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mit eine ust und die Schwere der Zeit betonenden Ansprache, worauf Prosessor Dr. Freiherr von 5 811 ieben in längeren, packenden Ausführungen des Kriegsverlaußs gedachte und an die Pflichten erinnerte, die die Daheimgebliebenen gegen das kämpfende Heer und das gesamte Vaterland haben. Nach dem ge⸗ meinsamen Gesang einiger Vaterlandslieder, die Fräulein Gutsch auf dem Klavier begleitete, wurde die Feier, die überaus zahlreich besucht war, gegen 10 Uhr geschlossen.
Kreis Büdingen.
Burgbracht, 4. Aug. Der Geisreite Melchior Ochsen; dirt erhielt die hessische Tapferkeitsmedaille und wurde zum Unteroffizier befördert.
§ Geiß ⸗Nidda, 4. Aug. Die hessische Tapferkeits- medaille erhielt der Gefreite Richard Fleischhauer im Feld⸗Artillerie-Regiment Nr. 25.
Kreis Alsfeld. fe. Alsfeld, 4. Aug. Das sieben Jahre alte Söhnchen des zurzeit im Felde stehenden Oberbahnassistenten Schmidt wurde durch das Herabfallen eines gefüllten Bierfasses von einem Handwagen so schwer am Kopf verletzt, daß bald darauf der Tod eintrat.
Ruppertenrod, 4. Aug. Den Krieg gegen die Kohl⸗ weißlinge hat unsere Schuljugend siegreich bestanden. Man sieht in unserer Gemarkung nur noch selten einen Kohlweißling fliegen. Und diesen Kampf haben unsere Schüler unter Vernichtung von über 10000 Stück— unentgeltlich geführt.
Kreis Lauterbach.
Aus dem vorderen Vogelsberg; 4. August. Das Weidhüten geschieht in ornserem Vorgelände nicht in dem Maße wie im oberen Vogelsberg. Während man hier fast das ganze Jahr mit Ausnahme des Winters auf die Weide rreibt, geschieht das bei uns gewöhnlich nur im Herbste nach der Grummeternte. In diesem Kriegsjahr aber wird von der Weide ein viel umfassenderer Gebrauch gemacht. Das verursackte der Mangel an Grünfutter. Dieser Mangel ist jetzt durch das frische Wachstum nach den Nieder⸗ schlägen behoben. Allein auch die Weide ist viel besser geworden, so daß man sie weiter benützt. Das Grummetgras hat einen recht guten Ansatz. Die Grummeternte verspricht gute Erträge, welche sogar die Heuernte übertreffen können. Was an Heu gefehlt, kann wohl die Grummeternte ersetzen.
Kreis Schotten.
— Schotten, 4. Aug. Hier starb der Bäckermeister Karl Schmidt J., ein Veteran von 1870/71.
— Ulrichstein, 4. Aug. Nächsten Sonntag hält Obstbau⸗ inspektor Metternich Büdingen im Gasthause zum„Darm- städter Hos“ einen Vortrag über„Obst- und Gemüseverwertung in der Kriegszeit.“ 5
O Ober-Lais, 4. Aug. Das Fest der Goldenen Hochzeit konnten der Landwirt Karl Engel und dessen Ehe⸗ frau, Elise, geb. Kaiser, seiern. Die beiden Jubilare erfreuen sich körperlich und geistig der besten Gesundheit.
O Aus dem südlichen Vogelsberg, 4. Aug. Eine überaus reiche Rußernte, wie sie seit langer Zeit nicht da war, steht in unserer Gegend in diesem Jahre in Aussicht. Da eine Abholzung der Nußbäume wenig oder gar nicht stattgesunden hat, wie das anderwärts vielfach der Fall war, dürfte die Ernte hierorts besonders ertragreich sein. Die Einbringung des Kornes hat bei gutem Wetter erfolgen können. Die Landwirte sind im allgemeinen mit der Ernte ganz zufrieden. Das Einernten von Gerste und Haser, die auch gut geraten sind, ist durch das Regenwetter der letzten Tage unterbrochen worden. Trotzdem ist der Regen der Landwirtschast ganz erwünscht, da das Wachsen des Grummetgrases, das noch sehr dünn steht, durch den Regen noch sehr gesördert wird.
Kreis Friedberg.
r. Bad⸗Nauheim, 4. Aug. In der gestern stattgefundenen nichtöffentlichen Sitzung unserer Stadtverordneten wurde für den wegen Gesundheitsrücksichten auf eine Wiederwahl ver- zichtenden Beigeordneten Bernhard Len gz der Stadtverordnete Großh. Bademeister Franz Kissel einstimmig zum Beigeordneten der Stadt Bad⸗Nauheim gewählt. 1 5
n. Bad⸗Nauheim, 4. Aug. Am letzten Samstag hat im Konzerthaus ein großes Kon 1 rt zum Besten des Roten Kreuzes stattgefunden, in dem die Pianistin Fräulein Adele aus der Ohe und die Kammersängerin Frau Aenni Gura⸗Hummel mitwirkten. Das Konzert war sehr gut besucht, und beide Künstlerinnen sowohl wie das Winder⸗ stein⸗Orchester, das unter seinem vorzüglichen Dirigenten u. a. Franz Liszts sinfonische Dichtung„Präludien“ in meisterhafter Weise zu Gehör brachte, ernteten reichen Bei⸗ 1 5— Der Fremdenzugang hat sich wie in den vergangenen
naten so auch jetzt im August über Erwarten gut gestaltet. Die Zahl der verabreichten Bäder in dieser Kurzeit beträgt bis jetzt über 175000. Auch die zahlreichen anderen Kur⸗ mittel werden eifrig benutzt und haben die besten Erfolge zu verzeichnen.
Butzbach, 3. Aug. Die vier Söhne der Werkmeisters- witwe Marie Dern von hier stehen im Felde. Während der zweitälteste bereits vor einiger Zeit verwundet wurde, ist jetzt der dritte, Karl Dern, in Rußland den Heldentod gestorben, nachdem er bisher bei allen Stürmen glücklich davongekommen war.
§Rendel, 4. Aug. Beim Kegelspiel schob sich ein hiesiger Bursche einen Span vom Kegelbrett unter einen Fingernagel. Es 15 e und Starrkrampf ein, an deren Folgen er st ar b.
Aus der Wetterau, 4. Aug Das Einernten der Getreidearten geht seinem Ende entgegen. In den- jenigen Lagen, in denen mehrmals ergiebige Regenmengen niedergingen, können die Landwirte mit den Exträgen voll⸗ auf zufrieden sein. Der Halm von Gerste und Hafer war durch die Trockenheit etwas i dagegen liefern die Körner ein bedeutend besseres Mehlquantum als im vori⸗ gen Jahre. Die Frühkartoffeln liefern durchweg gute Erträge und werden mit 15 Mk. pro Doppelzentner verkauft. Viele alte Obstbäume, die man nicht gestützt hatte, sind durch die Last der Früchte gebrochen.
Starkenburg und Rheinhessen. s Darmstadt, 4. Aug. Gestern fand hier in der„Oper“
einer
auf Einladung einer Anzahl Stadtverordneten eine Versamm⸗ scha
lung von Konsumenten statt, die gegen die Preis⸗ treiberei Stellung nahm. Stadtv. wortete lt.„Tarmst. Ztg.“ einen Zusammenschluß der Kon⸗ sumenten Darmstadts nach dem Vorbilde von Nachbarstädten, der mit der Stadtverwaltung, dem Großhandel und den Detaillisten in steter Fühlung bleiben solle. Zunächst werde man bei den gesetz⸗ gebenden Körperschaften Höchstpreise für Kartoffeln mit dem dabei unentbehrlichen Lieferungszwang erstreben. Auch müsse man die Militärbehörde wissen lassen, daß ihr direkter e den Produzenten, wie zum Beispiel in Griesheim, das Publikum schädige. Beig. Ekert e die freundliche Stellung der Stadtverwaltung zu allen Verbilligungsbestrebungen, sofern da⸗ durch berechtigte Juteressen nicht verletzt würden. Im allgemeinen fanden die Ausführungen des Vorsitzenden Zustimmung, jedoch oben manche Redner die erheblichen Schwierigkeiten und wahr⸗ scheinlich auch Unkosten hervor. Zum Schluß wurde ein vor⸗ bereitender Ausschuß gewählt und eine Entschließung einstimmi angenommen, welche die unverantwortliche Bereicherungspoliel gewissenloser Personen geißelte, alle Konsumenten zur Selbst⸗ ilfe und Mitarbeit aufruft und den Behörden in ihren Maß⸗ egen die Preistreibereien Unterstützung zusagt. Letzteres 0 der Stadtverwaltung gegenüber, wenn sie den Verkauf der Preistreiberei überteuerten Lebensmittel in die Hand
nahmen gelte au der von
immt.
Delp als Vorsitzender befür⸗
n. Offenbach, 4. 1 Die hiesige Tnabenmittel⸗ schule, die bei Beginn des Krieges bereits für mehrere Monate mit Militär belegt gewesen war, mußte jetzt erneut zur Unter⸗ bringung von Soldaten geräumt werden. Die einzelnen Schulklassen wurden teils in anderen Schulhäusern, teils in un⸗ benutzt stehenden alten Schulräumen untergebracht. Demnach fehlt es bei uns an Kasernen und nicht an Mannschaften.
Hessen⸗Nassau.
[Marburg, 4. Aug. Der Magistrat macht bekannt, daß
alle Einwohner von Marburg im Alter von 14-65 Jahren, die
körperlich schwer zu arbeiten haben, auf Antrag zu ihrer bis-
herigen Brotkarte wöchentlich eine Zusatzkarte, die zum
Bezug von 360 Gramm Mehl oder 1 Pfund Brot berechtigt, er- halten können.
h. Frankfurt a. M., 4. Aug. Eine für den Klein⸗ handel mit Milch einschneidende Bestimmung traf das städtische Gewerbe- und Verkehrsamt. Es ordnete an, daß die Milchhändler infolge des kürzlich festgesetzten Milchhöchst⸗ preises den Milchlieferanten keinen höheren Ein⸗ kaufspreis als bisher bezahlen dürfen. Wer von den Milchlieferanten trotzdem seine bisherige Lieferungsmenge beschränkt und diese zurückbehaltene Menge zu Butter oder Käse verarbeiten läßt, hat Anzeige zu gewärtigen.
h. Oberursel, 4. Aug. Die Stadtverordneten⸗ versammlung bewilligte allen städtischen Arbeitern eine Teuerungszulage von monatlich fünf Mark.
Grundsätze für ein Reichsgesetz zur Schaffung von Uriegerheimstätten.
Der Hauptausschuß für Kriegerheimstätten ist am 20. März d. J. mit 28 Vereinen gegründet worden. Anfang Juli gehörten ihm bereits über 900 Organisationen aus allen Teilen unseres Vaterlandes an. Es hat sich gezeigt, daß die von ihm ver⸗ tretene vaterländische Aufgabe eine überaus große Werbekraft in unserm Volke besitzt. Die Aufgabe des Hauptausschusses ist von weittragender Bedeutung für die Entwicklung unseres Volkes: denn ein Heimstättenland für unsere Krieger bedeutet später ein Heimstättenland für unsere Kinder und Enkel.
„Der Hauptausschuß hat in seiner letzten Sitzung, an der Männer der Praxis und der Wissenschaft teilnahmen, einmütig Grundsätze für ein Reichsgesetz zur Schaffung von Kriegerheimstätten aufgestellt. Es ist gut, wenn alle Teile unseres Volkes diese Grundsätze prüfen, damit ein Reichsgesetz zustande kommt, das bis in die fernste Zukunft die Dankbarkeit der Da⸗ heimgebliebenen unseren heldenhaften Kriegern gegenüber kundgibt. Der Hauptausschuß für Kriegerheimstätten(Berlin, Lessingstr. 11) bittet alle diejenigen, die im wesentlichen seinen Grundsätzen zu⸗ stimmen, ihre Adresse ihm mitzuteilen.
Wir geben im folgenden die Grundsätze wieder:.
1. Das Reich dankt seinen Verteidigern, indem es jedem deutschen Kriegsteilnehmer oder seiner Witwe die Möglichkeit er⸗ öffnet, auf dem vaterländischen Boden ein Familienheim auf eigener Scholle(Kriegerheimstätte) zu erringen. Die Kriegerheimstätten sollen, gemäß den Lehren dieses Läuterungs⸗ krieges, das deutsche Boden⸗ und Siedelungswesen auf das Ziel hinlenken, einen körperlich und sittlich gesunden Volksnachwuchs zu sichern, die Wehrkraft des Volkes zu erhöhen und die Erträg⸗ nisse des heimischen Bodens zu steigern.
2. Jeder deutsche Kriegsteilnehmer hat im Rahmen dieses Ge⸗ setzes einen Anspruch auf eine Heimstätte im Reiche oder in seinen Kolonien. Unter den Bewerbern sollen die ortsangehörigen Kriegs⸗ beschädigten, Witwen und kinderreichen Familien zuerst berück⸗ sichtigt werden. 7
3. Die Kriegerheimstätten sind entweder: Wohnheim⸗ stätten: Kleinhäuser mit Nutzgärten, die allen Kriegsteilneh⸗ mern offenstehen, oder Wirtschaftsheimstätten: gärt⸗ nerische oder landwirtschaftliche Anwesen, von geeigneter, nach Bodenart und Bodenpreis verschiedener Größe, die nur Bewerbern mit entsprechender Vorbildung und angemessenem Betriebskapital verliehen werden dürfen. Bestehender Besitz kann in Kriegerheim⸗ stätten umgewandelt werden.
4. Die Heimstättenversorgung geschieht durch ein Heim⸗ stättenamt, das dem Reichsamt des Innern ein⸗ und unter⸗ geordnet und in geeigneten Bezirken durch Heimstätten⸗Amtmänner vertreten wird. Diese haben in Fühlung mit den zuständigem Behörden(Bezirkskommandos usw.) die Auskunftserteilung und Vermittlung jeder Art bei Begründung, Ausführung und Bewirt⸗ schaftung der Heimstätten zu bewirken und jeden Mißbrauch mit ihnen zu verhüten.
5. Das Reich kann die Ausgabe von Heimstätten über⸗ tragen an öffentlich⸗rechtliche Verbände und an gemeinnützige Vereinigungen. Um Boden zur Errichtung von Kriegerheimstätten zu gewinnen, haben die Heimstättenausgeber ein Vorkaufs⸗ recht bei jeder Zwangs versteigerung und bei der Veräußerung von Grundstücken, die in einem Jahrzehnt zweimal freihändig ihren Besitzer gewechselt haben. Bei diesen Grundstücken haben sie auch ein Enteignungsrecht und zwar grundsätzlich zu dem Werte, der in Selbsteinschätzung vor dem Kriege zum Wehrbeitrag angegeben und angenommen worden ist. Weigern sich öffentlich⸗rechtliche Verbände oder sonstige gemeinnützige Vereinigungen, die Ausgabe von Krie⸗ gerheimstätten zu bewirken, obwohl sie im Besitz von geeignetem Gelände sind, so ist das Reichsstättenamt berechtigt, dies Gelände zwecks Gründung von Kriegerheimstätten zu enteignen.
6. Die Kriegerheimstätte wird zum Eigentum übertragen gegen eine unkündbare Bodenrente(Weiterbildung des§ 1202 Ab⸗ satz 2 des BGB.). Eine Veräußerung der Kriegerheimstätte ist nur mit Genehmigung der Ehefrau zulässig.
7. Die Rente(§ 6) kann nur gesteigert werden, wenn der Besitzer die Kriegerheimstätten freiwillig aufgibt, oder wenn nach dem Tode beider Eltern das jüngste Kind großjährig wird oder sie nicht selbst bewohnt und bewirtschaftet. Für die Steigerung ist nicht der für' die Heimstätte gebotene Preis allein maßgebend, sondern es muß eine allgemeine Steigerung des Bodenwertes in der betreffenden Gegend nachweisbar sein. Der Heimstättenbesitzer hat Anspruch auf Herabsetzung der Rente, wenn die Bodenwerte eine nicht nur vorübergehende Verminderung erfahren haben. Der Heimstättenherausgeber hat bei allen Verkäufen das Vorkaufsrecht.
8. Eine Beleihung von Kriegerheimstätten kann nur in Form von unkündbaren und löschungspflichtigen Tilgungsdarlehen erfolgen. Mindestens 10 Proz der Baukosten muß der Heimstätten⸗ bewerber selbst aufbringen. Das Reich ermöglicht die Beleihung der Kriegerheimstätten bis zu 90 Proz. der reinen Baukosten, ent⸗ weder durch Erweiterung des bereits bestehenden Reichsbürgschafts⸗ fonds oder durch Schaffung einer Reichspfandbriefanstalt, unbe⸗ det der weitergehenden Fürsorge für die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen durch Nutzbarmachung des entsprechend verstärkten Reichswohnungsfürsorgefonds. 5.
Gemeinnützige Kassen, welche für Unbemittelte die fehlenden 10 Proz. der Baukosten aufbringen, ebenso teilweis kapitalisierte Invaliden⸗ und Hinterbliebenenrenten erhalten das Recht der hypothekarischen Eintragung. Für alle sonstigen Eintragungen ist das Grundbuch geschlossen...
9. Die Kriegerheimstätte kann durch privatrechtliche Forderun⸗ gen nicht in Zwangsversteigerung gebracht werden. Sie ist unteilbar und durch Erbgang nur auf einen Erben übertragbar.
10. Zur Bestreitung der Kosten und Schaffung eines Reserve⸗ fonds für etwaige Verluste erhebt das Reich eine Oedland⸗ steuer von 2 Proz. auf alles Privatland, das seit mehr als fünf Jahren nicht unter dauernder forstwirtschaftlicher, landwirtschaft⸗ licher oder gärtnerischer Kultur gehalten worden ist und zwar nach dem Werte, den der Eigentümer selbst angibt, der aber zugleich die Grundlage des Enteignungspreises bildet, wenn das Land für Kriegerheimstätten benötigt wird.
Büchertisch. Das„österreichisch⸗ungarische Rotbuch“ (Manz'sche K. u. K. Hof-Verlags⸗ und Universitäts- Buchhandlung Wien) enthält die Beziehungen der Doppel⸗Monarchie zu Italien in der Zeit vom 20. Juli 1914 bis 23. Mai 1915.
Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschaft.
Gottesdienst. Sabbat feier am 7. August 1915: reitag abend 7.35 Uhr. amstag vormittag 8.00 Uhr. Samstag nachmittag 4.00 Uhr. Sabbatausgang 8.50 Uhr Wochengottesdienst: Morgens 6.00,
Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen
abends 7.30 Uhr.
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1
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Aug. 8 Wetter
Barometer auf 0 reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigke Relative Feuchtigke Wind⸗ richtung Windstärke Grad der Bewölkung in Zehntel der sichtb. Himmelsfl
SW WSW still
8 10 10
Sonnenschein Regen Bed. Himmel
— D 0
— D 2 2 —
Höchste Temperatur am g. bis 4. Aug. 1915 18 Niedrigste„„„iir
mehr unter Hochdruckeinfluß stehen. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 6. August 1915; Wolkig bis heiter, trocken, etwas wärmer, Winde aus westlichen „
Letzte Nachrichten.
Es lebe der Friede um jeden Preis!
Madrid, 5. Aug. Der Madrider„Tero Espanol“ erfährt von einer aus Frankreich zurückgekehrten zuverlässigen Persönlichkeit, daßtrotzderstrengen Zensur dort Niedergeschlagen⸗ heit und Pessimismus immer weiter um sich greifen. Hier⸗ zu soll besonders ein Zwischenfall beigetragen haben, der sich Ge⸗ rüchten zufolge bei dem Besuche Poincarés an der Front zuge⸗ tragen habe. Der Präsident mit seinem Gefolge sei aus ver⸗ schiedenen Schützengräben mit dem Rufe begrüßt worden:„Es lebe der Friede um jeden Preis!“, was eine strenge Untersuchung und Bestrafung zur Folge gehabt und den Präsidenten veranlaßt habe, einen weiteren Besuch abzubrechen.
Köln, 4. Aug. Ein sehr zuverlässiger Gewährsmann der
„Kölnischen Volkszeitung“ gibt eine Unterredung mit einem ge⸗ bildeten Franzosen wieder, der 1 aus Paris gekommen war.
Er erklärte, bei seiner Ausreise habe er sofort gemerkt, daß die Franzosen nicht mehr Herr des elgenen Landes sind. Bei seiner Reise mußte der Franzose mehrmals seinen Paß durch Eng⸗ länder beglaubigen lassen, wobei es zu heftigen Auseinander⸗ setzungen zwischen den französischen und den englischen Beamten kam. Der Gewährsmann erklärt weiter, daß die Franzosen die Eng⸗ länder, diese kalten Egoisten, satt haben; überall werde auf England geschimpft. Der Engländer sei auf dem besten Wege, von dem französischen Volke verachtet zu werden, denn das Volk fühle lebhaft, daß es in diesem Kriege für die In⸗ teressen Englands blute, daß England diesen Krieg schonungslos mit französischem Blute führe, während es die eigenen Kräfte schont. Die Franzosen würden dieses Joch nicht lange mehr ertragen(2). Sie wollen Frieden um jeden Preis. Ein neuer Winterfeldzug sei bei der heutigen Volksstimmung ausgeschlossen; alsdann stehe die Revolution in Aussicht. 1 Bulgarien und der Vierverband.
Konstantinopel, 5. Aug. Die vom Vierverband an die bulgarische Regierung vorbereitete Note über Ab⸗ tretungen an Bulgarien wird nach Meldungen aus neu⸗ traler Quelle auf den Rat des Fürsten Trubetzkoi ver⸗ schoben, da die Aussichten sehr schlecht seien. Gleichfalls von neutraler Seite wird die Nachricht gebracht, daß Ru⸗ mänien beabsichtige, Manöver an der bessara⸗ bischen Grenze abzuhalten.
Französisches Kriegsmaterial für Rußland.
Daag, 5. Aug. Auf dringenden Wunsch Rußlands entsenden die Verbündeten mehrere große Transportschiffe mit Ereuzotkanonen, Munition und Gewehren nach Archangelsk. Der größte Teil des belgischen Artillerieparks soll auf dem gleichen Wege nach Rußland befördert werden. 0
General Rußki an das russische Volk.
Stockholm, 5. Aug. General Rußki, der Befehls⸗ haber der Petersburger Truppen, hat, wie„Stockholms Dagbladet“ meldet, an die Petersburger Arbeiterschaft eine Bekanntmachung erlassen, die sonderbarerweise von den russischen Zeitungen nicht gebracht wurde. Die Bekannt⸗ machung hat folgenden Wortlaut:
Auf den Schlachtfeldern kämpfen alle ausnahmslos tapfer gegen unsere Feinde. Leider wird dieses allgemeine Bestreben, die Deut⸗ schen zu besiegen, von vielen in den Petersburger Fabriken an⸗ gestellten Arbeitern nicht geteilt. Es sind dies jene Fabriken, in enen Kriegslieferungen hergestellt werden. Diese Arbeiter haben ihre Arbeit eingestellt. Ich versichere Euch, daß die traurigen Nachrichten von einem Streik schwer auf dem Herzen jedes russi⸗ schen Soldaten lastet. Ein Streik ist heute zutage nichts weniger als Verrat am Vaterlande. Ich erhielt den Auftrag, mit allen Mitteln gegen eine Ausdehnung des Streiks einzutreten.
Richard Kieppert f. ö
Berlin, 5. Aug. Nach dem„Berl. Tagebl.“ ist der Karto⸗ graph Prof. Dr. Richard Kieppert, der namentlich durch seinen Schulhandatlas und Karten der deutsch⸗afrikanischen Kolonien be⸗ kannt geworden ist, im Alter von 69 Jahren gestorben.
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Aus Bessen.
Die 3. Sitzung des Kriegsausschusses der Zweiten Kammer and te vormittag in Gegenwart der Regierungsvertreter; 3 v. Hombergk, Staatsrat Dr. Becker Ministerialrat Schliephake und Geh. Landesökonomierat Müller statt. Junächst wurde die Aussprache über die Frage der Versorgun der Bevölkerung mit Kartoffeln fortgesetzt. Man einigte sich schließlich auf folgenden vom Abg. Molthan eingebrachten Antrag:
Ich beantrage: 5 5 5
Die Kammer wolle Großherzogliche Regierung ersuchen 9
1. im Bundesrat dahin zu wirken, daß mit der Einbringung der neuen Kartoffelernte für das ganze Reich nach Art der Kar⸗ toffeln abgestufte Höchstpreise für Produktion und Handel mit dem Recht der Enteignung eingeführt werden, um die Volksernäh⸗ rung auf diesem wichtigen Gebiet zu sichern und insbesondere über⸗ mäßige Zwischengewinne zu verhindern;
2. die Stadtverwaltungen und Kommunalverbände zu ver⸗ anlassen, sich auf diesem Gebiet der Volksernährung durch geeignete Vermittlung zu betätigen. 4.
Zwei weitere den gleichen Gegenstand betreffende Anträge der Abg. Henrich und Ulrich wurden Großherzoglicher Regierung als Material überwiesen.— Längere Besprechung erforderte nach⸗ stehender vom Abg. Korell⸗Nieder⸗Ingelheim gestellter Antrag:
Um einen allgemeinen Ueberblick über den Ausfall der Ernte an Kartoffeln, Obst und Gemüse zu gewinnen und durch Bekannt⸗ gabe des Ergebnisses ebensowohl ungesunden Preistreibereien wis


