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(13/08/1915) 189. Zweites Blatt
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italienischen Besitzergreisung des Landes, gewesen sind, davon wußte der inzwischen verstorbene Holsteiner Hans Banks, ein Landwirt von Wohltorf, Wunderdinge zu erzählen. Er hatte im Burenkriege gegen England gekämpft und dort ein Bein verloren. Trotzdem wußte er sich auf seinen Krücken mit großer Behendigkeit zu bewegen. Der vortreffliche Mann war von hohem Wuchs, eine gebieterische Erscheinung. In Txipolitanien verfolgte er für sich den Plan einer lanbwirtschaftlichen Ausiedelung. Die Ver⸗ anlassung seiner Verstümmelung wurde ihm bei den Eingeborenen ur besten Empfehlung. Man bewunderte jenen Mann, der gegen Srgland gefochten hatte, und kam ihm allerorten mit offenen Armen entgegen. Obgleich in Tripolis keine Erlaubnis zur Be⸗ reisung des Inneren zu erlangen war, machte er sich ohne Paß auf den Weg und erfuhr dennoch auf seinen Wegen nirgends die geringste Belästigung. Von der Neigung, die der damalige tülxkische Generalgouverneur, der Muschir Reschid Pascha, zu den Deut schen bekundete, wußte Herr Banks ein interessantes Beispiel anzu⸗ führen. Im Frühjahr 1906 waren zwei deutsche Touristen, Offi⸗ ziere, nach Tripolis gekommen. Die von ihnen in der Hafenbucht unternommegen Spazierfahrten, veranlaßten, hauptsächlich von Italienern angeregt, viel Geschwätz in den Kaffeehäusern. Deutsche Spione, so hieß es, studierten die Landungsverhältnisse. Der Generalgbouverneur, den der Klatsch hinterbracht worden war, be⸗ antwortete ihn mit folgendem Befehl. Den Deutschen sollte eine Regierungsbarke zur Verfügung gestellt werden. Dann erhielten türkische Offiziere den Auftrag, sie zu Rundfahrten im Hafen auf ufordern, sie überall, wie sie wollten, hinzugeleiten, ihnen die Besestigungen zu zeigen und sie sogar im Inneren der Forts herumzuführen.

Aus Stadt und Land. Gießen, 13. August 1915.

» Hessen⸗Nassauisch⸗Waldeckscher Städte⸗ tag. Der Vorstand beschloß, von der diesjährigen Abhaltung des Städtetags endgültig abzusehen.

* Fortseßung des Studiums von verwun⸗ deten Studenten. Das Kriegsministerium hat durch einen besonderen Erlaß gestattet, daß verwundete oder in der Genesung begriffene Heeresangehörige, deren Studium durch den Krieg unterbrochen wurde, zur Fortsetzung ihrer Studien, in Lazarette oder Genesungsheime überführt werden können, die in Uni⸗ versitätsstädten liegen, In erster Linie kommen solche Studierende in Frage, deren Wiederherstellung zur Felddienst⸗ 3 05 nicht zu erwarten ist, sodann solche, deren Genesung nach

r Art ihres Leidens ohnehin besonders lange Zeit beanspruche.

Universitätsstädte, die gleichzeitig Grenzfestungen sind(z. B. Kö⸗

nigsberg und Straßburg) kommen für eine Ueberweisung aller dings nicht in Betracht. 3

* Oesterreichischer Landsturm. Die im Jahre 1897 geborenen österreichischen und ungarischen Land- nwelche in der Provinz Hessen-Nassau und em Großherzogtum Hessen wohnhaft sind, haben ihre Adressen. unter Angabe der Heimatsgemeinde und des Geburtsortes dem k. und k. Generalkonsulate in Frankfurt a. M., Neue Mainzer⸗ straße Nr. 54, unverzüglich zu melden.

n Der Konsumverein Gießen un d Umge⸗ end, der mit dem 30. Juni d. J. sein 14. Geschäfts⸗ sahr beschloß, hat wie man uns mitteilt auch im verflossenen Kriegsjahr einen erheblichen Aufschwung so wohl an Mitgliederzahl als auch bezüglich des erzielten Um⸗ 15 genommen. Bemerbenswert dabei ist, daß ein großer eil der Neuaufnahmen auf Arbeiter und Beamte der Post⸗ und Eisenbahn entfällt; bekanntlich ist im vergangenen Jahr das Verbot, wonach Arbeiter und Beamte der Post und Eisenbahn dem Konsumverein Gießen und Umgegend als Mitglieder nicht angehören durften, durch die betreffenden Direktionen aufgehoben worden. Ver Verein erzielte im abgelaufenen UN einen Umsatz im eigenen 1 N von 673 631,76 Mk.; hiervon entfallen auf die Bäckerei allein 246 712,32 Mk. Außerdem wurden im Lieferantengeschäßt, also bei den mit dem Konsum⸗ verein im Rabattverhältnis stehenden Firmen, deren Waren im Konsumverein nicht geführt werden, 90777 Mk. um⸗ gesetzt; mithin beträgt der Gesamtumsatz im letzten Geschäftsjahr 764 408,76 Mark, von dem die Mit⸗ glieder auch dieses Jahr wieder die übliche Rückvergütung von 5 Prozent in bar ausbezahlt erhalten. Die Bäckerei produzierte, trotz der durch die Kriegslage geschaffenen und 5 diesen Betrieb einengenden Verhältnisse u. a. 308 911 kwerse Brote, 186 734 kleine Weißbrote(300 Gramm), 964597 Brötchen, 8015 Zwiebäcke usw. An Mehl waren hier-

erforderlich 10036 Zentner, an Salz 14525 Pfund, an Hese 2385 Pfund usw. Zur Heizung der zwei Doppel- dampföfsen wurden 3620 Zentner Briketts gebraucht. Auch die Mineralwasserfabrikation hat eine gute Ent⸗ wicklung genommen. Kurz nach Ausbruch des Krieges

. wurden, knüpfen an auffallendes Aussehen oder esondersartige Eigensch ten des beschriebenen Objekts an; andere bedienen sich des Wortspiels und entstellen absichtlich den fremden Ausdruck durch Umwandlung in eigenes Sprachleben. Bouletten für Epauletten, Portemonnaie für Portöpee,Purzle nicht oder noch respektloserPulle mit Sprit für pour le merite sind solche volkstümliche Proben, denen aktuelle Verdrehungen des Krieges wie Chinesenkompagnie statt Genesungskompagnie an⸗ gereiht sein mögen. Soldatenhumor und Spottlust leben sich in solchen Wortverdrehungen und sprachlichen Neubildungen kräftig aus, aber es ist bezeichnend, daß auch durch die stärkste Ver⸗ höhnung des Feindes noch ein Stück Gutmütigkeit hindurch⸗ leuchtet und daß Selbstvertrauen und zuversichtliche Ueberlegen er lich häufig mit einer Anerkennung des Feindes vereint, wie iedrüben in Feld und Haus selten zu finden ist. Wie wenig Spottlust und Anerkennung sich gegenseitig ausschließen, zeigt sich in Spitznamen und exfinderischen Wortverdrehungen und Ab- kürzungsformen, die die Soldaten ihren eigenen Truppenteilen. anzuhängen pflegen, Auch hier behält der alte SatzWas sich liebt, das neckt sich seine Geltung.

eEEin alter englischer Denkpers über den Krieg, Die englische Zeit- und Gelegenheitsdichtung, die sich auch mit Vorliebe rein menschlicher Verhältnisse in Schilderung oder Persiflage bemächtigte, hat in früheren bessexen Zeiten manch kräftiges und nachdenkliches Wörtlein gefunden. Sie blühte damals vor allem, als die typische Gestalt des John Bull eben erst er-

funden war, die jüngst ihr 200 jährigesJubiläum begehen konnte

und so charakteristisch für die politische und soziale Entwicklung Britanniens geworden ist, daß man die englische Geschichte der letzten zwei Jahrhunderte als die John Bull-Epoche bezeichnen und brandmarken könnte. Zu Anfang dieser John Bull⸗-Zeit also brachte, wie derDeutsche Buch- und Steindrucker mitteilt, ein 2 Buchhändlerblatt vom Jahre 1747 folgende sinn⸗ reiche Lehre vom Lauf der Welt, die in deutscher Uebersetzung

lautet:

Krieg gebiert Armut, 8

Armut Frieden,

Frieden Reichtum,

Reichtum Stolz,

Stolz ist des Krieges Grund

Krieg gebiert Armut:

Die Welt ist rund. Das hier mitStolz wiedergegebene Wort bedeutete im Sprach⸗ schatz des 17. und 18. Jahrhunderts, dessen guter Kenner der Gelehrte Dr. Johnson war, in ausgeprägterer Färbung etwaHoch⸗ mutUebermut, was den beabsichtigten Sinn des Denkverses noch schärfer hervorhebt. Er ward 1900 in den LondonerDaily News neu abgedruckt, aber die übermütigen Söhne Albions

haben, wie das auch so der Lauf der Welt ist, keine nützlichen

behren aus dem Spruch der Vorpäter gefogen. Vielleicht prägt ihnen der Weltkrieg jetzt die heilsame Erkenntnis ein

wurde die Verdächtigung ausgesprochen, daß der Konsum⸗ verein nicht mehr in der Lage sei, seinen Mitgliedern die übliche Rückvergütung zu gewähren; wie unbegründet diese Schwätzereien waren, beweisen die vorstehend gemachten An⸗ gaben. Trotz reichlicher Abschreibungen und trotz der im Oltober stattfindenden prompten Auszahlung der Rückver⸗ gütung von 5 Prozent, wird auch dieses Jahr der Reserve⸗ sonds erheblich gestärkt werden lönnen. Dies ist erreicht wor⸗ den nicht durch Preissteigerungen, wie solche besonders

waren. Auch der Konsumverein Gießen und Umgegend lann jür sich das Verdienst in Anspruch nehmen, gleich wie dies bei den Konsumvereinen in vielen anderen Städten der Jall war, in dieser schweren Zeit preis regulierend gewirkt zu haben, zum Nutzen der Allgemeinheit

Die Silberne Hochzeit seiern heute, am 13. August Corpsdiener Wilh. Luft und Frau, geb. Lich, sowie Peter Pos mann und Frau, Maria, geb. Kreuzer.

* Oberhessische Geflügelzucht. Mittwoch nachmittag waren die Vorsitzenden der oberhessischen Ge flügelzuchtvereine, die dem Provinzialverband angehören, in Gießen im Gasthaus Kobel versammelt. Der Vorsitzende des Verbandes, Södler-Nieder-Gemünden, betonte, daß die Geflügelzucht unserer Provinz im ersten Kriegsjahre durch die damals herrschende Futterarmut geschädigt und daß der Volkswirtschaft ein bedeutender Schaden dadurch erwachsen sei, daß unsere Hühnerhalter gezwungen waren, erhebliche Bestände abzuschlachten. Es sei auch eine Tat⸗ sache, daß heuer weit weniger Junggeflügel gezüchtet wor⸗ den sei als im Vorjahr. Anderseits aber haben verständige Hühnerhalter auch durch den Krieg etwas gelernt, nämlich hauszuhalten mit Futtermitteln. Es sei ja nicht wegzu⸗ leugnen, daß eine Geflügelzucht ohne Körnerfutter undenk⸗ bar ist, aber es genügt, wenn hierzu nicht mahlfähiges Getreide usw. Verwendung findet. In der Aussprache war man sich darüber einig, daß nicht nur der Verband, sondern mit diesem gemeinsam die ihm angeschlossenen Geflügel- zuchtvereine in Oberhessen sich an den Kommunalverband wenden sollen, um für ihre zahlreichen Mitglieder Ge flügelfutter zu erschwinglichen Preisen beziehen zu können. Eine dahin zielende Eingabe soll dem en kammerausschuß für die Provinz Oberhessen zur Befür⸗ wortung der Gesuche bei den einzelnen Kreisämtern vor⸗ gelegt werden. Auf Anregung des Verbandes soll ober⸗ hessisches Nutzgeflügel durch die Verbandsvereine für die von den Russen verwüsteten Gegenden der Provinz Ostpreußen zur Verfügung gestellt werden. Ferner wurde beschlossen, die verfügbaren Mittel des Verbandes in Kriegs- anleihe anzulegen.

Wo bleiben die Stare? Eine schon wiederholt von Naturfreunden aus der Umgegend mitgeteilte Wahr- nehmung wird auch aus dem Vogelsberg bestätigt: Wenn in sonstigen Jahren die zweite Brut der Stare ausge- flogen war, sah man sie in Scharen zu Hunderten umher⸗ fliegen, während man dieses Jahr zurzeit nicht einen einzigen Star mehr sieht. Die Vogelkirschen, die sonst eine hauptsächliche Nahrung der Stare waren, bleiben heuer unberührt an den Bäumen hängen.

Kreis Büdingen.

Merlau, 11. Aug. Eine ungemein reiche Eichel⸗ ernte steht in Aussicht. Die Eichbäume in dem nahen, großen Burgwalde hängen so voller Früchte wie seit langen Jahren nicht. Dabei sind die Eicheln sehr gut entwickelt. Hier bietet der Wald ein ausgezeichnetes Futtermittel für die Schweine. Gewiß wird die Forstbehörde so wie im vorigen Herbste dem Eicheln suchen keine Schranken setzen.

Kreis Lauterbach.

r. Lauterbach, 11. Aug. Nach dem Sommerfahrplan ver- kehrten seit dem 1. Mai von Lauterbach nach Fulda nachmittags nur zwei Personenzuge, und zwar um 2 und 36, so daß sich den hier beschästigten Arbeitern nach Feierabend keine Fahrgelegenheit in der Richtung Fulda bot. Diesem Uebelstande hat nun die Eisen bahnverwaltung dadurch abgeholsen, daß sie durch Einstellung von Personenwagen in den um Uhr aus dem Vogelsberg kommenden Güterzug den siebenstündigen Zwischenraum ausfüllte, so daß seit einigen Tagen günstige Fahrgelegenheit nach Salzschlirf und Fulda

geschassen ist. 5 Kreis Schotten.

§ Kaulstos, 11. Aug. Nach einer Halsoperation verstarb in der Klinik zu Gießen Bürgermeister Heinrich Usinger im 63. Lebensjahre. Nahezu 15 Jahre stand er in treuester Pflicht- erfüllung an der Spitze unserer Gemeinde.

Kreis Friedberg.

Eine türkenfreundliche Kundgebung in Bad⸗Nauheim.

t Bad Nauheim, 12. August. Von einem gelegentlichen Mitarbeiter wird uns e Der Wert, den die tapfere Waffenbrüderschaft der Türken für uns Deutsche hat, tritt mit jedem Tage deutlicher hervor. Wie sehr sie nicht mehr bloß Ver⸗ standessache, sondern auch Herzenssache in weiten Volkskreisen bei uns geworden ist, bewies die tausendköpfige Versammlung, die kürzlich im neuen großen Konzerthaus von Bad Nauherm dem Vortrage des türkischen Schriftstellers Ali Almas aus Smyrna zu lauschen gekommen, war. Der Beifall, den er erntete, der seine Rede an vielen wichtigen Stellen nachhaltig unterbrach, die Zwischenrufe und die gespannte Aufmerksamleit des Publi⸗

interessanter Redner wohl erntet. Es war ein lautes Zeugnis dafür, daß die große Versammlung zugleich mit dem Vortragenden der tapferen osmanischen Nation Dank und Hochachtung abstatten wollte, Und man darf diese Bekundung herzlicher deutscher Freund⸗ schaft für die Beherrscher des vorderen Orients auf dem Boden des internationglen Badeorts wohl umso 2 einschätzen, als sich hier das Publikum aus den verschiedensten Gegenden unseres deutschen Vaterlandes und auch aus seinen verschiedensten Schich⸗ ten zusammensetzte.

Der türkische Redner wurde durch eine Ansprache von Professor Dr. Strecker eingeführt. Damit kam der deutsche Standpunkt ebenso wie der türkische zu Wort, was den Eindruck des Abends aufs Beste abrundete. Der deutsche Redner knüpfte an die Worte unseres Kaisers an, daß wir Deutsche nicht auf Eroberungen aus⸗

ingen, sondern kämpfen für das Schaffen unserer Hände in der eimat und auf dem freien Meere. So suchen wir auch auf dem alten Kulturboden Kleinasiens nicht politische Herrschaft, sondern kulturelle Betätigung, In Achtung des Sondercharakters fremder Völker wollten wir nicht die Osmanen zu Unterworfenen, sondern zu Freunden und Mitarbeitern machen. Der Platz, den das treu⸗ lose Italien leer gelassen habe, werde in Zukunft von den Türken ausgefüllt werden. Man habe lange Zeit von ihrem Reich als demkranken Manne gesprochen. Es habe aber ebenso auch Zeiten gegeben, zumal nach dem entsetzlichen 30 jährigen Kriege, wo es auch um Deutschlands Zukunft übel genug aussah. Jetzt zogen die beiden Völker nach vielen schweren Schi u vereint aus, eine neue Jugend, eine neue große Zukunft für sich zu gewinnen. e des Orients trage alle Bedingungen für eine solche in sich. e 8. 5

Der türkische Redner gab in seinen genaueren Einzelausführun⸗

1 sozusagen die Erfüllung dieser allgemeinen Programmlinien. uch er konnte sich auf ein Kaiserwort stützen, auf jenen bekannten Ausspruch, daß unser Kaiser der Freund der 300 Millionen Mo⸗ Fersbulekel sein wolle. Man hörte die warme Begeisterung für die

hervorklingen. Er erzählte, wie dieses Kaiserwort durch die Ver⸗ mittlung der Derwische, eine Nachrichten verbindung, die keine englische Postzeusur und keine englische Kabeldurchschneidung ver⸗

hindern könne, bis in die fernsten Winkel gelangte, wo Mohamme⸗ daner wohnen. Offenherzi,

türkischen Reichs in 0 Beziehungen zugestanden. Man

anfangs des Krieges in vielen Geschäften zu verzeichnen

kums, das alles war mehr als der sonst übliche Dank, den ein B

rsönlichkeit Wilhelms II. aus den Worten des Redners stark

wurde die Reformbedürftigkeit des

Deutschland unzweideutig zutage trat, ö N ogleich und auch ohne papierene Verträge gewußt, was ihre Pflicht sei. Ueber die Kräfte, die die Türlei in diesem Kriege einzusetzen hätte, hätten sich ihre Gegner gründlich getäuscht. Der Mohamme⸗ daner sei infolge seiner Nüchternheit und seiner leiblichen Sauber⸗ keit ein leistungsfähiger, zuverlässiger Soldat. An Bewaffnung und Munition fehlte es nirgends; der genialen deutschen Führung vertraue man sich auf allen Kriegsschauplätzen gern an. Die zahlreichen Lichtbilder, die den Vortrag unterstützten, bestätigten die Darstellung durchaus. Da sah man die vorzüglich angelegten Dardanellenforts, die Sinaibahn, die sich dem Suezkanal täglich nähert, die türkischen Stellungen im Kaulasus, die iu ber der Truppen und Kundgebungen der Bevölkerung in den verschie⸗ densten Städten. Die natürliche Festung Vorderasiens läßt sich mit solchen Waffen in der Tat nach allen Seiten hin gut ver⸗ teidigen. Und wenn erst der Balkantransit im Sinne der Zentral⸗ mächte geregelt sein wird, dann wird die Türkei auch noch in die Lage kommen, größere Schläge gegen ihre und Deutschlands Feinde auszuführen. 5

Was aber der Krieg begonnen habe, das werde der Frieden fortseten. Ja, gerade lebterer werde erst in vollem Umfange Vice was die Türkei ihrerseits auch Deutschland zu bieten habe.

ie fruchtbaren Aecker für Weizen und Baumwolle, die reichen Erz⸗ und Kohlenlager ihrer Berge, die wunderbare Schönheit ihrer verschledenen Landschaften, die unerschöpflichen Fundgruben für die wissenschaftliche Wiederbelebung des ältesten Altertums und so schloß der Redner was über dem allen nicht vergessen, ja vielleicht am meisten geschätzt werden darf: Millio⸗ nen warm schlagender VerfTer alte Dreibund ist tot, es lebe der neue Dreibund! Mit diesem Ruf begleitete er das letzte der vorgeführten Lichtbilder, das unsern Kaiser neben seinen Verbündeten, dem Sultan und dem ehrwürdigen Herxscher des U darstellte. Und in immer wiederholtem Bei⸗ fall wurde diese Parole einer beginnenden neuen Weltgestaltun aufgenommen und weitergegeben. Möge sie in ganz Deutschl das Echo finden, das sie verdient. *

Aus der Wetterau, 10. Aug. Die Ernte geht ihrem Ende entgegen; die Getreideäcker sind sast vollständig geräumt. Mit dem Körnerertrag ist man allseits zufrieden. Gerste und Hafer liefern allerdings nur wenig Stroh. Auch die Grummeternte ver- spricht einen ziemlich guten Ertrag; in seuchten Wiesen ist der Graswuchs ausgezeichnet. Die Futterknappheit wird sich voraus- sichtlich in mäßigen Grenzen halten.

Starkenburg und Rheinhessen.

h. Geisenheim, 11. August. In der 1 Maschmen⸗ fabrik gerieten sich zwei Lehrbuben in die Haare. Schließlich warf der eine seinem Gegner eine Granate, allerdings ungefüllte, an den Kopf. Trotzdem war die Wirkung doch derartig, daß der Getroffene in das Krankenhaus gebracht werden mußte. 5

Hessen-Nassau.

m. Neustadt, 12. Aug. Ein außerordentlich schweres Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen und Hagelschlag ent- lud sich gestern nachmittag zwischen 2 und 3 Uhr über unserer Stadt. Der Hagel enthielt zum Teil recht große Stücke, so daß er nicht ohne Schaden für die Obsternte und auf den Feldern ge- blieben ist. Ein kalter Blitzstrahl traf das Wohnhaus des Metzgers Reichenbach, ohne jedoch erheblichen Schaden anzurichten.

h. Flieden, 11. Aug. Auf der hiesigen Station lösten sich heute früh von einem Güterzug mehrere Wagen ab und rollten auf der abschüssigen Strecke mit voller Gewalt gegen einen stillstehenden Güterzug. Durch den Anprall entgleisten die Wagen und führten eine längere Verkehrsstörung herbei. Mehrere Zugbedienstete erlitten teils schwere, teils leichtere Ver- letzungen. Der Sachschaden ist erheblich.

Candwirtschaft.

Futter mais. An Stelle des amerikanischen Pferdezahn maises ist in diesem Jahre vielfach rumänischer und anderer Mais gesät worden. Diese Maissorten sind alle erheblich früher als der amerikanische Pferdezahnmais. Man wird deshalb gut tun, diese Sorten frühzeitiger als sonst üblich zur Grin⸗ 15 177 55 ung zu verwenden, damit das Futter nicht zu hartsteng⸗ ig wird.

Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.

Berlin, 11. Aug.(WTB) In der heutigen Aussichtsrats⸗ sitzung der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft wurde über die befriedigende Geschäftslage berichtet und über einen Plan Beschluß gefaßt, der die langjährigen Beziehungen zu den Berliner Elektrizitäts⸗-Werken noch enger zu gestalten bestimmt ist. Die n Lage stellt die A E. G. vor die Aufgabe, durch Vermehrung und Ausbau ihrer dane die Möglichkeit einer vorübergehenden Einschränkung der Auslands⸗ tätigkeit einen Ausgleich zu schaffen. Für solche Ausdehnungen kommen in erster Reihe ökonomische Stromerzeugungsanlagen in Betracht. Der Grubenbesitz der B. E. W. im Bitterfelder Revier ist für solche Zwecke bestimmt und neuerdings noch erweitert wor⸗ den. Die Absicht, diese Kohlenlager für die Berliner Strom⸗ erzeugung nutzbar zu machen, ließ sich nach den Entschlüssen der Stadtverwaltung nicht verwirklichen. Infolgedessen gewinnen die

E. W., die bis dahin ein reines Betriebsunternehmen A0 1 sind, in vorwiegendem Maße den Charakter eines spezialisierten Industrieunternehmens, dessen Entwicklung nicht wie bisher ledig⸗ lich auf dem Wachstum einer Großstadt beruht, sondern von den

ndelskonjunkturen einiger Erzeugnisse abhängig wird. Den

Aktionären der B. E. W. soll es ermöglicht werden, sich von den unvermeidlichen Risiken einer zum Teil auf neue Grundlagen zu stellenden industriellen Entwicklung zu befreien, die auch mit einer zeitweisen Einschränkung der Erträgnisse verbunden sein kann. Im Rahmen der gesamten Unternehmungen der A. E. G. vermin⸗ dern sich solche Bedenken, weil die A. E. G. durch die 1 ihrer Interessen und ihre bedeutenden Reserven eine größere Ste⸗ tigkeit der Entwicklung erwarten läßt. Die Verwaltung der A. C. G. beabsichtigt, den Aktionären der B. E. W. den Tausch von je 4000 Mark B. E. W. Stammaktien ausschließlich der Gewinn⸗ anteilscheine für 1914/15 gegen 3000 Mark A. E. G.⸗Aktien mit der halben Dividendenberechnung für 1915/16 vorzuschlagen. Den Aktionären der B. E W. verbleibt somit der Gewinnanteilschein für die Zeit vom 1. Juli 1914 bis 30. Juni 1915. Vorbehaltlich der Genehmigung durch eine außerordenkliche Hauptversammlung, die auf den 3. September einberufen werden wird, soll für den Umtausch eine. 851 vom 6. bis 15. September einschließlich gestellt werden, Zur Abrundung soll das Grundkapital den A.&. G. über das durch den Umtausch sich ergebende Erfordernis 1 5

nken⸗

2925000 Mark Stammaktien erhöht werden, die ein konsortium übernehmen wird.

̊ Kirchliche Nachrichten. a Israelitische Religionsgemeinde. 8 5 Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Samstag, den 14. August 1915: Vorabend: 7.30 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Sabbatausgang: 8.35 Uhr.

Rpoinlsches Zechin gaßad, echnikum Bingen Iten krcz Chauffeurkurse.

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Foteehnsk, okenbau. Or Hosp Ke.