vorstellen, wie gut man es hat und mit welchem außerordentlichen Luxus, den man als selbstverständlich gar nicht mehr beachtet, auch der einsachste Haushalt in Deutschland umgeben ist. Nicht nur in dieser Beziehung, aber auch in dieser recht deutlich, wird der Krieg
Erzieher. Nie glänzt der deutsche Wald so wipfelgrün und heim⸗ lich in allen Träumen, als wenn über die graubraune, pol nische Ebene der Landregen streicht, nie leuchtet das junge Saatfeld so
rührend und zärtlich grün und sauber in unseren Gedanken, als wenn über den verwahrlosten polnischen Acker die riesigen Scharen von Krähen wie gräuliche Unglückswolken flattern. Jede deutsche Stube ist voll warmen Glanzes wie unter Weihnachtsbaumlich⸗
tern. Und die Sehnsucht, mit so leuchtenden Farben sie malt, sie gibt doch nur die Wirklichkeit wieder. Als ich in Insterburg war und das warme deutsche lebendige Leben mich wieder umgab, war es mir, wie uns allen andern, als ob dies Insterburg die schönste und freundlichste Stadt Deutschlands wäre, was ja kaum der Fall ist. Es leuchtet der Rhein, es funkelt der Neckar, es glänzen junge Felder und, Münsterblumen ragen in den Himmel. Wie warm ist es in Deutschland!
Einen Augenblick, ach nur einen Bruchteil eines Augenblicks
sind die schweren und großen Bilder der Schlachtfelder, von denen ich komme, der letzte Eindruck von der eisernen Linie öslich Su walki blasser geworden. Es ist so warm in Deutschland! Da bringt der nächste Augenblick das Straffe und Schöne und Harte wieder zurück. Ganz Insterburg ist in Aufregung, es sind Schüsse gefallen den Nachmittag über, die Russen rücken wieder auf Ostpreußen! Zufällig weiß ich, daß die Detonationen von Sprengung russischer Munition herrül hren, aber die Gerüchte flattern hier und in Königs berg umher wie Spatzen, und wenn man die Sachlage auf eine vielleicht ein wenig scharte Formel bringen will, so wäre es die, je weiter man von der Linie wegkommt, desto näher sind die Russen. Es ist richtig, die Presse hat leider nicht immer die Möglichkeit, die Gerüchte einzuschränken, es ist richtig, aber es entschuldigt noch immer nicht das wild wuchernde Geschwätz der Etappen⸗Orte.
Von Insterburg ging es über Tilsit nach unserem Ziel Memel. Auf der Straße zogen in langen Wagenreihen die Flüch tlinge, die wieder nach Memel zurückkehrten. Kavallerie trabte vorbei und schwenkte auf den morastigen Wegen nach Osten ab, sie griff in die Gesechte ein, die schließlich zur Eroberung von Tauroggen durch unsern Landsturm führten.
Die Ercignisse in Memel, der Eindruck, den der Russeneinfall
längst in ausführlichen Telegrammen weitergegeben. Seildem sst einige Zeit verflossen, in der ich aus persönlichen Gründen eine kleine Pause in dem Bericht habe eintreten lassen müssen. So möchte ich aus der Reihe dieser Tage nur zwei kleine Bilder nach⸗ tragen, das eine war am Abend im Gasthaus zu Memel: Wir saßen um den kleinen viereckigen Tisch, der uns beinahe unwahr⸗ scheinlich sauber und freundlich vorkam. Geheimrat Kranz, der Landrat des Kreises, sprach von den Tagen der Flucht nach der Kurischen Nehrung und von den Leiden seines Kreises. Ein alter Wachtmeister gab Einzelheiten. Ueber das ausdrucksvolle und be⸗ wegliche Gesicht des Landrats ging Welle auf Welle der Erschütte⸗ rung.„Dreißig Jahre habe ich hier gearbeitet, wir kamen tüchtig voran, wie glücklich hatten wir uns bisher durch den Krieg ge—⸗ bracht. Sie hätten einmal den Pferdemarkt vor vierzehn Tagen bier sehen sollen! Ja...“ Lange Pause. Dann ein Aufblitzen in dem sorgenvollen, alten Gesicht und ein Straffen„Aber nun werden wir es gerade schaffen.“
Am andern Tag flirrte die Sonne, eine sehr schüchterne Früh⸗ iahrssonne über den Strand bei Nimmersatt. Auf dem schmalen Streifen zwischen Provinzstraße und Meer waren die schwarzen jämmerlichen Reste von ein paar niedergebrannten Kasten. Ein kleines, strohbedecktes Häuschen war noch erhalten. Da stan⸗ den ein paar Bäuerinnen, sie hatten buchstäblich nichts, denn selbst die Kleider auf ihrem Leibe hatten sie ausleihen müssen. Der Mann in irgend einem Landsturmbataillon, der Sohn in der Front. Wir gingen zum Strand hinunter, auf dem der Schnee noch hoch lag und fast steil zur Ostsee abfiel. Lange Eiszapfen glitzer⸗ ten am Rande. Nur das Meer war silbergrau und sah fröhlich aus. Am Horizont hob sich scharf, dunkel, schwer der Umriß eines deutschen Kriegsschiffes ab. Es kam langsam auf. Die Bäuerin ging über das Dünengras, der Wind preßte ihr die Kleider fest an den Leib und strich ihr die Haare aus der Stirne. Sie sah auf das Kriegsschiff, ohne sich zu bewegen. Ihr Gesicht war hart, verschlossen wie vorher, doch in ihren Augen war ein merkwürdiger Ausdruck jetzt. Sie sprach nichts, sie würde wohl kaum haben ausdrücken können, was in ihr vorging. Einen Augenblick sah sie auf ihr verwüstetes Anwesen und dann wieder auf das Kriegsschiff. In ihrem unschönen Gesicht konnte man jetzt deutlich lesen:„Nun werden wir es grade schaffen..“
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Dermtiichtes. Mitschuldig. Eine etegante Dame ging, so erzählt der Corriere, in den Anlagen außerhalb der Stadt spazieren, als sie einen Knaben beobachtete, der sich daran machte, ein Vogelnest
auszuheben.„Du böser Junge!“ rief sie ihm entrüstet zu,„hast Du kein Herz? Denkst Du nicht daran, welchen Schmerz die Mutter der kleinen Vögel empfinden wird, wenn sie zurücktehrt und das Nest leer findet?“„Ach, ihre Mutter ist tot,“ antwortete der Junge völlig ungerührt.„Woher weißt Du denn das?“ fragte die Dame, die wohl einer weiteren Untat des kleinen Burschen auf die Spur zu kommen glaubte.„Sie sitzt auf Ihrem Hut, gnädige Frau!“ rief der Schlingel und machte sich schleunigst aus dem Staube.
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7 A jrchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗ Anlage). Samstag, den 17. April 1915 Noraben) 7.00 Uyr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. eee 8.10 Uhr.
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en e und Zeich⸗ nungen llegen zur Einsicht iim Burequ der unterzeichneten Bau⸗Abtetlung aus. Ange⸗ bots⸗Hefte können von da gegen porto- und bestellgeld⸗ freie Einsendung mur Post⸗ e von
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(Erd, Maurer-, Aspbalt.,
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Albbruchsarbesten),
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soweit der Vorrat reicht, be⸗
zogen werden. 34631d
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20. April 1915, vorm. 11 Uhr, 5 die unterzeichnete Bau⸗ Abteilung einzusenden, Zu ⸗ Ae betrügt 8 Tage.
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Dillenburg.
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Jparggvtrsrigerung. Freitag, d. 23. April 1915, vormittags 9 Ubr, soll auf We r 77 mer en Heinrich 8 Lindenstruth Ebe⸗ leuten 5 zugeschriebene Grundstü Flur 1 2 945— 536 d
freite in der Neustabt
iefenweg 6) 3 2 versteigert werden.
Die amtsgerichtliche Ver⸗ fügung ist in unserem Ge⸗ schästszimmer öffentlich aus⸗
gehängt. lagen den 8. Januar 19185. rung, e
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Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gießen.
Die Ausgabe der Brotmarkenhefte für die Zeit vom 19. April bis 2. Mai findet statt
Samstag, den 17. April 1915, von 8— 12 und 2— 6 Uhr. Es wird darauf hingewiesen, daß neue
Marten nur gegen Vorlage der Ausweis-
Karte und gegen Ablieferung der umschläge
der alten Markenhefte verabfolgt werden.
Etwa nicht verbrauchte Marken sind ebenfalls
abzuliefern.
Man bittet, die Abholung möglichst nicht
auf d letzten Stunden zu verschieben. 3408 e Auszabl d ili terstütz ü. H de Harl ug dse Nagshlefgen Fer bun Peg
dienst Einberufenen findet reitag, den 16. April amstag, den 17. April Montag, den 19. A Dienstag, den 20. A vormittags von 8—1 Uhr im Stadthaus, Zimmer 16 f 2
Mupactung von Gärten an Wißnater Weg. Mit ttwoch, den 21. 10 11915, 22 8 4 läßt die Stadt Gießen am Wißmarer Weg rechts der 5 gegenüber der Msiitürbadean falt 13 8 ge⸗ legene eier und mit Wan an versehene Gärten in der Größe von etwa 300 am auf die Dauer von Fade Jabren meistbletend verpachten. Die 1 ndet an Ort und Stelle statt. l m Aalen an diese Verpachtung findet etwa um 5 Uhr die Verpachtung eines Grabstückes an der Damm⸗ straße, gegenüber dem Eichamt, und eines solchen an der Weserstraße, zunächst des Edergrabens, statt.
Die landwirtschaftliche Bebauung von Grundstücken.
Es muß aus eee en Gründen der größte Wert daxguf Feine werden, daß alles 1 das land⸗ e 2 ist, 121 5 wird. J. 1— daher an alle Eigentümer und 4 von Grundstü 0 die dringende Aufforderung, dafür Sorge 10 tragen, daß 1 der in ihrem Besitz stehenden Grund—1 unbebaut ibt, auch wenn das Grundstück nur von geringer Aus⸗ 1 ist oder bigber anderen egen gedient bat. Sollte ein Grundstücksbesitzer aus 1 ingenden Gründen nicht in der Lage sein, 1 Grundstücke selbst zu bewirtscha + so 1 ebeten, hiervon aufdem Stadthaus— Zimmer Anzeige zu erstatten, damit ich in der Lage bi die“ Aus- stellung dieses Grundstücks anderweit ficherzustellen. 8367
Die Großh.— Bad⸗Naubeim hat die Wahrnehmung gemacht, daß in 2 benachbarten Städten und Orten Fremde Wohnung nehmen, von da aus die Kurmtttel in Bad⸗Nauheim gebrauchen, die 1500 und das Kurhaus 1 und die Zahlung der Kurtaxe auf diese Weise 1 umgehen suchen. al Paher ist angeordnet worden, daß die Abgabe von Bädern in den 3 zu 1„Naubeim an die O D ässigen von Bad⸗Nauheim — 90 Dr enn n und Orte S nur I noch erso nn von mations; 5— aa eee 8 Bade 9 vor;
9 Die Austellung von Atem auf eser erfolgt auf Antrag der in Gießen Ansässigen auf meinem Ai ue 3 11 15 Stadthaus. 2 welche zufällig nur zu in Gießen weilen, künnen N
1750 17 Is ortsansässig gilt derjenige, welch
3 Monate in Gießen wohnt und Steuer 10
1 2 Ausstellun un Legitimationskarten la esbt 1 insosern die Oxtsanfässigen in Bad ⸗Nauhel
e 80 bnung genommen haben und nicht 129 bebe en
Bade an demselben Tage nach Gießen kehren. Die Legitimationskarten haben nur A keit für das Kalenderjahr, in dem sie ausgesertigt sind. 5


