Ausgabe 
(23.7.1915) 171. Erstes Blatt
Seite
127
 
Einzelbild herunterladen

ttaltienischen Mißerfolge. In London sieht man für die Italiener am Isonzo das russische Schicksal in den Karpathen voraus. Russische Sündenböcke.

Berlin, 23. Juli. Nach einer Kopenhagener Meldung der Tägl. Rundschau seien im Verfolg der galizischen Nieder⸗ lagen 14 russische Generale und Stabsoffiziere ihres Postens enthoben und von dem Oberkriegsgericht in Petersburg unter Anklage gestellt worden. Der russischeRußkoje Slowo soll melden, es sei nicht mehr zu leug⸗ nen, daß bereits Petersburg bedroht werde.

Regierung und Volt in Rußland.

Berlin, 23. Juli. Der russische Kriegs minister und der Marineminister haben laut einer Meldung des Berliner Lokalanzeigers vom Zaren die Erlaubnis erhalten, in der ersten Plenarsitzung der Reichsduma nach Goremykin und Sasonowebenfalls aufzutreten. Die Reden werden jedoch lediglich den Passus enthalten, daß die Militär- und Marine⸗ verwaltung auf die Hilfe der Volksvertretung rechnen. Die Laga auf dem Kriegsschauplatz wird nicht berührt werden. Darüber wer⸗ den am Tage darauf beide Minister in einer geheimen Sitzung der Duma berichten. Auf Petersburger Befehl sollen sämtliche Schulen in Grodno nach dem bevorstehenden Ende der gegenwär

tigen Ferien nicht wieder eröffnet werden. 5 Petersburg, 22. Juli.(WTB. Niehtamtlich.) Die Petersburger Telegraphenagentur teilt mit, daß in Pe⸗ tersburg, Moskau und ganz Rußland auf Veran⸗ lassung des Heiligen Synods Bittgottesdienste für den Sieg der russischen Waffen abgehalten werden. ahlreiche Prozessionen durchzogen die Straßen, gefolgt von Ziehntausenden aus der Volksmenge, die andächtig beteten. 3 Petersburg, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung der Petersburger Telegraphenagentur. Ein Ukas des Zaren ordnet die Einberufung der Duma für den 1. August an. . Die russischen Finanzen. 3 Lyon, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) DerNouvel⸗ lliste meldet aus Petersburg: Der Finanzminister wird der Duma sofort nach Zusammentritt einen Gesetzesantrag unterbreiten, der die Staatsbank ermächtigt, eine wei⸗ tere Milliarde Rubel in Banknoten auszu- geben. 72 Flausen der französischen Presse. 3 Paris, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die Presse er⸗ klärt allgemein, der russische Rückzug sei ein wohlbe⸗ dachtesstrategisches Manöper, aber kein Sieg der ver⸗ bündeten Armeen. Die Kraft des russischen Heeres sei ungebrochen, 5 und es sei letzten Endes gleichgültig, ob die Schlachtfront weiter ostwärts verlegt werde, denn die Russen seien bereit, bei der ersten SHMeelegenheit wieder offensiv vorzubrechen. Die Räumung größerer

Gebiete und Städte, wie Warschau, habe weiter keine Bedeutung. Charakteristisch für die Auffassung der französischen Presse sind die Auslassungen derInformation, welche schreibt: Die Deut⸗ schen und Oesterreicher wissen genau, daß, wenn sie die Russen nur zurückdrängen, die Siege mehr scheinbar als wirkliche sind. . n dieser Weise räumten die Russen Galizien, ohne geschlagen zu sein. Ihre Armeen sind noch intakt. Deshalb unternehmen die Deutschen und Oesterreicher einen kühnen letzten Versuch, die kussische Front in Unordnung zu bringen, zu zerreißen und die Stücke einzeln zu schlagen. Aber die ru ffische Stellung itist heute besser denn je,. Wenn das deutsche Manöver nicht 702 Pit gehen die Deutschen einem furchtbaren Unglücke entgegen. Die französische Presse führt E aus, Hauptzweck der deut⸗ schen und österreichischungarischen Offensive sei, durch die Nieder⸗

ringung der Russen Truppen für große Operationen in Frank⸗ * frei zu bekommen. Ein solcher Erfolg werde den deutschen und österreichisch⸗ungarischen Waffen sicherlich nicht beschieden sein, wetl eben die russische Armee nur zum Rückzuge veranlaßt, aber nicht geschlagen werden könne. * Die Kriegskosten des Vierverbandes. Berlin, 23. Juli. Wie nach derDeutschen Tageszeitung Wiener Blätter berichten, stellen sich die Kriegskosten des Vierverbandes im Juni für England auf 2100, für Ruß⸗ land auf 1800, für Frankreich auf 1600 und für Italien auf 500 Millionen Franken, insgesamt also 6 Milliarden Franken, worin die Zinsen für die Kriegsanleihen noch nicht einbegriffen sind. * 3

5 Die Schlacht am Jsonzo.

49

8

Die seit dem 20. Juli erneuerten Kämpfe an der Isonzofront haben nach Ansicht derKöln. Zeitung einen schwereren Charakter. An verschiedenen FDrontpunkten habe sich der Widerstand der österreichischen Truppen gegen eine ziemliche Ueber macht zu behaupten.

5 Der italienische Bericht.

Rom, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Kriegs⸗ bericht von heute abend 7 Uhr. In Tirol und in Kärnten

die Lage unverändert. Auf der Isonzofront fuhr unsere DOffensive gestern fort, sich in der ganzen Zone bis zum Hoch- plateau des Karst zu entwickeln. Hier behaupteten wir nach der

Rückkehr der Offensive des Feindes, der unseren linken Flügel von der Isonzobrücke abzudrängen suchte, trobdem unsere früheren Stel⸗ lungen und drängen an einigen Punkten merklich vor. Neuerlich wurden viele Gefangene, etwa 500, gemacht und viele Waffen und

Munition erbeutet. Die Luftaufklärungen und die Aussagen der Gefangenen lassen erkennen, daß bei dem Feinde Verstär⸗ kungen eingetroffen sind, die nach den Erklärungen der Hefangenen selbst schleunigst und in aufgelösten Formationen an die Front geschickt wurden, um die äußerst großen Verluste des . auszugleichen. N General Cadorna. 8 Italien und die Türkei.

Rom, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence ani, DieTribuna hebt hervor, daß die italienische entlichleit mit berechtigter Unruhe und Erregung fragt, welches die Absichten der osmanischen Regierung seien, 8 sie bereits die sehr kritische Lage der Italiener in der Türkei 8 ver⸗ schärfe und verhindere, daß sie sich einschiffen kön⸗ neu, In gewissen Vilajets hätten die Behörden die Absicht, die Italiener in Konzentrationslagern zu internieren, nicht verheim⸗ licht. Außerdem führten jungtürkische Blätter in diesen n einen unaufhörlichen, zügellosen, unbenennbaren Feldzug gegen Italien was bie Erregung der osmanischen Bepölkerung nur erhöhen könne. Dieser Feldzug sei mit Einverständnis der Zenfur unternommen worden, die nach den Angaben der osmanischen Regierung handle. Endlich müsse man auch die zahlreichen Versuche von türkischen Offigteren und Sendboten nicht außer Acht. Bestre⸗ bungen der Senussi zu fördern und den Heiligen Krieg gegen

Italien zu predigen. Alles dies geschehe im Widerspruch mit den Versicherungen der osmanischen Regierung. DieTribuna schließt, es sei notwendig, daß dies aufhöre. Die osmanische Regierung müsse Rechenschaft ablegen, daß, indem sie diesen Tatsachen gegen⸗ über untätig verbleibe, sie die Verantwortlichkeit 1 die immer ernster erscheinen könne. Die Beziehungen zwi chen Italien und der Türkei seien, was Italien betresse, seit dem Eintritt in den europischen Konflikt nicht verändert. Man müsse wissen, ob die osmanische Regierung anderer Meinung sei.

DieIdeg Nazionale drückt dieselbe Meinung aus und greift Taten wirklicher Feindseligkeiten der Türkei gegenüber Italien heraus, die in Italien nicht geduldet werden könnten. Das Blatt drückt sein Vertrauen in die Regierung aus, daß sie die Frage der Beziehungen mit dem osmanischen Reiche erledigen werde.

Giornale d'Italia erinnert an die AngriffeHilals 2 Organs der Jungtürken und hauptsächlich Enver Paschas und einer österreichisch-ungarischen und deutschen Freunde), Das Blatt erklärt, da in der Türlei eine strenge Zensur bestehe, gehe die Pforte der osmanischen Presse in den Angriffen gegen Italien mit gutem Beispiel voran. Man dürfe sich darüber nicht wundern, auch nicht darüber betrübt sein. Aber man mütsse sich fragen, welche Ab⸗ sichten die Pforte gegenüber Italien habe. Wir wollen nicht, so schreibt dasGiornale d'Italia weiter, vorzeitig unbegründete Voraussagungen wagen. Aber da die un vermuteten Angriffe der osmanischen Presse in demselben Augenblicke erfolgen wie die Her⸗ ausforderungen gegen die Italiener und die Verletzung der Im⸗ munität der Konsuln, so geben sie uns doch den Eindruck eines vorbedachten Planes, dessen Ziel und Wirkungen wir abwarten wollen. Das Blatt schließt mit der Feststellung, daß die italienische Presse mit ungetrübtester Ruhe der Türkei gegenüber verbleibe, während die osmanischen Behörden den Italienern zusetzen und die jungtürkische Presse sich gegenüber Italien aggressiv verhalte.

Die Kämpfe an den Dardanellen.

Konstantinopel, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der Thronfolger Prinz Jussuf Izeddin hat gestern von der Dardanellenfront folgende Depesche an den Sultan gesandt: Ich besuchte alle Teile des Kriegs⸗ schauplatzes und sah dort von Seite der Truppen Seiner Majestät alle erdenkliche Ausdauer und Tapferkeit und erlaube mir, Seiner Majestät zu melden, daß alle Offiziere und Mannschaften unter großem Eifer ihre heilige Pflicht erfüllen und Seiner Majestät ein langes Leben und dauernde Gesundheit wünschen. Der Sultan hat gestern darauf ge⸗ antwortet, drückte seine Genugtuung und seinen Stolz aus und wünschte den Truppen weitere Erfolge.

Beschießung offener kleinasiatischer Küstenstädte.

Konstantinopel, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Nach Privatnachrichten feuerte ein feindliches Kriegs- schiff am 19. Juli in Widerspruch mit den völkerrechtlichen Bestimmungen etwa 20 Granaten auf die unbefestigte Hafen- stadt Fenike, südwestlich Adalia ab. Ein anderes Schiff beschoß den Hafen von Uts auch gegen eine Gruppe von Frauen und Kindern wurden Granaten geworfen. Zwei griechische Untertanen wurden verwundet. Andere Verluste oder abschätzbare Sachschäden

sind nicht eingetreten. geh 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Eine der bel⸗ ischen Regierung nahestehende Gruppe von fäh renden Vlamen veröffentlicht ein Manifest, in dem

8* 8 Die Selbständigteit Flanderns.

sie bei aller Betonung ständigkeit und 15e b

anderns fordert. Das Ma⸗ nifest begrüßt die vlamische Bewegung, die auch nach dem Kriege sortdauern werde.

2 2 8 1

England entschuldigt sich bei Norwegen.

Kristiania, 22. Juli.(WTB. Ni tamtlich.) Meldung des Ritzauschen Bureaus. Der britische Minkster des Aeußern hat am 20. Juli dem norwegischen Ge⸗ sandten in London eine Note zugestellt, in der er sein Bedauern ausspricht, daß die Verzögerung der Antwort auf die Noten des Gesandten wegen der Neutrali⸗ tätsverletzungen nicht habe vermieden werden können. Er sei aber dessen sicher, daß die norwegische Regierung diese Verzögerung nicht als ein Zeichen dafür ansehe, daß die britische Regierung nicht mit dem größten Kummer und Bedauern jede Verletzung des norwegischen Seegebietes betrachte, die durch die Unachtsamkeit von britischen iffen begangen sein sollte. Die Korrespondenz mit den Schiffen, die in den nördlichen Gewässern die Aufsicht ausüben, müsse notwendigerweise Zeit in Anspruch nehmen. Dieses sei ohne Zweifel der Grund dafür, daß bisher nur über einen Fall ein 1 von der betreffenden Marinebehörde eingegangen sei, nämlich über den Fall des DampfersPallas, der von einem bewaffneten Fischdampfer an einer Stelle ge⸗ lapert wurde, die, wie der Minister des Aeußern bedauere mitteilen zu müssen, ohne Zweifel innerhalb des norwegi⸗ schen Seegebietes liege. Der britische Minister des Aeußern erklärt, daß er, nachdem er dieses erfahren habe, sich beeile, den Gesandten zu ersuchen, der norwegischen Regierung zu versichern, daß die britische Regierung das Vorgefallene tief bedauere. Der Minister fügt hinzu, er habe die Admirali⸗ tät ersucht, der Flotte einzuschürfen, vor der norwegischen Territorialgrenze die größte Achtung zu zeigen.

Australien und der Krieg.

London, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Im australischen Repräsentanten⸗ hau 11 erklärte Premierminister Fisher, der* habe Austra⸗ lien bis Ende Juni 30 Millionen Pfund Sterling

lostet. Von der Reichsregierung habe Australien 15½ Millionen Pfund Sterling erhalten und es werde noch weitere 5 Millionen bekommen. Der Generalanwalt Hughes führte aus, dieser Krieg ei ein Krieg von Blei, Zink und Kupfer. Ber der Peherrschung

s Metallmarktes durch die Deutschen sei es nicht genügend, die gegenwärtigen Kontrakte zu lösen, um zu verhüten, daß Deutsch⸗ land die Kontrolle über den Metallmarkt wiedergewinne. Es sei nötig, in Australien einen Metallmarkt unter der Kontrolle der Regierung ins Leben zu rufen.

unwürdige Behandlung des Gouverneurs von Samoa.

Berlin, 23. Juli. Bekanntlich wurde der Gouver⸗ neur von Samoa, Dr. Schulz, seit Oktober v. J. auf der Insel Notuiki bei Auckland(Neuseeland) mit 16 anderen Gefangenen von Samoa interniert. Für Dr. Schulz ist das rauhe Klima der an und für sich vielleicht gesunden Insel geradezu gesundheitsgefährlich. Er ist, wie dieKreuz- zeitung mitteilt, mit den anderen Gefangenen, Handwer⸗ kern, Seeleuten usw. in einer etwa 240 Quadratmeter großen, sonst als Aufenthaltsort von Kranken bestimmten Baracke untergebracht, die in Verschläge eingeteilt ist. Seinen Ver⸗ schlag muß der Gouverneur selbst reinigen. Für eine einiger⸗ maßen angemessene r ist nicht gesorgt. Dazu ist der Gouverneur überall Quälereien derGentlemen ausgesetzt. Das genügt wohl, sagt dieKreuzzeitung, und bedarf keines Kommentars. Wir hoffen aber bald von

chakide an derselben Küste;] Nun

ihrer Ahaner die völkische Selb⸗ 8 b 98

London, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich. Frage erklärte Mac Namara, daß bis zum 8 1 neutrale Schiffe durch deutsche unter boote und Minen zerstört worden seien. Bonar L dankte den Untertanen aus den Kolonien, welche mit! Franzosen an den Dardanellen kämpften. 5 1 Genf, 22. Juli.(Ctr. Frkft.) Wie dieFrkft. Ztaus zuverlässiger Quelle erfährt, wird das franzö 119 Fer;Ibule seit dem 23. April vermißt. Es ist bisher keinerlei Nachricht wieder von ihm eingelaufen, so daß an dem Untergang des Vootes nicht mehr gezweifel 1 12 22. Juli.(BTW. Nichtamtlich 1 openhagen, 22. Juli.. Nichtamtlich.) dung des Ritzauschen Bureaus. Der dänische Charlotte landete in Fredericshavn die Besatzung 22 norwegischen GaleasseNordlyset, die am Montag bei Kap Lindesnaes durch ein deutsches Unterseeboot in Brand geschossen worden war. DieNordlyset war mit Grubenholz von Arendal nach Granton unterwegs. (Das Schiff hatte also Bannware an Bord.) 3 Berlin, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich) Einer Reuter⸗ meldung zufolge teilte Mae Namara im Unterhause mit, daß das am 2. Juli in der Ostsee von einem englischen Unterseeboot ver⸗ senkte Linienschiff derDeutschland-Klasse das Linienschiff Pommern gewesen sei. Hierzu wird uns von zuständiger, Stelle mitgeteilt, daß in der Ostsee bisher Überhaupt kein deutsches Kriegsschiff durch ein feindliches Unterseeboot zum Sinken ge⸗ bracht worden ist.

Uriegsbriefe aus dem Westen.

Von unserm Kriegsberichterstatter.. (unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, nerbuten)

gleich, alle

chritt aufwärts Mann

Mann verteidigt worden, en

14

*

hämmert und die Menschen erschreckt, ohne ihnen jemals sichtbar

u werden, scheint hier Wirklichkeit zu sein, nur ist eine ganz ompagnie solcher Baumschläger aufgestanden. Penk ang ämmern ohne Unterlaß die Geschosse, die von der drug ee J

tellung herüberschwirren, gegen die Stämme. Oft auch ist ein

fremder Ton in dem sonst so eintönigen mörderischen L

eine Kugel gegen den harten Porphyr schlägt 9 7

p

bildet. Namentlich vomAussichtsfelsen N ständig unter Feuer hat, hallen, ein weites E Prellschüsse. Es ist Zeit, in Deckung zu gehen, Bereiche der französischenLufttorpedos, jener g 0 Minen, die mit drei Steuerschwänzen versehen sind. Ein 5 dc einer solchen, der dicht neben einem Unterstand liegt, zeigt, wie der ewige Kampf zwischen Schutz und Trutz auch in diesem Kriege vorwärts geht. Der Unterstand hat der unmittelbar neben ihm mit der einem schweren Artilleriegeschoß gleichenden Kraft erfolgten Explosion standgehalten, sie hat ihn nicht erschüttert und kaum äußerlich beschädigt. Nahe bei ihm steht ein entladenes, blind niedergegangenes Lufttorpedo auf seinen drei Flügeln als Papier⸗ korb aufgestellt, und solchem Blindgänger mit dem 1Papier und Abfälle bitte hier einzuwerfen bin ich mehrfa Die ohnmächtigenTorpedos müssen sich den Spott gefallen lassen, in Netz von Wegen, scheinbar nicht zu entwirren, führt nach der vordersten Stellung. Aber man findet sich leicht zurecht, da jeder Hauptweg seinen Namen und sein Straßenschild nach einem Siege der hier liegenden Truppen hat. Da ist der.. die Celfesstraße, die Sengernstraße das war ein schöner Erfolg 8 die Einnahme von Obersen mit 157 unverwun Gefangenen, die Casinostraße, die nach dem Casinoberge bei Markirch heißt, wo am 8. und 9. August e Kräfte in affen 10 mehr als einer Brigade weichen und 983 Tote zurück⸗ assen mußten.

Tief eingeschnitten führen die Wege durch den roten, wie mit einem Messer glatt ausgeschnittenen Porphyr: über* hat man den gespenstischen, von Granaten ausgeholzten und versengten Wald, der statt Wipfel zuweilen Riesenpinsel aus Splittern gegen den blauen Himmel streckt. Und nun sind wir ganz vorn.Leise sprechen, leise gehen! 8 3

Der Feind ist hier nur fünf Meter von uns entfernt, er hört jeden Schritt, jedes Wort. Und ganz genau wie hier bei uns Späh⸗ vosten bei Spähposten hinter Jüöblernen Schußschilden steht, die Flinte im Anschlag und neben sich die Nische mit den wurfbereiten Handgranaten, so stehen vor uns in Sprechnähe die Franzosen auf der Wacht, bereit, auf das kleinste Geräusch hin Handgranaten in den Graben zu werfen oder hinein zu cen Das letztere tun sie sowieso. leine Minute wird es still, und in das stän⸗ dige Hämmern, Klatschen und Knallen der Gewehreinschläge tönt bald rechts und bald links der Knall einer platzenden H. tate. Hier Tag und Nacht, in engster Fühlung mit einem wachsamen Feinde und dem nimmer schlafenden Tode auszuhalten, dazu ge⸗ hören Heldennerven. Der Mann, der seine langen Beine aus dem Unterstand herausstreckt, in dem er nach der Nachtwache den Schlum⸗ mer des Gerechten träumt, mag sie wohl haben. Ich steige chtig über seine dickbesohlten Pedale, um ihn nicht zu stören. b

Die Unterstände, hier ziemlich 4 den Felsen gehauene Kammern sind mit all der Liebe und Ordnungssinn gebaut, mit der sich der deutsche Soldat im Felde seine Ice benutzten Wohnungen einrichtet. An Holz für Betten, Tische, Bänke, hat es hier oben nicht gefehlt. An den Wänden und Tüten 1 5 a Bilder aus Zeitschriften, Kriegsansichten, Postkarten mit 1 Heimatsorte und oft die Photographie der Liebsten, mit einem Kranze von Bergblumen und Wasgaugrün umrahmt. Selbst die Sandsäcke sind mit Malereien und Inschriften perziert.O Geb⸗ weiler, teure Heimat, wie bist du nah, wie bist du fern! hat ein 1 9 Reservist auf seinen Unterstand geschrieben. Man kann die Dächer von Gebweiler von der Höhe sehen, aber den Mann hier oben trennt im Kriege eine Welt von der Vaterstadt. Stünde er in Galizien, er wäre ihr nicht ferner. 3

Nach und nach ist man das Lied der schwirrenden und ein⸗ chlagenden Geschosse so gewohnt, daß man es kaum mehr hört, und

inn wirkt, hier wie überall, die Vorstellung, daß man in Deckung ist. Aber das trügt. Plötzlich kracht neben meinem 1 5 Stein, daß mir die Körner um die Ohren spritzen, und matt fällt ein kupfernes Ding, wie eine kleine vielgezackte Koralle auf den Grund des Grabens. Es ist ein zerfetztes was Infanteriegeschoß, das noch glühend heiß ist.Das war sagt gleichmütig der nächste Horchposten. d ehe wir frag können, wer das ist, schwirrt einem meiner leiter eine

Gegenmaßregeln zu hören. 5*

111

über den Kopf, und der Inhalt eines zerschossenen San rieselt über seine Schulter.Das war wleder 8 und Augnst nennen ünsere Soldaten zwei fr