Ausgabe 
(6.5.1915) 106. Erstes Blatt
Seite
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Das Scheitern der englisch⸗französischen Dardanellenpläne.

Konstantinopel, 5. Mai.(WTB. Nichtamtlich) Nach der

einmütigen Anschauung der verschiedenen militärischen Kreise kann das gegenwärtige englisch⸗französische Unternehmen gegen die Dardanellen nunmehr als endgültig gescheitert betrachtet werden, da nur ein kleiner Teil der gelandeten Truppen und das dank der ringsum aufgestellten Kriegsschiffe noch an zwei unbedeutenden Punkten bei Ari Burnu und Sed ul Bahr urückgeblieben ist, von wo es ihm nicht nur unmöglich ist, einen orstoß zu versuchen, sondern von wo er auch, wie man hofft, leicht rasch wird verjagt werden können. Bei dieser Gelegenheit hat man festgestellt, daß das englisch-französische Ziel nicht, wie man in gewissen europäischen Kreisen zu glauben scheint, oder wie die Presse des Dreiverbandes behauptet, dahin ging, nach Konstan⸗ tinopel zu marschieren. Die zu diesem Zwecke gelandeten Streit⸗ kräfte, die insgesamt auf etwa 60000 Mann geschätzt werden, konnten sicherlich dieser Aufgabe nicht gerecht werden. Ihr Zweck scheint vielmehr gewesen zu sein, die osmanischen Streitkräfte im Süden der Halbinsel Gallipoli zu überraschen und einen Teil der Forts an den Meerengen zwischen Kilid ul Bahr und Madytos im Rücken zu fassen, um so die asiatischen Forts unter ihr Feuer nehmen, die Minen entfernen und der Flotte die Durchfahrt urch die Dardanellen eröffnen zu lönnen, um deren Erscheinen vor Konstantinopel zu ermöglichen. Dieser Plan wurde durch die Wachsamkeit der türkischen Truppen vereitelt, die zunächst durch die tapfere Abwehr, den angeblichen Versuch vorzustoßen, auf⸗ halten, dann nach Eintreffen von Verstärkungen am 27. April zum Angriff übergehen und nicht nur die bereits gelandeten, sondern kr. 5

5 die neuen, in der Nacht vom 27. April gelandeten Streit⸗ kräfte zur Küste zurückdrängen konnten. Man glaubt, daß die eng

lisch⸗französischen Streitkräfte an Toten, Verwundeten und Gefangenen die Hälfte ihrer effektiven Bestände verloren haben, also etwa 30 000 Mann. Die an der asiatischen Küste pbpei Kum Kaleh gelandeten Truppen bestanden aus zwei französi⸗ 5 schen Regimentern, die allgemein als minderwertige Truppen er⸗ kannt wurden, da sie mit Leichtigkeit ins Meer zurückgeworfen, werden konnten. Diese Truppen landeten später bei Sed ul Bahr, wo sie gleichfalls geschlagen wurden.

Der türkische Tagesbericht.

Konstantinopel, 5. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Der Große Generalstab gibt bekannt: An der Dardanel⸗ lenfront versuchte der Feind gestern früh, um die von seinem linken Flügel in der Gegend von Ariburnu er⸗ littenen Verluste auszugleichen, die dortigen Schwierigleiten zu beheben und unter dem Schutz der Flotte Truppen an der Küste bei Knabatepe und südlich von Ariburnu zu landen. Diese Truppen wurden sämtlich in die Boote zurückgejagt. Vorgestern nacht griffen unsere Truppen trotz des von drei Seiten abgegebenen Feuers der feind⸗ lichen Flotte Sedd ül Bahr an und vertrieben den Feind ans seinen Verschanzungen. Das bei Tagesanbruch einsetzende andauernde heftige Feuer der feindlichen Flotte befreite die feindlichen Truppen aus der Gefahr, ins Meer getrieben werden. Bei dieser Gelegenheit erbeuteten wir mitsamt ihrer Munition drei und andere unbeschädigte Maschinen⸗ gewehre, die wir gestern gegen den Feind gebrauchten. Gestern vormittag beschoß die russische Flotte ergebnislos das unverteidigte Dorf Ighne Ada aa, worauf sie sich zurückzog. 5 Von den übrigen Kriegsschauplätzen ist nichts zu melden.

Konstantinopel, 5. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Die ungünstige Lage des Feindes an der Dardanellenfront hat sich in keiner Weise geändert. Auf den übrigen Kriegs⸗ schauylätzen hat sich nichts von Bedeutung ereignet.

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5 Konstantinopel, 5. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Die von Athen und Mytilene aus verbreiteten Berichte von Journaliste: Entente, die bereits von einer Besetzung Galli

olis und Nagaras durch die Landungstruppen der Ver⸗

. ndeten sprechen, sind so widerfinnig, daß sie wohl nirgendwo

Glauben finden. Wären Gallipoli und Nagara in den Händen,

r Verbündeten, so wäre die Meerengenfrage entschieden. In lichkeit ist aber die Meerenge für die Türken so frei wie im den. Die Halbinsel Gallipoli ist für alle militärischen Bewe⸗ en völlig frei. Der Feind hält sich nur an zwei Punkten der

küste bei Ari Burnu und Sed ul Bahr, infolge des beständigen euers seiner Serstreitkräfte. Er ist aber nicht imstande, irgendeine

Bewegung gegen die türkische Umklammerung zu machen.

asiatische Ufer ist frei vom Feind. Bei Ari Burnu,

nördlich Kaba Tepe, wurde ein verzweifelter Versuch englischer nach der Wasserstelle durchzustoßen, blutig ab⸗ geschla

N

Konstantingopel, 5. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Der Vertreter des Wolff⸗Bureaus telegraphiert von den Dar da⸗ nellen: Laut aqutoritatwer Feststellung sind, abgesehen von Saphir undE15, in den Kämpfen der letzten Tage drei Unterseeboote des Feindes erledigt worden, unter ihnenG e durch die Gefangennahme der Besatzung festgestellt

und gabi 7 15 W 1 5 Eine andauernd unermüdliche Arbeit werde hoffentlich den Feind auf lange hinaus von den kirchen Küsten vertreiben. N

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1 3 . Der Seekrieg. London 5. Mai.(WTB. Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Besatzungen der drei Fisch⸗ dampfer aus HullJolanthe,Hero undNorth⸗ ward, die gestern abend in Hull angekommen sind, mel⸗ deten, daß ihre Schiffe am 3. Mai von einem deutschen Unterseeboot in der Nordsee in die Luftgesprengt wurden. a 1 London, 5. Mai(WTB Nichtamtlich.) Nach einer Liloydmeldung aus Leith wurde der schwedische Schooner Elsa Halmstadt am 2. Mai früh durch ein deut schesu-Boot in Brand geschossen. Die Be⸗ 7 labbrg wurde durch den DampferJermeho in Leith ge⸗ landet. 75 London, 5. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Reutermel⸗ dung Der englische FischdampferCruiser wurde durch ein deutsches Unterseeboot beschossen. Vier

Mann der Besatzung wurden getötet, die übrigen sieben

trachteten in einem Boote zu entkommen; das Boot kenterte. Die Insassen wurden jedoch gerettet und nach Aberdeen

gebracht.

London, 5. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reutersche Bureau meldet: Fünf weitere Fischdampfer,Hector, Progreß,Rudby,Coquet undBobwhite, sind von deut⸗ schen Unterseebooten in der Nordsee versenkt worden.

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Die Einweihung des Denkmals in Quarto.

Genua, 5. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agenzia Stefani: Die Einweihung des Denk⸗ mals in Quarto, von wo der Zug der Tausend ausging, erfolgte in feierlicher Form in Anwesenheit von Vertre⸗ tungen des Senats, der Kammer, von zahlreichen Deputier⸗ ten, Senatoren und Abordnungen von Rom, Turin und Florenz. Eine ungeheure Menge bereitete dem Ueberlebem⸗ den der Tausend einen großartigen Empfang. Am Fuße des Denkmals sprachen unter lebhaftem Beifall die Bürger⸗ meister Quartos, Genuas und Gabriele d'Annunzio. Berlin, 6. Mai. Zu der gestrigen Feier der Enthüllung des Garibaldidenkmals in Quarto ging dem Bürgermeister von Genua ein Telegramm König Viktor Emanuels zu,

das nach demBerliner Tageblatt folgenden Wortlaut hat: Obwohl die Staatsangelegenheiten, indem sie meinen Wunsch in Bedauern verwandeln, mich abhalten, an der dortigen Feier teilzunehmen, so bleiben doch meine Gedanken nicht dem dor⸗ tigen Feste fern. Jenem schicksalsreichen Ufer des ligurischen Meeres, das die Geburt dessen sah, der zuerst die Einheit des Vaterlandes prophezeite und das die Führer der Tausend mit unsterblichem Mut zu unsterblichem Geschick befahren sah, sende ich meinen bewegten Gruß und mit derselben mutvollen Glut der Liebe, welche meinen großen Ahnen führte, schöpfe ich aus der einmütigen Weihe der Erinnerungen Vertrauen auf die

ruhmreiche Zukunft Italiens.

3 Aus dem Reiche.

Geburtstag des Kronprinzen. Berlin, 6. Mai. Dem Kronprinzen widmen zu seinem heutigen 33. Geburtstage die Morgenblätter

herzliche Worte. Vom Reichstag.

Berlin, 5. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Die nächste Sitzung des Reichstags ist auf den 18. Mai nach⸗ mittags 2 Uhr angesetzt. Auf der Tagesordnung stehen: Rechnungssachen, Rechnung über den Haushalt des Schutz⸗ gebietes Kiautschau und das ostasiatische Marinedetache⸗ ment für 1909 sowie die erste Lesung des Gesetzentwurfs zur Einschränkung der Verfügungen über Miet-, Pacht⸗ und Zinsforderungen.

Millionenspende der Reichs⸗Post⸗ und Telegraphenbeamten.

Die unter dem Vorsitz des Wirklichen Geheimen Ober- Postrats Vorbeck, des Ober-Postdirektors von Berlin, von allen postalischen Fachverbänden des Reichs⸗Post⸗ gebiets in die Wege geleitete Sammlung zur Linderung der KriegsnotKriegsspende von Angehörigen der Reichs⸗Post⸗ und Telegraphenverwaltung hat bisher ein sehr erfreu⸗ liches Ergebnis gehabt. Eine Million und 150 000 Mk. sind schon in den ersten 6 Monaten der Sammlungstätigkeit zusammengekommen. Das Ergebnis ist um so höher zu ver⸗ anschlagen, als über 70000 Post- and Telegraphenbeamte im Felde stehen. In Berücksichtigung der durch den Krieg in stets wachsendem Maße entstehenden, nur durch allseitige Hilfe der erwerbsfähigen Bevölkerung zu lindernden Not wird die Sammlung für die Dauer des Krieges weiter fort⸗ gesetzt werden und hoffentlich weitere erhebliche Mittel bringen. Von den gesammelten Geldern sind zunächst u ua. überwiesen worden: 1. an das Rote Kreuz 100 000 Mk., 2. an die Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen 250000 Mk., 3. dem Kriegsausschuß für warme Unterkleidung 70000 Mk., 4. dem Kriegsministerium

Das] zur besseren Verpflegung Verwundeter in den staatlichen

Reservelazaretten 25000 Mk., 5. an verschiedene Stellen für die Kriegsnotleidenden in Ostpreußen 85 000 Mk., 6. an das Oesterreichische Rote Kreuz 14000 Mk., 7. an den Natio⸗ nalen Frauendienst 14000 Mk., 8. an die Notleidenden in Elsaß-Lothringen 30000 Mk., 9. an den Reichsverband zur Unterstützung deutscher Veteranen 20000 Mk., 10. an den Deutschen Verein für Sanitätshunde 6000 Mk. Weitere Zu⸗ wendungen werden demnächst verteilt werden.

Kirche und Schule.

Neunte ordentliche Landessynode. rb. Darmstadt, 5. Mai. Bei der heutigen Fortsetzung der ngen waren am Tische des Kirchenregiments Ober⸗ konsistorialpräsident D. Nebel, Geh. Rat D. Dr. Flöring,

dey die Sitzung eröffnet, 3 Dann Vorstand und ließ die r welche Prof. DD. Dr. Die 2 Krapp Sickenhosen gewählt Dann begann die sehr zeitraubende Wahl der vers en Ansschüsse. In den Synodal⸗ ausschuß wurden gewählt: Dekan Jaudt⸗ Planig, Dekan Keil⸗ Spachbrücken, Landgerichtsdirektor Oben aner- Mainz, Geh. Justizrat Wahl Schlitz, zu Mitgliedern des Finanzausschusses: elan Bayer Rammheim, Dekan Keil⸗Spachbrücken, Land⸗ gerichtsdirektor Schmeckenbecher⸗Gießen, Pfarrer Wagner⸗ Darmstadt, Rentner Weinmann ⸗Wöllstein; zu Mitgliedern des Gesetzgebungsausschusses: Landgerichtsdirektor Dornseiff⸗ Darmstadt, Dekan Lic. Jacob Mainz, Geh. Justizrat Dr. Lahr⸗Darmstadt, Dekan Rheinfurth⸗Gau⸗Odernheim, Geh. Justizrat Wahl Schlitz: zu Mitgliedern des Petitionsaus schuisses: Prof. D. Dr. Diehl⸗ Friedberg, Pfarrer Fritsch⸗ Rupperts⸗ burg, Kaufmann Lenz⸗ Ortenberg, Pfarrer Loos⸗Groß⸗Um⸗ stadt, Oberamtsrichter Römheld⸗ Nidda; zu Mitgliedern des kirchl. Disziplinarhofs: Sanitätsrat Dr. Bachfeld⸗Offenbach, Pf. Fritsch-Ruppertsburg, Pfarrer Strack⸗ Birkenau; zu Mit⸗ gliedern des Ausschusses für Aeußere und Innere Mission: Sani⸗ tätsrat Dr. Becker Friedberg, Dekan Brill-Ober⸗Widders⸗ heim, Reallehrer Mink⸗Beusheim, Pfarrer Wagner-Darm⸗ stadt und Pfarrer Weber Lang⸗Göns. Für die Lutherstiftung wurden gewählt: Prof. D. Dr, Diehl Friedberg, Pfr. Weber⸗ Lang-Göns und Geh. Forstrat Dr. Wimmenauer⸗Gießen. Als Ausschußvorsitzende wurden immt: Landgerichtsdirektor Schmeckenbecher(Finanzausschuß), Geh. Justizrat Dr. Wahl (Gesetzgebungsausschuß!, Prof. D, Dr. Diehl(Petitionsaus⸗ schuß) und Pfarrer Wagner(Aeußere und Innere W 7 1 Synodale Wahl Schlitz erstattete nach der Wahl der Ausschüsse ausführlichen Bericht über die Wahlprüfungen in den Dekanaten Grünberg und Rodheim, Er beantragte namens des Ausschusses die Gültigkeitserklärung dieser Wahlen. Die Versammlung beschloß demgemäß. Darauf wurde die Sitzung gegen 1 Uhr geschlossen. Nach kurzer Beratung des Synodalausschusses und des Finanzausschusses mit dem Oberkonsistorium mit dem Voranschlag wurde beschlossen,

bis zur Durchberatung desselben keine weitere Sitzung abzuhalten, sondern die Berhauinngen worauf z vrt an. 1

36. Konferenz der evangelischen Gei 0

5* Darmstadt, 6. M. Die 36. allgemeine Konferenz der evangelischen 1 der Provinz Starkenburg fand am letzten Montag mittag 1 1 in dem Synodalgebäude in Darmstadt unter dem Vorst von Geheimerat 5. Dr. Flöring statt. Die Tagung wurde eröffnet mit Gesang und Gebet, das Dekan Bayer Raunheim sprach. Sodann begrüßte der Vorsitzende die Erschienenen; gedachte in seiner ech u. d des auf dem Felde der Ehre gefallenen Pfarrers Lic. Flöel⸗ Langen. 0 5 Nach der Begrüßung hielt Pfarrer Velte⸗Darmstadt einen Vortrag über die Frage:Was erhoffen wir vom Krieg als inneren. Gewinn für unser deutsches Volk. Der Vortragende legte seinen Referat folgende Gedanken zugrunde: Was wir an innerem Ge⸗ winn vom Kriege erhoffen, fab sich auf inneres Erleben grün⸗ den. Unser inneres Erleben läßt sich bezeichnen als Er der deutschen Volksseele, die im Kampfe um ihr Dasein ihr eigenstes Selbst erfaßt hat und sich auf's neue ihrer Eigenart und ihres f Eigenberuses bewußt worden ist. Die Lebensmächte, die in der 8 Schicksalsstunde erwachten und die deutsche Volksseele zu ungeahn?n? ter Höhe und Kraftentfaltung emportrugen, charakterisieren sich nach ihrer Geschichte und ihrem Wesen als deutscher Idealismus und deutsche Frömmigkeit. Zwei Strömungen, aber ein Strom In ihrem Ineinander liegt die Kraft des vaterländischen Auf⸗ schwungs. Das Erwachen der deutschen Volksseele gibt die Rich⸗ tung an, in der wir den inneren Gewinn des Krieges für 8 ag

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kunft zu suchen haben, doch so, daß unsere Hoffnungen zu gaben werden. Die Größe der Verantwortung, die dabei sub

auf die Seele legt, ist an folgenden Erwägungen zu ermessen: 1. Es handelt sich nicht um eine ausgereifte Ernte, die nur ein⸗ zubringen wäre, sondern um eine keimende Saat. 2. Von inne rem Gewinn kann man nicht reden, ohne 85 denken an all die inneren Werte und Kräfte, die unser Volk in so vielen seiner besten und tüchtigsten Söhne verliert. 3. Das Geheimnis des Opfers wirkt nicht magisch, sondern sitt⸗ lich; es schließt mithin die heiligste Verpflichtung in sich. 4. Auf Stunden der Hochspannung folgen in der Geschichte nicht selten Zeiten inneren Niederganges. Die Aufgaben, die uns aus unseren Hoffnungen erwachsen, erstrecken sich auf das gesamte Volks⸗ leben. Im einzelnen sei hervorgehoben: 1. Die Politik kann nicht leben ohne den Kampf der Parteien, muß ihn aber, um auf der Höhe zu bleiben, adeln durch den hohen vaterländischen Geist, der jetzt erwacht ist. 2. Die soziale Arbeit hat angesichts der Fülle von Problemen und Aufgaben, die auftauchen werden, zum Leitstern den Gedanken zu nehmen: Aus den Schützengräben erwächst die neue deutsche Volksgemeinschaft. 3. Der Kampf Keren die sitt⸗ lichen Volksschäden findet in dem neuerwachten Verantwortlich⸗ keitsgefühl für die Zukunft unseres Volkes eine neue Kraftqulle. Unter den großen Faktoren, welche die Verantwortung für den erhofften Gewinn zu übernehmen haben, nimmt die Kirche die her⸗ vorragendste Stelle ein. Sie erlebt eine Gnadenstunde, aber auch eine Entscheidungsstunde von außergewöhnlicher Bedeutung. Sie wird sich insbesondere zu prüfen haben, ob sie fähig ist: 1. Auf die Fragen, die das religiöse Erwachen an sie richtet, mit ein⸗ gehendem Verständnis und in zeitgemäßer Form zu antworten;

2, den Mannescharakter des Christentums mehr als bisher zur Geltung zu bringen; 3. mitten im Strom der modernen Welt die Hüterin und Führerin der deutschen Volksseele zu sein, d. h. Volks⸗ kirche zu werden.

Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. An der an das Referat sich anschließenden Aussprache beteiligten sich außer dem Vorsitzenden u. a. Pfarrer D. Fuchs ⸗Rüsselsheim und Divisionspfarrer Eckhard. Gegen 4 Uhr wurde die sehr an⸗ regend verlaufene Konferenz durch Gesang eines Liedes geschlossen.

Affolterbach, 4. Mai 1915. Winter.

8 2 Aus Stadt und Cand.

f 5 Gießen, 6. Mai 1915,

Eine Statistit der Mehl⸗ und Brotpreise.

In der nachstehenden Zusammenstellung findet der Leser die in einer großen Zahl 2 Slädte tend del 5 und Brotpreise verzeichnet. Der Mehlpreis bezieht sich anf vorschriftsmäßig, d. h. zu 82 Proz ausgemahlenes a 65 mehl, der Brotpreis auf das vorgeschriebene Roggen⸗ oder Einheitsbrot. Aus der Uebersicht ergibt sich un a., daß; Gießen hinsichtlich des Verhältnisses der beiden Preis⸗

sätze zueinander mit am günstigsten steht: 8

Mehl⸗ Brot- Mehl- Brot- Ort preis vreis Ort preis preis tr. 4 Pfd. 3 tr.& Pfd. Sießen 20½ 19% Halle a. S. 19 18% Erfurt 19 19-20% Königsberg 16% 18 ¼20 Forchheim 20/ 2022 München 244 24 Frankfurt a. M. 21 21¹ Bamberg 18 1 Hannover 22 2022 Augsburg 20 22 Höchst a. M. 20 22 Erlangen 19 20 Köln a. Rh. 21½ 205 Hof 177¹ 18 Jena 184 20 Ludwigs haf./ Rh. 20% 20 Leipzig 18% 80 Nürnberg I Mainz 20 Regensburg 187⁴ 21 Mannheim 20% 2122 Schweinfurt 19 ½ Plauen i. Vogtl. 17 18 Würzburg 20½ Stettin 19 22 Barmen 20% Wetzlar 20 20 Berlin 2170 21 wickau 17 1 Braunschweig 18 ¼ 20 annstadt 20% 2 Breslau 8 16 /18 Heilbronn 20 Kassel 19 19 Ludwigsburg 20% Chemnitz 18 ½ 19% Stuttgart 21½ 2021 Dresden 5 2 1 Kreseld 20 19½23 Durlach 28 21 ¼ Dortmund 20 21 Eisenach 18 19 5 Hamm 20 20 Magdeburg 1974 195 Elberfeld 18% 2 Reichenbach i. V. 17¼ 17 Freiburg i. Br. 22 22 Bremen 19 24

* Spart Brotmarken!

Ein überaus erfreuliches Beispiel dafür, daß auch bei der heutigen beschränkten Brotration noch gespart werden kann, und daß das Verantwortlichteitsgefühl des einzelnen Deutschen gegenüber seinem Brotverbrauche 2 dem rechten Wege ist, liefert das Sparergebnis der frei⸗ willigen Kriegshilfe Hannover⸗Linden. Das Ergebnis der von dieser Vereinigung geschaffenen Organisation plan- mäßiger Sammlung von Brotmarken war das folgende: Erste Woche 21948, zweite Woche 23 480, dritte Woche 36 477 ersparte Brotmarken. Man kann nur wünschen, daß dieses erfreuliche Ergebnis überall im Deutschen ReicheSchule machen möge. Unsere D ee bekanntsz in der. Bundesratsverordnung vom 25. Januar 1915 den Kommunalverbänden eine Sparprämie für erübrigte Getreide- oder Mehlmengen ausgesetzt, indem die Kriegs⸗ getreide-Gesellschaft den Kommunalverbänden ¼ des Preises der ersparten Mengen zu vergüten hat. Dieser all⸗ gemeinen Bestimmung steht die individuelle Freiheit jedes einzelnen Kommunalverbandes gegenüber, die Spartätig⸗ keit nach eigenem Gutdünken anzuregen und durch Heran⸗ ziehung freiwilliger Hilfsarbeiter und Vereine zu fördern. Wenn man bedenkt, daß nach einer kürzlich abgeschlossenen statistischen Berechnung der Stadt Mannheim der Brot- und Mehlverbrauch mit abnehmender Wohlhabenheit der Klassen um 75 Proz. und mehr zu ste igen pflegt, so wird man immer wieder betonen müssen, wie sehr es auch unter der

heutigen einheitlichen, aber infolgedessen auch schablonen⸗

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haften Festsetzung des Brotverbrauches soziale Pflic der wohlhabenden und bemittelteren Kreise ist, durch gr Spartätigteit zu einer gerechteren Verteilung der v

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