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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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Die„Gießener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal
wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Seit⸗
fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
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Aus den belgischen Archiven. Berlin, 12. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Nordd! Allgemeine Zeitung“ setzt die Veroffentlichung on Dokllmenten aus den belgischen Archivan fort und bemerkt dazu einleitend:
Das Ja! r 1910 war für Deutschland politisch nicht ohne Bedeutung, weil damals der in Reval besiegelte politische Zu⸗ sammensckluß Rußlands und Englands im Orient dief aer Reiche zu zeitigen begann, die das Zusammesgehen Englands und Frank⸗ reichs in Marokko hervorbrachte. Hier wie dort zeigte sich das Bestreben der Ententemächte, die freie wirtschaftliche Be⸗ kätigung Deurschlands zu behindern. Im Früh⸗ jahr ließ die englische Regierung der deutschen Regierung wissen,
aß sie zu einer Erörterung der die Bagdadbahn und Per⸗ sien betreffenden Fragen bereit sei. Deutscherseits bestand der Wunsch, sowohl mit England als mit Rußland zu einem Ab⸗ kommen zu gelangen, das unter billiger Rücksichtnahme besonderen Interessen beider Mächte in Persien deutschem Kapital seinen Anteil an der wirtschaftlichen Erschließung des Landes sichern sollte. Bald darauf wurde der Kaiserlichen Regierung in⸗ dessen bekannt, daß die englische Regierung den Versuch machte, von der türkischen Regierung die Konzession zu einer Konkur⸗ renz bahn für die Bagdadbahn zu erlangen, und daß beide Mächte an die persische Regierung die Forderung stellten, die Er⸗ teilung aller Konzessionen für Eisenbahnen, Straßen und Tele⸗ graphen, Hafenbauten wie Schiffahrtslinien in den Interessen⸗ sphären der beiden Mächte in Zukunft von deren Placet abhängig 115 machen. Zs bedurfte sehr ernster Vorstellungen in London und Petersburg, um beide Regierungen zu dem Zugeständnis zu ver⸗ anlassen, daß die auf eine Beantwortung der ihre Forderungen r Note durch die perfische Regierung Verzicht lei⸗
teten.
Das erste Anzeichen dafür, daß 1914 ein Gewitter im Westen aufsteigen werde, bot eine Artikelserie des früheren englischen Militär⸗Attaches im Haag und Brüfsel, Repington, in der„Times“ der anläßlich der geplanten Neubefestigung Vlissingens die Neutralität Belgiens und die Sicherheit Hollands für gefährdet erklärte. Da die französische und die russische Presse geräuschvoll sekundierten, gab es einen ungeheuren Lärm. Die Berichte der belgischen Gesandten zeigen, daß die Drahtzieher in dieser Kam⸗ pagne die englische und französische Regierung
waren. Weit ernster als die Symptome kommender Gefahren und als die Gefahr für den europäischen Frieden des Augenblicks war jedoch der Ende April angekündigte und im Mai durchgeführte Einmarsch der Franzosen in Fez. Das französische Marokkoabkommen vom 9. Februar 1909 sollte die Probe aufs Exempel werden, ob es Frankreich mit der Durchführung der in Algeciras für Marokko gewährleistelen wirtschaftlichen Gleich⸗ berechtigung aller Ernst war. Schon sehr bald zeigte sich jedoch, daß die französischen Lokalbehörden in Marokko nicht dahin zu bringen waren, die Deutschen nach dem Grundsatze der wirt⸗ schaftlichen Gleichberochtigung zu behandeln. Die„Nordd. Allg. 319.“ zeigt sodann auch, wie infolge der Tätigkeit der französi⸗ schen Militärmission in Fez unter den Stämmen der Umgebung der Hauptstadt eine Bewegung entstand, welche den französischen Kolonialfangtikern die Handhabe bot, um das Kabinett Monis unter dem Vorwande der Gefährdung der französischen Militär⸗ mission, wie überhaupt der Europäer in Fez zu dem folgen⸗ schweren Entschluß zu bestimmen, mit größeren Machtmitteln die Ruhe wiederherzustellen.
Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ fährt fort: Damit war die Lage geschaffen, der die deutsche Regierung umso weniger ruhig zusehen konnte, als unter diesen Umständen mit einem allgemeinen Auflodern fanatischer Volksleidenschaften in ganz Marokko gerechnet werden mußte. Die angebliche Gefährdung der Europäer in Fez konnte zu einer wirklichen Gefährdung aller Fremden in vielen Teilen Marokkos den Anstoß geben. Nicht überall aber standen französische Truppen zum Schutze bereit. Wollte die Kaiserliche Regierung die im Süden des Landes le⸗ benden Deutschen und die dort vorhandenen großen wirt⸗ sschaftlichen nteressen nicht ungeschützt lassen, so mußte sie mit eigenen Machtmitteln eingreifen. S. M. S.„Panther“ wurde mit dieser Aufgabe betrauk, Tie Ernennung Delcasses zum Marineminister veranlaßte Greindl zu der Bemerkung, daß Delcasss sich damit brüstete, einen aggressiven Bund gegen Deutsch⸗ land zusammengebracht zu haben. In dem Bericht vom 4. März 1911 erwähnt ron Guillaume, daß in Deutsckland längs der französischen Grenze andauernd eine regelrechte Propaganda ge⸗ trieben„ um Desertionen aus der deutschen Armee in die französische Fremdenlegion herbeizuführen. In der Besprechung einer Rede, die Grey am März hielt, in welcher er
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auch die deutsch⸗englischen Beziehungen berührte, meint Greindl: „Die Rede wurde in Deutschland mißtrauisch aufgenommen. Es sei das verständlich, zumal die englische Regierung noch ganz kürzlich sich an der Vlissinger Intrigue beteiligte. weis
. Einen Be⸗ dafür haben wir in der Demarche, die Sir A. Hardinge
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General⸗Anzeiger für Oberh
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Freitag, 18. August 1015 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen
Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
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(damals englischer Gesandter in Brüssel) bei Ihnen(dem belgischen
Minister des Aeußern) machte, um zu versuchen, uns mit hinein⸗ zuziehen. Trotzdem suchte er nach Anzeichen für eine mögliche Besserung der deutsch⸗englischen Beziehungen, die, falls sie er⸗ folge, die Sicherheit Belgiens wesentlich erhöhen würde.
Sehr bald danach aber mußte der Gesandte auf neue drohende Verwiclelungen hinweisen. Die marokkanische Frage tauchte wieder auf, Cambon wies in Berlin darauf hin, daß Frankreich ge⸗ nötigt ben. könnte, einzuschreiten, um dem bedrängten Mulay Hafi zu helfen. Ohne Zweifel meint Greindl, handle es sich um Annexionspläne, denn Frankreich unterzeichnete die Al⸗ gecirasakte mit der festen Absicht, sie niemals zu be⸗ obachten. Auf einen Krieg wegen Marokko werde es Deutschland nicht ankommen lassen; Deutschland wollte nur seinerzeit dem König von England und Delcasse beweisen, daß es sich nicht als quantité negligegble behandeln lasse. Die korrekte Sprache Pichons stand stets im! Widerspruch mit seinen Taten. Wollte die fran⸗ zösische Regierung einen Konflikt vermeiden, so müsse sie viel Vorsicht und scheinbare Mäßigung zeigen, wenn Deutschland nicht gezwungen werden solle, aus seiner passiven Haltung herauszu⸗ treten. Daran aber ließ es“ bekanntlich Frankreich gerade fehlen. Ende Mai rückten französische Truppen in Fez ein, Mitte Juni in Mekines. Das französische Vorgehen hatte die Oklupation von Larrasch und Elkazar durch die Spanier zur Folge und das gab das interessanteste Schauspiel, daß der französische Botschafler Spanien deswegen bei der deutschen Regierung anzuschwär⸗ zen bemüht war. Der 2. Juni bringt die erste belgische Aeußerung über die Entsendung des„Panther“. Auch hier nimmt Guil⸗ leaume für das gute Recht Deutschlands Stellung. Er schreibt: Für die, die zugeben, daß Frankreich ohne ernste Gründe nach Fez ging, ist es klar, daß es schwerlich dort wieder heraus⸗ gehen wird oder sich aber gezwungen sehen wird, dorthin zurück⸗ zukehren und daß es auf diese Weise den Geist des Ver⸗ trages von Algeciras verletzt. Wenn Deutschland an⸗ gesichts dieser Tatsachen eine Kompensation fordert, so bedeutet dies, daß es nicht erzwingen will, daß Frankreich zurückweicht, aber auch selbst nicht die Absicht hat, sich in Agadir festzusetzen. Aber es ist der Ansicht, daß die Regierung der Republik ein ver⸗ einbartes Gleichgewicht der Kräfte störte, und fordert seinen Anteil. Während aber der den Ereignissen nur als Zuschauer beiwohnende belgische Diplomat so klar und richtig urteilte, hielt es die englische Regierung für richtig, durch Lloyd George in öffentlicher Rede an Deutschland die Warnung erteilen zu lassen, die als Be⸗ drohung und Provokation einer anderen Macht wohl ohne Beispiel in der Geschichte dasteht. Guillaume erkannte von seinem Pariser Standpunkt aus ganz richtig, daß Frankreich viel geringere Aussichten habe, sich mit Deuschland zu verständigen, wenn England an der Konversation teilnehme. Auch ist er davon. unterrichtet, daß es England war, das von vornherein Oel in die Flammen hatte gießen wollen durch die Entsendung von Kriegs⸗ schiffen nach Agadir.
Interessant ist die Bestätigung, die wir durch Graf Lalaing von damaligen, von englischer Seite so oft in Abrede ge⸗ stellten Kriegs vorbereitungen Englands erhalten. Ich ersah, schreibt der Gesandte am 18. November aus durchaus zuverlässiger Quelle, daß Offiziere des aktiven Heeres damals lötzlich von ihrem Urlaub zurückberufen wurden, daß Ankäufe von Pferden für Kavallerie stattfanden und daß ein Nordsee⸗ geschwader zeitweise in Kriegsbereitschaft gesetzt wurde. Die Ge⸗ sandten weisen auch auf die englische An maßung hin, zu entscheiden, wer sich an der atlantischen Küste Marokkos nieder⸗ lassen dürfe und wer nicht. Lalaing schreibt: Die Presse er⸗ innert daran, daß Großbritannien sich an der marokkanischen Frage zugunsten Frankreichs deshalb interessiert, weil die Re⸗ publik ihrerseits England freie Hand in Aegypten ließ, aber daß England niemals daran dachte, Deutschland zu erlauben, in Ma⸗ rokko Fuß zu fassen. Der Bericht Greindls vom 6. Dezember geht von den Reden Bethmann Hollwegs aus, die von dem Gedanken getragen waren, daß nunmehr, nach Erledigung der Marokkoangelegenheiten, der Augenblick gekommen sei, eine neue Aera guter Beziehungen zwischen England und Deutschland einzuleiten. Vieldeutig war die Entgegnung Greys. Er behauptete, sich über das Einvernehmen zwischen Teutschland und Frankreich gefreut zu haben und wies auf die Möglichkeit einer kolonialen Ausdehnung Deutschlands in Afrika hin, was Greindl zu der bitteren Bemerkung veranlaßt: Sind es vielleicht unsere Besitzungen, die er nach den Prinzipien des neuen internationalen Rechts verschachern will, wie man es in London, leider auch anderwärts, handhabt: in Marokko, Tripolis und Persten? Zu der Behauptung Greys, daß zwischen Frankreich und England keine Geheimverträge beständen, schreibt Greindl: Die Entente Cordiale wurde nicht auf der positiven Grundlage der Verteidigung gemeinsamer Interessen begründet, sondern auf der negativen Grundlage des Hasses gegen das Deutsche Reich. Die Entente Cordiale erweckte in Frankreich den Gedanken an die Revanche, der schlummerte,
Kowno. Näher und näher schieben sich die deutschen Streitkräfte der großen Njemensestung Kowno. Was die jetzt in deutsche Hand 11 gangene 21 15 Lomza für die berühmte Narewlinie, das ist für die Linie des Niemens. Und wohl ist die Stadt ihrer ganzen Lage nach zum Schutze dieses Flußlaufes in be⸗ sonderem Maße geeignet. Zwischen hohen Ufern, die bis zu 60 Metern ansteigen, strömt der Fluß hier dahin, indem er die Stadt malerisch in seine Höhen einfaßt und sie 9 0 710 gegen den Angreifer deckt. Da, wo Kopno liegt, fließt die Wilija in den Njemen ein und nur weni weiter stromabwärts mündet, gleich⸗ falls von Osten 1 15 die Newjascha in den Strom, so daß Kowno den natürlichen Mittelpunkt mehrerer ausgedehnter Täler bildet, die sich hier vereinigen. Auf diesen natürlichen Vorteilen der Lage beruht die ungewöhnliche Bedeutung, die Kowno ge⸗ schichtlich, wirtschaftlich und militärisch schon seit Jahrhunderten
„.
Im 11. Jahrhundert begründet, gehörte es von 1384 bis 1398 dem Deutschritterorden, der es zu einem militärischen Punkt erster Ordnung ausbildete. Großfürst Witowt von Littauen hatte denn auch 1400, als der Hochmeister durch polnische Angriffe in eine schwierige Lage geriet, nichts eiligeres zu tun, als Kowno zu überfallen und die Burg des Ordens in die Luft zu sprengen. Dauernd hat dieser Schlag die Entwicklung der Stadt indessen nicht zur hemmen vermocht; in den folgenden Jahrzehnten mit reichen Gerechtsamen aus sestattet, gewann sig im 16. Jahrhundert eine solche Bedeutung, daß Heinrich von Valois, als er die polnische Krone trug, bei seiner Durchreise im Jahre 1574 die Stadt„die Zierde der Republik“ nannte. Die Höhe seiner Blüte erreichte Kowno aber erst, als es 1581 zum Hauptstapelplatz der ins Aus⸗ land gehenden Waren erhoben und mit einem Zollamte ausgestattet wurde, Der Umsatz der Stadt erreichte damals eine Höhe von jährlich 3 Millionen Dukaten. Die Zaren suchten infolgedessen eifrig, die reiche Stadt in ihre Gewalt zu bringen, und nachdem sie bereits Zar Alexej 1655 angegriffen, eingenommen und geplündert hatte, fiel sie bei der dritten Teilung Polens im Jahre 1795 dem Mosbowiterreiche mals begannen schwere Zeiten sür Kownuv:
3 zu. Da Koy ch doch in seinen Mauern 1806 ein Brand aus, der drei Viertel Häuser in Asche legte, so daß im Jahre 1817 ganz Kowno nur Häuser gezählt haben soll. Nichtsdestoweniger blühte die nach all diesen Schlägen wieder auf und gewann auch
e gewisse Bedeutung, als sie 1842 bei der Neueinteilung
Vergangenheit Littauens, Polens und Rußlands besitzt. go
Polens zur Hauptstadt des frisch errichteten Gouvernements Kowno erhoben wurde. Nun erst nahm der Handel Kownos seinen be⸗ deutendsten Aufschwung, indem die Stadt ein Hauptstapelplatz des Warenhandels von und nach Preußen wurde. Holz und Flachs, Getreide und Mehl, Kohlen und Hausteine bilden die wichtigsten Güter, deren Austausch Kowno vermittelt. Es ist überhaupt eine gewerbtätige und rege Stadt, in der zahlreiche Nägel⸗, Draht⸗ und Metallwarenfabriken, Knochenmühlen und Brauercien arbeiten. So hatte Rußland auch aus wirtschaftlichen Rücksichten alle Ur⸗ sache, die Niemenstadt wohl zu schützen. Sieben Besestigungen liegen nach Süden vorgeschoben, drei decken die Straße nach Wilna, während eine die Wilija⸗Brücke schützt. Landschaftlich entbehrt die Lage Kownos an dem hochuferigen Strome, wie bereits bemerkt, keineswegs des Reizes und malerisch genug schmiegt sich an den Niemen die winkelige, enge Altstadt, während der „Neue Plan“ sich weiter flußaufwärts geräumiger ausbreitet. Künstlerisch bildet Kownos Glanz⸗ und Prunkstück das noch aus wnos Glanzzeit stammende, stilvolle alte Rathaus, in dem in friedlichen Zeiten der Gouverneur hauste. Ihm gegenüber erhebt sich eine gußeiserne Pyramide, die das Andenken an den Riickzug der Großen Armee wachhält. An Kerchen bemerkenswert ist nur die katholische Peter⸗Pauls⸗ Kathedrale, die aus dem 15. Jahrhundert herrührt, und als größte katholische Kirche Lit⸗ tauens bekannt ist. Auch eine lutherische Kirche besteht; sie muß sich aber mit einem bescheidenen Platz in der Altstadt begnügen. Um so zahlreicher, massenweis, wie die Kirchen in kleinen italie⸗ nischen Nestern, sind die Synagogen der jüdischen Bevölkerung, die eine Hälfte der Einwohnerschaft ausmacht. In der weiteren Umgebung liegt, von prächtigem, alten Walde umrauscht, an den Ufern der Wilija das schöne, 1674 unter Aufwand von 2 Millionen Gulden von dem littauischen Großkaufmann Christoph Paz erbaute Camaldulenkloster Pozaiskij⸗Upenskij, die„Friedensburg“. *
— Zur Charakteristik unserer heutigen Sol⸗ datensprache. Die schöpferische Phantasie unserer Soldaten hat die deutsche Sprache bereits um viele neue Wortbildungen bereichert, die als Niederschlag deutschen Geistes und Wesens für alle ferne Zukunft wertvolle kriegsgeschichtliche Dokumente bleiben werden. Eine systematische Sammlung dieser Ausdrucksformen soldatischen Geistes, für die Dr. Alfred Wolff in dem demnächst erscheinenden
Hefte der„Grenzboten“ eintritt, bildet daher eine wichtige Aufgabe, 2 der die breiteste Oelteutlichkeit wie die Sprachforschung in
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zu neuem Leben. Ihr entstammt auch der Zustand der Unruhe un des Unbehagens, in welchem sich Europa seit sieben Jahren 175 findet. Greindl belegt diese Sätze an der Hand der jüngsten eignisse und erklärt schließlich: Grey gelang es ebensowenig 2 zuweisen, daß die Rede Lloyd Georges im Mansion House kei Herausforderung und keine Drohung war.
Georg Schweinfurth über die Beliebtheit der Deutschen im Orient.
Professor Dr. Georg Schweinfurth, der älteste noch lebende Pionier der deutschen Afrikaforschung, ergreift in b dieser Tage erscheinenden Augusthefte der„Süddeutschen N hefte“ in München, das ganz den deutschen Kolonien n das Wort zu einem gegenwärtig viel behandelten Thema, N er„vom beliebten und vom unbeliebten Deutschen spricht. 1 der Fülle seiner reichen Menschen⸗ und Völkererfahrungen un zerlebnisse weist der greise Forscher auf eine Reihe von 5 lichkeiten des reisenden Deutschen hin, auf die— mit Recht e Unrecht— sein Mangel an Beliebtheit bei den europäischen Völkern zum großen Teile zurückzuführen ist. Das Gegenstück zu dieser 1 5 beliebtheit bildet die aufrichtige Liebe, die der Deutsche in ö Welt des Ostens, vor allem bei den Türken und Arabenn genießt, und gerade hierüber hat Professor Schweinfurth auf seinen Reisen besonders viele und interessante Erfahrungen jammeln können. Die Beliebtheit des Deutschen Reiches und der Deutschen im Oriente geht schon auf Jahrzehnte zurück.„Während der h Stunden des 11. Juli 1882— so erzählt Schweinfurth befan ich mich in dem von der englischen Flotte so zwecklos beschossenen Alexandria als Gast meines Freundes Eduard Friedheim. Im unser Haus wollte der Straßen pöbel einbrechen, darunter viele freigekommene Sträflinge, die sich nach Plünderung des Arsenals mit Waffen versehen hatten. Wir flüchteten auf der Gartenseite zum Fenster hinaus, indem wir uns an einer wegen des erwarteten Bombardements bereitgehaltenen Rolle Leinwand hinabließen, um die nahe koptische Hauptkirche zu erreichen, von der aus viele Flüchtlinge uns zuwinkten. Das Haus war aber bald umstellt und wir sahen uns, auf einem Balkon des ersten Stockes angelangt, doch ausgesperrt und zum Bleiben genötigt. In dieser Lage mußten angesichts der erbosten Menge und vieler auf uns gerichteter Ge⸗ wehre acht Stunden verbracht werden, bis dig einbrechende Dunkel⸗ heit Ruhe gebot. Was mir gerade einfiel, habe ich da hinunter⸗ geschrien, um unsere Mohammedanerfreundschaft zu beteuern: wir ind Deutsche, keine Engländer! Unser Kaiser, ein Freund des Sultans] Es wirkte wie ein Zauberwort; denn trotz vieler mich immer wieder unterbrechenwollender Schreier und fanatischer Hetzer senkten sich die auf uns angelegten Gewehre. Die Szeue hat sich, unterbrochen durch nahe vorbeifausende Geschosse, durch das betäubende Krachen einschlagender Granaten, jedesmal begleitet von instinktivem Auseinanderstieben der, Male wiederholt. Neue Pöbelmassen zogen auf, aber jedes ma 5 blieben wir verschont. Die Verufung auf den„Kaiser“, den „Deutschen Kaiser“, der so groß ist, daß er keines anderen Bei⸗ wortes bedarf, hatte offenbar gewirkt. Siebzehn Jahre nach diesem Ereignisse(anläßlich der Kaiserreise nach Palästina und Damaskus) hörte man die Worte auf den Straßen von Kairo von Tausenden wiederholt. In jenen Tagen der Kaiserreise klagte mir der evangelische Pastor in Kairo, der dort zugleich als Direktor der g großen deutschen Schule vorstand, sein Leid, daß er oft ratlos den übertriebenen Liebenswürdigkeiten der Araber gegenüberstehe. Der Lehrer der arabischen Sprache, der ein Imam, ein Theologe des Islams war, überböte sich mit den anderen in begeisterten Worten des Lobes zum Ruhm unseres aF f 1 55 0
Bleibende Erinnerung hinterließ mir die Rede eines türkischen Korvettenkapitäns in änhptischen Diensten, den ich in Suakim antraf, als ich dort bei der Rückkehr von meiner größeren afri⸗ kanischen Reise im Herbste 1871 wieder das Meer erreichte. Der Gouverneur der Hasenstadt und andere Paschas waren an Bord geladen. Der erwähnte Kommandant des Kriegsschiffes redete auf mich ein:„Das habt ihr gut besorgt mit der„Franzal, das war brav von euch Deutschen, uns endlich von diesen frechen über⸗ mütigen Gesellen zu befreien. Jetzt können wir frei aufatmen, ihr seid nun die Herren der Welt, aber die Hauptaufgabe bleibt euch moch zu erledigen, dann erst werdet ihr vollkommen sein in euren Ruhm, Ihr müßt auch noch den„Moskow“ zu Boden werfen, an dem wird jetzt die Reihe sein, das müßt ihr noch vollbringen, wer kann es sonst außer euch!“ Ich dachte bei mir, der Mann traut uns viel zu, bewunderte aber trotzdem die Innig⸗ keit seines Glaubens. Der Gouverneur von Suakim aber ließ mir leine Zeit zu einschränkender Entgegnung. Frohlockend nickte er dem Kommandanten Beifall zu, dann rief er mit Pathos:„Dieses Franza!“ Er erhob feierlich die rechte Hand, streckte sie wagerecht vor seinem Munde aus, blies heftig auf ihren Rücken und rief: „Frankreich, wo ist es? weg ists!“ Da dachte ich, na na, was würden unsere Offiziere dazu sagen
Wie entgegenkommend die Türken und einheimischen Araber Tripolitanien gegen deutsche Reisende, lange vor der
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gleicher Weise tätigen Anteil nehmen könnte. Erst eine solche Samm⸗ lung des umfangreichen Materials wird ergeben, wie vielfältig die Elemente sind, aus denen sich die altneue Soldatensprache aufbaute und wie lebenskräftig sie sich den veränderten Verhältnissen anzu⸗ passen wußte. Schon heute aber treten aus dem Reichtum an Seelenregungen und Bedürfnissen, die hier sprachschöpferisch mit⸗ gewirkt haben, einige bestimmende Motive klar hervor Neben dem Zwang und Wunsch der Verständigung, der aus dem Verkehr von Freund und Feind neue Wortgebilde schuf, zeigt sich besonders der Drang, die Geschehnisse zu vereinfachen. Ein verwickelter Vorgang, eine komplizierte Maschine, das Vielerlei von technischen Handhaben und Verrichtungen sucht man auf eine Formel zu bringen, das Außergewöhnliche, fast Wunderbare— was psychologisch begreiflich und menschlich verständlich ist— durch Ausdrücke aus dem täglichen Leben, aus eigenem, engerem Horizont sich näher zu bringen, so daß ihre Größe dadurch zwar nicht verlleinert, aber doch vertrauter wird, ihre Gefahr gerin er erscheint. In diese Rubrik fallen etwa alle Versuche, das Geschoß in seinen verschiedenen Wirkungen und For⸗ men durch Namen, Personen oder Ausdrücke aus dem eigenen Ge⸗ sichtskreise zu ersetzen. Ein Stück Selbstverspottung spielt mit hinein, wenn der„Schipper“ seinen Spaten als„Teelöffel“ bezeichnet; reiner tritt das Empfinden in einer Anzahl von Ausdrücken hervor, die teilweise schon im Frieden gebraucht, doch erst durch den Krieg lebendige Fülle und reiche Ergänzung erfahren haben. Da erscheinen neben den Ausdrücken für das Gewehr wie „Knarre“,„Kuhfuß“, oder zärtlich⸗sehnsüchtiger„meine Braut“, das„Butterfaß“, das sowohl Mine wie Schrapnell bedeutet, das „Parfum“ als Pulver der Gewehre, der„Tabak“ als Pulver der Kanonen,„das schwarze Schwein“ oder ästhetischer„der schöne Blumentopf“ als Granate(auch der„Spielball“ genannt). Die Bomben. des Fliegers, den die Soldatensprache als„Karl“, seinen Begleiter als„Franz“ kennzeichnet, Beinamen, aus denen dann Zeitworte wie verfranzen und verkarlen weitergebildet werden, werden„als Eier gelegt“, mit denen der Feind in lieblicher Un⸗ heimlichkeit„beast“ wird. Oder, um auch größeren Objekten sich zuzuwenden: die bekannten Mädchennamen erscheinen, die„schlanke Emma“ oder die„dicke Marie“ für die 30,5⸗Zentimeter-Mörser, oder die gefeiertste von allen, die„dicke Berta“, zu deren Taufgß noch viele andere Namen bemüht worden sind, bis zur musikali⸗ schen Bezeichnung der„deutschen Zauberflöte“ hinauf; oder, u. noch einem männlichen Wesen das Wort zu gönnen,„der groß Moritz“, der im gewöhnlichen Leben als Minenwerfser sein S i fisch
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treibt. All diese Bezeichnungen, von denen nur einige pla


