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Erscheint taglich mit Ausnahme des Sonntags.
Zweites Blatt
Die„Siezener Familiendlatter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Siehen“ zweimal wöchentlich. Die„Tandwirtschaftlichen zeit ⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
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165. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Gberhessen
Die Bismarckfeier in Gießen. Gießen, 1. April 1915. Die Blüte des Volkes gräbt den Namen des Reichs-
schmiedes draußen mit ihrem Schwert und unter dem Opfer ihres Herzblutes von neuem und mit gigantischerem Ausdruck, als ein Wort es sagen kann, in den Gang den Geschichte ein, macht die titanische Probe auf die Richtig⸗ keit von Bismarcks Lebenswerk und begeht damit eine Bis⸗ marckfeier, gegen deren Urgewalt alle Fanfarenklänge und Weiheworte ein Gestammel sind, sein müssen. Deshalb muß der Daheimgebliebenen schönste Feier die stille Dankbarkeit sein gegenüber dem großen Kanzler und denen, die auf den Schlachtfeldern und den Meeren sein Werk krönen. Dann erst kommt der äußere Ausdruck dessen, was wir an dem. Tage fühlen, da vor hundert Jahren Bismarck geboren wurde. Um diesen Ausdruck wieder ist es etwas Eigenes, Hohes, das in seinem Ernste und seiner Tiefe im Frieden nicht entfernt erreicht worden wäre: Wir Daheimgebliebe⸗ nen, der Teil der Nation, den Millionen von Söhnen und Brüdern mit ihrem Leben schirmen, begehen den Tag mit den Ausdrucksmöglichkeiten, die uns an die Hand gegeben sind, aber was dieser Feier ihre Weihe, die Würde eines Gottesdienstes gibt, das ist eben die tiefe, über⸗ quellende Dankbarkeit nicht nur für das, was uns Bis⸗ marck vermacht hat, sondern auch dafür, was in seinen Spuren und mit dem von ihm geschärften Schwerte unser Heer verrichtet Im Frieden würden wir für ein erworbenes Gut danken, heute danken wir dafür, daß und wie wir verteidigen können, was wir erworben und was man uns rauben will. N ö
Diese Weihe lag auch über der Feier, die gestern abend im Stadttheater die Bürgerschaft zusammengeführt hatte. Eine festliche Versammlung füllte das fahnenge— schmückte, strahlend erhellte Haus vom Parkett bis hinauf
höchsten und letzten Platz. Von der Bühne blickte aus
lattgrün und Goldlorbeer der wuchtige Kopf des Eisernen] Ka
Kanzlers. Um ½9 Uhr begann das Orchester mit Beet⸗ hovens„Namensfeier“ ein Programm einzuleiten, dessen Hochwertigkeit und andachtsvolle Würde zu jedem Teil⸗ nehmer mit nachdrücklicher Wirkung sprechen mußten. Aus 14 Gießener Gesangvereinen hatte sich unter dem Taktstock Prof Trautmanns aus ganz Jungen und aus Alten ein Massenchor gebildet, der mit prächtigen Mitteln und in vortrefflicher Schulung das deutsche Lied zum Mitt⸗ ler der vaterländischen Begeisterung machte. Edel im Ton und 1 stimmend in der Auffassung erklang Theo⸗ dot ters herrliche Hymne an den Schlachtenlenker, des⸗ sen starke Faust die Lüge stürzt und das Recht zum Siege a n So fand e Keller den Boden für sein Hoch auf Kaiser und Reich gut vorbereitet. In kurzen,
ö ollen Worten bewies er, daß der Eiserne er sein 8 2 zu ehren seien, als d die rückhaltlose, kein Opfer scheuende Hingabe an das Reich, das er gehämmert habe, und an den, der an des Reiches 5 7 stehe. Begeistert stimmte die Versammlung in die huldigung auf Deutschland und seinen Kaiser ein und sang stehend die Nationalhymne. Frisch und zu Herzen gehend in ihrer schlichten Volkstümlichkeit und ihrem doch so stol⸗ zen Flug ertönten dann die Klänge des Liedes, das unsere Soldaten vor allen anderen bevorzugen:„O Deutschland hoch in Ehren“ mit seinem packenden Rhythmus und dem anfeuernden Schlusse: Haltet aus im Sturmgebraus. Dann
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Donnerstag, J. April 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
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sang der Chor Marschners schöne Komposition:„Und hörst du das mächtige Klingen.“ Er leitete damit zur Festrede über, die in Geh. Kirchenrat Prof. D. Eck den berufensten Interpreten gefunden hatte. Was der Redner in seiner über— quellenden, geist- und formvollen Art zu sagen hatte, ging in weitem Bogen all dem geräuschvollen Glanze aus dem Wege, der sich bei der Betrachtung von Bismarcks ruhm— und ehrenumprangter Gestalt so leicht in Wort und An— schauung stiehlt. Aber aus den liebevollen, gedankentiefen Untersuchungen des Redners, die von Anfang bis zu Ende eine lautlose Spannung im Hörerraum wachhielten, wuchs aus großen und kleinen, meisterlich geschilderten Zügen ein Menschenbild; ein riesiges freilich, aber kein lebloses Prachtdenkmal, sondern ein Bild von Fleisch und von Blut.
Die Weltgeschichte, so sagte der Redner etwa, hat es selbst auf sich genommen, in unsere Feier des 100. Geburts- tages Bismarcks den Stil zu bringen, den Festordner zu vertreten. In dem Stil allein, der dem Gewaltigen ziemt, stellt sie ihn vor alle Völker der Erde auf die Bühne des Weltkrieges: Es soll das Werk den Meister loben. Und Mil— lionen Fäuste krampfen sich in Wut, daß er unser war, wir aber blicken in heißer Liebe zu ihm, denn Er hat uns ein 1914/15 geschenkt und ermöglicht.
Wir haben am gleichen Ort, wo wir heute Otto von Bismarck feiern, der Zeit von 1813 gedacht, haben uns die Kraft, die damals in einem kleinen Volke Unendliches zu⸗ wege brachte, mit Bewunderung betrachtet. Als 1914 kam, haben wir uns staunend gefragt: Gibt es denn ein Gleiches heute noch, ist noch einmal eine Zeit gekommen, in der alles Eisen und Faust und Feuer ist? Wir staunten, daß dieselbe Sehnsucht, die gleiche Hingabe wieder in Flammen empor loderten. Aber dennoch ist es heute anders als damals. Zwi⸗ schen 01 und 1914 stand die Zeit von 1870/71, stand Bis- marck.
In der Zeit der Befreiungskriege geboren, aber ohne ihren Rausch erlebt zu haben, mit der Vaterlandsliebe eines guten Preußen im Herzen, ein toller Korpsbursch, ein guter merad, kein Freund der Kollegien, aber damals schon ein Grübber zuzeiten— so stellt sich der junge Bismarck uns dar. Vom Staatsdienst, den er seiner Mutter zuliebe einschlug, hält er wenig. Es vermag ihn nicht zu locken, in einem Or⸗ chester Triangel oder Violine zu spielen. Er will eigene Musik machen oder gar keine. So geht er auf seine Güter und spielt acht Jahre den Herrscher im Kleinen. Hunde und Pferde, Jagd und Spiel, Wein und Geselligkeit füllen äußer⸗ lich sein Leben aus, und über Pommerns Grenzen hinaus webt man um die Gestalt des wilden Gutsherrn von Kniephof aben⸗ tenerliche Legenden. Aber die Feuerseele, die in dem Manne wohnt, kennt keiner. Niemand weiß, wie er ruhelos, in heißem Ringen bei den Denkern des Altertums, des Mittelalters und der neuen Zeit anklopft, um Lösungen für die Rätsel zu er⸗ halten, die seine Seele zerwühlen: Gott, Welt, Mensch. Niemand weiß, wie er trotz seinem Suchen in die Sackgasse des Zweifels gerät, wie ihn aus allen Ecken seines zwecklosen Seins Niedergeschlagenheit und Langeweile vor sich selber angrinsen. Es kam eine Zeit, da er in einem kleinen, be⸗ schränkt⸗pietistischen Kreise dem Wesen des Glaubens, dessen Begleiter, aber nicht Schöpfer ihm Zutrauen und Vertrauen waren, unter Einbeziehung seines Willens nachzudenken begann. Aber beten lernte er erst, als ihn die Nachricht er⸗ reichte, daß eine liebe Freundin mit dem Tode ringe. Was ihn vordem seine Ehrlichkeit zu erfassen gehindert hatte, das schoß jetzt in seiner Seele auf: Er kam durch seinen Willen zum Beten und Glauben, und Beten und Glauben haben ihn
— Bismarck als Redner. Von Jugend auf war es einer meiner sehnlichsten Wüns gewesen, des Deutschen Reiches großen Kanzler 3 1 hören. Gesehen hatte ich ihn in Berlin, als er in der shistorischen Uniform der Halberstädter Kürassiere vom Reichskanzlerpalais in die Wilhelmstraße zum Reichstagsgebäude eilte, das sich damals noch in der Leipziger Straße befand; aber Zutritt zu einer Sitzung zu erlangen, in der Bismarcks Eingreifen in die Aussprache be⸗ vorstand, war mir nie geglückt, denn solche Sitzungen waren von vornherein als„große Tage“ gekennzeichnet und die Eintritts⸗ karten schon tagelang an bevorzugte Sterbliche— zu denen ich mich nicht zählen durfte— vergeben. Erst im Sommer 1892, als der Kanzler a. D. war und seinen gewohnten Aufenthalt zu Kissingen genommen hatte, erfüllte sich mein Wunsch, indem ich mich einer grösseren Abordnung bayrischer Lehrer anschließen durfte, die vom Fürsten erwartet wurde und mit einer Ansprache begrüßt werden sollte. In höchster Spannung harrten alle Zugelassenen im Hofe der oberen Salinenanlage, bis die(hohe Gestalt im schwarzen Rock und großem Schlapphut, n auf einen Stock, in der hinteren Tür des 8 hauses erschien und zu dem Platz im Schatten schritt, der für solche Empfänge, die damals nicht selten waren, herhalten nrußte. Und als der Kanzler mm den Hut abnahm und mit scharfem Blick aus hellen Augen die Anwesenden musterte, ehe er zu n de durchfuhr mich unwillkürlich der Gedanke, nur hat das Typische dieses„Einzigen“ wirklich 1 aber dieser cuich in umvergleichlicher Weise,
von der Hünengestalt, von der man den sonoren Klang einer kräf⸗ tigen Männerstimme erwartet hatte, einen verhältnismäßig hellen Ton in hoher Stimmlage zu vernehmen, der in etwas an den be⸗ kannten Jargon des preußischen Junkers gemahnte. Dazu lam, daß der Redende öfter 3 im Satz größere Pausen machte, was
manchmal u Eindruck des Stockens vortief. Aber bald merkte der Zuhörer, daß dee e nur dem Suchen nach den treffendsten Vergleich, anschnu⸗
was er einmal gewissen Parlamentariern
st auf den stür⸗
das bekannte Wort„er laufe polternd und nörgelnd hinter dem Reichswagen her“ beweist.. Ke sprechen gehört hat, dem mußte sich die Ueberzeugung aufdrängen, daß— harte persönliche Verstimmung zugegeben— nicht Groll ihm die Worte auf die Zunge gelegt hat, sondern heiligste Sorge um des Reiches Wohl und Zukunft. Tief ergreifend war es, als er damals auf bayrischem Boden zu Bayern davon sprach, daß es notwendig gewesen sei, den süddeutschen Brüdern 1866 wehe zu tun, unt die Einigung später zu ermöglichen, tröstlich aber auch für jeden Patrioten, wenn er bei allen Bedenken doch mit Zu⸗ versicht der Zukunft Deutschlands entgegensah, ein Gedanke, den er später dann folgendermaßen formuliert hat:„ich habe das Vertrauen, daß Gott dies deutsche Reich, das mit so viel Hammer- schlägen und Blutvergießen auf dem Schlachtfelde zusammengefügt und gegründet ist, doch nicht wieder zerreißen lassen, sondern auch für fernere Zeit zusammenhalten werde“ 5.
Ein paar kleine Züge von jener Stunde in Kissingen seien noch beigefügt, die auch den Menschen Bismarck zeigen; so unter⸗ brach er sich mitten im Satze und bat in liebenswürdigster Weise einige 11 die mit abgenommenem Hute in der Sonne stan⸗ den, sich doch zu bedecken. indem er auf seine günstigere Situation um Schatten hinwies. Ein anderes Mal benutzte er eine kleine Unterbrechung, während der ihm ein Glas Wasser gereicht wurde, dazu seiner Frau, die neben Dr Schwenninger von einem Fenster licher Wel* des. i der Rede zuhörte, iu ritter⸗
e zuzuwinken..
Vom Gesamteindruck sei gesagt, daß der Kanzler als Redner alle Zuhörer bald unbedingt in seinen Bann gezwungen hatte. Das Gefühl, daß aus diesem Mann die verkörperte Weltgeschichte sprach, die Tiese und Ursprünglichkeit der Gedanken, die natür⸗ iche und liebenswürdige Art sich zu geben, das alles wirkte rabezu faszinierend. Mochten anfangs einige im stillen Vergleiche mit damals berühmten Parlamentsrednern wie Eugen Richter, Hofprediger Stöcker, August Bebel gezogen haben, so waren fich doch, als die hohe Gestalt wieder unter brausenden Hochrufen unter der Tür des Herrenhauses verschwunden war, alle einig, daß sie nicht nur den größten Mann, sondern auch den eigenartig⸗ steu und wunderbarsten Redner ihrer Zeit gehört hatten.
. Hermann Steingoetter. *
— Das deutsche geographische Aexrgernis. Un⸗ mittelbar nach dem Ausbruch des Krieges stellten die Pariser sest, daß es ihrer unwirrdig sei, noch weiterhin in der franzö⸗ si Hauptstadt Straßennamen zu dulden, die irgendwie an schland erinnerten, und so wurden diese Straßen schleunigst umgetauft. Andere französische Stadtgemeinden folgten alsbald diesem Vorbilde, allein der, Matin“ muß mit Schmerz feststellen, daß das deutsche geographische Aergernis“ sich nach wie vor in der französischen Provinz breit macht. Es gibt eine ganze Reihe von ten, die klipp und flar den Namen des Landesfeindes tragen. lleber die Stadt Berlin im Departement Gironde und die beiden Ortschaften Boche in den Departements Ain und Ober⸗ savoyen könnte man allenfalls noch hi„aber wie sollen die Bewohner der zehn Ortschaftenf Leben ertrugen, die, wenn man sie nach ihrer Heimat fragt, sich eigentlich als
Wer aber den entlassenen Kanzler] All
bis ans Lebensende nicht mehr verlassen. Gleich Goethe findet er weiter in Shakespeare, dem Dichter des Gewissens, und im größten Werke der Weltliteratur, der Bibel, die mächtigsten und klarsten Quellen für seine Entwicklung. Und als er gar seine Braut kennen lernt, da krönt das Glück, was der Schmerz begonnen hat. Unsagbar fein und vielgestaltig mögen da gerade bei ihm die Wechselbeziehungen zwischen Glauben und Frauenliebe gewesen sein. Und er fühlt sich für alle Zukunft als den aufrechten Tatenmenschen, als einen Soldaten Gottes mit dem Bewußtsein schuld⸗ hafter Oede ohne ihn.
Dies persönliche Schicksal wurde von weltgeschichtlicher Bedeutung. Ueber allem Grübeln die Tat! Diese Weissagung Goethes realisierte er. Erst als seine absicht⸗ liche Realpolitit einsetzte, kam der große Wandel ins deutsche Staatsleben. Luthers Leben wird in ihm lebendig. Nicht als mystische Gottsucher, sondern als kraftvolle Bejaher der tatkräftigen Unterstützung des Glaubens durch die Mächte, die da Himmel und Erde tragen, sprach der eine demutsvoll: Wir Deutsche fürchten Gott, und demutsvoll und doch so stark und keck fügt der andere über drei Jahr⸗ hunderte später hinzu: Und sonst nichts in der Welt. Das ist ein einziger Ton, der aus den beiden gewaltigen Erschei⸗ nungen klingt. Vor beider heißer Leidenschaft und heilig⸗ jähzornigem Donnerwort zittern die Feinde, aber aus beider tiefen Augen leuchtet auch die unendliche Liebe und Zärtlichkeit des Empfindens, die zur Gründung der Häus⸗ lichkeiten führten, in denen Weltweisheit als Tischgespräche geboren ward. Und in der Einsamkeit denken beide nicht zuerst an ihre weltgeschichtlichen Taten, sondern sprechen mit Gott und ihrer Seele.„Wir fürchten Gott!“ Das muß man mit Nachdruck betonen, wenn man Bismarcks viel⸗ berufenen Ausspruch zitiert. Und wenn Bismarck gesagt hat, daß nur durch Blut und Eisen und nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse die großen Fragen einer Zeit ent⸗ schieden werden, dann war auf dies Wort dasjenige von der Gottesfurcht des Deutschen gleichsam ein Siegel. Selbstvertrauen und Gottvertrauen sollten den Staat zu dem emporheben, was sein eigentlicher Begriff sei, zur Macht.
Als man in Frankfurt eine Kaiserkrone machen und nach Berlin schicken wollte, wies Bismarck auf den einzigen Punkt hin, an dem der Hebel angesetzt werden konnte; er zeigte auf den Fleck, an dem schon die ersten Ansätze für den Kaiserstaat zu sehen waren; er bewies, daß die Geschichte nicht gemacht wird, sondern langsam und folgerichtig wächst, und mit dem Wesen des Genius setzte er hier, wo sich eine —— seine Arbeit an: Er, der Stockpreuße, wird Preu Hr Kaiser machen, um Deutscher zu werden. Son„ was Bismarck an Zuwachs und Ge⸗ winn, an Ehren und Reichtum seinem Lande schenkte, sei nicht gesprochen. Denn die Kämpfe, die er darum bestand, warten nicht seine schwersten. Am heißesten waren die Fehden, die er mit seinem stber alles auf Erden gelieb König zu bestehen hatte. Wie hat er sich gemüht, fe königlichen Herrn über alle Deutschen hinauszuheben und alle Ehren auf ihn zu häufen, wie hat er sorgsam und mit
Hand all die empfindlichen Keime von Deutschlands
Zukunft in die Seele des Königs gesenkt, um ihre Ent⸗ wicklung abzuwarten und sich dann zum Mittler des Königs⸗ wortes, des Entschlusses des Herrn zu machen. Da
manchmal der jähzornige, aufrechte Mann sein Herz fest in beide Fäuste nehmen, denn— so faßte er seine Mission auf— er war der erste und ein treuer Diener seines Herrn. In
„Deutsche“ bekennen? Es gibt nämlich tatsächlich eine
ment Auge, die sich von dieser nur durch den vorgesetzten Artikel unterscheidet, viertens eine im Departement Bar, die Allemand heißt, und fünftens eine im Rhone⸗ Departement, die beschämender⸗ weise L' Allemande heißt! Zu diesen kommen noch fünf, die alle
den gleichen Namen Les Allemands tragen. Von diesen liegen je Departements
eine in den Gers, Loire und Vaucluse, während das Departement Doubs gar zwei Orte aufweist, die Nesen unvater⸗ ländischen Namen tragen. Noch hat die französis Regierung keine Maßregeln getroffen, um diesem grauenhaften Zustande ein Ende zu machen, allein es ist den Franzosen zuzutrauen, daß sie tatsächlich die Ortschaften umtaufen. 2 „ Die Entscheidung über Tolstois literari⸗ schen Nachlaß. Um Tolstots literarischen Nachlaß hat vier Jahre hindurch ein erbitterter Streit zwischen den Erben gewütet. Dieser ist jetzt, wie die„Times“ aus Petersburg erfährt, durch den höchsten Senat endgültig entschieden worden, und zwar zu⸗ 2 der Witwe des Dichters, der Gräfin Sophia Andrejewne lstoi Den Tolstoiverehrern wird noch erinnerlich sein, daß der große russische Dichter, der allen Bestimmungen über das literari⸗ sche Eigentum sonst recht abhold war, hinsichtlich seines literarischen Nacklasses kurz vor seinem Tode eine Verfügung aufgesetzt hatte, durch die alle seine Manuskripte und die Rechte an allen seinen Werken seiner jüngsten Tochter, der Gräfin Alexandra, übertragen wurden. Die übrigen Erben, die Witwe und die anderen Kinder, fochten diese Bestimmung an und hiermit haben sie min Erfolg zehabt. Ale Tolstoimanuskripte— seit Tolstois Tode wurden se im historischen Museum in Moskau aufbewahrt— gehören jetzt nach der höchsten richterlichen Entscheidung der Gräfin S. A. Tolstoi. Die Witwe des Dichters hat freilich auf das Besitzrecht zugunsten des Rumjantschen Museums in Moskau verzichtet, wo ein befonderer Tolstotraum die literarischen Schätze aufnehmen wird. Die Gräfin behält sich nur eine lebenslängliche Oberaussicht über die Sammlung vor. Die Petersburger Akademie der Wissen⸗ schaften wird von der Gräfin Tolstoi ermächtigt werden, die Manuskriptblätter photographisch aufzunehmen, um in Petersburg ihre mlung dadurch ergänzen zu können, und ihrerseits liefert
ie dem Moskauer Museum dafür photographisch faksimilierte“
ieder ihrer Tolstoischätze, so daß alsdann zwei vollständige Sam gen vorhanden sind. Die Akademie wird auch mit Be⸗ willigung der Gräfin Tolstoi eine Ausgabe sämtlicher Werke des Dichters, einschließlich des Nachlasses herausgeben, ohne daß die Witwe dafür eine schädigung erhält. Nur die Tagebücher des Dichters sollen hiervon aus nicht vollständig veröffentlicht werden. Vielmehr sollen zunächst alle Manuskriptseiten dieser Tagebücher zweifach photographisch vervielfältigt werden, die Gräfin, ihr ältester Sohn, Graf Sergius Tolstoi und ihre älteste Tochter, Tatjana Suchotschin, werden aus dem einen Exemplare hiervon streichen, was ihrer Meinung nach ungeeignet zur sofortigen Veröffentlichung ist, und danach wird die Petersburger Akademie die vorläufige Tagebuchausgabe redigieren. Das andere Exemplar der photographischen Wiedergabe der Tage⸗ buchmanuskripte soll versiegelt aufbewahrt werden, bis das leßte
der Kinder Tolstois gestorben ist.
Ortschaft emande im Departement Niederalpen, eine Ortschaft Allemagne im Kanton Caen des Departements Calvados, eine im Departe⸗
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