen Tagen bei ihm stattfand, die leitenden Organe der Partei übergangen, sei festgestellt, daß zu dieser Besprechung geladen waren: Bassermann, Dr. Friedberg, Präsident Vogel, Prinz zu Schönaich⸗Carolath, Dr. von Krause, Schiffer, Dr. Junck und Professor Kahl. Unter den Geladenen befanden sich also die drei Vorsitzenden der Gesamtpartei, sowie die Vor⸗ sitzenden des Reichstages und der Landtagsfraktion.

Unangebrachte Schwatzhaftigkeit.

Ein angeblich Neutraler, der Deutschland jüngst bereist hat, berichtet über seine Beobachtungen in derDaily Mail und 001 1 5 anderem:

Den Deutschen geht eine orientalische Geheimhalterei voll⸗ ständig ab. In Bezug auf ben! Krieg bilden sie eine einzige, schwatzhafte Familie, von einem Ende desVaterlandes bis zum andern. Man kann einen ganzen Haufen nützlicher Infor⸗ mationen bekommen, wenn man Takt besitzt und es versteht, den richtigen Weg einzuschl Kein Volk ist der Schmeichelei so zugänglich wie das che. Man braucht ihnen nur zu sagen, man nie geglaubt habe, daß sie die Hunnen seien, wofür

braucht nur eine Zigarre mit einem von den unzähligen Ge⸗ schäftsreisenden, die die Züge bevölkern, auszutauschen, und einige Bewunderung für etwas Deutsches zu heucheln, und wenn Sie nicht allzu indiskret sind, werden Sie ein gutes Teil gewahr werden. Ich wenigstens glaube, daß ich ein gutes Teil heraus⸗ gefunden habe und ich will den Lesern derDaily Mail jetzt meine Entdeckungen mitteilen, allerdings mit der Einschränkung, daß es in Deutschland mühsam ist, herauszufinden, was P lerei und was Wahrheit ist.

Der Mann übertreibt zwar sehr und verallgemeinert sein entsprechendes Urteil in einer Weise, die uns lächeln

Luft ist grau. Die Straßen und

er immer noch auffallend sachlich, denn gänzlich aus der Luft gegriffen sind seine Angaben leider nicht. Die leicht⸗ fertigen Schwätzer, auf die er anspielt, mögen sich seine Worte als Spiegel vorhalten, um sich selbst darin in ihrer ganzen Verächtlichkeit und Gewissenlosigkeit zu erkennen.

Aus Stadt und Cand. Gießen, 14. August 1915. Feldgraue Kleinigkeiten von daheim.

Drei oder vier im feldgrauen Rock und einer im Bür⸗ gersgewand saßen auf der Terrasse zusammen. Zwei Eiserne Kreuze, ein paar Gehstöcke, schwarze Binden. Einer mit

stillen Augen erzählt langsam, fast ein wenig s ig: Am 18. März habe man zweie von jeder Kompagnie geschickt, einen Teil der Weihnachtsgaben zu holen. Andert! Tage⸗

märsche zurück durch halbmeterhohen Schnee. Keinen Men⸗ schen habe man unterwegs gesehen. Am vierten Tag abends seien sie wieder beim Regiment gewesen. Halbtot. Da habe es geheißen: Zurück! Adieu Pakete.Ein Thüringer und ich blieben liegen. Als wir wach werden, ist vom Regiment keine Spur mehr zu sehen. Kein Feuer; das Brot zu kleinen Klumpen gefroren; konnten nicht viel damit machen, weil man sich mit dem ewigen Schneeschlingen alle Zähne ver⸗ dorben hatte; die Decken längst weggeworfen, weil sie wie Eisschollen waren. Am vierten Tag gingen die Unseren wieder vor und fanden uns. Aber der Kamerad war tot, und mir waren die Zehen erfroren.

Zwei Damen ließen sich am Nebentisch nieder. Weiße Schuhe; Strümpfe und Blusen aus unwahrscheinlichem Spinnweb.Ach bitte, zwei kleine Dunkle, aber recht schön kühl, und zwei Schinkenbrote. Aber Brötchen, bitte! Ist der Schinken auch recht zart? Roh oder gekocht? Also gekocht, bitte! Und ein Gürkchen dazu! Und bitte, recht nett 5 gemacht! Und ein Tellerchen mit Schlagsahne für Molly! Komm, Molly, aufs Stühlchen! Also du meinst, Lila würde wieder getragen werden?= a Himmeldonnerwetter 8 Ober, zahlen! 5 ö Am Fenster. Ueber die Gärten sieht man auf einen Feld⸗ weg. Sonntagnachmittagsfrieden ruhte darauf. Für Spa⸗ ziergänger ist der Weg nicht hübsch genug, Links Gemüse⸗ felder, rechts der Bahndamm, dahinter die Rückseite einer Häuserreihe. Nein, hübsch ist es nicht auf dem Weg. Aber ruhig und nachdenklich. Lange schon liegt er ganz allein. Dann tauchen hinten zwei Soldaten auf, beide mit Krücken; die Sonne hat sie aus dem Lazarett gelockt. Mit einmal bleiben sie stehen und studieren aufmerksam eine Stelle am Boden. Legen die Krücken ab und machen sich auf der Erde

zu schaffen. Wegen einer Hecke kann man vom ster aus nicht sehen, was sie da fesselt. Nach einer ile setzen sie

den Spaziergang fort. Später, gegen Abend, kam ich an dem Feld vorüber. Da haben die beiden ein Dutzend Gemüse⸗ pflänzchen, die eine unbedachtsame Anderhans ausgerissen haben mochte, säuberlich wieder in den Boden gesteckt. Das Bücken konnte ihnen nicht leicht sein. Aber es waren ja deutsche Soldaten ö.

* Aich huns doch gesaht ehn koste de Eier! Wer se net 18 will, 115 bleme elk krebs rotem Gesicht

verteidigte die Händlerin ihre Ware. Die Auseinandersetzung übertraf bei weitem die Lebhaftigkeit, die man in dieser

Beziehung augenblicklich auf dem kt gewohnt ist. Das Publikum 1 mit allerlei ten Stellung käuferin begann die Stimme überzu⸗

u nehmen. Der. il 1 72857 Aber ganz plötzlich ließ sie mit sich reden, dämpfte das Organ zu wohllautendem Säuseln, ging auf siebzehn, dann gar auf sechzehn Pfennig herunter und sah z dem sich nun entwickelnden eifriß Geschäft auffällig oft über die Köpfe der vor ihr Stehenden weg. Was hat sie denn? Ich drehe mich um. Ahaaa! Da steht einer mit dem Eisernen Kreuz und einem Wickelverband um den Kopf und schaut dem Vorgang mit ganz sonderbaren Augen zu. Noch ein langer Blick auf die Eierbesitzerin; dann geht er mit stillem Lächeln weiter. Wenn doch im rechten Augenblick, überall wo's nötig ist, solch ein wandelndes feldgraues Ge⸗ wissen erscheinen wollte! 5 5 Ein paar JahrgängeUngedienter marschieren zum Bahnhof, frisch eingezogen; ein paar alte Leute als Weg⸗ 155 und e Die Ungedienten haben den Krieg bisher an der Wandkarte und nach Feierabend oder am Stammtisch in der achten mitgemacht. Nun hat auch sie jener unablässig, unsichtbar, riesenhaft ar de at aus der bürgerlichen Gelassenheit und der Familie heraus in die 1 ungewisse Vorbereitung fürs Schlachtfeld gestellt. Der Zug wartet schon auf sie. Der Regen rieselt; die jäuser winken Abschied. eimat, o Heimat, ich muß dich verlassen.... Einer singt. wei, drei fallen zögernd, mit halber Stimme ein. Wie ein ängstlicher Vogel irrt das Lied zwischen den Giebeln und kann die Schwingen nicht straffen. Müde sinkt es wieder nieder. Aber ein paar Schritte weiter wird es den Marschie⸗ renden deutlich, daß sie nun Soldaten sind. Andere beginnen zu singen. Ich hatt' einen Kameraden. Fünf, zehn, ig alle nehmen den Gesang auf. Und das Lied br 72 zwischen den Mauern, die Gesichter werden hell, der Schritt strafft sich. Die Vöglein im Walde, die sangen sangen so wunderschön... Liebe, liebe Heimat! Soldatenleben und ⸗sterben! Leben, süßes, tränenveiches Rätsel! Ein Mädchen⸗ lächeln vom Fenster hier und Donnern und Brüllen auf zerstampften Fluren dort! Von allem klingt das Lied Eben dieses Lied, denGuten Kameraden, hätten die Soldaten durch das Anhängen des Kehrreims vomGloria, Viktoria verschandelt, grausam mißhandelt und ins Wert⸗

lose verkehrt; so schrieb vor ein paar Tagen eine erer 1 Kulturzeitschriften. wieviel blaßtillige estheten gibts noch, die es fertig bringen, ausgerechnet unseren Soldaten von daheim aus das Gefühl mit der Grammatik des zünftigen Literaten und den Schnitt i geistigen Tracht mit der Elle des Flickschneiders zuzumessen! Die Ewigkeitsorte vermuten, ehe sie noch durch die äuß, Hülle an den Edelstein gedrungen sind! Aber Gottlob darüber singen sich die Ausziehenden immer noch hinweg und die am Fenster stehen und den Gesang höven, wischen sich die Augen trotz aller literarischenVerschandelung

3* 1 Tusffreie Zire.

macht. Aber für einen Mitarbeiter derDaily Mail schreibt