14 Erstes Blatt Der Sleßener Anzel kscheint täglich, a Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Siehener Famillendlätter;
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Jahrgang
Anzeiger
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Dienstag, 22. Juni 1015
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Der Mampf vor Lemberg.
Ein englischer Pan
(TB.) Großes Hauptquartier, 21. (Amtlich.) 5 Westlicher Kriegsschauplatz.
Gegen die Front nördlich Arras beschränkte sich der Gegner hauptsächlich auf Artilleriefeuer. Nur nördlich Sounchez ersolgte ein Infanterieangrif,, der von uns ab⸗ gewiesen wurde. Westlich Soissons scheiterte ein ver— einzelter nächtlicher französischer Vorstoß gegen unsere Stellung westlich Moulin⸗sous⸗tous⸗vents.
Am Westrand der Argonnen gingen wir zum Angriff über. Württemberger und norddeutsche Land⸗ wehr erstürmtens auf zwei Kilometer Frontbreite mehrere hintereinander liegende Verteidigungs- linien und fügten den Franzosen bei ihren vergeb⸗ lichen Gegenangriffen schwerste Verluste zu. Die Bente des Kampfes beträgt an Gefangenen 6 Offiziere, 623 . sowie 3 Maschinengewehre, 3 Minen— werfer.
Auf den Maashöhen richteten die Franzosen gegen unsere Stellungen an der Grand Tranchee, westlich Les Eparges, abends fünf starke Augriffe, die westlich der Straße in unserem Feuer zusammenbrachen. Oestlich der Straße drang der Gegner in Teile unserer Stellung ein; er ist zum Teil Fund. wieder verjagt. 70 Gefangene blieben in unserer
and.
Oestlich von Luné ville nahmen wir unsere über Gondrezon vorßeschobenen Vorposten vor überlegenen Kräften auf die Hauptstellung nordöstlich des Ortes zurück.
In den Vogesen wurden feindliche Angriffe im Fechttale und südlich blutig abgeschlagen. Nachts räumten wir zur Vermeidung unnützer Verluste planmäßig den Ort Metze ral, der von der französischen Artillerie in Trümmer geschossen ist.
8 Oestlicher Kriegsschauplag.
In Gegend nordwestlich Szawle und östlich der oberen Dubissa mißlangen mehrere zum Teil von stärkeren Kräften ausgeführte russische Angriffe.
Süböstlicher n
Die Armeen des Generalobersten v. Mackensen kämpfen um Lemberg und Zolkiew. Rawaruska ist in unserer Hand.
Westlich Rawaruska wurde der Feind gestern von deutschen N angegriffen und geworfen. l
m 19. und 20. Juni wurden auf dem Kampffelde zwischen Janow und nördlich Magierow rund 9500 Russen gefangen genommen, 8 Geschütze und 26 Maschinengewehre erbeutet.
Oberste Heeresleitung.
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Juni.
„Um Lemberg wird gekämpft“— das bedeutet zwar noch nicht den Fall der galizischen Hauptstadt, wie er durch unvermeidliche Gerüchte gestern vorzeitig verkündet worden ist, aber es bedeutet den folgerichtigen, unaufhaltsamen Fortschritt unserer Heere. Der Glaube erfüllt uns alle, daß Lemberg heute oder morgen fallen wird. Und dann ge⸗ denken wir gehobenen Herzens der Möglichkeit, die von einem englischen Offizier in einer Londoner Wochenschrift angedeutet wird, daß eine Million deutscher Soldaten im Osten frei wird, um gegen die Westgrenze Deutschlands zu ziehen! Wir wollen den Gedanken nicht weiter fortführen —., wissen wir doch nicht, ob die Heeresleitung zuvor andere, dringlichere Ziele verfolgt!— aber wir verweisen auf dieses neue, nachstehend mitgeteilte englische Zeugnis, das uns verrüt, wie wenig hoffnungsvoll die Lage unserer Feinde im Westen ist. Ist es doch, wie aus dem letzten Bericht der Obersten Heeresleitung hervorgeht, jetzt schon, bei der ver⸗ hältnismäßig schwach besetzten deutschen Front, gelungen, den Franzosen am Westrande der Argonnen durch einen deutschen Angriff mehrere zwei Kilometer breite Verteidi⸗ 1 abzunehmen und dem Feinde dabei schwere Verluste beizubringen!
Wo so viel Licht ist, muß auch Schatten sein, so denken einige Krittler, die auch im Frieden dem deutschen Volke 1 manche unruhige Stunde bereitet haben. In der 5 zipßiger Volkszeitung“ erheben drei Häupter der Sozial⸗ demokratie, die aber für sich selber, nicht für die Partei, Wie en ihre Stimmen, um gegen deutsche Eroberungs⸗ absichten Front zu machen! Daß der König von Bayern, und mit ihm 7 andere Patrioten, von dem größeren, wirtschaftlich erstarkenden Deutschland gesprochen haben, das nach dem Kriege in der Welt sein Recht finden müsse, hat diesen Herren anscheinend keine ruhige Stunde mehr ge⸗ lassen. Sie fordern die Sozialdemokratie auf, schon jetzt gegen die Grundlagen einer solchen Eroberungspolitik Ein⸗ sprache zu erheben. Bezeichnend ist folgender Satz in dieser F Erklärung Bernsteins, Haases und
autskys:
Wir wissen, daß Friedensbedin en, die von einer Seite der Kriegführenden der 5 werden, keinen wirklichen Frieden bringen, sondern nur neue Rüstungen mit dem Ausblick auf neuen Krieg bedeuten. Ein wirklicher und dauernder Friede ist nur möglich auf der Grundlage freier Ver⸗
„Freie Vereinbarung“! Es wäre ja recht nett, wenn darauf warten wollten, um die notwendigen Siche—
ei
rungen zu erreichen, die, nach Aussprüchen des Kaisers, des Reichskanzlers, nach Willen des Reichstags und des deutschen Volkes(mit ve reinzelten Ausnahmen) es verhüten müssen, daß auf unser land in absehbarer Zeit noch mals ein Angriffskrieg g rt werden kann. Und was wis—⸗ sen diese Unruhestifter n von deutschen Exoberungszie⸗ len! Ist es nicht selbstverständlich, daß bei so furchtbarem Kriege, dessen Ausgang bei den deutschen militärischen Lei— stungen als Sieg vor uns steht, im Volke auch einmal von Landzuwachs gesprochen wird, oder soll man lieber in die Anbetung des Ausländischen und die Internationale zurück⸗ fallen? Wir sind überzeugt, daß auch in der Sozialdemokratie das unzeitgemäße Gebaren dieser politischen Prinzipienreiter abgelehnt werden wird. Man braucht nur das im Verlag des„Vorwärts“ erschienene kluge Buch Dr. Eduard Da⸗ vids über den Krieg und die Sozialdemokratie zu lesen, um zu erkennen, wo die Ziele einer gesünderen Politik der So⸗ zialdemokratie liegen. Wir werden auf den Inhalt dieses Buches noch zurückkommen. Derselbe Kautsky, der jetzt mit seinen beiden Gesinnungsgenossen das Ohr des deutschen Volles in Anspruch nim hat bereits auch gegen Davids Buch Einspruch erhoben, s geeignet sei, die internatio- nale Verständigung zu er eren. Wir werden also der Ge⸗ dankenwelt dieses Wühlers der Besprechung der David—⸗ schen Darlegungen noch ei begegnen.
Wenn wir von einigen Krittlern sprachen, die dem Volke das Leben mitunter schwer machen, darf man auch vereinzelte Erscheinungen der rechten Seite des partei⸗ politischen Lebens nicht übergehen. Die Vorhaltungen, die heute von der„Nordd. Allg Ztg.“ gegen gewisse Treibe⸗ reien in der„Deutschen Tagesztg.“ gerichtet werden, und die wir nachstehend wiederge!
rechtigung. Unsere leitend Kreise haben bis jetzt wahrlich durch keinerlei zeichen verraten, daß ihre Absichten und Handlunge von Verzagtheit oder
Schwäche diktiert seien. Wenn ihnen jetzt die„Deutsche Tagesztg.“ etwas aufdringlich den Knüppel in die Hand drücken möchte und dies Gebaren sogar mit beleidigenden Ausdrücken begleitet, so ist dies ein Schauspiel, das vom deutschen Volke abgelehnt wird. Der deutsche Krieg zur See wird, so vertrauen wir, mit derselben Schneidig⸗ leit weiter geführt werden als bisher. Dazu ist es nicht er⸗ forderlich, daß wir uns mit Amerika leichtfertig über⸗ werfen. Angesichts des neuesten Erfolges eines deutschen „U.“ Bootes, das einem englischen Panzerkreuzer den Ver⸗ nichtungsschlag gegeben hat, dürfen wir von allen unerquick⸗ lichen Erörterungen über den deutschen Seekrieg wahrlich absehen.
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Ein klares Bild von dem, was hinter der russischen Front vorgeht, ließ sich bisher schwer gewinnen. Denn die Petersburger Regierung und ihre Vierverbandsfreunde, die den Nachrichtendienst der Welt beinahe ganz beherrschen,
sorgten dafür, daß alles Ungünstige unterdrückt wurde. Die] F
Vorgänge in Moskau aber und die unleugbar herrschende russische Kabinettskrise berechtigen zu dem Schluß, daß der wirtschaftliche und politische Zusammenbruch des Zaren⸗ reiches dem militärischen auf dem Fuße folgen wird. Der Rücktritt des Ministers des Innern Maklakow wird zwar durch alle Künste der Nachrichtenfärbung beschönigt, ja man läßt jetzt durchblicken, es handle sich„nur“ um Veruntreu— ungen von Ministerialbeamten, für die Maklakow einstehen müsse. Die Wahrheit ist, daß Maklakow als Hauptsäule der Kriegspartei dem Ansturm eines versteckten parlamentari— schen Vorstoßes weichen mußte. Zunächst war es der in Petersburg tagende Kongreß der Kaufleute und Indu— striellen, der an den Regierungsmaßnahmen und der Heeres⸗ versorgung schärfste Kritik übte, auf die unerträgliche Teue— rung, die ausbrechenden Unruhen und die furchtbaren Schläge des Feindes in Galizien hinwies und schließlich, wenn auch verblümt, nicht mehr und nicht weniger als eine teilweise Parlamentisierung des Kabinetts forderte, um den verfahrenen Karren des Krieges in das Geleise eines anzubahnenden Friedens hinüberzuretten. Unter den Kon— greßteilnehmern befanden sich sehr viele Parlamentarier, und damit man„oben“ auch wirklich merke, was dahinter steckte, taten sich die Dumaleute noch besonders zusammen, stellten dieselben„Wünsche“ auf und verlangten außerdem die sofortige Einberufung der Duma.
Das geschieht natürlich zunächst noch nicht. Zunächst wird nur der Eisenbahnminister Ruchlow dem rasenden See als zweites Opfer hingeworfen werden, weil er für die„Verkehrsstockungen“ verantwortlich ist. Unter„Ver- kehrsstockungen“ ist natürlich viel mehr zu verstehen, als das Wort besagt. Seit Monaten ist die Tätigkeit der russi⸗ schen Eisenbahnen fast gänzlich durch die Transporte und Lieferungen für die kämpfenden Truppen in Anspruch ge⸗ nommen. Ungeheure Massen von Lebensmitteln häuften sich daher an einzelnen Stellen und verdarben. Das Saatgut, das infolge der vorjährigen Mißernte in vielen Gebieten des Zarenreiches dringend benötigt wurde, ist infolge Versagens der Bahnzuführung ausgeblieben, von künstlichen Düngemitteln, die ausnahmslos vom Auslande bezogen wurden, und landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten ganz zu schweigen. Tatsächlich geht Rußland, das von seinen 60 landwirtschaftlichen Gouvernements laut Sta- tistik durchschnittlich schon acht Hungergouvernements im Frieden aufzuweisen hat, in diesem Jahre einer Hungersnot im größten Stile entgegen. Dazu kommt der Niederbruch
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erkreuzer torpediert.
aller vorhandenen Industrien durch den Kohlenmangel. Die englische Zufuhr an Kohlen ist ausgeblieben. Das polnische Kohlenbecken ist in deutschen und österreichischen Händen. Aus dem Donezbecken wird die Zufuhr infolge der Bahn⸗ stockungen immer spärlicher. Die Vorräte an Eisen sind auf⸗ gezehrt. Alles dies zusammen führt schnurstracks zum bal⸗ digen völligen Bankerott der russischen Wirtschaftsorgani⸗ sation, zu weiteren noch viel größeren Revolutidnen, als
man sie jetzt in Moskau erlebte, und schließlich zum poli⸗
tischen Umsturz.
Die Anzeichen des nahenden Zusammenbruchs konnten wahrscheinlich vor dem in Galizien kämpfenden russischen Heere nicht länger geheimgehalten werden, und so erklärt sich vielleicht manches an dem plötzlich so beschleunigten Zurückfluten der„Verteidiger Lembergs“, wodurch die un⸗ geheueren Leistungen und herrlichen Erfolge unserer deut⸗ schen und österreichisch-ungarischen Heere wahrlich nicht ver⸗ lleinert werden sollen. Heute steht ganz Rußland, der letzte Rest der Kraft Rußlands, an der Front. Der
russische Soldat will und muß zurück, um Weib und Kind-
vor Hunger zu schützen. Der General Winter ist dem russi⸗ schen Generalissimus nicht gegen Deutschland zu Hilfe ge⸗ kommen. Aber der General Hunger beschleunigt unseren endgültigen Sieg über Rußland. . 3 Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 21. Juni.(W. T. B. Nichtamtlich.) Amtlich
wird verlautbart: 21. Juni 1915, mittags: Russischer Kriegsschauplatz. 2
Die verbündeten Truppen sind in der Verfolgung bis vor Zolkiew, bis nahe au Lemberg und südlich der Stadt bis an den Szezerek⸗Bach vorgedrungen. dieser Linie stehenden russischen Kräfte werden überall an⸗ gegriffen.
Bei Mikolajow und Zydaczow hält der Feind am Dujestr.
Truppen der Armee Pflanzer schlugen heftige An⸗ griffe der Russen südwestlich Potok Zloty bei Zalcszezyki und im bessarabischen Grenzgebiet wieder unter schwersten Verlusten des Feindes zurück.
Die sonstige Lage im Nordosten ist unverändert.
Italienischer Kriegsschauplatz.
In der Nacht auf den 20. Juni schlugen unsere tapferen Truppen bei Plava wieder zwei italienische Angriffe ab. Hier erschien ein italienischer Offizier mit der weißen Fahne Und einem Hornisten vor unserer Stellung, um eine Bitte seines Brigadekommandanten vorzubringen. Da sich diese Personen nicht mit einer schriftlichen Vollmacht als Parla⸗ mentär ausweisen konnten, wurden sie festgenommen und sind lriegsgefangen. Im Gebiete nordwestlich des Kru wurde der eind aus einer Sattelstellung geworfen, wobei sich Ab⸗ teilungen des Debrecziner Honved⸗Infanterie-Regiments be⸗ sonders auszeichneten. Uusere schwere Artillerie griff erfolg⸗ reich in den Gebirgskampf ein.
An der Kärntnergrenze griff der Gegner im Raume östlich des Plöcken wie immer erfolglos au.
Im Tiroler Grenzgebiet hat sich nichts Wesentliches
ereignet. Das Feuer der italienischen schweren Artillerie
gegen unsere Befestigungen ist ohne jede Wirkung. Am 19. Juni wurden die Tanks und Hafenanlagen von
Die in
Monopoli durch ein Torpedofahrzeug mit Erfolg beschossen
und die Bahnhöfe von Bari und Brindisi von unseren Seeflugzeugen durch Bombenwürfe beschädigt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Auf diesem hat sich in letzter Zeit nichts ereignet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Der letzte Widerstand der Russen vor Lemberg.
Berlin, 22. Juni. Ueber den letzten Widerstand der Russen vor Lemberg wird dem„Berliner Tageblatt“ unter dem 21. Juni aus dem K. u. K. Kriegspressequartier gemeldet: Die russische Armee ist, von ihrem über die Grenze getriebenen rechten Flügel losgetrennt, in ihre Stellung vor Lemberg gedrängt. Aller Wahr⸗ scheinlichkeit nach wird sie hier noch alle verfügbaren Verstär⸗ kungen zur Verteidigung dieser, seit geraumer Zeit befestigten Stellung heranziehen und sich mit großer Aufopferung gegen den ihr drohenden Todesstoß wehren. Diese Stellung selbst ist aber bereits durch die bisher unaufhaltsam in beinahe normalem Fuß⸗ marschtempo vordringenden Truppen der verfolgenden Armee an- gegriffen. Den Armeen Linsingen und Pflanzer-Baltin gegen⸗ über wehren sich die durch schwere Verluste aufs ärgste ge— schwächten russischen Truppen ohne Unterbrechung. Die nächsten Tage sollen zeigen, ob diese Truppen noch genug Schlachtwert besiten, um sich im Dnjestr-Gebiet und im bessarabischen Ge⸗ lände zu behaupten.
Berlin, 22. Juni. Wie der„Kölnischen
Ar.* Zeitung“ zu den galizischen Schlachten der letzten Tage i
gemeldet wird, waren von den Japanischen Geschützen der Russen nicht viel mehr intakt, so daß die Rohre sprangen. In der Entsch eidungsschlacht zeigte sich die militärische Minderwertigkeit dieses japanischen
Materials am gefährlichsten. Die die Russen erwarten, traf nicht ein und Schrapnells explodierten nicht.
amerikanische Munition, die Die japanischen Granaten
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