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Die niederländische Regierung kann nicht zugeben, daß auf diese Bestimmung die An⸗ erkennung des Rechtes basiert werden könne, daß britische Handelsschiffe ihrerseits zu demselben Zweck die nieder⸗ ländische Flagge benützten. Auch das niederländische
Gesetz verbietet den Mißbrauch der niederländischen Flagge, aber behandelt die Ausnahme nicht analog der Merchant Shipping Akt, nämlich den Fall, daß die Flagge mißbraucht würde als ein Mittel, um dem Feinde zu entgehen. Mangels internationaler Vorschriften, welche die Dinge regelten, ist jeder Staat für sich befugt, die Bedingungen aufzustellen, unter denen seine Flagge benutzt werden darf. Es steht fest, daß die bri⸗ tische Regierung nicht stets imstande sein wird, die Benutzung einer neutralen Flagge durch britische Handelsschiffe zu verhindern, aber die niederländische Regierung glaubt erwarten zu dürfen, daß die britische Regierung keinen Mißbrauch sanktioniert, der die niederländische Schiffahrt den Gefahren des Krieges aus setzen würde.
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Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte.
Wien, 20. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 20. Febr., mittags. In Russisch⸗Polen hielt auch gestern verstärktes Geschütz- und Gewehrfeuer an. Um die von uns eroberten russischen Vorstellungen im Raume südlich Tarnow und am Dunajec entwickelten sich heftige Kämpfe. Gegenangriffe des Feindes wurden mehrmals blutig zurückgeschlagen.
1 An der Karpathenfront ist im allgemeinen die Situation bis in die Gegend von Wyschlow unverändert. Es wird nahezu überall gekämpft.
1 In Südostgalizien konnte der Feind seine starken Stellungen nördlich Nadworna nicht behaupten. Dem letzten entscheidenden Angriff ausweichend zog er in der Richtung Stanislau ab, verfolgt von unserer Kavallerie.
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8 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: 5 v. Höfer, Feldmarschalleutnant. * Wien, 21. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 21. Februar 1915, mittags. Die Situation in
Polen und Westgalizien ist im allgemeinen unverän⸗ dert. Der gestrige Tag ist ruhiger verlaufen. 1 In den Kämpfen an der Karpathenfront von Dukla bis Wyschkow wurden wieder mehrere russische An⸗ phrifse unter schweren Verlusten des Gegners zurückgeschlagen, der hierbei auch 750 Mann an Gefangenen verlor. *—2 Operationen südlich des Dujester schreiten wei⸗ In der Bukowina herrscht Ruhe. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Der russische Bericht.
25 Petersburg, 21. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der Große Geeneralstab gibt bekannt: Am 19. Februar begannen die Kämpfe auf dem rechten Ufer des Bobr und des Narew in der
Gegend von Ossowietz und auf den Straßen nach Lomza, Ostrolenka, 8 Prasnysz und Plonsk, die den Charakter von Gegenangriffen 727 trugen. Auf dem linken Ufer der Weichsel wiesen wir schwache feindliche Angriffe ab am unteren Laufe der Bzura bei Witkowice, süblich von Rawa bei Oroczkowice und an der oberen Weichsel, sowie an der Nida bei Bochinec. Am Dunajetz warfen . wir bei Jatno ein angreifendes deutsch⸗österreichisches Detache⸗ ment zurück. In den Karpathen wiesen wir hartnäckige An⸗ ghnrriffe bei Jasioncki, Stopko und Mezolaboretz zurück.— Die deutschen Angriffe zwischen Tuchla und Wyszkow zeichneten sich diurch besondere Hartnäckigkeit aus. Nordwestlich Seneczew wurde ie vom Feinde genommene Höhe von uns wieder erobert, nachdem ir einen für uns glücklich verlaufenen Gegenangriff unternommen patten. Vor Przemysl wiesen wir leicht zwei Ausfälle 5 der Besatzung ab und fügten ihr schwere Verluste bei.
19 Russisches Lob der deutschen Truppen.
. Berlin, 22. Febr. Ein russisches Urteil über unsern Landsturm und unsere Freiwilligen findet sich laut„Deut⸗ scher Tageszeitung“ in Rjetsch. Darin heißt es, der Land⸗ sturm besitze vorzügliche Soldaten; sie seien selbstbewußt und von der großen Aufgabe völlig durchdrungen. Auch die Freiwilligen seien nach vier Monaten vollwertige Sol Daten. Sie hätten alle eine gute Schulbildung genossen. Die Unterschätzung des Gegners habe sich schon im japa⸗
nischen Krieg gerächt.
7 Auszeichnung des Generals v. Below. 5 Berlin, 20. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kaiser
5 wie die„Nordd. Allgem. Ztg.“ meldet, dem Führer
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hat, 1— deutschen achten Armee, General der Infanterie v. Be— low nach der neuen Schlacht in Masuren den Orden
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Pour le mérite überreicht.
Der„Times“ beginnt es zu dämmern.
1 Berlin, 22. Febr. Die Deutschen werden nie hungern, so schreibt die„Times“ in einem Leitartikel. Ihr unglaub— liches Organisationstalent wird ihnen über alle Schwierig- keiten hinweghelfen, und wenn wir im geringsten mit einem moralischen Rückgang der Qualität der deutschen Truppen infolge von Nahrungsmangel rechnen, so lassen wir uns täuschen.
Die Zusammenkunft des Reichstanzlers mit f Baron Burian.
Wien, 21. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Neue Freie Presse“ meldet über die Zusammenkunft des Ministers des Aus⸗ wärtigen Frhrn. v. Burian mit dem Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg, daß Frhr. v. Burian morgens 8¼ Uhr am
Sitz des Armeeoberkommandos eintraf, wo auch einige Minuten sväter der deutsche Reichskanzler im Sonderzuge anlangte. Sämt⸗ liche deutsche Herren trugen seldgraue Uniformen. Erzherzog Frie⸗
drich hatte zur Begrüßung seinen Flügeladjutanten, Oberst Frhr. v. Mohr, gesandt. Der Reichskanzler trug die Uniform eines preußi⸗ 2 schen Infanteriegenerals. Nach herzlicher Begrüßung geleitete
Frhr. v. Burian seinen Gast im Automobil in sein Quartier. Vor⸗ mittags verweilten die beiden Minister mehrere Stunden im S3 wiegespräch. Am Mittag erschien der Reichskanzler beim Ar-
8 meecoberkommandanten Erzherzog Friedrich in Audienz, der auch Erzherzog Karl Franz Joseph beiwohnte. Um I uhr nachmittags nahmen die beiden Minister an dem Frühstück bei Erzherzog Karl Franz Joseph teil, zu dem auch Generalstabschef Freiherr Konrad von Hötzendorf erschien. Nachmittags 4½ Uhr er⸗ folgte die dritte Begegnung der beiden Staatsmänner beim Tee, 5 im Quartier des Frhrn. v. Burian, die bis 7 Uhr abends dauerte, 5 worauf Frhr. v. Burian seinen Gash zum Bahnhof geleitete. Die Abreise erfolgte im deutschen Sonderzug. Am Abend war Frhr. v. Burian wiederum Gast des Erzherzogs Friedrich. Darauf trat er ebenfalls die Heimreise an.
Die französische Presse über die russische Niederlage. Paris, 21. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die fran⸗
Flüg-lu den Rückzug antreten mußten, duch sagt sie, es set ein Rückzug strategischer Art. Kennzeichnend ist, was der„Temps“ schreibt: Unsere Verbündeten haben eine Schlappe erlitten; dies ist unbestreitbar, aber sie halten den Feind in Schach und töten ihm viele Soldaten. Sie halten ihn im Zaum und nehmen sogar die Offensive wieder auf, da wir im deutschen Tagesbericht 4 daß russische Kolonnen, welche von Lomza gegen Kolno marschierten, zurückgeworfen wurden. Der Sieg ist demnach bei weitem nicht so entscheidend, daß er den Deutschen gestattet, dort
russischen Armeen den Vormarsch sofort wieder aufnehmen.
— Der„Figaro“ erklärt in einer Betrachtung über die
militärische Lage: Ein russischer Rückzug ist erfolgt. Man
125 e daß Hindenburgein großer Feld⸗ err ist.
Hindenburgs Sieg.
Berlin, 22. Febr. Nach der Meldung der„Tägl. Rund⸗ schau“ könne man sicher damit rechnen, daß man in den nächsten Tagen erfahre, wie Hindenburg wieder einmal nicht genau gezählt habe und wie noch einige Zehntausende Ge⸗ fangener zukommen würden. Der von ihm errungene Erfolg sei so vernichtend, daß selbst die russischen und französischen Zei⸗ tungen ihn nicht ganz umlügen können. In Rußland machten sich immer mehr Zeichen der Ernüchterung und des Verzagens gel— tend, die durch das Mißlingen der Dreiverbandsan⸗ leihe, welche Rußland durch Englands Hilfe finanziell wieder flott machen sollte, nicht geschwächt werden.
Die französische Jahresklasse 1916.
Lyon, 20. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Nouvel⸗ liste“ meldet aus Paris: Die Jahresklasse 1916 wird am 20. März einberufen.
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Der amtliche türtische Bericht.
Konstantinopel, 21. Febr.(W. B. Nichtamtlich.) Das Große Hauptquartier hat gestern abend mitgeteilt, daß auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen keine Veränderung eingetreten sei und daß die feindlichen Flotten seit dem 19. Febr. keinen Angriff auf die Dardanellen versucht haben. 0
Die Niederlage der feindlichen Flotten vor den Dardanellen.
Konstantinopel, 20. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der für das Gebiet der Dardanellen bestellte Berichterstatter der „Agence Milli“ telegraphiert über das gestrige Bombarde⸗ ment: Die feindliche Flotte, bestehend aus vier eng⸗ lischen und vier französischen Schiffen, eröffnete am 19. Februar vormittags in einer Entfernung von 10 Kilo⸗ metern das Feuer mit Geschützen größten Kalibers. Die osmani⸗ schen Artilleristen erwiderten das Feuer trotz des Kartätschenhagels nicht, sondern warteten, bis der Feind näher kam. Das englisch⸗ französische Geschwader näherte sich der Küste in der Meinung, die Forts zum Schweigen gebracht zu haben. In diesem Augen⸗ blick erst eröffnete die osmanische Artillerie das Feuer. Von den achtzehn Schüssen, die sie abgab, gingen bloß vier fehl, während die übrigen trafen. Das Admiralschiff erlitt eine schwere Havarie und wurde von Torpedobooten, die es sofort umringten, als sie es in Gefahr sahen, aus der Schlachtlinie Ai Zwei weitere feindliche Schiffe wurden außer Gefecht gesetzt und zogen sich zu⸗ rück. Nach Vergeudung von 590 Granaten mußte die feind⸗ liche Flotte, von der drei Einheiten fast vollständig unbrauch⸗ bar 1— wurden, sich entfernen. Die ene e Artilleristen bewiesene Geschicklichkeit und Entschlossenheit sind über jedes Lob erhaben.— Das Telegramm schließt mit der Be⸗ merkung: Die Dardanellen, deren Verteidigung durch den Mut solcher Löwen gesichert ist, werden von keinem Feinde jemals forciert werden können.
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Japanisches Ultimatum an China? Kopenhagen, 20. Febr.(Ctr. Blu.) Die„Nowoje Wremja“ meldet aus Tokio, der japanische Ministerrat unter dem Vorsitz des Mikado hat die Ueberreichung eines Ultimatums an China beschlossen.(Voss. Ztg.)
Aus dem englischen Unterhause.
London, 21. Februar.(WTB. Nichtamtlich.) In der Sitzung des Unterhauses vom 18. Febr. sagte Sir Ed⸗ ward Grey in Beantwortung einer Anfrage, an die russische Anleihe seien keine Bedingungen politischer Natur geknüpft worden, noch seien solche vorgeschlagen worden. Das hauptsächlichste Band, das die beiden Nationen E verbinde, sei der Krieg. Er sei nicht in der age, jetzt eine Erklärung über die Herstellung dauernder Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern abzugeben.
Ueber die Forderungen Japans an China sagte Grey, er könne gegenwärtig dem Hause keine Aufklärung über die vertraulichen Informationen geben, die er von Japan erhalten habe. Am 5. September 1914 sei zwischen der britischen, der französischen und der russischen Regie⸗ rung in London ein rtrag unterzeichnet worden, der damals in der Presse veröffentlicht wurde und in dem die drei Mächte übereinkamen, während des Krieges keinen Separatfrieden zu schließen. Sie seien auch übereingekom⸗ men, auch wenn es lit Friedensverhandlungen komme, nur im Einvernehmen mit den übrigen Verbündeten Friedens- bedingungen zu stellen. Artikel 2 des englisch-japanischen Bündnisses enthalte dieselben Verpflichtungen und binde bei der Regelung der Fragen, die aus den Kriegsereignissen im fernen Osten entstehen, die vier Mächte aneinander.
Bulgarien und Rumänien.
Bukarest, 21. Febr.(W. B. Nichtamtlich.) Wie die„In⸗ döpendance Roumaine“ meldet, haben die Verhandlungen zwischen Bulgarien und Rumänien betreffend den Durchfuhr⸗ verkehr beider Länder zu einem günstigen Ergebnis geführt. Die Generaldirektoren der Eisenbahnen beider Staaten sind gegenwärtig mit der Ausarbeitung der Einzelheiten der Aus⸗ führungsbestimmungen beschäftigt.
Der Prozeß gegen Dewet.
Bloemfontein, 21. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung des Reuterschen Bureaus: Im Dewet⸗Prozeß sagte Steenkamp aus, Dewet habe in einer Niede an die Bürger vor Ausbruch der Revolution gesagt, die Deutschen seien immer Freunde der Buren gewesen. Es bestehe ein Abkommen zwischen dem deut⸗ schen Gouverneur von Südwestafrika und Maritz, daß die Deut⸗ schen, wenn die südafrikanische Republik errichtet würde, deren Un⸗ abhängigkeit anerkennen würden. Die Buren würden an die Deut⸗ schen nur die Walfisch-Bai abzutreten haben.— Im weiteren Verlaufe der Zeugenaussagen wurde behauptet, daß Dewet und Serfontein am 2. November an ein 2000 Mann starkes Kom⸗ mando bei Venterburg Ansprachen gehalten hätten, in denen sie sagten, die Bewegung sei nicht von gestern, sondern schon seit einer Reihe von Jahren geplant, nämlich seit Hertzog aus dem Kabi⸗ nett geschieden sei; Hertzog sei auf ihrer Seite.
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zösische Presse gesteht ein, daß die Russen auf beiden!
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ihre Front zu entblößen. Wenn sie dies täten, würden die B
Aus Bessen. 5 Anfragen in der Zweiten Kammer. 0
Die Abgeordneten Kore Angenrod, Finger und Genossen haben in der Zweiten Kammer folgende dringliche Anfrage eingebracht:. 2 5
Die Unterzeichneten fragen bei Großh. Regierung au:
1. Was ist im Verfolg der am 22. Dezember 1914 dringlichen Anträge Korell, Finger und Genossen seitens Großh. Regierung geschehen, insbesondere 5 5 1
71 bezüglich der Festsetzung von Höchstpreisen für Mehl und rot;.
b! bezüglich der Festsetzung von Höchstpreisen für Kraftfutter und Düngemittel, der eventuellen Beschlagnahme und der Er⸗ nennung von landwirtschaftlichen Sachverständigen;
c) bezüglich der weiteren Einschränkung des Verbrauches von Kartoffeln und Getreide in Brauereien und Brennereien.
Die Abgeordneten Brauer und Genossen haben fol⸗ gende dringliche Anfrage gestellt:
Ist die Großh. Regierung bereit, bei der Heeresverwaltung darauf hinzuwirken, daß die in den Garnisonen belasse⸗ nen Mannschaften zur Erhaltung und Fortfüh⸗ rung der landwirtschaftlichen Fer soweit
irgend möglich, bei der Bestellung und Ernte ausgiebig beurlaubt werden? J
Der Abgeordnete Lang fragt an: N
Welche ritte beabsichtigt die Regierung zu tun, um die Vor⸗ nahme der Rindenernte im kommenden Frühjahr bei dem in landwirtschaftlichen Kreisen schon jetzt herrschenden Mangel an Ar⸗ beitskräften zu sichern?
Aus dem Reiche.
Schwerin, 20. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin hat von dem Kommandierenden General eines bei den letzten ruhmreichen Kämpfen in Ostpreußen beteiligten Korps nachstehen⸗ des Telegramm erhalten: Ew. Kgl. Hoheit melde ich unter⸗ tänigst, daß die im... Reservekorps zahlreich vertretenen tapferen Söhne Mecklenburgs im Marschieren und Kämpfen Glänzendes leisteten und zur Befreiung Ostpreußens wesent⸗ lich beigetragen haben.— Der Großherzog hat dem General⸗ feldmarschall v. Hindenburg das Militärverdienstkreuz erster und zweiter Klasse zu verleihen geruht. 845
Posen, 20. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der Erzbischof 1. Dr. Likowski, ist heute abend 7 Uhr gestorben.
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Aus Stadt und Cand. Gießen, 22. Februar 1915.
Die Volksernährung im Kriege.
Um dem Aushungerungsplan unserer Feinde wirksam ent⸗ gegen zu treten und die Aufklärung darüber in die breitesten Kreise zu tragen, fand in der neuen Aula der Universität eine von der hiesigen Stadtverwaltung einberufene Versammlung 5 die außerordentlich gut besucht war. Als erster Redner spr Geh. Hofrat Professor Dr. Fromme, Vorsitzender des Alice⸗ Schulvereins, über„Die Volksernähr ung im Kriege“. Er führte aus, daß nach der bestimmten Versicherung der. verständigen Deutschland recht wohl in der Lage ist, auch in wirt⸗ schaftlicher Beziehung durchzuhalten, wenn es sich der veränderten Sachlage anpaßt. England tut natürlich alles, um seinen teuf⸗ lichen Plan zur Verwirklichung zu bringen, der dahin geht, uns einer uneinnehmbaren Festung gleich durch den Hunger auf die Knie zu zwingen. Es wird ihm aber nicht gelingen, denn dank des Schutzes, den unsere Landwirtschaft genossen hat und durch den sie mit groß geworden ist, werden unsere Vorräte bis zur nächsten Ernte reichen, vorausgesetzt, daß wir unsere Lebens ⸗ haltung darnach einrichten, sparsam leben und un⸗ seren törichten Neigungen entsagen. Es ist darum an der Zeit, darauf hinzuweisen, daß von den meisten Menschen zu viel Ae gessen wird. Man richte drei Mahlzeiten ein statt fünf. e Festlichteiten müssen wegfallen. Es darf nichts verloren gehen. Die Abfallstofse sind zu sammeln und den Viehhaltern 8 0 die sie abholen müssen. Es ist Pflicht jedes einzelnen, sich Vorräten anzupassen und wenn das Vieh ein Konkurrent des Men⸗ schen ist, so muß—— Zahl vermindert werden. Dies trifft in her⸗ vorragender Weise beim Schwein zu, das als der neunte Feind bezeichnet worden ist, der Feind auf dem wirtschaftlichen Gebiet. Die Kartoffeln müssen wir haben. Auch die Voll⸗ und Mager⸗ milch brauchen wir sehr nötig. Ein großer Teil der Schweine ist darum abzuschlachten und Tauerware herzustellen. Es kann und soll nicht geleugnet werden, daß die Lage ernst ist, und es ist nicht mit Unrecht darauf hingewiesen worden, daß man schon viel früher wirtschaftliche Vorkehrungen und Maßnahmen hätte treffen sollen aber wenn unser Volk wirklich so wohl diszipliniert ist, wie selbst unsere Feinde dies sagen, braucht es uns nicht bange zu sein. Wir müssen eben unser Leben etwas anders einrichten. Es kann dabei nicht einmal behauptet werden, daß diese Aenderung auf Kosten unserer Gesundheit geschähe oder sonst einen Schaden oder Nachteil hätte. Das gerade Gegenteil ist der Fall. Der Krieg wird zum Erzieher, indem er uns den urdeutschen Gewohnheiten unserer Väter wieder näher bringt. Seine Forderungen faßte der Vortragende in vier Sätze zusammen: 1. Wir dürfen nicht mehr essen als zu unserer Gesundheit unbedingt nötig ist. 2. Es muß die größte Sparsamkeit in der Lebenshaltung herrschen. 3. Wir müssen unsere Lebensweise ändern und uns den Vorräten anpas⸗ sen. 4. Ein Teil unseres Viehbestandes muß abgeschlachtet werden, soweit er der Lebenshaltung des Menschen Konkurrenz.
Alles das, was von uns gefordert wird, sind nur kleine Opfer, den ungeheuren Opfern gegenüber, die unsere„ müssen. Unsere Frauen und Töchter haben sich in den Dienst des Vaterlandes gestellt. Was jetzt verlangt wird, steht dem vorigen nicht nach. Wir dürfen das Vertrauen zu ihnen haben, daß sie in diesem Punkte nicht versagen und an Vaterlandsliebe nicht hinter der der Männer zurückstehen werden. i 0 Fräulein Hof, Lehrerin der Hauswirtschaft an der Aliceschule, erstattete zunächst einen kurzen Bericht über einen von ihr be⸗ suchten Lehrkursus über Volksernährung in Berlin, dessen Zweck darin bestand, Redner zu gewinnen, die überall, selbst in den klein⸗ sten Orten, Vorträge halten sollen über zweckmäßige, der Kriegs⸗ lage angepaßte Volksernährung. Sie schließt sich den Ausführungen des Vorredners im allgemeinen an und gibt noch besonders über den dritten Punkt genauere Angaben. Sie ist auch der Ansicht, daß vernünftige Lebensführung und Sparsamkeit durchaus not⸗ wendig sind. Nichts darf vergeudet, nichts weggeworfen werden. Wenn man bedenkt, daß von den 14 Millionen Tonnen Kartoffeln, die wir jährlich gebrauchen, rund zwei Millionen Tonnen durch das Schälen verloren gehen, werden wir die Forderung nur allzu berechtigt finden, die Kartoffeln nur mit der 1 zu lochen. Es ist nachgewiesen, daß in den Kanalabflüssen Berlins wöchentlich ½ Pfund Fett pro Person wegfließt, und wie sündhaft wird mit⸗ unter noch mit dem Brot umgegangen. Das Wort von der Heilig⸗ keit des Brotes muß noch mehr zu Ehren kommen. In der Verwendung von Spiritus, Stärke und Seife soll und muß ge⸗ spart werden, denn wir brauchen die Kartoffeln, den Weizen und das Fett zu unserem Lebensunterhalt. Der Genuß an Fleisch kann ruhig eingeschränkt werden Es wird ersetzt durch Milch und Mol⸗ kereiprodukte, also Käse(besonders Magerkäse), Quark und Schmier⸗ käse, Mehlspeisen, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte. Außerdem ist der Genuß von frischen und getrockneten Fischen zu empfehlen, wobei nan aber nicht allein den Schellfisch kausen muß, der durch die starke Nachfrage sehr im Preise in die Höhe schnellt. Kabeljau und Lachs sind ebenso empfehlenswert. Ausländische Waren können wir recht wohl entbehren, vornehmlich die Genußmittel: Kaffee, Tee. wofür man wieder wie früher Suppen setzen 91 5 Warm ist die Kochkiste zu empfehlen, die sich jeder selbst herstellen kann und wo⸗ durch man Brennmaterial, Zeit und Arbeit spart. Die Vortragende verlas dann noch einen Speisezettel für die eln einen solchen für die feinere Küche und schloß mit den Wo ei⸗


