Landwehrhumor in Rußland. Ein wackerer Oberhesse schikt einer Gießener Dame aus dem 3 folgendes Gedicht, das uns beweist, daß unsere Landsleute auch unter widrigen Verhältnissen nicht ihren gesunden Humor verlieren: Hier in diesem Russenneste Gehts uns gerade nicht aufs beste, Jedes Dorf ein finster Loch, Alle Gassen sind sehr dreckig, Die Bewohner faul und speckig. Alles riecht nach Knobelauch. Will man wirklich etwas kaufen, Eiherrjeh, da kann man laufen, Bis man ganz kaporis ist. Hat man dann etwas erworben, Riecht man gleich, daß hier verdorben Meistenteils die Ware ist. Milch und Butter und auch Eier Stinken immer ungeheuer, Doch wo anoers ists noch schlimmer, Etwas Vorrat findst du nimmer. Der Kosak hat hier gehaust Und sogar den Russen bemaust. n der Nacht, wenn alles ruht, t man die Insektenbrut, dem Körper Flöhe, Wanzen Und die Läuse Schieber tanzen. Dann am Morgen, welch ein Graus, Sieht man ganz zerbissen aus. Doch wir alten Landweyrmänner Sind von solchen Sachen Kenner, Nur Humor hilft drüber weg Ueber allen Russendreck. Hoffentlich ist nicht mehr weit Eine schöne Friedenszeit, Wo wir kehren treu und bieder Siegreich in die Heimat wieder. Slupia, 27. Januar 1915.
Dermischtes.
* ae Ehefrauen an der Front. Es ist auch in Frankreich für einen Nichtkämpfer im allgemeinen keines⸗ wegs leicht, an die Front zu gelangen. Selbst die Berichterstatter, die amtlich zugelassen sind, müssen sich mit kurzen Besuchen an diesem oder jenem Punkt der Schlachtlinie begnügen. Umso er⸗ staunlicher ist es, daß allem Anschein nach die Frauen es zuwege bringen, bis zu den Kämpfenden der vorderen Linien vorzu⸗ dringen. Es wird berichtet, daß die Französinnen in der Liebe zu ihren Gatten die Mittel gefunden haben, den lange Vermißten zu erreichen, ohne die sonst unumgängliche Erlaubnis von irgend jemand zu erlangen. Sie drangen auf gut Glück vor, und so fan⸗ den sie schließlich ihren Mann— was auf die Ordnung und die Aussicht hinter der Front freilich kein allzu günstiges Licht wirft. Die Sache muß aber einen ziemlich großen Umfang angenommen haben; denn der Generalissimus Joffre sah sich genötigt, mit einem kategorischen Verbot dagegen einzuschreiten. Daraufhin haben die Gattenbesuche an der Front, wie berichtet wird, so ziem⸗ lich aufgehört; aber es gibt immer noch hier und da eine Frau, die jedem Verbote trotzt und die sich wirklich durch die Linien schmuggelt. So kam es, daß nach einem Bericht des Temps der Kommandeur eines Infanterieregiments zu einer überraschenden, aber wahrscheinlich durchgreifenden Maßregel schreiten mußte:
er bestrafte die Ehemänner, die den Besuch ihrer Frauen erhalten hatten. Die Begründung für diese Maßnahme, durch die eigentlich Nichtschuldige
getroffen zu werden schienen, lautete folgendermaßen: „Jeder Ehemann hat die Pflicht, wie das bürgerliche Gesetz es ver⸗ langt, den Gehorsam seiner Frau zu erzielen. Jeder verheiratete Soldat muß daher imstande sein, seine Frau zu verhindern, daß sie ihn besuche. Umso schlimmer für die Ehemänner, wenn sie
Statt besonderer Anzeige.
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nicht genügend Autorität über ihre Frauen haben, daß sie den vom bürgerlichen Gesetz geforderten Gehorsam bei ihnen durch⸗ setzen. Sie werden also für den Ungehorsam der Frau verantwort⸗ lich gemacht. Wenn in den Heeren früherer Zeiten eine Marke⸗ tenderin gegen die Disziplin verstieß, so wurde, da es nicht mög⸗ lich war, die Marketenderin ins Gefängnis zu werfen, der Marke⸗ tender dort hineingesetzt, da man ihn für die schlechte militärische Erziehung seiner Frau verantwortlich machte. Die Methode war nicht so töricht, wie es zunächst scheint, und sie wird in den vor⸗ liegenden Fällen zur Anwendung gelangen.“ So zu lesen in dem Tagesbefehl, in dem von den Strafen die Rede ist.
»Die Bombe als Nachtisch. In seiner Selbstbiographie „Lebenserinnerungen und Lebens! offnungen“ erzählt der bekannte Astronom Prosessor Wilhelm Förster eine Episode aus der Zeit unmittelbar nach dem deutsch-ranzösischen Kriege, die gerade jetzt in mehrfacher Weise interessieren dürste. April 1872 war Förster nach Paris gegangen, um als deutscher Delegierter an den Sitzungen des internattonalen Komitees für die internationale Organisatton des Maß- und Gewichtswesens teilzunehmen. Aus dieser Zeit er⸗ zählt er: Ich erinnere mich noch, daß bei einem Frühstück, welches unser Freund Henry Sainte Claire Deville den auswärtigen Komitee— mitgliedern in dem chemischen Laboratorinm der Ecole Normale gab, am Schluß auf einer großen Schüssel unter einer Metallglocke ein verdecktes Gericht zum Nachtisch serviert wurde. Als dann die Glocke abgenommen wurde, erblickte man auf dem Teller eine Bombe von etwa 20 Zentimeter Durchmesser, welche aus einzelnen Sprengstücken wieder zusammengesetzt war. Unser liebenswürdigen Wirt erzählte uns hierzu, daß diese Bombe in dem Garten der Ecole Normale explodiert sei und daß man dieses Belagerengs— dokument aus den zerstreuten Sprengstücken zusammengesetzt habe. Begütigend fügte der große Chemiker, sich gegen mich verbeugend, hinzu: Das kam aber nicht von Ihnen, sondern von Herrn Thiers.
» Amerikanische Aphorismen. Es scheint, als ob Churchill, um„die Nordsee zu versiegeln“, eine andere Art Siegel⸗ lack braucht, als ihm zur Verfügung steht.(Chicago News.)— Berichterstatter, die mit der britischen Zensur ewige Schwierigkeiten hatten, haben nun herausbekommen, daß jede Nachricht, die etwas über die schlechte Gesundheit des Kaisers mitteilen möchte, anstandslos durchgelassen wird.(Chicago Herald.)— Eine revolutionäre Be— wegung ist jetzt in Mexiko eingeleitet worden, um die Dauer der Präsidentschast auf 5¼ Wochen zu erhöhen. Denison Tex. Herald.) — Es wird in Mexiko so lange keinen Frieden geben, bis die Kinoleute, die die verschiedenen Generale begleiten, entfernt worden sind.(Atlanta Constitution.)
Monatl. Uebersicht der Todesfälle in der Stadt Gießen. Monat Jauuar 1915. Einwohnerzahl: angenommen zu 32 9 0(inkl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitszisser: 21,90%, Nach Abzug von 29 Ortsfremden 11,30. Er- Kinder
8 1 8 ens⸗ 4 E n an Zul. wachsene in 1 chens, 428. Angehorener Lebensschwäche 3(3)— 3(3)— Altersschwäche 2(I) 1 Diphtherie und Krupp 4(63)—— 4(3) Tuberkulose 4(02) 3(2)— 1 Erkrankung der Atmungs⸗ organe 1102) 9(2) 1 1 Erkrankung des Herzens 4 3 1— Gehirnschlag 4 4—— Erkrankung d. Nervensystems 4 02) 4(2)—— Erkrankung der Verdauungs- organe 4(2) 2(2) 1 1 Blinddarmentzündung 2(2) 10)— 10) Erkrankung der Harnorgane 2(1) 2(1)—— Krebs 8(4) 8(4)—— Verunglückung 1(6) 100)—— sonstigen Krankheiten 7(6) 404 10) 2 00 Summa: 60(29) 43 20) 7(4) 10 6)
Außerdem 9 französischer Kriegsgefangene.
Mirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinde.
Freitag, den 19. Februar, abends 8 Uhr: Fastenpredigt.
Israelitische Religionsgemeinde.
Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Samstag, den 20. Februar 1915: To rab end 5.30 Uhr. Morgens 9.00 Uhr. Nachmittags: 3.30 Uhr. Sabbatausgang 6.40 Uhr.
Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbatfeiee am 20. Februar 1915:
eitag abend 5.25 Uhr.
amstag vormittag 8.30 Uhr. 8 nachmittaz 3.30 Uhr. Sabbat-⸗Ausgang 6.40 Uhr.
Wochengottesdienst: Morgens 7.00, nachmittags 5.30 Uhr.
2 2 Febr. 2 5 2 5 n Wetter 1915 2 5.2 88 *. 1 2•0 225 45 10 17%% 4% 2% 10 18. 7% 8 3,3 188 10 Regen 0 1 0 1 g Höchste Temperatur am 16. bis 17. Februar 1915 4 50 C. Niedrigste„„ 5 1915— 0,8,
Niederschlag: 1,2 mu.
Für Rheumatiker und Nervenleidende.
In einem Tage von seinen entsetzlichen Schmerzen befreit. 5
Herr Josef Wilbelm, München, schreibt:„Seit 2 Monaten litt ich derart an Ischias, daß ich nicht gehen und nicht stehen, und das Bett nicht verlassen konnte. Ich häfte ausschreien mögen vor Schmerzen.
Kein Mensch glaubt, was ich gelitten babe. Nichts half mir. brachte mir meine Frau aus der Apotheke Togal mit. Die Wirkung wahr geradezu wunderbar. Nachdem ich nur wenige Tabletten ge⸗ nommen hatte, war ich vollkommen wieder hergestellt. Ich gebe daber jedem Leidenden den Rat, sich sosort aus der nachsten Apotheke das überaus billige und unfehlbar wirkende Togal zu besorgen. Nie⸗ mand wird diese Ausgabe bedauern“ Aehnlich berichten viele andere, welche To gal gegen Rheumatismus, Hexenschuß, Schmerzen in den Gliedern und Gelenken sowie bei Influenza, Nerven⸗ und Kopsschmerzen gebrauchten. Es giht nicht besseres. Es wird garantiert. daß es hilft und daß es unschädlich ist. Alle Apotheken führen Togal⸗Tabletten. Best.: Acid. acet. salic. Chinin Mg Li. 120288 —
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Betr.: Maul⸗ und Klauenseuche in Weickartshain. Nachdem die Seuche in Weickartshain erloschen ist, werden un⸗ sere Sperrmaßregeln vom 14. vorigen Monats aufgehoben. Gießen, den 17. Februar 1915. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V.: Hemmerde.
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Heute morgen 5 Uhr entschlief sanft nach fast dreijährigem, schwerem Leiden mein geliebter, herzensguter Mann, unser treusorgender Vater, Schwieger-
vater und Grossvater
Lehrer i. R. Hermann Hotz
im vollendeten 67. Lebensjahre.
In tiefem Schmerz: Eleonore Hotz, geb. Schwarz
Anna Hotz
Lehrer Mergott und Frau, geb. Hotz Lehrer Hertel und Frau, geb. Hotz
Elisabeth Hotz
und 5 Enkel. Nidda, den 18. Februar 1915.
Die Beerdigung findet Samstag, den 20. Februar, nachmittags
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