Ausgabe 
(10.2.1915) 34. Erstes Blatt
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Die Kämpfe im Ober⸗Elsaß Mitte und Ende Januar.

4 Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrie⸗ en: Die Franzosen hatten gleich zu Beginn des Krieges große An⸗ strengungen gemacht, sich in den Besitz Elsaß⸗Lothringens zu setzeu. Dem Anfang August von Belfort aus unternommenen Einfalle ins Oberelsaß wurde durch die Schlacht von Mühlhausen ein jähes Ende bereitet, und die Offensive gegen Lothringen brach nach dem glänzenden Siege des bayerischen Kronprinzen in sich zusam⸗ men. Seitdem haben die Franzosen es nicht mehr gewagt, in Loth⸗ ringen einzufallen. Dagegen gingen sie im Oberelsaß erneut vor, als die hier eingesetzten deutschen Truppen eine anderweitig Verwendung fanden. Zum zweiten Male betraten die Franzosen vorübergehend Mühlhausen und drangen nordwärts bis Ensis⸗ heim vor. Die Freude währte aber nicht lange. Durch eine erneute deutsche Offensive wurde der Gegner vertrieben, der heute nur das Weiler⸗ und Münstertal in den Vogesen und den Belfort unmittel⸗ bar gegenüberliegenden Grenzstrich in Besitz hat, während in den Nordvogesen die deutschen Truppen bis in die Höhe von Senones, also tief in französisches Gebiet, vorgedrungen sind.

Ende Dezember begannen die Franzosen zum dritten Male mit einer Offensive in Richtung Mühlhausen. Die Stadt sollte

nach Gefangenenaussagen spätestens Ende Januar endgültig in franzöfischer Hand sein. N.

Wie aus den Tagesberichten der Obersten Heeresleitung be⸗ kannt ist, wurde zwischen dem 27. Dezember und 8. Januar um den Beli der Höhe 425 westlich Sennheim Tag für Tag erbit⸗ tert gekämpft. Die Franzosen kamen jedoch über diese Höhe nicht hinaus. Dagegen gelang es den deutschen Truppen Gelände zu gewinnen..

Bis Ende Dezember hatten sich auf dem in 956 Meter Höhe, fast 700 Meter über dem Rheintale gelegenen, dicht bewaldeten Hartmannweilerkopfe, einem beliebten, geologisch und botanisch interessanten Ausflugspunkte nur deutsche und französische Wachen befunden, die einander beobachtend gegenüber lagen. Die Deutschen hielten den östlichen, die Franzosen den westlichen Teil des Kopfes besetzt. Inzwischen hatten die Franzosen eine Reihe von Alpen⸗ jäger⸗Bataillonen in die Südvogesen entsandt und auf den Hart⸗ mannsweilerkopf eine ganze Alpenjäger-Kompagnie vorgeschoben, die sich dort eine festungsartige Stetlung schuf, die ellipsenför⸗ Rig den höchsten Punkt umschloß. Die Höhe des Molkenrain (1125 Meter), zu der man vom Hartmannsweilerkopf über die Jägertanne(Sattelpunkt) gelangt, wurde ebenso wie der Belchen französischerseits start 9.

Die ersten deutschen Vorstöße gegen die Ringburg auf dem Hartmannsweilerkopfe, einem beliebten, geologisch und botanisch Auch mußte die dem Flachland entstammende Angriffstruppe erst die Schliche des im Gebirge erfahrenen Gegners kennen und be⸗ kämpfen lernen, der mit schwarzen Zlegensellen behangen oder mit Tannenreisig bedeckt, die Gipfel der schneebedeckten Tannen, bestieg und pon dort aus, in Körben sitzend, aus seinen Verstecken auf unsere Soldaten herabschoß. Bald hatten diese die Ringfestung von außen völlig umschlossen; auch war die Jägertanne besetzt worden, um die von Molkenrain her erwarteten französischen Ent⸗ satzversuche abweisen zu lönenn. Solche erfolgten auch mit min⸗ destens einem Alpenjäger⸗Bataillon, wurden aber von unseren sich energisch zur Wehr setzenden schwachen Truppen abgewiesen. Zu gleicher Zeit aus dem Ringwalle unternommene Ausfälle der Bergbesatzung scheiterten. Inzwischen hatte man die weiter nötigen Angriffsmittel bereitgestellt, so daß am 19. Januar der Sturm umternommen werden konnte. Die ersten wohlgezielten Schüsse trafen den Offiziersunterstand in der Ringfeste. Zwei Offiziere wurden getötet und einer verwundet. Der letzte Offizier streckte, auf dieses Ereignis hin, die Aussichtslosigkeit weiteren Wider⸗ standes einsehend, mit dem Rest der Befatzung die Waffen. Ein Offizier und 150 Alpenjäger wurden so zu Gefangenen gemacht. Zwei Tage später wurde auch der Hirzstein genommen und dort noch 2 Offiziere und 40 Mann gefangen genommen. An den Hirzstein waren unsere Truppen, ohne einen Schuß zu tun, herangekommen. Selbst die gefangenen Offiziere sagten aus, daß 7

die deutschen Vorbereitungen zur Wegnahme der Höhenstellungen vortrefflich gewesen seien. 3 99 9 5 Ansere Truppen waren während dieser Kämpfe im Gebirge den allergrößten Strapazen und Entbehrungen ausgesetzt. Auf hoher Bergeshöhe kämpfend, wo tiefer Schnee lag, die Tannen hoch zum Himmel ragen und wo dichtes Unterholz den Ausblick auf wenige Meter beschränkt, Tage lang ohne warme Nahrung und ohne schützendes Obdach, hatte die Truppe Außerordentliches zu leisten. Erst nachdem der Feind vertrieben war, konnte man sich einigermaßen häuslich einrichten, Wege und Hütten bauen und warmes Essen bereiten. Jetzt finden wir auch Kavallerie hoch oben in den Bergen, aber nicht etwa zu Pferde, sondern angetan mit Rucksack, Bergstock und Eissporen. Stuunden ja halbe Tage lang gehen die Kavalleristen die längsten und gefahrvollsten Pa⸗ ttrouillen und bringen oft die besten Meldungen. Nachdem der französische Versuch über Sennheim auf Mül⸗ sen durchzustoßen, an dem Widerstande der Deutschen ge⸗ scheitert war, unternahm der Feind am 27. Januar einen Durch⸗ bruchsversuch an anderer Stelle. Er hatte sich also Kaisers Ge⸗ burtstag für seine Angriffe ausgewählt. Ein höherer Stab war gerade in der Kirche, wo der Festgottesdienst abgehalten wurde, als um 11 Uhr vormittags von dem Nachbarverbande die Meldung einlief, daß ein feindlicher Angriff in Richtung Ammerzweiler erfolgt sei und um artilleristische Unterstützung gebeten wurde. Kaum war dieser zugesagt, so wurde auch innerhalb des eigenen Abschnittes des betreffenden Truppenverbandes ein französischer Infanterie⸗Angriff gegen einen rorgeschobenen Posten am Rhein⸗ Rhonekanal gemeldet. Die in schwierigem, weil sehr unübersicht⸗ lichen Gelände stehende deutsche Feldwache wurde von einer weit überlegenen feindlichen Truppenmacht überrannt. Gleichzeitig er⸗ folgte ein dritter französischer Angriff in Richtung auf Aspach. Dieser Angriff, sowie jener auf Ammerzweiler wurden bis auf Sturmentfernung durchgeführt, brachen dann aber unter schweren Verlusten für den Feind zusammen. Dagegen begann der bis an den Kanal vorgedrungene Feind sich dort einzurichten, indem er die deutsche Feldwachstellung umbaute, mitgebrachte Pfähle ein⸗ bones Drahtrollen entfaltete, auch Maschinengewehre auf Bäumen ogleich in Stellung brachte..

Der deutsche Führer hatte mittlerweile den Gegenangriff be⸗ fohlen, zu dem, weil die Reserven weiter abstanden, Teile der . zur Hand befindlichen Abschnittsreserven eingesetzt wur⸗ den. Eine Landwehr⸗ und eine Landsturm⸗ Kompagnie waren es, die sich um 4 Uhr nachmittags dem Feinde entgegen⸗ warsen, um ihm die verloren gegangene Stellung zu entreißen. Um 7 Uhr abends war die Stellung wiederum in deutscher Hand. Die Sieger, Landwehr und Landsturm, konnten mit berechtigtem Stolze auf die erbeuteten Trophäen mehrere Maschinengewehre sowie auf die gemachten Gefangenen sehen.

Um 4 Uhr nachmittags war ein neuerlicher französischer An⸗ griff auf die deutschen Stellungen im Hirzbacher Walde erfolgt und abgeschlagen worden.

Es war schon Nacht, als der Feind um 9 Uhr 30 Minuten abends endlich einen letzten Versuch machte, um im Hirzbacher

b Walde die Linie der Deutschen zu durchbrechen und die Kanal⸗ stellung wieder zu erobern. Alle diese Angriffe wurden abge⸗ wiesen. Am nächsten Tage fand man eine große Anzahl toter Franzosen vor den deutschen Stellungen. Im Gegensatz zu den bei Tage unternommenen Angriffen waren die Nachtangriffe der Franzo sehr matt geführt. Die deutschen Soldaten hörten im Hirzbacher Walde, wie die französischen Offiziere große Mühe hatten, ihre Leute überhaupt vorwärts zu bringen. WTB.

die ne hrlegiugua des preußishen Landtags.

98. Sitzung, Dienstag, den 9. Februar.

Am Ministertische: Dr. Delbrück, Dr. Lentze, Beseler, Breitenbach, v. Schorlemer, v. Loebell. Präsident Graf Schwerin⸗Löwitz eröffnet die um 2,20 Uhr mit etwa folgenden Worten: g

Sydow,

Sitzung

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Seit unserer kurzen Kriegstagung sind Monate wieder vergangen. Neuen unvergänglicken Ruhm haben unsere herr⸗ lichen Truppen wieder an unsere Fahnen geknüpft, auch die schwer⸗ sten Strapazen eines erbitterten Winterfeldzuges heldenmütig er⸗ tragen, unser Land vor größeren feindlichen Einbrüchen 5 und die fortschreitende Niederringung unserer Feinde ermögli Freilich die ungeheuren Opfer dieses Krieges sind weiter gestiegen und werden weiter steigen, denn wir sind vielleicht noch lange nicht am Ziele. Aber mit der Größe der Opfer festigt sich in un⸗ serem Volk der unbeugsame Wille, durchzuhalten kis zu einem vollen Siege, der diese ungeheuren Opfer lohnt.(Lebhafte Zu⸗ stimmung.) Alle Kreise unseres Volkes haben ganz verstanden, was die eigentliche Triebfeder dieses lange vorbereiteten Vernich⸗ tungskrieges gegen uns war und um was es sich für uns handelt. Erneute lebhafte Zustimmung.) Was auch die Ziele unserer Gegner sein mögen vielleicht wiffen ihre Völker nicht einmal, um was sie eigentlich kämpfen wir kämpfen um Sein oder Nichtfein, um unsere ganze wirtschaftliche, kulturelle und nationale Zukunft. Und weil es sich für uns um alles handelt, was uns das Leben lebenswert macht, deshalb ist uns in diesem Kampfe auch kein Opfer zu groß.(Lebhafter Beifall.) Auch unsere nüch⸗ ternen, verfassungsmäßigen Arbeiten werden, wie ich hoffe, von dem einmütigen opferwilligen Geist unseres Volkes beherrscht sein, und wir werden deshalb auch alle Sonderwünsche und Partei⸗ inleressen unbedingt den großen vaterländischen Interessen unter⸗ orbnen, wie sie heute für uns alle auf dem Spiele stehen.(Leb⸗ hafter Beifall.)

Die Etatsberatung.

Gee der ersten Lesung des Etats wird die Beratung der Vor⸗ !. Weihilfen für Kriegswohlfahrtsausgaben der Gemeinden verbunden.

Finanzminister Dr. Lentze: Unsere Hoffnung, in friedlicher Entwicklung die wirtschaftliche, geistige und kulturelle Wohlfahrt unseres Landes weiter zu fördern, wurde durchkreuzt dadurch, daß Rußland, Frankreich und England uns gemeinsam überfielen, um uns zu vernichten und dem Nebenbuhler im internationalen Wett⸗ bewerb ein für allemal den Garaus zu machen. Niemals ist ein friedliches Volk schmählicher überfallen worden(lebhafte Zustim⸗ mung), aber auch niemals haben sich die überfallenen Feinde so gründlich verrechnet, wie diesmal. Nicht Rußlands, Frankreichs und Englands Heere sind als Sieger in unserem Lande, sondern unsere tapferen, siegreichen Truppen stehen in Ost und West in Feindesland, haben den Feinden schon manchen wuchtigen Schlag versetzt, und unfere Flotte sorgt dafür, daß England die deutsche Küste nicht anzugreifen wagt.(Beifall.) Wir diktieren unseren Gegnern die Gesetze des Handels. Wir wollen und werden siegen, so große Opfer der Krieg auch erfordert.(Lebhafter Beifall.) Der Staatshaushalt wird durch den Krieg nicht unbeträchtlich beeinflußt. Das Jahr 1913 schloß günstig ab. Mit einer ähn⸗ lichen Entwicklung ist jetzt natürlich nicht zu rechnen. Als der Krieg ausbrach, schien das ganze Wirtschaftsleben mit einem Ruck still⸗ zustehen. Handel und Industrie waren lediglich auf den eigenen Markt angewiesen. Das Gespenst der Arbeitslosigkeit von geradezu riesenhaftem Umfange erschien am Horizont. Zu unserem Heil ist diefe schwere Krise überwunden. Durch bedeutsame Verord⸗ nungen und Wirtschaftsmaßnahmen ist es dem Bundesrat ge⸗ lungen, das Wirtschaftsleben wieder in Gang zu setzen. Vor allem haben dazu beigetragen die Abstandnahme von einem Moratorium, die geniale Mitwirkung der Reichsbank in der n Maßnahmen der Staatsregierung, der allgemeine gute Wille und nicht zuletzt die unvergleichlichen Taten unseres Heeres und der Marine.(Lebhafter Beifall.) Auch der Krieg hat sich als starke Quelle der Arbeitsgelegenheit erwiesen. Durch die Intelligenz und die Anpassungsfähigkeit unserer Industriellen und Kaufleute ist die Arbeitslosigkeit vermindert worden und der Beschäftigungs⸗ grad gestiegen. Der Volkswirtschaft sind keine allzu starken Wun⸗ 8 und wir können diesen Zustand noch lange ertragen.

eifall.

Bei Beginn des Krieges sind dessen Einwirkungen auf den Wirtschastskörper überschätzt worden. Namentlich bei den Eisen⸗ bahnen, jetzt ein gewaltiges Instrument der Kriegführung, deren Leistungen in diesem Kriege unübertroffen dastehen, ist zwar der Betriebskoeffizient gestiegen, aber doch ist schon im Dezemberabschluß der Güterverkehr nur noch um 5 Prozent von dem des Vorjahres entfernt. Der Ausgleichsfonds ist eine gewaltige Stütze des Staats⸗ haushalts. Jedenfalls haben wir nur mit erträglichen Minder⸗ ergebnissen zu rechnen.

Es ist gleichwohl schwer, einen Plan aufzustellen. Einnahmen und Ausgaben sind ja nicht zu übersehen. Deshalb war es das beste, anzunehmen, am 1. April sei der Krieg zu Ende und die Sätze des Vorjahres einzustellen. Soweit Aenderungen schon feststehen, sind sie indessen bereits berücksichtigt worden. Der Etat ist ohne Defizitanleihen ins Gleichgewicht gebracht worden, nur durch Ab⸗ striche und Ersparnisse.(Beifall.) Ostpreußen kann erst nach dem Kriege wieder aufgebaut werden. Die Schäden werden mit allen Mitteln jetzt schon in ihrer Wirkung zu mildern vexsucht. Parallel mit dem Reichstag wird auch vom preußischen Staate den lei⸗ stungsschwachen Gemeinden und Verbänden mit Zuschlagen zu den Kriegswohlfahrtsbeihilfen zu helfen sein.

Die Sicherung der Volksernährung ist die wichtigste Aufgabe zur Abwehr des englischen Aushungerungsplans. Wir haben ge⸗ nug Fleisch und Brot, nur muß damit haushälterisch umgegangen werden. Dies zu erreichen, sind die bekannten Verordnungen des Bundesrats erlassen worden. Eine Reihe weiterer Maßnahmen wird die Regierung noch ergreifen.

Besonders soll die Kartoffeltrocknung gefördert, die Beschaffung von Dampfpflügen und von Ersatz für den abgesperrten Chile⸗ Salpeter erleichtert werden, ebenso die Einlagerung von Fleisch⸗ dauerware zur wirtschaftlichen Verwertung unserer wertvollen Vieh⸗ bestände. Zur Regelung der Ernährung des Landes mit Brot⸗ getreide hat der Staat die Kriegsgetreidegesellschaft gegründet, da ohne eine Beschlagnahme der gesamten Getreide- und Mehlvor⸗ räte überhaupt nicht weiter auszukommen war. Eine Unsumme von Erfahrungen muß in diesem gewaltigen, noch nicht dagewesenen Unternehmen zusammenwirlen, und das ganze Volk muß den guten Willen haben, keine Schwierigkeiten zu machen und das vater⸗ ländische Interesse zu fördern. Das erheischt der Ernst der Lage, der über die Unbequemlichkeiten hinweghelfen muß. Das Deutsche Reich wird nicht zugrunde gehen. Es wird ein Hort der Bildung, Kultur, Pflichterfüllung und treuester Arbeit weiter bleiben. Leb⸗ hafter Beifall.) Fester als je werden wir hoffentlich aus dem Kampf hervorgehen, und wenn dann auch im inneren Kampf durch das gemeinsam vergossene Blut die Gegensätze ihre Schärfe verlieren, dann erfüllt sich an uns das Bibelwort: Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.(Leb⸗ hafter Beifall.)

Abg. Hirsch(Soz.): Ihren grundsätzlich ablehnenden Stand⸗ punkt gegenüber der bisherigen Regierungspolitik hält die sozial⸗ demokratische Fraktion aufrecht, verzichtet jedoch in dieser ernsten Zeit bei der ersten Lesung des Etats auf Erörterungen partei⸗ volemischer Natur. Ihre vielfachen Wünsche und Beschwerden wird sie bei der Einzelberatung zur Sprache bringen. Aber heute schon müssen wir entschieden verlangen, daß die Regierung aus der gegenwärtigen Lage die unumgänglichen innerpolitischen Fol⸗ gerungen zieht. b

Der Polizeikampf gegen die Arbeiterbewegung, die Sozial⸗ demokratie, die Gewerkschaften und die freie Jugendbewegung muß aufhören, ebenso die Dänen⸗ und Polenpolitik. Vor allem muß aber das Dreiklassenwahlrecht durch das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht ersetzt werden Wir wünschen, daß dieser entsetzliche Krieg bald ein Ende sinden möge. Die Friedensstimmen in allen kriegführenden Ländern mehren sich von Tag zu Tag, namentlich bei der Arbeiterklasse. Hoffentlich kommt bald ein gesicherter Friede zum Heile des deutschen Volkes und der Nan Menschheit zustande.

Abg. Dr. v. Heydebrand(kons.) erklärt im Auftrage der übrigen Parteien des Hauses: Auch wir wollen Wünsche, Klagen und Beschwerden zu geeigneter Zeit und zwar in der Kommission vorbringen, gegebenenfalls auch im Plenum. Dieser Augenblick ist aber nickt geeignet dazu.(Beifall. Aber während dieses Existenzkrieges, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat, verlangt und erwartet das preußische Volk nicht, daß der Einzelne Klagen

Geschlossenheit des ganzen preußischen Volkes auch gegenüber die- sem wütenden Kriege zum Ausdruck bringen. Ebensowenig, wie man auf dem Schlachtfelde Klassen kennt, dürfen jetzt Forderungen einzelner Klassen vorgetragen werden.(Beifall.) Unsere Brüder 3 draußen in den Schüßengräben erwarten, daß auch wir daheim Opfer bringen, daß das preußische Volk zu Opfern bereit ist. Unser Volk ist in diefer ernsten Lage zu jedem Opfer bereit.(Leb⸗ 25 Beifall.) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) ruft: Sie dice türmi

echt, im Namen des deutschen Volkes zu sprechen!( Entrüstungsrufe im ganzen Hausc.)

Auch wir wissen den Wert des Friedens zu schätzen, aber er muß uns dauernd die Früchte sichern, die wir in die wal⸗ tigen Kampfe erwerben wollen. Jetzt handelt es sich um den Kampf. um Krieg und Sieg! Was später kommt, ist eine andere Frage. Die Aufgabe dieser Stunde ist gemeinsame Arbeit, Pflichterfüllung, Opferbringen, Kämpfen und Siegen und einig Zusammenstehen. Das erwartet das Volk von uns und darum bitte ich alle Parteien dieses Hauses!(Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Da sich weiter niemand zum Worte gemeldet hat, schließt der Präsident die erste Lesung des Etats. Der Etat und die Wohlfahrts⸗ vorlage für die Gemeinden gehen an die Budgetkommission.

Naächste Sitzung Montag, den 15. Februar, 2 Uhr: Zweite Lesung des Etats. Schluß Uhr.

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Berlin, 10. Febr. Tas gestrige Zusammentreten des Ab⸗ geordnetenhauses zur Etatsberatung im Kriege bot, wie der Berl. Lokal⸗Anzeiger schreiht, ein fesselndes Bild, viel farben⸗ reicher als in gewöhnlichen Zeitläuften. Eine große Anzahl der Volksvertreter trugen die Uniform, zumeist geschmückt mit dem Eisernen Kreuz. Die Etatsrede des Finanzministers dürfte der Vossischen Zeitung zufolge wohl die Fürze ewesen sein, die bisher dagewesen. Sie bedeutete, wie diePost hervorhebt. in der Hauptsache die Begründung unserer Siegeszuversicht, die erwähnte die Grundkraft unserer unbezwinglichen und unerschütter⸗ lichen Stärke, unsere Wehr zu Lande und zu Wasser und zeigte, daß unsere unerschütterliche Machtstellung des weiteren noch auf drei Hauptfaktoren beruht: auf der Leistungsfähigkeit unserer Eisenbahnen, unserer Landwirtschaft und unserer Reichsbank. Mit der Rede des Ministers hätte, wie dieVossische Zeitung meint, die Sitzung zu Ende sein können, wenn die Sozialdemokraten es über sich gewännen, auf die obligat gewordene Erklärung zu verzichten. i meinen, eben schon genug verzichtet zu haben sich die übliche Darlegung ihrer Wünsche und Be später aufheben. Es handelt sich für sie darum, immer wieder zu betonen, daß ihr grundsätzlicher Standpunkt keine Aenderung erfahren habe. Sämtliche anderen Parteien hatten dem Vor⸗ sitzenden der konservativen Partei die Aufgabe übertragen, auf die Erklärung der Sozialdemokraten zu antworten. Die z⸗ zeitung schreibt: Mit ebenso sachlicher Entschiedenheit wie patrio⸗ tischer Wärme brachte Herr von Heydebrand das zum Ausdruck, was innerhalb und außerhalb des Abgeordnetenhauses jetzt weite Kreise des deutschen Volkes empfinden. Mit Nachdruck wies er darauf hin, daß unser Vaterland von allen jetzt nur Opfer und nur Pflicht zu verlangen hat und daß kein 3 jetzt groß genu ist, um es nicht freudig darzubringen. DasBerliner Tageblat 5 sagt: Die Parteiforderungen sollten erst wi hervorgeholt wer⸗ den, wenn Friede ist.

Aus Stadt und cand. l Gießen, 10. Februar 1915.

* Ausfuhrverbot für Brot und Mehl aus Gießen. Um die Versorgung der hiesigen Bevölkerung mit Brot und Mehl sicherzustellen, hat der Oberbürgermeister die Abgabe von Brot und Mehl außerhalb der Stadt Gießen untersagt. Auf die San Bekannt⸗ machung in heutiger Rummer wird ausdrücklich verwiesen.

Auf dem Felde der Ehre gefallen.

(Aus Hessen und den Nachbargebieten.) f Landwehrm. Nikolaus Scholl, Res.-Inf.⸗Rgt, 88, aus Mon heim. Landwehrm. Heinr. innel, Landw.⸗Rgt. 116, an Schotten. Musketier Aug. olf, Inf.-⸗Rgt. 88, aus Klei Altenstädten. Kriegsfreiw. Ludwig Tröller, Pionier⸗Bat. 16, aus Burgfoems. Kapitänleutnant Hans Gropius von S. Mm,. S.Emden, aus Weilburg. Hilsshohoist Franz Böhlmann, Inf.-Rgt. 118, aus Worms. Wehrmann Gesr. Georg Konrad Weißbach, Res.-Ins.-Rgt. 116, aus Rheindürkheim. Rendaunt Gg. Schmittbetz jun. aus Zotzenheim. Gesr. Friedr. Windisch, Fuß⸗Art.⸗Yigt. 18, aus Mommenheim. Hoboisten Kacl Little und Rich. Poetsch, Inf-Rgt. 117 in Mainz. Reservist Otto Binzer, Ins.⸗ggt. 168, aus Pohlgöns. Kriegsfreiw. cand. phil. Ludwig dohenstein, Res.-Inf.⸗Ngt. 221, aus Darmstadt. Major und Vat.-Kommandeur Heinr. Weihrauch, Res.⸗Ins. Rgt. 93, aus Darmstadt. f

* Ritter des Eisernen Kreuzes: Einj.⸗Uffz. Ernst Schmitt aus Darmstadt, e 115. Feld⸗ webel Hans Tyroller aus Offenbach, Brig. 1 49. Wehrmann Johann Schneider 77160 Offenbach, Res.⸗Inf. Regt. 116. Kapitänleutn. Leo Dollmann aus tzlar, auf S. M. S.Großer Kurfürst. Leutn. d. R. Hans Doll⸗ mann aus Wetzlar, Inf.⸗Regt. 88. Sergt. Max Klieber aus Wetzlar, Stabswache der 22. Res.⸗Div. Geft Allen⸗ dörfer aus Vüdingen, 21. Pionier⸗Bat. Vizewachtmeister Rohrmann aus Kefenrod, 25. Art.-Regt. Wehrmann Konr. Besemer, Art.⸗Regt. 44, und Wehrmann Joh. Schlegel aus Kefenrod. Vizefeldw. d. R. August Penck aus Darmstadt. Rechtsanwalt Schoedler aus Darmstadt, Leutn. d. L. II, bei einer Art.⸗Mun.⸗Kol. des 27. Res. Armeekorps. Dr. Max Oppenheimer aus Hadamar, Unterarzt im 8. Feld ett beim 5. 1 Uffz. d. R. Jos. Möhn aus Oberweyer. Gren. Emil Schäfer aus Niederscheld, 2. Garde⸗Regt. 95 F. Pionier⸗Gefr. Karl Weber aus Dillenburg. Gefr. Ludwig Weil aus Lohr⸗ heim, Unterlahnkreis. Hauptmann un e beim Marburger Landsturm⸗Jufanterie-Bataillon Konsisto⸗ rialrat Stamm aus Kassel. 5

a Regelung des Verkehrs mit Brot. Die im Anzeigenteil veröffentlichte Bekanntmachung des Ober⸗ bürgermeisters, wonach über die Abgabe und das Ver⸗ backen des Mehls von Mehlhändlern, Mühlen, Bäckern, Konditoren usw. Nachweise zu führen und lierüber am 1., 10. und 20. jeden Monats nzeigen zu erstatten sind, wird zur Beachtung empfohlen.

Stadttheater. Das KindermärchenTischlein deck dich, Esel streck dich und Knüppel aus dem Sac! von Marie Waldeck, das am Sonntag nachmittag bei Volkspreisen zum ersten Mate bier gegeben wird, hat, wie man uns schreibt, im Dezember in Frankfurt im Neuen Theater seine Uraufführung er⸗ lebt und sieht seitdem andauernd dort auf dem Spielplan, was am besten sür den großen Ersolg spricht. Eine Dramatisterung dieses Märchenstoffes ift hier noch nie geboten worden und die Ver⸗ arbeitung durch die Verfasserin erweist sich als recht glücklich und dem lindlichen Auffassungsvermögen angevaßt. Daß auch die Zeit⸗ eleignisse in entsprechender Form zur Sprache kommen, bedeutet einen weiteren Vorzug des Märchens. Die Einstudierung leitet

** Ein bräuchlichen 2 e Kettenbriefe als Feld 8 Der Absender eines solchen Kettenbriefs verpflichtet den Empfänger, einen auf der Karte angegebenen Vers Spruch eine gewisse Zeit hindurch täglie

n unfug. Cinen neuen Fall der miß⸗

und Beschwerden vorbringt.(Lebhafter Beifall.) Wir müssen die

Empfänger weiterzusenden. Jeder neue