Ausgabe 
(18.2.1915) 41. Zweites Blatt
Seite
113
 
Einzelbild herunterladen

2 5

* 0

1

99

3

1 5

8

N

5

3

7

5

5

8

*

glu giens. In Belgien traten die 123 auf und ten schädigung

gien antwortete nein und Belgien ward niedergeschossen. In N

schaft für das dänische Reich, Schadenersatz für die Kosten und

2

1 gleich

5

schreibt, sind wir also nicht uneinig, also brauche ich hier nicht zu antworten. Es verhält sich ganz gewiß wirklich so, daß die Buren vor Englands Absichten auf ihr Land gewarnt waren, so daß sie

2

waren England und Deutschland bei einer Garantie dabei, es ist

2

Deutschland verletzt, während England sich fröhlich hineinfand. 2 Daran gedenkt man im Norden noch. Alsdann, als Deutschland das

715

1

war garantiert, es ist eine

2

5 2

den PSlonien Selbstregierung zu

8 N

2 Welt. hinaus den

d macht wegen seiner Verletzung der garantierten Neutralität Bel⸗

5

ch das ist ein Mißverständnis des Herrn Archer. Das eine Land

en. Es ist mehr ein rich⸗ Rechenstück. Durch die Selbstregierung werden die Kolonien dies in verhältnismäßiger Ruhe erhalten, die Ausgaben für

etwaige Aufstände werden dadurch gespart, das Prestige bleibt

unberührt, ungestörte gegenseitige Zufriedenheit herrscht.

Mehr als das mehr als Zufriedenheit? Aber es dürfte nicht mehr sein, wenigstens nicht auf der unterworfenen Seite. Jede Kolonie hat diese Zufriedenheit mehr oder weniger teuer bezahlt, Se aper, d fenden een afllanischen bänder beben ire

gkeit. Die gen afrikani än ben ihre Selbständigkeit verloren. 90

Immer hat es in der Geschichte für ein Volk etwas zu be⸗ deuten gehabt, erobert zu werden; es kann Jahrhunderte dauern, bis so ein Volk das verwindet, und es gehört eine tägliche und unaufhörliche Einwirkung dazu, bis das gessen eintritt und die Unterwerfung vollbracht ist. Englands Eroberungen über die Welt hin mögen so verhältnismäßig gerecht durchgeführt sein wie sie wollen auf ihrem U liegt immerhin die Selbständigkeit der Länder als Leiche In Ländern, wo die Selbständigkeit nicht direkt iunmgestoßen ist, ist ihr für immer vorgebaut, dafür ist dort Zufriedenheit hergestellt. Aber es gibt für ein Volk andere Werte als mehr Korn und mehr Fleisch, das sind die Freiheit, das Herrengefühl, das Glück des eignen Besitzes, der Stolz auf seine Eigentümlichkeit, die Freude über die Volksangehörigen, die Träumerei.

Alles das muß bei jeder Kolonisation bis zu einem gewissen Grade beiseite gesetzt werden, auch bei der der Deutschen, wenn

deren Tag kommt. Aber die deutsche Kolonisation wird aus meh⸗ e unter anderm

reren Gründen verschieden sein von der u. aße mit ihrer eigenen

das 2 7 s kam ein Unglück über ein anderes Land und dieses Un⸗

hatte in seinem Verlaufe einige Aehnlichkeit mit dem Bel⸗ 6 sagten: Wir bie⸗

im Lande, Ersatz fürBürgschaft für den Bestand des Landes, wenn wir durchmarschieren dürfen. Bel⸗

Dänemark traten die Engländer auf und sagten: Wir verlangen die Flotte des Landes, diese soll sich mit der englischen vereinigen wir bieten ein Bündnis an, spätere Rückgabe der Flotte, Bürg⸗

Landzuwachs. Dänemark antwortete nein, Kopenhagen ward bom⸗ bardiert und die Flotte weggenommen.

72 besitzt einige Aehnlichkeit, ich sage nicht, daß sie vollstän⸗

Ist.

Wenn nun Herr Archer meint, daß dieses Ereignis zu weit in der Zeit zurückliegt, so können wir gern mit einem Ver⸗ etwas näherrücken. 5 Man hat Teutschland harte und wohlverdiente Vorwürfe ge⸗

. 15 Und England benutzt diese Verletzung sogar als Grund seine Teilnahme am Kriege. Es war ein anderes Mal, da

nicht lange her, die älteren unter uns haben es erlebt aber diese Garantie wurde ein paar Jahre hernach ganz fröhlich von

arantierte Dänemaxk zerrissen, da ging England nicht in den krieg, da stand für England nichts auf dem Spiele obgleich es sich jetzt zeigt, daß es vielleicht auch für England gut hätte sein konnen, wäre der Kieler Kanal dänisch gewesen. f Belgien, Dänemark, Transpaal sind genannt worden wir sprechen hier von den kleinen Ländern, die ja England beschützt. habe nicht Belgiens Schicksal mit dem Transvaals verglichen,

dient als Schlachtfeld, das andere ist erobert. Belgiens Neutralität

t 5 für jeden Norweger, daß Eng⸗ land das festhält und darnach handelt. Ueber das, was Herr Ar⸗ scher über die Unähnsichkeit zwischen Belgien und Transvaal

zur Gegenwehr in Stand setzen konnten; aber was half das? waren sogar durch Jamesons Uebersatt auf ihr Land ge⸗ warnt, als sie noch ungewarnt waren. Aber was half das? Herr Archer wünscht, von mir zu wissen, wo und wann Kipling vonden Tieren der Boeren geschrieben hat: Rottet sie aus! Wäre es nicht ebenso leicht gewesen, Kipling selbst darüber zu befragen? Natürlich müßte ich mich jetzt der Blätter und ihrer Daten erinnern, in denen seine Verse enthalten waren, aber ich habe das vergessen. Vielleicht könnte jemand mit größerer Zeitungskenntnis hier helfen undTidens Tegn die Auf⸗ klärung senden. Die Kinder der Boeren waren eine Brut, die

Boeren Tiere, Selbst englische Blätter schlugen die Augen nieder.

bald nüchterner, und bald

bis in seine letzten

Dichter, daß sich die höchste Zusammenfassung

für den hingebensten,

Herr Archer als ich haben wohl dieses Bombardement erlebt und wir haben die Tagesblätter darüber gelesen. Hier kann es ja sein, daß mein Eindruck von diesem Lesen bei mir noch zu lebendig ist, ich erinnerte mich einigerForts, aber die taugten zu nichts. Ich möchte wohl wissen, ob nicht auch Löwen ungefähr soweit befestigt war, ob nicht sogenannte Forts noch vorhanden waren aus der Zeit der Herzöge von Brabant..

DieForts um Alexandrien mußten in aller Eile in Stand gesetzt werden, um schießen zu können. Der Führer desAuf⸗ ruhrs mußte sie im Laufe eines Monats bereit machen, um die englische Flotte in den Grund zu bohren. Er hatte, wie bekannt, das Glück nicht für sich.

Es ist auch nicht so, daß es bloß die armseligen Erdschanzen waren, die von den Engländern niedergeschossen wurden, große Teile der Stadt gerade mit der ältesten Architektur gingen zu⸗ grunde. Aber, was dieBefestigungen selbst angeht, da genügt es wohl, daran zu erinnern, daß die englische Flotte keinen Schaden erlitt. Man denke sich, Forts, die zwei Tage lang schießen und keinen Schaden anrichten. Herr Archer will das doch wohl nicht als einen englischen Sieg rechnen? Gerade deshalb, weil Alexan⸗ drien eine so betrübend offene Stadt war, wie es war, richtet sich in der Tagespresse ein großer Teil des Bedauerns der Welt gegen Gladstone. Und soweit ich mich erinnere ich war damals in Amerika war auch England keineswegs durchweg mit dem Bombardement zufrieden.

Aufrührerische ägyptische Truppen sagt Herr Arche r. So

verschieden können die Auffassungen sein. Der Führer des Aufruhrs war ein warmherziger Mann, er besaß das Vertrauen seines Kedive, er hatte sein Vaterland lieb und wollte es von den Eng⸗ ländern und von der Fremdherrschaft befreien. Er sammelte schnell seine Truppen, als die englischen Kriegsschiffe ankerten, und stellt die Truppen an, mehr Torf auf die Erdschanzen zu schütten, und als die Schiffe schossen, antworteten dieAufrührer fleißig die ganze Zeit und schossen auch. Aber dann konnten sie nicht mehr. Sie standen da und verteidigten ihr Land, aber dann konnten sie nicht mehr. Seht, das war in jenen Tagen. Es war, bevor Aegypten eng⸗ lisches Protektorat wurde, bevor es in das Stadium derZu⸗ friedenheit kam, in dem es jetzt ist. Jetzt hat es möglichst aus⸗ gedehnte Selbstregierung.

Der letzte Punkt in Herrn Archer s Artikel bezieht sich offen⸗ bar auf die Beschießung offener englischer Fischerstädte durch die Deutschen. Das ist wohl der Krieg, das ist wohl die Desperation. Selbst wenn die Absicht die war, England einigen Schreck einzu⸗ jagen, so scheint der Zweck nicht dem ungeheuren Risiko zu ent⸗ sprechen. Aber ich bin kein Krieger und verstehe mich nicht darauf, es gibt viele Dinge, auf die ich mich nicht verstehe. Und meine deutschen Freunde, die Herr Archer erwähnt, haben mir nichts gesagt. Ich hoffe, ich habe Freunde in Deutschland, obgleich ich jetzt wohl nicht mehr habe als früher. Ich hoffe auch, daß ich in England nicht ganz freundlos bin. In einigen Blättern, die mir neulich ein unbekannter Engländer schickte, lagen sogar Blumen. Das war ein liebenswürdiger und unerwarteter Einfall. Aber die Blätter standen natürlich gerade auf der entgegengesetzten Seite wie ich. Mit Deutschland habe ich keine andre Verbindung als die, die ein Verfasser einiger Bücher mit seinem Verleger hat, keine andre. Hier ist in Kürze mein Standpunkt. Ich zweifle nicht daran, daß Herr Archer die verschiedenen Einzelheiten in meiner Dar⸗ stellung angreifen kann, Herr Archer zweifelt wohl auch nicht daran, daß ich wieder etwas würde antworten können. So könnten wir die Sache lange in Gang halten. Das führt indessen zu nichts. Wir haben erlebt, daß der englische Minister des Auswärtigen und der deutsche Kanzler in Zeitungsartikeln über den Krieg und dessen Fragen verhandelt 1 n. Sie besaßen sicher beide einige Voraussetzungen für diese kussion; aber einig wurden sie nicht.

Und ich habe bloß meinen eignen privaten Standpunkt ver⸗ teidigt. Knut Hamsun.

Kriegsbriefe aus dem Westen.

Von unserm Kriegs berichterstatter. (Underechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, verboten) Im schwarzen Borinage. Gr. Hauptquartier, am 14. Febr. 1915. Das Land um Mons herum, der kohlschwarze Fleck auf der Landkarte des Hennegaus, heißt derBorinage, zum Unterschiede von dem zweiten großen Grubenrevier Belgiens, dem angrenzendenCentre mit der Hauptstadt Charleroi. Das ist das Gebiet, welches Konstantin Meunier der Welt künstlerisch erschlossen hat, nachdem vorher schon längst, ehe wir in Deutschland daran dachten, die belgischen Dichter die Poesie im Frohndasein des Industriearbeiters zu entdecken begonnen hatten. Vor mir liegt ein kleiner Stapel solcher dichterist Versuche, die ich bei einem Büchertrödler in Charlezof ekauft habe. Aber die Ausbeute ist recht dürftig. Bei dem mühen, aus einer beispiellosen Erscheinung, die über⸗ wältigend in den Ideenkreis der modernen Völker trat, Neuland gestaltungsfähiger Schönheit zu gewinnen, sind alle diese Poeten über einen einzigen Gedanken nicht hinaus⸗ gekommen, der so alt ist wie das europäische Denken: Immer wieder vergleichen sie das Heer der Arbeiter mit einer Armee von Soldaten, die diszipliniert, todesmutig, mit jeder Faser ihres Seins einer großen 25 aufopferungs⸗ bereit hingegeben, im neuzeitlichen irtschaftskriege die Rolle der erobernden Vorhut spielen. Stets ist es dieses Bild, das in zahllosen Abwandlungen, . 5 pathetischer, wiederkehrt. Selbst Camille Lemonnier hat nichts getan, als diesen Vergleich l Möglichkeiten auszuspinnen. Er schil⸗ dert die Schlachten, welche die Arbeiterheere gegen die neidischen Alben des Erdinnern führen, wobei sie siegreich vordringen, wenn auch noch so viele von ihnen unter dem vernichtenden Artilleriefeuer der schlagenden Wetter fallen. Das aber erscheint ihm das Großartigste an seinenBo⸗ rains: So oft sie auch die Kameraden, die eigenen Väter und Brüder und Söhne von Geröll zerschmettert, mit ver⸗ spritztem Hirn, zur Linken und Rechten fallen sehen, sobald der letzte Sarg auf dem kleinen Kirchhof des Bergarbeiter⸗ dorfes unter den Rasen geglitten ist, fahren die Uebrig⸗ gebliebenen wieder in den todesschwangeren Schacht ein, fiüchtte 8e und schicksalsergeben: Es ist nie einer fahnen⸗ lüchtig geworden von diesen Soldaten der Arbeit. Man mag, je nach dem Standpunkte, in diesem Scheitern des Bestrebens, Nieerlebtem, die ihm gebührenden neuen Ausdrucksformen zu erschaffen, ein Zeichen der unfähigen Schwäche 1 mit welcher die dichterische Gestaltung der Gegenwart hinter dem Vorwärtsdrängen vor Industrie und Dichter zurückgeblieben ist. Oder ein Zugeständnis der 5 ielstrebiger Menschenkräfte heute noch, wie vor Jahrtausenden, mit nichts Erhabenerem vergleichen läßt, als dem Kriege, daß aufopferungsfähigsten Menschen kein Ehrenname gut genug ist, als der des Soldaten. Eine solche Anertenntnis aus dem Lager der an ferner Welten Tor auf Ewigkeitsklänge lauschenden Dichter könnte gerade jetzt recht willlommen sein. Aber in Wirklichkeit stimmt das Bild der belgischen Poeten nicht. Jetzt, wo des Krieges unwiderstehliche Gegenwart über den Borinage hereingebrochen ist, erkennt man, daß der Vergleich beiden

Schließlich erklärt Herr

festigte

2 Archer, daß Alexandrien einebe⸗ stadt war, als Gladstoue es bombardierte. Sowohl

Unrecht tut, den Arbeitern des belgischen Grubenreviers wie den Soldaten.

. 9

ß. ĩᷣͤ. ̃ĩ˙

Ich bin durch das schwarze Land gewandert, zwi f den Schutthalden, diesen pyramidenhohen Maulwurfs⸗- haufen, welche der winzige Mensch Schippe für Schippe aus der zerwühlten Erde hinaufgestoßen hat. Unfrei wie der Blicl, der sich im engen Kreise an den Bergaufhäufungen von taubem Kohlenkalk und an dichten Zäunen von rußschwitzen⸗ den Schloten fängt, so ist unfrer das Volk, welches hier erwuchs. Es gibt eine Kohlenzeichnung von Konstantin Meunier, in der in wenigen Strichen dieses Erdenteiles Geist und Seele ganz aufgefangen zu sein scheint.Feier⸗ abend im Boraindorfe. Stumpf und vom überlangen Tage⸗ werke jeder Empfindungsfähigkeit beraubt, stieren vier, fünf ältere Männer, in einem Mauerwinkel auf dem Pflaster hockend, auf die Dorfstraße, wo ein paar untergefaßte jüngere Leute mit müde geschleppten Körpern wandeln. Kaum vermag man zu erkennen, was Männer und was Frauen sind. Denn sie tragen beide dasselbe männliche Arbeitsgewand, auch die von der Schulbank in die dumpfe Nacht der Stollen hinabgestoßenen Mädchen. Sie kennen kein jungfräuliches Festgewand und keinen frohen Sonn⸗ tagsstaat, dessen doch des Weibes Gemüt zum Erblühen bedarf, wie die Mutter Erde des Frühlings. Aber hier ward unter ätzenden Kohlenschwaden, der die Fenster der niederen Hütten blind schlägt und die Knospen von den kümmernden Bäumen beizt, selbst der Erde ihr Frühling fremd. Mitten im perspektivischen Punkte von Meuniers Bild, so daß er jeden Blick gewaltsam auf sich saugt, tyran⸗ nisch und drohend ein ferner rauchender lot, dieser Menschen steinerner, fühlloser, pagodenhaster Beherrscher, auf den sich scheu des Kindes erster bewußter Blick richtet und dem es willenlos bis zum Totenbette verschrieben bleibt.

Nein, es liegt keine Wahrheit darin, wenn man die Not eines niedrigen Lebenszwanges, der das Dasein nie sehr wertvoll empfinden ließ, mit der wertbewußten Auf⸗ opferung des freien Mannes vergleicht, des Soldaten, der über die Grenzen seiner und der Seinen Existenz dem Vater⸗ lande dient. S sie das wohl zu begreifen vermögen, die Leute im schwarzen Borinage, jetzt, wo sie die deutschen Soldaten kennen gelernt haben?.

Als Feinde waren sie eingerückt, damals, als in West⸗ belgien die französischen Heere standen. Bei Charleroi wurde die Schlacht geschlagen, welche nach General Joffres schwer⸗ wiegender, aber etwas verspäteter Meinung die Franzosen hätten gewinnen müssen, sogar zehnmal hätten gewinnen müssen, die aber in Wirklichteit die Franzosen aus Belgien beinahe ganz hinausfegte. Die erregten Einwohner begingen den Wahnsinn, sich am Kampfe zu beteiligen, und schossen aus den Häusern auf die deutschen Truppen. Ausgebrannte Straßenreihen zeugen vom Vollzuge des verdienten schweren Strafgerichts. Die Deutschen aber ließen sich nicht auf⸗ halten. Wie eine Ueberschwemmung brausten ihre Armeen über das Land hinweg. In immer noch unfaßbarem Stau⸗ nen berichten die Einwohner davon, die das mitangesehen haben. Es war betäubend, niemand konnte das nieder⸗ pressende Wunder dieser Heerfahrt eines reisigen Volkes begreifen, welches auszog, den frevelhaften Ueberfall auf sein friedliches Vaterland abzuweisen und in welchem der letzte Troßsoldat den Rachezorn der ganzen Nation im Busen trug. Und dann, als man wieder zu sich lam, standen alle Räder still, und alle Hochöfen waren kalt. Der Krie hatte Feierschicht geboten im ganzen Kohlenlande westli der Sambre. Seit Völkergedenken war es immer nur der Krieg, der hier Feiertag gemacht hat, aber Feiertag heißt hier Hungertag. Und in diesem Gebiete ist, als dem einzigen im ganzen okkupierten Lande, der Hunger den Einwohnern auch wirklich fühlbar geworden, ohne daß es möglich war, rasch genug einzugreifen. Aber daun hat die deutsche Militärberwaltung auch hier die Angehörigen des feindlichen Landes mit Brot versorgt, und hat begonnen, ihnen die Arbeitsstätten wieder zu öffnen. Da die belgische Industrie kaum einen Inlandsmarkt hat, sondern ganz wesentlich auf den Export angewiesen ist, so bietet ihre Wiederbelebung Schwierigkeiten, die hier im engen Rahmen gar nicht geschildert werden können. 0

Es ist ein gewaltiges Werk deutscher Organisations⸗ begabung, welches hier in unzähligen Schreibstuben ge⸗ leistet wird, still, aber sichtbarlich. Denn von den Akten⸗ stößen der Schreibtische geht es wie ein belebender Blutstrom durch das Netz der erkalteten Lebensadern des Industrie⸗ reviers. Der ohnmächtig gewordene Riese beginnt seine Glie⸗ der zu recken, und es könnte fast scheinen, als ob der Tag sich nähere, wo alles wieder seinen alten Gang gehen wird, im Borinage und im Centre. 5

Aber es wird nicht mehr das alte Leben sein. Ueberall in den Betrieben arbeiten deutsche Aufseher, Werkmeister und Vorarbeiter, und von ihnen haben die Borains, viele wohl zum ersten Male, von der deutschen Sozialgesetzgebung, von Kinderschutz und Altersfürsorge vernommen, wie von lauter Märchen. Und ehe sie das vielleicht noch recht fassen konn⸗ ten, hatte die deutsche Generalverwaltung in Brüssel bereits den ersten Schritt zur Einführung einer Sozialgesetzgebung in Belgien unternommen. Daß die deutschen Eroberer mit solchen Gaben in das Feindesland einziehen würden, das hat keiner von den Verblendeten ahnen können, die aus den niedergebrannten Franktireurhäusern geschossen haben.

Des Hennegaus reiche und alte Geschichte ist wie von Schlackenmassen verschüttet, wie mit dickem Ruß übertüncht. Der Abraum dex gewaltigen Werkstätten dieser Wallonen⸗ provinz hat alles zugedeckt, die Denkmäler großer Vorzeit, wie die Narben vieler Kriege. Es ist, als ob die Bewohner an nichts denken sollten, als an die Gegenwart und ihre Ar⸗ beit. Fast wohltätig legt sich der schwarze Rauch auch auf die grausam neuen Gedenkstätten dieses Krieges, daß sie zeit⸗ entrückt aussehen, wie ein längst verklungener, böser Traum. Die Natur des Landes will es selbst so, daß der Borain, nur an seine Arbeit und an die Gegenwart denkt. Es ist ein merkwürdiges Volk; kaum beginnen die Betriebe wieder zu gehen, so beklagen sich die Zeitungen schon darüber, daß die deutsche Verwaltung die Wiedereröffnung des großen Zirkus in Charleroi nicht gestattet. So sehr hat man hier das Emp⸗ finden für die Gebote der Kriegszeit, das Bewußtsein der Gegenwart des Krieges schon verloren. So wenig hat diese Soldaten der Arbeit, wie sie die belgischen Dichter schmei⸗ chelnd nannten, ihr hartes Dasein erzogen. Deutsche werden es sein, die den Borains lehren, daß es eine andere Arbeit gibt, als er bisher kannte, eine freie, befreiende Arbeit.

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

üHͤ

Schneefälle in Süd⸗Cirol.

Innsbruck, 17. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Info

der ungeheuren Schneefälle werden aus Süd⸗ Tirol 1 Hauseinstürze gemeldet. In Denne wurden zwei, in Castagno eine Person von einstürzenden Trüm⸗ mern begraben. Alle drei sind tot. Der Bahnverkehr leidet noch immer unter den niedergehenden Lawinen. Zwischen

Mezzo⸗Lombardo und Malo Sonntag eingestellt.

ist der gesamte Verkehr bis