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80 N„ h bis spät unermüdlich in bestimmte Graben⸗ chießen, wahrscheinlich nur zu dem Zweck, Be⸗ eugen, oder um die Nerven ihrer Kameraden stärken. mil heißt es, daß er Sandsäcke erlegen wolle, und August decke die schwere deutsche Artillerie zu. Sehr tragisch wird ihre Tätigkeit also nicht genommen. Zuweilen wird sie ogar begrüßt. Denn wenn ein französisches Geschoß in be⸗ mmtem Winkel auf einen der stählernen Schutzschilde aufprallt, 3 0 sich das Kupfer zu einem eigenartig schönen, einem Laub- blatte ähnlichen Gebilde zusammen. Diese kupfernen Blätter werden von unseren Soldaten eifrig gesammelt, um als Kriegs- andenken nach der Heimat geschickt und zu Broschen verarbeitet zu werden. Zuweilen freilich springt solch ein Prellgeschoß mit e Kraft in den Graben und kann dann Unheil genug an— Durch das Spiegelglas den Kopf über den Praben
bschuitte hinein higung 2 1 on
— niemand könnte es wagen, hier zu erheben— sehen wir die fran⸗
5 Piutt⸗ Linie, die so dicht vor uns ist, daß die Franzosen zuweilen
riefe und Zeitungen herüberwerfen. Es ist ein überraschender Anblick: Man glaubt zunächst, nichts anderes als die eigene Stel⸗ lung im Spiegelbilde zu sehen. Ganz wie bei uns, 5 steht auch dort drüben Spähposten neben Spähposten, den Lau der Flinte in der Scharte des Stahlschildes, ganz wie bei uns sind Block⸗ häuser und Sappen noch um einige Fuß vor den vordersten Graben getrieben und eine Hecke, dichter als je hier oben Him⸗ beeren und Waldbalsaminen sie gebildet haben, ist jetzt aus Stachel⸗ draht zwischen den beiderseitigen Stellungen gewoben, so undurch⸗ dringlich, als hätten in diesem Werk Freund und Feind um die Wette geschafft. Nirgends aber, auf der ganzen breiten Stellung des Hartmannsweiler Kopfes. haben die Franzosen das, worauf es für sie ankam, die Höhe, die den Blick in die Ebene bis zum Rheine verstattet.
An den„Jägertannen“ vorbei führt unser Weg. Sie waren einmal, aber hinfort werden hier alle Tannen das Ehrenlied von den Jägern raunen. Um den„Aussichtsfelsen“, den die
Franzosen besonders eifrig beschießen, oder der doch die meisten ihrer Kugeln mit seiner Gratwand auffängt, machen wir einen
Bogen. Am„Rehfelsen“ war der französische Artillerie-Beob⸗ achtungsstand. Er war glänzend gewählt. Wie auf einer Land⸗ karte sieht man die oberelsässische Ebene, sieht man zenseits des Silberbandes des Rheines den Breisgau unter sich. Drüben rüßen die hohen Gipfel des südlichen Schwarzwaldes. Von 1 konnten die Franzosen das Ziel ihrer Sehnsucht weit über⸗ chauen, bis zu dem Tage, wo ein schwerer deutscher Volltreffer mitten in den französischen Beobachtungsstand geschlagen ist. Zwei neee Massengräber und eine Anzahl deutscher und fran⸗ zösischer Einzelgräber liegen nebenbei im Waloschatten. 5 Auf dem vordersten Vorsprung des Rehfelsens haben jetzt die Sieger den gefallenen Kameraden ein schlichtes Denkmal errichtet, eine spitze Pyramide aus Steinblöcken, zwischen die Artilleriegeschosse eingemauert sind. Eine Tafel soll folgende Verse eines Mitkämpfers tragen: Der Hartmannsweiler Kopf, der war Vom Feind genommen ein. Wer'n wiederholt, das war nun klar: 5 Es mußten Jäger sein. N Und Jager nahmen ihn zurück Mit sieggewohnter Hand.. Dem Feinde sperrten sie den Blick 8 Auf deutschen Rheines Strand. 8 wird nach dem Kriege nicht mehr einsam sein, der Hart⸗ mannsweiler Kopf, der ein großer Friedhof auf seinen Hängen und eine starrende Festung auf seinem Gipfel geworden ist. Jahr⸗ nderte mögen über ihn hinweggehen. Kein Sturm wird die unstbauten wegwischen, die Menschenhände in diesem Kriege dort oben angelegt haben, diese in Porphyr geschnittenen Schlltzen⸗ 8 und Unterstände. Sie werden da oben, auf der klaren erghöhe, Denkmäler des Völkerringens bleiben, zu denen der Vogesenwanderer pilgern wird, um sie staunend im wieder zu⸗ wachsenden Walde aufzusuchen, wie er früher zu den Heiden mauern auf dem Tännchel und dem Odilienberg oder zu den wehrhaften Burgen von Rappoltsweiler gepilgert ist. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. —
Ein allgemeiner Ausstand in der spanischen
Handelsmarine.
Paris, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Temps“ meldet aus Madrid: Ein allgemeiner Ausstand der Offiziere und Matrosen der Handels- marine wird amtlich bekannt gegeben. In Barcelona und Bilbao ist die Lage besonders ernst.
Aus Stadt und Cand. Gießen, 23. Juli 1915.
Kriegsteilnehmer und Invaliden⸗ und Hinterbliebenen-Versicherung.“)
Die der Invalidenversicherung angehörenden Kriegsteilnehmer, die infolge einer Verwundung oder We werden, haben neben den auf Grund der militärischen Fürsorgegesetze ge⸗ währten Bezügen Anspruch auf Bewilligung einer aus Mitteln der ee. zu zahlenden Invaliden⸗ rente, vorausgesetzt, daß sie die Wartezeit— regelmäßig zwei⸗ hundert Beitragswochen— erfüllt und die N aufrecht erhalten haben. Diese Rente wird ohne Rücksicht auf das Lebens⸗ alter jedem versicherten Kriegsteilnehmer gewährt, der nicht mehr imstande ist, durch eine Tätigkeit, die seinen Kräften und Fähig⸗ keiten entspricht und ihm unter billiger Berücksichtigung seiner 2 18⸗ bildung und seines bisherigen Berufs zugemutet werden kann, ein Drittel dessen zu erwerben, was körperlich und geistig gesunde Personen seiner Art mit ähnlicher Ausbildung in derselben Gegend zu verdienen pflegen. Ist die Invalidität dauernd, so be innt die Invalidenrente mit dem Tage des Eintritts der Invalidität. Ist in absehbarer Zeit Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit zu erwarten, so beginnt die Rente erst dann, wenn die Invalidität ununterbrochen 26 Wochen gedauert hat(8 1255 R. V. O.).— An⸗ sprüche auf Gewährung der Invalidenrente sind bei dem Ver⸗ sicherungsamte bezw. der Bürgermeisterei anzumelden, in dessen t„ eee zur Zeit des Antrages wohnt oder be⸗
igt ist. N. 312 Die Hinterbliebenen von Kriegsteilnehmern, die der reichsgesetzlichen Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung an⸗ gehört haben, haben neben den auf Grund der militärischen Fier n Bezügen Anspruch auf Bewilligung von interbliebenenbezügen., 83 2
Witwenrente wird gewährt, sofern die Witwe invalide, d. h. nicht mehr imstande ist, durch eine Tätigkeit, die ihren Kräften und Fähigkeiten entspricht und ihr unter billiger Berücksichtigung ihrer Ausbildung und bisherigen Lebensstellung zugemutet wer⸗ den kann, ein Drittel dessen zu erwerben, was körperlich und 0
istig gefunde Frauen ihrer Art mit ähnlicher Ausbildung in der⸗ 125 Fegend 2259 Arbeit zu verdienen pflegen. Bei dauernder Invalidität beginnt die Witwenrente mit dem Tage des Eintritts der Invalidität. Ist in absehbarer Zeit Wiederherstellung der Er⸗ werbsfähigkeit zu erwarten, so beginnt die Witwenrente erst nach 26wöchiger ununterbrochener Dauer der Erwerbsunfähigkeit. Liegt Parc 0 9*[ 3 15 21 Erlaß eines An- wartschaftsbescheides auf Rente beantragt werden.. Waisenrente erhalten nach dem Tode des versicherten Va⸗ ters seine ehelichen Kinder unter 15 Jahren. a 4 AJst die Witwe selbst versichert und hat auch sie die Wartezeit erfüllt und die Anwartschaft aufrecht erhalten, so werden auf An⸗ trag gewährt: ein einmaliges Witwenge lb für die Witwe und Waisenaussteuer für Waisen bei Vollendung des 15. Lebens-
es. f f . Anträge auf Gewährung dieser Hinterbliebenenbezüge
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i dem für den letzten inländischen Wohn- oder Beschäfti⸗ . des erstorbenen zuständigen Versicherungsamt bezw. der rgermeisterei zu stellen. Nachdruck mit Quellenagabe gestattet. Die Red. 3 8
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Die zweite nn im Stadt- theater. Wie aus dem Berichte über die gestrige Sitzung der Stadtverordneten hervorgeht, hat man einstimmig be— schlossen, dem Stadttheater auch diesmal die Aufrechterhal— tung des Spielbetriebs zu. Theaterausschuß und Theaterbauverein hatten den Antrag gestellt, die einmal gewährte Garantiesumme von 10000 Mk., die aller- dings bekanntlich nicht in Anspruch genommen werden mußte, wieder bereitzustellen und ferner die Kosten für Be— leuchtung und Heizung auf die Stadt zu übernehmen. Weiterhin soll der Direktor berechtigt sein, am Funduswerte eine zweiprozentige Abschreibung vorzunehmen. Gespielt soll an Sonntagen und an zwei Wochentagen werden, voraus- sichtlich Dienstags und Freitags. Die Spielzeit soll am 1. Oktober beginnen und bis zum 31. März 1916 dauern. Diesen Vorschlägen stimmte man gestern einstimmig zu, was um so leichter fallen mußte, als in der vorigen Spielzeit diejenigen, die das Durchhalten auch für unser Theater befürwortet hatten, vollkommen recht behalten haben. Man wird es in der Bürgerschaft von Herzen willkommen heißen, wenn auch in diesem Jahre eine wür— dige Gelegenheit geboten wird, ein oder zweimal in der Woche die Spannung und die Lasten des Tages unter der Wohltat einer künstlerischen und Ai oder auch auf— heiternden Unterhaltung, abzustreifen und Mensch unter Menschen zu sein, d. h. sith wieder daran zu erinnern, daß auch der privilegierten Geselligkeit Aufgaben wichtiger Natur zukommen. Wenn man sich an den Erfolg erinnert, den in der vorigen Spielzeit das Theater in dieser Be— ziehung zu verzeichnen hatte, wird man es namentlich auch begrüßen, daß die Pforten des Theaters sich diesmal schon einen Monat früher als 1914 öffnen sollen. Aus⸗ schlaggebend bei der Aufnahme der Neuigkeit dürfte weiter⸗ hin der Gedanke sein, wieviel Tausenden von Soldaten die Möglichkeit guter und bildender Unterhaltung eröffnet wird. Freilich wird es noch mehr Mühe als in der Spiel— alt 1914/15 kosten, den Spielplan den veränderten Ver— älknissen anzupassen. Eine Auswahl an männlichem Per— sonal ist diesmal noch weniger vorhanden als damals, und auch die technischen Hilfskräfte dürften nach Zahl und Qua— lität noch weiter zurückgehen. Einstweilen wollen wir aber gerne die Hoffnung aussprechen, daß die Theaterleitung die Wiedereröffnung unseres Musentempels nicht beantragt haben würde, wenn sie nicht das Vertrauen hätte, auch die zweite Kriegsspierzeit zu einer Gießens würdigen gestalten zu können.
Auszeichnung. Dem Oberapotheker der Reserve im 24. Reservekorps, Caesar, wurde das Eiserne Kreuz verliehen.
Fischnahrun g. Am Montag und Dienstag fand, wie schon lurz mitgeteilt, in der Aliceschule und in der städtischen Schulküche zum zweitenmal eine Anleitung im Kochen verschiedener Gerichte aus Klippfisch und KeFisch statt. Da die Beteiligung stärker war, als in der vorher⸗ gehenden Woche, und über die Schmackhaftigkeit der Gerichte allgemeine Anerkennung herrschte, so sollen am nächsten Montag lin der Aliceschule um 6 Uhr, Vergütung 50 Pfg.) und am nächsten Dienstag(in der städtischen Schulküche um 8 Uhr, unentgeltlich nochmals Unterweisungen mit Abgabe von Kostproben stattfinden. Zugleich wird an beiden Stellen das Kochen im Kochbeutel, der hier noch so wenig bekannt ist, und die Anfertigung eines solchen gezeigt werden. Der spätere Anfang am Dienstag ist gewählt wor⸗ den, um auch denjenigen uen und Mädchen, die durch Arbeit am Nachmittag verhindert sind, die Teilnahme zu gestatten. Wir verweisen im übrigen auf die Ankündigung im Anzeigenteil.
Der Vorrat an Dauerware, welche von der Stadt beschafft worden war, ist am letzten Mittwoch voll- ständig geräumt worden. Die zur Speicherung der Ware von der Stadt getroffenen Einrichtungen im städtischen Schlachthof sind vorzüglich geeignet, an Hand der nun ge⸗ sammelten rt Erfahrung in der Versorgußg der städtischen Bevölkerung mit wohlfeilen und guten; eisch⸗ waren im kommenden Herbst und Winter fortzufahren.
* Die Ortskrankenkasse hat* Kriegsaus⸗ bruch bis zum 1. Juli d. Is. an Kran enunterstützung 18 602 Mk., an Sterbegeld 1640 Mk., im ganzen 20 242 Mk. ausgezahlt. Im ganzen kam diese Unterstützung 982 Fa⸗ milien oder Mitgliedern zugute.
* Lohndreschereiund Landwirtschaft. Mit Rücksicht auf den baldigen Beginn der Drescharbeiten sendet und der Verband Hessen⸗Nassauischer Dampf⸗ dreschereien eine Betrachtung über die Schwierigkeiten, die auch diesem Gewerbe durch die Kriegszeit erwachsen. Demnach würden sich für die Folge die Kosten für den Ausdrusch, die bisher etwa 6—8 Mk. pro Stunde betrugen, um 30- 40 Proz. erhöhen.
Kreis Friedberg.
l. Bad⸗Nauheim, 22. Jult. Die Wohltätigkelts⸗ Veranstaltung auf der Kurhausterrasse am ver- gangenen Mittwoch hat unter einem guten Stern gestanden. Das Wetter war prächtig und der Besuch der Terrasse, sowohl nach⸗ mittags wie abends, derartig gut, daß er alle Erwartungen über- tras. Dle Vesucher waren durchweg in vorzüglicher Gebelaune. Junge Mädchen verkauften srische Nosen und originelle Künstler⸗ Hessenpostkarten, und es entwickelte sich sehr rasch ein außerordent- lich lebhaftes Geschäst, zu dem die Kurkapelle und die Landsturm— kapelle abwechselnd ihre Weisen ertönen ließen. Bei einbrechender Dunkelheit erstrahlte die Kurhausterrasse im Glanz farbiger Papier- laternen. Auch die Bäume unten im Park hatten sich mit ihnen geschmückt und die breite Wiese vor dem Kurhaus war mit vielen bunten Lämpchen besetzt. Es war ein wunderbar schönes Bild, an dem alle Anwesenden sich ergötzten, nicht zum wenigsten unsere Jeldgrauen, die in großer Anzahl erschienen waren und reich mit Rosen beschenkt wurden. Auch das Theater hatte sich mit einer Vorstellung von Sudermanns„Johannissener“ in den Dienst der guten Sache gestellt. So können denn den verschiedenen Wohl- tätigteits vereinen hübsche Summen zugewendet werden.
Starkenburg und Rheinhessen.
„ Fürth ei. Odenw., 21. Juli. Dem Oberleutnant der Re- serve des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 118, derzeit im Ersatz⸗ Bataillon, Dr. jur. Willy Peppler, emem geborenen Gießener, Sohn des ebene Gerichts vollziehers Peppler, wurde von der Herzogin von Sachsen⸗-Meiningen das Ehrenkreuz für Ver⸗ dienste im Kriege 1914/15 verliehen. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse hat er schon früher erhalten.
eb. Aus Rheinhessen, 23. Jult. Die Reben wie auch die Trauben sind in der Entwicklung so gut vorangekommen, daß sie nach wie vor gute Aussichten geben. Nicht überall ist der Be⸗ hang gleich zufriedenstellend, doch würde man überall zufrieden sein, wenn die an den Stöcken hängende Menge eingebracht werden könnte. Allerdings dürste dann der Sauerwurm gar keinen Schaden anrichten, und das ist bei dem starten Austreten dieses Schädlings doch wohl ausgeschlossen. Tte verschiedenen Bekämpfungs⸗ arten wurden aufgenommen. Im Weingeschäft ist ständig Leben. Gerade die kleineren und mittleren Weine werden zu verhältnis- mäßig hohen Preisen abgenommen.
Kreis Wetzlar. O, Hohensolms, 22. Juli. Der Taglöhner Quandt machte seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Hessen⸗Nassau.
h. Frankfurt a. M., 22. Juli. Im Stadtteil Oberrad
wurde heute vormittag an der jungen Frau des Bureaubeamten
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Keller ein Mord perübt. Der Täter drang in die Wohnung der Leute ein und stach die Frau, die in der Küche beschäftigt war, mit einem Messer nieder, so daß der Tod nach kurzer Zeit durch Verblutung eintrat. Als Täter wurde heute mittag der Sohn des Bezirksvorstehers Gaß aus Niederrad ermittelt und in einer Wirt⸗ beat nach aßen Widerstande verhaftet. Aus welchen Grün⸗ en der Gaß, von dem sich seine Angehörigen seines lockeren Lebenswandels wegen schon lange losgesagt hatten, die Frau erstochen hat, konnte noch nicht ermittelt werden.— Auf dem hiesigen Hauptbahnhof laufen seit einigen Tagen wieder 240 Züge ein und 240 Züge aus. Zu Anfang des Krieges betrug die Zahl aller ein⸗ und ausfahrenden Züge etwa „in den letzten Tagen vor dem Kriegsausbruch dagegen 756. b. Frankfurt a. M., 22. Juli. Um seinen Sohn von der Heerespflicht im Felde befreien zu können, schickte der Kaufmann Sally G. dem Bezirksfeldwebel 200 Mark zu. Der Feldwebel sollte dafür das„Nötige“ veranlassen. Der Feldwebel veranlaßte zwar das„Nötige“, aber beim Staats- anwalt. Vater G. wurde gestern wegen Bestechung von der Straf— kammer zu 1000 Mark Geldfslrafe verurteilt. Außerdem verfielen die 200 Mark der Staatskasse, und endlich verstand er sich zu der Zahlung einer größeren Summe an die Kriegsfürsorge. b Usingen, 22. Juli. Auf dem hiesigen Bahnhofe stieß eine Lokomotive mit solcher Wucht gegen einen stillstehenden Personenzug, daß von diesem ein Personenwagen aus den Schienen gehoben wurde und entgleiste. Von den Reisenden er— litten elf Verletzungen, darunter einer schwere. Nach Anlegung von Notverbänden konnten die Leute ihre Reise sortsetzen. Der Verkehr erlitt eine Unterbrechung von mehr als einer Stunde.
Aniversitäts⸗ Nachrichten.
Frankfurt a. M., 22. Juli. Die Zahl der für das Som⸗ merhalbjahr 1915 an der Universität eingeschriebenen Stu⸗ dierenden beträgt nunmehr endgültig 855, und zwar 684 Männer und 171 Frauen. Hiervon sind 142 Männer zum Heeresdienst be⸗ urlaubt. Außerdem sind zum Hören von Vorlesungen berechtigt 230 Personen 114 Männer, 116 Frauen). Mithin ist die Gesamt⸗ zahl der Berechtigten 1085. Von den Studierenden stammen aus Preußen 456 Männer und 124 Frauen, Nichtpreußen sind 228
1. Semester der Universität— sind 518 Männer und 100 Frauen immatrikuliert gewesen; davon sind 5 Männer verstorben und 68 Männer und 10 Frauen mit Exmatrikel abgegangen.— An der Universität sind bis jetzt folgende Verbindungen anerkannt: Jassp as Moenanig, Gothia, Teutonia, Chattia, Tuiskonia, asso-Nassovia, Staufla, Neopalatia und Marcomannia.
Teirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Samstag. den 24. Juli 1915: C 3 orgens: 8. hr. Predigt. Nachmittags: 4.00 Uhr. ie Sabbatausgang: 9.15 Uhr.
meteorologische Beobachtungen der St
tion Gießen.
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———— 0 2 2 S2 22 22 3 332 unn 8 F 55 2 3 22 5 0 3%„ S„ n Weuet 145 F S 5 5 5 44 5 8 22. 2% 746,6 22,4 8,9 44 s88E 2 5 Sonnenschein 22. 8% 744.9 19,4 9,4 56 SSW 2 3 28% 48,1 17, 11,0 76 8 8 Höchste Temperatur am 21. bis 22. Juli 1915 + 22,8 0. Niedrigste„ I.„ 2.„ 1915. 10%„ Niederschlag: 0.0 mu. —————— Amtlicher 9 Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Die westliche Depression dringt weiter in östlicher Richtung
nach dem Kontinent vor, so daß morgen unsere Wrtterlage von ihr beherrscht wird.
Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 24. Juli 1915: Bedeckt, Regenfälle, kühler, südwestliche Winde.
TLegßje Nachrichten. Gute Prise.
Stettin, 23. Juli. Wie die„Stettiner Abendpost“ aus Swinemünde meldet, wurden die amerikanische Bark„Dun⸗ hire“, von New York nach Stockheem, sowie der schwedische Dampfer„Zelos“, von Sundsval nach Lonsind und„Wan“ von Sera nach Preston unterwegs, im Swinemünder Hafen ein⸗ gebracht.
Die türkischen Operationen im Suezkanal.
Amsterdam, 23. Juli. Das Haager„Vaderland“ meldet aus Kairo: Es verlautet gerüchtweise, daß ein englisches Schiff im Suez⸗Kanal auf eine von den Türken gelegte Mine gestoßen sei. Man vermutet, daß die Minen im Kanal von irregulären Truppen ausgelegt werden. Ein anderes englisches Schiff wurde ebenfalls beschossen und seine Kommandobrücke von 50 Schüssen durchbohrt. J
Die Türkei und Italien.
Zürich, 23. Juli. Es ist kaum noch ein Zweifel, daß die Entente von Italien das Losschlagen gegen die Türkei fordert. Die italienische Regierung kann sich dieser Forderung um so weniger entziehen, als sie nach dem kläglichen Ausfall der Kriegsanleihe ganz auf die englischen Sub⸗ sidien angewiesen ist, die nicht ausgezahlt werden, bevor sich Italien nicht an der Dardanellenaktion beteiligt. Wie auf Kommando legt sich denn auch mit einemmal die italienische Presse ins Zeug, um den Beweis 2 führen, daß Italien von der Türkei herausgefordert wird. Der Mailänder Kor⸗ respondent der„Neuen Zürcher Zeitung“ schreibt, daß man ge⸗ flissentlich den Türken die Initiative zuschieben will. Alles, sagt er, deute daraufhin, daß man in den weitesten Volksschichten in Italien einem krieg mit der Türkei nicht sympathisch gegenüberstehe und nicht jene Begeisterung hervorrufen würde, wie derjenige gegen den„Erbfeind“ Oesterreich.
Italienisch-französisch-englische Unterhandlungen.
Athen, 23. Juli. Die Zeitung„Chronos“ meldet aus Mudros daß am letzten Dienstag neuerlich ein italie“ nischer Admiral dort geweilt habe und mit dem fran⸗ 5 chen und englischen Admiral über die Beteiligung italie⸗ nischer Linienschifse an den Operationen gegen die Dar⸗ danellen und an der Blockade der kleinasiatischen Küste unterhandelt habe.
Die Haltung Rumäniens.
Stockholm, 23. Juli.„Svenska Dagbladet“ schreibt: Da der Erfolg der Dardanellenoperation ausgeblieben ist, wird die Steklung Rumäniens von Tag zu Tag schwieri⸗ ger. Es müsse ein Beschluß gefaßt werden und viele Zeichen deuteten darauf hin, daß er zu Gunsten der Zentralmächte aus⸗ fallen werde. f
Bulgarische Schiffe von den Russen versenkt.
Sofia, 23. Juli. Une vorherige Verständigung be⸗ schossen zwei russische Torpedoboote in der Nähe von Mangalio an der rumänischen Küste das von
garische Regierung leitete eine Untersuchung ein.
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Männer und 47 Frauen. Im Winterhalbjahr 1914/15— dem
Konstanza gekommene mit Petroleum beladene bul⸗ * e Handelsschiff„Dewin“, das rasch sank ie Nachricht macht in Sofia den tiefsten Eindruck. Die bu
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