Ausgabe 
(22.3.1915) 68. Zweites Blatt
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nur durch eine öffentliche Aussprache von der Parlamentstribüne aus geschehen. Alle Ausführungen der Vorredner trafen vollkommen vorbei, wenn sie meinten, es sei ein Gebot der Noswendigkeit, daz Vizepräsident Dove: Sie fangen wieder an, die Tätigkeit der Heeresleitun

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kritisieren. Ich habe Ihnen dies verboten und wiederhole dieses

Verbot. Abg. Ledebour(Soz.): Wenn Sie glauben, das können die Kosaken ohne ihre Hinter⸗ männer verhindern...(Lärmende Zurufe rechts.) i Vizepräsident Dove:

Sie haben nicht weiter über die Sache zu sprechen! hafte Zustimmung.)

a Abg. Ledebour(Soz.):

N00 bin der Ueberzeugung, daß man später auch in Deutsch⸗ land die Gerechtigkeit und die Notwendigkeit meiner Ausführungen anerkennen wird.(Lachen.)

Abg. Scheidemann(Soz.): Im Auftrage des Vorstandes der sozialdemokratischen Frak⸗ tion erklase ich folgendes: Unsere Fraktion hat ihr Mitglied Lede⸗ bour lediglich beauftragf, über de.. Sprachenparagraphen zu spre⸗

(Leb⸗

chen. Alles, was er darüber hinausgehend ausgeführt hat, hat er nur für seine Person gesagt.(Zurufe rechts: Mißbilligen Sie es?)

. Abg. Hansen(Däne):

Leider sind die A ahmegesetze gegen die Dänen auch wäh⸗ rend des Krieges nicht aufgehoben. Die Regierung hat anerkannt, daß die Dänen ihre Pflicht getan haben.

. Abg. Seyda(Pole):

Wir haben schon früher verlangt, daß alle Ausnahmegesetze gegen uns Polen beseitigt werden müssen. In der Budgetkom⸗ mission des Abgeordnetenhauses sind wir von der Regierung nur auf die Zukunft vertröstet worden. Das kann uns nicht genügen. Mit Freude haben wir davon Kenntnis genommen, daß die Budgetkommission sich gegen alle Ausnahmegesetze erklärt hat.

Abg. Schultz⸗Bromberg(Rp.):

Der Ruf nach Ausnahmegesetzen klingt sehr verlockend und verführerisch. Aber politische Probleme von solchem Gewicht und Umfang kann man nicht in der jetzigen Stimmung lösen. Man würde damit einen Zankapfel zwischen die Parteien werfen. Wir müssen jetzt alles zurückstellen, was uns trennt.(Beifall.)

Damit schließt diese Aussprache.

Es folgt der Abschnitt

Reichsvereinsgesetz.

. Abg. Heine(Soz.):

Die Lage mancher Vereine hat sich nach Erlaß des Reichsver⸗ einsgesebes berschlechtert. Die Budgetkommission schlägt daher eine Art Notgesetz vor. Es soll verhindern, daß Gewerk schaften, Turnvereine usw. auch noch weiterhin als politische Vereine ange⸗ sehen werden. Es ist keine Ehre für das deutsche Volk, daß der Sprachenparagraph immer noch besteht. Darunter leiden besonders die Gewerkschaften. Auch der Jugendparagraph muß aufgehoben werden. Wir verlangen keine Bezahlung für die Hilfe, die wir dem Vaterland leisten. Aber eine schädliche Maßnahme soll man schon jetzt beseitigen, damit die vorhandene Einheit des Volkes nicht gestört wird.

Abg. Liesching(Vp.): Wir stimmen der Aufhebung des Sprachenparagraphen vor⸗ behaltlos zu. Es darf keine Bürger minderen Rechts mehr geben. Notwendig ist auch die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine.

Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück:

Ich hätte eine große Anzahl von Fragen zu beantworten und Einzelheiten zu erörtern, die im Laufe der Aussprache hier vorgebracht worden find. Es wird aber Ihnen und mir nicht leicht werden, die Dinge in der Ruhe, Sachlichkeit und in dem Umfange, den die Materie erfordert, hier zu erörtern, nach der Erregung der Stunde, die hinter uns liegt.(Zustimmung.) 8 Stunde wird für jeden, der sie mit erlebt hat, zu den bittersten Erinnerungen ge hören.(Zustimmung.) Eine bittere Erinnerung, weil die Kritik, die der Abg. Ledebour an der Armee und ihre Führer geübt hat, verfassungswidrig war. Eine bittere Erinnerung, weil sie in der Form im höchsten Maße verletzend war. Eine bittere Erinnerung, weil ihre Kritik mit betraf den gefeiertesten Helden den das deutsche Volk in diesem Kriege hat.(Lebhafte Zustimmung.)

Ich will es trotzdem versuchen, den Forderungen der Stunde gerecht zu werden, weil es nicht bloß einen 20. März gibt, sondern auch einen 4. August, und in der Ueberzeugung, daß die Er⸗ innerung an den 4. August die Erinnerung an den 20. März über⸗ dauern wird, die Erinnerung an dieses Satyrspiel, das sich beben hier abgespielt hat. Jeder, der diesen 4. August mit erlebt

jeder, dem bewußt geworden ist, daß die Einheit des deutschen Volkes im Kampfe ane dg Erfolge gezeitigt hat, wird es ver⸗ stehen, wenn man wünscht, daß auch auf dem Geblee der inneren Politik recht bald die Früchte eingebracht werden, die das ganze Volk vom 4. August erhofft. Man soll aber den Roggen nicht chneiden, ehe er reif ist, und ehe man nicht die Gespanne zur

erfügung hat, ihn zu bergen. So liegt es aber mit den Forde⸗ rungen, die hier in Frage kommen, die nicht nur eine völlige Um⸗ gestaltung unserer inneren Politik, sondern unserer ganzen Ge⸗ setzgbung fordern. Und das in einer Zeit, wo die Behörden bis zum Landrat und Bürgermeister herunter ausschließlich erfüllt und beschäftigt sind mit den unmittelbaren Aufgaben, die uns der Krieg bringt.

Wenn der Reichstag die Pforten geschlossen haben wird, werde ich mit meinen Räten daran gehen, die Früchte der Tagung zu verwerten, aber wir werden dann noch nicht in der Lage sein, uns mit den gesetzgeberischen Problemen zu beschäftigen, die hier wie⸗ der in Fluß gebracht werden. Vielfach war hier die Rede von Aus⸗ nahmegesetzen. Was ist denn ein Ausnahmegesetz? Das Jesuiten⸗ gesetz, das sich gegen bestimmte Personen richtek, kann man wohl als Ausnahmegesetz betrachten, und es wird unsere Aufgabe sein, nach Beendigung dieses Krieges es erneut einer Prüfung zu unter⸗ ziehen. Beim Vereinsgesetz dagegen handelt es sich um ein allge⸗ meines Gesetz und nicht um ein Ausnahmegesetz. Ich will aber zugeben, daß einzelne Vestimmungen des Vereinsgesetzes als Aus- nahmegesetz aufgefaßt werden können, weil sie eben nur einzelne Teile der Bevölkerung treffen können. Das beruht aber nicht auf der an sich gewiß liberalen Tendenz dieses Gesetzes und seiner Formulierung im einzelnen, sondern es ist die Kon⸗ sequenz der bestehenden politischen Gegensätze.

Es mag sein, daß wir die Sprache als Maßstab für das Zu⸗ gehörigkeitsgefühl zu einem Staatsgebiet überschätzt haben, es mag sein, daß wir hier andere Wege wandeln müssen oder können. Aber heute kann ich nicht die Frage beantworten, ob und in welcher Form das Vereinsgesetz geändert werden muß oder kann. Denn an sich bietet es die Möglichkeit, alle Forderungen, die heute gestellt worden sind, zu erfüllen, wenn die Voraussetzung als irrig erwiesen wird, die uns bisher beherrscht hat, daß nämlich gewisse Parteien und gewisse Teile des Volkes als eines der ersten Ziele ihrer Politik die Vernichtung des Bestandes des Deutschen Reiches und seiner bisherigen Organisation angesehen haben. Aehnlich liegt es bei der Jugendpflege. Hier entstehen die Schwierigkeiten dadurch, daß man versucht, Organisationen, die von Hause aus nicht politischen Zwecken dienen sollen, für politische Zwecke nutzbar zu machen. Ich will unerörtert lassen, inwieweit das in der Vergangenheit geschehen ist. Jedenfalls

laß gehabt, es anzunehmen. Auf Grund unserer Erfahrungen in dieser großen Zeit werden wir wahrscheinlich zu prüfen haben, wie weit diese Anschauung richtig war.

Direkt auf eine Aenderung des Vereinsgesetzes zielt die Fra der Neuordnung der Rechtsstellung der Gewerk⸗ schaften und Berufsvereine ab. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen,* Gewerkschaftsverein, der sich in den Grenzen der Aufgaben hält, die ihm die Gewerbeordnung zuweist, kein politischer Verein ist. Ich nehme persönlich an, daß ein Ve⸗ rufsberein und eine Gewerkschaft, die sich in ihren politischen Er⸗ örterungen auf diejenigen gesetzgeberischen Materien beschränken, die mit ihrem Geschäftsbereich in unmittelbarem Zusammenhang stehen, nicht politische Vereine sind. Die gleiche Auffassung vertrat auch der jetzige Reichskanzler bei Beratung des Gesetzes und ist auch in einer großen Zahl von Ausführungsanweisungen der Bundesstaaten A anerkannt. Wenn trotzdem die Ge werkschaften sich darüber beklagen, zu Unrecht als politische Ver⸗ eine angesehen zu werden, so hängt dies wieder eng mit der schar⸗ fen politischen Kluft zusammen, die unser ganzes Volkk ausein⸗ andergerissen und getrennt hat. Die gewerkschaftlichen Orga⸗ nisationen galten nach allgemeiner Ansicht als 98 be⸗ stimmter Parteien. Nach meiner Ueberzeugung haben die Gewerk⸗ schaften in erster Linie wirtschaftliche Aufgaben zu erfüllen, ohne die unser Wirtschaftsleben das hat der Krieg gezeigt nicht mehr denkbar ist. Schon vor dem Kriege habe ich wiederholt darauf hingewiesen, daß nach meiner Auffassung die Gewerk⸗ schaften nicht den richtigen Platz in unserem Rechtssystem hätten und daß wir hier die bessernde Pen anlegen müßten. Die Vor⸗ arbeiten hierfür waren in meinem Amt im Gange, als der Krieg ausbrach.

Die Gewerkschaften müssen ihre wichtigen wirtschaftlichen Aufgaben erfüllen können, der Staat muß aber bei voller freiheit⸗ licher Ausgestaltung ihrer Organisation den Einfluß besitzen, einen Mißbrauch ihrer großen wirtschaftlichen und politischen Macht zu verhindern. 05 dieses Ziel besser durch die Abänderung des Vereinsgesetzes oder durch ein eigenes Gewerkschaftsgesetz zu erreichen ist und ob nicht ein großer Teil der Beschwerden über die Handhabung des Vereinsgefetzes bezüglich der Gewerkschaften nicht von selbst unter dem Eindruck alles dessen, was dieser Krieg uns gebracht und gelehrt hat, verschwinden wird, müssen und wer⸗ den wir am Ende des Krieges prüfen.(Lebhafte Zustimmung.)

Die Reden der Abgg. 8 en und Ledebour geben meiner Ansicht nach ein ganz falsches 15 über das, was in der Kom⸗ mission als gemeinschaftliche Auffassung über den Belagerungs⸗ zustand und über die Pressezensur vertreten wurde. Die Ueber⸗ einstimmung hierüber ging zwischen den Regierungen und den Parteien recht weit. Es bestand kein Zweifel daruͤber, daß der Belagerungszustand nicht entbehrt werden könne, daß der Reichskanzler formell nur dafür verantwortlich ist, daß der Belagerungszustand nur dann verhängt wird, wenn die verfas⸗ sungsmäßigen Voraussetzungen dafür vorliegen, und daß er nicht länger dauert als unbedingt nötig ist, daß aber eine verfassungs⸗ mäßige Verantwortlichkeit des Reichskanzlers für alle Hand⸗ lungen der Militärbefehlshaber auf Grund der ihnen übertra⸗ genen Machtvollkommenheit nicht besteht. Ich habe ausdrücklich anerkannt, daß die Zivilbehörden die Aufgabe haben, darauf hin⸗ zuwirken, daß im einzelnen die Gesetze beobachtet werden. Nur die vollziehende Gewalt, nicht aber die gesetz⸗ gebende Gewalt geht auf die Militärbefehls⸗ haber über. Die Militärbefehlshaber sind in der Ausübung der vollziehenden Gewalt eben⸗ so wie die Zivilbehörden an die bestehenden Ge⸗ setze gebunden.

Allerdings sind Mißgrifse vorgekommen, die Grenzen zwischen den Befugnissen der vollziehenden und der gesetzgebenden Gewalt sind nicht immer mit der wünschenswerten Deutlichkeit eingehal⸗ ten. Das ist aber in einem so komplizierten Staatswesen wie dem unseren für Leute, die sonst mit eie e picht be⸗ traut sind, nicht ganz leicht.(Sehr richtig.) ir alle sind uns darüber einig, daß die Art, wie die, komman⸗ dierenden Generäle sich der schwierigen Aufgaben, die ihnen aus der Verhängung des Belagerungszustandes erwuchsen, unterzogen haben, im allgemeinen die Anerkennung und Dankbarkeit der Be⸗ völkerung verdient; und diese Dankbarkeit ist ihnen auch, wie ich weiß, von sozialdemokratischer Seite zum Ausdruck gebracht wor⸗ den. Die Zensur ist in Kriegszeiten nicht zu entbehren, darüber waren wir uns einig. Streit bestand nur über den Umfang, in dem die Zensur notwendig, beziehungsweise während des Keieges zu gestatten sei. Die sozialdemokratische Partei wollte die Zensur auf rein militärische Angelegenheiten beschränkt wissen.

Die Mehrheit war aber der Auffassung, daß man die mili⸗ tärischen Maßnahmen nicht von den politischen trennen könne, weil sie im engen Zusam menhang mit der Politik des Staates ständen, und daß man deshalb die Grenzen der Zensur sehr viel weiter ziehen müsse. Im wesentlichen muß die Zensur mit Talt und Verständnis der Beteiligten gehandhabt werden. Wenn auch auf dem Gebiete der Zensur mancherlei Absonderlich⸗ keiten vorgekommen sind, die weder ich noch der Kriegsminister irgendwie vertreten konnten, so muß ich doch anerkennen, daß im allgemeinen den Wünschen, die von der Presse ausgesprochen worden lind, entsprochen worden ist. Wir sind bestrebt, hier in dau⸗ ernder Fühlung mit der Presse zu bleiben. Abgesehen von den regelmäßigen Besprechungen, die hier in Berlin mit der Presse stattfinden, ist auch den militärischen Stellen ausdrücklich empfoh⸗ len worden, sich mit der Presse in steter Verbindung zu halten.

Die Zensur muß sich auf das Notwendige beschränken. Die Präventivzensur ist lediglich für militärische Nachrichten und Artikel vorgeschrieben. Nur erhebliche Verstöße einzelner Zeitungen können unter Umständen zu einer weitergehenden Präventivzensur ühren. Ueberall war man bestrebt, die Zensur nicht nur unter

hrung der politischen, sondern auch der wirtschaftlichen Inter⸗ essen der Presse auszuüben. Wenn sich dabei gelegentlich Ungleich⸗ mäßigleiten ergaben, so liegt das zum Teil in dem Fehlen einer Zentralstelle, welche die stellvertretenden kommandierenden Gene⸗ rale, die mit der Ausübung der Zensur beauftragt sind, beraten könnte. Diesem Mangel kann erst ein Gesetz abhelfen.

Den Wünschen der Kommission hinsich einer besseren Fürsorge für die Hinterbliebenen der Ge⸗ fallenen hat die Regierung schon in der Kommission grund⸗ sätzlich zugestimmt. Sie hat aber darauf hingewiesen,. eines ausreichenden Materials über die finanzielle Tragweite und über die finanziellen Verhältnisse, die nach dem Kriege vor⸗ liegen, zurzeit unmöglich ein Gesetz verabschiedet werden kann, das diese Wünsche in zweckmäßiger Form regelt. Die Regierung hat sich bereit erklärt, überall da unterstützend einzugreifen, wo sich Härten ergeben. Es ist eine Ghrenpflicht des deut schen Volkes, für seine Invaliden und für die Hinterbliebe⸗ nen der Gefallenen zu sorgen. Die Regierung wird diese Ehren⸗ pflicht mit demselben Eifer und demselben Pflichtbewußtsein zu erfüllen suchen, wie es, wie ich anerkennen muß, von Ihrer Seite geschehen ist.(Beifall.)

Wir haben alle durch den Krieg gelernt, und wir alle, wo wir auch stehen, lernen in diesem Kriege stets Neues. Aber die Er⸗ kenntnis, die uns dieser Krieg gebracht hat und noch weiter bringt, ist an sich erfreulich, denn sie geht dahin, daß wir reicher sind, als wir geglaubt haben, und 5 wir ducch ene reicher werden, als wir es je haben annehmen können. Wir sind reicher. nicht nur in materieller Beziehung auch hier sind wir reicher als wir geglaubt haben fender reicher an a d e a und Organisationsfähigkeit. Diese beeinflußt nicht nur die wirl⸗ schaftlichen, sondern auch die militärischen Maßnahmen günstig. Reicher sind wir aber auch geworden i ethischer Beziehung. Wir durch diesen Krieg gelernt, daß wir ethischen Wert esitzen, von denen wir nichts wußten. Wir haben gelernt, daß in unserem Volke ethische Werte schlummerten, von denen wir fürchteten, daß sie längst unter dem Schutt der Kämpfe der letzten 25 Jahre und unter dem Wohlleben dieser Zeit verloren gegangen

haben die Behörden bei der Anwendung des Vereinsgesetzes An⸗

seien. Diese ethischen Werte wollen wir uns erhalten.(Beifall.)

Der Krieg hat uns gelehrt, daß sittliche Werbe, bon dieser oder jener geglaubt hat, daß sie nur einem Teile unsere⸗ Volkes gehörten, ein Gemeingut des ganzen 2 2 ind.

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(Lebhafte Zustimmung.) Der Krieg hat uns gele ne

die auch Herr Ledebour und seine Freunde nicht widerlegen können, daß die Liebe zum Vaterlande ein unver äußerliches heiliges Gut sst, daß jedem Deutschen ohne Unterschied der Abstammung und der Könfession eigen ist. In diesem Sinne haben sich die Verhandlungen in der Kommission abgespielt. Was uns sonst getrennt hat, ist in diesen Beratungen in den Hintergrund getreten. Die Kritik, die geübt wurde, ist nie persönlich geworden, sondern sie wurde geübt unter dem Eindrucke der ernsten Sorge für das Wohl des Vaterlandes. Als unvergänglichen Erfolg dieser Kommissionsberatungen möchte ich hier ausdrücklich feststellen, daß wir im deutschen Vaterlande so verhandeln können.(Beifall.) Dieser Gang der Kommissions⸗ verhandlungen hat nicht nur die Widerstandsfähigkeit der Re⸗ gierung bei den schweren Aufgaben, die ihr obliegen, gestärkt, sondern wird auch nach außen hin unseren Feinden einen neuen Beweis für die wirtschaftliche und moralische Un⸗ überwindlichkeit des deutschen Volkes geben. Das wird unvergessen bleiben.

Unvergessen bleiben wird aber auch das, was Herr Scheidemann neulich hier ausgeführt hat. (Zustimmung.) Niemand von uns wird die warmen Töne ver⸗ gessen, die er für die Zugehörigkeit und Liebe zum deutschen Vater⸗ lande fand.(Sehr wahr!) Die Erinnerung an diese Worte des Abg. Scheidemann, die er im Namen seiner Fraktion gesprochen hat, wird stäcker sein als die Erinnerung an das, was heute Herr Ledebour gesagt hat.(Sehr gut! Lebhafte Zustimmung im ganzen Hause, besonders bei den Soz.) Was die Abgg. Ledebour und Liebknecht heute gesagt haben, zeigt uns eben, daß wir Ge⸗ duld haben müssen, daß wir lernen müssen. Wenn wir die Er⸗ kenntnis, die uns dieser große Krieg, die große Zeit, in der wir leben, gebracht hat, bewahren und pflegen, dann wird es uns auch möglich sein, nach Friedensschluß die Konsequenzen in Gesetz⸗ gebung und Verwaltung uns nutzbar zu machen zum Segen des deutschen Vaterlandes.(Lebhafter Beifall.)

Der Etat wird erledigt. Die Entschließung, die die Her⸗ stellung von Trinkbranntwein überhaupt verbieten will, wird abgelehnt, ebenso auf Antrag Fehrenbach (Str.) die Entschließung, die die Herstellung von Spiritus aus Obst verbieten will.

Einstimmig angenommen wird eine Entschließung Vassermann(nat.), den Reichskanzler zu ersuchen, für alle Fragen, welche die Ernährung des Volkes über die kom⸗ mende Ernte hinaus betreffen, einen Wirtschaftsplan schon jetzt für das nächste Wirtschaftsjahr aufzustellen.

Angenommen wird die Entschließung, wonach die gegen einzelne Teile des deutschen Volkes gerichteten gesetzlichen Ausnahmebestimmungen beseitigt werden sollen. Dabe: gaben die Abgeordneten Basser mann(gnatl.), Graf Westarp(kons.), Behrens(wirtsch. Vgg.]) und Schultz (Rpt.) für ihre Partesjen die Erklärung ab, daß sie sich der Ab⸗ st im mung enthalten würden.

Das Notgesetz zum Reichsvereinsgesetz ging an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Die anderen Entschließungen werden angenommen.

Vizepräsident Dove: noch einmal auf die Ausführungen des Abg. Lede⸗ Er sagte nach dem Stenogramm:Die die Leute, die die französisch spre⸗ chende Bevölkerung hineintreiben in die Arme der l Die schlimmsten Hochverräter sind die, die die Polen in die Foindschaft gegen Deutschland treiben, ebenso die Dänen. Diese Ausdrücke an sich enthalten keinen Vorwurf gegen die Behörden, aber im Zusammenhange klingt ein Vorwurf desonders 3 die elsaß⸗ N Behörden heraus. Ich rufe daher den Abg., ede

Ich N58 bour zurückkommen. schlimmsten Hochverräter sin

our zur Ordnung. Der Kolonial⸗Etat.

Berichterstatter Abg. Keinath(Natl.): Unsere tapferen Truppen in den Kolonien halten gegen eine roße Uebermacht unerschütterlich Stand. Nach 8 Monaten des Krieges sind die großen deutschen Schutzgebiete immer nach in deutschen Händen. Ehrenvoll gedenken wir des gefallenen tapferen Kommandeurs der Schutztruppe für Südwestafrika von Heydebreck. Ausgezeichnet ist die Haltung der eingeborenen Soldaten und der eingeborenen Stämme. Mit Ausnahme der Duala und eines verwandten Stammes haben sämtliche Eingeborenen treu zu Deutschland gehalten.(Beifall.) Der Etat wird ohne weitere Aussprache erledigt.

Der Etat für Kiautschon.

Berichterstatter Abg. Nacken(Zentr.):

Dankbar gedenken wir des Heldenmutes der wackeren Besatzung von A en Sie haben dem deutschen Namen Ehre gemacht. Ihre Taten werden mit goldenen Lettern in das Buch der deutschen Geschichte eingetragen werden. Einer achtfachen Uebermacht haben sie heldenmütig standgehalten. Wir hoffen, daß das Ansehen des deutschen Namens draußen im Osten leine Einbuße erleidet. Den Zuschuß für die Universität in Tsingtau 5 wir der Hochschule in nghai übermitteln, wo riele Studierende aus Tsingtau sich bereits wieder gesammelt

haben. Vizeadmiral Dehnhardt:

Der Baum der deutschen Kulturarbeit ist durch die Stürme in Ostasien zwar zerzaust worden, aber er ist nicht entwurzelt. Der Fall von Tsingtau hat unsere deutsche Hochschule keinesfalls vernichtet. Eine Reihe von Studenten dieser Hochschule, mehr als

undert, haben sich bereits wieder in der Schule in Schanghai ge⸗

ammelt, sie haben Zutrauen zu den deutschen Lehrern und dem

deutschen Lehrstoff und wollen weiter deu betreiben. Den Zu⸗

chuß, der für Tsingtau bestimmt war, wollen wir gern nach nghai überweisen.

Damit ist der Etat erledigt. Der Marine⸗Etat.

Berichterstatter Dr. Pfleger(Zentr.):

Die Erinnerung an die Heldentaten der Marine im gegen⸗ wärtigen Weltkriege wird unvergänglich sein. Aus den Kom⸗ missonsberatungen hebe ich nur zwei Tatsachen hervor: Die Einbußen an Matersal sind vollkommen ersetzt

eee eee U 1 2 nie rege ö* defeg! steigern wird. ed. Beifall.) 1 5

Eine Aussprache findet nicht statt. Der Marineetat wird erledigt.

Der Etat für das Reichsschatzamt.

1 Abg. Nacken(Zentr.):

Die finanzielle Kraft des deutschen Volkes ist ungeschwächt. Wir 1 a aller Ruhe der Hakon wenn der Krieg N so lange dauert. Der Redner bittet um Auskunft über das Ergebnis der zweiten Kriegsanleihe.

Schatzsekretär Dr. Helfferich:

Ich lann schon jetzt mitteilen, daß das Ergebnis der zweiten Kriegsanleihe l ist. eld) Von Zeichen alen, die bei der ersten Anleihe zwei Milliarden zweihundert Millionen auf⸗

gebracht haben, sind jetzt schon drei Milliarden neunhundertfünfzia