Ausgabe 
(30.3.1915) 75. Erstes Blatt
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Nr. 75

Der

898 Semmags. Beilagen: vsermal wöchentlich Sletener Famil lenblatter; Fe

wirtschaftliche zeit

Zernsprech · Anschluß: für die Schriftleitung 112 Berlag, Geschäftsstelled l Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Hießen. Annahme den Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

Erstes Blatt

105. Jahrgang

2 jährl. Mk. 2.20: Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2. viertel; jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf. Haupt- schristleiter: Aug. Goetz

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruczerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7.

Dienstag, 30. März 1015

Bezugso rer monatl. 75 Pf., viertel- durch

Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Bermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun: für den Anzeigenteil: H. Beck, sänmtlich in Gießen.

Neue Erfolge unserer Unterseeboote. Siegreiche Kämpfe im Osten.

WrB. Großes Hauptquartier, 29. März.(Amtl.!) Westlicher Kriegsschauplatz. 5

Der Tag verlief auf der ganzen westlichen Front ziem⸗

lich 25 Nur im Argonner Walde und in Lothringen fanden kleine, für uns erfolgreiche Gefechte 1

Generaloberst von Kluck wurde bei Besichtigung

der vorderen Stellungen seiner Armee durch einen Schrapnell⸗

schuß leicht verwundet. Sein Befinden ist zufrieden-

stellend. Oestlicher Kriegsschauplatz.

Tauro 1305 wurde von unseren Truppen im Sturm genommen. 9 Russen gefangen genommen.

An der Bahn WirballenKow ns brach bei Pil⸗ wiszli ein russischer Angriff unter schwersten Ver lusten zusammen.

In Gegend Krasnopol machten wir über 1000 Gefangene, darunter eine Eskadron Garde⸗Ulanen mit Pferden, und erbeuteten 5 Maschinengewehre.

Ein russischer Angriff nordwestlich von Ciechanow wurde abgewiesen. Oberste Heeresleit ung.

***

Die heutigen Berichte über das kühne Vorgehen unserer Unterseeboote werden, umsomehr als sie aus feindlicher Quelle stammen, bei uns überall Freude und Begeisterung erwecken. Die verflossenen 6 Wochen des Seekampfes haben Englands Ohnmacht dargetan; die große britische Flotte war nicht imstande, unseren kleinen Kämpfern, die der feind⸗ lichen Handelsflotte die empfindlichsten Verluste beibrachten, nennenswerten Schaden zuzufügen. Wie sich mehr und mehr die Ohnmacht der Riesenheere Rußlands offenbart, so zeigt es sich zugleich, daß auch die Trümpfe des weltgebietenden

Britanniens bald alle ausgespielt sind. Die letzte Entschei⸗ diung aber wird in den Schlachten auf dem Festlande fallen.

Das heutige, sicherlich einwandfreie Zeugnis eines neu⸗ tralen Augenzeugen, des bekannten Forschers Sven Hedin, über die furchtbaren Russengreuel in Memel wirkt geradezu erschütternd. Selbst der vor einigen Tagen aus dem deut⸗ schen Hauptquartier eingegangene längere Bericht enthielt so entsetzliche Einzelheiten kaum. Man kann sich die Erbitte⸗ rung denken, mit der unsere Soldaten nunmehr gegen so entmenschtes feindliches Gesindel ins Feld: gezogen sind. Tauroggen, das wegen des Vorgehens gegen Memel vor⸗ übergehend geräumt worden war, ist wieder im Sturm genommen worden, und auch weiter südlich hat die deut sche Grenzwacht unter dem Feinde tüchtig aufgeräumt. Das Gouvernement Suwalki sowie die nördlichen Striche von Russisch⸗Polen sind von Russen frei. Auch die neue Kunde von den Karpathen lautet günstig; die Anstürme der Russen, die nun viele Tage unter schwersten Verlusten sich ab⸗ gemüht haben, unsere Bundesgenossen zurückzudrängen, werden allmählich ermatten. Die neuesten Erfolge der Tür⸗ ken im Kaukasus werden die Offenswpläne der russischen Heeresleitung ebenfalls erheblich beeinträchtigen.

Der Seelrieg.

London, 29. März.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der DampferFalaba ist auf der Höhe von Milford torpediert und zum Sinken gebracht worden. An Bord befanden sich 260 Personen, von denen 137 gerettet wurden.

London, 29. März.(WTB. Nichtamtlich) Den Zeitungen zufolge ist am Samstag der DampferAquila aus Liverpool in der Höhe der Küste von Pembrokeshire von einem deutschen Unterseeboot zum Sinken gebracht worden. Zwanzig Mann der Besatzung sind heute in Fishguard gelandet worden.

fers üdwestlich seuer desselben Unterseebootes zum Sinken gebracht, das am Sonntag die Da Falaba auf der Cap Clear gesichtet wurde. Die Verwundeten derVosges erzählen: Der

t N das Unterseeboot gab nach zwei Stunden die Verfolgung auf. Ein Schuß schlu, Das Wasser strömte nach

Pumpe arbeiten. Die

der Dampfer seine Reise unter fortwährendem Pumpen fort und traf nach einer Stunde ein Patraouillenschiff, das ihn in Schlepp⸗ tau nahm. Das Schiff konnte sich aber nicht länger halten. Die Insassen bestiegen darauf die Boote und be⸗ gaben sich an Bord des Patrouillenschiffes.

Amsterdam 29. Mürz. WTB Nichtamtlich) DerTe⸗ legraas meldet aus Rotterdam: Der Kapitän des Harwichbootes Brüssels nahm am 28. März nachmittags auf der Fahrt nach Rotterdam westlich des Maasleuchtschiffes wahr, daß ein Unter seeboct in gleicher Richtung mit ihm fuhr. Der Kapi⸗ tän gab sosort Volldampf, so daß der Dampfer eine Geschwindig⸗ keit von 17 Kupten erreichte. Er eröffnete das Feuer und ste etwa 30 Schüsse auf das Unterseeboot. Dieses fuhr quer vor den Bug des Dampfers und tauchte offenbar mit der Absicht, den Dampfer zu torpedieren. DieBrüssels folgte mit dem Steuerruder jeder Bewegung des Unterseebootes, dessen Peri⸗ skop stets sichtbar war. Plötzlich fühlten die Heizer im Kesselraum einen Stoß. Von dem Unterseeboot wurde nichts mehr gesehen.

London, 29. Mürz. WI B. Nichtanttlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Bemanmung des DampfersLiz zie, der Samstag aus Dieppe in Llanellh angekommen ist, erzählt über das Rammen eines deutschen Unterseebootes: Die Lizzie bekam bei der Insel WightU 37 in Sicht, das Boote mit der Bemannung der torpediertenDelmira im Schlepptau batte. Sobald das Unterseeboot dieLizzie sah, durchschnitt es das Schlepptau und fuhr auf dieLizzie los, deren Kapitän wendete. Das Schiff fuhr mit Volldampf auf das Unterseeboot; dieses verschwand aus dem Gesicht. Eine große Menge Oel kam an die Oberfläche. DieLizzie blieb über eine Stunde in der Nähe, sah aber das Unterseeboot nicht mehr. Dem Kapitän des Lizzie scheint sehr an der Prämie, die für U⸗Bvote rummende

er ausgesetzt ist, gelegen zu sein.)

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Die russischen Greueltaten in Memel.

Berlin, 30. März. Ueber die russischen Greuel⸗ taten in Memel drahtet derVossischen Zeitung zufolge Sven Hedin aus Königsberg i. Pr. demAftonbladet: Ich kam in Memel einen Tag nach dem Abzug der Russen an. Die Leichen friedlicher Bürger lagen noch an den Stellen, wo man sie abgeschlachtet hatte. Mit einem Dutzend verwundeter Zivilisten hat Sven Hedin gesprochen. Unter diesen war ein Junge, der einen Kolbenschlag über den Schädel erhalten hatte, und der zweite Bür⸗ germeister, dieser mit zahlreichen Bajonettstichen durch den Körper. Der Vater eines jungen Mädchens, das zu Tode vergewaltigt wor⸗ den war, schilderte die Qualen seiner Tochter. Die Mutter hatte sich aus Gram mit Arsenik getötet, während der Vater sich aus Verzweiflung die Pulsadern geöffnet hatte, aber durch Eingreifen des Arztes gerettet wurde. Ein 82 Jahre alter Lehrer wurde ohne die geringste Veranlassung erschossen. Viele ähnliche Fälle könnten aus Stadt und Kreis Memel berichtet werden. Spen Hedin sagte: Wir Schweden kennen ja allzugut die maßlosen Gewalttaten der Russen an Finnland, aber diese brutale Art, Krieg zu führen, bleibt für alle zivilisierten Europäer unfaßlich. Nicht ein einziger Zivilist in Memel oder Umgebung hat an dem Kampfe teilge⸗ nommen.

Von der russischen Kaukasusarmee.

Petersburg, 29. März.(WTB. Nichtamtlich.) Der Generalstab der Kaukasusarmee meldet vom 27. 15 In der Schlucht des Tschorokh schlugen die russischen Trup⸗ pen die Türken aus der Gegend von Artwin auf das linke Ufer des Tschorokh zurück. Die Türken steckten Artoi in Brand. Auf den übrigen Fronten erfüllen unsere Truppen ihre Aufgaben erfolgreich.

Die schlechten russischen Finanzen.

Petersburg, 29. März.(WTB. Nichtamtlich.)Rietsch meldet, daß das Ministerium angesichts des bisherigen Miß⸗ erfolges der Anleihe die russische Reichsbank zur Emif⸗ ion einer weiteren Milliarde Noten ermächtigt hat. Die Bilanz der Reichsbank wies am 21. März eine Emission von 3180 Millionen Rubel auf, der ein Goldbestand von 1706 Millio⸗ nen Rubel gegenüberstand. Da von der früher bewilligten Noten⸗ emission ein Teil noch nicht in Umlauf gesetzt worden ist, so wird die Gesamtermächtigung jetzt 4206 Millionen Rubel umfassen. Vor⸗ ausgesetzt, daß der Goldbestand unverändert bleibt, würde die Deckung 40 Prozent betragen. Der Mimisterrat hat ferner be⸗ schlossen, mit Rücksicht auf die, heimische Industrie den Verkauf von Wein und Bier mit einem Alkoholgehalt bis zu 16 Prozent in ganz Rußland zu gestatten.

Der amtliche französische Bericht.

Paris, 29. März.(WTB. Nichtamtlich.) Gestern abend wurde amtlich mitgeteilt: Von der ganzen Front ist nichts wich⸗ tiges zu melden. Oestlich der Maßhöhen bei Marchsville verloren wir einen Teil des deutschen Schützengrabens, welchen wir am Sonnabend eingenommen hatten. Am Hartmannsweiler⸗ kopf befestigten wir unsere Stellungen. Die Gesamtzahl der Ge⸗ fangenen, welche wir während des erfolgreichen Angriffes auf diesem Gipfel machten, beträgt 6 Offiziere, 34 Unteroffiziere, 350 unverwundete Soldaten, dazu zahlreiche Verwundete.

Ein deutscher Flieger über Calais.

Paris, 29. Mürz.(WTB Nichtamtlich.) DerTemps meldet: Gestern überflog neuerdings eine Taube Calais in 2000 Meter Höhe und warf Bomben auf die Stadt ab, die in den Straßen platzten. Da infolge der frühen Morgen- stunde die Straßen menschenleer waren, wurde nur Sach⸗ schaden angerichtet.

Die Zahl der Kämpfer an der Westfront.

Berlin, 30. März. Aus dem Haag wird verschiedenen Morgenblättern berichtet: 0 Nieuwe Courant an der englisch-französischen Front teilt mit, im französischen Hauptquartier habe man ihm Angaben gemacht wonach die Deutschen augenblicklich ungefähr 2 300 000 Mann an der Westfront hätten, zu denen noch/ Million Mann hinter der Front hinzuträten. Die Verbündeten hätten mit Reserven 2 700 000 Mann. Danach betrage die Gesamtmenge der Streiter an der Westfront fünf Millionen Mann.

Die Berechnung kann natürlich keinen Anspruch auf unbedingte und genaue Richtigkeit machen.

Erschwerung der Verbreitung schweizerischer

Zeitungen in Frankreich.

Bern, 29. März.(WTB. Nichtamtlich.) Wie die Schwei⸗ zerische Depeschenagentur zuständigerseits erfährt, erließ Frankreich kein Einfuhrverbot für Schweizer Zeitungen, sondern erteilte den Grenzbehörden nur die Weisung, daß schweizerische Zeitungen nicht am Tage ihres Erscheinens, sondern am darauffolgenden Tage herein⸗ gelassen werden sollen. Infolgedessen wurden gestern die Sonntagsnummern der Genfer Blätter nicht durchgelassen. Der Grund zu der Maßnahme der französischen Behörden ist den schweizerischen amtlichen Stellen noch unbekannt.

Rohe Behandlung zweier deutscher Offiziere

in Frantreich.

Berlin, 30. März. Zum Schicksal der Leutnants von Schierstädt und Strachwitz liegt demBerl. Lokal⸗ 8 ein neues Dokument in Gestalt eines Briefes vor, den Graf Strachwitz aus dem Zuchthaus in Riom Bir sind 21. Februar geschrieben hat. Es heißt darin:

ir si

Namen haben, sondern nur Nummern. Man hat einen Kittel an, der zu allem übrigen paßt. In den zwei Mo⸗ naten, wo wir hier sind, haben wir uns mur die Hände und das Gesicht gewaschen; einmal durften wir uns allerdings die Füße abspülen. Man ekelte sich vor sich selbst, vor einem solchen Leben. Ist es da zu viel, wenn man eine Revision erbittet? Ich habe an M. Cambon und an den Justizminister geschrieben, aber nie eine Antwort erhalten. Davon, daß wir nichts getan haben, womit man uns asuch nur den leisesten Vorwurf machen könnte, sind 6 auch hohe französische Offiziere überzeugt, die uns zu unserer kleinen Leistung beglückwünschten und sagten, daß wir uns freuen könnten, solche Soldaten zu haben.

***

Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.

Wien, 29. März.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 29. März mittags. Die Kämpfe in den Kuarpathen dauern fort. Ein gestern durchgeführter russi⸗ scher Angriff auf die Höhen westlich Banyavölgey wurde nach mehrstündigem Kampfe unter großen Verlusten für den Feind zurückgeschlagen. Die Regimenter der vierten Kavallerietruppendivision haben sich, wie in den ver⸗ gangenen Gefechten die Truppen der ersten Landsturm⸗In⸗ fanterie⸗Brigade, beispielgebend geschlagen. Wiederholte überlegene feindliche Vorstöße wurden von ihnen blutig ab⸗ gewiesen. Mördlich des Üzsoker Passes scheiterten Nachtangriffe der Russen im wirksamsten Feuer unserer

Stellungen.

An der Front in Südostgalizien Geschützkämpfe. Russische Kräfte, die östlich Zaleszehki über den Dnjestr vorstießen, wurden nach heftigem Kampfe über den Fluß zu⸗

rückgeworfen.

In Russisch⸗Polen und Westgalizien stellen⸗

weise Geschützkampf. Ein russischer Nachtangriff an der Losczina in Polen scheiterte vollkommen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs. v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Wien, 29. März.(WTB. Nichtamtlich.) Die Kriegsbericht⸗ erstatter der Montagsblätter melden: N Karpathen westlich Uzsok dauern tigkeit aan. In der Duklasenke überwand die Standhaftig⸗ leit unserer Truppen die kritische Phase der letzten Tage. Die Kämpfe im Ondawa und Laborczatale sind zu einem gewissen Stillstand gekommen, weil die Russen in ihren mehr⸗ fachen Angriffen ungeheure Verluste erlitten haben. Die relative Ruhe dehnt sich auch auf die Höhen zwischen den genannten Tä⸗ lern aus, ohne daß dies schon ein Ende der Schlacht oder eine

mit unverminderter Hef⸗

Entscheidung bedeutet. In der Bukowina errangen unserr

Truppen in kleineren Kämpfen neuerdings Erfolge. Erfolge der Türken.

Konstantinopel, 29. März.(WTB. Nichtamtlich) Pri⸗ vatnachrichten vom kaukasischen Kriegsschauplatz zu⸗ folge unternahmen vorgestern russische Kosaken Infan⸗ terie⸗Angriffe gegen die türkischen Truppen südlich des Flusses Arax; sie wurden aber mit schweren Ve rlusten zurückgeworfen. Bei Artwin wurden kussische Angriffe gleichfalls abgeschlagen. Nördlich Olty wurde ein russischer An⸗ griff von den türkischen Truppen aufgehalten. Ein russisches Flug⸗ zeug warf über der Ebene von Passinler eine Anzahl Proklama⸗ tionen in türkischer Sprache ab, die angeblich von Muselmanen im

Kaukasus verfaßt sein sollen. In Aserbeidschan herrscht

Der Kriegsberichterstatter des

wilsträflinge; nicht mehr Menschen, die einen

Die Kämpfe in den

n