0 Brussdenten Stamm- Gießen erinnerte, dessen Tätigkeit er nach Kräften zum Vorbild nehmen wolle. Zum zweiten Präsi⸗ denten wurde hierauf Oberamtsrichter Römheld⸗Nidda ge⸗ wählt mit 54 Stimmen.
Auf eine Anfrage über die Geschäftslage teilte Oberkonsistorial⸗ präsident Nebel mit, daß der neue Voranschlag am Mittwoch
der Synode vorgelegt werden könne. Streng genommen sei er nur eine Verlängerung des bisherigen Budgets und werde nach einer Vorberatung durch das erweiterte Oberkonsistorium in Gemeinschaft mit dem Finanzausschuß in einem Tage von der Synode erledigt werden können.
Es wurde noch beschlossen, dem bisherigen Präsidenten tele⸗ graphisch einen Gruß zu übermitteln. Dann wurde um 2 Uhr die Verhandlung auf Mittwoch früh 9 Uhr vertagt.
Bittgebete um Erntesegen.
Das Großh. Oberkonsistor tum hat an lischen Pfarrämter des Landes folgendes, dere Begehung des Sonntags Rogale in den evangelischen Kirchen Deutschlands betreffendes Ausschreiben erlassen: Vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß ist angeregt worden, daß die evan⸗ gelischen Gemeinden Teutschlands sich an einem bestimmten Sonn⸗ tag in der Bitte um den göttlichen Segen für das Wachstum der diesjährigen Aussaat und für einen gedeihlichen Ausfall der Erute vereinigen möchten. Wir haben uns damit einverstanden erklärt und eignen uns folgendes von genannter Stelle uns übermitteltes Ausschreiben an!„In dem gegenwärtigen uns auf— gedrungenen Kriege geht neben dem Kampf mit den Waffen ein wirtschaftlicher Kampf nebenher, wie ihn die Weltgeschichte bisher noch nicht kennt. Bei längerer Tauer des Krieges wird es für seinen Ausgang von ausschlaggebender Bedeutung sein, daß die deutsche Volkswirtschaft sich weiter wie seit Beginn des Krieges unabhängig vom Ausland zu behaupten vermag. Der Ausfall der Ernte dieses Jahres ist deshalb weit mehr als in Friedens- jahren für unser Volk von der allergrößten Bedeutung. Von
Erwägung geleitet, hat der Deutsche Evangelische Kirchen⸗ ausschuß bei den Evangelischen Kirchenregierungen angeregt, daß
g die evange⸗ die diesjährige, beson⸗
die Kirchengemeinden des„ Deutschlands an einem bestimmten Sonntage sich zum ebet um den göttlichen Segen für einen gedeihlichen Ausfall der diesjährigen Ernte vereinigen möchten. Die Anregung hat allgemein lebhafte und freudige Zu⸗ stimmung gefunden. Als geeigneter Tag für diese gemeinsame Bitte ist der Sonntag Rogate(9. Mai) in Vorschlag gebracht worden. Es darf hiernach damit gerechnet werden, daß an diesem Tage ein Bittgebet für eine gesegnete Ernte in allen oder doch nahezu allen evangelischen Kirchen Deutschlands abgehalten werden wird. Für unsere Landeskirche ordnen wir an, daß am Sonntag Rogate in Predigt und Gebet der großen Bedeutung gedacht wird, die es in diesen Kriegsläuften für unser Vaterland hat, daß die diesjährige Saat auf unsern Feldern von Gott in Gnaden be⸗ hütet wird und zu einer ausgiebigen Ernte gelangt. Zugleich geben wir es dem Ermessen der Geistlichen anheim, eine besondere Bitte für die Ernte dieses Jahres von da an sonntäglich zu wieder— holen.“
Bandel.
Der Status der Reichsbank.
Diesmal steht der Reichsbaukausweis unter dem Zeichen des Ultimo, da sich ein gesteigerter Bedarf an Zahlungsmitteln geltend machte. Der Goldbestand hat sich um Mk, 6,7 Millionen erhöht, der Silberbestand ist um Mk. 1,9 Millionen zurückgegangen. Dar- lehnstassenscheine wurden 15,6 Millionen in Verkehr gesetzt. Der Bestand davon beträgt 752 Millionen. Der Gesamtbetrag der über den früheren Höchstumlauf von 240 Millionen ausgegebenen Reichs- kassenscheine ist auf 12 Millionen gestiegen. Bei der Reichsbank sind 16,5 Mill. Reichskassenscheine vorhanden, wovon 6,8 Millionen nicht mehr umlaufsfähig sind. Der geringe Bestand von rund 10 Millionen bei den zahlreichen Bankanstalten beweist, wie not- wendig die Vermehrung der Zehnmarkscheine war. Von der durch den Ultimobedarf hervorgerufenen Steigerung des Notenumlauses entfallen 2285 Millionen gegen 2185 Millionen in der Vorwoche
auf kleine Noten. Die Golddeckung der Noten beträgt 44,6 Prozent gegen 46, Prozent in der Vorwoche, die gesamte Metalldeckung
45,5 gegen 47,7 Prozent in der Vorwoche, die Deckung aller 1 jälligen Verbindlichkeiten durch Gold 35 gegen 36,4 9 Einzahlungen auf die Kriegsanleihe sind bis zum 30. April auf 6900 Millionen gestiegen gegen 6579 Millionen an; 23. April. Dieser sür den Ultimo besonders bemerkenswerten ex beblichen Zunahme steht eine, wenn auch nur geringe Verminde⸗ rung von Darlehnskassen sür Krieasauleihe und Zwecke der aus- 0 geliehenen Beträge gegenüber. Dieser belief sich am 23. April au 491,8 Millionen, am 30. April auf 491,3 Millionen Mark. Die Gesamtsumme der Ausleihungen bei den Darlehnskassen ist um 10,6 Millionen auf 1413,3 Millionen zurückgegangen. 8 —— Betri: Regelung des Verbrauchs an Brotgetreide und Mehl. An den Oberbürgermeister der Stadt Gießen und an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Wir beauftragen Sie wiederholt, spätestens bis zum 20. eines jeden Monats, die genaue Zahl der Brotemp⸗ fänger für den kommenden Monat anzugeben, da Sie sonst auf pünktliche Zustellung Ihres Mehlquantums nicht rechnen können.
Bei vielen Bürgermeistexeien ist immer noch die Ansicht ver⸗ treten, daß das im Privatbesitz befindliche Mehl unter 2 Ztr. nicht aufzunehmen sei, Laut Bekanntmachung vom 15. März 1915 im Kreisblatt Nr. 25 8 15 sind jedoch diese Mengen unter allen Um⸗ ständen den Besitzern anzurechnen, insofern sie mehr als 10 Kgr. betragen, worauf wix nochmals ausdrücklich aufmerksam machen.
Weiter befinden sich, laut den am 20. März 1915 aufgestellten Nachweisungen, immer noch Mehlmengen im Besitz von Händlern, Müllern, und Bäckern, die für den Kommunalverband beschlag⸗ nahmt sind. Diese Mehle sind, wozu Sie bereits durch Schreiben des Kommunalverbandes vom 8. April 1915 aufgefordert worden sind, an unser Lager, Adresse: N. Rosenthal in Gießen, Hütten⸗ gleis, abzuliefern. Den Befolg erwarten wir bis spätestens 10. Mai 1915.
Gießen, den 4. Mai 1915. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
J. B.: Fecrer.
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