Ausgabe 
(16.4.1915) 89. Zweites Blatt
Seite
84
 
Einzelbild herunterladen

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGiezener Famlllenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit fragen erscheinen monatlich zweimal.

Die Teuerung in der welt.

Kriege übten und üben einen ungünstigen Einfluß nicht nur auf die Wirtschaftslage der unmittelbar davon betroffenen Länder aus, sondern ziehen auch nicht Beteiligte in ihre wirtschaftlichen Verheerungen ein. Das war vor Jahrhunderten ebenso wie heute, wenn natürlich auch nicht in dem Umfang, da die Weltwirtschaft noch nicht so entwickelt war. Die gewaltige Steigerung der Pro⸗ duktion hat die Ausdehnung des Warenhandels nach sich gezogen und zur Schaffung der Ueberseemärkte geführt. Der Welthandel und die Weltwirtschaft hat die Beziehungen der Völker zueinander immer enger gestaltet, und es ist erklärlich, daß jede Störung dieser Beziehungen, selbst wenn sie auf nur beschränktem Raume auftritt, sich bald allgemein bemerkbar macht. So beeinflußten, um nur einige Beispiele aus der neueren Zeit anzuführen, der chinesische Boxeraufstand und die Revolutionen in den verschiedenen

mittel⸗ und südamerikanischen Staaten, das Getriebe der Welt⸗

wirtschaft nicht minder, wie der russisch⸗japanische Krieg, der Buren⸗ krieg, der italienisch⸗türkische und der Balkankrieg. Handelte es sich hier nur um räumlich ziemlich beschränkte Kriegsherde, so be⸗ findet sich heute so ziemlich die ganze Welt in Gärung, und bei⸗ nahe ganz Europa steht unter den Waffen und bekämpft sich. Man kann sich vorstellen, welch ungeheuren Einfluß ein solcher Krieg auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der ganzen Welt ausübt. Die gesamte Gütererzeugung ist umgekrempelt und auf die Erforder⸗ nisse des Krieges eingestellt, und der gesamte Güteraustausch der Welt stockt. Das Wirtschaftsleben der Neutralen ist dabei fast in leichem Maße in Mitleidenschaft gezogen, wie das der Krieg⸗ A en; ja sie leiden unter den Folgen des Krieges und der englischen Gewaltherrschaft zur See zum Teil noch stärker als wir, die wir bedeutende Hilfsquellen zur Verfügung haben und weniger auf die Aus⸗ und Einfuhr angewiesen sind, als so manches andere Land, dessen Industrie und Landwirtschaft nicht in dem gleichen Maße entwickelt sind.

Zweierlei Dinge sind im gegenwärtigen Kriege nun stark in den Vordergrund getreten, da jeder der Kriegführenden möglichst viel an sich zu reißen sucht, um den Kampf so lange wie möglich fortsetzen zu können. Es sind: Lebensmittel und Muni⸗ tion. In beidem ist die Nachfrage in der ganzen Welt enorm gesteigert und in beidem haben sich infolgedessen Knappheit und erhöhte Preise eingestellt.

Was die Lebensmittel betrifft, so tragen zu der allgemeinen Teuerung verschiedene Momente bei. In erster Linie ist es die schon erwähnte gestörte Schiffahrt, die den Ausgleich zwischen Pro⸗ duktions⸗ und Konsumtions⸗Ländern hindert. Es liegen in Ar⸗ gentinien, Indien, Amerika und Südrußland große Mengen Ge⸗ treide aufgespeichert, die der Ausfuhr harren und dem allgemeinen Verbrauch vorenthalten sind. Unter den Gefahren, die weiter die Schiffahrt heute ich sich birgt, sind aber auch die Frachtraten in einer Weise gestiegen, daß sie die Verschiffung oft unmöglich machen. Der Preis des Getreides würde dadurch so sehr gesteigert, daß der Absatz auf Schwierigkeiten stoßen würde. Besonders ungünstig beeinflußt ist der Getreide⸗ und Lebensmittelmarkt durch das Auf⸗ speichern von Vorräten in den kriegführenden Ländern. Denn nur dadurch ist die Knappheit in vielen Fällen erst akut geworden. Neben der unvermeidlichen Spekulation, die ja in solchen

Zeiten nicht fehlt und möglichst viel beiseite zu schaffen sucht, um

es zu geeigneter Zeit und mit dem gehörigen Profit an den Mann zu bringen, haben die Staats⸗ und Militärbehörden nicht immer zur richtigen Zeit große Aufkäufe vorgenommen und dabei Preise angelegt, die außergewöhnlich hoch waren und die Marktpreise stark in die Höhe trieben. Mußte die starke Ansammlung von Vorräten an sich schon verteuernd wirken, so wurde diese Wirkung noch ver⸗ schärft durch die Bewilligung außergewöhnlicher Preise. Tie Ge⸗ treidepreise in Deutschland sind infolgedeffen von März 1914 bis März 1915 für Weizen von 189 Mk. auf 268 Mk. und für Roggen von 154 Mk. auf 228 Mk. gestiegen. Viel stärker noch ist die Spannung, die sich zwischen dem Getreide und dem Mehlpreis heute ergibt. Weizenmehl kostete im März 1914 245 Mk., März 1915 etwa 450 Mk., Roggenmehl März 1914 202 Mk., März 1915 450 Mk. War die Spannung März 1914 zwischen Ge⸗ treide⸗ und Mehlpreis etwa 4555 Mk., so beträgt er heute etwa

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

S

8

e N Freitag, 10. April 105

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul- 1 straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrist:. leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten 17

Anzeiger Gießen. g

4

3

85

185220 Mk. Daß dabei ganz enorme Zwischengewinne heraus⸗ kommen, liegt auf der Hand.

Aber es ist nicht etwa nur in Deutschland eine Lebensmittel- teuerung vorhanden, wie unsere Feinde gerne glauben machen möchten, die Teuerung erstreckt sich über die ganze Welt. Der Brot- preis ist in Holland z. B. ebenso hoch, wie in Ostfriesland, und in England bedeutend höher als in Deutschland. Selbst in Argentinien und Chile werden Volksversammlungen gegen die teuren Brotpreise veranstaltet, und in Rußland richten Arbeiterschichten Bittschriften an die Regierung, der Teuerung abzuhelfen. In den Vereinigten Staaten von Amerika stieg der Weizenpreis von 92 Cents bei Aus⸗ bruch des Krieges auf 155 Cents Anfang März dieses Jahres und in England von 34 Schilling auf 56 Schilling für das Quarter. Die Erscheinung ist überall die gleiche. Viele Länder, wie Holland, Italien, Schweiz, Dänemark, die Balkanländer usw. sind zwar nicht direkt in den Krieg verwickelt, aber sie sind gezwungen, die Lasten einer bewaffneten Neutralität zu tragen, müssen ihre auf Kriegsfuß gesetzten Armeen unter den Waffen halten. Ver⸗ pflegung und Ausrüstung verursacht große Aufwendungen. Das Bestreben geht deshalb auch bei diesen Neutralen dahin, zur Sicher- stellung der Verpflegung große Vorräte zu unterhalten. Man sperrt die Grenzen für die Ausfuhr und sucht auf der anderen Seite durch Einfuhr die eigenen Vorräte zu ergänzen. So ist die Jagd nach Lebensmitteln eine allgemeine geworden und nur ihr ist die Verteuerung zu danken, nicht dem eigentlichen Mangel. Inwieweit ein solcher besteht, ist schwer festzustellen. Bei uns in Deutschland kann von einem Mangel kaum gesprochen werden. Der eigentliche Verbrauch kann wie bei uns so auch in der ganzen Welt kaum)/ größer geworden sein. Die Menschen haben sich unter dem Einfluß des Krieges ja nicht vermehrt, sie vermindern sich vielmehr. Eine Ansammlung an bestimmten Orten hat auch nicht stattgefunden. Die Fronten der Kriegführenden sind so unendlich lang und aus⸗ gedehnt, daß von einer größeren Ansammlung nicht gesprochen werden kann. Lediglich das Aufstapeln von Vorräten bei Groß und Klein und die ängstlich gesteigerte Nachfrage hat die Teuerung der Lebensmittel nach sich gezogen.

Etwas einfacher liegen die Verhältnisse für den zweiten und direkten Kriegsbedarf: Waffen bzw. Munition, mit dem nur die Heere zu tun haben. Bei dem kolossalen Verbrauch an Geschossen wird das dafür benötigte Eisen knapp und teuer. Die Kriege früherer Jahre wurden durch ein-, höchstens zwei- oder dreitägige Schlachten entschieden. Heute dominiert der Stellungskampf in den Schützen⸗ gräben. Der Kampf ist ein ohne Unterbrechung fortgesetzter Be⸗ lagerungskrieg, in dem die Artilleriekämpfe stark überwiegen. Diese kosten aber Granaten und Schrapnells. In Deutschland hat sich sofort die ganze Eisenindustrie mit der ihr eigenen Anpassungs⸗ fähigkeit darauf eingerichtet. Bei ihrer bekannten Leistungsfähigkeit konnte sie noch mehr als den eigenen Bedarf decken. Bei unseren Gegnern liegen die Dinge etwas anders und England muß zu seinem Leidwesen jetzt feststellen, daß seine eigene Munitionsher⸗ stellung mit Schwierigkeiten verknüpft ist. Die englischen Fabriken können nicht genug liefern und die Vermehrung der Herstellung scheitert an der Arbeiterfrage. Rußland leidet unter offenbarem Mangel an Munition, da seine eigene Erzeugung den Ansprüchen gar nicht gewachsen ist, die Zufuhr aber auf Schwierigkeiten stößt. Daß die Preise unter diesen Umständen stark in die Höhe gegangen sind, fällt in der Oeffentlichkeit weniger auf, da die breite Masse des Volkes davon weniger berührt wird als von der Lebensmittel-

teuerung. Für den Krieg selbst scheint die Frage der dauernd aus⸗ Waschen

reichenden Munitionsbeschaffung aber von großer Bedeutung zu werden; nicht mehr die letzte Milliarde, sondern die letzte Granate scheint jetzt nach englischer Auffassung die Entscheidung zu bringen. Nachdem der Brite eingesehen hat, daß uns die Milliar⸗ den gar keine Schwierigkeiten machen, hofft er, daß uns das Eisen ausgeht. Wir halten's aber auch darin aus. Wenn das Eisen auch um 4050 Mk. seit Ausbruch des Krieges gestiegen ist und die daraus hergestellten Granaten im gleichen Verhältnis, so bleibt das Geld im Lande, und was das wichtigste ist, wir sind in der Lage, unsere Eisenerzeugung noch von Monat zu Monat zu steigern. Unsere Feinde können aber auch darin nicht auf eigenen Füßen stehen, sondern sind, wie überall, auf fremde Hilfe angewiesen, die sie teuer bezahlen müssen. Die Munitionsverteuerung trifft sie also schwerer als uns, die Lebensmittelteuerung aber in dem gleichen

nichts englisches in unserer Seemannssprache.

Man glaubt vielfach, daß unser Seemannsdeutsch von der 5 57 Sprache beeinflußt sei. Gegen diese Anschauung wendet sich nun ig der von der Vereinigung von Freunden der nieder⸗ deutschen Sprache und Literatur in Hamburg herausgegebenen Zeitschrift Quickborn einer der vorzüglichsten Kenner unserer See⸗ mannssprache, der frühere Marineoberpfarrer Geh. Konsistorial⸗ rat Gustav Goedel und weist nach, daß der ursprüngliche nieder⸗

deutsche Kern und Inhalt unserer seemännischen Ausdrücke von

8

aus Anla

fremden Einflüssen frei und rein geblieben ist. Grade umgekehrt liegen die Verhältnisse: wo es auf den ersten Blick so aussieht, als ob ein Seemannsausdruck aus dem Englischen herstamme, da sind im Gegenteil wir die Beeinflussenden und die Engländer die Be⸗ einflußten, denn abgesehen vom Maschinenwesen haben die beiden Sprachen gemeinsamen Seeausdrücke die Briten von uns, nicht wir von ihnen. Die eigentliche deutsche Seemannsspache ist der englischen nichts schuldig; sie ist ihre Mutter, nicht ihre Tochter. Der Ur⸗ sprung unserer heutigen Marinesprache liegt im Niederdeutschen, denn noch vor 40 Jahren sprachen die Seeleute durchweg nieder⸗ deutsch, und erst mit dem Wachstum unserer Marine hat sich dann auch die Sprache geändert; unsere blauen Jungens kommen heute aus allen deutschen Gauen und reden mit allen deutschen Zungen. Die Segelschiffahrt, die früher die Hauptrolle spielte und von den niederdeutschen Seebären nach altem Väterbrauch geübt wurde, hat der Alleinherrschaft der Maschine weichen müssen. Das brachte ein großes nicht seemännisches, sondern technisches Personal in die Marine, und so stehen auch diese modernen technischen Ausdrücke außerhalb der eigentlichen Seemannssprache. Aus diesem Jung⸗ brunnen des Nicderdeutschen hat unser Sprachschatz eine wertrolle Bereicherung erfahren.Unsere heldenmütige Marine, sagt Goedel,die in unsern Tagen der Welt glorreich gezeigt hat, in wessen Hände der Dreizack gehört, deren Schiffe auch im Untergehen noch die erhebendsten Siege davontragen, deren Männer so opfer⸗ freudig sterben für Deutschlands Flagge und Ehre, diese junge Marine mit dem alten Heldengeiste hat uns viele der schönsten mittelalterlichen Seemannsausdrücke und wendungen treu auf⸗ bewahrt und gewissenhaft überliefert. a Die Niederdeutschen waren lange vor den Engländern see⸗ tüchtige Männer, und so sind denn unzählige Ausdrücke aus ihrem Sprachgebiet in das englischevon denen man heute glaubt, sie seien erst frisch aus Britannien eingeführt. Ein schlagen⸗ des Beispiel dafür ist das WortNacht, Früher sprach man es bei uns in Deutschland englisch aus; jetzt hat sich das ge⸗ ändert, aber für englisch gilt es noch bei vielen. Und doch ist es so deutsch wie nur möglich. Pachten gab es in Niederdeutschland durch das ganze Mittelalter hin; ja sogar im Oberdeutschen erwähnt rohnsberger 1565Renn⸗ und Jagschiff. Vom Rennen, Jagen, chnellfahren also hat das Schiff den Namen. Der Ausdruck wurde dann in den Niederlanden schon in unserm neuzeitlichen Sinne ge⸗ braucht: es gab Spieljachten, Herrenjachten Eine solche schenkte die holländisch-ostindische Kompagnie 1 Karl II. von England der Verlobung seiner Nichte Maria mit Wilhelm III. Evelyn in seinem berühmten Tage⸗

e e e

Maße. Wir können deshalb den Wettbewerb mit Erfolg auf beiden Gebieten aufnehmen. 1

London, 15. April.(WTB. Nichtamtlich.) Der Brot⸗ preis wird in London am nächsten Montag auf Pence für vier Pfund steigen. 5

3

Kriegsbriefe aus dem Osten. 1 Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatten (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) 4

Suwalki Memel. II.

Wieder in Ostpreußen. 1

Memel, Anfang April.

Wir haben wieder eine große Schlacht gewonnen, der Feind

weicht zurück, wir können jetzt einige Tage der Ruhe pflegen. Mit herzlichen Grüßen an die ganze Familie Euer... So sieht der Vordruck aus, den die russischen Soldaten in mehreren Exemplaren mit sich führen, und den sie an Stelle eines Briefes in die Heimat schicken sollen. Es braucht nur noch der Name aus⸗ efüllt zu werden, wenn der Absender zufällig sollte schreiben önnen. Es war auf der Etappe in Goldap, da wir diese russischen Siegesbriese auf Vorrat belächelten. Das Gasthaus von Krecht

haben die Russen niedergebrannt, da hat der Besitzer in einer Privatwohnung eine Speiseanstalt aufgemacht. Ein paar Tische und Stühle sind in zwei großen Zimmern malerisch verteilt, ein Faß helles Bier steht auf einem Schemel, und es gibt etwas zu essen. Wir waren begeistert, erstens, daß es überhaupt etwas zu essen gab und zweitens über das Wie. Es gibt ganz unglaublich saubere Teller in Deutschland, es gibt sauber gescheuerte Tische, e gibt grüne Bohnen zu einem richtig gehenden Kalbskotelett. Der Rittmeister T., der mit uns war, verstieg sich zu der Behauptung, es wirrde in Insterburg sogar reine Tischtücher und reine Bett⸗ wäsche geben. Ach, nach diesen langen Wochen in dem Lande, man diese entzückenden hektographischen Soldatenbriefchen herstellt, erschien uns das so ausschweifend anspruchs voll, daß wir's uns kaum vorstellen konnten. DasHotel Europäßki, der Europäische Hof in Suwalki, hatte ja auch einige Gerichte, die man täglich essen konnte. Am besten war es, man ging um die Schummerstunde hin, da sah man nicht, daß die hauptsächlichste Zutat in reinem und unverfälschtem Schmutz bestand, daß die Teller noch mehr klebten als das Tischtuch; noch besser war es freilich, man ging überhaupt nicht hin und suchte sich zu Hause das Notwendige zu erkochen. Fleisch war ja nicht teuer, eine Kalbskeule, so von sieben Pfund, erstand mein in solchen Dingen außerordentlich tüchtiger Bursche für 2 Mk., aber ich muß gestehen, die Wohnung des Buch 5 druckereibesitzers, die wir als Quartier erwählt hatten, war schon bei unserem Einzug nicht gerade sauber und hatte keinen Ueberfluß an brauchbarem Geschirr. Unter den festen Händen unserer Burschen,

die ausgezeichnet mit Pferden umgehen können, verbesserte sich dieset Zustand gerade nicht. Allerdings hatten wir noch Maruschka, die eigentlich Rosalie hieß. Ihre Herrschaft hatte sie hier gelassen und sie mußte nun sehen, wie sie sich durchhalf. Ein armes, kümmer⸗ liches Geschöpf, das nur mit größter Mühe davon abzuhalten war. für jedes kleinste Geschenk die Hand zu küssen. Sie wusch auch Ihr war durch für Suwalki unerhört neuzeitliche Ar 2 unterstützt, sie besaß eine Wringmaschine, tadellose Bügeleisen 8 alle möglichen Seifenpulver, aber es ist tatsächlich so, die Wäsche war weiß bis hellgrau, wenn sie in ihr Waschgefäß kam, und war dunkelgrau bis schwarz, wenn sie geplättet zu uns zurückkehrte. Es war mit Leichtigkeit der Augenblick vorauszusehen, da der englische Rekord, das schwarze Taschentuch(übrigens auch ein Beispiel für die sogenannte sprichwörtliche Reinlichkeit der Engländer!) erreicht war. Immerhin war Suwalki ein großartiger Aufenthalt, was wir jedesmal wieder feststellten, wenn wir aus der Linie kamen. Außer⸗ dem gewöhnt man sich an alles, der Gedanke an die Truppe läßt höchstens dem Gefühl Raum, daß man es oft noch viel zu gut habe. Nun wieder in Deutschland! Als wir nach Insterburg kamen, hatte der prophetische Rittmeister natürlich recht, es gab die un⸗ erhörtesten Genüsse. Ich glaube, man kann sich zu Hause gar nicht

r

buch:Ich segelte heute morgen mit Seiner Majestät auf einer seiner Pachten oder Vergnügungsschiffe, Fahrzeuge, die bei uns unbekannt waren, bis die holländische⸗ostindische Kompagnie dies merkwürdige Stück dem König schenkte. Wir wissen also ganz genau, wann das deutsche Wort Jacht von den Engländern über⸗ nommen wurde.

Aehnlich verhält es sich mitBackbord, das nichts mit dem englischen back zu tun hat, sondern von dem gut niederdeut⸗ schen Back kommt, das Rücken bedeutet. Da auf den Schiffen der Wikingerzeit der Steuernde hinten saß und sich nach rechts über den Bord mit dem Oberkörper vorbeugte, so war es natürlich, daß er den rechten Bord Steuerbord nannte, während er den lin⸗ ken, dem er den Rücken zudrehte, als Backbord bezeichnete. Diese Bezeichnung kommt schon 1400 in dem niederdeutschenSeebuch vor:Unde sal so insegelen, dat he twedeel van dem watere schall hebben an backbort van ane. Back ist also ein kostbares nieder⸗ deutsches Erbstück unserer Sprache, dessen Grundbedeutung etwas Gebogenes, Gekrümmtes,Rücken ist, etwas Rundes, etne Backe, wie wir hochdeutsch sagen. Daraus erklärt sich die Bedeutung aller sechs verschiedenen Arten von Wörtern mit Back, die in der Seemannssprache verwendet werden. Die AusdrückePflicht, Achterpflicht, die im Seemannsdeutsch eine bestimmte Stelle des Schiffes bezeichnen, stammen nicht von dem englischen plight her; vielmehr ist Pflicht, aus dem eine sinnlose hochdeutsche Ver⸗ änderung Pflicht hat, ein altes niederdeutsches Wort für Decke; das alteBremer Wörterbuch schreibt Plight, und so ist es ins Englische gekommen.Pijacke, die Bezeichnung für den kurzen, marineblauen Matrosenüberzieher, wird zwar vielfach eng⸗ lischPeajacke geschrieben; Pi kommt aber von einem ehrlichen deutschen Wort her, das auch Pige, Pije heißt und Jahrhunderte hindurch in Niederdeutschland für Jacke gebraucht wurde. Der RifReise! Reise!, mit dem die Mannschaft morgens zum Aufstehen geweckt wird, ist wiederum nicht englisch, so sehr er es auch scheinen möchte. Das englische rise aufstehen, stammt nämlich von dem miederdeutschenrysen- sich aufmachen her und war als Weckruf üblich, lange bevor das Englische einen Ein⸗ fluß auf den niederdeutschen Sprauchgebrauch hätte ausüben kön⸗ nen. Ebenso ist preien ein Schiff anrufen ein weitverbreitetes niederdeutsches Wort, das englisch zupray geworden ist. Diese

Beispiele ließen sich noch ins Unendliche vermehren, doch auch ste P.

zeigen schon, daß in der eigentlichen alten niederdeutschen See⸗ mannssprache ni Englisches zu finden ist. *

Das Laborcza⸗Tal und die Beskiden.

Die schönen Erfolge, die die deutschen und die österreichischen Truppen im Laborcza⸗Tale errungen haben, haben die Aufmerk⸗ samkeit ganz besonders auf jenen Teil des Kriegsschauplatzes ge⸗ lenkt, der von den Abhängen des Waldgebirges der Beskiden er⸗ füllt ist. Obgleich die Gipfel der Beskiden über 1500 Meter kaum hinausragen, so bildet das Gebirge doch einen scheidenden Wall zwischen izien und Ungarn, weil sich der Verkehr nur auf

jenen Durchbruchstälern vollziehen kann, die zum Teil nicht oa Schwierigkeiten zu den Pässen führen, um die jetzt schon seit

en

Wochen so schwer gekämpft wird. Durch diese Täler laufen dann auch die Eisenbahnlinien, die Ungarn mit Galizien inden. Das Tal des Laborcz ist das mittelste dieser Durchbruchstäler und so recht im Herzen der Beskiden gelegen. Vom Lupkow⸗Passe strömt der Laborczfluß von der Höhe des Gebirges durch wild⸗

romantische Sandstein⸗ und Kalkberge, deren Hänge weithin mit

dunklen Nadelwäldern besetzt sind, deren Gipfel aber zuweilen kahl über die Wälder hinausragen, südwärts ins reiche ungarische Komitat Zemplin herunter. Der Laborczfluß trägt denselben Cha⸗ rakter, wie er den Gewässern der Beskiden allgemein zu eigen ist. Es sind Wasseradern, die im Sommer nahezu versiegen, aber j Ft, wenn unter der Kraft der Sonne die Schneeschmelze eintritt, wachsen diese Gebirgsbäche gewaltig an und werden zu wilden

Strömen, die sich mit mächtiger Kraft der Ebene zuwälzen. Die Eisenbahn folgt im Laborczatale natürlich der Führung, die die

Natur selbst ihr vorgeschrieben hat. Von Galizien her eilend, trifft

sie zuerst auf das Städtchen Mezö⸗Laborcz, die erste größere An⸗

siedlung auf der ungarischen Seite. Die Lage dieses Städtchens ist überaus romantisch. Ein Teil der Bevölkerung, die auch hier

noch größtenteils von Ruthenen gebildet wird, betreibt einen leb⸗

1 Handel mit Holz und Holzgegenständen. Weiter folgt die Eisenbahn dem strömenden Laborcz nach Süden; der Blick auf die Beskidenlandschaft ist fortgesetzt fesselnd, da das Tal beider seits von schönen Bergen eingefaßt wird. Da, wo der Laborcz

von Osten her die Cziroka aufnimmt, liegt der Hauptort des Laborczatales, das jetzt so viel genannte Homonna, ein lebhafter Ort, dessen Märkte viel besucht sind und der in hügeliger, von schönen Bergen umhegter Gegend liegt. Auch geschichtlich ist diese Gegend nicht ohne Reiz. Von zwei Seiten schauen Bu 5 auf Homonna herab; von der einen Seite die Burg Jeszenö, von der anderen die Burgruine Barko. Die bekannte ungarische Grafen⸗ familie der Andrassys ist in dieser Gegend begütert. Ein Ausflug von Homonna aus die Cziroka aufwärts, ist in hohem 15 lohnend. Man steigt dann hinauf zu dem Oertchen Szinna, das am Fuß des Szinnaer Steins liegt. Hohe Berge umgürten diesen Bergort; herrliche, hochstämmige Laubwälder bedecken die Berge ringsheund vier Bäche, die von den Höhen herabrauschen, nne: 5 ippe, ein stattlicher Herrensitz in wohlgepflegtem, großem

A *

Die Wiedereröffnung des Luxembourg⸗ Mu- seums in Paris. Der Präsident der Republik wird demnächst die feierliche Wiedereröffnung des seit Ausbruch des Krieges ge⸗ schlossenen Luxembourg⸗Museums vornehmen oder doch wenigstens die teilweise Wiedereröffnung. Nur eine kleinere Anzahl von Räu⸗ men wird dem Publikum zugänglich gemacht, und diese Säle werden zwei interessante Ausstellungen beherbergen. Die eine ist eine Sammlung von Radierungen, die der englische Künstler Frank Brangwyn im August 1914 im ersten Rausch der Begeisterung dem französischen Volk geschenkt hat: die andere eine Zusammenstellung der wichtigsten Werke belgischer Künstler, die sich in den französi⸗ schen Museen befinden. 5

7